Schlagwort-Archive: katholisch

Clericus clericum non decimat

Kein Schadenersatz und keine Untersuchung der Eskapaden Tebartz-van Elsts in Südafrika

(Autor. Ghassan Abid)

Der Vatikan hat die Schadenersatzforderung des Bistums Limburg gegen ihren ehemaligen Bischof Dr. Franz-Peter Tebartz-van Elst ganz nach dem Grundsatz „Clericus clericum non decimat“ – zu Deutsch: Ein Kleriker fordert vom anderen keine Abgabe – zurückgewiesen. Der umstrittene Würdenträger werde nicht verpflichtet, den entstandenen Schaden um den Bau seines protzigen Bischofssitzes, der über 31 Millionen Euro verschlungen hatte, zu begleichen. Papst Franziskus habe diese Entscheidung bereits im vergangenen Monat getroffen, berichtete die BILD-Zeitung unter Berufung auf Vatikan-Kreise.

Bistum Limburg

© Der ehemalige Limburger Bischof Dr. Franz-Peter Tebartz-van Elst hielt sich im April 2006 im Rahmen einer von der Deutschen Bischofskonferenz organisierten Delegationsreise in Südafrika auf. Die Redaktion von „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ berichtete exklusiv über die Eskapaden des Würdenträgers, die auch rund zwei Jahre danach ohne Folgen bleiben. (Quelle: Bistum Limburg)

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Xavier Naidoo unter medialem Beschuss

VOX-Sender hält an Musiker mit Südafrika-Wurzeln fest, trotz negativer Berichterstattung

(2010sdafrika-Redaktion)

Xavier Naidoo hat seine familiären Wurzeln in Südafrika. In Kapstadt leben bisweilen einige Familienangehörige des Mannheimers. Für die VOX-Sendung „Sing meinen Song – Das Tauschkonzert“ ging er in die Heimat seiner Eltern. Die einstige Apartheid hat das heutige Denken des Sängers geprägt, der nach eigenen Aussagen mit offenen Augen durch die Welt geht. Umso weniger überraschend ist, dass Naidoo kürzlich vor dem Kanzleramt und Bundestag einen politischen Wandel befürwortet. Die Medien nehmen den Systemkritiker unter Beschuss.

arno & die morgencrew

© Xavier Naidoo hat seine Wurzeln in Südafrika. Die Ungerechtigkeiten der Apartheid haben sein heutiges politisches Denken geprägt. Aktuell steht der Musiker unter Beschuss, nachdem er die Nähe zu den Reichsbürgern gesucht hat und die Souveränität Deutschlands anzweifelt. Ungeachtet dessen wird der VOX-Sender auf Anfrage der Redaktion von „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ die Zusammenarbeit mit dem Künstler fortsetzen. (Quelle: flickr/ arno & die morgencrew)

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Tebartz-van Elsts Eskapaden in Südafrika

Exklusiv: „Er fühlte sich von den Schwarzen angeekelt. Sein Verhalten war beschämend!“

(Autor: Ghassan Abid)

Dr. Franz-Peter Tebartz-van Elst beschäftigt zurzeit die deutsche und internationale Presse. Dem Bischof von Limburg wird ein extravaganter Lebensstil vorgeworfen, der mit dem Bau einer überteuerten Bischofsresidenz in Höhe von 31 Millionen Euro seinen bisherigen Höhepunkt erreicht hat. Unterdessen ist die Redaktion von „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ aus internen Quellen über Geschehnisse zum Südafrika-Aufenthalt von Tebartz-van Elst informiert worden, die keineswegs mit dem christlichen Menschenbild im Einklang stehen. Tebartz-van Elst verhielt sich schlichtweg „beschämend„.

© Der Limburger Bischof Dr. Franz-Peter Tebartz-van Elst hielt sich im April 2006 im Rahmen einer von der Deutschen Bischofskonferenz organisierten Delegationsreise in Südafrika auf, um sich mit den Problemen der Menschen hautnah auseinanderzusetzen. Allerdings fiel Tebartz-van Elst, wie exklusiv erfahren, mit einem Fehlverhalten auf, bei welchem schwarze Südafrikaner bewusst diskriminiert worden sind. Mehrere Würdenträger am Kap schämten sich für die Eskapaden des heute 53-Jährigen. (Quelle: flickr/ Medienmagazin pro)

© Der Limburger Bischof Dr. Franz-Peter Tebartz-van Elst hielt sich im April 2006 im Rahmen einer von der Deutschen Bischofskonferenz organisierten Delegationsreise in Südafrika auf, um sich mit den Problemen der Menschen hautnah auseinanderzusetzen. Allerdings fiel Tebartz-van Elst, wie exklusiv erfahren, mit einem Fehlverhalten auf, bei welchem schwarze Südafrikaner bewusst diskriminiert worden sind. Mehrere Würdenträger am Kap schämten sich für die Eskapaden des heute 53-Jährigen. (Quelle: flickr/ Medienmagazin pro)

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„Pädophilie ist keine Straftat“

Kardinal Wilfrid Fox Napier im Kreuzfeuer. Katholische Kirche in Südafrika distanziert sich

(Autor: Ghassan Abid)

Im Vorfeld der Wahl eines neuen Papstes im Vatikan trat ein Mann im englischsprachigen Raum besonders hervor. Wilfrid Fox Napier, der unstrittig einflussreichste Vertreter der Katholischen Kirche in Südafrika, verhielt sich in einem Interview mit dem US-Sender ABC eher zurückhaltend. Doch gegenüber „Vatican Insider“ bekräftigte der Erzbischof von Durban, ein bekennender Twitter-Nutzer, dass der Heilige Stuhl einen dynamischeren Papst bräuchte – also einen jüngeren Summus Pontifex zwischen 60 bis 67 Jahren, der bestenfalls aus Asien, Lateinamerika oder Afrika stammen solle.

© Gegenüber einem Radiosender der britischen Rundfunkgruppe BBC soll Südafrikas einflussreichster Kardinal Wilfrid Fox Napier gesagt haben, dass Pädophilie keine Straftat, sondern vielmehr eine Krankheit sei. Die Bischofskonferenz am Kap distanzierte sich umgehend vom Erzbischof von Durban. (Quelle: YouTube)

© Gegenüber einem Radiosender der britischen Rundfunkgruppe BBC soll Südafrikas einflussreichster Kardinal Wilfrid Fox Napier gesagt haben, dass Pädophilie keine Straftat, sondern vielmehr eine Krankheit sei. Die Bischofskonferenz am Kap distanzierte sich umgehend vom Erzbischof von Durban. (Quelle: YouTube)

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Es passiert wieder

Gemeinsamer Protest von Christen und Muslimen führt zum Stopp von Ausstrahlung einer TV-Werbung

(Autor: Ghassan Abid)

Ein Déjà-vu-Erlebnis packt die südafrikanische Werbeindustrie, nachdem das Unternehmen Red Bull eine Reklame nicht mehr ausstrahlen wird. Es ist – ganz im Cartoon-Style – kein Geringerer als der zur Erlösung der Menschen entsandte Jesus Christus zu sehen, der nach christlicher Überlieferung auf Basis des neuen Testaments ebenfalls der Sohn Gottes ist. Im Islam hingegen gilt Jesus als einer der großen Propheten der Muslime.

© Jesus als Heiligkeit gläubiger Menschen - Im Christentum der Sohn Gottes und im Islam der große Prophet. (Quelle: Walter Hochauer/ Wikimedia)

© Jesus als Heiligkeit gläubiger Menschen: Im Christentum der Sohn Gottes und im Islam der große Prophet. (Quelle: Walter Hochauer/ Wikimedia)

Dementsprechend spielten die religiösen Gefühle am Kap verrückt, nachdem Jesus in der besagten Reklame gelangweilt ein Boot verlässt, um etwas einzufangen. Schließlich läuft er über das Wasser. Zwei seiner Gefährten sprechen diese Übers-Wasser-Laufen-Fähigkeit  dem Energie-Drink zu. Mehr ist im TV-Spot nicht zu sehen [siehe u.a. Video].

Und dennoch kam es in Südafrika zu heftigen Kontroversen bezüglich dieser Werbung, obwohl diesselbe Reklame auch im streng katholischen Brasilien gesendet wurde und diese dort zu keiner Entrüstung geführt hat. Südafrikanische Geistliche der katholischen Kirche riefen sogar zum Boykott gegen Red Bull auf. Es heißt in einer Presseerklärung der Katholischen Bischofskonferenz im Südlichen Afrika (SACBC): „In einem multireligiösen Land wie Südafrika, wo sich über 70% der Menschen als Gläubige bekennen, wird der Einsatz von auf Glauben beruhende Symbole in satirischer, wenn nicht sogar ironischer Weise, garantiert eine Reaktion auslösen.

Wilfrid Fox Napier, Kardinal und gleichzeitiger Erzbischof von Durban, schlug als Reaktion der Katholischen Kirche das durch den Kaufverzicht von Red Bull eingesparte Geld zu spenden. Auch der Muslim Judicial Council SA (MJC), als Repräsentation der Muslime in Südafrika, schloss sich dieser Kritik an. 

Diese Red Bull-TV-Werbung ist ab sofort nicht mehr in Südafrika zu sehen

Bereits im November 2011 hatte sich ein christlicher Zuschauer über eine AXE-Deo-Werbung beschwert, in welcher fallende Engel zu sehen waren. In der Folge nahm das Unternehmen seine Werbung zurück. Die AXE-Angelegenheit unterscheidet sich von Red Bull dahingehend, dass sich damals die obersten Geistlichen bei der Kritik zurückgehalten hatten und darüberhinaus die Muslime nicht involviert waren.

In unserer Umfrage vom November 2011 zur Deo-Werbung zeigten 52 Prozent der User ein deutliches Unverständnis über das Verbot, während rund Eindrittel der Umfrage-Teilnahmer den Protest als gerechtfertigt beurteilten.

Priester Stefan Hippler im Interview

Im Kampf gegen HIV/ AIDS und für die Rettung eines jeden einzelnen Menschenlebens

(Autor: Ghassan Abid)

© Stefan Hippler, Priester der Erzdiözese Kapstadt und Vorsitzender von HOPE Cape Town Trust

2010sdafrika-Redaktion: Wir begrüßen auf „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ den in Kapstadt lebenden Priester Stefan Hippler. Herr Hippler, wenn man Ihren Namen hört, dann denkt man sofort an Ihr Engagement zur Bekämpfung von HIV/AIDS. Wann und in welcher Situation verspürten Sie das Bedürfnis, diesem irdischen Elend entgegenzutreten?

Antwort: Als ich in Südafrika ankam, war mir das Elend im HIV/AIDS-Bereich gar nicht so deutlich. Erst als ich im Jahre 1999 im Rahmen eines Telemedizin-Projektes meines Rotary Clubs Signal Hill zum ersten Mal das Tygerberg Kinderkrankenhaus betrat, wurde mir das Ausmaß klar. Und von da an gab es eigentlich kein zurück, obwohl mir von Anfang an klar war, das dieses Thema nicht unbedingt das „beste“ sein konnte für einen katholischen Geistlichen.

2010sdafrika-Redaktion: Soweit wir informiert sind, gehören Sie dem katholischen Glauben an. Wie bewerten Sie das strikte Kondom-Verbot des Vatikans. Zwar lockerte Papst Benedikt XVI. Ende 2010 dieses, doch stellt sich die Frage, ob nicht die katholische Kirche eine Mitschuld an der HIV/ AIDS-Situation in Südafrika trägt?

Antwort: Auch wenn es nach außen nach einem strikten Kondomverbot aussieht: In Fragen HIV und AIDS, also in Fragen des Schutzes vor einer Ansteckung gibt es keine offizille Lehrmeinung der Kirche. Das Kondomverbot wird einfach – sehr oft auch innerkirchlich aber auch populistisch abgeleitet von dem Verbot der künstlichen Verhütung, die Papst Paul VI in der Enzyklika „Humanae Vitae“ gegen den Rat seiner Experten ausgesprochen hat. Das Thema damals war die Weitergabe des Lebens – heute ist es die Frage des Lebensschutzes. Die ist noch nicht beantwortet, auch wenn Benedikt XVI in dem bekannten Interviewbuch vom Anfang der Moralität spricht, wenn ein homosexueller Escort einen Kondom benutzt.
Was die Mitschuld angeht, da bin ich immer sehr vorsichtig – ich denke, die katholische Kirche als eine der größten Glaubensgemeinschaften der Welt sollte zeitnah Antworten geben, die den Menschen helfen und das Leben schützen.

2010sdafrika-Redaktion: Über 5,7 Mio. Menschen der 50,49 Mio. umfassenden Bevölkerung Südafrikas sind, so der Stand vom Dezember 2010, mit dem HI-Virus infiziert; in absoluten Zahlen somit mehr als in jedem anderen Staat der gesamten Welt. 310.000 Südafrikaner starben nach offiziellen Angaben allein 2009 an dieser Immunschwächekrankheit.
Wo schöpfen Sie Ihre Kraft für diese Mammutaufgabe? Verspürten Sie nie ein Gefühl der absoluten Ohnmacht und falls ja, wie gingen Sie vor, um dem zu entkommen?

Antwort: Da gibt es manchmal schon das Gefühl von Ohnmacht, wenn man das pure Zahlenmaterial sieht – aber sobald ich diesen Zahlen ein Gesicht geben kann – sobald ich die Mutter sehe, die dank der Behandlung ihre Kinder aufwachsen sieht, wenn ich sehe, wie Kinder groß werden und studieren – trotz der Infektion – dann gibt das mir die Kraft, weiterzumachen. Ich weiß, alles, was ich tun kann, ist nur den ein oder anderen Tropfen zu ändern im Ozean des AIDS-Dramas – aber jeder Tropfen, jede Zahl, jede Statistik hat ein Gesicht, ist ein Mensch. „Rette einen Menschen und du rettest die ganze Welt“ , dieser jüdische Spruch ist Hilfe und Zuspruch zugleich.

2010sdafrika-Redaktion: Laut Angaben der britischen NGO „Avert“ leben zurzeit 1,9 Mio. Waisenkinder in Südafrika, bei denen ein oder beide Elternteile durch HIV verstorben sind. 70 Prozent dieser Waisen wachsen demnach ohne ihre Mutter auf. Wie bewerten Sie die diesbezüglichen Gegenmaßnahmen der südafrikanischen Regierung?

Antwort: Die südafrikansiche Regierung kommt erst langsam in Bewegung, was dieses Problem angeht. Das Kinderschutzalter wurde in bestimmten Bereichen gesenkt, um den Realitäten angemessen zu sein. Ich denke, da gibt es noch viel zu tun, aber da wir es hier oft mit Großfamilien zu tun haben ,mit vielen Vätern und Müttern – sprich Onkel und Tanten, die sich die Erziehung teilen, bin ich optimistisch, dass das Problem der Waisenkinder in den Griff zu bekommen ist. Aber es belastet natürlich eine Familie mit geringen Einkommen, wenn die Kinder der Schwester oder des Bruders noch mit am Tisch sitzen. Da müsste noch mehr getan werden.

2010sdafrika-Redaktion: Im Mai 2009 beendete die Deutsche Bischofskonferenz den Vertrag mit Ihnen als Pfarrer der deutschsprachigen Gemeinde in Kapstadt. Sie sollen mit umstrittenen AIDS-Aussagen für Aufsehen gesorgt haben. Um welche Aussagen handelt es sich und wie reagieren Sie mittlerweile auf die Entscheidung Ihres alten Dienstherren?

Antwort: Nicht jeder in der Kirche mag es, wenn man Wahrheiten ausspricht – und das Kleine Stückchen Gummi scheint für so manche Würdenträger ein Stein des Anstoßes zu sein. Ich habe immer das gesagt, was ich in der erlebten Situation als verantwortlich gesehen habe. Das mag in bestimmten Kreisen für Aufsehen gesorgt – die Welt sieht von einem Schreibtisch oder einem Bischofssitz natürlich anders aus, als wenn man in den Townships direkt mit den Menschen arbeitet. Die Entscheidung, meinen Vertrag nicht zu verlängern, habe ich damals wie heute als „vorauseilenden Gehorsam“ gesehen – aber Gott schreibt Gott-sei-Dank auch auf den krummen Wegen gerade Linien – und ich trage es meinem alten Dienstherrn nicht nach. Angst ist halt ein schlechter Berater – und zu Kadavergehorsam bin ich einfach nicht geboren. Aber wir haben heute wieder ein gutes Verhältnis – der Augenblick zählt und ist gestaltbar  ist – sowieso nur die Zukunft – und aus dem Vergangen haben hoffentlich alle gelernt.

2010sdafrika-Redaktion: Sie betreiben das gemeinnützige Projekt „HOPE Cape Town“. Was sind die Ziele Ihrer Organisation und welche weitere Unterstützung könnten Sie noch brauchen?

© Stefan Hippler auf einer Graduierungsfeier von Sangomas

© Partnerschaft mit dem Freistaat Bayern

Antwort: HOPE Cape Town ist ein gemeinnütziger Verein und eine Stiftung. Wir arbeiten in den verschiedensten Bereichen: Vorbeugung, Aufklärung, Behandlung, Arbeit mit Sangomas, wir unterstützen mit unseren 24 HOPE Community Health Workers Township-Kliniken und Grass Root-Projekte, sind aber auch wissenschaftlich tätig im Bereich Pharmacology (Muti und ART Therapy), arbeiten mit Unis zusammen: Hochschule Niederrhein in Fragen Ernährung und HIV, TU München in Sport und HIV, Universität Stellenbosch in den Themen Community Outreach und Training. Wir sind Teil der Partnerschaftsarbeit zwischen Bayern und dem Westkap.

Momentan schauen wir uns den Bereich des E-learnings an, zusammen mit dem missionsärztlichen Institut in Würzburg – mit der Katholischen Stiftungsfachhochschule München und der Hochschule Neu-Ulm sind wir im Gespräch. D.h. vom Gemüsegarten bis zur akademischen Forschung finden sie alle Bereiche vertreten. Am besten ist ein Blick auf unsere Webseite www.hopecapetown.com – wir haben 28 MitarbeiterInnen und sehen ca. 300.000 Patienten im Jahr.

Wir versuchen, HIV und AIDS holistisch anzugehen – und zwar hier im Westkap – immer auch in Verbindung mit der Regierung des Bundeslandes. Und wir versuchen, unsere Arbeit und die Situation der Menschen vor Ort denen deutlich zu machen, die in Europa oder Amerika wohnen. Wir sind da wie eine Brücke, wo Welten sich begegenen können. Auf Youtube hat HOPE Cape Town Trust auch einen eigenen Kanal, wo man sich unsere Arbeit bildlich ansehen kann, auf Facebook eine „cause“ Support Seite. Social Media werden ja immer wichtiger.

Unterstützung können wir immer gebrauchen – wir sind rein privat und durch Spenden / Sponsorship von Einzelpersonen und Firmen finanziert. Zurzeit bauen wir die Stiftung HOPE Cape Town Trust auf – so das wir unsere Zukunft auch finanziell sichern können. Zustiftungen, die sowohl in Deutschland als auch in Südafrika steuerabzugsfähig sind, sind da immer willkommen – eine Investition für die Ewigkeit sozusagen.

2010sdafrika-Redaktion: Welcher Moment in Südafrika war der einprägsamste überhaupt?

Antwort: 2004 hatte ich die Gelegenheit, Nelson Mandela zu begegnen und kurz mit ihm zu reden – das war sehr einprägsam. Aber auch die Begegnungen mit Bischof Tutu und der Besuch der Bundeskanzlerin Angela Merkel waren Highlights. Für mich persönlich aber war und ist die Begegnung mit einem Jungen, ich nenne ihn in meinem Buch, das ich zusammen mit Bartholomäus Grill geschrieben habe, Farid, dessen Geburtstag wir – außerhalb der Reihe, nur um ihm seinen letzten Wunsch zu erfüllen – Tage bevor er starb – im Krankenhaus feierten, das einprägsamste Erlebnis gewesen. Dieses Gesicht, diese Augen, diese glücklichen Momente für ihn bevor er starb, werde ich nie vergessen.

© Bundeskanzlerin Angela Merkel und Stefan Hippler in Kapstadt

© Bei Nelson Mandela - ein unbeschreiblicher Moment!

2010sdafrika-Redaktion: Haben Sie noch Träume, die Sie verwirklichen wollen?

Antwort: Ja, die habe ich wie jeder Mensch. Ein „Centre of Healing“ für Priester und Ordensleute, die in Krisensituationen stecken – hier in Südafrika, oder in Afrika. Ein Ort, wo unter anderem auch Priester und Ordensleute, die HIV-positiv sind, ihr Stigma in einen Segen für andere umwandeln können. Wir haben im Februar das erste Treffen mit dem Erzbischof von Kapstadt bezüglich eines solchen Ortes – das würde ich gerne noch auf dem Weg sehen.

2010sdafrika-Redaktion: Stefan Hippler, Priester der Erzdiözese Kapstadt, alles Gute für Ihr weiteres Engagement und möge Sie Gott auf Ihrem Lebensweg weiter begleiten.

Antwort: Herzlichen Dank – ich erwidere Ihre Wünsche.

Schriftsteller Lesego Rampolokeng im Interview

Ein Poet, der unaufhaltsam kämpft- für “eine Welt in der alle Menschen atmen können“

(Autorin: Annalisa Wellhäuser)

Ein außergewöhnlicher und kritisch denkender Dichter, der in seiner Poesie kein Blatt vor den Mund nimmt wenn es um Politik und Gesellschaft, insbesondere um die Erniedrigung der menschlichen Würde geht. Lesego Rampolokeng wurde am 27. Juli 1965 in Orlando West, Soweto/ Johannesburg in Südafrika geboren. Dem System der Apartheid ausgesetzt und von einer katholischen Familie erzogen, bildete er sich seine ganz eigene Meinung über die politischen und sozialen Probleme in Südafrika. Er studierte Jura an der Universität des Nordens in der Limpopo Provinz; verfolgte diesen Weg jedoch nicht weiter. Hingegen konzentrierte er sich auf seine Poesie und schrieb Gedichte, Novellen und Theaterstücke. Er bereist die Welt um seine Werke vorzutragen und arbeitete bis jetzt schon mit vielen Künstlern wie Günther Sommer, Julian Bahula, Louis Mhlanga und Souleman Toure zusammen. [Eine Liste seiner Werke befindet sich am Ende des Interviews]

© Poet und Dichter Lesego Rampolokeng

English: Bei dem nachstehenden Interview handelt es sich um eine sinngemäße Übersetzung aus dem Englischen ins Deutsche. Das Originalinterview ist hier abrufbar: https://2010sdafrika.wordpress.com/2011/02/07/interview-with-lesego-rampolokeng/.

2010sdafrika-Redaktion: Wir begrüßen bei „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ Lesego Rampolokeng, kritisch-literarischer Zeitgeist im modernen Südafrika. Sie haben in Ihrem Leben verschiedene Arten von Texten verfasst und diese auf unterschiedliche Art und Weise vorgetragen: Gedichte, Novellen, politischer Rap und Theaterstücke. Wie würde Sie selber Ihre heutige Kunst beschreiben?

Antwort: Ich sehe mich nicht als Performer, denn dies impliziert eine Erweiterung oder Entfremdung von mir selbst. Es gibt schließlich keine Grenze zwischen mir und meiner Kunst; ich bin meine Kunst. Ich habe selber nie  poltischen Rap oder Rap als Genre gemacht. Rap ist der Austausch von Gedankengut und Kommunikation zwischen Individuen. Man fügt hier noch einen Beat dazu und dann ist es Rap. Ich bin ein soziales Wesen, eine Kreatur der Welt, die wie jeder andere Mensch ganz normal geboren ist. Um meine Realität zu definieren, muss ich mich mit der Realität meiner Gesellschaft befassen. Jedoch gibt es gewisse Dinge ,welche zwischen mir und des Zelebrierens meiner selbst, meiner Menschlichkeit stehen – wie Entmenschlichung, Unterdrückung sowie soziale und ökomische Faktoren. Mit diesen muss ich mich auseinandersetzen. All diese Faktoren machen mich zu einem bestimmten, individuellen Wesen. Ich habe meinen eigenen Platz in der Welt und diesen kann man nicht wirklich definieren außer an Hand von Kriterien, die für einen selbst einen Sinn ergeben. Diese sind zum Beispiel politische Kriterien. Alleine die Geburt und der Tod sind politisch. Jeder einzige meiner Atemzüge unterliegt politischen Bedingungen.

Ich möchte auf das politische Wahlsystem eingehen. Ich denke, dass das Wählen nie jemals etwas in der Geschichte geändert hat. Ich meine damit nicht, dass Politik an sich, also politische Bewegungen keinen Sinn hätten, sondern nur die Art wie diese zwischen den Menschen kommuniziert wird, das Kommen und Gehen von Menschen, sprich Politikern.

2010sdafrika-Redaktion: Herr Rampolokeng, Sie wurden in der Zeit der Apartheid geboren und sind in dieser aufgewachsen. Ist die Unterdrückung durch dieses rassistische System ein Hauptthema Ihrer Poesie?

Antwort: Auf jeden Fall, denn ich befasse mich in meiner Poesie mit den Themen der Apartheid. Infolge meiner Geburt in einer bestimmten Konstellation von Umständen, ist mein Leben durch die bereits erwähnten Faktoren bestimmt gewesen. Und die Apartheid ist immer noch Realität ; man kann es anders nennen, aber der einzige Unterschied zwischen Rassismus in Südafrika und irgendwo anders in der Welt ist, dass dieser in Südafrika gesetzlich geregelt sprich legal gewesen ist. Und dies nur weil ein paar Menschen entschlossen hatten, sie seien anderen Menschen gegenüber überlegen, weil ihnen eine unbestimmte Menge an Melanin fehlt. Somit ist es zur Errichtung einer systematischen Entwertung und Entmenschlichung der Leute gekommen, die nicht „weiß“ waren. So hat die Apartheid schon seit dem Moment meiner Zeugung auf mich gewirkt, auf mein Wesen, meine Sinne. Ich sehe diesen Rassismus sowie die katholische Erziehung durch mein Elternhaus als Grund für meine häufigen Nervenzusammenbrüche. Mein Schreiben ist somit durch diese, mich beeinflussenden Faktoren bestimmt. Es ist gar nicht anders möglich. Zudem bin ich immer noch auf der Suche nach mir selbst. Mein Ziel sei es nicht, mich anderen durch meine Poesie zu erklären. Vielmehr ist es ein Versuch, eine sprachliche Verbindung herzustellen zwischen meiner Welt und mir selbst und somit meine Person, meine Schwächen und meine eigenen Vorurteile zu verstehen. Denn ich habe definitiv Vorurteile gegenüber bestimmten Menschen. Wie und was ich schreibe hat sich jedoch auch verändert, so ist es heute anders als damals.

Ich möchte gerne auf die Definition von „schwarz“ eingehen. Während der Apartheid hat es eine Pufferzone zwischen den Menschen, die „weiß“ waren und denen, die es nicht waren, gegeben. Ich würde diese aber nicht unbedingt als „schwarz“ bezeichnen, da „schwarz“ für mich mit einer politischen Definition verbunden ist. Ich möchte Mafika Pascal Gwala zitieren, welchen im übertragenden Sinne mein Vater ist: „Schwarz ist die energetische Befreiung von den Fesseln von Kaffer, Bantu, Nicht-weiß.“ Auch möchte ich Lemn Sissay Worte wiedergeben: „Schwarz ist nicht, was Weiß nicht ist – Schwarz ist Schwarz.„Ich sehe mich nicht aus dem Grund als „schwarz“, weil Sie nicht „schwarz“ sind. Die Tatsache, dass Sie „weiß“ sind, macht mich nicht „schwarz“. Ich habe mich schließlich zuvor als „schwarz“ definiert. Ich führe ein weiteres Zitat an, diesmal von Steve Biko: „Die Tatsache, dass wir alle nicht weiß sind, bedeutet nicht zwingend, dass wir alle schwarz sind.“ Die Menschen, welche während der Apartheid unterdrückt worden sind, haben  vielleicht ähnlich ausgesehen und sie haben alle eine unbestimmte Menge an Melanin besessen; deshalb waren sie aber nicht alle „schwarz“; „Schwarz“ sind diejenigen, die sich damit definieren. Es geht einfach um den Versuch, sich bewusst zu werden, wo man steht und wo man hin möchte.

2010sdafrika-Redaktion: „Apartheid ist immer noch Realität.“ Was meinen Sie damit?

Antwort: Apartheid ist ein Afrikaans Konzept, welches es legalisierte, die Gesellschaft in verschiedene Sektoren zu spalten. Die Tatsache, dass 1994 die Gesetzbücher zerstört worden sind und sich die Verfassung geändert hat, bedeutet allerdings keineswegs das Ende der Apartheid. Ebenso wenig wie die Einführung von Nelson Mandela als Symbol dieses vermeintlichen Neuanfangs. Dass dann selbst die ehemaligen Machtinhaber des Apartheidregimes, welche ihn zu vor gedemütigt und ins Gefängnis gesteckt hatten, ihn feierten –all dies betrachte ich als eine einzige Heuchelei und als Betrug. Denn an der Situation in Südafrika hat sich nichts verändert.

Es existieren heute mehr Elendsviertel und eine größere menschliche Misere als vor 1994. Und es gibt Leute, die meinen, man müsse sich wünschen, zur Apartheid zurückzukehren. Ich protestiere dagegen, ich könnte mir niemals meine eigene Entmenschlichung wünschen. Die Leute versuchen, mich mit diesen Aussagen schwach zu halten, genauso wie die Bibel es versucht. Die Macht ist immer noch in den Händen von denen, die sie zuvor gehabt haben. Diese haben das Konzept der schwarzen Wirtschaftsförderung ( „Black Economic Empowerment“) kreiert, welches den während der Apartheid benachteiligten Menschen angeblich Zugang zum Land verschaffe. Dies sei aber eine große Lüge, aufgetischt von multinationalen Konzernen, großem „weißen“ Kapital, die sich damit aus der Affäre ziehen wollten. Die Menschen, die an dieses Konzept geglaubt und es wahrgenommen haben, sind die Millionäre von heute und auch ein Teil des regierenden Systems. Ich betrachte beide dieser Parteien als kritisch. Das heutige System der Apartheid ist obszöner als früher; schließlich ist damals – im Gegensatz zu heute – mit offenen Karten gespielt worden.

2010sdafrika-Redaktion: Warum sind Sie ein Dichter und kein Anwalt geworden?

Antwort: Ich bin immer ein Dichter gewesen, denn ich habe mich niemals dafür entschieden, ein Poet zu werden. Entweder man ist einer oder nicht. Man kann keinem beibringen, wie man schreibt. Dennoch wünsche ich mir manchmal, nicht diesen Weg gegangen zu sein, da ich sehr einsam war und mir mehr Feinde gemacht habe als er wenn ich ein Anwalt geworden wäre. Ich habe mein Abschlussexamen in Jura in der Zeit geschrieben, als Südafrika schon im Ausnahmezustand war und ich selber immer häufiger durch mein politisches Mitwirken festgenommen wurde. Mein Jura-Studium sowie den Beruf des Anwalts betrachte ich kritisch. Meiner Meinung nach bereichert sich ein Anwalt an Missständen anderer. Während im Gericht dem herrschenden Gesetz entsprechende Entscheidungen gefällt werden, erfährt man Gerechtigkeit nur „auf der Straße“. Es geht im Gericht nicht um die Wahrheit, Gerechtigkeit; doch diese definieren mich als Menschen. Deshalb wollte ich kein Anwalt werden . Durch meine Poesie kann ich hingegen Menschen berühren und ihnen etwas geben, was sie für ein Leben lang behalten werden. Dass es richtig war, mich für die Poesie zu entscheiden, wurde mir außerdem durch folgendes Erlebnis bewusst: Innerhalb des Programmes eines Festival in Holland, habe ich bei der südafrikanischen Botschaft vorgelesen. Ich habe heraus gefunden, dass die damalige Botschafterin Priscilla Jana mich nicht empfangen wollte. Sie hat sich den ersten Teil meiner Lesung angehört und ist dann davon gelaufen. Das Schlimmste daran war: Sie ist in der Zeit der Apartheid die führende Menschenrechts-Anwältin gewesen.

So bin ich lieber ein Dichter, der nur wenig Geld verdient als ein Anwalt. Wenigstens habe ich ein gutes Gewissen. Glücklich bin ich aber erst dann, wenn alle Dinge, gegen die ich ankämpfe, aus der Welt verschwunden sind. Anstatt der Sonne oder die Liebe, die morgens als Motivation zum Aufstehen dienen, werde ich metaphorisch gesprochen von „Dämonen“ geweckt. Erst wenn dem nicht mehr so ist, kann ich sagen, dass ich glücklich bin.

2010sdafrika-Redaktion: Während meiner Recherchen über Sie habe ich auf der Internetseite „www.culturebase.net“ ein Zitat gefunden, welches aus einem Interview mit der Schweizer Wochenpost von 2002 stammen soll: „Politischer Hip-Hop ist nicht mehr wichtig für junge Südafrikaner.“ Interessieren sich junge Südafrikaner wirklich nicht mehr für politischen Rap?

Antwort: Ich bestreite vehement, solch eine Aussage jemals von mir gegeben zu haben. Ich, als Vater der MCs-Untergrund-Generation, würde und könnte nie sagen, dass junge Südafrikaner nicht am politischem Rap interessiert seien. Es hat alles ganz simpel angefangen: Junge Leute, die sich getroffen haben, um Partymusik zu machen und Spaß zu haben; ohne dabei irgendein politisches Programm zu verfolgen. Später hat es dann die vermeintlich politischen Musiker gegeben wie Poor Righteous Teachers , Public Enemy, Boogie Down Production und KRS1. Diese haben sich mit Themen wie Unterdrückung, Ökonomie und Politik befasst. Hip-Hop ist einfach nicht homogen, es gibt so viele verschiedene Arten von Hip Hop. Menschen, die ihre Menschlichkeit zelebrieren, dies alles ist sehr politisch. Von den Ghetto-Jungs, welche unter anderem zu meinen Favoriten zählen, bis zu Girly HipHop. Dieses Zitat ist sehr irreführend. Es sei denn, die Person, die dies geschrieben hat, meint, dass ich gesagt habe, dass heute sich mehr Menschen für Künstler wie 50cent, Eminem, LilWayne, Jay-Z oder Lady Gaga interessieren würden als zum Beispiel für Poor Righteous Teachers oder Jaco Pastorius, meinem Lieblingsbassisten. Dies entspricht nämlich absolut der Wahrheit. Allerdings habe ich nicht das Recht, dazu darüber zu urteilen, noch will ich selbst beurteilt werden. Jeder hat nun einmal einen anderen Geschmack.

2010sdafrika-Redaktion: Wie sehen Sie die derzeitige politische Situation in Südafrika. Was ist Ihre Meinung über Jacob Zuma?

Antwort: Ich habe weder eine positive Meinung über den aktuellen Präsidenten Jacob Zuma oder Julius Malema, dem Präsidenten der ANC–Jugendliga, noch über den früheren Präsidenten des Landes, Thabo Mbeki. Ich entschuldige mich, bestimmte Personen depersonalisieren zu müssen, wenn ich über die Situation in Südafrika spreche, aber die Realität lässt sich nicht anders beschreiben. Metaphorisch gesprochen braucht Zuma nur Musik und Frauen, und er tanzt. Das ist es,was er tut. Vor allem halte ich Zuma für sehr problematisch, denn er verfügt über eine dunkle Vergangenheit mit sehr vielen Intrigen. Ebenfalls empfinde ich Thabo Mbekis damaliges Dasein als Präsidenten für eine Demütigung. Ich habe keinen Respekt für ihn, aber Mbeki ist meiner Meinung nach noch intelligenter als Zuma. Desweiteren möchte ich auf das Gefahrenpotential von Julius Malema hinweisen. Es ist die gleiche Geschichte wie mit dem ugandischen Diktator Idi Amin. Diesen hat man auch nicht ernst genommen; er ist belächelt worden. Nachdem Sterben hunderttausender von Menschen , hat dann keiner mehr gelacht. Dies ist das Südafrika von heute.

2010sdafrika-Redaktion: Herr Rampolokeng, Sie  waren bereits des öfteren in Deutschland. 1998 verbrachten Sie sogar mehrere Monate im Solitude Schloss in Stuttgart. Was zieht Sie immer wieder hierher und haben diese Erfahrungen, welche Sie in unserem Land machen, einen Einfluss auf Ihre Arbeit?

Antwort: Jeder Moment meines Lebens, jede Begegnung mit einem Individuum, beeinflusst mich und meine Sichtweise. Deshalb reise ich durch die Welt, um mich mit was auch immer mir widerfährt, auseinanderzusetzen, und es als Erfahrung mitzunehmen und mit den Menschen in meiner Heimat zu teilen, die ich liebe. Gemeinsam tauschen wir die Erfahrungen aus und zusammen profitieren wir davon, etwas für das Leben zu lernen. Ein weiterer Grund für meine Besuche in Deutschland sind neben Einladungen zu Auftritten, wie vor Kurzem an der Humboldt-Universität Berlin, die Auswahl an Literatur, die es hier gibt. Es existieren eben kaum Buchläden in Südafrika und wenn, dann nicht solche, die meinem Literaturgeschmack entsprechen .Diese Läden haben noch nicht einmal den italienischen Dichter Pasolini im Sortiment. Als weiteren Grund für meine Besuche möchte ich anführen, dass so sehr Südafrika auch wirtschaftlich entwickelt sein möge, jeder Künstler doch eher zuerst nach Deutschland kommt, um zu performen als zum Beispiel in Südafrika aufzutreten. 1998 bin ich auf Grund einer Veranstaltung für Autoren habe ich mehrere Monate auf dem Solitude Schloss in Stuttgart verbracht. Ich habe daran teilgenommen, weil ich Zeit und Platz zum Schreiben brauchte. Diese Erfahrung hat mir allerdings gezeigt, dass ich bei absoluter Ruhe und Einsamkeit nicht produktiv sein kann. Ich brauche unbedingt eine Geräuschkulisse.

2010sdafrika-Redaktion: Sie haben die Welt bereist und mit vielen Künstlern gearbeitet wie Julian Bahula, Soulemane Toure, Louis Mhlanga und Günther Sommer. Haben Sie sich diesen Erfolg je erträumen können und was sind Ihre Ziele für die Zukunft?

Antwort: Ich zitiere Bob Dylan, in dem er sagt, dass eine Person dann erfolgreich ist, wenn sie morgens aufwachen und abends einschlafen kann und dazwischen das tun, was sie will. Erfolg hat rein gar nichts mit Geld zu tun oder damit, für tausende von Kameras auffallend zu posieren.

Ich würde mich an dem Tag als erfolgreich bezeichnen, an welchem die Entmenschlichung, Unterdrückung, Hungersnot, Kindesmisshandlung, Oberflächlichkeiten und Ignoranz sowie die Diskriminierung von Menschen bezüglich ihrer Sexualität und Religion ein Ende finden. Dazu beizutragen, eine Welt zu erschaffen, in der alle Menschen atmen können; wenn ich das geschafft habe, bin ich erfolgreich.

2010sdafrika-Redaktion: „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“  bedankt sich für dieses Interview bei Lesego Rampolokeng, einem der größten soziokritischen Dichter aus Südafrika; Ihnen alles Gute und viel Erfolg für die Zukunft!


List of writings/Liste der Werke of/von Lesego Rampolokeng

– Horns for Hondo (COSAW, 1990)

  • Talking Rain (COSAW, 1993)
  • End Beginnings (Shifty CD with the Kalahari Surfers, 1993)
  • Writing for the play:„ Faustus in Africa„(1995)
  • Rap Master Supreme – Word Bomber in the Extreme (1997)
  • End Beginnings (German Translations) (Marino, 1998)
  • Blue V’s (German Translations with CD) (Edition Solitude, 1998)
  • The Bavino Sermons (Gecko Poetry, 1999)
  • Fanons children in 2001
  • The h.a.l.f. ranthology (CD with various musicians, 2002)
  • Blackheart (Pine Slopes Publications, 2004)
  • Whiteheart (deep south publishing, 2005)
  • Participation in the documentary „Giant Steps„ about revoloutionary poets ,
  • directed by Geoff Mphakati and Aryan Kaganof (2005)

Quellen/Sources:

Interview mit/with Lesego Rampolokeng 09.11.2010

http://www.culturebase.net/artist.php?279

http://en.wikipedia.org/wiki/Lesego_Rampolokeng