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Rebellion im Fischereiministerium Südafrikas

Unbesetzte Posten, eine überforderte Ministerin und ausufernde Korruption – ein Führungsdesaster.

(Autor: Ghassan Abid)

Das „Department of Agriculture, Forestry and Fisheries“ zählt zu jenen Ministerien am Kap, von denen man so gut wie nie etwas hört. Die Kompetenzen dieser Behörde beschränken sich auf die Fachgebiete Landwirtschaft, Forsten und Fischerei. Seit dem 11. Mai 2009 wird das Fischereiministerium von der studierten Pädagogin Tina Joemat-Pettersson geleitet, die dank der klassischen ANC-Parteipatronage in ihr gegenwärtiges Amt platziert wurde.

    © Fischereiministerin Tina Joemat-Pettersson hat ihr Ministerium nicht mehr im Griff. Ständig soll sie Personal ausgetauscht, gefeuert sowie beurlaubt haben und dies stets ohne sachlichen Grund. Andere Mitarbeiter kündigten auf eigenen Wunsch. Das Ausmaß der Korruptionsfälle im Ministerium konnte die 48-jährige Pädagogin nicht aufdecken. Diese Untersuchungen werden nun an die Polizeibehörde SAPS abgegeben. Die ANC-Politikerin gilt im von ihr seit Mai 2009 geführten Ressort als inkompetent, unseriös und wenig fachkundig. (Quelle: flickr/ FAO)

© Fischereiministerin Tina Joemat-Pettersson hat ihr Ministerium nicht mehr im Griff. Ständig soll sie Personal ausgetauscht, gefeuert sowie beurlaubt haben und dies stets ohne sachlichen Grund. Andere Mitarbeiter kündigten auf eigenen Wunsch. Das Ausmaß der Korruptionsfälle im Ministerium konnte die 48-jährige Pädagogin nicht aufdecken. Diese Untersuchungen werden nun an die Polizeibehörde SAPS abgegeben. Die ANC-Politikerin gilt im von ihr seit Mai 2009 geführten Ressort als inkompetent, unseriös und wenig fachkundig. (Quelle: flickr/ FAO)

Mit der Fischerei, Landwirtschaft oder dem Forsten hat sich die Politikerin bis zu ihrem Amtsantritt noch nie auseinandergesetzt. Umso weniger überraschend ist das Resultat dessen, in welchem Zustand sich das Ministerium nach der dreijährigen Joemat-Pettersson-Ära befindet. Auf Anfrage teilt ein Beamter aus dem Hause mit, dass die Behörde einem „absoluten Desaster“ ausgeliefert ist.

Die Ministerin soll ständig das Personal aller Abteilungen ausgetauscht, gefeuert sowie beurlaubt haben und dies stets ohne sachlichen Grund. Von den neun Abteilungen des Ministeriums sollen ganze sieben dieser sogenannten Branches jeweils ohne regulärem Abteilungsleiter besetzt sein. Betroffen sind die Zentralabteilung „Corporate Services“, die für Recht & Kommunikation zuständige Abteilung „Stakeholder Relations, Communication & Legal Services“, als auch die Handels-, Lebensmittelsicherheit-, Agrarproduktions-, Forst- und Fischereiabteilung.

Genauso ist die wichtige Position des „Director General (DG)“, vergleichbar mit einem beamteten Staatssekretär in deutschen Ministerien, nicht dauerhaft besetzt. Dieser ist der ständige Vertreter der Ministerin und übt gegenüber den Mitarbeitern und den Abteilungen des Hauses ein Weisungsrecht aus. Nachdem DG Langa Zita durch die oberste Behördenchefin im Sommer 2010 suspendiert wurde, hat sich die Situation im Ressort deutlich verschlechtert, heißt es.

Für das Ministerium arbeiten auch diverse externe Fachkräfte, die als freiberufliche Experten die Ministerin in speziellen Sachfragen beraten. Einige dieser Berater, beispielsweise Rams Mabote, sollen auf eigenen Wunsch ihre Tätigkeit für Tina Joemat-Pettersson beendet haben. Fehlende Korrespondenzen, Verachtungen und bewusstes Verbreiten von Fehlinformationen werden der 48-Jährigen angelastet.

Aktuell hat das Ministerium interne Untersuchungen zu finanziellen Unregelmäßigkeiten im Zusammenhang mit Vergabeverfahren im Fischereiwesen an die Polizeibehörde SAPS abgegeben. Monatelang war das Fischereiministerium mit der Aufdeckung von Korruptionsfällen beschäftigt gewesen. Doch die schlecht ausgestattete Innenrevision, mangelnde Qualifizierung von Controlling-Angestellten und unbesetzte Fischerei-Referatsleiterposten machten eine effiziente Untersuchung unmöglich.

In den Vormonaten sind mehreren südafrikanischen Zeitungen anonyme Schreiben vom Ministeriumspersonal zugegangen, die eine ablehnende Haltung zur Fortführung von Tina Joemat-Pettersson als Fischereiministerin zu erkennen geben. Präsident Jacob Zuma hat sich hierzu bisweilen nicht geäußert bzw. äußern wollen.

Glückwunsch zur 6. Ehe, Mr. President

4 First Ladies stehen Jacob Zuma bei seinen Amtsgeschäften nun bei

(Autor: Ghassan Abid)

Am vergangenem Freitag heiratete der vierte Präsident Südafrikas, Jacob Zuma, zum nun sechsten Mal. Er nahm seine bisherige Verlobte Bongi Ngema zur Ehefrau. In der Heimatstadt des Präsidenten in Nkandla in der Provinz KwaZulu-Natal fand eine traditionelle Heiratszeremonie der Ethnie Zulus statt, welche als „umgcagco“ bezeichnet wird. Hierbei stellt die „ukugqumushela“, ein wettbewerbsähnlicher Tanz, den Höhepunkt dieses Ereignisses dar.

© Herzlichen Glückwunsch zur sechsten Ehe, Mister President. Der Präsident besitzt nun 4 Ehefrauen und ca. 20 Kinder. (Quelle: The Presidency of South Africa + GCIS)

© Herzlichen Glückwunsch zur sechsten Ehe, Mister President. Der Präsident besitzt nun 4 Ehefrauen und ca. 20 Kinder. (Quelle: The Presidency of South Africa + GCIS)

Am heutigen Tage ist auf Basis der „umabo“ vorgesehen, dass die Braut die Familie von Jacob Zuma mit Geschenken beglückt. Die bisherigen drei Ehefrauen des Präsidenten Sizakele Khumalo, Nompumelelo Ntuli and Thobeka Madiba nehmen ebenfalls an der kompletten Zeremonie teil. Zuma und Ngema sind bereits Eltern eines siebenjährigen Kindes mit dem Namen Sinqumo.

Jacob Zuma ist bekennender Zulu und Befürworter der Polygamie. Er stammt aus dem Distrikt uThungulu, welches inmitten des alten Königreichs Zululand liegt. Das Tanzen nimmt bei dieser Ethnie eine besondere Rolle ein. Die südafrikanische Botschaft in Berlin ließ am 12. Januar 2010 verlauten, dass Südafrika gleich drei First Ladies anzubieten hatte. Es ist zum Gewohnheitsrecht geworden, dass sich die First Ladies untereinander die Aufgaben aufteilen.

So engagiert sich Sizakele Khumalo bei Projekten der Landwirtschaft und Lebensmittelsicherheit, Thobeka Madiba im Gesundheitsbereich und Nompumelelo Ntuli in der Sozialarbeit. Die aktuellste Ehefrau ist bereits in administrative Angelegenheiten involviert, sodass sich nach Angaben der Presidency keine Verschiebung der Aufgabenverteilung ergeben dürfte. Nkosazana Clarice Dlamini-Zuma, die derzeitige Innenministerin Südafrikas, ließ sich 1998 von Zuma scheiden. Kate Zuma beging im Jahr 2000 Selbstmord. Insgesamt besitzt der Präsident ungefähr 20 Kinder.

Hinweis der Redaktion: Das südafrikanische Personenstandsrecht erlaubt entgegen der deutschen Agenturmeldungen keine Polygamie. Mehrehen sind im Zivilrecht Südafrikas eindeutig verboten. Alternativ kann die Vielweiberei im Rahmen traditioneller Zeremonien abgeschlossen werden.