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MIAGI Youth Orchestra

Jugendliche aus Südafrika und Deutschland mit der Leidenschaft für das interkulturelle Musizieren

(Autor: Ghassan Abid)

Das Berliner Konzerthaus am Gendarmenmarkt war am vergangenen Wochenende äußerst lebendig, multikulturell und durchaus exotisch aufgestellt. Anlässlich des Young Euro Classic trat die aus rund 90 jungen Musikern bestehende Band „Music is A Great Investment“ – kurz MIAGI – unter der Leitung des Komponisten, Dirigenten und Musikers Tshepo Tsotetsi in der Bundeshauptstadt auf. Der südafrikanische Botschafter in Deutschland, Makhenkesi A. Stofile, sowie Vertreter des südafrikanischen Kulturministeriums schauten mit großem Stolz auf die Bühne.

© Das Berliner Konzerthaus am Gendarmenmarkt dient als Austragungsort für das Young Euro Classic, an welchem auch MIAGI aus Südafrika teilnahm.

© Das Berliner Konzerthaus am Gendarmenmarkt dient als Austragungsort für das Young Euro Classic, an welchem auch MIAGI aus Südafrika teilnahm.

Aus Südafrika eingeflogen begaben sich die jungen Gäste hauptsächlich in Österreich und Deutschland auf zweiwöchiger Tournee. In Berlin traten sie gemeinsam mit jungen Deutschen, meist Studenten, auf. MIAGI wird grundsätzlich durch staatliche Gelder – allen voran durch das Kulturministerium Südafrikas, die Lottogesellschaft Südafrikas und die Europäische Union – finanziert. Das „Young Euro Classic featuring African Jazz“, die deutsch-südafrikanische Begegnung, ist hingegen durch Spenden von Privatpersonen ermöglicht worden. Fachlich werden die Teenager durch mehrere bewährte Musiker begleitet.

© 90 junge Südafrikaner spielten am Berliner Gendarmenmarkt für das Publikum.

© 90 junge Südafrikaner spielten am Berliner Gendarmenmarkt für das Publikum.

© Vielen jungen Menschen in Südafrika bleibt der Zugang zu musischen Aus- und Weiterbildungen weiterhin verwehrt. MIAGI setzt hierbei an und ermöglicht durch Spenden die Möglichkeit der Teilhabe am Musikprojekt.

© Vielen jungen Menschen in Südafrika bleibt der Zugang zu musischen Aus- und Weiterbildungen weiterhin verwehrt. MIAGI setzt hierbei an und ermöglicht durch Spenden die Möglichkeit der Teilhabe am Musikprojekt.

Das Orchester setzte sich aus einer Vielfalt an Jugendlichen zusammen, die auf den ersten Blick zueinander mehr Differenzen als Gemeinsamkeiten aufzeigen: unterschiedliche Hautfarben, soziokulturelle Hintergründe, Einkommensverhältnisse und Erfahrungen. Doch die Erwartungshaltung der binationalen Musiktruppe ist dieselbe: Spaß und eine große Portion Leidenschaft für das gemeinsame Musizieren. Die Jugendlichen errichteten mit Hilfe der Musik eine „Brücke zwischen den Kulturen“, wie es Tsotetsi bei der Einführung zum Konzert formuliert hat. Der Mix verschiedener Musikstile wie Jazz, Klassik und südafrikanischer Folklore, verbunden mit starken Stimmen, haben das deutsche Publikum in eine außergewöhnliche Welt der akustischen und visuellen Sinne entführt. Werke wie Claude Debussys „Prélude à l’après-midi d’un faune “ werden, teilweise untermalt mit afrikanischen Klängen, in die moderne Musik überführt.

© Innenansicht des Berliner Konzerthauses am Gendarmenmarkt : Der Saal war komplett ausverkauft und die Neugierde des Publikums an die jungen Südafrikaner riesig.

© Innenansicht des Berliner Konzerthauses am Gendarmenmarkt : Der Saal war komplett ausverkauft und die Neugierde des Publikums an die jungen Südafrikaner riesig.

© Tshepo Tsotetsi ist Komponist, Dirigent und Musiker. Er leitet MIAGI und betrachtet jeden einzelnen praktizierenden Nachwuchsmusiker als "Katze"; als Bestandteil einer Familie.

© Tshepo Tsotetsi ist Komponist, Dirigent und Musiker. Er leitet MIAGI und betrachtet jeden einzelnen praktizierenden Nachwuchsmusiker als „Katze“; als Bestandteil einer Familie.

Tsotetsi, der seine Schützlinge „Cats“ nennt, setzt die Zusammenarbeit mit diesen jungen Menschen mit Lebensfreude gleich. Er betrachtet seine Katzen sogar als große Familie. Seiner lockeren, coolen und herzlichen Art ist der Erfolg von MIAGI letztendlich zu verdanken.

In einem kurzen persönlichen Gespräch mit „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ untermauerte der zum Lächeln animierende Komponist, dass er stets gerne nach Deutschland kommt und die Deutschen seine Brüder sind. Er liebt Berlin und verbindet diese deutsche Metropole mit absoluter Glückseligkeit. Auch nächstes Jahr möchte er wieder Gast an der Spree sein.  Zur starken öffentlichen Resonanz der Deutschen am Projekt MIAGI bekräftigt er seine Begeisterung mit einem ausdrucksstarkem „woooooow“. 2013 wird MIAGI sicherlich erneut anreisen. Ein Konzertbesuch lohnt sich auf jeden Fall!

Vorstellungsvideo zum Projekt MIAGI

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2 Nationalhymnen, 2 Geschichten, 1 Vision

Zusammengehörigkeitsgefühl verwurzelt im „Deutschlandlied“ und „Nkosi Sikelel‘ iAfrika“

(Autor: Ghassan Abid)

Hymnen, abgeleitet vom griechischen Wort hymnos und mit ´Tongefüge´ zu übersetzen, verfolgen in allen Ländern zwei Ziele. Zum Einen soll mit der Hymne die Einigkeit einer ganzen Nation symbolisiert und zum Andern die Identifikation des Volkes mit ihrer Heimat gestärkt werden. Insbesondere bei sportlichen Anlässen, wie der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland und der WM 2010 in Südafrika, wurden Nationalhymnen verstärkt mit viel Euphorie von allen Bevölkerungsgruppen gesungen.


© Joseph Haydn (Quelle: Wikimedia)

Die dritte Strophe des „Deutschlandliedes“ vom Wolfsburger Dichter August Heinrich Hoffmann von Fallersleben besteht seit 1991 als Hymne des vereinten Deutschlands. Die Melodie jedoch entspringt vom in Österreich geborenen Komponisten Joseph Haydn aus dem Jahr 1797, einem Vertreter der renommierten Stilrichtung Wiener Klassik, der auch Wolfgang Amadeus Mozart und Ludwig van Beethoven angehörten. Das Deutschlandlied hatte schon immer den Zweck verfolgt, den innerdeutschen Zusammenhalt zu stärken, verfiel im 20. Jahrhundert jedoch mit der Verschmelzung des Horst-Wessel-Liedes den Propagandazwecken des Nationalsozialismus. Dementsprechend sind nach dem Ende des zweiten Weltkrieges die erste und zweite Strophe des Deutschlandliedes seither verboten worden.

© Enoch Mankayi Sontonga (Quelle: Wikimedia)

Ebenfalls erlebte Südafrika hinsichtlich seiner Nationalhymne eine besondere Geschichte. Seit 1996 ist „Nkosi Sikelel‘ iAfrika“ die offizielle Nationalhymne Südafrikas, bestehend aus den 5 Sprachen Xhosa, Zulu, Sesotho, Afrikaans und Englisch. Die Hymne wurde aus Teilen des vor allem unter der schwarzen Bevölkerung verbreiteten und vom in Uitenhage geborenen sowie der Volksgruppe Xhosa zugehörigen Komponisten Enoch Mankayi Sontonga verfasst.

Nkosi Sikelel’ iAfrika (zu Deutsch: Gott segne Afrika) galt bereits vor Apartheidszeiten als Lied der Widerstandsbewegung und heutigen Regierungspartei „African National Congress (ANC)“ von Nelson Mandela, später auch als Kirchengesang der Zulus. Während die ersten beiden Strophen der Nationalhymne Südafrikas auf Nkosi Sikelel’ iAfrika zurückgehen, basieren die anderen letzten beiden Strophen dem Nationalgesang des Apartheid-Südafrikas „Die Stem van Suid-Afrika“, welches von Cornelis Jacobus Langenhoven gedichtet wurde. Dementsprechend fand hierbei eine Verschmelzung zwischen Schwarz und Weiß statt – zwischen Apartheid und ANC.

Was Deutschland jedoch von Südafrika unterscheidet ist der Umstand, dass man keine einzige Zeile der DDR-Hymne „Auferstanden aus Ruinen“ in das Deutschlandlied übernommen hat. Lothar de Maizière, Ministerpräsident der DDR, konnte diesen Vorschlag bei der Bundesregierung unter Kanzler Helmut Kohl nicht durchsetzen, welches wirklich in Anbetracht des innerdeutschen Zusammengehörigkeitsgefühls und der damit verbundenen Symbolik sehr zu bedauern ist. Südafrika hat es auf jeden Fall richtig gemacht!

Südafrikanische Regierung mit Informationen zur Nationalhymne:

http://www.info.gov.za/aboutgovt/symbols/anthem.htm

2010sdafrika-Artikel mit Rezension zum Nation Building-Film „Invictus“:

https://2010sdafrika.wordpress.com/2010/02/07/rezension-des-films-„invictus-unbezwungen“/