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Ethnologin Dr. Rita Schäfer im Interview

„Die sexualisierte Gewalt ist Teil der Gewaltstrukturen in der südafrikanischen Gesellschaft.“

(Autor: Ghassan Abid)

© Dr. Rita Schäfer, Ethnologin und Buchautorin (Quelle: Stephan Röhl/ Heinrich-Böll-Stiftung)

© Dr. Rita Schäfer, Ethnologin und Buchautorin (Quelle: Stephan Röhl/ Heinrich-Böll-Stiftung)

2010sdafrika-Redaktion: Wir begrüßen auf „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ die Ethnologin und Buchautorin Dr. Rita Schäfer. Frau Dr. Schäfer, Südafrika hat die höchste Vergewaltigungsrate weltweit. Wie kommt es zu dieser traurigen Entwicklung und welche Faktoren sind hierfür maßgeblich?

Antwort: Die sexualisierte Gewalt ist Teil der Gewaltstrukturen in der südafrikanischen Gesellschaft. Geschlechtsspezifische Gewalt spiegelt und manifestiert männliche Dominanzen im privaten und öffentlichen Leben. Sie äußert sich gegen Frauen und Mädchen, aber auch gegen Jungen und Männer. Zudem sind homosexuelle Menschen Zielgruppe der Gewaltakteure, die Homosexualität als Angriff auf ihre martialischen und besitzergreifenden Männlichkeitsbilder interpretieren. Die Täter bestätigen ihre maskuline Übermacht – gelegentlich geschieht dies kollektiv durch Gruppenvergewaltigungen, die das männliche Zusammengehörigkeitsgefühl verstärken sollen. Etliche Täter kompensieren Verunsicherungen ihrer männlichen Rollen- und Selbstbilder durch die Demütigung ihrer Opfer.

Insgesamt gilt Gewalt als Mittel der Interessendurchsetzung und als Machtbeweis, das betrifft keineswegs nur die geschlechtsspezifische Gewalt. Diese Gewaltakzeptanz wurde aus der Apartheid und der Kolonialzeit übernommen. Die männlichen Machthaber und deren Handlanger in der Siedlerkolonie und im Apartheidstaat setzten massiv sexualisierte, andere körperliche und strukturelle Gewalt zur Eroberung, Herrschaftsabsicherung, Demütigung und Einschüchterung ein.

2010sdafrika-Redaktion: Gibt es Unterschiede bei der Anwendung von Gewalt an Frauen im Hinblick auf die Perioden Südafrikas während und nach der Apartheid?

Antwort: Geschlechtsspezifische und andere Gewaltmuster ziehen sich durch die südafrikanische (Kolonial)Geschichte. Sie wurden während der Apartheid intensiviert und zum politischen Unterdrückungs- und Demütigungsinstrument, etwa bei Folterungen von Frauen und Männern in Untersuchungshaft. Die Gewaltmuster reichen aber viel weiter zurück. So müssen die rassistischen und sexistischen Strukturen in der Siedlerkolonie und in der Sklavenhaltergesellschaft sowie das besitzergreifende und gewaltbereite Verhalten vieler weißer Farmer (und deren Söhne) berücksichtigt werden. Neben Vergewaltigungen und sexuellem Missbrauch von Sklavinnen und Farmarbeiterinnen, Hausangestellten und Kindermädchen sind Auspeitschungen männlicher Sklaven, Farmarbeiter und schwarzer bzw. „Coloured“-Angestellter zu nennen.

Geschlechtsspezifische Gewalt gegen diese männlichen Untergebenen ist in Relation zur „black peril“ zu sehen, zur paranoiden Angst zahlloser Weißer, die männlichen schwarzen Angestellten könnten ihre Frauen oder Töchter verführen. Faktisch kam das kaum vor, weil weiße Frauen mehrheitlich auch rassistisch eingestellt waren und die schwarzen Untergebenen oft demütigend behandelten. Dies betraf keineswegs nur die „poor whites“ im 20. Jahrhundert. Die südafrikanische Geschichtswissenschaft hat anhand zahlreicher Quellen, die Gewaltstrukturen und rassistische Umgangsformen dokumentieren, diese Zusammenhänge im Detail für einzelne Jahrhunderte und Zeitphasen analysiert. Kritische südafrikanische Kriminologen zeigten schon während der Apartheid auf, dass Gewalt auch in weißen Familien verbreitet war. Das betraf Gewalt gegen Ehefrauen und Kindesmissbrauch. Frauen- und Familienmorde wurden vor allem dann von Männern verübt, wenn ihre Ehefrauen sie verlassen oder sich scheiden lassen wollten. Geschlechtsspezifische Gewaltmuster und martialische Männlichkeitsvorstellungen in der weißen Gesellschaft wurden während der Apartheid auch in Schulen, in der Armee und in anderen Institutionen eingeübt, so war die Gewalt in der Privatsphäre der Weißen Bestandteil und Ausdruck der Militarisierung der gesamten Gesellschaft.

Familiäre Gewalt in anderen gesellschaftlichen Gruppen ist während der Apartheid bzw. in der Kolonialzeit kaum dokumentiert, da die Betroffenen nicht zur Polizei gingen. Sie erhielten dort mehrheitlich keine Unterstützung und fürchteten, erneut gedemütigt zu werden. Sie wollten auch nicht den Kampf gegen die Apartheid verraten – so lautete eine verbreitete Einstellung, wenn sie die sozialen Probleme in der schwarzen Gesellschaft publik gemacht hätten. Noch heute werden schwarze Frauen von ANC-Hardlinern angefeindet, die auf die historischen Hintergründe der gegenwärtigen Gewaltstrukturen hinweisen. Dies betrifft vor allem das Problem, dass schwarze Wanderarbeiter häusliche Gewalt einsetzten, um ihre eigenen Demütigungen als Männer zu kompensieren. Für viele war die Verfügung über die Ehefrauen und Kinder das einzige männliche Machtrefugium, das ihnen der Apartheidstaat bzw. dessen Vertreter noch überließ. Familiäre Gewalt rechtfertigten sie dann mit sehr einseitigen und eigenwilligen Interpretationen von Kultur und Tradition. Frauen- und Kinderorganisationen z.B. in Townships, die heute dagegen vorgehen, haben in der Gesellschaft einen schweren Stand, weil arbeits- und perspektivlose Männer, die unreflektiert gewaltsame Rollenmuster verinnerlicht haben, um ihre Machtdomänen fürchten und die Organisationen mit Argwohn betrachten.

© Männliche Rollen- und Selbstbilder, die vor allem gegen Frauen und Homosexuelle gerichtet sind, stellen ein Problem im Lande dar. (Quelle: Hannelie Coetzee/ MediaClubSouthAfrica.com)

© Männliche Rollen- und Selbstbilder, die vor allem gegen Frauen und Homosexuelle gerichtet sind, stellen ein Problem im Lande dar. (Quelle: Hannelie Coetzee/ MediaClubSouthAfrica.com)

2010sdafrika-Redaktion: Die südafrikanische Sektion der US-amerikanischen NGO CIET Trust befragte 2008 insgesamt 269.705 Schüler zwischen 10 bis 19 Jahren an 1191 Schulen im Lande. Jeweils 28 Prozent der Schüler wurden nach eigenen Angaben von fremden Erwachsenen, 28 Prozent von Mitschülern und 18 Prozent von Familienangehörigen missbraucht. Hinzu kommt, dass 20 Prozent der Schüler von den eigenen Lehrern zu Sexualakten genötigt wurden.

Ist der sexuelle Missbrauch von Kindern – vor allem von Mädchen – in Südafrika salonfähig geworden? Und wo besteht Ihrer Meinung nach Handlungsbedarf auf der Seite des Staates?

© Vor allem Mädchen werden zur fraglosen Autoritätshörigkeit gegenüber Männern erzogen. Konsequenz dieser Wertvorstellung sind Schwangerschaften, HIV-Infektionen und eine Bagatellisierung von sexueller Gewalt. (Graeme Williams/ MediaClubSouthAfrica.com)

Antwort: Sexualisierte Gewalt gegen Kinder, insbesondere gegen Mädchen, gibt es nicht erst seit 1994. Vielmehr war diese Gewaltform Teil der besitzergreifenden Männlichkeitsvorstellungen, die lange vor der Apartheid etabliert wurden. Für viele Männer sind diese Strukturen normativ, wie Studien ganz unterschiedlicher südafrikanischer Forschungseinrichtungen belegen. Der bagatellisierende Umgang mit sexuellem Missbrauch durch Lehrer spiegelt verbreitete Einstellungen in Gesellschaft und Politik gegenüber Kindern, (besitzergreifender) Sexualität und Gewalt. Männer in Autoritätspositionen sollten nicht kritisiert werden. Vor allem Mädchen werden zur fraglosen Autoritätshörigkeit gegenüber Männern erzogen; eine fatale Norm, wenn man and die Ausbreitung von HIV und die zahlreichen ungewollten Teenagerschwangerschaften denkt. Auch die negative Vorbildfunktion der Lehrer für männliche Schüler ist zu beachten. Jungen übernehmen das besitzergreifende Sexualverhalten ihrer Lehrer, vor allem wenn die keine Strafverfolgung – höchstens Versetzungen – fürchten müssen. Hier müssten die staatlichen Institutionen auf jeden Fall mehr tun. Einzelne Lehrergewerkschaften haben sich inzwischen gegen die Gewalt ausgesprochen. Zu hoffen ist, das ihre Mitglieder sich daran halten. Auch zivilgesellschaftliche Organisationen, die Opfern helfen und präventiv arbeiten, bräuchten mehr und kontinuierlichere Unterstützung.

2010sdafrika-Redaktion: Von April 2000 bis Oktober 2003 arbeiteten Sie an einem Forschungsprojekt an der Freien Universität Berlin unter der Leitung von Prof. Dr. Ute Luig mit. Die Analyse von Frauenrechtsorganisationen in Südafrika stand im Mittelpunkt dieses Vorhabens. Zu welchen Resultaten sind Sie hierbei gekommen?

Antwort: Die Resultate können Interessierte im Buch: Im Schatten der Apartheid, Lit-Verlag, Münster, 2. Auflage 2008 im Detail nachlesen.

2010sdafrika-Redaktion: Die im südafrikanischen Durban ansässige NGO Bobbi Bear bemängelt, dass männliche Zulu-Anhänger [Hinweis der 2010sdafrika-Redaktion: Zulus stellen eine eigene Ethnie im südlichen Afrika dar] die Aufdeckung von Missbrauchsfällen (un-)bewusst behindern. Inwieweit sind die Frauenrechtsorganisationen miteinander vernetzt und aufeinander abgestimmt?

Antwort: Ob und seit wann die Zulu eine Ethnie sind und wer Zulu-sprechende Menschen zu einer Ethnie „gemacht“ hat, darüber gibt es große Meinungsverschiedenheiten in der (südafrikanischen) Sozialanthropologie, Geschichte und in anderen Wissenschaften. Die Bedeutung von martialischer und besitzergreifender Männlichkeit in der Zulu-Gesellschaft muss historisiert werden; das betrifft auch die Gewaltakzeptanz. Dazu sind etliche Studien südafrikanischer Historiker erschienen. Frauen- und Kinderorganisationen, die Opfern helfen und präventiv arbeiten, sind soweit vernetzt, wie ihre finanziellen und personellen Mittel das erlauben. Staatliche Gelder und finanzielle Unterstützung durch internationale und andere Geberorganisationen sind gering, werden nur kurzfristig bereit gestellt und an enggefasste Verwendungszwecke gebunden. Die Geber übersehen oft die Bedeutung von Vernetzung.

2010sdafrika-Redaktion: Wie kam es dazu, dass Sie sich mit Frauenrechtsorganisationen in Südafrika befassten?

Antwort: Mich haben die Beiträge der Organisationen zur Verwirklichung der neuen Verfassung und der innovativen Rechts- und Gesetzesgrundlagen interessiert.

2010sdafrika-Redaktion: Was verstehen Sie unter dem Begriff „Feminismus“ und welche Differenzierung machen Sie, wenn Sie von einem „Afrikanischen Feminismus“ sprechen?

Antwort: Es gibt eine differenzierte Debatte in der südafrikanischen und afrikanischen Geschlechterforschung über den Feminismusbegriff, die in der Fachliteratur nachgelesen werden kann. Deutlich ist, dass viele südafrikanische Autoren/innen die historisch geprägten Unterschiede zwischen Frauen auf der Grundlage von Hautfarbe, Herkunft, Beruf und Bildung stärker berücksichtigen als anderswo. Gleichzeitig historisieren sie die heutigen geschlechtsspezifischen Gewaltmuster und verlangen die Überwindung gewaltgeprägter Männlichkeit – auch zum Wohle der Männer, der ganzen Familien und der Gesellschaft. Etliche schließen – soweit die Mittel das erlauben – Allianzen mit pro-feministischen HIV/AIDS-, Kinderrechts-, Männer- und Menschenrechtsorganisationen, die oft ähnlich wie sie von ideologischen Fanatikern unterschiedlicher Herkunft als „unafrikanisch“ angefeindet werden. Sie wehren sich dagegen, afrikanischen Feminismus als Import aus den USA oder Europa zu sehen.

2010sdafrika-Redaktion: Welche persönlichen Träume und wissenschaftlichen Vorhaben würden Sie gerne realisieren, vor allem im Hinblick auf Südafrika?

Antwort: Mir war und ist der Dialog mit südafrikanischen Kollegen/innen ein Anliegen. Wünschenswert wäre es, wenn die Forschungsergebnisse, die südafrikanische Kollegen/innen publiziert haben, stärker in der hiesigen Auseinandersetzung mit Südafrika wahrgenommen würden. Das betrifft nicht nur die Wissenschaft, z.B. Universitätsbibliotheken oder Institute, sondern auch politische Berater und Entwicklungsorganisationen. Zudem sollten die Organisationen, die gegen die geschlechtsspezifische Gewalt in Südafrika vorgehen, mehr Beachtung und Unterstützung erfahren. Das wäre insbesondere für Organisationen wünschenswert, die präventiv arbeiten und gewaltgeprägte Männlichkeitsvorstellungen ändern. Dadurch sorgen sie für mehr Lebensqualität von Männern, die bekanntlich auch in großer Zahl durch AIDS oder Morde sterben, und für eine gerechtere und friedlichere Gesellschaft. Vorbildlich ist beispielsweise das Sonke Gender Justice Network.

2010sdafrika-Redaktion: Dr. Rita Schäfer, Ethnologin, vielen Dank für das sehr interessante Interview.

Kindesmissbrauch und Gewalt an Frauen

Experten ziehen im Filmmuseum Potsdam eine Status quo-Bilanz

(Autoren: Ghassan Abid, Doreen S., Danilo Bretschneider)

Im November 2010 fanden sich anlässlich des Filmfestivals „Ueber Mut“ und der 7. Brandenburger Entwicklungspolitische Informations- und Bildungstage im Filmmuseum Potsdam verschiedene Vertreter der Zivilgesellschaft zusammen, um den sexuellen Missbrauch von Kindern und die Gewalt an Frauen in Südafrika und insbesondere in Deutschland zu erörtern. Angestoßen wurde die Veranstaltung mit dem soziokritischen Dokumentarfilm „Rough Aunties“, welcher den traditionsbedingten Missbrauch von Kindern in Südafrika und die schwierige Arbeit der ehrenamtlichen Frauen –  der  „Tanten“ – von „Bobbi Bear“ thematisiert.

© Podium im Filmmuseum Potsdam; von links: Ghassan Abid, Rosemarie Priet, Lydia Sandrock, Kilian Kindelberger (Quelle: www.dbretschneider.de/)

© Podium im Filmmuseum Potsdam; von links: Ghassan Abid, Rosemarie Priet, Lydia Sandrock, Kilian Kindelberger (Quelle: http://www.dbretschneider.de/)

Ghassan Abid – Politikwissenschaftler mit dem Forschungsschwerpunkt deutsch-südafrikanische Beziehungen, Initiator von „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ und Moderator der Veranstaltung – eröffnete das Podium mit zwei Studien der in New York hauptansässigen Nichtregierungsorganisation (NGO)  CIET Trust. 2008 befragte die südafrikanische Sektion dieser NGO insgesamt 269.705 Schüler zwischen 10 bis 19 Jahren an 1191 Schulen im Lande. Jeweils 28 Prozent der Schüler wurden nach eigenen Angaben von fremden Erwachsenen, 28 Prozent von Mitschülern und 18 Prozent von Familienangehörigen missbraucht. Hinzu kommt, dass 20 Prozent der Schüler von den eigenen Lehrern zu Sexualakten genötigt wurden. Bereits ein Jahr zuvor sorgte CIET Trust mit einer Studie zu Vergewaltigungsfällen an südafrikanischen Frauen für ein ähnliches Entsetzen. Von 4000 befragten Frauen gab jede Dritte an, dass sie im Laufe ihres Lebens einer Vergewaltigung zum Opfer gefallen ist. Auch 1500 Männer wurden in der selben Studie von 2007 befragt, wonach ein Drittel die Ausübung einer Vergewaltigung als „lustig“ und „spaßig“ empfand.

© Lydia Sandrock, Autonomes Frauenzentrum Potsdam (Quelle: http://www.dbretschneider.de/)

Lydia Sandrock, vom Autonomen Frauenzentrum Potsdam e.V., erläuterte die schwierige Lage von Opfern sich gegen ihre Peiniger zur Wehr zu setzen. Denn bei missbrauchten Kindern und Frauen macht sich eine Art Angstzustand breit sowie ein Gefühl der Rechtlosigkeit. Der Missbrauch ereignet sich in vielen Fällen über Jahre, sodass bei den Opfern in vielen Fällen Alpträume, Misstrauen und Konzentrationsschwierigkeiten eintreten. Das Perfide an der gesamten Debatte ist die Tatsache, dass die Täter oft nahe Verwandte sind. Dieses bestätigt sich in einer Hellfeld-Analyse der Universität Magdeburg von 2008, wonach bei 42 Prozent der untersuchten Täter-Opfer-Beziehungen der Missbrauch von Kindern von den eigenen Vätern (leiblich/ Stiefvater), Großvätern und Onkeln ausging. In lediglich 20 Prozent der Fälle gingen die Sexualdelikte an Kindern von Fremden aus. Dementsprechend ist es nicht verwunderlich, dass den Kindern bei einer Offenbarung erst nur nach mehreren Vorfällen geglaubt wird – eine Erkenntnis, die vielen Menschen als unvorstellbar und unbequem erscheint.

Kilian Kindelberger, von VENROB e.V. und der Berlin-Brandenburgischen Auslandsgesellschaft e.V., bekräftigt das Engagement seiner Institution, insbesondere Frauen zum Handeln zu ermutigen, sei es in Städte- oder in Fußballpartnerschaften. Denn die Wandlung einer Gesellschaft erfordert demnach eine aktive Partizipation von Frauen, um soziale Missstände wirksam begegnen zu können. Gesetze erweisen sich demnach vielerorts nicht als alleinige Lösung sozialer Probleme. Hinsichtlich der Fragestellung, inwieweit das TV-Reality Format „Tatort Internet – Schützt endlich unsere Kinder“ zur Sensibilisierung einer Debatte um den Kindesmissbrauch hilfreich sein könne, begründet Kindelberger die grundsätzliche Positivwirkung, dass ´darüber gesprochen wird´, jedoch dienen solche Produktionen von auf Kommerz ausgerichteten Sendern keiner wirklichen und ernsthaften Sensibilierung gesellschaftlicher Probleme. Der Abbau von Vorurteilen, die Aufklärung zu fair gehandelten Produkten und die interkulturelle Verständigung werden von VENROB weiterhin im Rahmen der Lobbyarbeit verfolgt, so Kindelberger weiter.

Rosemarie Priet, von der Opferhilfe e.V., untermauerte den unglaublichen Ehrgeiz von Frauen zur Bekämpfung sozialer Missstände. Die im südafrikanischen Durban ansässige NGO „Bobbi Bear“ engagiert sich zum Beispiel seit Jahren trotz zahlreicher privater und beruflicher Rückschläge weiterhin mit ihrer ganzen Kraft für die Rechte von Kindern und gegen den gesellschaftlich akzeptierten Missbrauch von Kindern durch Männer der Ethnie der Zulus. Die „Tanten“ dieser Organisation, welche in den meisten Fällen selbst Opfer von sexueller Gewalt wurden, seien umso entschlossener, solche Entwicklungen in die falsche Richtung entgegenzuwirken. Mit der Opferhilfe e.V. verfolgt Priet mit ihren Kolleginnen und Kollegen sämtliche Aktivitäten, den Opfern den ´Platz in der Gesellschaft´ zu ermöglichen. Physische und psychische Folgen, Entwicklungsstörungen, Leistungsdefizite und Spannungen werden dank der Unterstützung der Opferhilfe e.V. Schritt für Schritt „therapiert“. Doch neben der Opferhilfe, sei insbesonde der Opferschutz ein wichtiger Pfeiler ihrer Arbeit. Es geht hierbei nicht nur um die Zeugenbetreuung oder um die Aufklärung zu den Rechten im Strafverfahren, sondern auch um die Beratung von Angehörigen, die oft überfordert sind. Problematisch ist allerdings das Manko, dass die Opfer viel zu lange auf einen Therapieplatz warten müssen und in so einigen Fällen der Antrag auf eine solche therapeutische Hilfe von den Opfern  zurückgezogen wird.  Der Missbrauch von Jungen, betont Priet, sei nach wie vor ein großes Tabuthema, welches ´nicht zum gesellschaftlichen Männerbild passt´ und demnach kaum erörtert wird. Zu guter Letzt ist der Gesetzgeber zum weiteren Handeln geboten, wie zum Beispiel hinsichtlich einer Verlängerung der Verjährungsfrist von Schadensersatzforderungen.

Sexueller Missbrauch von Kindern – in Südafrika und Deutschland

Veranstaltungshinweis zum soziokritischen Dokumentarfilm „Rough Aunties“ und Podium

© Kinder im Township (Quelle: Emily Visser, City of Johannesburg/ MediaClubSouthAfrica.com)

Sexueller Missbrauch von Kindern ist ein Thema, welches in Südafrika als auch in Deutschland präsent und zugleich scheinbar unsichtbar ist. Die missbrauchten Kinder verschließen sich gegenüber anderen Erwachsenen und versuchen auf diesem Wege diese schrecklichen Erlebnisse zu verdrängen. Sogar die eigenen Eltern ahnen lange nichts von den traumatischen Erlebnissen ihrer Kinder. Die kontroverse TV-Sendung „Tatort Internet: Schützt endlich unsere Kinder„, eine Produktion für RTL2, thematisiert diese Debatte im Reality-Format, setzt allerdings in erster Linie bei der Prävention im Web 2.0-Zeitalter an.

Die Täter bleiben in vielen Fällen unbestraft. Doch was Südafrika von Deutschland explizit unterscheidet, ergibt sich aus zwei Tatsachen. Zum einen wird die Anzahl der Personen, die sexuellen Übergriffen von männlichen Erwachsenen ausgeliefert sind, höher eingeschätzt als in Deutschland. Nicht nur Kinder sind Opfer sexueller Gewalt, sondern auch Frauen. Zum andern herrscht bei einer nicht unerheblichen Anzahl von männlichen Südafrikanern eine gewisse traditionell bedingte „Akzeptanz“ von  erzwungenem Sex mit Frauen und Kindern weiblichen Geschlechts. Laut einer Studie  der Wissenschaftler Neil Andersson und Ari Ho-Foster sind in Südafrika 40 Prozent aller minderjährigen Schüler (unter 18 Jahren) mindestens einmal vergewaltigt worden.  In 20 Prozent der Fälle gaben die Schüler an, dass die Täter ihre Lehrer waren.  Dieser Umstand wird dadurch begünstigt, dass Medizinmänner den Aberglauben verbreiten, dass AIDS durch den Sex mit Jungfrauen geheilt werden könne. Dementsprechend erhält man als Opfer von den südafrikanischen Strafverfolgungsbehörden in vielen Fällen nur unzureichend Unterstützung. Konsequenterweise verfallen Straftat-Aufklärung und Strafverfolgung hierbei einer eklatanten Vernachlässigung.


NGOs schlagen seit Jahren bereits Alarm, so auch Amnesty International (AI). AI kam im Jahresbericht 2006 zu schrecklichen Erkenntnissen: „Die Polizeistatistiken für den Zeitraum April 2005 bis März 2006 verzeichneten 54926 Anzeigen wegen Vergewaltigung … In 42,7 Prozent der angezeigten Fälle waren die Opfer Kinder beziehungsweise Minderjährige …


Im Juni nahm das Parlament seine Debatte über den Entwurf eines Gesetzes gegen sexuelle Gewalt, der seit 2004 im Justizministerium auf Eis gelegen hatte, wieder auf. Organisationen, die Vergewaltigungsopfer und sexuell missbrauchte Kinder betreuen, äußerten weiterhin die Kritik, dass der Entwurf nur unzureichende Bestimmungen über den Schutz der Kläger während des Ermittlungs- und des Gerichtsverfahrens enthalte. Dies betreffe vor allem Kinder.


Bürgernahe Organisationen präsentierten Belege dafür, dass bei der Polizei durch Schlamperei und Korruption Vorgänge über Ermittlungen in Vergewaltigungsfällen verloren gegangen waren. Die Südafrikanische Menschenrechtskommission (South African Human Rights Commission – SAHRC) und zwei weitere offizielle Gremien befassten sich in landesweiten öffentlichen Anhörungen mit der hohen Zahl von Todesfällen unter Jungen, die traditionelle Beschneidungsschulen besuchten. In den vergangenen zehn Jahren sind in diesen Einrichtungen mehr als 100 Jungen zu Tode gekommen.


Im aktuellsten Jahresbericht von 2009 reißt die Kritik von Amnesty International an Politik und Behörden Südafrikas nicht ab.  Viele Fragen bleiben nach wie vor unbeantwortet und die Opfer erfahren nur in wenigen Fällen die notwendige Aufmerksamkeit von Staat und Medien. Auch in Deutschland erweist sich der sexuelle Missbrauch von Kindern im Hinblick auf die katholische Kirche als ein Tabuthema. Umso wichtiger ist die Veranstaltung im Filmmuseum Potsdam, welches vom Südafrika-Portal medial begleitet wird und genau an dieser beschriebenen Ausgangslage in Südafrika und Deutschland ansetzt:


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EINLADUNG

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12. November 2010, 19 Uhr

Filmmuseum Potsdam, Breite Str. 1a/ Marstall, 14467 Potsdam

Kartenreservierung: 0331-27181-12


Rough Aunties
R: Kim Longinotto, GB/Südafrika 2008, Dok., OmU, Audiodeskription optional, 103’

Anschließend:

Podiumsgespräch mit Lydia Sandrock (Autonomes Frauenzentrum Potsdam e.V.), Kilian Kindelberger  (VENROB e.V.), Rosemarie Priet (Opferhilfe e.V.), Moderation: Ghassan Abid (Politikwissenschaftler)

© Cover von "Rough Aunties"

Filmbeschreibung:

Wenn Kinder Opfer von Missbrauch werden, verstummen sie oft aus Scham und Angst. Diese Mädchen und Jungen zum Reden zu bringen, ist Ziel der Hilfsorganisation Bobbi Bear im südafrikanischen Durban. Ihre Mitarbeiterinnen betreuen betroffene Kinder und setzen sich dafür ein, dass die Schuldigen vor Gericht kommen. Hier erweist sich auch die patriarchalische Zulu-Kultur oft als Hindernis. Mit Wut und Herzlichkeit setzen sich die „Tanten“ von Bobbi Bear kompromisslos für die Rechte von Kindern ein.


Die Veranstaltung ist gleichzeitig Teil der 7. Brandenburger Entwicklungspolitische Bildungs- und Informationstage (BREBIT). Im Museumsfoyer stellen die Filmpartner VENROB – Verbund Entwicklungspolitischer Nichtregierungsorganisationen Brandenburgs e.V. und Opferhilfe e.V. ihre Arbeit vor.

Eintritt: 5 Euro, 4 Euro ermäßigt, 2,50 Schüler und Gruppen


Weitere Informationen zu Film und Festival unter:

www.filmmuseum-potsdam.de.

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Freunde des Filmmuseums Potsdam,

gerne möchte ich auf eine Veranstaltung innerhalb des Filmfestivals ueber Mut – Engagiert. Couragiert. Kontrovers. im Filmmuseum Potsdamhinweisen, die für Sie/ Euch vielleicht interessant sein könnte. Über eine Weiterleitung und/ oder Veröffentlichung würde ich mich sehr freuen.

12. November 2010, 19 Uhr

Filmmuseum Potsdam, Breite Str. 1a/ Marstall, 14467 Potsdam

Kartenreservierung: 0331-27181-12


Rough Aunties
R: Kim Longinotto, GB/Südafrika 2008, Dok., OmU, Audiodeskription optional, 103’

Anschließend:

Podiumsgespräch mit Lydia Sandrock (Autonomes Frauenzentrum Potsdam e.V.), Kilian Kindelberger (VENROB e.V.), Rosemarie Priet (Opferhilfe e.V.), Moderation: Ghassan Abid (Politikwissenschaftler)


Rough Aunties

Wenn Kinder Opfer von Missbrauch werden, verstummen sie oft aus Scham und Angst. Diese Mädchen und Jungen zum Reden zu bringen, ist Ziel der Hilfsorganisation Bobbi Bear im südafrikanischen Durban. Ihre Mitarbeiterinnen betreuen betroffene Kinder und setzen sich dafür ein, dass die Schuldigen vor Gericht kommen. Hier erweist sich auch die patriarchalische Zulu-Kultur oft als Hindernis. Mit Wut und Herzlichkeit setzen sich die „Tanten“ von Bobbi Bear kompromisslos für die Rechte von Kindern ein.

Die Veranstaltung ist gleichzeitig Teil der 7. Brandenburger Entwicklungspolitische Bildungs- und Informationstage (BREBIT). Im Museumsfoyer stellen die Filmpartner VENROB – Verbund Entwicklungspolitischer Nichtregierungsorganisationen Brandenburgs e.V. und Opferhilfe e.V. ihre Arbeit vor.

Eintritt: 5 Euro, 4 Euro ermäßigt, 2,50 Schüler und Gruppen

Weitere Informationen zu Film und Festival finden/t Sie/ Ihr unter: www.filmmuseum-potsdam.de