Schlagwort-Archive: Kill the Boer

Weiße Südafrikaner wollen Flüchtlingsschutz

Ehepaar darf in Kanada Asylanträge stellen. Bundesgericht erkennt Verfolgung wegen der Rasse

(2010sdafrika-Redaktion)

Menschen, die aus begründeter Furcht vor Verfolgung wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, politischen Überzeugung oder Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe ins Ausland flüchten, genießen nach geltendem internationalen Recht einen Flüchtlingsstatus. Als Asylberechtigte stehen sie dann unter dem Schutz des Empfängerlandes. Doch trifft diese Sachlage auch auf Südafrika zu? Denn zwei Südafrikaner bejahen diesen Zustand in ihrer Heimat. Ein kanadisches Bundesgericht gibt ihnen Recht, Asylanträge zu stellen.

Arisha Singh

© Das südafrikanische Ehepaar Charl und Naira Nel behauptet, in der eigenen Heimat wegen ihrer weißen Hautfarbe verfolgt zu werden. Deshalb wollen sie als Flüchtlinge in Kanada anerkannt werden. Ein Bundesgericht hat entschieden, dass die Familie entsprechende Asylanträge stellen darf. Somit stuft die Justiz Kanadas die Republik im südlichen Afrika als unsicheren Staat für Weiße ein. Eine diplomatische Krise könnte folgen. (Quelle: flickr/ Arisha Singh)

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Julius Malema – Alb(Traum) für Südafrika?!

„Do you know who I am? Do you know what I can do?“

(Autor: Ghassan Abid)

Die US-Depeschen zu Südafrika beschäftigten sich ausführlich mit den ANC-Spitzenpolitikern Thabo Mbeki und Jacob Zuma, letzterer aktueller Präsident der Republik Südafrika (2010sdafrika-Redaktion berichtete hierzu am 15. Dezember 2010). Nun ist bekannt geworden, dass Julius Malema – aktueller Präsident der Jugend-Regierungspartei ANCYL – ebenfalls im Fokus der US-Diplomatie stand und steht.

Julius Malema konnte in vielerlei Hinsicht meist negativ von sich Reden machen. Nicht nur das öffentliche Vortragen von einstigen Anti-Apartheids-Lieder wie „Kill the Boer“ (zu Deutsch: Tötet die (holländischstämmigen/ weißen) Buren) sorgte für viel Unruhe in der Regenbogennation, sondern auch der filmreife Rauswurf eines BBC-Journalisten aus einer Johannesburger ANC-Pressekonferenz verbunden mit den Beschimpfungen „bloody agent“ und „bastard“ (siehe Video), die frauenverachtenden Slogans, der überzogene Lebensstil ungeachtet der immensen Armut im Lande, die Zustimmung für die desaströse Landenteignungspolitik des simbabwischen Präsidenten Robert Mugabe´s oder der Ruf nach einer Verstaatlichung der südafrikanischen Bergwerkindustrie.


© Logo von WikiLeaks

All dies sind im Großen und Ganzen Erkenntnisse, die mehr Unbehagen als Freude auslösen dürften. Womöglich insbesondere dieser verbalen und radikalen Bekenntnisse zählt Julius Malema seit Längerem zu den Who´s Who der südafrikanischen Politik. Dies weiß auch die US-Botschaft Pretoria, ersichtlich aus einer von WikiLeaks veröffentlichten Depesche vom 5. November 2009. Demnach besteht ein gewisses Abhängigkeitsverhältnis zwischen Jacob Zuma und Julius Malema. Einerseits machte sich Malema für Zuma als vierten Präsidenten der Post-Südafrika-Ära stark, andererseits unterstützt Zuma den in der Provinz Limpopo geborenen Malema als Präsidenten des ANCYL: „… however, it is becoming clearer that President Jacob Zuma respects Malema and his place within the movement“.

Vor allem die mediale Berichterstattung um Malema verfolgte die US-Botschaft mit großer Aufmerksamkeit. Neben seinen Hassreden und juristischen Konfrontationen, fanden auch die ihm nachgesagten Alkohol- und Sexparties im Norden Johannesburgs eine protokollarische Beachtung. Höhepunkt seiner verbalen Entgleisung dürfte seine Aussage aus dem Jahr 2006 sein, wonach das vermeintliche Vergewaltigungsopfer von Jacob Zuma, so Malema, während des sexuellen Missbrauchs eine „schöne Zeit gehabt hatte“:

„He has also been in the news for doing questionable things such as hosting wild parties in northern Johannesburg that reportedly rage late into the evening and are fueled by alcohol and sex. Moreover, Malema has been involved in several court cases in front of the Equality Court. Most recently, a judge on November 2 delayed a case in the Court in which Malema is accused of hate speech. Malema earlier this year told an election rally that the woman who accused Zuma of rape in 2006 „had a nice time.“

Überraschend sind jedoch die Umstände hinsichtlich des Vorfalls an der University of the Free State von 2007, wonach vier weiße Studenten in Mahlzeiten uriniert und diese dann schwarzen Angestellten der Bildungseinrichtung zum Verspeisen überreicht hatten. Diese skandalösen Begebenheiten wurden auf Video festgehalten und lösten in der Öffentlichkeit erheblichen Protest aus. Als der Kanzler der Hochschule, Jonathan Jansen, alle vier Studenten trotz der Rassismusanschuldigungen den Wiedereintritt in den Hochschulbetrieb ermöglichen wollte, forderte die ANCYL inklusive Malema die sofortige Entlassung des Kanzlers sowie die grundsätzliche Möglichkeit einer Hinrichtung all jener Personen, die sämtliche Formen von Rassismus in Südafrika dulden bzw. verzeihen würden. Nach einem Treffen zwischen dem ANCYL-Präsidenten und dem Kanzler der University of the Free State nahm Malema seine Forderung nach einer Bestrafung zurück. Ganz im Gegenteil – der Jungpolitiker des ANC gab Jansen volle Rückendeckung. Er „ist einer uns uns“ und ein „Symbol der Transformation“, begründete Malema seinen Sinneswandel. Bis zum heutigen Tage bleiben die genauen Hintergründe des Gespräches unklar.

Darüberhinaus ist das arrogante und größenwahnsinnige Verhalten Malema´s im Straßenverkehr oder bei der Abhaltung von Parties durch die US-Botschaft aufgegriffen worden. Als der Jungpolitiker infolge einer Raserei durch Verkehrspolizisten gestoppt worden ist, leitete Malema über offizielle und inoffizielle Kanäle eine Disziplinarmaßnahme gegen die beteiligten Beamten ein:

„On October 14, Malema was reportedly stopped for speeding on the road between Polokwane and Seshego. When his vehicle was pulled over, the ANC Youth League President is said to have berated traffic officials and asked, „Do you know who I am?“ Malema then called numerous senior ANC and government officials and instructed them to discipline the traffic officers. A general manager for traffic was ultimately called to the scene and the following day he asked traffic officials to write letters describing how „they mistreated the youth leader.“

Klar ist, dass Julius Malema unbestritten zu einer politischen Größe in der südafrikanischen Politik geworden ist und sich einer sehr großen öffentlichen Popularität bedienen kann. Unklar bleibt allerdings, wie stark die Unterstützung Jacob Zuma´s für die „Bulldogge des ANC“, wie Malema zynischerweise auch genannt wird, tatsächlich ist. In fast allen Vorfällen des ANCYL-Präsidenten, so die US-Botschaft Pretoria, äußerte sich der Präsident keines Wortes:

„Clearly, Malema is a force in South African politics … Zuma’s only comment regarding these issues may have been when he declared publicly on October 26 that Malema is a „good leader worthy of inheriting the ANC.“


2010sdafrika-Artikel über US-Depeschen zu Thabo Mbeki und Jacob Zuma:

https://2010sdafrika.wordpress.com/2010/12/15/wikileaks-veroffentlicht-berichte-sudafrikanischer-us-vertretungen/

„The Guardian“ über Julius Malema:

http://www.guardian.co.uk/world/2010/dec/08/wikileaks-cables-julius-malema-ancyl?intcmp=239

WikiLeaks: US-Depesche über Julius Malema vom 5. November 2009:

http://213.251.145.96/cable/2009/11/09PRETORIA2263.html

Südafrika als ethnisches Pulverfass?

Weiße (Ultranationalisten) mobilisieren zunehmend gegen das Südafrika à la ANC

(Autor: Ghassan Abid)

Südafrika soll sich zu einer Regenbogennation entwickeln, so die Wunschvorstellung des anglikanischen Erzbischofes und Friedensnobelpreisträgers Demond Tutu. Dieses Projekt erweist sich vom heutigen Standpunkt aus in Anbetracht der bisherigen gesellschaftspolitischen Erfolge weiterhin als vorstellbar: Bürgerliche Freiheits- und Grundrechte für Jedermann, Einbindung damaliger benachteiligter Bevökerungsgruppen zu Apartheidzeiten im Politischen System des demokratischen Südafrikas, langsam fortschreitender Wohlstand und andere Errungenschaften.

Jedoch blieb ein wichtiger Aspekt zum „Nation-Building“ bisweilen aus – der unmittelbare Dialog miteinander und nicht wie bisher übereinander. Damit gemeint ist die Gesprächbereitschaft von Weiß mit Schwarz, Coloured mit Indern oder als Post-Apartheid-Novum, der Kontakt von Schwarzen mit jenen Schwarzen, die als Arbeitsmigranten aus Nachbarstaaten wie Mosambik, Simbabwe oder Lesotho nach Südafrika kamen. Unvergessen sind ebenso die innersüdafrikanischen Kämpfe zwischen Mitgliedern der Regierungspartei ANC und der Inkatha Freedom Party, welche bei den Parlamentswahlen im Jahre 2009 im Osten des Landes erneut aufflammten. Es soll zum Ausdruck gebracht werden, dass neben den „big challenges“ wie HIV/AIDS, Mord, Vergewaltigung, Korruption und extreme Armut, auch die Herausforderung des Nation-Buildungs – dem Heranwachsen einer gemeinsamen Identität aller südafrikanischer Ethnien – nicht wie gegenwärtig aus den Augen verloren werden darf.

Konsequenz dieser verschlafenen Dialogförderung konnte jüngst über die Osterfeiertage beobachtet werden, als der Führer der rechtsextremen Afrikaner Weerstandsbeweging (AWB), Eugène Terre’Blanche, auf seiner Farm in Ventersdorp von zwei seiner schwarzen Angestellten wegen ausbleibender Lohnzahlungen erschlagen worden ist. Die Mitglieder der AWB weisen die Schuld für diese Straftat unmittelbar dem ANC zu. Tatsächlich ist es in der Vergangenheit laut Erkenntnissen der BBC seit 1994 zu über 3.000 Morden an weißen Farmer gekommen. Auch hat der Präsident der Jugendorganisation ANC Youth League, Julius Malema, eine Rüge vorm Obersten Gericht des Landes erhalten, wonach er nicht mehr das Lied „Kill the Boer“ (sinngemäß übersetzt: Tötet die holländischstämmigen Farmer) in der Öffentlichkeit vorzutragen hat.

© Presidency erkennt gefährliche Lage

Ungeachtet der besonnenen Reaktionen auf der politischen Ebene, bedarf es in Südafrika einem umfassenden politischen Dialog aller Ethnien, welcher „miteinander“ zu erfolgen hat. Denn immer mehr weiße Südafrikaner nähern sich radikalen Vorstellungen an oder kehren ihrer Heimat den Rücken (Phänomen auch als „brain drain“ bezeichnet). Allein bei Facebook, dem größten globalen Social Network, ist zu entnehmen, dass die Mitgliedschaft in rassistischen Gruppen rapide im Anstieg  und seit dem Mord an den AWB-Führer teilweise sogar sprunghaft explodiert ist.  Allein in der Gruppe „In Memory of our leader Eugene Terre’Blanche“ (zu Deutsch: In Gedenken an unseren Führer Eugene Terre´Blanche) fanden sich bereits innerhalb weniger Tage schon fast 3.000 User zusammen, in welcher Stimmung gegen den ANC gemacht, der Rassist Terre´Blanche mit Jesus Christus gleichgesetzt und Ideologien aus der Apartheid vertreten werden.

Eine Institution, wie die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) in Deutschland, könnte auch in Südafrika als richtungsweisendes Organ zum Dialog gegründet werden und diesbezügliche Informationen zur Implementierung einer Regenbogennation für Schulen und Gesellschaft kostenfrei zur Verfügung stellen. Denn die politische Bildung  in der jungen afrikanischen Demokratie erweist sich in punkto Versöhnung notwendiger denn je. Andernfalls wird die vergangene Apartheid als ideologisches Unrecht zunehmend seinen Platz in der Gegenwart wiederfinden.

Präsident Jacob Zuma verurteilt Mord an AWB-Führer:

http://www.thepresidency.gov.za/show.asp?include=president/pr/2010/pr04031258.htm&ID=2050&type=pr

Präsident Jacob Zuma betont Besonnenheit und Zusammengehörigkeitsgefühl:

http://www.thepresidency.gov.za/show.asp?include=president/pr/2010/pr04041456.htm&ID=2051&type=pr

BBC-Artikel zu Julius Malema:

http://news.bbc.co.uk/2/hi/africa/8603048.stm

Terre´Blanche-Profilanalyse des Al Jazeera Channels:

http://english.aljazeera.net/news/africa/2010/04/201044125732809976.html

Facebook-Gruppe zum Gedenken an den AWB-Führer:

http://www.facebook.com/home.php#!/group.php?gid=111635918856368&v=wall&ref=search