Schlagwort-Archive: Mail & Guardian

Vier Minister in Südafrika entlassen

Presse zeigt sich irritiert über unbegründete Entscheidung des Präsidenten Jacob Zuma

(Autor: Ghassan Abid)

Gestern verkündete das Präsidialamt den Austausch mehrerer Minister und Vizeminister. Wohnungsbauminister Tokyo Sexwale,  Kommunikationsministerin Dina Pule, Regierungsführungsminister Richard Baloyi und Transportministerin Elizabeth Peters sind heute von ihren Ämtern entlassen worden. Hingegen wechselt Energieministerin Dipuo Peters ins Transportressort. Es ist bereits der vierte Ministeraustausch während der Amtszeit Zumas. Die Presse spekuliert über die wahren Gründe.

    © Vier Minister hat Präsident Jacob Zuma heute offiziell entlassen. Von links nach rechts: Kommunikationsministerin, Dina Pule, Transportministerin Elizabeth Peters, Regierungsführungsminister Richard Baloyi und Wohnungsbauminister Tokyo Sexwale. (Quelle: GCIS/ Collage 2010sdafrika-Redaktion)

© Vier Minister hat Präsident Jacob Zuma heute offiziell entlassen. Von links nach rechts: Kommunikationsministerin Dina Pule, Transportministerin Elizabeth Peters, Regierungsführungsminister Richard Baloyi und Wohnungsbauminister Tokyo Sexwale. (Quelle: GCIS/ Collage 2010sdafrika-Redaktion)

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Kap-Kolumne: Bollywood Reality Show

Gupta-Saga: Ein Stück aus dem Tollhaus

(Autor: Detlev Reichel ist der Kap-Kolumnist des Südafrika-Portals. Als Missionskind, Sozialist und einstiger Westberliner Anti-Apartheids-Aktivist berichtet er aus und zu Südafrika.)

Ein Bubenstück wie aus einer Seifenoper, oder besser, aus Bollywood: Die so genannte Gupta-Saga beschäftigt die Medien seit Beginn des Monats Mai. Nahezu täglich fügen neue Informationen ein weiteres Puzzlestück zu einem grotesken Bild des „Guptagate“, wie die Presse schreibt.

    © Ein Privatflugzeug landete am 30. April 2013 auf dem Militärflughafen Waterkloof bei Pretoria. Die Passagiere des Airbus 330 waren keine Militärangehörige, sondern Gäste der indischen Unternehmerfamilie Gupta. Behörden der Zuma-Regierung ermöglichten diese Exklusivlandung. Seither steht die Politik in Pretoria unter massivem öffentlichen Druck. (Quelle: Wikimedia)

© Ein Privatflugzeug landete am 30. April 2013 auf dem Militärflughafen Waterkloof bei Pretoria. Die Passagiere des Airbus 330 waren keine Militärangehörige, sondern Gäste der indischen Unternehmerfamilie Gupta. Behörden der Zuma-Regierung ermöglichten diese Exklusivlandung. Seither steht die Politik in Pretoria unter massivem öffentlichen Druck. (Quelle: Wikimedia)

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Tag der internationalen Pressefreiheit

Südafrikas Demokratie bröckelt: Ein Gesetz bedroht den investigativen Journalismus

(Autor: Ghassan Abid)

UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte zum heutigen Tag der internationalen Pressefreiheit mehr Schutz von Journalisten bei der Ausübung ihrer Berichterstattung. Einschüchterungen, juristische Maßnahmen und sogar Ermordungen sind nach wie vor in vielen Regionen der Welt allgegenwärtig. Südafrikas Regierung steht in den jüngsten Jahren unter der scharfen Kritik nationaler und internationaler Journalisten, die Pressefreiheit aushöhlen zu wollen. Die Zuma-Regierung sucht die Konfrontation mit der kritischen Presse.

© Die Pressefreiheit in Südafrika ist gefährdet. "Reporter ohne Grenzen" stufte Südafrika bereits um 10 Plätze auf den 52. Rang ab. Das Gesetz "Protection of Information Bill" steht kurz vor seiner Inkraftsetzung. Die Regierung versucht, so die Kritiker aus Medien, Opposition und Zivilgesellschaft, die Aufdeckung weiterer Korruptionsskandale zu erschweren. (Quelle: flickr/ Zanthia)

© Die Pressefreiheit in Südafrika ist gefährdet. „Reporter ohne Grenzen“ stufte Südafrika bereits um 10 Plätze auf den 52. Rang ab. Das Gesetz „Protection of Information Bill“ steht kurz vor seiner Inkraftsetzung. Die Regierung versucht, so die Kritiker aus Medien, Opposition und Zivilgesellschaft, die Aufdeckung weiterer Korruptionsskandale zu erschweren. (Quelle: flickr/ Zanthia)

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Blogger Akanyang Merementsi im Interview

Die südafrikanische Pressefreiheit findet keine Anwendung auf Blogger. Wer schützt die Netzaktivisten?

(Autor/ Editor: Ghassan Abid)

Deutsche Interview-Zusammenfassung:

Die Pressefreiheit muss in allen Staaten der Welt, auch in Demokratien, ständig verteidigt werden. In Südafrika steht die Presselandschaft besonders unter Druck. Mail & Guardian, das Flaggschiff des investigativen Journalismus, ist mehrfach durch den Staat und einer Reihe von Konzernen vor Gericht gezerrt worden – aktuell durch die Unternehmens- und Managementberatung Bososa. Die Aufdeckung der Quellen, der Whistleblower, ist in den meisten Fällen das Ziel von juristischen Auseinandersetzungen. Die Verfassung garantiere das Recht auf Quellenschutz, wenn ein hohes öffentliches Interesse bestehe, so der Blogger und selbsternannte „Media-Freak“ Akanyang Merementsi aus Rustenburg. Er bedauert jedoch, dass den Bloggern kein Rechtsstatus auf journalistische Privilegien zusteht – ähnlich in Deutschland. In den USA hingegen existieren bereits Organisationen wie Electronic Frontier Foundation (EFF), die den Bloggern umfassende Hilfe in Öffentlichkeitsarbeit und Rechtsberatung- bzw. vertretung anbieten. Bezüglich der geplanten und vom ANC geplanten Presseregulierung, wonach im Rahmen des sog. Protection of Information Bill Journalisten bei der Veröffentlichung von geheimen Informationen mit bis zu 25 Jahren Haft bestraft werden können, führt Akanyang die Zunahme von Falschmeldungen an. Die südafrikanische Presse hat in den letzten drei Jahren nach Angaben des stellvertretenden Presse-Ombudsmann  für einen Anstieg der Beschwerden von 70 Prozent gesorgt. Falsche Informationen und unethische Meldungen dienen dementsprechend als Grundlage zur Presseregulierung.  Ferner bemängelt Akanyang die fortwährende Schwarz-Weiß-Einteilung der südafrikanischen Gesellschaft und vor allem die von Weißen betriebene Assoziation von Problemen wie Armut, Kriminalität, mangelnde Bildung und Korruption  mit der schwarzen Hautfarbe. Er hasst es, dass Schwarze per se  in „Verdacht“ gestellt werden.

© Akanyang Merementsi, media freak & blogger and worker in mining industry

© Akanyang Merementsi, media freak & blogger and worker in mining industry.

2010sdafrika-editorial staff: We would like to welcome on SÜDAFRIKA – Land der Kontraste – the German Gateway to South Africa – a Rustenburg based blogger Akanyang Merementsi. Dear Akanyang, according to your Akanyang Africa blog you are a “media freak”. Which aims are you following with your online media?

Answer: My blog addresses a range of topics and these include politics and media developments in South Africa (African and abroad). I am passionate about media and politics and this must have something to do with the fact that I almost became a journalist in my last year (2007) at North West University’s Mafikeng campus in the North West province.

At the time I developed a keen interest in media and politics which played a role in my becoming a writer for the university student newspaper, The Album. The stint, however, only lasted for a couple of months until sometime August that year when the university, strangely, decided to close down the newspaper due to lack of funds. In my first issue I had only written one feature involving a student whose residence room had caught fire and burned most of her belongings. I also contributed in the news snips section of the newspaper.

But as for political interests, I hope my Aquarius star attributes of curiosity and inquisitiveness have nothing to do with it. But I suspect they do.

2010sdafrika-editorial staff: You are criticising several cases of organisation that are in confrontation with press institutions. For example in the juridical case between the enterprise BOSASA against Mail & Guardian newspaper. Is the South Africa state sufficiently protecting bloggers and journalists?

Answer: On the Mail & Guardian vs. Bosasa saga I was merely concerned that there was such great silence from other media houses in the country that previously claimed to support press-freedom but had failed to come to the defence of M&G when it was being forced through the Court to reveal sources that had leaked certain information to it. And as far as I understand newspapers like M&G are protected by the Constitution from not revealing their sources if their revelations are “in the public interest”, which the Bosasa stories were, according to my understanding. Therefore it was sad that only one organisation was behind M&G in court while others like Democratic Alliance, Cosatu, etc. were silent.

So journalists enjoy more protection than bloggers (like myself or any other for that matter). This is because, so we are told, we are not and cannot claim to be journalists who enjoy some great protection from the Constitution.

I do not think bloggers can claim to be journalists and therefore claiming their rights, but I truly believe that we bloggers do not enjoy any protection at all to date.

Not even international organisations I have interacted with can easily help me fight any legal battle for me a South African blogger. Or if they were, it would be difficult as they would first have to find their peer in my country who would be willing to represent me. In June last year I asked Rebecca Jeschke, a media relations director at Electronic Frontier Foundation (EFF) – a US-based organisation that fights for what it called the Bloggers’ Rights – about her organisation and what it does. With offices only in San Francisco, Jeschke said the organisation’s “legal guide” whose “law [is] referenced” in the US “likely doesn’t apply to South Africa”.

Asked how EFF defended bloggers in other parts of the world – South Africa as an example, she said they worked on “an activism level”. “We can and do call attention to important international cases, and work on international policy issues. But we don’t do on-the-ground legal work for cases outside of the US”. Although they would not be personally helping bloggers if they faced lawsuits, Jeschke said, however, that EFF can be contacted for assistance and they “will try to help find appropriate legal assistance”. “But we can’t provide that assistance ourselves for cases outside of the US”, she said.

If you will remember a blogger had written a story for which s/he was fined over a million Pounds/Euros/dollars. This, the Court found later, was because, unlike journalists, she was not protected from not disclosing sources. What bloggers can only exercise but with caution is our right to freedom of opinion and expression which are enshrined in the South African Constitution. So this is an indication that bloggers do not have much protection as journalists do.

2010sdafrika-editorial staff: What is your opinion with regard to the ANC’s planned Protection of Information Bill? Will the government be cutting press freedom?

Answer: I have not read the revised version of the proposed regulation, even the old one I had not finished reading. However, those that had read both versions and whose judgements I trust are of the opinion that the Protection of State Information Bill in its current form might be unconstitutional.

For example, at the time of doing writing veteran Human Rights lawyer George Bizos of the Legal Resources Centre reportedly had his submission to Parliament on the bill that: “as it stands, [it] runs contrary to and indeed threatens many of the fundamental values and principles enshrined in the Constitution”. This is the general view in the country and of course many of us are inclined to believe that for as long as the bill is not in line with the constitution as alleged – where the media and press rights and freedom and their constitutional obligations to report without fear and or favour are not recognised, where whistleblowers are protected and that any information can be leaked and or reported in the “public interest” – then we need to be worried and concerned as a nation because many secrets (often by political parties, corruptable businesspeople, government departments and private businesses) are very much likely to be covered up with the passing of these laws.

So by introducing a law such as this and the ruling party’s proposed Media Appeals Tribunal – our media would be very much limited to reporting alleged/suspected corruption where leaked evidence thereof do exist. Therefore, to a great extent, these laws would be “cutting press freedom”.

Having said this, however, the media (especially on MAT proposal) is as much to blame for many of its unethical and irresponsible reporting, some of which are way out of line with the South African Press Codes.

For example, I blogged on May 7 last year, asking: “Is Sunday Times living up to this Code of Conduct?” In another blog entry published at the same time, I asked: “Has Sunday Times breached the Press Codes on its ‘Dis-Grace’ story?” Below is just a few of my articles published on my blog in which I criticise the press/media:

  • M&G newspaper fighting solo Court battle to protects its sources
  • Is Rupert Murdoch doing a Bosasa on M&G?
  • Why our media should sleep on its ‘self-regulation’ bed now more than ever
  • Does the media report or assume news?
  • Is there ’copy and past’ in SA newsrooms?
  • What editors need to do to avoid a repeat of The Star and Daily Sun (newspapers) on Malema
  • Is Avusa Media consistent with columnists?
  • Did Avusa and Sunday Times “raise controversy without thought for the consequences” with Roberts’ column?
  • When should “sources” be used?
  • Interview with SA Press Council and Press Ombudsman
  • Did Sunday Times act “ethically” in publishing “Against The Rules Too” report?
  • Public Protector vindicates me on Sunday Times’ “unethical and unlawful” publication of Against The Rules Too
  • M&G playing political games with anonymous sources?
  • Was Mbeki wrong about Press Freedom in 1996?
  • Sunday World and Sunday Times “slave for formula”?
  • Has Mail & Guardian confused you on the Maharaj saga?
  • Was Sowetan’s Mathale “dare” Zuma claim misleading?

In February this year South African Press Council released figures in which it noted the increase of complaints against newspapers. Deputy Press ombudsman said at the time that there was a 70% increase over the last three years in the number of complaints about incorrect or unethical newspaper reports. He said the complainants grew from 150 in 2009 to 213 in 2010 and 255 in 2011.

While criticising the media on 13 March, Press Ombudsman Joe Thloloe said his office experienced “problems… with the way ([newspapers] ignored correspondences” from his office, naming The Times newspaper as one of the culprits. This, however, is not to say the press should be suppressed as it now is tempted to with these laws although the government has denied this.

© Screenshot to the blog "Akanyang Africa" by Akanyang Merementsi

© Screenshot to the blog „Akanyang Africa“ by Akanyang Merementsi

2010sdafrika-editorial staff: South Africa is still challenged with many socio-political problems like crime, corruption and poverty. Is the government by President Jacob Zuma doing enough for the South African people or which policies should be changed?

Answer: I would like to believe that the government is doing its best – though not enough – to fight poverty and corruption the country. On 11 March 2012, I was called an “idiot” by someone on Twitter when I put it to him that we – especially white people in the country – have a tendency of saying crime, education and corruption is a “Black problem” or the “ANC problem”. Which are not. So for as long we have people who still 18-years into our democracy see crime, education and crime as a “black person’s problem” then we have a long way to go in overcoming these challenges.

I would also like to believe that we have good policies in fighting these but sometimes lack of community involvement (for whatever reasons) is probably one of the reasons why there is little success in sorting out our education, crime and poverty and corruption challenges.

2010sdafrika-editorial staff: Some voices are denouncing the continuous fragmentation of the South African society in blacks and whites. Would you confirm this perception?

Answer: I have realised that we have accepted and see ourselves on racial terms: black and white people. To achieve the rainbow nation envisioned by former President Nelson Mandela will take probably longer than it took apartheid to rule South Africa. Seeing ourselves as just one human race will be hard-work and not an easy road, I must add.

One of the issues that often come up is that of white people failing to accept some of the awful things their forefathers had done to ours. And it is sad that some of these things still happen to this very day. To address this, I would suggested that we have some sort of a Race Debate because surely Desmond Tutu’s Truth and Reconciliation Commission did little job in helping both blacks and whites accept one another and our differences. But at the same time – as mentioned in my blog post published on 25 March 2012 and titled “My ‘Black Man Code’ or is it a ‘Trayvon Martin’ moment? – I think white people “… tend to treat us blacks with suspicion” and I hate it.

Associate Press Writer Jesse Washington coined The Black Man Code and he told his son to “Understand that even though you are not a criminal, some people [white in particular] might assume you are, especially if you are wearing certain clothes”. So to a “black male… [to] go above and beyond to show strangers what type of person you really are” – as Washington told his son to do – it will be difficult because this always gives us blacks The Black Man Code. Worse, it sometimes makes us experience that “Trayvon-Martin moment”.

2010sdafrika-editorial staff: Which impressions do you have from Germany and Germans?

Answer: Unfortunately I cannot form any opinion of Germany and or its people because I have not had any interaction with them.

2010sdafrika-editorial staff: Akanyang Merementsi – media freak & blogger – thank you very much for this interesting interview!

Kap-Kolumne: Kunst in Aktion oder Vandalismus?

Follow-Up: Gericht vertagt „Der Speer-Fall“ und somit die Bewertung der Kunstfreiheit in Südafrika.

(Autor: Detlev Reichel ist der Kap-Kolumnist des Südafrika-Portals. Als Missionskind, Sozialist und einstiger West-Berliner Anti-Apartheids-Aktivist berichtet er aus und zu Südafrika.)

War das Vandalismus oder Aktionskunst? Zwei Galerie-Besucher – angeblich ein Universitätsprofessor und ein Teenager – überschmierten das umstrittene Gemälde des Brett Murray in der Goodman Gallery in Johannesburg mit roter und schwarzer Farbe. Die dem derzeitigen Präsidenten Südafrikas ähnlichen Gesichtszüge und das gemalte Geschlechtsteil sind somit vorerst abgedeckt.

Eklat! Zwei Galerie-Besucher zerstören in der Goodman Gallery in Johannesburg das Gemälde „The Spear“.  Während der ANC das Werk des Künstlers Brett Murray als „rassistisch“ einstufte, vertagte das Gericht am heutigen Tage die weitere juristische Auseinandersetzung zur Bewertung der Kunst- und Meinungsfreiheit am Kap.

Die Klage gegen die Galerie und den Künstler bleibt bestehen, sagte ein ANC-Sprecher nach dem Vorfall. Das Hohe Gericht von Süd-Gauteng vertagte indessen die Anhörung zur Sache auf Donnerstag. Wegen der „nationalen Bedeutung“ der Auseinandersetzung verlangte der Vorsitzende Richter ein volles Gericht mit drei Richtern.

Die Aktion in der Galerie ist vorläufiger Höhepunkt einer rasanten Entwicklung um die Ausstellung „Hail to the Thief II“ des Künstlers Murray seit Freitag vergangener Woche. Als unwürdigen Zirkus bezeichnete der Journalist und Kunstkritiker Matthew Partridge in der Zeitung Mail & Guardian den Umgang der Medien mit dem Gemälde. Partridge spielte damit auch auf die Posen von Kollegen an, die mit ihren Händen am inkriminierten Teil des Bildes herummachten und sich dabei abbilden ließen. Das Bild selber wertere der Kunstkritiker als pubertäre Satire von der Güte eines Schuljungen, der den Rektor ärgern will.

ANC-Generalsekretär Gwede Mantashe bezeichnete das Bild als „rassistisch“. In afrikanischen Sprachen ist der verbale Ausdruck für Geschlechtsteile die schlimmste Beschimpfung und Beleidigung, die man einer Person zufügen kann. Werde jemand mit einem solchen Wort beschimpft, „bedeutet das Krieg“, brachte es Blade Nzimande auf den Punkt. Nzimande, Chef der mit dem ANC verbündeten Kommunistenpartei SACP, meinte manche Leute wüßten offenbar nicht, „in welcher Welt wir leben“.

In der Tat, in diesem Land treffen „erste“ und „dritte“ Welt unter einem Dach aufeinander. Diese Auseinandersetzung im gesellschaftlichen Überbau spiegelt deutlich die Widersprüche der südafrikanischen Gesellschaft wider. Was Kolonialismus und Apartheid mit Hilfe von Rassenideologie und brutalster Gewalt über 300 Jahre lang zu trennen und unterdrücken versuchte, muss nun zusammenfinden. Südafrika wird sich noch sehr viel Zeit geben müssen.

Vor diesem Hintergrund darf man gespannt sein, wie die Richter in dieser Sache entscheiden werden. Sie haben die salomonische Aufgabe, die verfassungsrechtlich garantierte Freiheit der Meinung und der Kunst mit dem Schutz der Menschenrechte und der kulturellen Identität eines jeden Bürgers in Einklang zu bringen.

Fluch der Vuvuzela

Eine Pro-Kontra-Debatte zur Diskussion um die „Terror-Tröten“

Schon hat die Fußball-WM 2010 begonnen, da taucht für so manchen Fußball-Fan eine negative Begleiterscheinung auf – die Lärmkulisse der Vuvuzela. Der „Krachmacher“, so die wörtliche Übersetzung aus der Sprache isiZulu, eröffnet dem Zuschauer ein Erlebnis der afrikanischen Art und untermauert die Freude der südafrikanischen Fans am Fußball. Andererseits kann die Geräuschkulisse der Vuvuzela für so manche Erkrankungen verantwortlich sein. Die Online-Berichterstattung in Deutschland und Südafrika ist sich bezüglich der Einschätzung dieser Tröte noch uneins. Doch vorher jeweils ein Kommentar – Pro und Kontra Vuvuzela.

© Vuvuzela (Quelle: Chris Kirchhoff/ MediaClubSouthAfrica.com)

Pro Vuvuzela
(Ein Kommentar von Ghassan Abid):

Wer eine afrikanische WM aufsucht, der muss auch afrikanische Bräuche, Sitten und Eigenheiten tolerieren, wenn nicht sogar akzeptieren. Die Vuvuzela war schon lange vor der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 ein beliebter Stimmungsmacher der Einheimischen. Ein Instrument, mit welchem man sich austoben und seine Freude am Sport des Fußballs zum Ausdruck bringen konnte. Diese Tröte ist halt eine Art kulturelle Identität, die nicht zur Disposition gestellt werden dürfte. Denn wer eine Vuvuzela verbannen möchte, der positioniert sich somit gegen diese südafrikanische Sportkultur.

Kontra Vuvuzela
(Ein Kommentar von Robert I.):

Das biblische Jericho wurde -so die Geschichte- durch das Geräusch von sieben Trompeten zerstört. Man könnte meinen, dass diese Geschichte zumindest übertrieben ist. Seit dem Aufkommen der Vuvuzelas, Plasiktröten, die bis zu 130 dB (vergleichbar mit einem Presslufthammer oder einer Flugzeugturbine) verursachen können, scheint die Geschichte ein ganzes Stück realistischer. Zwar können 40.000 Plastiktröten in einem Fußballstadion keine Mauern zerstören, dafür aber einiges andere. Zum einen die Stimmung in den Stadien, die sonst üblichen Gesänge werden durch ein einziges, durchgehendes Dauertröten ersetzt. Zum anderen wird es den Spielern auf dem Feld unmöglich, miteinander zu kommunizieren. Dies ist sicherlich auch ein Grund für die sportlich eher schwachen Darbietungen der Mannschaften in den bisherigen Spielen. Außerdem bewegt sich die Dauerbeschallung für die Zuschauer in einem Bereich, in dem das Gehör dauerhaft geschädigt werden kann. Dass das permanente Tröten von Millionen von Zuschauern in aller Welt als extrem störend empfunden wird, fällt neben den Folgen für die unmittelbar Anwesenden nur noch wenig ins Gewicht.

Pressestimmen zur Vuvuzela:

Die südafrikanische Zeitung Sowetan beruft sich auf Studien, wonach die Vuvuzela etwa 127 Dezibel (dB) an Lärm ausstößt und somit lauter ist, als jener von Rasenmähern mit 90 dB oder Kettensägen mit 100 dB. Jedoch hat die FIFA und ihr Präsident, Sepp Blatter, sich ausdrücklich auf die Seite der Vuvuzela-Liebhaber positioniert.

DiePresse.com berichtet aktuell über die Pläne des Schweizer Fernsehens zur Einsetzung von Vuvuzela-Filtern. Das SF analysiere zum gegenwärtigen Zeitpunkt die Frequenz des „Vuvuzela-Krachs“ und prüfe den Einsatz von Filtern zur Geräuscheregulierung.

Der Tagesspiegel macht seinen Unmut deutlicher und spricht von „Lärmbelästigung“, mit welcher sich die britische BBC beschäftigt. Zur Diskussion steht die Etablierung von zwei alternativen Kanälen, die der Zuschauer zur Verfügung gestellt bekommen soll– entweder Fußball-Übertragung im Originalton oder man entscheidet sich für den Kanal mit reduzierter Geräuschkulisse.

Focus bekräftigt hingegen die Gefahr der Vuvuzela als „Virenschleuder“, da bei der Benutzung massenweise kleine Tröpfchen in die Umwelt abgegeben werden, die stundenlang in der Luft bleiben könnten. Auch auf die Hörschäden geht man ein und untermauert die Dringlichkeit einer solchen Regulierung. Hingegen greift Die Zeit kulturelle und ethnologische Aspekte auf und betont sichtlich positiv die Vuvuzela als „ein Fest für die Neue Musik“. Dem kann sich Stern.de nicht anschließen – ganz im Gegenteil. Vielmehr wird die Vuvuzela als „Terror-Tröte der Fußball-WM“ diffamiert.

Die südafrikanische Zeitung Mail & Guardian erkennt im Vuvuzela einen Popularitätsfaktor jenseits der Grenzen des Landes, während die Pretoria News ihre Tröte als kulturelles Phänomen Südafrikas und südafrikanischen Fußballs nicht vermissen möchten.

UMFRAGE:

Es gibt diejenigen, die die Vuvuzela zur WM à la Afrika brauchen und sich damit identifizieren, und jene, die sich Hörschäden und Ansteckungen hilflos ausgeliefert sehen. Bei Facebook fanden sich in knapp 2,5 Wochen bereits 250.000 Vuvuzela-Gegner zusammen, deren Ziel es ist mittels FIFA-Petition eine Verbannung zu erwirken. Jedoch lehnte am 14. Juni 2010 der Weltfußballverband diese Forderung grundsätzlich ab.

Die User des Südafrika-Portals haben bei unserer Vuvuzela-Umfrage wie folgt entschieden:

https://2010sdafrika.wordpress.com/2010/07/01/ergebnis-zur-monatsumfrage-juni-2010-no-2/