Schlagwort-Archive: Hilfe zur Selbsthilfe

Projekt Earthship am Ostkap

In Südafrika aufgehalten, um die Idee von Sozialunternehmen zu unterstützen. Ein Gastbeitrag.

(Autorin: Melanie Akerboom)

Seitdem ich 2009 für ein Auslandssemester und ein anschließendes Praktikum in der Gemeindeentwicklung in Südafrika war, zieht es mich immer wieder zurück. Diesmal hatte ich beschlossen meine Masterarbeit über Südafrika und sogenannten „Sozialunternehmen“ zu schreiben und verschiedene Unternehmen persönlich zu besuchen. Die meiste Zeit habe ich in Port Alfred verbracht, einem kleinen Küstenort am Ostkap, in dem ich damals studiert und mein Praktikum absolviert habe. Das Foto ist im Nelson Mandela Township (Nemato) entstanden, bei dem ich zwei meiner Freunde mit ihrem Uni-Projekt unterstützt habe.

© Melanie Akerboom absolvierte 2009 ein Auslandssemester und ein Praktikum am Ostkap. Sie beschäftigt sich mit dem Thema Sozialunternehmen in Südafrika, worüber ihre Masterarbeit handelt. Im Nelson Mandela Township (Nemato) kam es zum Foto mit den Kindern.

© Melanie Akerboom absolvierte 2009 ein Auslandssemester und ein Praktikum am Ostkap. Sie beschäftigt sich mit dem Thema Sozialunternehmen in Südafrika, worüber ihre Masterarbeit handelt. Im Nelson Mandela Township (Nemato) kam es zum Foto mit den Kindern.

Das „Earthship“ ist ein Haus das hauptsächlich aus recyceltem Material gebaut wird; im Prinzip aus alten Reifen, Flaschen und Zement. Meine Freunde hatten die Aufgabe bekommen ein Gebäude eines Kinderhorts im Township wieder aufzubauen, nachdem es zusammengefallen ist. Sie sind durch Internetrecherchen auf die Idee mit dem „Earthship“ gekommen und haben es zusammen mit der lokalen Bevölkerung gebaut. Somit haben diese neue Kenntnisse gelernt und sich aktiv in der Entwicklung des Townships beteiligt. Das Gute an der Bauweise ist, es ist nicht nur preisgünstig, sondern auch stabil gegen Wind und Wetter. Immer wieder kamen neugierige Leute auf die Baustelle, haben meine Freunde mit Fragen gelöchert und sie für die gute Idee und Tat gelobt. Ich bin gespannt, ob es in ein paar Jahren noch mehr von diesen „Earthships“ in Port Alfred gibt.

Die Kinder auf dem Foto haben mir geholfen Flaschen, die wir von einer Cocktailbar und der Uni gesammelt haben, zu reinigen. Die Kinder lieben es wenn sie helfen können, Aufmerksamkeit bekommen und etwas Spannendes erleben. Sie lieben es auch für Fotos zu Posen und können kaum genug davon bekommen.

Was ich bisher über Südafrika gelernt habe ist, dass es das Beste ist den Leuten vor Ort was beizubringen. Das kann von einfachen Computerfähigkeiten, Nachhilfe in Mathematik oder Wissenschaftslehre bis zum Fördern vom kritischen Denken reichen. Eigenschaften, die sie für ihre Zukunft gebrauchen können und tausend Mal mehr wert sind als gespendete Klamotten und Gelder. Heutzutage wird immer mehr von Hilfe zur Selbsthilfe gesprochen.

    © Das „Earthship“ in Port Alfred ist ein Haus, das hauptsächlich aus recyceltem Material gebaut wird - im Prinzip aus alten Reifen, Flaschen und Zement. Dieses Projekt des Sozialunternehmens Entrepreneurship-Center soll sozial oder umweltfreundlich zum Wohle der Gemeinde eingesetzt werden.

© Das „Earthship“ in Port Alfred ist ein Haus, das hauptsächlich aus recyceltem Material gebaut wird – im Prinzip aus alten Reifen, Flaschen und Zement. Dieses Projekt des Sozialunternehmens Entrepreneurship-Center soll sozial oder umweltfreundlich zum Wohle der Gemeinde eingesetzt werden.

Von daher unterstütze ich vollkommen die Idee von einem Sozialunternehmen. Ein Sozialunternehmen ist ein Unternehmen das zum primären Ziel hat, sich sozial oder umweltfreundlich einzusetzen. In der Regel wird überschüssiges Einkommen wieder in das Unternehmen reinvestiert oder aber in andere Projekte gesteckt. Es gibt sehr verschiedene Auffassungen und es bedarf momentan noch an einer einstimmigen Definition. Es kann ein Unternehmen sein, das ein Produkt oder eine Leistung für einen Preis anbietet, den sich die lokale Bevölkerung leisten kann. Dies passiert zum Beispiel im Entrepreneurship-Center in Nemato. Dort werden unter anderem Computerkurse angeboten die den Teilnehmern bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt verhelfen und dabei in ihrem Budget liegen. Das gesamte Einkommen wird wieder in das Unternehmen gesteckt, damit es sich selbst tragen kann – es ist also für einen gemeinnützigen Zweck.  

Was ich jedem der sich für Land und Leute in Südafrika interessiert empfehlen kann, ist sich auch mal die kleinen Orte anzuschauen. Es ist wie bei uns doch noch was Anderes als ein Stadtleben und zudem trifft man an diesen Orten eher auf die einheimische Bevölkerung. Interessant ist, dass Touristen doch öfters neugieriger sind, das Leben in den Townships kennenzulernen als es ein Großteil der weißen Bevölkerung ist. Auch sehr empfehlenswert sind sogenannte „game drives“, besser bekannt als Safaris. Ich liebe sie.

Hilfe – die etwas andere Art

Ein Reisebericht zu Kapstadt und KwaZulu-Natal – Teil 4

(Autorin: Annemarie Köster)

Auf Grund meiner Erfahrungen mit sogenannten Solidaritätsspenden, die ich bis 1989 jahrzehntelang in nicht unwesentlichem Umfang geleistet habe, wollte ich nun etwas anderes ausprobieren.

Ich erfuhr von einem nach Südafrika ausgewanderten Paar, das sich speziell um Hilfe für Kinder bemüht und wurde von ihnen eingeladen. Da ich mir vor Ort erst mal selbst ein Bild machen wollte, habe ich lediglich im Bekanntenkreis ein paar Spenden gesammelt – ca. 100,00 Euro.

Ursprünglich hatte ich an Kinder in Waisenhäusern gedacht. Dann habe ich aber erfahren, daß die Heime, von unterschiedlichen Organisationen geführt, auf verschiedene Art unterstützt werden. Nicht nur Waisen und Straßenkinder sondern auch solche aus Problemfamilien finden Aufnahme– teilweise bis zum Alter von 21 Jahren.

© Lebensmittelkauf

Schnell ließ ich mich überzeugen, daß mein weniges Geld besser für zwei bedürftige Familien – konkret für Frauen, die mit ihren Kindern und Enkeln allein leben – ausgegeben werden sollte. So sind wir erst einmal zum nächsten Supermarkt gefahren. Es war bekannt, was speziell verwendet wurde und wir haben von Maismehl über Zucker, Milch und Brot bis zu Öl, Obst und Gemüse verschiedene Lebensmittel – natürlich auch ein paar Süßigkeiten – besorgt.

Dazu kamen – wegen des Kälteeinbruchs zu dieser Zeit – ein paar Jogging-Anzüge für die Kinder. Die Sachen haben wir den Familien nach Hause gebracht.

© Hilfebedürftiges Kind

© Hilfebedürftiges Kind

Auf diese Weise habe ich Dörfer kennengelernt, die auf den ersten Blick eigentlich recht idyllisch aussahen. Ein weites, grünes Hügelland mit verstreut stehenden traditionellen Rundhütten aber auch neueren viereckigen Steinhäuschen. Hier und da ein paar magere Kühe, Ziegen oder Hühner. Keinerlei Obst- oder Gemüsegärten.

Bei näherem Hinsehen ist von der Idylle jedoch nichts übrig geblieben. Es gab zumeist keine befestigten Straßen (glücklicherweise war es trocken), nur teilweise Strom und keine privaten Wasseranschlüsse. Wasser mußte von den öffentlichen Zapfstellen zu den Hütten getragen werden – oft eine Aufgabe der Kinder. Die Häuser liegen einfach zu weit auseinander und es ist zu teuer, einzelne Wasserleitungen zu verlegen.

Eine weitere Erkenntnis war, daß das Leben in den traditionell gewachsenen Dörfern nicht zu vergleichen ist mit dem Leben in den riesigen Townships am Rande der großen Städte auch wenn es äußerlich ähnlich zu sein scheint.

© Tristes Township-Leben

Das Gefühl, nun etwas Gutes getan zu haben für Bedürftige, hat sich bei mir eigentlich nicht so recht eingestellt. Eher habe ich die Erkenntnis gewonnen, daß man einen so kleinen Betrag auf diese Weise zwar effektiv verwenden kann aber es ist unbedingt Hilfe zur Selbsthilfe nötig. Wie das aussehen könnte? Ich habe keine Ahnung. Dazu ist mehr nötig als nur mal gesehen zu haben, wie man in südafrikanischen Dörfern lebt. Mit europäischen Vorstellungen von Hilfsprojekten kommt man hier sicherlich nicht weiter.

Hilfe – die etwas andere Art (Kapstadt 2008)

2008 habe ich mir als Abschluß all’ meiner Sprachschulaufenthalte ein paar Wochen Einzelunterricht gegönnt. Das beinhaltete auch diverse Exkursionen.

Zusammen mit einer anderen Lehrerin und ihrer Klasse führte uns unsere letzte Exkursion in das Saartjie Bartman Centre für Frauen und Kinder in Manenberg, Cape Flats. Das ist eine Einrichtung, in die sich misshandelte Frauen mit ihren Kindern für einige Zeit flüchten können, um Entscheidungen über ihr weiteres Leben zu treffen: http://www.saartjiebaartmancentre.org.za/.

© Überraschungsbesuch

Wir organisierten eine kleine vorzeitige Weihnachtsfeier. Einer unserer Schweizer Mitstudenten musste der Weihnachtsmann sein. Es war ein interessanter Vormittag. Die 100 Euro für bedürftige Kinder, die ich wieder in Deutschland gesammelt hatte, waren bereits an meine Freunde in KwaZulu- Natal überwiesen. (Sie wurden später ratenweise einer jungen Frau zum Lebensunterhalt zur Verfügung gestellt, die im Rollstuhl sitzen muß, weil sie als Kind in eine Schießerei geriet).

Aber es ist für uns Europäer nicht teuer, Kinder glücklich zu machen, und es ist uns sicherlich ein wenig gelungen

Weitere Reiseberichte von Annemarie Köster hier abrufbar..

CSU-nahe Stiftung verfolgt “Hilfe zur Selbsthilfe”

Soziales und Sicherheit gelten als Projektschwerpunkte der Hanns Seidel Stiftung in Südafrika

(Autor: Ghassan Abid)

© Logo der Hanns Seidel Stiftung

Die CSU-nahe Hanns Seidel Stiftung (HSS) ist seit 1991 durch ihr Johannesburger Projektbüro in Südafrika vertreten und fungiert als politische Stiftung nach dem Grundsatz „Hilfe zur Selbsthilfe“. Vordergründig bezweckt die HSS die Stabilisierung demokratischer Verhältnisse und rechtsstaatlicher Strukturen, sodass vor allem parteiunabhängige Organisationen bei ihrer Arbeit eine Unterstützung finden. Ferner wird auf nationaler und kommunaler Ebene als weiteres Oberziel die Armutsminderung in Erwägung gezogen, die mit dem „Bergzicht Training Centre“ in Stellenbosch seit 1993 in Angriff genommen wurde. Während hierbei mehrere Hundert arbeitslose Frauen aus den Townships eine Ausbildung im sozialen Bereich (Kindergärten, Altenpflege, Haushaltshilfe) erhalten, wird auch NGOs (associates) eine solche Ausbilderkompente übertragen. Die Stellenvermittlung der Absolventinnen kann mit 80 Prozent als erfolgreich bewertet werden, zumal insgesamt 720 Absolventinnen allein für das Jahr 2009 eine feste Anstellung im Rahmen einer Bergzicht zertifizierten Ausbildung finden konnten.

Die HSS hat mit der Provinzregierung des Western Cape, welche seit 2009 durch die DA-Parteichefin Helen Zille regiert wird, ein Abkommen zur Stabilität demokratischer Strukturen auf kommunaler Ebene unterzeichnet. In Zusammenarbeit mit dem „Institute for Sustainable Government and Development (ISGAD)“ werden Gemeindeverordnungen überarbeitet und Ordnungskräfte ausgebildet. Ebenfalls verfolgt die Hanns Seidel Stiftung gemeinsam mit dem renommierten „Institute for Security Studies (ISS)“ eine politikberatende Funktion gegenüber „Mitgliedern der Regierung, der Parlamente, der Polizei und der Medien“ zu sicherheitsrelevanten Themen. Aktuelle Beratungsleistungen sind auf dem Terrain der Kriminaljustiz und der Polizei angesiedelt. Da die innere Sicherheit in Südafrika weiterhin angespannt ist, infolge von Kriminalität, Korruption und lokalen Protesten, wird die HSS die Kooperation mit dem ISS intensivieren und dieses um das „Secretariat for Safety and Security“ der südafrikanischen Polizei SAPS erweitern. Die ISS nimmt auch deshalb eine besondere Stellung ein, da mit dem „Corruption and Governance Programme“ Maßnahmen zur Finanzierung des Klimaschutzes erörtert werden.

© Trainingsseminare als wichtigstes Mittel der HSS-Arbeit

Lobenswert sind die Bemühungen der Hanns Seidel Stiftung, die Demokratieförderung im  Nichtregierungssektor und auf der staatlichen Ebene anzusetzen. Dieser Dualismus erweist sich insbesondere im Sicherheitsbereich als notwendig, jedoch besteht bei Projekten mit kommunalem Bezug stets die Gefahr, dass diese lediglich punktuell-lokale und keine langfristig-überregionale Effekte auf die gesellschaftspolitische Entwicklung der Regenbogennation entfalten können, was mit der finanziellen Ausstattung der Stiftungen im Kontext zu setzen ist.

Die 2010sdafrika-Redaktion möchte sich bei Herrn Gerhard P. Linska, Büroleiter des Hanns Seidel Stiftung in Südafrika, recht herzlich für die Zusendung von Projektinformationen und Bildmaterial bedanken.