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DEUTSCHE WELLE und ihr Verhältnis zu Südafrika

Ute Schaeffer, Leiterin Programme Afrika/Nahost der DEUTSCHEN WELLE

(Autor: Ghassan Abid)

2010sdafrika-Redaktion: Guten Tag Frau Schaeffer! Welche Rolle spielt das Land Südafrika als Schwellenland für die DEUTSCHE WELLE?

Antwort: Als Schwellenland ist Südafrika für die Entwicklung auf dem Kontinent ein Schlüsselland. Was dort gelingt, kann Beispiel sein für andere Staaten in Afrika.

© Ute Schaeffer, DEUTSCHE WELLE

Umgekehrt gilt: die Schwierigkeiten beim Aufbau marktwirtschaftlicher Strukturen und politischer Partizipation können auch andere afrikanische Staaten treffen. Natürlich sind unsere Hörerinnen und Hörer, unsere Nutzer sehr interessiert an den Fortschritten und den Rückschlägen in Südafrika – das Land wird überdies als Anwalt der afrikanischen Sache in multilateralen Zusammenhängen  wahrgenommen.

Grund genug für uns, über Korrespondenten regelmäßig über die Ereignisse in Südafrika zu berichten. Dazu gehören natürlich in diesem Jahr vor allem auch Hintergrundstücke zur Fussball WM. Mit unseren Angeboten in den afrikanischen Sprachen Amharisch, Haussa, Kisuaheli sowie in Portugiesisch, Französisch und Englisch erreichen wir rund 40 Millionen Menschen auf dem afrikanischen Kontinent – diese Zahl dokumentiert das Interesse afrikanischer Nutzer an Europa und der DW.

2010sdafrika-Redaktion: Bestehen zwischen der DEUTSCHEN WELLE und südafrikanischen Medieneinrichtungen Kooperation und wenn ja, seit wann, wie sehen diese aus bzw. welche Ziele werden hierbei verfolgt?

Antwort: Die DW unterhält mit privaten Radio und TV-Stationen Partnerschaften. Unter anderem strahlen fünf Radiosender die Programme der DW in Südafrika wieder aus – in englischer Sprache.  Und Cape Town TV übernimmt wochentäglich das Journal und Magazine in englischer Sprache von DW-TV. Auch die DW-Akademie engagiert sich im Jahr 2010 während der WM in besonderer Weise – dort wird es einen Workshop für junge Videojournalisten geben, welche die Ereignisse rund um den Sport in Bilder packen. Das Projekt wird gemeinsam mit der Konrad-Adenauer-Stiftung durchgeführt. Südafrika ist für uns auch mit Blick auf die Zukunft wichtig: Wir sind auf jeden Fall am Ausbau unseres Partnersendernetzes interessiert und wir sind im Gespräch mit interessierten Sendern.

2010sdafrika-Redaktion: Als einen Ihrer Zuständigkeitsbereiche fällt auch die Medienfreiheit. Wie bewerten Sie diese in Afrika und speziell auf das Land Südafrika?

© DEUTSCHE WELLE strebt Ausbau des Partnersendenetzes in Südafrika an

Antwort: Im Vergleich mit anderen afrikanischen Länder ist Südafrika in Sachen Pressefreiheit natürlich ganz weit vorn. Dennoch gilt: vielfach ist in Afrika ja nicht staatliche Zensur das Problem. Oft ist es Ressourcenschwäche, die zu einem Mangel an Pressefreiheit, einem Mangel an Meinungsvielfalt führt. Wenn es keinen oder nur einen kleinen Werbemarkt gibt, werden Medien nicht unabhängig arbeiten können. Wenn es an Ressourcen für die Personalentwicklung mangelt, dann ist auch Professionalität schwerer zu erzeugen. An diesen Stellen geht es auch kleineren südafrikanischen Medienanbietern sicher wirtschaftlich nicht immer so gut, dass sie ein hoch wettbewerbsfähiges Programm machen können. Doch gerade die vielen Community Radio, die es gibt, sind für mich ein Zeichen dafür, dass Südafrika viel erreicht hat in Sachen Medienfreiheit. Das sind – ähnlich wie Blogs auch – Medien gibt, die engagiert über soziale und politische Schlüsselthemen sprechen.

2010sdafrika-Redaktion: Welchen Geltungsrang nimmt (Süd)Afrikas Kultur bei der DEUTSCHEN WELLE ein?

Antwort: Wir bieten kein regionales Programmangebot für Südafrika an, doch ist Südafrika mit seinem kulturellen Reichtum natürlich ein Thema für die Kultursendungen bei DW RADIO und DW-TV.

2010sdafrika-Redaktion: Welche Spielbegegnung würden Sie sich persönlich im Finale der WM 2010 am 11. Juli im Soccer City Stadion in Johannesburg wünschen?

Antwort: Natürlich Deutschland-Südafrika …was sonst!!

2010sdafrika-Redaktion: Ute Schaeffer, Leiterin Programme Afrika/Nahost der DEUTSCHEN WELLE, vielen Dank für Ihre Sicht der Dinge!

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INFOBOX zur Südafrika-Kooperation
zwischen der Konrad-Adenauer-Stiftung und der DW-Akademie

Über den Fußball bekommt Südafrika die Chance, sich in die Herzen der Menschen zu spielen. Das runde Leder, so hoffen viele Afrikaner, kann dabei gewissermaßen als Vehikel dienen, um der Welt ein anderes, ein neues Afrika-Bild zu vermitteln. Ein Bild, das nicht nur geprägt ist von Bürgerkriegen, Naturkatastrophen, Hunger und Epidemien. Das sportliche Großereignis steht im Mittelpunkt und vereint Menschen aus aller Welt zu einer großen Fangemeinde. Unter dem Titel „Reporting the World Cup 2010“ lädt die DW-AKADEMIE Journalisten und Kameraleute aus Afrika, Lateinamerika, Asien und dem arabischen Raum zu einem besonderen Training vor Ort ein. Bereits im Oktober 2009 hat ein erstes, vorbereitendes Trainings-Modul für Videojournalisten (VJs) in Johannesburg stattgefunden. Zum zweiten Modul, während der Fußballweltmeisterschaft im Juni/Juli 2010, sind alle Teilnehmer wieder in Südafrika, um über Ereignisse rund um die WM zu berichten. Neben der Produktion von Filmbeiträgen wird im dritten Modul zusätzlich ein Internet-Portal eingerichtet, auf dem alle gedrehten Videos sowie Texte, Fotos oder Audios eingestellt werden. Zeitgemäß bloggen die Teilnehmer natürlich über ihre Erfahrungen während der WM. Den Heimatsendern der Teilnehmer werden alle in Südafrika produzierten Reportagen während der WM zur eigenen Ausstrahlung zur Verfügung gestellt. Auch auf DW-TV ist das Projekt präsent: So berichtet GLOBAL 3000, das Globalisierungsmagazin von DW-TV, über die einzigartige, interkulturelle Zusammenarbeit der Teilnehmer während der Fußballweltmeisterschaft 2010.

Zuma-Regierung unter massivem Beschuss

Botschafter Südafrikas erhält in ungewohnt scharfe Kritik seitens der Konrad-Adenauer-Stiftung

(Autoren: Ghassan Abid, Danilo Bretschneider)

Am 29. März 2010 versammelten sich zum Berliner „Medienseminar Südafrika 2010“ der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) und der Deutschen Afrika Stiftung mehrere Pressevertreter, Staatsbedienstete und WM-Interessierte zur Erörterung der Fußball-Weltmeisterschaft 2010.

Julia Weber, bis Ende Februar 2010 Mitarbeiterin im Auslandsbüro Südafrika der Konrad-Adenauer Stiftung  und gegenwärtige Koordinatorin des Medienprogramms, eröffnete die Veranstaltung und untermauerte die zahlreichen Fortschritte im Lande, betonte jedoch in unerwartet scharfer Form die bestehenden Defizite.

Demnach lebten im Jahre 2009 rund 70 Prozent aller Kinder nach einer Studie des „South African Institute of Race Relations“ in Armut. Nach Angaben des Bundesentwicklungsministeriums (BMZ) würden zudem 28 Prozent der Haushalte keinen Strom und rund 5 Prozent keinen Wasserzugang besitzen. Positiv zu bewerten ist, dass die Regierungspartei ANC bislang 2,6 Mio. Häuser zur Verfügung stellen konnte. Neben 5,7 Mio. Südafrikanern mit dem HI-Virus, sterben rund 350.000 Bürger jedes Jahr an den Folgen dieser unheilbaren Immunschwächekrankheit. Die Kriminalitätsstatistik von 18.148 Morden innerhalb eines Jahres wurde um die Erkenntnis ergänzt, dass inoffiziell rund 40 Prozent aller Südafrikaner arbeitslos sind und jeder Fünfte in Anbetracht der fehlenden Jobperspektive sogar seine Heimat verlassen würde.

© S.E. Botschafter Sonwabo Eddie Funde

Diese sehr kritische KAS-Einschätzung zu Südafrika ist auch deshalb umso beeindruckender, da die Medienprogramm-Koordinatorin die Regierung des Jacob Zuma´s unmittelbar als Adressaten angreift: „Was tut die Regierung bei all dem? Die traurige Antwort ist: Nicht viel … Jacob Zuma, nach dem spektakulären Sturz Thabo Mbekis in den Wahlkampf gezogen mit dem Versprechen, dass sich endlich etwas bewegen würde – und zwar zu Gunsten der armen Bevölkerung, hat seit seiner Amtseinführung fast ausschließlich privat für Schlagzeilen gesorgt“. Nachdem ebenfalls die ANC-Dominanz und das damit verbundene Einparteiensystem Südafrikas negativ bewertet wurden, sprach die Südafrika-Expertin der KAS von einem politischen „Stillstand“ innerhalb der Zuma-Administration. Auch das Bildungssystem würde nach der Bewertung der KAS nicht funktionieren sowie der ANC den Staat zunehmend für parteipolitische Zwecke instrumentalisieren.

Eines ist erkennbar – der südafrikanische Botschafter, S.E. Sonwabo Eddie Funde, welcher ebenfalls am Medienseminar teilgenommen hatte, erhielt als höchster Repräsentant Südafrikas in Deutschland die gelbe Karte. Südafrika müsse seine Anstrengungen fortsetzen und dürfe nicht Rückschritte machen, so die Message der KAS gegenüber dem Diplomaten. In der Vergangenheit hat S.E. Funde mehrfach Veranstaltungen der KAS in der Bundeshauptstadt aufgesucht, jedoch eine Kritik dieser Intensität bisweilen noch nicht zur Kenntnis nehmen müssen.

Ghassan Abid, Herausgeber des Südafrika-Portals, welcher regelmäßig KAS-Konferenzen in Berlin aufsucht, bezeichnet die Veranstaltung vom 29. März 2010 hinsichtlich der Tonlage als „außergewöhnliches Novum“. Als ausgebildeter Politikwissenschaftler befürwortet er den Druck der KAS hinsichtlich der Forderung sowie Förderung eines südafrikanischen Parteienwettbewerbs und einer pflichtbewussten Wahrnehmung von Amtsgeschäften durch die Regierung in Pretoria, um der bisweilen nur 16 Jahre andauernden und jungen Demokratrie im Lande in ihren grundlegenden Prinzipien, wie es im Jahre 1952 das Bundesverfassungsgericht (BVerfGE 2,1,12) mit der freiheitlich-demokratischen Grundordnung präzisiert hatte und von seiner Substanz her auch auf das politische System Südafrikas übertragbar ist, den notwendigen Rahmen zu verschaffen.

Manuskript der KAS zum Medienseminar Südafrika 2010:

http://www.kas.de/upload/dokumente/2010/03/wm_seminar.pdf