Schlagwort-Archive: Mamelodi

„Die Sendung mit der Maus“

WDR-Moderator Ralph Caspers erklärt deutschen Kindern das Leben in Pretoria. Ein Südafrika-Spezial

(2010sdafrika-Redaktion)

Der Westdeutsche Rundfunk (WDR) ist für die Produktion der „Sendung mit der Maus“ zuständig. Im WM-Jahr 2010 entschloss man sich am Kölner Hauptsitz, ein Südafrika-Spezial herauszubringen. Fernsehmoderator Ralph Caspers begab sich in den Flieger. Vor wenigen Tagen wiederholte die ARD die Ausstrahlung dieser Sendung. Gleich zum Anfang waren die am Kap gesprochenen Sprachen Englisch, Afrikaans, Sesotho und IsiZulu zu hören.

© Im Jahr 2010 veröffentlichte der für " Die Sendung mit der Maus" zuständige Westdeutsche Rundfunk (WDR) ein Südafrika-Spezial, das vor wenigen Tagen erneut in der ARD ausgestrahlt wurde. Fernsehmoderator Ralph Caspers hielt sich für die Produktion in Pretoria auf und erklärte den Kindern, wie das Leben am Kap ist. (Quelle: flickr/ dschinnay!)

© Im Jahr 2010 veröffentlichte der für “ Die Sendung mit der Maus“ zuständige Westdeutsche Rundfunk (WDR) ein Südafrika-Spezial, das vor wenigen Tagen erneut in der ARD ausgestrahlt wurde. Fernsehmoderator Ralph Caspers hielt sich für die Produktion in Pretoria auf und erklärte den Kindern, wie das Leben am Kap ist. (Quelle: flickr/ dschinnay!)

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Kap-Kolumne: Einen Monat in Mamelodi leben

Anthropologische Feldforschung oder Durchbrechen von Barrieren?

(Autor: Detlev Reichel ist der Kap-Kolumnist des Südafrika-Portals. Als Missionskind, Sozialist und einstiger Westberliner Anti-Apartheids-Aktivist berichtet er aus und zu Südafrika.)

Im Gegensatz zur Solidarität, die waagerecht verläuft und von gleich zu gleich gewährt wird, wird die Wohltätigkeit von oben nach unten praktiziert, erniedrigt den, der sie erhält, und verändert nie auch nur ein bißchen die Machtverhältnisse.“ Diese Worte des uruguayischen Schriftstellers und Journalisten Eduardo H. Galeano kamen mir ins Gedächtnis, als ich im Radio vom Wohn-Experiment des Julian Hewitt hörte. Hewitt, zurzeit Fellowship Director bei der Allan Gray Orbis Foundation, hat sich und seine Familie im Township Mamelodi bei Pretoria in einer neun Quadratmeter großen Blechhütte einquartiert. Er, seine Frau Ena sowie die beiden kleinen Töchter wohnen dort mit einem Budget von insgesamt 3.000 Rand im Wintermonat August – ohne Auto, ohne Strom, ohne fließendes Wasser und mit einem „Plumpsklo“ draußen. Wer sich näher über dieses Experiment informieren will.

© Die Mehrheit der weißen Südafrikaner weiß bis heute wenig bis nichts von den Lebensbedingungen ihrer schwarzen Mitmenschen in den Townships, hält Kap-Kolumnist Detlev Reichel fest. (Quelle: flickr/ aki.ilari)

© Die Mehrheit der weißen Südafrikaner weiß bis heute wenig bis nichts von den Lebensbedingungen ihrer schwarzen Mitmenschen in den Townships, hält Kap-Kolumnist Detlev Reichel fest. (Quelle: flickr/ aki.ilari)

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Kinder im Township Langa

Ein Kölner Reisefotograf in Kapstadt

(2010sdafrika-Redaktion)

Liebe kann man lernen. Und niemand lernt besser als Kinder. Wenn Kinder ohne Liebe aufwachsen, darf man sich nicht wundern, wenn sie selber lieblos werden.“ Dieses Zitat stammt von der schwedischen Kinderbuchautorin Astrid Lindgren, die 1978 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und 1994 den Alternativen Nobelpreis erhielt. Insbesondere in Südafrika trifft diese Weisheit Lindgrens absolut zu.

© Der Kölner Reisefotograf Dietmar Temps besuchte das Township Langa in Kapstadt und fotografierte die Kinder dieser Xhosa-Gemeinschaft. (Quelle: flickr/ Dietmar Temps)

© Der Kölner Reisefotograf Dietmar Temps besuchte das Township Langa in Kapstadt und fotografierte die Kinder dieser Xhosa-Gemeinschaft. (Quelle: flickr/ Dietmar Temps)

Immer mehr Kommunen streben Projekte an, die in erster Linie die Kinder ansprechen sollen. Die städtische Politik versucht, zumindest für wenige Stunden in der Woche, die Minderjährigen der häuslichen Gewalt, dem Alkoholismus, dem Drogenkonsum und der Armut zu entziehen. Vor allem sportliche Wettbewerbe stehen hoch im Kurs, etwa der Fußballsport in Mamelodi in der Provinz Gauteng.Viele Sozialarbeiter am Kap gehen davon aus, dass sportliche Betätigung und Beschäftigung eine vorbeugende Wirkung auf die Gründung von kriminellen Gangs entfaltet.

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DA gewinnt Kontrolle über 133 ANC-Kommunen

Jacob Zuma bleibt der große Sieger, verliert jedoch Stammwählerschaft – eine Wahlanalyse

(Autor: Ghassan Abid)

Redaktionelle Richtigstellung: Die DA hat die Macht in der NMA-Nelson Mandela Bay Municipality entgegen unserer ersten Meldung vom ANC nicht übernehmen, sondern deutlich ausbauen können. Der Artikel ist bereits korrigiert worden. Einen Dank an den User Johannes für den Hinweis an die 2010sdafrika-Redaktion!

Nun ist es offiziell: Der African National Congress (ANC) bringt knapp 61 Prozent aller Stimmen auf sich, während die größte Oppositionspartei Democratic Alliance (DA) rund 23,80 Prozent an Wählerstimmen gewinnen kann. In absoluten Zahlen bedeutet dies, dass von den 13.353.987 Wählern rund 8,143 Mio. Südafrikaner dem ANC ihr Vertrauen aussprachen. Im Vergleich hierzu wählten 3,177 Mio. Bürger die DA von Helen Zille. Auf diesem Wege wird die DA die bisherige ANC-Repräsentation in 133 Kommunen absetzen, während die Regierungspartei die Macht über 5 DA-Gemeinden übernimmt.

Die Wahlbeteiligung bei den Kommunalwahlen 2011 von 57,6 Prozent fällt höher aus, als bei den Wahlperioden zuvor mit jeweils rund 48 Prozent. Für den Congress of the People (Cope) unter dem Parteichef Mosiuoa Lekota, eine Splitterpartei des ANC, war es die erste Kommunal- und Regionalwahl, welche ernüchternd ausfiel. Auch für die National Freedom Party (NFP), welche sich in diesem Jahr von der Inkatha Freedom Party (IFP) abgespalten hatte, ist es die erste große Prüfung gewesen.

Kommunalwahlen 2000 Kommunalwahlen 2006 Kommunalwahlen 2011
WahlergebnissePartei Ergebnis in absolute Wählerzahlen Ergebnis in Prozent Ergebnis in absolute Wählerzahlen Ergebnis in Prozent Ergebnis in absolute Wählerzahlen Ergebnis in Prozent
African National Congress (ANC) 8,868 Mio. 61,76% 6,315 Mio. 64,07% 8,143 Mio. 60,98%
Democratic Alliance (DA) 2,812 Mio. 19,59% 1,595 Mio. 16,19% 3,177 Mio. 23,80%
Inkatha Freedom Party (IFP) 1,458 Mio. 10,15% 740135 7,51% 478400 3,58%
Congress of the People (Cope)

274074 2,05%

Quelle: Eigene Grafik, basierend auf Zahlen der IEP

Nach Angaben der DA wird davon ausgegangen, dass der Anteil an schwarzen Wählern von einem Prozent auf rund 5 Prozent ausgebaut werden konnte. Dies sind ungefähr eine halbe Million Bürger.

Größter Erfolg für die DA dürfte der Machtausbau in der Nelson Mandela Bay Municipality (Zusammenschluss der Kommunen Port Elizabeth, Uitenhage und Despatch) in der Provinz Eastern Cape sein. Die Nelson Mandela Bay Municipality gilt als eine der wichtigsten Hochburgen des ANC und konnte durch diese knapp gehalten werden. Konstant bleibt die starke ANC-Sympathie insbesondere in den ländlichen Gebieten des Landes, welches die hohen Wählerstimmen begründet. Der Besuch von Präsident Jacob Zuma beim Nationalhelden Nelson Mandela am 17. Mai 2011, also einem Tag vor dem Wahltermin, konnte die Verbundenheit mit der schwarzen Mehrheitsgesellschaft weiterhin festigen. Nach Erkenntnissen von „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ verlor der ANC ebenfalls in den Townships an messbarer Sympathie. Die Korrespondenz bestätigt, dass die ausbleibende Lösungsbereitschaft der Regierung – etwa im Hinblick auf den Wasser- sowie Stromzugang und auf die fortwährende Perspektivlosigkeit – bei den Menschen weiterhin für viel Unmut sorgt.

© Wahlerfolge für den ANC werden zunehmend schwieriger

Die politischen Analysten Südafrikas kommen zu weiteren interessanten Erhebungen. Tinyiko Sam Maluleke von der renommierten University of South Africa (UNISA) erkennt bei der DA in gewisser Weise einen Paradigmenwechsel. Die DA hat sich unter anderem im Armenviertel von Mamelodi bei Pretoria sehr intensiv mit den Problemen der schwarzen Südafrikanern auseinandergesetzt. Diese „leidenschaftliche“ Wähleranwerbung ist durch rhetorische Tricks der DA-Führung optimal ergänzt worden, beispielsweise durch die bewusste Einbindung lokal-afrikanischer Wörter in Interviews mit Helen Zille. Der Journalist und Kolumnist Sandile Memela bewertet die derzeitige Wahl dahingehend, dass jeder der den ANC zu hassen beginnt, im Anschluss die DA wählt. Dieser Wählerschwund ist den Statistiken deutlich zu entnehmen (siehe oben dargestellte Tabelle). Demnach verlor der ANC bei den Kommunalwahlen 2011 im Vergleich zu 2006 rund 3 Prozentpunkte, während die DA ihren Stimmenanteil um rund 8 Prozentpunkte ausbauen konnte.

Die Independent Electoral Commission (IEP), die unabhängige Wahlkommission Südafrikas unter der Führung von Dr. Brigalia Bam, bescheinigt hingegen freie und faire Wahlen. Diese nach Section 190 der südafrikanischen Verfassung zuständigen Institution obliegt es, die Wahlen auf nationaler, provinzieller und lokaler Ebene zu organisieren. Südafrikas junge Demokratie entwickelt sich in eine positive Richtung, so die abschließende Stellungnahme der IEP.