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Leipziger-Flughafen für Südafrika-Logistik nutzen

Im Interview mit Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig über seinen Arbeitsbesuch am Kap

(Autor: Ghassan Abid)

Martin Dulig, Wirtschaftsminister und stellvertretender Ministerpräsident des Freistaates Sachsen, hielt sich im April 2017 zu einem Arbeitsbesuch in Südafrika auf. Begleitet wurde er von einer 26-köpfigen Delegation aus Politik- und Unternehmensvertretern. Dulig führte Gespräche in Johannesburg, Pretoria und Durban. Die Redaktion von „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ sprach mit dem SPD-Politiker über die Ergebnisse seiner Reise. (©Foto: SMWA/Götz Schleser)

2010sdafrika-Redaktion: Wir begrüßen auf „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ den Wirtschaftsminister des Freistaates Sachsen, Herrn Martin Dulig. Sie hielten sich im April 2017 für rund 8 Tage in Mosambik und Südafrika auf. Welche Eindrücke haben Sie mitgenommen?

Antwort: Afrika ist ein aufregender Kontinent. Wobei wir uns ja nur einen ganz kleinen Ausschnitt ansehen konnten. Es ist ein Kontinent voller Widersprüche – mit großem Potential und Chancen, aber auch mit vielen Herausforderungen. Südafrika ist ein Land, welches politisch stabil und wirtschaftlich erfolgreich ist. Damit ist es für viele sächsische Unternehmen eine gute Ausgangsbasis für weitere Engagements auf dem afrikanischen Kontinent. In Mosambik stellte sich die Situation anders dar: Das Land hat für die Zukunft viele Chancen und Perspektiven. Aber politisch und finanziell ist es für viele Firmen derzeit nicht berechenbar. Dennoch lag mir die Reise nach Mosambik sehr am Herzen, da wir dort bereits über ein bestehendes Netzwerk verfügen, das es zu pflegen gilt. Aus DDR-Zeiten gibt es sehr enge Verbindungen, gerade im Bergbaubereich, da viele Mosambikaner im heutigen Freistaat studierten oder arbeiteten und die Kontakte bis heute bestehen.

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„Treffen mit dem ANC kamen nicht zustande“

Im Interview mit der Bayerischen Wirtschaftsministerin Ilse Aigner zu ihrer Südafrika-Arbeitsvisite

(Autor: Ghassan Abid)

© Ilse Aigner, Bayerische Staatsministerin für Wirtschaft sowie Stellvertretende Ministerpräsidentin, besuchte gemeinsam mit einer Wirtschaftsdelegation das Partnerand Südafrika. Die Redaktion von „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ interviewte die CSU-Politikerin. (Quelle: StMWi Bayern)

2010sdafrika-Redaktion: Wir begrüßen auf „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ Frau Ilse Aigner, Bayerische Staatsministerin für Wirtschaft sowie Stellvertretende Ministerpräsidentin. Sie hielten sich vom 9. bis 14. April 2017 in Südafrika auf. Was stand auf dem Programm?

Antwort: Bayern und Südafrika verbindet eine lange Partnerschaft – mit den Provinzen Gauteng und Westkap sogar schon seit über 20 Jahren. Diese Partnerschaften müssen natürlich gepflegt werden. Die politischen Gespräche waren ein wesentlicher Aspekt. Außerdem haben wir bayerische Firmen und Projekte vor Ort besucht. Viele bayerische Unternehmen sind hier schon aktiv oder wollen es werden. Da können mit so einer Reise die entsprechenden Kontakte hergestellt werden. Ein großes Thema ist die Ausbildung qualifizierter Fachkräfte im Land. Südafrika ist ein Stabilitätsanker in der Region und wirtschaftlich auf einem guten Weg. Wenn Sie in Südafrika aber eine Fabrik oder einen Windpark aufbauen, fehlen häufig die entsprechenden Arbeitskräfte. Deswegen war die berufliche Qualifizierung einer der Schwerpunkte auf dem Programm. Aber es ist bei einer Reise in ein Land mit so starken Gegensätzen auch wichtig, beispielsweise in die Townships zu gehen und die andere Seite Südafrikas kennenzulernen. Dank engagierter Initiativen, wie Hope Cape Town oder Amandla EduFootball, gibt es aber hier ebenfalls Fortschritte.

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Deutsche HighTech-Forscher am Kap

Adaption natürlicher Vorbilder: Auf der Suche nach Kunden, Ideen und Talenten in Südafrika

(Autor: Ghassan Abid)

Esslingen am Neckar ist mit seinen rund 90.000 Einwohnern eine kleine Stadt bei Stuttgart. Klein, beschaulich und im Vergleich zu den Großstädten ziemlich unbedeutend. Wäre da nicht das Unternehmen FESTO, welches seinen Hauptsitz in dieser Kommune unterhält und den Standort somit weltberühmt macht.

© AquaJelly des Unternehmens FESTO. Deutsche Forscher entwickelten künstliche autonome Quallen mit elektrischem Antrieb. Sie verfügen über kollektives Verhalten. Mit dieser Erfindung lassen sich Erkenntnisse für die Industrie ableiten. FESTO sucht in Südafrika nach Kunden und jungen Talenten. (Quelle: FESTO)

© AquaJelly des Unternehmens FESTO. Deutsche Forscher entwickelten künstliche autonome Quallen mit elektrischem Antrieb. Sie verfügen über kollektives Verhalten. Mit dieser Erfindung lassen sich Erkenntnisse für die Industrie ableiten. FESTO sucht in Südafrika nach Kunden und jungen Talenten. (Quelle: FESTO)

FESTO ist ein HighTech-Unternehmen aus dem Bereich der Steuerungs- und Automatisierungstechnik, welches sich die Grundlagenforschung auf die Fahnen geschrieben hat. Die forschenden Mitarbeiter verfolgen im Rahmen von „Bionec Learning Network“, einem Netzwerk zur Erlangung von Erkenntnissen für die pneumatische und elektrische Antriebstechnik, eine „Adaption natürlicher Vorbilder“. Dies bedeutet im Klartext, ein für technische Vorhaben nützliches Wissen von der Natur abzuleiten.

Ein Beispiel hierfür ist der SmartBird, ein „ultraleichtes, aber leistungsstarkes Flugmodell mit einer hervorragenden Aerodynamik und maximaler Agilität“, heißt in den FESTO-Publikationen. Den Forschern ist nach eigener Darstellung mit dieser Innovation die Entschlüsselung des Vogelfluges gelungen. Andere Erfindungen – etwa die Konzipierung des wasserhydraulisch betriebenen Aqua_ray (angelehnt an Mantarochen), die selbstständig navigierenden und mit 3D-Sonar ausgestatteten AquaPenguine (angelehnt an Pinguine) oder der AquaJelly (angelehnt an Quallen) – verschafften FESTO eine internationale Reputation und auf diesem Wege den Ausbau seiner nationalen Marktpräsenzen.

Bessere Ventile, Greifer, Antriebe, Sensoren, Vakuumtechniken und Steuerungsmodule ermöglichen als Ergebnisse dieser natur- und tierbezogenen Erfindungen bedeutende prozessuale Fortschritte im Industriesektor. Zusätzlich erhoffen sich die Kunden deutliche Kosteneinsparungen. Die Stadt Esslingen am Neckar berichtet von 150 deutschen Patentanmeldungen durch FESTO pro Jahr, um diese technischen Kreationen für maximal 20 Jahre dem Schutz- und Verbietungsrecht des Deutschen Patent- und Markenamtes (DPMA) in München zu unterwerfen.

SmartBird – Aerodynamisches Flugmodell

 

Aqua_ray – Wasserhydraulisch betriebener Mantarochen

 

AquaPenguin – Selbstständig navigierend und mit 3D-Sonar ausgestattet

AquaJelly – Selbststeuerndes System mit kollektivem Verhalten

Mittlerweile verfügt der Konzern über 59 Landesgesellschaften und 250 Niederlassungen weltweit. In Südafrika ist das deutsche Unternehmen auch längst an mehreren Standorten vertreten. In Isando, gelegen zwischen Johannesburg und dem internationalen Flughafen O.R. Tambo, sind laut einem ehemaligen Angestellten weit über 100 Mitarbeiter – zumeist Südafrikaner – beschäftigt. Aufgrund des strengen FESTO-Betriebsgeheimnisses wird auf seinen Namen verzichtet. Dieser erklärt, dass die Führung sehr offen auf die Mitarbeiter zugeht sowie zwischen Geschäftsfühung und Belegschaft ein auf das Dutzen basierendes Klima gepflegt wird. Die Südafrika-Repräsentanz von FESTO verfolgt zum Einen die Entdeckung von südafrikanischen Talenten aus den Fachrichtungen Maschinenbau, Mechatronik und Elektronik. Mit rund acht Universitäten soll FESTO, so der ehemalige Mitarbeiter, offizielle und inoffzielle Kooperationen unterhalten.

Die Nelson Mandela Metropolitan University (NMMU) in Port Elizabeth spielt in diesem Kontext eine Schlüsselrolle. Die Hochschule hat ein Multimillionen teures Mechatronik-Labor in Empfang genommen. Finanziert wurde diese komplexe Einrichtung – die für Forscher und Studenten aus den Bereichen der Luft- und Raumfahrt, des Automobilsektors und der Chemiebranche gedacht ist – durch den deutschen maritimen Rüstungskonzern Thyssen-Krupp Marine Systems, den US-Autokonzern General Motors und durch FESTO. Somit können Talente entdeckt und gezielt gefördert werden. Hinzu kommt eine Zusammenarbeit mit mehreren südafrikanischen „Further Education and Training (FET) Colleges“, die Mechatroniker ausbilden – etwa das Buffalo City College in East London, Capricorn College in Polokwane, Sedibeng College in Vereeniging, PE College in Port Elizabeth und False Bay College in Kapstadt.

Zum Andern erweist sich die am Kap ansässige Automobilindustrie als fester Kundenstamm von FESTO. Die Kontrolle des Produktionsprozesses beim britischen Automobilhersteller Jaguar Land Rover, die Lieferung von MQB-Modellkomponenten an Volkswagen, die passgenaue Gestaltung von Sitzrahmen für den Fahrzeugsitzhersteller Keiper und der technische Service im Auftrag des Airbag-Herstellers TRW Systems, machen die Baden-Württemberger zu einem der führenden Unternehmen im Bereich der Automatisierungstechnik im südlichen Afrika.

Als zweites wichtiges Standbein dient der Lebensmittel- und Getränkebereich. Die Sicherstellung von hygienischen und kosteneinsparenden Verfahrensabläufen zur Produktion von Lebensmitteln steht im Mittelpunkt von FESTO. Weitere Projekte im Bereich der industriellen Diagnostik, Logistik und Erneuerbaren Energien im Hinblick auf die Solarindustrie & Wasseraufbereitung werden darüber hinaus umgesetzt.

FESTO hat sich mittlerweile zu einem der bedeutendsten HighTech-Unternehmen in Südafrika katapultiert, die viel Geld in die Nachwuchssuche und -förderung stecken. Die Kooperationen mit den Hochschulen ermöglichen den Deutschen den Zugang zum südafrikanischen Hochschulwesen. Bemerkenswert ist, dass FESTO bisweilen den öffentlichen Ausstausch mit der südafrikanischen Regierung gemieden hat; im Gegensatz zur deutschen Automobilindustrie vor Ort, die den unmittelbaren und mittelbaren Dialog zur Politik sucht.