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Polizei-Desaster in Südafrika

Fremdenhass, Korruption und Killerkommandos – eine Behörde im absoluten Totalversagen

(Autor: Ghassan Abid)

Wer in Not ist oder die Unterstützung von Polizeibeamten braucht, der ruft in Deutschland die 110 an. In Südafrika wählt man hingegen die übliche Rufnummer 10111. Doch wer von dieser Hilfe Gebrauch macht, den erwarten nicht selten große Enttäuschungen. Die Geschehnisse um die getöteten 34 Minenarbeiter in Rustenburg durch Polizeibeamte bekräftigen eine Reform dieser Sicherheitsbehörde.

© Kollaps der südafrikanischen Polizei: Zwei Polizeichefs mussten infolge von Korruptionsvorfällen bereits gehen. Neben dem Fremdenhass, stellt auch die ausbleibende Verhältnismäßigkeit der Polizisten bei der Anwendung von physischer Gewalt ein gewaltiges Problem dar. Das Vertrauen der südafrikanischen Bevölkerung in diese Bundesbehörde nimmt zunehmend ab. Doch das zuständige Polizeiministerium verzichtet auf eine Reform. Die Bürger haben das Nachsehen. (Quelle: Bongani Nkosi/ MediaClubSouthAfrica.com)

© Kollaps der südafrikanischen Polizei: Zwei Polizeichefs mussten infolge von Korruptionsvorfällen bereits gehen. Neben dem Fremdenhass, stellt auch die ausbleibende Verhältnismäßigkeit der Polizisten bei der Anwendung von physischer Gewalt ein gewaltiges Problem dar. Das Vertrauen der südafrikanischen Bevölkerung in diese Bundesbehörde nimmt zunehmend ab. Doch das zuständige Polizeiministerium verzichtet auf eine Reform. Die Bürger haben das Nachsehen. (Quelle: Bongani Nkosi/ MediaClubSouthAfrica.com)

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“Ihr seid ja wohl verrückt.”

Eine deutsche Bloggerin über ihre mutige Hilfsaktion in Alexandra – ein Gastbeitrag aus Joburg.

(Autorin: Sine Thieme)

© Sine Thieme lebt seit 2010 mit ihrem Mann und vier Kindern in Johannesburg. Ihr Blog, Joburg Expat (www.joburgexpat.com) beschreibt ihre dortigen Abenteuer aber vor allem den südafrikanischen Alltag in all seinen schönen und manchmal auch lästigen Variationen.

© Sine Thieme lebt seit 2010 mit ihrem Mann und vier Kindern in Johannesburg. Ihr Blog, Joburg Expat (www.joburgexpat.com) beschreibt ihre dortigen Abenteuer, aber vor allem den südafrikanischen Alltag in all seinen schönen und manchmal auch lästigen Variationen.

Das war die häufigste Antwort, die uns Freunde und Familienangehörige gaben, als wir Ende 2009 unseren baldigen Umzug nach Johannesburg ankündigten. Überfallen werde man uns und ausrauben, aber das nur im besten Fall, denn ganz sicher würden wir im eigenen Bett umgebracht werden. Denn wer zieht schon in die „Hauptstadt des Verbrechens?

Trotz aller Warnungen, aber zugegebenermaßen doch ein wenig besorgt, kamen wir Anfang 2010 am OR Tambo International Airport an, unsere vier Kinder im Schlepptau. Als wir auf dem „Motorway“ unserem neuen Haus entgegenfuhren, zeigte der Fahrer auf ein vorbeihuschendes Ausfahrtsschild. „Dort ist Alexandra. Dort dürft ihr NIE alleine hingehen.“ Ich legte dies mental bei all den anderen Informationen zum Thema “Vorsicht in Johannesburg” ab. Wenn jemand davor warnt, der in Soweto lebt – ein weiterer Ort, den man als Weisser auch eher mit Gefahr assoziiert – dann sollte man Alexandra wohl tatsächlich um jeden Preis vermeiden.

Ungefähr neun Monate später befinde ich mich am Steuer meines – nach vielem bürokratischem Hin- und Her – neu erworbenen Autos auf dem Weg nach Alexandra. Neben mir sitzt Lucky, den ich gerade vor einer Stunde persönlich kennengelernt habe, und weist mir den Weg. Ich versuche nicht daran zu denken, was mich dort erwartet. Dass Johannesburg keine verrückte Entscheidung war, weiss ich inzwischen, doch bei Alexandra bin ich mir nicht so sicher. Aber alle meine Zweifel fallen bald beiseite, weil ich vollauf damit beschäftig bin, mich auf die Straße zu konzentrieren und nicht irgendwen oder –was anzufahren. Alexandra ist rund um die Uhr voller Leben. Tausende von Menschen drängen sich auf den Straßen und Gassen, um ihren verschiedenen Geschäften nachzugehen. Ziegen wandern besitzerlos umher. Kinder starren mich durch das Autofenster an, wahrscheinlich das einzige weisse Gesicht, dass sie den ganzen Tag zu sehen bekommen werden. Die Straßen werden zunehmend enger, je weiter wir vordringen, und sind mit Schlaglöchern übersät. Nach mehreren Kreuzungen habe ich schnell gelernt, dass nur drankommt wer mutig mittenhinein fährt.

© Alexandra als Ort, wo Weiße in der Regel nicht anzutreffen sind.

© Alexandra als Ort, wo Weiße in der Regel nicht anzutreffen sind.

Während wir von einer Seitenstraße zur nächsten kriechen, bemühe ich mich, nicht zu sehr von dem Schaubild um mich herum abgelenkt zu werden. Denn sowas bekomme ich in meinem wohlgeordneten und eher langweiligen Dasein im Security Estate nie zu sehen: Der Typ, der mitten auf dem Gehweg seine uralte Nähmaschine bedient. Die Kinder, die einen alten Fussball die Straße hinunterkicken. Die Frau mit der unförmigen Tasche, die sie mit stocksteifem Rücken auf dem Kopf balanciert. Die klapprige Bude, wo alles von Kleidern bis zu SIM-Karten verkauft wird (und etwas, was wie Ziegenköpfe aussieht, aber so genau schaue ich nicht hin). Ja, die typischen Anzeichen der Armut sind überall zu sehen, die halb-fertiggebauten Häuser, die verfallenen Mauern, die aus Blech und Pappe zusammengestückelten und mit Steinen beschwerten Dächer, die barfüssigen Kinder, die Abwesenheit von jeglichem Grünzeug weil jeder neue Spross zerquetscht wird von tausenden Füßen und Minibustaxis, die sich um den Verkehr herum neue Wege bahnen. Aber der übergreifende Eindruck all derjeniger, die zum ersten Mal nach Alex kommen – so wird es liebevoll von den Einheimischen genannt – ist der einer pulsierenden Gemeinschaft voller Lebensfreude und Energie.

© Fläche zum Spielen von Baseball in Alexandra.

© Fläche zum Spielen von Baseball in Alexandra.

Seitdem habe ich Alexandra noch oft besucht, und es ist jedesmal ein neues Abenteuer. Der Grund warum ich allen Warnungen zum Trotz immer wieder zurückkehre, und deswegen oft ungläubiges Kopfschütteln meiner südafrikanischen Freunde aus dem wohlhabenden Vorort ernte, ist simpel: Es gibt Leute in Alexandra, die meine Hilfe brauchen, und ich bin diejenige mit dem Auto. Ich hatte mich damals mit Lucky getroffen um zu besprechen, wie ich am besten gebrauchtes Baseballzubehör aus Amerika besorgen könnte, um die von ihm gegründete Township-Mannschaft zu unterstützen. Bei meinem ersten Besuch zeigte er mir das Feld, auf dem die Spieler trainieren, wo es hinten und vorne an dem Zubehör fehlte, was man von amerikanischen Gemeindefeldern gewohnt ist. Ich startete eine Hilfskampagne über meinen Blog, und einige Monate später, als die Schläger, Helme und Handschuhe nach und nach eintrafen, drehte ich viele Runden, um alles auszuliefern. Wie sonst hätte es nach Alexandra gelangen sollen, wenn nicht mit meinem Auto? Lucky ist seitdem verschwunden, wie es nicht selten in dieser Kultur vorkommt, die doch oftmals sehr befremdlich scheint, aber ich arbeite seither eng mit den anderen Trainern und Managern – ein etwas großspuriges Wort – zusammen, damit möglichst viele unterprivilegierte Kinder durchs Baseballspiel den vielen Problemen des Townshiplebens zumindest zeitweise entgehen können.

© Die Bewohner von Alexandra entdecken das Baseball und somit ein Stück Zusammengehörigkeitsgefühl.

© Die Bewohner von Alexandra entdecken das Baseball und somit ein Stück Zusammengehörigkeitsgefühl.

Ich bin froh, Alexandra und einige seiner Bewohner kennengelernt und damit mein Leben auf so viele Arten bereichert zu haben.

Mehr Details über Alexandra Baseball können hier nachgelesen werden: Mzansi Africa Baseball Originals.

1.460 Kinder verschwinden jedes Jahr

Im Interview mit Judy Olivier, Nationalkoordinatorin der NGO Missing Children South Africa

(Autor/ Editor: Ghassan Abid)

Deutsche Interview-Zusammenfassung:

Wenn es um das schlimme Schicksal von Kindern geht, dann wird oft geschwiegen. Ob in Deutschland oder in Südafrika – der Missbrauch von Kindern bleibt ein Tabuthema. Allerdings grenzt sich Südafrika von Deutschland dahingehend ab, dass der Verbleib von verschwundenen Kindern am Kap ein deutlich größeres Problem darstellt. Bisweilen führt die Regierung keine Statistiken über den Handel und die Zwangsprostitution mit Kindern. Nach Angaben des „Missing Persons Bureau of South Africa“ ist lediglich bekannt, dass jährlich über 1.460 Kinder als vermisst gemeldet werden. Diese Zahl wird von mehreren Experten in Frage gestellt, wenn man bedenkt, dass die jährliche Anzahl der vermissten Kinder in Deutschland bei bereits 50.000 liegt. Die Statistik-Misere und Defizite der öffentlichen Verwaltung am Kap sollen jedoch in diesem Artikel ausgeblendet werden.

Missing Children South Africa, eine national agierende NGO, setzt seit 2007 hierbei an und bietet besorgten Eltern Hilfe beim Aufspüren ihrer Sprösslinge an. Ihre Mission ist es, dass aus Vermissten keine dauerhaft Verschwundenen werden. Laut Judy Olivier, Nationalkoordinatorin der Organisation, werden jedes Jahr 380 Kinder an Missing Children gemeldet. Die meisten Minderjährigen können durch die Öffentlichkeitsarbeit dieser NGO und in Zusammenarbeit mit Polizei, Medien, Gemeinden und Schulen gerettet bzw. aufgespürt werden. Die Erfolgsquote liegt nach eigenen Angaben bei 87 Prozent. Für rund 3 Prozent der 380 Kinder ist allerdings jede Hilfe zu spät – sie sind tot. Ferner macht Missing Children South Africa auf Missstände aufmerksam. Beispielsweise gehen immer noch etliche Polizisten davon aus, dass auch bei vermissten Kindern eine Wartezeit von 24 bzw. 48 Stunden zu beachten ist, bis die Polizei einschreiten kann. Diese Annahme ist falsch, beklagt Judy Olivier, da die Frist zur Vermisstenanzeige und der damit verbundenen Einleitung von polizeilichen Maßnahmen nur bei Erwachsenen eine Anwendung findet. Denn die ersten 24 Stunden sind entscheidend, ob ein Kind lebend oder tot aufgespürt wird, heißt es in kriminalistischen Kreisen. Für 2012 möchte Missing Children South Africa weitere Polizeistationen besuchen, mehr Leute erreichen und ihre finanzielle Situation verbessern. Denn auf der nationalen Ebene arbeiten nur drei bezahlte Kräfte für diese NGO.

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© Judy Olivier, National Coordinator of Missing Children South Africa

© Judy Olivier, National Coordinator of Missing Children South Africa

2010sdafrika-editorial staff: We would like to welcome on „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ – the German Gateway to South Africa – Ms. Judy Olivier, National Coordinator of Missing Children South Africa. Ms. Olivier, your NGO has been launched in 2007 in response to the kidnapping and brutal murders of children. What is your organisation doing exactly?

Answer: To provide a structure of re-active support to the family, authorities and other NGO’s when a child goes missing. We design a flyer of the missing child and then our aim is to distribute it to as many people as possible as quickly as possible to create as much awareness as possible about the missing child.

To provide pro-active national awareness to children and their families, media, authorities, communities and schools. Visiting schools and communities, educating/informing them about the reality of children going missing, what to do when a child goes missing, sharing safety tips and also informing communities about the reality of human trafficking.

2010sdafrika-editorial staff: Could you tell us, how many children are kidnapped and murdered each year in South Africa?

Answer: Again, based on the cases reported to Missing Children SA, 3% of the children reported missing to our organsiation were tragically found deceased.  3% of children are victims of kidnappings – this includes stranger abductions as well as non-stranger abductions. If we look at parental abductions, approximately 7% of the cases reported to our organisation falls under this category. Where one parent takes the child without the permission from the other and disappears with the child.

© Vermisst wird seit dem 16.01.2012 das Baby Mlondi Thwala, zum Zeitpunkt des Verschwindens rund 1 Monat alt, aus der Provinz Kwazulu-Natal. Mit solchen Vermisstenanzeigen macht Missing Children South Africa in Zusammenarbeit mit Polizei, Medien, Gemeinden und Schulen auf diese Fälle meist erfolgreich aufmerksam. Die Erfolgsquote liegt nach eigenen Angaben bei 87 Prozent.

© Vermisst wird seit dem 16.01.2012 das Baby Mlondi Thwala, zum Zeitpunkt des Verschwindens rund 1 Monat alt, aus der Provinz Kwazulu-Natal. Mit solchen Vermisstenanzeigen macht Missing Children South Africa in Zusammenarbeit mit Polizei, Medien, Gemeinden und Schulen auf diese Fälle meist erfolgreich aufmerksam. Die Erfolgsquote liegt nach eigenen Angaben bei 87 Prozent.

2010sdafrika-editorial staff: Which information do you have in regard to child trafficking in South Africa; in which provinces are children most in danger and who are the offenders?

Answer: Unfortunately statistics about child trafficking in South Africa is not available from MCSA at this stage. The possibility exists that the children that are still missing, could have fallen victims of trafficking, but we can unfortunately not prove this at this stage. We are slowly but surely compiling stats on human trafficking. Please try the organisation ANEX. It focuses specifically on exploitation of children. I am sure they will be able to assist.

2010sdafrika-editorial staff: Missing Children SA is also collaborating with the South African Police Service (SAPS). Which structural police deficits in context to child abuse prevention should be encountered?

Answer: We are very fortunate to work closely with SAPS and it is wonderful to get the necessary collaboration from the different stations. The assistance received from the stations differ from town to town and province to province. Some of the officers working with missing children, for example, are not yet aware that there is no waiting period to report a child (or any other person) missing. A lot of the officers (and other South African citizens) are still under the impression that one has to wait 24 hours (or even 48 hours) before reporting a person missing. This is an area we try to improve on a daily basis.

About prevention of child abuse, please be sure to try the organisation Matla-A-Bana.  Matla-A-Bana focuses specifically on child abuse in South Africa and works very closely with SAPS as well. They will be able to give you thorough feedback about this.

2010sdafrika-editorial staff: The in Durban located NGO Bobbi Bear is criticising the patriarchal Zulu tradition. Bobbi Bear is denouncing the South African police and justice for missing will to defeat the child abuse situation in KwaZulu-Natal. Are you agree with this perception?

Answer: I am familiar with the NGO Bobbi Bear, but unfortunately cannot comment on this. I am unaware of this statement. We work only with children/individuals reported missing to SAPS. Maybe again you can try Matla-A-Bana for a comment about his, as its focus is again on child abuse.

2010sdafrika-editorial staff: Which projects in 2012 are pursuing by Missing Children SA?

Answer: In 2012 we will continue to expand our network and get more and more people involved to assist us when a child goes missing. More SAPS stations will be visited, and we will continue to strive to build relationships with them to be able to work together even more efficiently. On 25 May 2012 – International Missing Children’s Day – we will be aiming to create as much awareness as possible about the reality of children going missing, using the media and other resources. We are partnering with more and more NGO’s on a daily basis and our focus this year will be specifically on getting more involved with organsations fighting against Human Trafficking.

2010sdafrika-editorial staff: Is Missing Children SA cooperating with German organisations or authorities?

Answer: At this stage Missing Children SA are working within the borders of South Africa only. Once an international case comes to our attention, we will refer them to Interpol or the Missing Persons Bureau. We hope to change this in the future. However, at this stage we are only 3 paid employees running the organisation nationally. As soon as we get the necessary financial resources to appoint more permanent employees, we will definitely look into expanding our borders.

I thank you for your interest in our organisation. Should you require any further assistance, please be sure to let me know.

2010sdafrika-editorial staff: Thank you very much for your assistance offer! Judy Olivier, National Coordinator of Missing Children South Africa, much success in your work!

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Hilfe – die etwas andere Art (Suppenküche in Mitchell’s Plain)

Ein Reisebericht zu Kapstadt und KwaZulu-Natal – Teil 5

(Autorin: Annemarie Köster)

Nachdem ich 2007 etwas genauer wissen wollte, was ausgewanderte Deutsche in KwaZulu Natal für südafrikanische Kinder tun, habe ich mit etwas Spendengeld von Freunden und Familie Lebensmittel und Kinderkleidung für drei Familien gekauft und ihnen dies nach Hause gebracht.

© Das Suppenküchen-Team im Einsatz in Mitchell´s Plain

2008 habe ich dann Geld an meine Bekannten geschickt, die es für eine junge Frau, die im Rollstuhl sitzt, verwendeten. Die Aussicht, noch einmal nach KwaZulu-Natal zu kommen, ist im Moment sehr gering.

Auf der Suche nach Bedürftigen, um die ich mich von Kapstadt aus persönlich kümmern kann, dachte ich zuerst an das Saartjie Bartman Center in Manenberg, das ich 2008 anläßlich einer Kinderweihnachtsfeier besuchte, die von einer Klasse meiner Sprachenschule organisiert wurde.

Man mag über facebook denken wie man will. Manchmal ist es doch hilfreich. So habe ich erfahren, dass die Sprachenschule seit 2009 eine Suppenküche in Mitchell’s Plain unterstützt, die von einem Sohn des Schulkraftfahrers gegründet wurde und nun von seiner Witwe Faieka weitergeführt wird.

Das schien mir 2011 der richtige Platz zu sein für das Spendengeld, das ich im Freundes- und Familienkreis aber auch anlässlich des Forikertreffens von www.kapstadt.net gesammelt hatte. Es war etwa das 3 ½ fache der früheren Beträge.

Um mir erst einmal einen Eindruck zu verschaffen, nahm ich an der Mittwochs-Fahrt der Studenten der Sprachenschule teil.

Der Teilnahmebeitrag kommt in voller Höhe der Suppenküche zugute. Stanford, der Schulkraftfahrer, berichtete von der Gründung der Suppenküche durch seinen Sohn Quinton, dessen Ermordung und die Weiterführung der Küche durch seine Schwiegertochter Faieka. Sie steht jeden Morgen um 4.00 Uhr auf, bereitet die Suppe vor und kümmert sich dann um ihre Ausbildung zur Lehrerin. Unterstützung erhält sie nicht nur durch die Familie, und die Schule sondern auch von zwei Frauen aus der Nachbarschaft. Mittwochs helfen die Studenten bei der Essenausgabe und spielen anschließend mit den Kindern.

Hier erfährt man die Geschichte von Quinton Welman, berichtet von seiner Schwester Bernice.

Am Ende dieses Ausflugs war mir klar: Das ist der richtige Platz für unser Spendengeld.

Als nächstes folgte die Shopping-Tour mit Stanford, um Lebensmittel für die Suppenküche zu kaufen.

Auf diese Weise habe ich wieder eine neue Seite von Kapstadt kennen gelernt, die mir als „Nur-noch-Urlauberin“, die ich ja nun bin, kaum zugänglich gewesen wäre.

Mitchell’s Plain ist einer der größten Vororte von Kapstadt. Ich wollte nicht das gesamte Geld in bar durch die Gegend tragen. Deshalb habe ich einen Teil erst am ATM an einer Tankstelle in Mitchell’s Plain abgehoben – mit Stanford als „Bodyguard“.

Die erste Station war ein Lebensmittel-Großmarkt, in dem aber – anders als in Deutschland – jedermann einkaufen kann. Faieka hat den Wagen gefüllt und ich habe an der Kasse bezahlt.

Dann ging es weiter zum Fleischer. Bis dort alles zusammengestellt und verpackt war, verging einige Zeit. So haben wir schnell noch in einem kleinen Laden in der Nähe das Toastbrot für den nächsten Tag bezahlt, das immer frisch geholt und mit den Essenportionen ausgegeben wird.

Die letzte Station war Checkers, der Supermarkt. Hier waren die Großpackungen Hähnchenteile billiger als in der Fleischerei. Faieka hat mir gezeigt, dass Vertrauen gut, Kontrolle aber besser ist. Nachdem ich bezahlt hatte, hat sie die Positionen auf dem Kassenzettel mit den Fleischpäckchen verglichen – ein Päckchen war doppelt berechnet. Es wäre zu umständlich gewesen, das Geld zurückzahlen zu lassen. So hat Faieka noch ein Päckchen Fleisch geholt. Zuviel konnte es wirklich nicht sein, bei der Masse an Kindern, die erwartet wurden. Dieses Fleisch wurde schon für das Weihnachtsessen eingekauft, das nicht aus Suppe bestehen sollte.

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Die Lebensmittel wurden bei Stanford zwischengelagert, weil der Platz in Faiekas Häuschen, in dem sie mit ihren drei Kindern lebt und zugleich die Suppenküche betreibt, dafür wirklich nicht ausreicht.

Faieka wartet noch immer auf die Eintragung der „Quinton Welman Community Foundation“, wie die Suppenküche offiziell heißen soll, als gemeinnützige Stiftung. Dann kann sie ihre Helferinnen aus der Nachbarschaft fest anstellen – wieder zwei Arbeitsplätze mehr – und ihnen auch etwas bezahlen, sie kann zu Spenden aufrufen und um Unterstützung werben.

Ich bin schon gespannt auf die weitere Entwicklung.

Zum Abschluß noch eine kleine Geschichte am Rande: Mitchell’s Plain hat zum Teil noch einen nicht so guten Ruf und über die Kriminalität in Südafrika erhitzen sich die Gemüter ohnehin.

Das ist Stanford als wir in der Fleischerei warteten. Wie man deutlich sieht, hat er seine Auto- und sonstigen Schlüssel so lose aus der Gesäßtasche hängen wie das in Deutschland wohl kaum ein Mann tun würde.

Er hat sich köstlich amüsiert als ich ihn darauf ansprach. Trotzdem hat er bei der Fahrt durch einige Straßen gebeten, die Autofenster geschlossen zu halten.

Weitere Reiseberichte von Annemarie Köster hier abrufbar.

Priester Stefan Hippler im Interview

Im Kampf gegen HIV/ AIDS und für die Rettung eines jeden einzelnen Menschenlebens

(Autor: Ghassan Abid)

© Stefan Hippler, Priester der Erzdiözese Kapstadt und Vorsitzender von HOPE Cape Town Trust

2010sdafrika-Redaktion: Wir begrüßen auf „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ den in Kapstadt lebenden Priester Stefan Hippler. Herr Hippler, wenn man Ihren Namen hört, dann denkt man sofort an Ihr Engagement zur Bekämpfung von HIV/AIDS. Wann und in welcher Situation verspürten Sie das Bedürfnis, diesem irdischen Elend entgegenzutreten?

Antwort: Als ich in Südafrika ankam, war mir das Elend im HIV/AIDS-Bereich gar nicht so deutlich. Erst als ich im Jahre 1999 im Rahmen eines Telemedizin-Projektes meines Rotary Clubs Signal Hill zum ersten Mal das Tygerberg Kinderkrankenhaus betrat, wurde mir das Ausmaß klar. Und von da an gab es eigentlich kein zurück, obwohl mir von Anfang an klar war, das dieses Thema nicht unbedingt das „beste“ sein konnte für einen katholischen Geistlichen.

2010sdafrika-Redaktion: Soweit wir informiert sind, gehören Sie dem katholischen Glauben an. Wie bewerten Sie das strikte Kondom-Verbot des Vatikans. Zwar lockerte Papst Benedikt XVI. Ende 2010 dieses, doch stellt sich die Frage, ob nicht die katholische Kirche eine Mitschuld an der HIV/ AIDS-Situation in Südafrika trägt?

Antwort: Auch wenn es nach außen nach einem strikten Kondomverbot aussieht: In Fragen HIV und AIDS, also in Fragen des Schutzes vor einer Ansteckung gibt es keine offizille Lehrmeinung der Kirche. Das Kondomverbot wird einfach – sehr oft auch innerkirchlich aber auch populistisch abgeleitet von dem Verbot der künstlichen Verhütung, die Papst Paul VI in der Enzyklika „Humanae Vitae“ gegen den Rat seiner Experten ausgesprochen hat. Das Thema damals war die Weitergabe des Lebens – heute ist es die Frage des Lebensschutzes. Die ist noch nicht beantwortet, auch wenn Benedikt XVI in dem bekannten Interviewbuch vom Anfang der Moralität spricht, wenn ein homosexueller Escort einen Kondom benutzt.
Was die Mitschuld angeht, da bin ich immer sehr vorsichtig – ich denke, die katholische Kirche als eine der größten Glaubensgemeinschaften der Welt sollte zeitnah Antworten geben, die den Menschen helfen und das Leben schützen.

2010sdafrika-Redaktion: Über 5,7 Mio. Menschen der 50,49 Mio. umfassenden Bevölkerung Südafrikas sind, so der Stand vom Dezember 2010, mit dem HI-Virus infiziert; in absoluten Zahlen somit mehr als in jedem anderen Staat der gesamten Welt. 310.000 Südafrikaner starben nach offiziellen Angaben allein 2009 an dieser Immunschwächekrankheit.
Wo schöpfen Sie Ihre Kraft für diese Mammutaufgabe? Verspürten Sie nie ein Gefühl der absoluten Ohnmacht und falls ja, wie gingen Sie vor, um dem zu entkommen?

Antwort: Da gibt es manchmal schon das Gefühl von Ohnmacht, wenn man das pure Zahlenmaterial sieht – aber sobald ich diesen Zahlen ein Gesicht geben kann – sobald ich die Mutter sehe, die dank der Behandlung ihre Kinder aufwachsen sieht, wenn ich sehe, wie Kinder groß werden und studieren – trotz der Infektion – dann gibt das mir die Kraft, weiterzumachen. Ich weiß, alles, was ich tun kann, ist nur den ein oder anderen Tropfen zu ändern im Ozean des AIDS-Dramas – aber jeder Tropfen, jede Zahl, jede Statistik hat ein Gesicht, ist ein Mensch. „Rette einen Menschen und du rettest die ganze Welt“ , dieser jüdische Spruch ist Hilfe und Zuspruch zugleich.

2010sdafrika-Redaktion: Laut Angaben der britischen NGO „Avert“ leben zurzeit 1,9 Mio. Waisenkinder in Südafrika, bei denen ein oder beide Elternteile durch HIV verstorben sind. 70 Prozent dieser Waisen wachsen demnach ohne ihre Mutter auf. Wie bewerten Sie die diesbezüglichen Gegenmaßnahmen der südafrikanischen Regierung?

Antwort: Die südafrikansiche Regierung kommt erst langsam in Bewegung, was dieses Problem angeht. Das Kinderschutzalter wurde in bestimmten Bereichen gesenkt, um den Realitäten angemessen zu sein. Ich denke, da gibt es noch viel zu tun, aber da wir es hier oft mit Großfamilien zu tun haben ,mit vielen Vätern und Müttern – sprich Onkel und Tanten, die sich die Erziehung teilen, bin ich optimistisch, dass das Problem der Waisenkinder in den Griff zu bekommen ist. Aber es belastet natürlich eine Familie mit geringen Einkommen, wenn die Kinder der Schwester oder des Bruders noch mit am Tisch sitzen. Da müsste noch mehr getan werden.

2010sdafrika-Redaktion: Im Mai 2009 beendete die Deutsche Bischofskonferenz den Vertrag mit Ihnen als Pfarrer der deutschsprachigen Gemeinde in Kapstadt. Sie sollen mit umstrittenen AIDS-Aussagen für Aufsehen gesorgt haben. Um welche Aussagen handelt es sich und wie reagieren Sie mittlerweile auf die Entscheidung Ihres alten Dienstherren?

Antwort: Nicht jeder in der Kirche mag es, wenn man Wahrheiten ausspricht – und das Kleine Stückchen Gummi scheint für so manche Würdenträger ein Stein des Anstoßes zu sein. Ich habe immer das gesagt, was ich in der erlebten Situation als verantwortlich gesehen habe. Das mag in bestimmten Kreisen für Aufsehen gesorgt – die Welt sieht von einem Schreibtisch oder einem Bischofssitz natürlich anders aus, als wenn man in den Townships direkt mit den Menschen arbeitet. Die Entscheidung, meinen Vertrag nicht zu verlängern, habe ich damals wie heute als „vorauseilenden Gehorsam“ gesehen – aber Gott schreibt Gott-sei-Dank auch auf den krummen Wegen gerade Linien – und ich trage es meinem alten Dienstherrn nicht nach. Angst ist halt ein schlechter Berater – und zu Kadavergehorsam bin ich einfach nicht geboren. Aber wir haben heute wieder ein gutes Verhältnis – der Augenblick zählt und ist gestaltbar  ist – sowieso nur die Zukunft – und aus dem Vergangen haben hoffentlich alle gelernt.

2010sdafrika-Redaktion: Sie betreiben das gemeinnützige Projekt „HOPE Cape Town“. Was sind die Ziele Ihrer Organisation und welche weitere Unterstützung könnten Sie noch brauchen?

© Stefan Hippler auf einer Graduierungsfeier von Sangomas

© Partnerschaft mit dem Freistaat Bayern

Antwort: HOPE Cape Town ist ein gemeinnütziger Verein und eine Stiftung. Wir arbeiten in den verschiedensten Bereichen: Vorbeugung, Aufklärung, Behandlung, Arbeit mit Sangomas, wir unterstützen mit unseren 24 HOPE Community Health Workers Township-Kliniken und Grass Root-Projekte, sind aber auch wissenschaftlich tätig im Bereich Pharmacology (Muti und ART Therapy), arbeiten mit Unis zusammen: Hochschule Niederrhein in Fragen Ernährung und HIV, TU München in Sport und HIV, Universität Stellenbosch in den Themen Community Outreach und Training. Wir sind Teil der Partnerschaftsarbeit zwischen Bayern und dem Westkap.

Momentan schauen wir uns den Bereich des E-learnings an, zusammen mit dem missionsärztlichen Institut in Würzburg – mit der Katholischen Stiftungsfachhochschule München und der Hochschule Neu-Ulm sind wir im Gespräch. D.h. vom Gemüsegarten bis zur akademischen Forschung finden sie alle Bereiche vertreten. Am besten ist ein Blick auf unsere Webseite www.hopecapetown.com – wir haben 28 MitarbeiterInnen und sehen ca. 300.000 Patienten im Jahr.

Wir versuchen, HIV und AIDS holistisch anzugehen – und zwar hier im Westkap – immer auch in Verbindung mit der Regierung des Bundeslandes. Und wir versuchen, unsere Arbeit und die Situation der Menschen vor Ort denen deutlich zu machen, die in Europa oder Amerika wohnen. Wir sind da wie eine Brücke, wo Welten sich begegenen können. Auf Youtube hat HOPE Cape Town Trust auch einen eigenen Kanal, wo man sich unsere Arbeit bildlich ansehen kann, auf Facebook eine „cause“ Support Seite. Social Media werden ja immer wichtiger.

Unterstützung können wir immer gebrauchen – wir sind rein privat und durch Spenden / Sponsorship von Einzelpersonen und Firmen finanziert. Zurzeit bauen wir die Stiftung HOPE Cape Town Trust auf – so das wir unsere Zukunft auch finanziell sichern können. Zustiftungen, die sowohl in Deutschland als auch in Südafrika steuerabzugsfähig sind, sind da immer willkommen – eine Investition für die Ewigkeit sozusagen.

2010sdafrika-Redaktion: Welcher Moment in Südafrika war der einprägsamste überhaupt?

Antwort: 2004 hatte ich die Gelegenheit, Nelson Mandela zu begegnen und kurz mit ihm zu reden – das war sehr einprägsam. Aber auch die Begegnungen mit Bischof Tutu und der Besuch der Bundeskanzlerin Angela Merkel waren Highlights. Für mich persönlich aber war und ist die Begegnung mit einem Jungen, ich nenne ihn in meinem Buch, das ich zusammen mit Bartholomäus Grill geschrieben habe, Farid, dessen Geburtstag wir – außerhalb der Reihe, nur um ihm seinen letzten Wunsch zu erfüllen – Tage bevor er starb – im Krankenhaus feierten, das einprägsamste Erlebnis gewesen. Dieses Gesicht, diese Augen, diese glücklichen Momente für ihn bevor er starb, werde ich nie vergessen.

© Bundeskanzlerin Angela Merkel und Stefan Hippler in Kapstadt

© Bei Nelson Mandela - ein unbeschreiblicher Moment!

2010sdafrika-Redaktion: Haben Sie noch Träume, die Sie verwirklichen wollen?

Antwort: Ja, die habe ich wie jeder Mensch. Ein „Centre of Healing“ für Priester und Ordensleute, die in Krisensituationen stecken – hier in Südafrika, oder in Afrika. Ein Ort, wo unter anderem auch Priester und Ordensleute, die HIV-positiv sind, ihr Stigma in einen Segen für andere umwandeln können. Wir haben im Februar das erste Treffen mit dem Erzbischof von Kapstadt bezüglich eines solchen Ortes – das würde ich gerne noch auf dem Weg sehen.

2010sdafrika-Redaktion: Stefan Hippler, Priester der Erzdiözese Kapstadt, alles Gute für Ihr weiteres Engagement und möge Sie Gott auf Ihrem Lebensweg weiter begleiten.

Antwort: Herzlichen Dank – ich erwidere Ihre Wünsche.