Schlagwort-Archive: Lulu Xingwana

Pistorius-Fall als Medienspektakel

Video-Eindrücke vom zweiten Verhandlungstag: Wenn Journalisten und Fotografen im Jagdfieber sind

(2010sdafrika-Redaktion)

Am zweiten Verhandlungstag des 19. Februars 2013 bekräftigte Oscar Pistorius seine Unschuld. Der Sportler habe nicht Reeva Steenkamp vorsätzlich töten, sondern seine Freundin vielmehr beschützen wollen – argumentierte die Verteidigung im Rahmen einer eidesstattlichen Erklärung. Die zahlreichen südafrikanischen und ausländischen Medienschaffenden verfolgen die Geschehnisse stets mit dem Gespür für Schlagzeilen-taugliche Beiträge. Jeder Fotograf will das beste Bild schießen und jeder Journalist die beste Story schreiben. Ganz nach dem Motto: Je exklusiver, desto besser.

© Das Strafverfahren gegen Oscar Pistorius ist jetzt schon eines der bedeutendsten Prozesse in der Geschichte Südafrikas. Journalisten und Fotografen sind im Jagdfieber. Die Familie des Angeklagten kann sich vor den Medienschaffenden kaum mehr retten. (Quelle: flickr/ el pais)

© Das Strafverfahren gegen Oscar Pistorius ist jetzt schon eines der bedeutendsten Prozesse in der Geschichte Südafrikas. Journalisten und Fotografen sind im Jagdfieber. Die Familie des Angeklagten kann sich vor den Medienschaffenden kaum mehr retten. (Quelle: flickr/ el pais)

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Entsetzen in Bredasdorp

Neu-Delhi-Déjà-vu: Siebzehnjährige Frau am Westkap brutal vergewaltigt und getötet. Eine Nation im Schock

(Autor: Ghassan Abid)

Südafrikas Öffentlichkeit kennt unzählige Fälle, bei denen Mädchen und Frauen sexuell missbraucht und vergewaltigt wurden. In einigen Statistiken führt das beliebte Tourismusland im südlichen Afrika die höchste Vergewaltigungsrate weltweit an. Und dennoch ereignete sich am Westkap eine abscheuliche Tat, die ein gesellschaftliches Umdenken notwendig macht.

© Eine ganze Nation ist entsetzt: Am 2. Februar 2013 ist in Bredasdorp am Westkap eine siebzehnjährige Frau von vier Männern brutal vergewaltigt und verstümmelt worden. Kurze Zeit später starb sie im Krankenhaus. Die Regierung ist über die Brutalität der Tat geschockt. Ein gesellschaftliches Umdenken, ähnlich den Vorgängen in Indien, wird vor allem von Frauenrechtlerinnen gefordert. (Quelle: flickr/ Proteus250245(

© Eine ganze Nation ist entsetzt: Am 2. Februar 2013 ist in Bredasdorp am Westkap eine siebzehnjährige Frau von vier Männern brutal vergewaltigt und verstümmelt worden. Kurze Zeit später starb sie im Krankenhaus. Die Regierung ist über die Brutalität der Tat geschockt. Ein gesellschaftliches Umdenken, ähnlich den Vorgängen in Indien, wird vor allem von Frauenrechtlerinnen gefordert. (Quelle: flickr/ Proteus250245)

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Frauenquote in Südafrikas Chef-Etagen kommt

4,4 Prozent aller Chefs sind Frauen. Frauenministerin Xingwana hat die Schnauze voll. Frauenlobby siegt

(Autor: Ghassan Abid)

Während Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) sich mittlerweile entgegen ihrer Amtskollegin, der Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU), für eine gesetzlich verordnete Frauenquote für die Wirtschaft ausgesprochen hat, ist die Entscheidung dessen am Kap nun heute gefallen. Südafrikas Frauenministerin Lulu Xingwana verkündete die verbindliche Einführung einer solchen Quote, um die „Ausgrenzung und Unterrepräsentation“ der Frauen in den Führungsetagen der Unternehmen künftig zu unterbinden.

    © 4,4 Prozent aller unternehmerischen Top-Führungskräfte (CEO/ MD) in Südafrika sind Frauen. Das Frauenministerium hat nun genug und kündigt im Haushaltsjahr 2012/13 die Einführung einer verbindlichen Frauenquote per Gesetz an, die für die Privatwirtschaft und den Öffentlichen Dienst gleichermaßen gelten wird. (Quelle: Graeme Williams/ MediaClubSouthAfrica.com)

© 4,4 Prozent aller unternehmerischen Top-Führungskräfte (CEO/ MD) in Südafrika sind Frauen. Das Frauenministerium hat nun genug und kündigt im Haushaltsjahr 2012/13 die Einführung einer verbindlichen Frauenquote per Gesetz an, die für die Privatwirtschaft und den Öffentlichen Dienst gleichermaßen gelten wird. (Quelle: Graeme Williams/ MediaClubSouthAfrica.com)

Als Anlass dient der „Businesswomen Association (BWA) South African Women in Leadership Census 2011“, eine Erhebung der Frauenlobby in Kooperation mit dem einflussreichen Handelsministerium DTI und der Nedbank, wonach Frauen in Führungspositionen nach wie vor eine Minderheit darstellen.

Die Studie kommt für das Jahr 2011 zum Ergebnis, dass lediglich 4,4 Prozent aller Führungskräfte (gemeint sind hierbei die Positionen Chief Executive Officer (CEO) und Managing Director (MD)) von Frauen besetzt sind. Ebenfalls werden 5,3 Prozent aller Vorsitzenden- und 15,8 Prozent der Direktorenfunktionen von einer weiblichen Minderheit wahrgenommen. Im Öffentlichen Dienst beträgt der Anteil von Frauen in Führungspositionen rund 35 Prozent. Somit ist der Anteil dessen höher als in der Privatwirtschaft.

Der "Businesswomen Association (BWA) South African Women in Leadership Census 2011" ist eine Erhebung der Frauenlobby, welche durch das Handelsministerium DTI und die Nedbank unterstützt wurde. Die Ergebnisse für das Jahr 2011 haben die Frauenministerin nun zum Handeln ermutigt. Die von Männern dominierende Wirtschaft am Kap hält sich mit Reaktionen bisweilen zurück. Der Schock scheint tief zu sitzen.

Der „Businesswomen Association (BWA) South African Women in Leadership Census 2011“ ist eine Erhebung der Frauenlobby, welche durch das Handelsministerium DTI und die Nedbank unterstützt wurde. Die Ergebnisse für das Jahr 2011 haben die Frauenministerin nun zum Handeln ermutigt. Die von Männern dominierende Wirtschaft am Kap hält sich mit Reaktionen bisweilen zurück. Der Schock scheint tief zu sitzen.

Frauenministerin Xingwana gab auf Grundlage dieser Werte bekannt, dass sie die weitere Entwicklung nicht den privaten Marktkräften überlassen wird. Das vernachlässigte „Woman Empowerment“ in Südafrikas Unternehmen begründet nun eine Bekämpfung der Frauendiskriminierung, sagte sie. Dementsprechend ist ein Gesetzentwurf im Haushaltsjahr 2012/13 vorgesehen, welcher den Öffentlichen Dienst und die Privatwirtschaft gleichermaßen in die Verpflichtung nehmen soll.

Zudem wird am 25. August 2012 das Gremium „National Council Against Gender-Based Violence“ zur Stärkung der Frauenrechte eröffnet. In diesem Zusammenhang soll der weibliche Opferschutz stärker als bisher gestärkt werden. Maßnahmen zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und Kinder stehen durch die Koordinierungsarbeit dieses Gremiums nun ganze 365 Tage im Jahr auf der Agenda. Die Leitung dessen übernimmt Vizepräsident Kgalema Motlanthe, dem eine entsprechende Geschäftsstelle im Frauenministerium unterstehen wird.

Die deutsche Bundesarbeitsministerin und die südafrikanische Frauenministerin haben beide bei der Einführung einer verbindlichen Frauenquote mit Wohlstandszuwächsen argumentiert. Eine Reaktion der südafrikanischen Wirtschaft auf diesen entschlossenen Kurs von Südafrikas Frauen ist bisweilen nicht zu erkennen.  Der Schock scheint tief zu sitzen.

Filmfestival in Potsdam

Ein Bericht zum „Johannesburg Spezial“ des Filmmuseums Potsdam

(Autor: Ghassan Abid)

Am 27. Mai 2010 startete das Filmmuseum Potsdam in Beisein der südafrikanischen Botschaft und des Dokumentarfilmers Darryl Els erstmalig anlässlich der anstehenden Fußball-WM die Filmreihe und Podiumsdiskussion „Johannesburg Spezial – Filme aus Südafrika“. Eine Woche lang hat das Museum zehn mit der „La Cinémathèque de Toulouse“ ausgewählte Filme aus dem Kapland der deutschen Öffentlichkeit präsentiert, die zueinander von Story, historischen Kontext und Fragestellungen nicht unterschiedlicher sein könnten. Die Auswahl konzentrierte sich, wie aus dem Titel der Filmreihe zu entnehmen, auf die größte Stadt des Landes Johannesburg, die von den Südafrikanern selbst auch als die „Stadt des Goldes“ bezeichnet wird. Hierbei wurden dem Publikum Filme von 1916 bis 2009 vorgeführt.

© Filmmuseum Potsdam (Quelle: 2010sdafrika.wordpress.com)

Dem „eindimensionalen Bild“ der von Negativschlagzeilen und Klischees dominierten Berichterstattung über den afrikanischen Kontinent soll mit dieser Filmreihe begegnet werden, so die Direktorin des Filmmuseum Potsdams, Dr. Bärbel Dalichow. Allerdings deutete sie an, dass die Kino-Abteilung ihres Hauses bis zu dieser Veranstaltung keine Erfahrung mit Filmen des südlichen Afrikas machen konnte.

© Vertreter der Botschaft Südafrikas (Quelle: Filmmuseum Potsdam)

Vertreter der südafrikanischen Botschaft lobten diesen Perspektivenwechsel des Filmmuseums. Venita Smit, 1st Secretary for Communication and Marketing der südafrikanischen Botschaft in Deutschland, überbrachte im Namen des Botschafters S.E. Sonwabo Eddie Funde und der Kulturministerin Lulu Xingwana die Freude Ihres Landes, dass „südafrikanische Filme aus der Vergangenheit hierbei eine europäische Plattform der Vorführung finden konnten“. Venita Smit ergänzte die Direktorin des Filmmuseums dahingehend, dass die ausgewählten Filme einen tiefen Einblick in den Wandel, in die Herausforderungen und die Entwicklungen Johannesburgs als Repräsentation für ganz Südafrika ermöglichen. Der Ruf nach Freiheit verbindet Deutschland und Südafrika, wie von Bundesaußenminister Guido Westerwelle im Rahmen der politischen Konsultationen zwischen beiden Staaten in Pretoria vom April 2010 festgehalten, stärker als angenommen. Während das Volk in Südafrika ihren Ruf nach Freiheit und die Abschaffung der Rassentrennungspolitik à la Apartheid aufrechterhielt, forderte das Volk in Deutschland ein Ende der Teilung in Ost und West.

Der südafrikanische Dokumentarfilmer und Kurator Darryl Els zeigte sich ebenfalls erfreut und hob hervor, dass das „Johannesburg Spezial“ eine „wichtige Möglichkeit für das südafrikanische Kino“ in Deutschland darstelle, vor allem bei der Thematisierung historischer Entwicklungen.

Deutschland und Südafrika haben den Ausbau ihrer kulturellen Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Kinematografie beschlossen. Insbesondere besteht auf südafrikanischer Seite großes Interesse, diese mit dem Filmstudio Babelsberg zu intensivieren. Doch bevor es hierzu kommen wird, eröffneten sich dem Zuschauer im Vorfeld mit den zehn im Filmmuseum Potsdam angebotenen Filmen ein vertieftes kulturelles Verständnis und die Erweiterung des eigenen Horizonten.

Das Südafrika-Portal hat mit freundlicher Unterstützung des Filmmuseums drei Filme rezensiert, eine Podiumsdiskussion begleitet und mit Gästen gesprochen.

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Film: Tsotsi

© Filmszene aus „Tsotsi“ (Quelle: Filmmuseum Potsdam)

Regie: Gavin Hood

Darsteller: Presley Chweneyagae, Mothusi Magano, Kenneth Nkosi

Erscheinungsjahr: 2005

Vorstellung im Filmmuseum Potsdam am 28. Mai 2010

Der Film „Tsotsi“, dessen Regie Gavin Hood übernahm, thematisiert die Schattenseiten Südafrikas, die durch Brutalität, pure Gewalt, Armut, Arbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit dominiert werden. Ein 19-jähriger Bandenführer namens Tsotsi (in Deutsch mit Gangster übersetzbar), gespielt durch Presley Chweneyagae, stammt aus einem Township in Johannesburg und sichert sein Überleben mit Raubüberfallen und kriminellen Dingen ab. Eines Tages jedoch entdeckt er auf der Rückbank eines bei einem bewaffneten Überfall erbeuteten Autos einen Säugling, für dessen Leib und Wohl er plötzlich verantwortlich geworden ist. Tsotsi reflektiert seine eigene traumatische Kindheit und beginnt sich somit selber neu zu entdecken. Brutale Verhaltensweisen ersetzt er allmählich durch moralische Werte und warme Gefühle. Er holt das auf, was er nie genießen konnte – das Gefühl einer Familie.

Der Film spiegelt die gesellschaftlichen und familiären Probleme Südafrikas wieder; untermauert mit ‚farblosen‘ Bildern aus den Slums der Metropole Johannesburgs. Ausgezeichnet mit einem Academy Award, konnte dieser als Vorzeigefilm Südafrikas weltweit einen Erfolg erzielen. Wer für die sozialen Probleme des Landes eine Sensibilität entwickeln möchte, dem empfiehlt sich „Tsotsi“!

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Film: Hillbrow Kids

Regie: Michael Hammon, Jacqueline Görgen

Darsteller: Straßenkinder

Erscheinungsjahr: 1997/98

Vorstellung im Filmmuseum Potsdam am 29. Mai 2010

Hillbrow Kids“, ein deutscher Dokumentarfilm von Michael Hammon und Jacqueline Görgen, liefert ein erschreckendes und zugleich trauriges Bild über die Realität von Straßenkindern in Johannesburg ab. Regisseur Hammon, welcher ebenfalls im Kinosaal anwesend war, erläuterte die dramatische Situation der Verlierer Südafrikas; oder wie er es ausgedrückt: „der ersten Generation nach der Apartheid“. Ohne Ausbildung und ausreichender Lebensmittelversorgung sowie Unterkunft, greifen viele Kinder nach Glue/Klebstoff, um Hunger und Ängste für einen Moment weg schnüffeln zu lassen. Aus desaströsen Familienverhältnissen flüchteten die Protagonisten des Films – Vusi, Jane, Silas, Bheki und Shadrack – nach Johannesburg und müssen allmählich begreifen, dass es ihnen in der Metropole genauso schlecht geht wie in den Townships. Vergewaltigungen, Infektionen, Gewalt und Hunger erscheinen als unsichtbare Begleiter der Kinder, welche manchmal mit vollem Schmerz in Erscheinung treten.

Hammon und Görgen drehten zuerst ohne Sicherheitsvorkehrungen in Johannesburg, mussten allerdings nach zwei negativen Vorfällen eine Security zur Absicherung der Dreharbeiten engagieren. „Hillbrow Kids“ ist nicht nur ein trauriger Spielfilm, sondern ein schockierendes Abbild der Wirklichkeit, der den Zuschauer zum Nachdenken über das Ich und die Welt anregt. Einige der in der Dokumentation vorgestellten Kinder leben heute nicht mehr. Ein Film, ungeeignet für Menschen mit schwachen Nerven.

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Film: Mapantsula

Regie: Oliver Schmitz

Darsteller: Thomas Mogotlane, Marcel van Heerden, Dolly Rathebe

Erscheinungsjahr: 1988

Vorstellung im Filmmuseum Potsdam am 30. Mai 2010

Südafrika in den 1980er Jahren: Die schwarze Mehrheitsgesellschaft will und kann die Apartheid nicht länger dulden. Ihren Protest sucht diese verstärkt auf den Straßen. Zufällig gerät ein Taschendieb aus Soweto, namens Panic (gespielt von Thomas Mogotlane), in eine Demonstration von Regierungsgegnern und wird daraufhin verhaftet. Ein weißer Polizist, als Repräsentation für die Apartheid (gespielt von Marcel van Heerden), versucht mit Zuckerbrot und Peitsche den Taschendieb für eine Infiltrierung von schwarzen Bürgerrechtlern und Gewerkschaftern zu gewinnen. Anfänglich gelingt dem Polizisten eine Kollaboration des Taschendiebs mit dem Repressionsregime, muss jedoch über die Zeit harte Verhörmethoden und Folter anwenden. Denn Panic sympathisiert allmählich mit der Idee, dass Südafrika eine Nation aller Südafrikaner wird und jeder, unabhängig von der Hautfarbe, frei leben kann.

Dieser Film aus der Klassikreihe des südafrikanischen Kinos, auch wenn dieser 1988 produziert wurde, ist zu Apartheidzeiten versteckt und mit hohem Risiko gedreht wurden. Die Kritik an dem Regime der weißen Minderheitsherrschaft wurde für den Regisseur wie erwartet schnell zum Verhängnis – der Film ist verboten worden. „Mapantsula“ ist ein politischer Film mit einer klaren Message: Nein zur Apartheid, ja zur Freiheit und Demokratie. Jedoch verliert sich der Zuschauer relativ schnell in lange Konversationen und „leblosen“ Bildern.

Podiumsdiskussion zur Apartheid und Filmindustrie Südafrikas:

Am 1. Juni 2010 veranstaltete das Filmmuseum Potsdam ebenfalls eine Podiumsdiskussion zum Thema: „Johannesburg – 20 Jahre nach der Apartheid, im Jahr der Fußball-WM”.

© Filmemacher Darryl Els (Quelle: 2010sdafrika.wordpress.com)

Darryl Els, Johannesburger Filmemacher und Kurator, hielt die „Stunde Null“ fest, wonach mit der ersten demokratischen Wahl in Südafrika im Jahre 1994 ein Wendepunkt eingetreten ist. Denn mit der Abschaffung der Apartheid ist Schwarzen eine Tätigkeit im Bereich der Filmproduktion eröffnet worden. Problematisch sei jedoch der Umstand, dass mit dem Umbruch viel vom Erbe südafrikanischen Kinos verloren gegangen ist. Es bestünde beim südafrikanischen Film keine Kontinuität. Enttäuscht zeigte er sich über die Versuche, nach 1994 die Vergangenheit Südafrikas kinematografisch aufzuarbeiten.

Einstimmigkeit mit den anderen Gästen herrschte auch beim Aspekt Filmqualität. Das heutige Südafrika produziert vor allem Filme des Genre Comedy, wie z.B. „Mr. Bones“ vom Regisseur Leon Schuster, welche in punkto Umsatz erfolgreich waren, bei Qualität und Niveau jedoch durchgefallen seien. Die Filmindustrie in Südafrika fällt unter dem Zuständigkeitsbereich vom Department of Arts and Culture (Kulturministerium) und Department of Trade and Industry (Industrieministerium), doch bestünde auch bei der Förderung dieses kostspieligen und beschäftigungsintensiven Industriezweiges weiterhin Handlungsbedarf. Darryl Els betonte als eigene Zielvorstellung „to create a film culture“, sodass diese Entstehung einer Filmkultur mit Berlin als Ausbildungsort begegnet werden könnte.

Renate Tenbusch, Referentin für Südafrika im Referat Afrika der Friedrich-Ebert-Stiftung, untermauerte die einstige Dominanz von weißen Südafrikanern beim staatlichen Rundfunk, der South African Broadcasting Corporation (SABC), welche mit der Demokratisierung des Landes aufgebrochen wurde. Insbesondere lobte sie das nationale Mediengesetz, welches ihrer Einschätzung nach zu den progressivsten weltweit hinzugewählt werden kann. Die Umsetzung sei jedoch eine andere Thematik. Ihren Aussagen nach befinden sich in Südafrika lediglich 100 Kinos, vor allem in den Großstädten, die durch Filmproduktionen aus Hollywood und Bollywood dominiert werden, jedoch zu selten durch südafrikanische Filme hervorstechen.

Dr. Ben Khumalo-Seegelken, Theologe und Anti-Apartheid Aktivist, fasste das südafrikanische Kino als ein Ort der Weißen auf – zu Apartheidzeiten und bis zum heutigen Tage. Der Theologe deutete an, dass die schwarze Mehrheitsgesellschaft mit sozialen Problemen zu kämpfen hat und soziopolitische Missstände im Lande bisweilen nicht ausreichend angegangen worden sind. Demnach kann hierbei interpretiert werden, dass das Kino für schwarze Bürgerinnen und Bürger damals aufgrund des Verbotes und heute bedingt durch die Armut eine untergeordnete Rolle einnimmt.

Teboho Edkins, ebenfalls Filmemacher, kritisierte die WM als kommerzielles Event dahingehend, da sich dem deutschen Publikum eine mediale Flut an Südafrika-Beiträgen auftut, jedoch diese nach dem Ende der Weltmeisterschaft schlagartig verschwinden wird. Auch stimmte er der Forderung von Darryl Els und Renate Tenbusch zu, wonach südafrikanische Filme mehr Qualitätsstandards und „Ästhetik“ verfolgen sollten.

© Podiumsdiskutanten (Quelle: Filmmuseum Potsdam)

Dorothee Wenner, Moderatorin des Podiums und Afrika-Delegierte der Berlinale, befürwortete hingegen deutsche Filmproduktionen in Südafrika, da hierbei die technische Ausbildung von Südafrikanern wahrgenommen wird, ganz dem entwicklungspolitischen Ziel von ´Skills Development´. Diese Aussage löste allerdings gegensätzliche Reaktionen aus. Klar wurde, dass ein Spannungsverhältnis zwischen der Ausbildung von Südafrikanern und dem Klischee behafteten Afrika-Bild von deutschen TV-Produktionen herrsche.

Letztendlich waren sich die Diskutanten darüber einig, dass der soziopolitische Wandel in Südafrika auch in der Filmindustrie zu  spüren ist. Ferner kommt hinzu, dass Afrika-Filme in der öffentlichen Wahrnehmung nach wie vor „Problem behaftet“ seien. Ein negativer Touch hafte an diesen Produktionen. Umso erschreckender ist die Tatsache, dass in ganz Afrika weniger Kinos vorzufinden sind, als in Berlin und Umland. Ferner seien in Washington 300 deutsche Korrespondenten tätig, jedoch lediglich 15 Journalisten in Subsahara-Afrika. Diese in Zahlen ausgedrückte  „Bilderlosigkeit von Afrika und afrikanischem Kino„, wie von der Afrika-Delegierten der Berlinale umschrieben, sitze weiterhin tief in der deutschen Öffentlichkeit.

Resumée des Südafrika-Filmfestivals: Eine Zuschauerin bewertet:

Sylvia Brandt, Berlinerin, ist durch den Rundfunk Berlin-Brandenburg auf die Veranstaltungsreihe „Johannesburg Spezial“ aufmerksam geworden und freut sich, Filme aus Südafrika sehen zu können, zumal einer ihrer Freunde nach Johannesburg ausgewandert ist. Sie hatte sich in der Vergangenheit bereits einige Filme angeschaut, bemängelte jedoch das ausbleibende Echo südafrikanischer Filme in Deutschland. „Dies finde ich sehr traurig“, untermauerte Sylvia Brandt die geringe Anzahl südafrikanischer Filme in den deutschen Kinos. Sie würde es umso schöner finden, wenn Filmproduktionen vom Kap der guten Hoffnung verstärkt dem deutschen Publikum – auch in den Landessprachen – präsentiert werden könnten. Demnach ist dieses Kino-Angebot des Filmmuseum Potsdam wertzuschätzen. Diesem Lob und Wunsch kann sich die Redaktion nur anschließen!

Exklusiv-Interview mit Zanele Muholi

Im exklusiven Hintergrundgespräch mit der wohl provokantesten Künstlerin Südafrikas

(Autor: Ghassan Abid)

© Künstlerin Zanele Muholi

Zanele Muholi, 1972 im Township Umlazi/Durban geboren, ist ausgebildete Fotografin sowie Aktivistin für Frauenrechte und gleichgeschlechtliche Partnerschaften. Ihre Foto-Kunstwerke präsentieren den Körper schwarzer Frauen, insbesondere deren Intimität. Im konservativen Südafrika stößt dieser offene Umgang mit dem weiblichen Körper nicht immer auf Gegenliebe.  Als im März 2010 die südafrikanische Kulturministerin Lulu Xingwana eine Ausstellung mehrerer schwarzer Künstlerinnen in Johannesburg eröffnen sollte, jedoch diese die Fotos von Zanele Muholi zu Gesicht bekam, denunzierte die Ministerin ihre Kunst als „unmoralisch, pornografisch und entgegen eines nationalen Zusammenwachsens“ und verließ daraufhin empört die Ausstellung. Nicht desto trotz erhält Zanele Muholi, welche in einer lesbischen Beziehungen lebt, seitens der internationalen Kunstszene viel Zuspruch, Respekt und Auszeichnungen. Das Südafrika-Portal freut sich umso mehr, diese interessante „Power-Frau“, die keinen Blatt vor den Mund nimmt, interviewen zu dürfen.

2010sdafrika-Redaktion: Zanele Muholi, wir freuen uns Sie auf „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ begrüßen zu dürfen! Die Mehrheit der südafrikanischen Gesellschaft, vor allem Männer, verabscheuen Homosexualität. In Deutschland ist diese aggressive Atmosphäre gegenüber diesen Bürgern ebenfalls existent. Ich habe von Ihrer lesbischen Beziehung erfahren. Welche persönlichen Erfahrungen haben Sie und Ihre Partnerin bereits machen müssen?

Antwort:Es sind nicht nur Männer, die mit der Homosexualität Schwierigkeiten haben, sondern auch die Frauen. Wir können nicht sagen, dass das Problem der Homosexualität einer patriarchalischen Natur unterliegt – es geht vielmehr um die Tatsache, dass unsere Gesellschaft nach heterosexuellen Wertmaßstäben ausgerichtet ist. Ja, Männer sind diejenigen, die Lesben zwecks „Heilung“ zu einer „richtigen“ Frau vergewaltigen. Mir sind aber auch Fälle bekannt, wonach Familienangehörige – gerade Mütter – Männer zur Vergewaltigung ihrer lesbischen Tochter bitten, damit diese zu einer sauberen „Afrikanischen“ Frau rückgängig gemacht wird; gemeint ist hierbei eine Frau die heiratet und ein Kind gebärt. Das ist der Zustand, in welcher das Patriarchat und die Heterosexualität sich überkreuzen und eine falsche Auffassung darüber erzeugen, wonach nur heterosexuelle Frauen heiraten und Kinder zur Welt bringen können. Aber es gibt in meiner Gemeinschaft so viele lesbische Mütter, deren Kinder unter den verschiedensten Umständen gezeugt wurden.

Ich persönlich musste vor vielen Jahren zuvor ein aus Hass begangenes Verbrechen erfahren, als die Mutter meiner Partnerin mich aufgrund meiner lesbischen Ausrichtung geschlagen hatte. Sie beschuldigte mich ihre Tochter zu „solchen Dingen“ zu beeinflussen und beschimpfte mich als „Perversling“.

So habe ich die Homophobie begreifen und diesbezügliche Erfahrungen mit der Mutter meiner Ex-Freundin machen müssen. Aber andererseits habe ich niemals eine schlimme homofeindliche Erfahrung in meiner eigenen Familie, als auch bei meinen Freunden gemacht.

© Fotografie: Musa Ngubane and Mabongi Ndlovu, Johannesburg

Meine geliebte Mutter Bester Ziqubu Muholi, die am 27. September 2009 von uns ging, betrachtete alle meine Partnerinnen als ein Bestandteil ihrer Familie. Sie lehrte uns jeden zu lieben und zu akzeptieren. Meine Ex-Partnerinnen sind weiterhin bei uns zu Hause seitens meiner Brüder und Schwestern willkommen, auch nachdem meine Mutter von uns gegangen ist, weil sie meiner Familie die Akzeptanz und den Respekt der Vertrautheit lehrte, als auch die Liebe zwischen mir und meinen Partnerinnen. Sie akzeptierte jede Einzelne nicht als meinen Freund oder meine Schwester, sondern als meine Partnerinnen.

Als Aktivistin, bin ich gerade als schwarze Lesbe in Südafrika diskriminiert worden. 2004 schrieb mir ein Dienstleister einen Brief und erklärte, dass er kein Projekt finden könne, welches mit verworrener Homosexualität zu tun hat. Der aktuellste Vorfall ereignete sich als die Ministerin für Kunst und Kultur, Lulu Xingwana, eine Gruppenausstellung unter dem Titel „Innovative Women“ anlässlich meiner Fotografien verlassen hatte, da Sie der Überzeugung ist, dass diese Bilder nackter Lesben „unmoralisch“ und gegen das „nationale Zusammenwachsen“ seien.

2010sdafrika-Redaktion: Wie geht die südafrikanische Regierung unter Jacob Zuma mit diesem Intoleranz-Problem um?

Antwort:2006 ist Jacob Zuma von einer jungen Frau, einer langjährigen Freundin der Familie, der Vergewaltigung beschuldigt worden. Die Frau ist in den Medien unter dem Namen Khwezi bekannt, allerdings ist das nicht ihr richtiger Name. Der Fall landete vor Gericht und Zuma wurde von den Anklagevorwürfen freigesprochen. Die junge Frau ist als Lesbe identifiziert worden und die alten sexisischen Geschichten über weibliche Opfer sexueller Übergriffe sind vor Gericht zwecks Verunglimpfung weitergeführt worden – sie wollte Sex; sie sei eine unbeständige Frau und die ältere Männer-Version wurde zur glaubwürdigen des ganzen Falles. Das ist nicht neu. Aber was am Fall so erschreckend ist, dass gleichwohl Männer und Frauen Khwezi mit heftigen Reaktion und Gefühlen begegnet haben. Täglich sindDemonstrationen zur Verurteilung ihrer Person abgehalten worden, wenn nicht gar zu ihrem Tod. Khwezi ist heute ausgewandert und fühlt sich bei einer Rückkehr nach Südafrika nicht mehr sicher. Wenn man in dieser Dynamik die Handlungen der Ministerin für Kunst und Kultur, Lulu Xingwana,  bewertet – welche eine Frauen-Ausstellung verlassen hatte, weil sie die Fotografien von nackten Lesben als „unmoralisch“ und gegen das „nationale Zusammenwachsen“ auffasste – dann würde ich sagen, dass das Zusammengehörigkeitsprojekt in Südafrika über die bloßen Rechte auf Papier hinausgehen sollte, als in unserer Verfassung von 1996 niedergelegt.

2010sdafrika-Redaktion: Sie sind eine Angehörige der Zulus, einer ethnischen Gruppe im Osten Südafrikas. Welche Charakteristika prägen Zulus im Vergleich zu anderen Gruppen?

Antwort: Die Sprache, traditionelle Gewohnheiten auch als „ilobolo“ – in der Sprache Sesotho mit „Mahadi“ – bezeichnet; manchmal mit „bride price“ (= Brautpreis) übersetzt, stellt einen traditionellen Brauch im südlichen Afrika dar, wo der Mann bei einem Heiratsantrag der Familie seiner Verlobten Geld zahlt.

Wir haben traditionelle Medizin, Tanz, Musik, Essen, Religion – so steht die Shembe Kirche in Verbindung mit einigen Mitgliedern unseres Stammes, traditioneller Bekleidung und Dekoration wie zum Beispiel Perlen und vielen anderen Elementen, welche Tag für Tag aufgrund der Modernität entschwinden; von vielen als Kultur empfunden.

2010sdafrika-Redaktion: Viele Südafrikaner beurteilen Sangomas – traditionelle Heiler – wichtiger als westliche Mediziner. Welcher Bedeutung würden Sie den Sangomas Ihrer eigenen Gesundheitsversorgung geben? Wissenschaftler und Vertreter von Nichtregierungsorganisationen kritisieren Sangomas für das Vorantreiben von Vergewaltigungen an Jungfrauen, um auf diesem Wege eine vermeintliche HIV-Infektion heilen zu können. Was ist Ihre Sicht der Dinge?

Antwort: Es ist grob vereinfacht zu behaupten, dass alle Sangomas der verschiedenen ethnischen Traditionen und Kulturen in Südafrika ihre Heilpraxis auf selben Wege betreiben, genauso es allzu simpel ist anzumaßen, dass alle westlich-ausgebildeten Mediziner über  selbe Werte, Ethik, Behandlungen und Wissen verfügen. Viele Sangomas sind bestrebt mit westlicher Medizin zu arbeiten und westliches Wissen in ihrer traditionellen Heilbehandlung zu berücksichtigen, insbesondere bei HIV/AIDS. Aber dies bedeutet nicht, dass ich auch nicht westliche Medizin annehme, sofern es mir helfen kann. Vielleicht gibt es einige Sangomas die behaupten, dass Sex mit einer Jungfrau HIV heilen wird, was nicht wahr ist. Allerdings habe ich Achtung vor alternativer Medizin. 2008 führte ich Regie einer Dokumentation mit dem Titel „Isangoma: Urban Shaman„, eine Geschichte über eine weibliche traditionelle Heilerin, die im kosmopolitischen Toronto behandelt. Jedoch ist es auch eine Story, die ihre Wiederholung findet, wie eine urbane Legende. Niemand weiß mehr wo diese Lehre anfing oder wer damit angefangen hat. Ja, es gibt Männer die glauben diese sei wahr. Aber nochmals – solche Volksmärchen zielen darauf ab, eher durch das Volk als durch die meisten Sangomas verbreitet zu werden.

2010sdafrika-Redaktion: Ihre Ausstellungen und Kunstwerke sind in einigen Fällen wirklich provokant, wie das Projekt „Massa“ and Mina(h)“. Über was handelt dieses und was bedeutet „Massa“ and „Mina(h)“?

Antwort: Das Projekt basiert auf das Leben und die Geschichte meiner Mutter. Ich beziehe mich auf meine eigenen Erinnerungen und zolle gegenüber ihrer domestizierten Rolle als Arbeiterin für die gleiche Familie seit 42 Jahren Achtung. Die Reihe soll alle häuslichen Angestellten auf der Welt anerkennen, die weiterhin ihre Würde abquälen, zumal sie am Arbeitsplatz oftmals körperlicher, finanzieller und emotionaler Gewalt begegnen.

© Fotografie aus der Ausstellung ´Massa and Mina(h)´

In dieser Reihe wandelte ich meinen eigenen schwarzen Körper in einen Kunstgegenstand um. Ich ermöglichte verschiedenen Fotografen mein Erscheinungsbild nach meinen Vorstellungen einzufangen. Ich benutze Performativität [= Begriff der Sprechakttheorie] um die rassischen Angelegenheiten von weiblicher Häuslichkeit anzusprechen – schwarze Frauen betreiben die Hausarbeit von weißen Familien. In der Vergangenheit und bis heute hören wir über Geschichten von vergewaltigten schwarzen weiblichen Hausangestellten oder von jenen, die ein intimes Verhältnis mit dem weißen männlichen Massa haben. Aber betrachten wir es i.S.v. Queer und stellen uns vor, dass diese weißen Damen ihre schwarzen Zimmermädchen lieben würden, mit ihnen intim seien. Vielleicht weil sie als zwei verliebte Frauen einfach etwas gemeinsames teilen oder vielleicht ist es eine völlig sinnliche Beziehung, entweder basierend auf wechselseitigen erotischen Bedürfnissen oder auf ungleicher Macht und Arbeitsbeziehungen, die zwischen schwarzen Frauen und weißen Frauen existieren, sodass die weißen Damen, wie die weiße Massa, aus dieser Situation für sich einen Vorteil ziehen.

Wir wissen es nicht. Und es ist weiterhin ein Tabu darüber zu sprechen. Aber ich werde die Leute darüber zum Sprechen und auf Ethnie, Geschlecht und Sexualität im Kontext von Hausarbeit zum Hinsehen bringen.

2010sdafrika-Redaktion: Welche künstlerischen Ideen bereiten Sie demnächst vor?

Antwort: Ich habe eine „new posed-photographic series“ gestartet, die auf gleichgeschlechtliche Polygamie mit dem vorläufigen Titel ‘Mbhekeni’ abzielt, was „Geschlechtsspezifisches Spektakel“ bedeutet. Die Meisten meiner Projekte sind laufende Arbeiten, sodass ich im Augenblick das fortsetze womit ich begann. Es könnte entweder „Faces & Phases„, „Being„, „Beulahs“ oder meine Blut-Kunstreihe sein, in welcher ich den Schmerz und Verlust von Freunden bzw. Liebhabern durch die vielen Formen von aus Hass begangenen Verbrechen – „heilende Vergewaltigungen“ und Morde – zum Ausdruck bringe.

2010sdafrika-Redaktion: Waren Sie schon in Deutschland? Wie würden Sie die deutsche Kultur beschreiben und welche intuitiven Gefühle verbinden Sie mit Deutschland?

Antwort: Ich weiß nicht viel über deutsche Kultur, sodass ich keine Behauptungen aufstellen möchte. Ich war ein paar Mal in Deutschland und nahm 2006 an der Konferenz „Black Autonomy„, ADEFRA (www.adefra.de), in Berlin teil. Ich werde dieses Jahr nochmal da sein und schwarze lesbische Athleten fotografieren und unterstützen, die 2010 an den „Cologne Gay Games“ [= ´Olympische Spiele´ für Schwule und Lesben] partizipieren werden.

2010sdafrika-Redaktion: Bereiten Sie in Deutschland stattfindende Ausstellungen vor?

Antwort: Ich werde in der Staatsgalerie Stuttgart in einigen Tagen – ’11 Friends‘ – Identity & Otherness – die am 30. Mai 2010 eröffnende Ausstellung präsentieren.

2010sdafrika-Redaktion: Welche Träume würden Sie noch verwirklichen und welche sind bereits erreicht worden?

Antwort: Ich möchte, dass meine Kunstwerke veröffentlicht werden. 2006 hatte ich meine erste veröffentlichte Kollektion – „Only Half the Picture„. 2010 werde ich meine zweite Publikation unter dem Titel ´Faces & Phases´ bei Prestel veröffentlichen.

2010sdafrika-Redaktion: Zanele Muholi, haben Sie vielen Dank für dieses sehr interessante Gespräch!

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Das Interview wurde in Englisch geführt und ist ins Deutsche übersetzt worden. Für das Original-Gespräch in englischer Sprache bitte folgenden Link anklicken: https://2010sdafrika.wordpress.com/2010/05/31/exklusive-interview-with-zanele-muholi/.

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Homepage der südafrikanischen Fotokünstlerin Zanele Muholi:

http://www.zanelemuholi.com/

Exklusive Interview with Zanele Muholi

Exklusive interview with the if possible most provoking artist of South Africa

(Editor: Ghassan Abid)

© Artist Zanele Muholi

In 1972, Zanele Muholi was born in township Umlazi/Durban. She is  skilled photograph as well activist for women´s rights  and homosexual  relationships. Her photography is presenting black women, especially their intimacy. In conservative South Africa meets this open exposure with the female body with much resistance. In March 2010 was planned, that the Minister of Arts and Culture, Lulu Xingwana, should open an exhibition of black female artists in Johannesburg, but as she had seen photos of Zanele Muholi, she denounced her art as „immoral, pornographic and against nation-building„. In consequence of this feelings she leaved angry this exhibition. However, Zanele Muholi, who is living in a lesbian relationship, is receiving by the international art scene much encouragement, respect and awards. Our South Africa web portal is pleased as much more to interview this „power woman“, who don´t to mince one´s words. Weiterlesen