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Sexueller Missbrauch von Kindern – in Südafrika und Deutschland

Veranstaltungshinweis zum soziokritischen Dokumentarfilm „Rough Aunties“ und Podium

© Kinder im Township (Quelle: Emily Visser, City of Johannesburg/ MediaClubSouthAfrica.com)

Sexueller Missbrauch von Kindern ist ein Thema, welches in Südafrika als auch in Deutschland präsent und zugleich scheinbar unsichtbar ist. Die missbrauchten Kinder verschließen sich gegenüber anderen Erwachsenen und versuchen auf diesem Wege diese schrecklichen Erlebnisse zu verdrängen. Sogar die eigenen Eltern ahnen lange nichts von den traumatischen Erlebnissen ihrer Kinder. Die kontroverse TV-Sendung „Tatort Internet: Schützt endlich unsere Kinder„, eine Produktion für RTL2, thematisiert diese Debatte im Reality-Format, setzt allerdings in erster Linie bei der Prävention im Web 2.0-Zeitalter an.

Die Täter bleiben in vielen Fällen unbestraft. Doch was Südafrika von Deutschland explizit unterscheidet, ergibt sich aus zwei Tatsachen. Zum einen wird die Anzahl der Personen, die sexuellen Übergriffen von männlichen Erwachsenen ausgeliefert sind, höher eingeschätzt als in Deutschland. Nicht nur Kinder sind Opfer sexueller Gewalt, sondern auch Frauen. Zum andern herrscht bei einer nicht unerheblichen Anzahl von männlichen Südafrikanern eine gewisse traditionell bedingte „Akzeptanz“ von  erzwungenem Sex mit Frauen und Kindern weiblichen Geschlechts. Laut einer Studie  der Wissenschaftler Neil Andersson und Ari Ho-Foster sind in Südafrika 40 Prozent aller minderjährigen Schüler (unter 18 Jahren) mindestens einmal vergewaltigt worden.  In 20 Prozent der Fälle gaben die Schüler an, dass die Täter ihre Lehrer waren.  Dieser Umstand wird dadurch begünstigt, dass Medizinmänner den Aberglauben verbreiten, dass AIDS durch den Sex mit Jungfrauen geheilt werden könne. Dementsprechend erhält man als Opfer von den südafrikanischen Strafverfolgungsbehörden in vielen Fällen nur unzureichend Unterstützung. Konsequenterweise verfallen Straftat-Aufklärung und Strafverfolgung hierbei einer eklatanten Vernachlässigung.


NGOs schlagen seit Jahren bereits Alarm, so auch Amnesty International (AI). AI kam im Jahresbericht 2006 zu schrecklichen Erkenntnissen: „Die Polizeistatistiken für den Zeitraum April 2005 bis März 2006 verzeichneten 54926 Anzeigen wegen Vergewaltigung … In 42,7 Prozent der angezeigten Fälle waren die Opfer Kinder beziehungsweise Minderjährige …


Im Juni nahm das Parlament seine Debatte über den Entwurf eines Gesetzes gegen sexuelle Gewalt, der seit 2004 im Justizministerium auf Eis gelegen hatte, wieder auf. Organisationen, die Vergewaltigungsopfer und sexuell missbrauchte Kinder betreuen, äußerten weiterhin die Kritik, dass der Entwurf nur unzureichende Bestimmungen über den Schutz der Kläger während des Ermittlungs- und des Gerichtsverfahrens enthalte. Dies betreffe vor allem Kinder.


Bürgernahe Organisationen präsentierten Belege dafür, dass bei der Polizei durch Schlamperei und Korruption Vorgänge über Ermittlungen in Vergewaltigungsfällen verloren gegangen waren. Die Südafrikanische Menschenrechtskommission (South African Human Rights Commission – SAHRC) und zwei weitere offizielle Gremien befassten sich in landesweiten öffentlichen Anhörungen mit der hohen Zahl von Todesfällen unter Jungen, die traditionelle Beschneidungsschulen besuchten. In den vergangenen zehn Jahren sind in diesen Einrichtungen mehr als 100 Jungen zu Tode gekommen.


Im aktuellsten Jahresbericht von 2009 reißt die Kritik von Amnesty International an Politik und Behörden Südafrikas nicht ab.  Viele Fragen bleiben nach wie vor unbeantwortet und die Opfer erfahren nur in wenigen Fällen die notwendige Aufmerksamkeit von Staat und Medien. Auch in Deutschland erweist sich der sexuelle Missbrauch von Kindern im Hinblick auf die katholische Kirche als ein Tabuthema. Umso wichtiger ist die Veranstaltung im Filmmuseum Potsdam, welches vom Südafrika-Portal medial begleitet wird und genau an dieser beschriebenen Ausgangslage in Südafrika und Deutschland ansetzt:


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EINLADUNG

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12. November 2010, 19 Uhr

Filmmuseum Potsdam, Breite Str. 1a/ Marstall, 14467 Potsdam

Kartenreservierung: 0331-27181-12


Rough Aunties
R: Kim Longinotto, GB/Südafrika 2008, Dok., OmU, Audiodeskription optional, 103’

Anschließend:

Podiumsgespräch mit Lydia Sandrock (Autonomes Frauenzentrum Potsdam e.V.), Kilian Kindelberger  (VENROB e.V.), Rosemarie Priet (Opferhilfe e.V.), Moderation: Ghassan Abid (Politikwissenschaftler)

© Cover von "Rough Aunties"

Filmbeschreibung:

Wenn Kinder Opfer von Missbrauch werden, verstummen sie oft aus Scham und Angst. Diese Mädchen und Jungen zum Reden zu bringen, ist Ziel der Hilfsorganisation Bobbi Bear im südafrikanischen Durban. Ihre Mitarbeiterinnen betreuen betroffene Kinder und setzen sich dafür ein, dass die Schuldigen vor Gericht kommen. Hier erweist sich auch die patriarchalische Zulu-Kultur oft als Hindernis. Mit Wut und Herzlichkeit setzen sich die „Tanten“ von Bobbi Bear kompromisslos für die Rechte von Kindern ein.


Die Veranstaltung ist gleichzeitig Teil der 7. Brandenburger Entwicklungspolitische Bildungs- und Informationstage (BREBIT). Im Museumsfoyer stellen die Filmpartner VENROB – Verbund Entwicklungspolitischer Nichtregierungsorganisationen Brandenburgs e.V. und Opferhilfe e.V. ihre Arbeit vor.

Eintritt: 5 Euro, 4 Euro ermäßigt, 2,50 Schüler und Gruppen


Weitere Informationen zu Film und Festival unter:

www.filmmuseum-potsdam.de.

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Freunde des Filmmuseums Potsdam,

gerne möchte ich auf eine Veranstaltung innerhalb des Filmfestivals ueber Mut – Engagiert. Couragiert. Kontrovers. im Filmmuseum Potsdamhinweisen, die für Sie/ Euch vielleicht interessant sein könnte. Über eine Weiterleitung und/ oder Veröffentlichung würde ich mich sehr freuen.

12. November 2010, 19 Uhr

Filmmuseum Potsdam, Breite Str. 1a/ Marstall, 14467 Potsdam

Kartenreservierung: 0331-27181-12


Rough Aunties
R: Kim Longinotto, GB/Südafrika 2008, Dok., OmU, Audiodeskription optional, 103’

Anschließend:

Podiumsgespräch mit Lydia Sandrock (Autonomes Frauenzentrum Potsdam e.V.), Kilian Kindelberger (VENROB e.V.), Rosemarie Priet (Opferhilfe e.V.), Moderation: Ghassan Abid (Politikwissenschaftler)


Rough Aunties

Wenn Kinder Opfer von Missbrauch werden, verstummen sie oft aus Scham und Angst. Diese Mädchen und Jungen zum Reden zu bringen, ist Ziel der Hilfsorganisation Bobbi Bear im südafrikanischen Durban. Ihre Mitarbeiterinnen betreuen betroffene Kinder und setzen sich dafür ein, dass die Schuldigen vor Gericht kommen. Hier erweist sich auch die patriarchalische Zulu-Kultur oft als Hindernis. Mit Wut und Herzlichkeit setzen sich die „Tanten“ von Bobbi Bear kompromisslos für die Rechte von Kindern ein.

Die Veranstaltung ist gleichzeitig Teil der 7. Brandenburger Entwicklungspolitische Bildungs- und Informationstage (BREBIT). Im Museumsfoyer stellen die Filmpartner VENROB – Verbund Entwicklungspolitischer Nichtregierungsorganisationen Brandenburgs e.V. und Opferhilfe e.V. ihre Arbeit vor.

Eintritt: 5 Euro, 4 Euro ermäßigt, 2,50 Schüler und Gruppen

Weitere Informationen zu Film und Festival finden/t Sie/ Ihr unter: www.filmmuseum-potsdam.de

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Südafrika-Portal bei „Weltneugier“

Das Südafrika-Portal ist zum Chamäleon mutiert

© Südafrika-Portal mutiert zum Chamäleon (Quelle: Wikimedia)

Das Südafrika-Portal  ist weiterhin am Wachsen, muss sich jedoch zahlreichen neuen und schwierigen Herausforderungen stellen. Während mit dem Ende der Fußball-WM 2010 einige unserer Partner den Betrieb ihrer Webseite eingestellt haben, verzeichnen wir weiterhin ein Interesse an unserem Webangebot. Mit Kreativität, angesagten Ideen und spannenden Themen halten wir die Neugier auf  „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ aufrecht. Das Südafrika-Portal muss hierbei wie ein Chamäleon auftreten. Zum Ersten benötigen wir einen regelmäßigen Farbwechsel, also eine ständige Design-Aktualisierung und technisch-konzeptionelle Transformation. Zum Zweiten müssen wir wie das Chamäleon unsere Schleuderzunge nach der Beute schneller ausfahren, schneller und aktueller über Ereignisse in Südafrika berichten. Zum Dritten sind wir wie der Wurmzüngler, wie das Chamäleon auch gerne bezeichnet werden, mit einem guten Sehvermögen ausgestattet, um stets interessante Themen aufgreifen zu können. Und zum Vierten verharren wir oft in einer verteidigungsähnlichen Stellung.

Konkret kann dieses Chamäleon-Verhalten wie folgt dem Portal entnommen werden:

Zum Beispiel errichteten wir im September 2010 eine neue Rubrik unter dem Titel „Interviews„. Hier sind alle Promis der deutsch-südafrikanischen Beziehungen aufgelistet, welche dem Südafrika-Portal als Interviewpartner zur Verfügung standen. Falko Starr (Graffiti-Künstler), Oliver Krischer (Bundestagsabgeordneter), Teboho Edkins (Filmregisseur), Zanele Muholi (Fotokünstlerin), Roger Smith (Krimiautor) und andere befragten wir zu ihrer Arbeit und zum deutsch-südafrikanischen Verhältnis – mit teils interessanten Antworten. Ferner haben wir nun eine Archivierung unserer monatlichen Umfragen etabliert, ganz dem ersten Charakter des Chamäleons – dem Farbwechsel.

Inhaltlich nehmen wir nach wie vor kein Blatt vor den Mund und sagen, was wir zu bestimmten Ereignissen in Südafrika denken. Die Fußball-WM ist nun einige Monate her, sodass wir uns in der Redaktion die Frage gestellt haben, ob die überaus positive Bewertung der WM seitens der deutschen Presse wirklich so positiv eingetreten ist?

© Screenshot: Südafrika-Portal bei Weltneugier/ Stepin GmbH

Wir sind dem nachgegangen und haben hierzu zwei Artikel verfasst, einen zu den Statements der südafrikanischen Regierung und einen aus der Sicht von NGOs sowie eigenen Recherchen. Während der Finanzminister Südafrikas, Pravin Gordhan, keinen Zweifel bei den mittelfristigen positiven Effekten der WM für Südafrikas Entwicklung aufkommen ließ, sind unsere Recherchen auf ganz andere Ergebnisse gestoßen. Der Hamburger Wirtschaftswissenschaftler Prof. Wolfgang Männing glaubt einerseits weniger an einem volkswirtschaftlichen Nutzen der WM für Südafrika, da Mega-Events wie die Weltmeisterschaft keinen Netto-Gewinn für den Ausrichter darstellen; wie von vielen Menschen fälschlicherweise angenommen. Andererseits haben wir das FIFA-Vertragsrecht mal genauer mit verschärftem Sehvermögen unter die Lupe genommen und mussten mit großer Verwunderung zur Kenntnis nehmen, dass das Ausrichterland Südafrika eher Ausgaben als Einnahmen zu verzeichnen hat. Der wahre fiskalische Profiteur der WM ist der Schweizer Weltfußballverband FIFA, welcher mit der WM zwischen zwei bis drei Milliarden Dollar einkassieren konnte. Sämtliche Erträge aus Sponsorenverträgen fallen hierbei zum Beispiel ausschließlich in den Topf dieses „gemeinnützigen“ Verbandes, während die südafrikanische Regierung allein für die nationale Ebene drei Milliarden Euro an Kosten für Infrastruktur- und Sicherheitsmaßnahmen erbringen musste und dementsprechend beim Ausrichter ein negatives Bilanzdefizit aufgetreten ist. Ferner ist zu bemängeln, dass nicht nur der offizielle WM-Song im Vorfeld dieses Wettbewerbs an keinen (süd)afrikanischen Künstler vergeben wurde – was übrigens für sehr viel Unmut beim südafrikanischen Volk sorgte – sondern auch sämtliche WM-Produkte wie Maskottchen, Trikots oder Fußbälle in Asien produziert wurden. Zusätzlich sind viele Jobs, die mit dem Bau der Stadien in Zusammenhang standen, nun weggefallen.

Kurz – die WM erweist sich als ein großartiges und interkulturelles Gemeinschaftsprojekt, jedoch weniger als eine Veranstaltung mit Nachhaltigkeitsfaktor für Volk und Volkswirtschaft. Der wahre Gewinner der WM ist demnach nicht das Ausrichterland Südafrika, sondern allein die FIFA, wie es auch bei der WM 2006 in Deutschland der Fall gewesen ist. Unsere schnelle Schleuderzunge und das ausgeprägte Sehvermögen hatten schließlich zur Konsequenz, dass wir zustimmende und ablehnende Rückmeldung von Deutschen und Südafrikanern erhalten haben. Ein gemischtes Echo ist per se ein gutes Zeichen, denn da weiß man, dass man alles richtig gemacht hat. (:

Mit diesen vier Eigenschaften des Chamäleons werden wir weiterhin das Südafrika-Portal lebendig halten. Jedoch bleibt nach wie vor unsere größte Herausforderung, Sponsoren oder Spender zu finden, die dieses interkulturelle und lebendige Projekt unterstützen möchten. Ansonsten müssen wir weiterhin in der Verteidigungsstellung ausharren und unsere Aktivitäten limitieren – halt wie ein Chamäleon!

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Artikel bei Weltneugier/ Stepin GmbH veröffentlicht:

http://www.stepin.de/weltneugier/gastartikel-das-suedafrika-portal-ist-zum-chamaeleon-mutiert/

2010sdafrika-Artikel – Finanzminister Gordhan bekräftigt WM als Gewinn für Südafrika:

https://2010sdafrika.wordpress.com/2010/07/09/finanzminister-gordhan-bekraftigt-wm-als-gewinn-fur-sudafrika/

2010sdafrika-Artikel – Südafrikaner fühlen sich von FIFA „verarscht“:

https://2010sdafrika.wordpress.com/2010/06/30/sudafrikaner-fuhlen-sich-von-fifa-verarscht/

2010sdafrika-Artikel – „Bilbao-Effekt“ bestimmt Erfolg sportlicher Mega-Events:

https://2010sdafrika.wordpress.com/2010/05/11/%E2%80%9Ebilbao-effekt%E2%80%9C-bestimmt-erfolg-sportlicher-mega-events/