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Exklusivbilder aus Marikana

Ein einzigartiger Einblick in die Lebensverhältnisse einer kleinen südafrikanischen Minengemeinde.

(Autoren: Ghassan Abid, 2010sdafrika-Redaktion)

Marikana und Rustenburg haben in den letzten sieben Tagen eine traurige internationale Berühmtheit erlangt, nachdem insgesamt nach aktuellem Stand 44 Menschen starben. Unter den Opfern befanden sich auch zwei Polizisten. Doch kaum jemand weiß etwas über Marikana, dem Ort, an welchem die aktuellsten Proteste der Minenarbeiter ihren Ursprung nahmen.

© Nonthlantha Nkabinde stammt aus Marikana. Sie setzt sich seit Jahren dafür ein, dass die mangelhaften Zustände in ihrem Dorf und die Konsequenzen der Ignoranz der Bergbaukonzerne gegenüber den Minenarbeitern publik werden. Erst das Massaker vom 16.08.2012 ermöglichte ihr die Verwirklichung dieser Vision. Eine Welt schaut auf ein Dorf mit seinen rund 4.000 Einwohnern.

© Nonthlantha Nkabinde stammt aus Marikana. Sie setzt sich seit Jahren dafür ein, dass die mangelhaften Zustände in ihrem Dorf und die Konsequenzen der Ignoranz der Bergbaukonzerne gegenüber den Minenarbeitern publik werden. Erst das Massaker vom 16.08.2012 ermöglichte ihr die Verwirklichung dieser Vision. Eine Welt schaut auf ein Dorf mit seinen rund 4.000 Einwohnern.

Marikana zählt rund 4.000 Einwohner. Das Dorf liegt in der Provinz North West und ist bekannt für seine Nähe zu zahlreichen Platinminen. Die Einwohner von Marikana leben größtenteils von ihren Tätigkeiten in den Minen. Die Arbeiter stammen mehrheitlich aus ärmlichen Verhältnissen. Sie verließen das Eastern Cape, um im Norden Südafrikas ihrer Armut zu entkommen.

© Ortsschild Marikana: Die Minenarbeiter verdienen rund 4.000 Rand. Doch die Armut bleibt trotz Arbeit bestehen.

© Ortsschild Marikana: Die Minenarbeiter verdienen rund 4.000 Rand. Doch die Armut bleibt trotz Arbeit bestehen.

Pro Monat verdient ein Minenarbeiter rund 4.000 Rand, was umgerechnet etwa 389 Euro entspricht. Laut Angaben eines NGO-Vertreters verdient hingegen Frans Baleni, der Generalsekretär der Minengewerkschaft NUM, im Monat weit über 105.000 Rand; also 10.215 Euro. Aus diesem Grund hat sich aus den Reihen der NUM im Jahr 2001 eine Splittergewerkschaft etabliert, die den Namen AMCU trägt. Sie ist deutlich kritischer gegenüber dem ANC eingestellt als NUM. Beide Gewerkschaften buhlen seit der Koexistenz um die Minenarbeiter, die in der Region schwerpunktmäßig bei den Bergbaukonzernen Lonmin und Implats beschäftigt sind.

David van Wyk von der gemeinnützigen Stiftung Bench Marks Foundation, die die Zusammenhänge zwischen Minenindustrie und Gemeinden untersucht, kommt zum Ergebnis, dass die Menschen in Marikana weiterhin in großer Armut leben. Er hält gegenüber „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ fest, dass die Zustände in Marikana unstrittig untragbar sind. Die Minenarbeiter sind während ihres Dienstes Unter Tage nach wie vor großen Risiken ausgesetzt, die die Bergwerkkonzerne letztendlich schlichtweg missachten.Vor allem die finanzielle Misere beschäftigt die Menschen sehr, da sie wissen, dass die Kumpels in Kanada 6 bis 9 Mal mehr verdienen als die Südafrikaner. Die Gemeinde fühlt sich von der Wirtschaft wie eine Weihnachtsgans ausgenommen.

Eine exklusive Bilderserie, die den Einblick in eine Welt ermöglicht, die geprägt ist von Armut, Ermüdung und Perspektivlosigkeit. Zugleich erkennt man auf den Bildern auch positive Emotionen der Lebensfreude, Hoffnung und des Lebenswillens. „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ dankt den Fotografen für diese einzigartige Möglichkeit.

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© Exklusive Bilder aus Marikana und Umgebung

ANC verbannt Julius Malema

Nach dem Dolchstoß folgt der Überlebenskampf „um jeden Preis“

(Autor: Ghassan Abid)

Am vergangenen Mittwoch ist der Noch-Präsident der ANC-Jugendliga, Julius Malema, aus der Partei ausgeschlossen worden. Nach seiner fünfjährigen Suspendierung vom 10. November 2011 erweist sich die aktuelle Entscheidung als bisheriger Höhepunkt im Konflikt zwischen Julius Malema und dem Präsidenten sowie gleichzeitigem ANC-Vorsitzenden Jacob Zuma.

© Julius Malema kann auf die ANC-Jugendliga, Minenarbeiter und viele Township-Bewohner setzen. (Quelle: ANCYL)

© Julius Malema kann auf die ANC-Jugendliga, Minenarbeiter und viele Township-Bewohner setzen. (Quelle: ANCYL)

Trotz der Suspendierung konnte Malema laut Auffassung der Partei von seinen provokanten Stellungnahmen – der Verstaatlichung der Bergwerkindustrie, der Befürwortung des unrechtmäßigen Umgangs mit Farmern in Simbabwe, der fehlenden Distanzierung von gesungenen Kampfliedern aus Apartheidszeiten und der Forderung eines Wechsels des „Puppenregimes“ von Präsident Ian Khama in Botswana – nicht Abstand nehmen. Dementsprechend sah sich der ANC zu dieser Ultima Ratio gezwungen. Die Entscheidung ergibt sich aus dem Punkt 89 der öffentlichen Bekanntmachung des ANC-Disziplinarausschusses NDC: „Julius Malema is expelled from the ANC.“ Unterdessen begrüßten die Oppositionsparteien den Parteiauschluss Malemas.

Julius Malema ist trotz seiner Pleiten innerhalb der ANC-Gremien weiterhin gefragt. Die Proteste der Minenarbeiter von Rustenburg gegen ihren Arbeitgeber Implats hat der angehende Politikwissenschaftler für sich instrumentalisieren können. Die Minenarbeiter, viele Jugendliche und einfache Mitglieder des ANC halten nach wie vor zu „ihrem Genossen„. Genau hierbei setzt der Jungpolitiker an. Dementsprechend ist es nicht verwunderlich, dass in den letzten Wochen Jacob Zuma von genau diesen Parteimitgliedern  auf öffentlichen Veranstaltungen ausgebuht wurde. Auch kam es in der Heimatstadt des Ausgeschlossenen, in Seshego in der Provinz Limpopo, zu Ausschreitungen zwischen Malema-Anhängern und der Polizei [siehe u.a. Video].

Wenn Malema auf Dauer die Reintegration in den ANC nicht glücken sollte, so kann davon ausgegangen werden, dass dem Afrikanischen Nationalkongress erneut eine Abspaltung droht und Malema eine eigene Partei gründet. Julius Malema macht unterdessen deutlich, dass er „um jeden Preis“ kämpfen wird: „Ich bin kein Soldat, der davon ausgeht, im Kampf zu sterben. Ich werde in  meinen Stiefeln sterben. Es kümmert mich nicht, was andere sagen. Ich werde für das sterben, wovon ich überzeugt bin. Ich habe niemals etwas falsches getan.

Die ANC-Jugendliga wird in den kommenden Tagen das weitere Vorgehen mit  bzw. zu ihrem Präsidenten beraten. Ein Konflikt, dessen Ende noch nicht abzusehen ist.

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Chronik zum Machtkampf zwischen ANC und Julius Malema

12. September 2011 – Der High Court in Johannesburg befindet Malema für schuldig, mit dem Kampfsong „dubul ibhunu“ (Tötet die Buren) Stimmung gegen Weiße zu betreiben. Im Vorfeld leiteten Afrikanerorganisationen das juristische Verfahren gegen Malema ein.

10. November 2011 – ANC-Disziplinarausschuss (NDC) suspendiert Malema und weitere Parteimitglieder für 5 Jahre aus dem ANC. Seine Hasstiraden gegen Weiße/ Farmer werden ihm zur Last gelegt.

29. Februar 2012 – ANC-Disziplinarausschuss (NDC) verbannt Malema vollständig aus der Partei. Er erhält die Möglichkeit innerhalb von zwei Wochen Einspruch gegen die Entscheidung des NDC einzulegen. Nach der Urteilsverkündung brechen Ausschreitungen in Seshego aus.

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Die Minenarbeiter von Rustenburg

Miserable Arbeitsbedingungen, schlechte Bezahlung und 17.000 Kündigungen

(Autor: Ghassan Abid)

In den letzten vier Wochen protestierten tausende beim südafrikanischen Minenkonzern Impala Platinum Holdings Limited (Implats) beschäftigte Kumpels gegen ihren (ehemaligen) Arbeitgeber. Die Platinmine bei Rustenburg wurde infolge eines wochenlangen wilden Streiks durch die Arbeiter stillgelegt. Implats beziffert seinen Verlust in dreistelliger US-Dollar-Millionenhöhe. Das in Illovo ansässige Unternehmen bewertet die Geschehnisse als eine illegale Aktion der Belegschaft, da die Arbeitsniederlegung ohne Rechtsgrundlage und entgegen der arbeitsrechtlichen Bestimmungen erfolgte.

© Laut Angaben der Minengewerkschaft NMU starben zwischen 1984 und 2005 weit über 11.100 Minenarbeiter. (Quelle: Anglogold Ashanti/ MediaClubSouthAfrica.com)

Die Polizei rückte am 16. Februar 2012 mit schwerem Gerät an, um die rund 5.000 Minenarbeiter bei der Blockierung von Zufahrtsstraßen zur Mine Impala Rustenburg zu hindern. Hintergrund für die Proteste ist die Forderung nach besserer Bezahlung der mehrheitlich in den Townships lebenden Menschen. Die Implats-Geschäftsführung hat als Konsequenz aus dem wilden Streik bereits 17.000 Mitarbeiter entlassen. Die gekündigten Protestler sollten sich dann wieder bewerben, was lediglich 20 Prozent dieser Personengruppe auch tat. In den letzten 30 Tagen, parellel zum Streik, ist der Preis für Platin nach Angaben der britischen Metallgesellschaft Johnson Matthey Precious Metals Marketing von rund 1.532 auf 1.645 US-Dollar pro Feinunze [Massemaß für Edelmetalle] gestiegen.

© Platinpreise der letzten 30 Tage für den Zeitraum 19.01.-19.02.2012 (Quelle: Johnson Matthey Precious Metals Marketing)

Südafrikanische Gewerkschafter klagten in der Vergangenheit bereits mehrfach über die gefährlichen Arbeitsbedingungen beim in Südafrika und Simbabwe operierenden Unternehmen Implats an. Frans Baleni, Generalsekretär der National Union of Mineworkers (NMU), bezeichnete das Verhalten von Minenkonzernen wie Implats als „stille Kriminalität“. Denn zwischen 1984 und 2005 starben bedingt durch die unzureichenden Arbeitsschutzbedingungen im Bergbausektor Südafrikas weit über 11.100 Minenarbeiter. NMU wirft den Minenkonzernen „apartheidsähnliche Schikanen“ gegenüber dem eigenen Personal vor. Julius Malema, der mittlerweile suspendierte Präsident der ANC-Jugendliga, fordert mit seiner Organisation die Verstaatlichung der Bergbauindustrie. Dementsprechend findet diese politische Forderung bei vielen Südafrikanern, insbesondere bei den Kumpels, eine Menge Zuspruch.

TV-Fernsehen SABC berichtet über Ausschreitungen zwischen Polizei und Minenarbeitern in Rustenburg vom 16.02.2012

In Südafrika sollen rund 80 Prozent der weltweiten Platinvorkommen liegen. Allein die Mine in Rustenburg steuert 15 Prozent der globalen Produktion bei. Implats ist der zweitgrößte globale Produzent der sechs Platinmetalle – Platinum, Palladium, Rhodium, Osmium, Ruthenium und Iridium. Das Edelmetall wird zur Herstellung von Katalysatoren, Laborgeräten, Implantaten und Schmuckwaren verwendet. Die Automobilindustrie und medizinische Einrichtungen zählen als die wichtigsten Abnehmer des Edelmetalls.