Schlagwort-Archive: Hilfsorganisation

Auswärtiges Amt und Apartheid

Eine Oldenburger Initiative fordert die Bundesregierung zur Übernahme von Verantwortung auf

(2010sdafrika-Redaktion)

Am 17. Dezember 2013 wechselte die Leitung des Auswärtigen Amtes (AA). Der SPD-Politiker Frank-Walter Steinmeier löste seinen Vorgänger, den FDP-Politiker Guido Westerwelle, mit der Amtsübergabe ab. Ebenso sind alle Staatsminister und Staatssekretäre ausgetauscht worden. Mit Emily Haber und Harald Braun steigen zwei „AA-Kinder“ in die oberste Leitung des Außenministeriums auf. Doch was verändert sich mit dem politischen Wechsel im Hinblick auf das Verhältnis mit Südafrika tatsächlich, wenn es um die Übernahme von Verantwortung geht.

    © Am 17. Dezember 2013 löste der SPD-Politiker Frank-Walter Steinmeier seinen Vorgänger, den FDP-Politiker Guido Westerwelle, vom Amt des Außenministers ab. Doch eine Veränderung der AA-Position im Hinblick auf deutsche Entschädigungszahlungen für südafrikanische Apartheidsopfer gegen deutsche Konzerne ist nicht zu erwarten. (Quelle: Photothek/Köhler)

© Am 17. Dezember 2013 löste der SPD-Politiker Frank-Walter Steinmeier seinen Vorgänger, den FDP-Politiker Guido Westerwelle, vom Amt des Außenministers ab. Doch eine Veränderung der AA-Position im Hinblick auf deutsche Entschädigungszahlungen für südafrikanische Apartheidsopfer gegen deutsche Konzerne ist nicht zu erwarten. (Quelle: Photothek/Köhler)

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Schulkinder-Wanderausstellung

„Through my eyes“ von Go Ahead! zeigt Fotos von Schulkindern aus Namibia und Südafrika

(Ein Gastbeitrag von Benjamin Werner, Vorsitzender der NGO Go Ahead!)

Die junge Hilfsorganisation Go Ahead! e.V. startet mit dem Fotoprojekt „Through my eyes“, das Eindrücke aus dem Alltag von Schulkindern aus Namibia und Südafrika zeigt, eine deutschlandweite Wanderausstellung, die zum Nachdenken anregt.

© Foto aus der Wanderausstellung „Through my eyes“ von Go Ahead! (Quelle: Go Ahead!)

© Foto der Wanderausstellung „Through my eyes“ von Go Ahead! (Quelle: Go Ahead!)

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Sexueller Missbrauch von Kindern – in Südafrika und Deutschland

Veranstaltungshinweis zum soziokritischen Dokumentarfilm „Rough Aunties“ und Podium

© Kinder im Township (Quelle: Emily Visser, City of Johannesburg/ MediaClubSouthAfrica.com)

Sexueller Missbrauch von Kindern ist ein Thema, welches in Südafrika als auch in Deutschland präsent und zugleich scheinbar unsichtbar ist. Die missbrauchten Kinder verschließen sich gegenüber anderen Erwachsenen und versuchen auf diesem Wege diese schrecklichen Erlebnisse zu verdrängen. Sogar die eigenen Eltern ahnen lange nichts von den traumatischen Erlebnissen ihrer Kinder. Die kontroverse TV-Sendung „Tatort Internet: Schützt endlich unsere Kinder„, eine Produktion für RTL2, thematisiert diese Debatte im Reality-Format, setzt allerdings in erster Linie bei der Prävention im Web 2.0-Zeitalter an.

Die Täter bleiben in vielen Fällen unbestraft. Doch was Südafrika von Deutschland explizit unterscheidet, ergibt sich aus zwei Tatsachen. Zum einen wird die Anzahl der Personen, die sexuellen Übergriffen von männlichen Erwachsenen ausgeliefert sind, höher eingeschätzt als in Deutschland. Nicht nur Kinder sind Opfer sexueller Gewalt, sondern auch Frauen. Zum andern herrscht bei einer nicht unerheblichen Anzahl von männlichen Südafrikanern eine gewisse traditionell bedingte „Akzeptanz“ von  erzwungenem Sex mit Frauen und Kindern weiblichen Geschlechts. Laut einer Studie  der Wissenschaftler Neil Andersson und Ari Ho-Foster sind in Südafrika 40 Prozent aller minderjährigen Schüler (unter 18 Jahren) mindestens einmal vergewaltigt worden.  In 20 Prozent der Fälle gaben die Schüler an, dass die Täter ihre Lehrer waren.  Dieser Umstand wird dadurch begünstigt, dass Medizinmänner den Aberglauben verbreiten, dass AIDS durch den Sex mit Jungfrauen geheilt werden könne. Dementsprechend erhält man als Opfer von den südafrikanischen Strafverfolgungsbehörden in vielen Fällen nur unzureichend Unterstützung. Konsequenterweise verfallen Straftat-Aufklärung und Strafverfolgung hierbei einer eklatanten Vernachlässigung.


NGOs schlagen seit Jahren bereits Alarm, so auch Amnesty International (AI). AI kam im Jahresbericht 2006 zu schrecklichen Erkenntnissen: „Die Polizeistatistiken für den Zeitraum April 2005 bis März 2006 verzeichneten 54926 Anzeigen wegen Vergewaltigung … In 42,7 Prozent der angezeigten Fälle waren die Opfer Kinder beziehungsweise Minderjährige …


Im Juni nahm das Parlament seine Debatte über den Entwurf eines Gesetzes gegen sexuelle Gewalt, der seit 2004 im Justizministerium auf Eis gelegen hatte, wieder auf. Organisationen, die Vergewaltigungsopfer und sexuell missbrauchte Kinder betreuen, äußerten weiterhin die Kritik, dass der Entwurf nur unzureichende Bestimmungen über den Schutz der Kläger während des Ermittlungs- und des Gerichtsverfahrens enthalte. Dies betreffe vor allem Kinder.


Bürgernahe Organisationen präsentierten Belege dafür, dass bei der Polizei durch Schlamperei und Korruption Vorgänge über Ermittlungen in Vergewaltigungsfällen verloren gegangen waren. Die Südafrikanische Menschenrechtskommission (South African Human Rights Commission – SAHRC) und zwei weitere offizielle Gremien befassten sich in landesweiten öffentlichen Anhörungen mit der hohen Zahl von Todesfällen unter Jungen, die traditionelle Beschneidungsschulen besuchten. In den vergangenen zehn Jahren sind in diesen Einrichtungen mehr als 100 Jungen zu Tode gekommen.


Im aktuellsten Jahresbericht von 2009 reißt die Kritik von Amnesty International an Politik und Behörden Südafrikas nicht ab.  Viele Fragen bleiben nach wie vor unbeantwortet und die Opfer erfahren nur in wenigen Fällen die notwendige Aufmerksamkeit von Staat und Medien. Auch in Deutschland erweist sich der sexuelle Missbrauch von Kindern im Hinblick auf die katholische Kirche als ein Tabuthema. Umso wichtiger ist die Veranstaltung im Filmmuseum Potsdam, welches vom Südafrika-Portal medial begleitet wird und genau an dieser beschriebenen Ausgangslage in Südafrika und Deutschland ansetzt:


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EINLADUNG

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12. November 2010, 19 Uhr

Filmmuseum Potsdam, Breite Str. 1a/ Marstall, 14467 Potsdam

Kartenreservierung: 0331-27181-12


Rough Aunties
R: Kim Longinotto, GB/Südafrika 2008, Dok., OmU, Audiodeskription optional, 103’

Anschließend:

Podiumsgespräch mit Lydia Sandrock (Autonomes Frauenzentrum Potsdam e.V.), Kilian Kindelberger  (VENROB e.V.), Rosemarie Priet (Opferhilfe e.V.), Moderation: Ghassan Abid (Politikwissenschaftler)

© Cover von "Rough Aunties"

Filmbeschreibung:

Wenn Kinder Opfer von Missbrauch werden, verstummen sie oft aus Scham und Angst. Diese Mädchen und Jungen zum Reden zu bringen, ist Ziel der Hilfsorganisation Bobbi Bear im südafrikanischen Durban. Ihre Mitarbeiterinnen betreuen betroffene Kinder und setzen sich dafür ein, dass die Schuldigen vor Gericht kommen. Hier erweist sich auch die patriarchalische Zulu-Kultur oft als Hindernis. Mit Wut und Herzlichkeit setzen sich die „Tanten“ von Bobbi Bear kompromisslos für die Rechte von Kindern ein.


Die Veranstaltung ist gleichzeitig Teil der 7. Brandenburger Entwicklungspolitische Bildungs- und Informationstage (BREBIT). Im Museumsfoyer stellen die Filmpartner VENROB – Verbund Entwicklungspolitischer Nichtregierungsorganisationen Brandenburgs e.V. und Opferhilfe e.V. ihre Arbeit vor.

Eintritt: 5 Euro, 4 Euro ermäßigt, 2,50 Schüler und Gruppen


Weitere Informationen zu Film und Festival unter:

www.filmmuseum-potsdam.de.

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Freunde des Filmmuseums Potsdam,

gerne möchte ich auf eine Veranstaltung innerhalb des Filmfestivals ueber Mut – Engagiert. Couragiert. Kontrovers. im Filmmuseum Potsdamhinweisen, die für Sie/ Euch vielleicht interessant sein könnte. Über eine Weiterleitung und/ oder Veröffentlichung würde ich mich sehr freuen.

12. November 2010, 19 Uhr

Filmmuseum Potsdam, Breite Str. 1a/ Marstall, 14467 Potsdam

Kartenreservierung: 0331-27181-12


Rough Aunties
R: Kim Longinotto, GB/Südafrika 2008, Dok., OmU, Audiodeskription optional, 103’

Anschließend:

Podiumsgespräch mit Lydia Sandrock (Autonomes Frauenzentrum Potsdam e.V.), Kilian Kindelberger (VENROB e.V.), Rosemarie Priet (Opferhilfe e.V.), Moderation: Ghassan Abid (Politikwissenschaftler)


Rough Aunties

Wenn Kinder Opfer von Missbrauch werden, verstummen sie oft aus Scham und Angst. Diese Mädchen und Jungen zum Reden zu bringen, ist Ziel der Hilfsorganisation Bobbi Bear im südafrikanischen Durban. Ihre Mitarbeiterinnen betreuen betroffene Kinder und setzen sich dafür ein, dass die Schuldigen vor Gericht kommen. Hier erweist sich auch die patriarchalische Zulu-Kultur oft als Hindernis. Mit Wut und Herzlichkeit setzen sich die „Tanten“ von Bobbi Bear kompromisslos für die Rechte von Kindern ein.

Die Veranstaltung ist gleichzeitig Teil der 7. Brandenburger Entwicklungspolitische Bildungs- und Informationstage (BREBIT). Im Museumsfoyer stellen die Filmpartner VENROB – Verbund Entwicklungspolitischer Nichtregierungsorganisationen Brandenburgs e.V. und Opferhilfe e.V. ihre Arbeit vor.

Eintritt: 5 Euro, 4 Euro ermäßigt, 2,50 Schüler und Gruppen

Weitere Informationen zu Film und Festival finden/t Sie/ Ihr unter: www.filmmuseum-potsdam.de

Percy kickt die Armut

Wie der Fußball in Südafrika Selbstbewusstsein und Ehrgeiz schafft

Ein Gastbeitrag von Sandra Bulling, stellv. Pressesprecherin von CARE Deutschland-Luxemburg e.V.

© Fußball-Turnier im Township (Quelle CARE/ Sandra Bulling)

Slash ist auf dem Bolzplatz ein absoluter Profi. Er rast über den roten Staubplatz, kickt sich nach vorne, schiebt sich an den Gegnern vorbei – und schießt das erste Tor gegen Block H. Seine Mannschaftskollegen jubeln, klopfen ihm auf die Schultern. Slash lässt den Triumph ungerührt über sich ergehen. Er bricht gleich wieder aus dem Pulk aus und bringt sich in Position. Schnell zieht er noch seine geliehenen Fußballschuhe aus. „Zu heiß und zu unbequem“, sagt er. Kurz danach schießt er das zweite Tor. Der Jubel wird größer, die Mädchen am Rande schreien: „Slash, Slash“ und tröten mit ihren Vuvuzelas. Doch Slash lächelt nur kurz und stürmt sofort wieder nach vorne. Ein echter Profi eben.

Nach 40 Minuten Spielzeit ist das Match zu Ende. Trainerin Portia scharrt ihr Team um sich. Slash ist der Star, jetzt endlich bricht ein großes Grinsen aus ihm heraus. Der Jubel legt sich etwas, die nächsten beiden Teams stehen schon zum Spielen bereit. Und langsam verändert sich Slash. Er ist jetzt wieder Percy. Percy Mduduzi Kama, der 13jährige Junge aus Soshanguve, Südafrika. Dessen Mutter vor einem Jahr gestorben ist und dessen Vater auszog, um die Trauer und den Frust mit Alkohol zu betäuben. Der Junge, der sich auf dem Bolzplatz selbstbewusst Slash nennt und kickt und rennt und alles aus sich herausholt, ist nun wieder der schüchterne Schüler Percy.

Traumlos in Soshanguve

In seiner Heimat Soshanguve, dem Township in der Nähe der südafrikanischen Hauptstadt Pretoria leben 2,2 Millionen Menschen. Es ist eine Stadt voller kleiner Hütten und einstöckiger Häuser, die meisten kaum größer als Bungalows. Es gibt keine Straßennamen, die Viertel sind in Blocks eingeteilt. Als ob eine Straße hier keinen eigenen Namen verdiene. Die Townships sind die Spiegelstädte der großen südafrikanischen Metropolen. Hier lebte früher die schwarze Bevölkerung in Elend und Armut, klar abgegrenzt vom weißen Reichtum. Heute, fast 20 Jahre nach dem Ende der Apartheid, haben immerhin die meisten Einwohner ein festes Dach über dem Kopf. Die Regierung stellt die kleinen Häuser zur Verfügung, mit einem Vorgarten und finanzieller Unterstützung für diejenigen, die gar kein Einkommen haben. Und das sind die meisten. Denn in Soshanguve gibt es keine Jobs. Es gibt keine Industrie, keine Unternehmen, keine Dienstleistungen. Die Jugendlichen sind frustriert, fast jeder zweite ist hier arbeitslos. Ihren Frust leben sie in Kriminalität und Aggression aus, angespornt durch Drogen und Alkohol. Wer nichts hat, der hat auch nichts zu verlieren.

© Percy Mduduzi Kama (Quelle CARE/ Sandra Bulling)

Percy ist mit dieser Realität aufgewachsen. Seine Mutter hat er an die Krankheit AIDS verloren, die sich in Sohanguve festgesetzt hat und den Kindern ihre Eltern raubt. Percys 26-jähriger Bruder Patrick hat keinen Job, er verdingt sich als Tagelöhner. Und sein Vater, der trinkt. Er hat die Familie verlassen und lässt sich kaum blicken. Nur seine Großmutter ist noch für ihn da; doch die hatte sich ihren Lebensabend anders vorgestellt. Anstatt sich von Percy und Patrick im hohen Alter pflegen zu lassen, muss sie nun Mutter und Vater ersetzen. Von der Regierung erhält Percy kein Geld. „Ich habe keine Geburtsurkunde, bin nicht registriert und erhalte auch keine staatliche Unterstützung“, sagt er, und blickt dabei schüchtern auf den Boden. Doch dann erzählt er vom Fußball. Und auf einmal blitzt Slashs Eifer in seinen Augen durch.

Der pünktliche Star

Als Percy vor einem Jahr am Bolzplatz in Block W vorbei kam, sah er, wie die energische Portia ein Fußballteam trainierte. Erst schaute er vom Rand aus zu, doch dann überwand er sich und fragte, ob er mitspielen dürfe. Portia ließ in sofort ins Team. Denn sie ist eine Trainerin von Kick-It, dem Fußballprojekt von CARE Deutschland-Luxemburg. Kick-It will Jungen wie Percy von der Straße holen, ihnen mit Sport eine Abwechslung vom tristen Alltag und eine Perspektive für eine bessere Zukunft geben. „Sport zeigt Jungs wie Percy, dass sie für ihre Ziele kämpfen müssen“, sagt die 27jährige Portia und schiebt sich lässig die schwarze Kappe aus dem Gesicht. „Fußball schafft Teamgeist, Disziplin, Ehrgeiz. Das brauchen die Kids hier, damit sie nicht an der Realität verzweifeln.“ Portia weiß, wovon sie spricht. Sie trainiert mit ihrem Team dreimal die Woche und bereitet die Kids für die Turniere vor, die an manchen Samstagen stattfinden. „Percy ist enorm engagiert. Er kommt pünktlich zu jedem Training und gibt immer sein Bestes. Nicht nur beim Fußball, sondern auch bei den Kick-It-Spielen“, lobt Portia ihren Spieler, schützend legt sie den Arm um ihn. Die Kick-It-Spiele nutzt Portia, um mit den Kindern und Jugendlichen über AIDS zu diskutieren. Sie zeigt ihnen, wie man sich schützt, dass man AIDS nicht mit bloßem Auge erkennt und dass man Infizierte nicht diskriminieren darf. Percy hat es erkannt: „Wenn ich einen dünnen und einen dicken Mann sehe, dann denke ich automatisch, dass nur der dünne AIDS haben kann. Doch das muss nicht sein. Wir urteilen nur, nach dem was wir sehen. Das ist falsch.

© Percy Mduduzi Kama im Fußball-Fieber (Quelle CARE/ Sandra Bulling)

Die Trainings haben Percy gezeigt, dass ihm das Leben mehr bieten kann als Drogen, Kriminalität und AIDS. Er muss sich anstrengen und herauskämpfen aus der Armut. Zwar kann der Sport alleine keine Arbeitsplätze schaffen und eine sichere Zukunft garantieren. Aber er kann persönliche Leistungen steigern. „Wenn ich erwachsen bin, möchte ich keine schlimmen Dinge tun“, sagt Percy leise. „Ich möchte kein Alkohol trinken oder rauchen. Ich möchte ein guter Mann werden.“ Sein größter Traum ist es, professioneller Fußballstar zu werden, so wie sein Idol Lionel Messi. Auch wenn er dafür barfuss oder in geliehen Schuhen kicken, auch wenn er den Bolzplatz vor jedem Turnier von Müll und Scherben befreien muss – Fußball hat Percys Leben verändert. Er hat ihn zu Slash gebracht, dem selbstbewussten starken Kicker, der Tore schießt und von allen bejubelt wird.

Die 2010sdafrika-Redaktion möchte sich ganz herzlich bei CARE für die Bereitstellung von Text und Fotos bedanken.

Informationen zum „Kick-It Projekt“ von CARE:

http://www.care.de/suedafrika_kickit.html

Lebogangs Traum

Ein Gastbeitrag von Sandra Bulling, stellv. Pressesprecherin von CARE Deutschland-Luxemburg e.V.

© Lebogang Malukeke (Quelle: CARE/Sandra Bulling)

Lebogang Malukeke hat einen ungewöhnlichen Traum: Die Zwölfjährige möchte Soldatin werden. Es geht ihr dabei weder um die Verteidigung ihres Landes Südafrika, noch möchte sie aus Ehrgefühl oder Stolz eine Waffe tragen. Nein, Lebogang möchte schlichtweg ein monatliches Gehalt beziehen, eine tägliche Mahlzeit bekommen und einen festen Job haben. Das ist der Traum eines Mädchens aus Soshanguve, einem Township in der Nähe der südafrikanischen Hauptstadt Pretoria. Lebogang lebt mit ihren vier Geschwistern und ihrer Mutter in einer kleinen Hütte, nur einen Raum gibt es darin. Der Vater hat die Familie verlassen. „Ich möchte meiner Mutter helfen. Ihr schöne Dinge kaufen, damit sie glücklich ist“, sagt Lebogang. Und da es in Soshanguve kaum Jobs gibt, da sich hier weder Industrie, noch Unternehmen oder Dienstleistungen angesiedelt haben, bietet für Lebogang allein die Armee einen Ausweg. Das schüchterne Mädchen mit den kurzen krausen Haaren und dem pinken T-Shirt möchte später nicht arbeitslos sein, so wie ein Großteil der Jugendlichen in Soshanguve. Sie möchte nicht frustriert sein und ihre Perspektivlosigkeit mit Drogen oder Alkohol verdrängen.

Um stark zu werden, spielt sie regelmäßig Netball, ein basketballähnliches Spiel. Dreimal die Woche trainiert sie mit ihrem Mädchenteam, das vom Kick-It Projekt von CARE Deutschland-Luxemburg gefördert wird. Sie lernt dabei nicht nur das Spiel, bleibt fit und gesund, sondern erfährt auch noch vieles über die Gefahren von AIDS. Denn ihre Trainerin Caroline zeigt den Mädchen spielerisch, wie sie sich schützen können. „Ich möchte nicht, dass meine Mädchen in frühem Alter sexuell aktiv werden“, sagt Caroline. „Teenagerschwangerschaften sind in Soshanguve üblich, oft stecken sich die Mädchen in jungen Jahren mit HIV an.“ Wenn sie mit Caroline trainieren, dann haben die Mädchen am Nachmittag eine Beschäftigung. Denn es gibt im Township keine Sportvereine. Die Jugendlichen hängen auf der Straße herum; Drogen, Kriminalität, AIDS sind weit verbreitet. „Bei mir lernen Lebogang und die anderen Disziplin. Das hilft ihnen, sich von der Straße fernzuhalten und nicht zu schnell nachzugeben, wenn die Jungs sie zum Sex überreden wollen“, erklärt Caroline.

© Mädchen beim Netball spielen (Quelle: CARE/Sandra Bulling)

Die 29jährige spielt seit der Grundschule Netball. Es ist ein Spiel für Mädchen, hier sind sie unter sich, können klatschen, tratschen und gegeneinander antreten. „Netball macht Spaß“, sagt Lebogang. „Ich lerne viel, auch über AIDS. Das Virus macht mir Angst, damit will ich nichts zu tun haben“, sagt sie. „Ich möchte noch stärker werden, dann kann ich mich besser vor den Jungen wehren.“ Das Training muss vor dem Sonnenuntergang beendet sein, damit die Mädchen sicher nach Hause kommen. Nur widerwillig hören die Teams mit dem Spiel auf, die Mädchen lachen und singen gemeinsam. Und freuen sich bereits auf das nächste Training. Auch Lebogang kann es kaum erwarten, wieder auf dem Platz zu stehen, den Ball ihren Freundinnen zuzuwerfen – und dabei von einer Zukunft ohne Armut zu träumen.

Die 2010sdafrika-Redaktion möchte sich ganz herzlich bei CARE für die Bereitstellung von Text und Fotos bedanken.

Informationen zum „Kick-It Projekt“ von CARE:

http://www.care.de/suedafrika_kickit.html