Schlagwort-Archive: Jungfrau

Uni-Stipendium nur an Jungfrauen

Uthukela-Distrikt in Südafrika fördert ausschließlich junge Frauen, die auf Geschlechtsverkehr verzichten

(2010sdafrika-Redaktion)

Die Mehrheit der 54 Millionen Südafrikaner bezeichnet sich selbst als christlich, gläubig und gottesfürchtig. Konservative Werte sind in der Bevölkerung im südlichen Afrika, die zu fast 80 Prozent dem Christentum angehört, weit verbreitet. Allerdings ist der aktuelle Vorstoß eines Distrikts, die der Uthukela-District-Municipality in der KwaZulu-Natal-Provinz, auch für südafrikanische Verhältnisse äußerst umstritten. Denn ein Uni-Stipendium soll nur weiblichen Jungfrauen vorbehalten sein.

 Kehitys Lehti

© Die Uthukela District Municipality in Südafrika vergibt 16 Uni-Stipendium ausschließlich an weibliche Jungfrauen. Ihre Enthaltsamkeit solle regelmäßig überprüft werden. Frauenrechtsgruppen und die Opposition legten bereits Protest ein, da das Stipendium gegen die Verfassung verstoße. (Quelle: flickr/ Kehitys Lehti)

Weiterlesen

Werbeanzeigen

Tabuthema sexueller Missbrauch von Babies

Eine Gesellschaft schweigt über ein entsetzliches Phänomen in Südafrika. Die Politik ist gefordert

(2010sdafrika-Redaktion)

Fachkundige Interviewpartner zum Thema sexueller Missbrauch von Babies in Südafrika sind äußerst schwer zu finden. Ärzte, Kinderpsychologen und Staatsbedienstete sind in der Regel mit solchen alltäglichen Schicksalen betraut. Allerdings sprechen nur die Wenigsten hierüber. Klar ist, dass der Missbrauch von Babies ein Tabuthema am Kap darstellt, das längst öffentlich thematisiert werden müsste. Einzelne Journalisten und NGOs haben bereits angefangen. Doch die große Mehrheit der Gesellschaft versteckt sich im Schweigen.

© In Südafrika werden - je nach Statistik - jährlich bis zu 70.000 Kinder sexuell missbraucht. Auch Babies zählen zu den Missbrauchsopfern, vor allem aus dem Irrglauben heraus, dass Sex mit einer Jungfrau die Krankheit Aids heilen könne. Die Gesellschaft blendet diesen Missstand aus - es bleibt ein Tabuthema.

© In Südafrika werden – je nach Statistik – jährlich bis zu 70.000 Kinder sexuell missbraucht. Auch Babies zählen zu den Missbrauchsopfern, vor allem aus dem Irrglauben heraus, dass Sex mit einer Jungfrau die Krankheit Aids heilen könne. Die Gesellschaft blendet diesen Missstand aus – es bleibt ein Tabuthema.

Weiterlesen

Einlass nur für Zulu-Jungfrauen

Einmal im Jahr versammeln sich tausende Südafrikanerinnen zum Umkhosi woMhlanga

(Autoren: Ghassan Abid, 2010sdafrika-Redaktion)

Die Zulus sind mit Abstand die wichtigste Bantu-Ethnie im heutigen Südafrika. Mit geschätzten elf Millionen Volksangehörigen ist diese Bevölkerungsgruppe die größte Gemeinschaft des Landes. Mehrheitlich leben die Zulus in der Provinz KwaZulu-Natal, aus welcher auch der aktuelle Präsident Jacob Zuma stammt. Einmal im Jahr, im September eines jeden Jahres, lädt der König der Zulus in den KwaNyokeni-Palast nach Nongoma ein. Touristen aus aller Welt schauen begeistert zu, wenn ein ganzes Königreich seinen feierlichen Höhepunkt begeht.

© Einmal im Jahr, im September, versammeln sich rund 10.000 Jungfrauen im KwaNyokeni-Palast des Zulu-Königs Goodwill Zwelithini kaBhekuzulu. Sie werden auf ihre künftige Rolle als Ehefrau vorbereitet. Nicht-Jungfrauen dürfen hingegen nicht teilnehmen. (Quelle: flickr/ Retlaw Snellac)

© Einmal im Jahr, im September, versammeln sich rund 10.000 Jungfrauen im KwaNyokeni-Palast des Zulu-Königs Goodwill Zwelithini kaBhekuzulu. Sie werden auf ihre künftige Rolle als Ehefrau vorbereitet. Nicht-Jungfrauen dürfen hingegen nicht teilnehmen. (Quelle: flickr/ Retlaw Snellac)

Weiterlesen

Sexueller Missbrauch von Kindern – in Südafrika und Deutschland

Veranstaltungshinweis zum soziokritischen Dokumentarfilm „Rough Aunties“ und Podium

© Kinder im Township (Quelle: Emily Visser, City of Johannesburg/ MediaClubSouthAfrica.com)

Sexueller Missbrauch von Kindern ist ein Thema, welches in Südafrika als auch in Deutschland präsent und zugleich scheinbar unsichtbar ist. Die missbrauchten Kinder verschließen sich gegenüber anderen Erwachsenen und versuchen auf diesem Wege diese schrecklichen Erlebnisse zu verdrängen. Sogar die eigenen Eltern ahnen lange nichts von den traumatischen Erlebnissen ihrer Kinder. Die kontroverse TV-Sendung „Tatort Internet: Schützt endlich unsere Kinder„, eine Produktion für RTL2, thematisiert diese Debatte im Reality-Format, setzt allerdings in erster Linie bei der Prävention im Web 2.0-Zeitalter an.

Die Täter bleiben in vielen Fällen unbestraft. Doch was Südafrika von Deutschland explizit unterscheidet, ergibt sich aus zwei Tatsachen. Zum einen wird die Anzahl der Personen, die sexuellen Übergriffen von männlichen Erwachsenen ausgeliefert sind, höher eingeschätzt als in Deutschland. Nicht nur Kinder sind Opfer sexueller Gewalt, sondern auch Frauen. Zum andern herrscht bei einer nicht unerheblichen Anzahl von männlichen Südafrikanern eine gewisse traditionell bedingte „Akzeptanz“ von  erzwungenem Sex mit Frauen und Kindern weiblichen Geschlechts. Laut einer Studie  der Wissenschaftler Neil Andersson und Ari Ho-Foster sind in Südafrika 40 Prozent aller minderjährigen Schüler (unter 18 Jahren) mindestens einmal vergewaltigt worden.  In 20 Prozent der Fälle gaben die Schüler an, dass die Täter ihre Lehrer waren.  Dieser Umstand wird dadurch begünstigt, dass Medizinmänner den Aberglauben verbreiten, dass AIDS durch den Sex mit Jungfrauen geheilt werden könne. Dementsprechend erhält man als Opfer von den südafrikanischen Strafverfolgungsbehörden in vielen Fällen nur unzureichend Unterstützung. Konsequenterweise verfallen Straftat-Aufklärung und Strafverfolgung hierbei einer eklatanten Vernachlässigung.


NGOs schlagen seit Jahren bereits Alarm, so auch Amnesty International (AI). AI kam im Jahresbericht 2006 zu schrecklichen Erkenntnissen: „Die Polizeistatistiken für den Zeitraum April 2005 bis März 2006 verzeichneten 54926 Anzeigen wegen Vergewaltigung … In 42,7 Prozent der angezeigten Fälle waren die Opfer Kinder beziehungsweise Minderjährige …


Im Juni nahm das Parlament seine Debatte über den Entwurf eines Gesetzes gegen sexuelle Gewalt, der seit 2004 im Justizministerium auf Eis gelegen hatte, wieder auf. Organisationen, die Vergewaltigungsopfer und sexuell missbrauchte Kinder betreuen, äußerten weiterhin die Kritik, dass der Entwurf nur unzureichende Bestimmungen über den Schutz der Kläger während des Ermittlungs- und des Gerichtsverfahrens enthalte. Dies betreffe vor allem Kinder.


Bürgernahe Organisationen präsentierten Belege dafür, dass bei der Polizei durch Schlamperei und Korruption Vorgänge über Ermittlungen in Vergewaltigungsfällen verloren gegangen waren. Die Südafrikanische Menschenrechtskommission (South African Human Rights Commission – SAHRC) und zwei weitere offizielle Gremien befassten sich in landesweiten öffentlichen Anhörungen mit der hohen Zahl von Todesfällen unter Jungen, die traditionelle Beschneidungsschulen besuchten. In den vergangenen zehn Jahren sind in diesen Einrichtungen mehr als 100 Jungen zu Tode gekommen.


Im aktuellsten Jahresbericht von 2009 reißt die Kritik von Amnesty International an Politik und Behörden Südafrikas nicht ab.  Viele Fragen bleiben nach wie vor unbeantwortet und die Opfer erfahren nur in wenigen Fällen die notwendige Aufmerksamkeit von Staat und Medien. Auch in Deutschland erweist sich der sexuelle Missbrauch von Kindern im Hinblick auf die katholische Kirche als ein Tabuthema. Umso wichtiger ist die Veranstaltung im Filmmuseum Potsdam, welches vom Südafrika-Portal medial begleitet wird und genau an dieser beschriebenen Ausgangslage in Südafrika und Deutschland ansetzt:


————————————————————-

EINLADUNG

————————————————————-


12. November 2010, 19 Uhr

Filmmuseum Potsdam, Breite Str. 1a/ Marstall, 14467 Potsdam

Kartenreservierung: 0331-27181-12


Rough Aunties
R: Kim Longinotto, GB/Südafrika 2008, Dok., OmU, Audiodeskription optional, 103’

Anschließend:

Podiumsgespräch mit Lydia Sandrock (Autonomes Frauenzentrum Potsdam e.V.), Kilian Kindelberger  (VENROB e.V.), Rosemarie Priet (Opferhilfe e.V.), Moderation: Ghassan Abid (Politikwissenschaftler)

© Cover von "Rough Aunties"

Filmbeschreibung:

Wenn Kinder Opfer von Missbrauch werden, verstummen sie oft aus Scham und Angst. Diese Mädchen und Jungen zum Reden zu bringen, ist Ziel der Hilfsorganisation Bobbi Bear im südafrikanischen Durban. Ihre Mitarbeiterinnen betreuen betroffene Kinder und setzen sich dafür ein, dass die Schuldigen vor Gericht kommen. Hier erweist sich auch die patriarchalische Zulu-Kultur oft als Hindernis. Mit Wut und Herzlichkeit setzen sich die „Tanten“ von Bobbi Bear kompromisslos für die Rechte von Kindern ein.


Die Veranstaltung ist gleichzeitig Teil der 7. Brandenburger Entwicklungspolitische Bildungs- und Informationstage (BREBIT). Im Museumsfoyer stellen die Filmpartner VENROB – Verbund Entwicklungspolitischer Nichtregierungsorganisationen Brandenburgs e.V. und Opferhilfe e.V. ihre Arbeit vor.

Eintritt: 5 Euro, 4 Euro ermäßigt, 2,50 Schüler und Gruppen


Weitere Informationen zu Film und Festival unter:

www.filmmuseum-potsdam.de.

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Freunde des Filmmuseums Potsdam,

gerne möchte ich auf eine Veranstaltung innerhalb des Filmfestivals ueber Mut – Engagiert. Couragiert. Kontrovers. im Filmmuseum Potsdamhinweisen, die für Sie/ Euch vielleicht interessant sein könnte. Über eine Weiterleitung und/ oder Veröffentlichung würde ich mich sehr freuen.

12. November 2010, 19 Uhr

Filmmuseum Potsdam, Breite Str. 1a/ Marstall, 14467 Potsdam

Kartenreservierung: 0331-27181-12


Rough Aunties
R: Kim Longinotto, GB/Südafrika 2008, Dok., OmU, Audiodeskription optional, 103’

Anschließend:

Podiumsgespräch mit Lydia Sandrock (Autonomes Frauenzentrum Potsdam e.V.), Kilian Kindelberger (VENROB e.V.), Rosemarie Priet (Opferhilfe e.V.), Moderation: Ghassan Abid (Politikwissenschaftler)


Rough Aunties

Wenn Kinder Opfer von Missbrauch werden, verstummen sie oft aus Scham und Angst. Diese Mädchen und Jungen zum Reden zu bringen, ist Ziel der Hilfsorganisation Bobbi Bear im südafrikanischen Durban. Ihre Mitarbeiterinnen betreuen betroffene Kinder und setzen sich dafür ein, dass die Schuldigen vor Gericht kommen. Hier erweist sich auch die patriarchalische Zulu-Kultur oft als Hindernis. Mit Wut und Herzlichkeit setzen sich die „Tanten“ von Bobbi Bear kompromisslos für die Rechte von Kindern ein.

Die Veranstaltung ist gleichzeitig Teil der 7. Brandenburger Entwicklungspolitische Bildungs- und Informationstage (BREBIT). Im Museumsfoyer stellen die Filmpartner VENROB – Verbund Entwicklungspolitischer Nichtregierungsorganisationen Brandenburgs e.V. und Opferhilfe e.V. ihre Arbeit vor.

Eintritt: 5 Euro, 4 Euro ermäßigt, 2,50 Schüler und Gruppen

Weitere Informationen zu Film und Festival finden/t Sie/ Ihr unter: www.filmmuseum-potsdam.de

Exklusiv-Interview mit Zanele Muholi

Im exklusiven Hintergrundgespräch mit der wohl provokantesten Künstlerin Südafrikas

(Autor: Ghassan Abid)

© Künstlerin Zanele Muholi

Zanele Muholi, 1972 im Township Umlazi/Durban geboren, ist ausgebildete Fotografin sowie Aktivistin für Frauenrechte und gleichgeschlechtliche Partnerschaften. Ihre Foto-Kunstwerke präsentieren den Körper schwarzer Frauen, insbesondere deren Intimität. Im konservativen Südafrika stößt dieser offene Umgang mit dem weiblichen Körper nicht immer auf Gegenliebe.  Als im März 2010 die südafrikanische Kulturministerin Lulu Xingwana eine Ausstellung mehrerer schwarzer Künstlerinnen in Johannesburg eröffnen sollte, jedoch diese die Fotos von Zanele Muholi zu Gesicht bekam, denunzierte die Ministerin ihre Kunst als „unmoralisch, pornografisch und entgegen eines nationalen Zusammenwachsens“ und verließ daraufhin empört die Ausstellung. Nicht desto trotz erhält Zanele Muholi, welche in einer lesbischen Beziehungen lebt, seitens der internationalen Kunstszene viel Zuspruch, Respekt und Auszeichnungen. Das Südafrika-Portal freut sich umso mehr, diese interessante „Power-Frau“, die keinen Blatt vor den Mund nimmt, interviewen zu dürfen.

2010sdafrika-Redaktion: Zanele Muholi, wir freuen uns Sie auf „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ begrüßen zu dürfen! Die Mehrheit der südafrikanischen Gesellschaft, vor allem Männer, verabscheuen Homosexualität. In Deutschland ist diese aggressive Atmosphäre gegenüber diesen Bürgern ebenfalls existent. Ich habe von Ihrer lesbischen Beziehung erfahren. Welche persönlichen Erfahrungen haben Sie und Ihre Partnerin bereits machen müssen?

Antwort:Es sind nicht nur Männer, die mit der Homosexualität Schwierigkeiten haben, sondern auch die Frauen. Wir können nicht sagen, dass das Problem der Homosexualität einer patriarchalischen Natur unterliegt – es geht vielmehr um die Tatsache, dass unsere Gesellschaft nach heterosexuellen Wertmaßstäben ausgerichtet ist. Ja, Männer sind diejenigen, die Lesben zwecks „Heilung“ zu einer „richtigen“ Frau vergewaltigen. Mir sind aber auch Fälle bekannt, wonach Familienangehörige – gerade Mütter – Männer zur Vergewaltigung ihrer lesbischen Tochter bitten, damit diese zu einer sauberen „Afrikanischen“ Frau rückgängig gemacht wird; gemeint ist hierbei eine Frau die heiratet und ein Kind gebärt. Das ist der Zustand, in welcher das Patriarchat und die Heterosexualität sich überkreuzen und eine falsche Auffassung darüber erzeugen, wonach nur heterosexuelle Frauen heiraten und Kinder zur Welt bringen können. Aber es gibt in meiner Gemeinschaft so viele lesbische Mütter, deren Kinder unter den verschiedensten Umständen gezeugt wurden.

Ich persönlich musste vor vielen Jahren zuvor ein aus Hass begangenes Verbrechen erfahren, als die Mutter meiner Partnerin mich aufgrund meiner lesbischen Ausrichtung geschlagen hatte. Sie beschuldigte mich ihre Tochter zu „solchen Dingen“ zu beeinflussen und beschimpfte mich als „Perversling“.

So habe ich die Homophobie begreifen und diesbezügliche Erfahrungen mit der Mutter meiner Ex-Freundin machen müssen. Aber andererseits habe ich niemals eine schlimme homofeindliche Erfahrung in meiner eigenen Familie, als auch bei meinen Freunden gemacht.

© Fotografie: Musa Ngubane and Mabongi Ndlovu, Johannesburg

Meine geliebte Mutter Bester Ziqubu Muholi, die am 27. September 2009 von uns ging, betrachtete alle meine Partnerinnen als ein Bestandteil ihrer Familie. Sie lehrte uns jeden zu lieben und zu akzeptieren. Meine Ex-Partnerinnen sind weiterhin bei uns zu Hause seitens meiner Brüder und Schwestern willkommen, auch nachdem meine Mutter von uns gegangen ist, weil sie meiner Familie die Akzeptanz und den Respekt der Vertrautheit lehrte, als auch die Liebe zwischen mir und meinen Partnerinnen. Sie akzeptierte jede Einzelne nicht als meinen Freund oder meine Schwester, sondern als meine Partnerinnen.

Als Aktivistin, bin ich gerade als schwarze Lesbe in Südafrika diskriminiert worden. 2004 schrieb mir ein Dienstleister einen Brief und erklärte, dass er kein Projekt finden könne, welches mit verworrener Homosexualität zu tun hat. Der aktuellste Vorfall ereignete sich als die Ministerin für Kunst und Kultur, Lulu Xingwana, eine Gruppenausstellung unter dem Titel „Innovative Women“ anlässlich meiner Fotografien verlassen hatte, da Sie der Überzeugung ist, dass diese Bilder nackter Lesben „unmoralisch“ und gegen das „nationale Zusammenwachsen“ seien.

2010sdafrika-Redaktion: Wie geht die südafrikanische Regierung unter Jacob Zuma mit diesem Intoleranz-Problem um?

Antwort:2006 ist Jacob Zuma von einer jungen Frau, einer langjährigen Freundin der Familie, der Vergewaltigung beschuldigt worden. Die Frau ist in den Medien unter dem Namen Khwezi bekannt, allerdings ist das nicht ihr richtiger Name. Der Fall landete vor Gericht und Zuma wurde von den Anklagevorwürfen freigesprochen. Die junge Frau ist als Lesbe identifiziert worden und die alten sexisischen Geschichten über weibliche Opfer sexueller Übergriffe sind vor Gericht zwecks Verunglimpfung weitergeführt worden – sie wollte Sex; sie sei eine unbeständige Frau und die ältere Männer-Version wurde zur glaubwürdigen des ganzen Falles. Das ist nicht neu. Aber was am Fall so erschreckend ist, dass gleichwohl Männer und Frauen Khwezi mit heftigen Reaktion und Gefühlen begegnet haben. Täglich sindDemonstrationen zur Verurteilung ihrer Person abgehalten worden, wenn nicht gar zu ihrem Tod. Khwezi ist heute ausgewandert und fühlt sich bei einer Rückkehr nach Südafrika nicht mehr sicher. Wenn man in dieser Dynamik die Handlungen der Ministerin für Kunst und Kultur, Lulu Xingwana,  bewertet – welche eine Frauen-Ausstellung verlassen hatte, weil sie die Fotografien von nackten Lesben als „unmoralisch“ und gegen das „nationale Zusammenwachsen“ auffasste – dann würde ich sagen, dass das Zusammengehörigkeitsprojekt in Südafrika über die bloßen Rechte auf Papier hinausgehen sollte, als in unserer Verfassung von 1996 niedergelegt.

2010sdafrika-Redaktion: Sie sind eine Angehörige der Zulus, einer ethnischen Gruppe im Osten Südafrikas. Welche Charakteristika prägen Zulus im Vergleich zu anderen Gruppen?

Antwort: Die Sprache, traditionelle Gewohnheiten auch als „ilobolo“ – in der Sprache Sesotho mit „Mahadi“ – bezeichnet; manchmal mit „bride price“ (= Brautpreis) übersetzt, stellt einen traditionellen Brauch im südlichen Afrika dar, wo der Mann bei einem Heiratsantrag der Familie seiner Verlobten Geld zahlt.

Wir haben traditionelle Medizin, Tanz, Musik, Essen, Religion – so steht die Shembe Kirche in Verbindung mit einigen Mitgliedern unseres Stammes, traditioneller Bekleidung und Dekoration wie zum Beispiel Perlen und vielen anderen Elementen, welche Tag für Tag aufgrund der Modernität entschwinden; von vielen als Kultur empfunden.

2010sdafrika-Redaktion: Viele Südafrikaner beurteilen Sangomas – traditionelle Heiler – wichtiger als westliche Mediziner. Welcher Bedeutung würden Sie den Sangomas Ihrer eigenen Gesundheitsversorgung geben? Wissenschaftler und Vertreter von Nichtregierungsorganisationen kritisieren Sangomas für das Vorantreiben von Vergewaltigungen an Jungfrauen, um auf diesem Wege eine vermeintliche HIV-Infektion heilen zu können. Was ist Ihre Sicht der Dinge?

Antwort: Es ist grob vereinfacht zu behaupten, dass alle Sangomas der verschiedenen ethnischen Traditionen und Kulturen in Südafrika ihre Heilpraxis auf selben Wege betreiben, genauso es allzu simpel ist anzumaßen, dass alle westlich-ausgebildeten Mediziner über  selbe Werte, Ethik, Behandlungen und Wissen verfügen. Viele Sangomas sind bestrebt mit westlicher Medizin zu arbeiten und westliches Wissen in ihrer traditionellen Heilbehandlung zu berücksichtigen, insbesondere bei HIV/AIDS. Aber dies bedeutet nicht, dass ich auch nicht westliche Medizin annehme, sofern es mir helfen kann. Vielleicht gibt es einige Sangomas die behaupten, dass Sex mit einer Jungfrau HIV heilen wird, was nicht wahr ist. Allerdings habe ich Achtung vor alternativer Medizin. 2008 führte ich Regie einer Dokumentation mit dem Titel „Isangoma: Urban Shaman„, eine Geschichte über eine weibliche traditionelle Heilerin, die im kosmopolitischen Toronto behandelt. Jedoch ist es auch eine Story, die ihre Wiederholung findet, wie eine urbane Legende. Niemand weiß mehr wo diese Lehre anfing oder wer damit angefangen hat. Ja, es gibt Männer die glauben diese sei wahr. Aber nochmals – solche Volksmärchen zielen darauf ab, eher durch das Volk als durch die meisten Sangomas verbreitet zu werden.

2010sdafrika-Redaktion: Ihre Ausstellungen und Kunstwerke sind in einigen Fällen wirklich provokant, wie das Projekt „Massa“ and Mina(h)“. Über was handelt dieses und was bedeutet „Massa“ and „Mina(h)“?

Antwort: Das Projekt basiert auf das Leben und die Geschichte meiner Mutter. Ich beziehe mich auf meine eigenen Erinnerungen und zolle gegenüber ihrer domestizierten Rolle als Arbeiterin für die gleiche Familie seit 42 Jahren Achtung. Die Reihe soll alle häuslichen Angestellten auf der Welt anerkennen, die weiterhin ihre Würde abquälen, zumal sie am Arbeitsplatz oftmals körperlicher, finanzieller und emotionaler Gewalt begegnen.

© Fotografie aus der Ausstellung ´Massa and Mina(h)´

In dieser Reihe wandelte ich meinen eigenen schwarzen Körper in einen Kunstgegenstand um. Ich ermöglichte verschiedenen Fotografen mein Erscheinungsbild nach meinen Vorstellungen einzufangen. Ich benutze Performativität [= Begriff der Sprechakttheorie] um die rassischen Angelegenheiten von weiblicher Häuslichkeit anzusprechen – schwarze Frauen betreiben die Hausarbeit von weißen Familien. In der Vergangenheit und bis heute hören wir über Geschichten von vergewaltigten schwarzen weiblichen Hausangestellten oder von jenen, die ein intimes Verhältnis mit dem weißen männlichen Massa haben. Aber betrachten wir es i.S.v. Queer und stellen uns vor, dass diese weißen Damen ihre schwarzen Zimmermädchen lieben würden, mit ihnen intim seien. Vielleicht weil sie als zwei verliebte Frauen einfach etwas gemeinsames teilen oder vielleicht ist es eine völlig sinnliche Beziehung, entweder basierend auf wechselseitigen erotischen Bedürfnissen oder auf ungleicher Macht und Arbeitsbeziehungen, die zwischen schwarzen Frauen und weißen Frauen existieren, sodass die weißen Damen, wie die weiße Massa, aus dieser Situation für sich einen Vorteil ziehen.

Wir wissen es nicht. Und es ist weiterhin ein Tabu darüber zu sprechen. Aber ich werde die Leute darüber zum Sprechen und auf Ethnie, Geschlecht und Sexualität im Kontext von Hausarbeit zum Hinsehen bringen.

2010sdafrika-Redaktion: Welche künstlerischen Ideen bereiten Sie demnächst vor?

Antwort: Ich habe eine „new posed-photographic series“ gestartet, die auf gleichgeschlechtliche Polygamie mit dem vorläufigen Titel ‘Mbhekeni’ abzielt, was „Geschlechtsspezifisches Spektakel“ bedeutet. Die Meisten meiner Projekte sind laufende Arbeiten, sodass ich im Augenblick das fortsetze womit ich begann. Es könnte entweder „Faces & Phases„, „Being„, „Beulahs“ oder meine Blut-Kunstreihe sein, in welcher ich den Schmerz und Verlust von Freunden bzw. Liebhabern durch die vielen Formen von aus Hass begangenen Verbrechen – „heilende Vergewaltigungen“ und Morde – zum Ausdruck bringe.

2010sdafrika-Redaktion: Waren Sie schon in Deutschland? Wie würden Sie die deutsche Kultur beschreiben und welche intuitiven Gefühle verbinden Sie mit Deutschland?

Antwort: Ich weiß nicht viel über deutsche Kultur, sodass ich keine Behauptungen aufstellen möchte. Ich war ein paar Mal in Deutschland und nahm 2006 an der Konferenz „Black Autonomy„, ADEFRA (www.adefra.de), in Berlin teil. Ich werde dieses Jahr nochmal da sein und schwarze lesbische Athleten fotografieren und unterstützen, die 2010 an den „Cologne Gay Games“ [= ´Olympische Spiele´ für Schwule und Lesben] partizipieren werden.

2010sdafrika-Redaktion: Bereiten Sie in Deutschland stattfindende Ausstellungen vor?

Antwort: Ich werde in der Staatsgalerie Stuttgart in einigen Tagen – ’11 Friends‘ – Identity & Otherness – die am 30. Mai 2010 eröffnende Ausstellung präsentieren.

2010sdafrika-Redaktion: Welche Träume würden Sie noch verwirklichen und welche sind bereits erreicht worden?

Antwort: Ich möchte, dass meine Kunstwerke veröffentlicht werden. 2006 hatte ich meine erste veröffentlichte Kollektion – „Only Half the Picture„. 2010 werde ich meine zweite Publikation unter dem Titel ´Faces & Phases´ bei Prestel veröffentlichen.

2010sdafrika-Redaktion: Zanele Muholi, haben Sie vielen Dank für dieses sehr interessante Gespräch!

————-

Das Interview wurde in Englisch geführt und ist ins Deutsche übersetzt worden. Für das Original-Gespräch in englischer Sprache bitte folgenden Link anklicken: https://2010sdafrika.wordpress.com/2010/05/31/exklusive-interview-with-zanele-muholi/.

————-

Homepage der südafrikanischen Fotokünstlerin Zanele Muholi:

http://www.zanelemuholi.com/

Brutaler Alltag im Township

Ein Erlebnisbericht über die harte Realität von Kindern und dem Hoffnungsprojekt „Siyabonga“

(Autor: Weina)

Nach einer kurzen Fahrt durch das Armutsviertel, sogenannten Townships in denen überwiegend farbige Südafrikaner wohnen,  die an der untersten Gesellschaftsstufe stehen und bei der Apartheid dazu verdonnert wurden die Städte den Weißen zu überlassen, hält der Bus vor einem zwei Meter hohen Zaun. Nichts Besonderes, schließlich durchziehen zig Kilometer davon das Township; bevorzugt billiger Maschendrahtzaun.

© Township Edendale

Der abklingende Frühling und die üppige Vegetation sorgen  dafür,  dass  in den eingezäunten Gärten vereinzelt wunderschön violett blühende Jakaranda-Bäume hervorstechen und bei genauerer Betrachtung erkennt man auch die zwischen dem hohen Gras liegenden Gemüsebeete. Wüsste man es nicht besser,  könnte man glatt meinen sich in einem heruntergekommenen Schrebergarten verirrt zu haben. Doch spätestens bei objektiver Betrachtung der einfach gehaltenen Hütten, die meist nur mit einem oder zwei Zimmern ausgestattet sind, besteht kein Zweifel mehr. Zwar sind diese – im Gegensatz zu den auf dieser Reise schon öfters gesehenen – mit Holz, Wellblech, Planen ja sogar einfachen Decken improvisierten und zusammengeflickten Behausungen, aus Betonsteinen fest vermauert. Jedoch lassen die allerorts stehenden Plumpsklos auf fehlende sanitäre Einrichtungen schließen. Keine Seltenheit, denn der eh schon knapp bemessene Raum in den Hütten beherbergt fast immer mehr Menschen als eigentlich zumutbar ist.

© Logo des Siyabonga-Projektes

In dieser Gegend  steht das von „Siyabonga – Helfende Hände für Afrika“ finanzierte und aufgebaute Schul-  und Bildungszentrum. Der Bus öffnet die Türen und wir werden von einem Angestellten der Schule durch das stabile Tor hereingelassen. Wie wir später erfahren  werden,  ist der Komplex kürzlich erst fertig gestellt worden und steht erst seit einigen Wochen der benachbarten Schule zur Verfügung. Die Gruppe wird in einem etwas größeren Raum geführt, wo uns der nahezu perfekt deutschsprechende,  führende Stellvertreter der Organisation in einen umfangreichen Vortrag über das Township,  die  Probleme dieses Projektes und seine Zukunftsvisionen erzählt. Uns wird berichtet, von der hohen Gewaltbereitschaft die durch Langeweile, Unterdrückung oder der Aussichtslosigkeit der Jugendlichen hervorgerufen wird, die ohne die notwendigen schulischen Kenntnisse dem Arbeitsmarkt ausgeliefert sind und keine Perspektiven auf anständige Jobs haben, nicht zuletzt auch oder gerade wegen ihrer Hautfarbe. Es wird noch Generationen dauern bis die Rassendiskriminierung aus den alltäglichen Leben der Südafrikaner verschwindet.

Ein weiteres sehr ernstes Thema das leider nur sehr schwer in den Griff zu bekommen ist, betrifft die Krankheit Aids. Südafrika hat eine der höchsten Aids-Infizierungsraten der Welt. Offiziell 21.5 % der Bevölkerung zwischen 15-49 Jahren sind HIV-positiv. Inoffiziell wird von wesentlich mehr Infizierten berichtet. Dazu kommt bei der männlichen Bevölkerung der irrtümliche Glaube, mit einer Jungfrau Sex zu praktizieren heile die Krankheit. Ein mehr als fataler Fehler. Es wird versucht Jugendliche, ja sogar Kinder, zum Sex zu überreden und wenn nötig auch unter Gewaltandrohungen dazu zu zwingen. Statistisch gesehen muss jede zweite Südafrikanerin damit rechnen einmal in ihrem Leben vergewaltigt zu werden. Damit liegt die Wahrscheinlichkeit vergewaltigt zu werden höher als lesen zu lernen. Eine traurige Bilanz! Deswegen auch das schwere Tor und der hohe Zaun um das Schulgelände. Es wird immer wieder versucht Schulmädchen vom Aufenthaltshof weg zu locken. Auch der Weg zur Schule und wieder zurück nach Hause ist für die Mädchen nicht einfach wie unser Redner berichtet, denn zwischen 14 und 18 Uhr besteht erfahrungsgemäß das höchste Risiko, Opfer eines Sexualverbrechens zu werden. Es kommt immer wieder vor, dass die Mädchen von ihrer Familie nach ersichtlichen Symptomen der Vergewaltigung verstoßen werden und viele diese somit verschweigen. Vielen der Zuhörer ist die Betroffenheit anzusehen. Bei all den wunderbaren Tagen die man bisher in Südafrika verbracht hat, etwa am Kap, den Weinbergen oder der Garden Route entlang, vergisst man trotz der ständig präsenten Townships die bittere Armut der Bewohner. Unser Referendar lässt uns wissen, dass natürlich jederzeit Spenden für die Organisation oder andere helfende Unterstützung dankend angenommen werden.

Vor unserem Zimmer wird’s langsam laut.  Um die 20 Kinder warten darauf uns eine Tanz- und Singvorstellung anzubieten, die mit Begeisterung vorgeführt wird.  Jeder versucht die Darbietung der Kleinen per Kamera festzuhalten. Bewundernswert,  wie die Kinder mit einfachen Mitteln verstehen Spaß zu haben. Ihnen gefällt es sichtlich uns ihre Kultur und Traditionstänze zu präsentieren.  Wir haben in dieser knappen Stunde mehr von Südafrika und seinen Einheimischen erfahren,  als auf unserer bisherigen Rundreise. Nach einem kurzen Besuch der Klassenzimmer, wo uns überall strahlende Gesichter empfangen, verlassen wir die  Esigodini Primary School im Township Edendale das zu der Stadt Pietermaritzburg gehört, welche zugleich die Provinzhauptstadt von Kwa Zulu Natal ist. Warum ich nicht schon eher erwähnt habe, wo wir zu Besuch waren?  Ganz einfach, es könnte überall in Südafrika gewesen sein

© Klassenraum der Esigodini Primary School

… Wieder Zuhause bei der Fotosichtung blieb ich bei der Schule hängen und mir fiel erst richtig auf, wie groß der Unterschied zwischen Bayern/Deutschland und Kwa Zulu Natal/Südafrika ist. Ich habe die Webpräsenz der Organisation (www.Siyabonga.org)  besucht und mich entschlossen dieses Projekt mit einem monatlichen Beitrag zu unterstützen. Schließlich ist es wünschenswert  solche Organisationen am Leben zu erhalten.

Die 2010sdafrika-Redaktion möchte sich ganz herzlich beim Autor Weina für die Bereitstellung von Text und Fotos bedanken, welcher 2009 Südafrika bereiste.

Webpräsenz des Vereins „Siyabonga – Helfende Hände für Afrika e.V.“:

www.Siyabonga.org

Medizinmänner und Aberglaube in Südafrika

Sangomas dominieren dank der Passivität ihres Präsidenten das Gesundheitssystem

(Autor: Ghassan Abid)

Wenn man in Deutschland krank ist, dann sucht man normalerweise einen Arzt auf. Diese uns so selbstverständliche Sicht eines modernen Gesundheitssystems unterscheidet sich jedoch in doppelter Hinsicht von jenem in Südafrika.

Zum einen arbeiten neben westlichen Medizinern auch traditionelle Heiler auf dem Terrain der medizinischen Versorgung, die man terminologisch mit dem Wort „Sangoma“ erfasst. Man schätzt, dass etwa 200.000 Menschen diese traditionelle Heilpraxis  anbieten, die im Stamm der Nguni ihren Niederschlag finden. Die Ethnien Zulu, Xhosa, Ndebele und Swasi gehören diesem Stamm an und da der Präsident Jacob Zuma ein stolzer und bekennender Zulu ist, vertraut auch dieser den übermenschlichen Kräften der Sangomas – etwa bei einstigen Gerichtsprozessen gegen seine Person.

© Machtfaktor Medizinmann

Zum andern sind Sangomas per Gesetz den Kollegen der westlichen Medizin gleichgestellt und vom Department of Health, dem nationalen Gesundheits-ministerium, in statistische Erhebungen aufgeführt. Wer einen solchen „Heiler“ aufsucht, dem ist eine Kostenübernahme durch die Krankenkasse garantiert – und die Kräutermedizin gibt es auf Rezept gleich dazu.

Eine Umfrage des „Pietermaritzburg Institute of Natural Resources“ hatte ergeben, dass 84 Prozent der Südafrikaner – der o.g. Ethnien – regelmäßig einen Sangoma aufsuchen. Denn dieser Heiler ist nicht nur Arzt, sondern auch Heilpraktiker, Sozialarbeiter oder Hellseher. Demnach ist der sozio-ökonomische Rollenwert dieser Berufsgruppe nicht zu unterschätzen, zumal diese gemeindlichen „Vorbilder“ für erhebliche Probleme sorgen. Bis heute existieren Gerüchte, die unter anderem durch Sangomas verbreitet werden, wonach HIV-Infizierte ihre Immunschwächekrankheit durch Sex mit einer Jungfrau behandeln könnten. Die Konsequenz ist, dass bereits weibliche Babies und Kinder vergewaltigt werden. Experten rechnen mit einer Opferzahl im fünfstelligen Bereich. Vor allem in den Townships der betreffenden Ballungsräume müssen Eltern um die Unversehrtheit ihres Mädchens bei 5,7 Millionen infizierten Personen im Lande jeden Tag aufs Neue beten. Auch der Herausgeber dieses Portals, Ghassan Abid, hielt sich mehrfach in Townships auf und suchte den Kontakt vor allem zu Müttern, die ihm ihre Sorgen bezüglich eines Kindesmissbrauchs bestätigen konnten.

Diesen Aspekt greift seit dem Jahre 2003 der deutsche Verein HOPE Cape Town auf, welcher ein Fundament für eine längerfristige Zusammenarbeit auf lokaler Basis zwischen westlichen und klassischen Medizinern etablieren möchte. Die Aufklärungsarbeit auf dem Gebiet von HIV/AIDS wird mittlerweile durch die Universität Kapstadt und durch die deutsche AIDS-Stiftung unterstützt.

Der Sangoma-Freund Jacob Zuma lässt bisweilen weder an der Praxis der traditionellen Heiler einen kritischen Diskurs zu, noch thematisiert er mit Ernsthaftigkeit und festem Willen die erschreckende HIV/AIDS-Problematik im Lande. Zivilgesellschaftliche Akteure der HIV-Prävention, etwa das „Treatment Action Campaign“ schlagen dementsprechend Alarm und fordern ein Handeln des südafrikanischen Präsidenten, damit die Vergewaltigungswelle von Babies und Kindern und die ansteigende HIV-Prävalenz bald wirksam begegnet werden können.

Sangoma-Analyse der University of Pretoria:

http://www.up.ac.za/dspace/bitstream/2263/11550/1/Botha_Sangomal%282004%29.pdf

NGO „Treatment Action Campaign“ schlägt Alarm:

http://www.tac.org.za/community/node/2819

Deutscher Verein HOPE Cape Town verbindet Moderne und Aberglaube:

http://www.hopecapetown.com/09German/program_sangoma_g.html

Videobeitrag des ZDF zu einer traditionellen Zeremonie in Südafrika:

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/hauptnavigation/startseite/#/beitrag/video/482120/Aberglaube-im-modernen-S%C3%BCdafrika