Schlagwort-Archive: Massaker

Filmkritik: Miners Shot Down

Südafrika-Dokumentationsfestival in Berlin – 3. Veranstaltungsbericht

(Autor: Johannes Woywodt)

Marikana ist eine kleine und unscheinbare Bergarbeiterstadt im Nordwesten Südafrikas. Hier, unter der trockenen und staubigen Erde, befindet sich die weltweit größte Abbau- und Förderstätte von Platin. Internationale Großunternehmen sind hier ansässig, um aus den Minen das begehrte Edelmetall zu fördern. Bis zu 25.000 Kumpel arbeiten hier unter Tage. Körperliche Schwerstarbeit bei heißen Temperaturen, die zugleich gesundheitsschädlich und gefährlich ist.

Miners Shot Down

© Auf dem diesjährigen South African Documentary Festival in Berlin ist die Dokumentation „Miners Shot Down“ gezeigt worden. Die Redaktion von „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ schaute sich diese an. (Quelle: Screenshot/ Miners Shot Down)

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Südafrika-Festival als Publikumsmagnet

Podiumsdiskussionen, Konzerte und Filme lockten Berliner an. Doku und Spielfilm werfen wichtige Fragen auf

(2010sdafrika-Redaktion)

Die Veranstaltungsreihe „20 Jahre Demokratie in Südafrika“ vom 28. bis 31. August 2014, initiiert von der südafrikanischen Botschaft in Berlin, war ein voller Erfolg. Auf den verschiedenen Podiumsdiskussionen, Konzerten und Filmvorführungen war das Interesse des Berliner Publikums groß. Politische Bildung mit südafrikanischen Akademikern stand neben einem vielfältigen Kulturprogramm zur Verfügung. Höhepunkt des Festivals dürften zwei kritische Filme sein, die Fragen zur wirtschaftspolitischen und gesellschaftlichen Zukunft Südafrikas aufwerfen.

CJ Glynn

© Die Veranstaltungsreihe „20 Jahre Demokratie in Südafrika“ im Haus der Kulturen der Welt in Berlin war ein voller Erfolg. Besonders zwei Filme haben sich hervorgetan. Während in der Doku „Miners Shot Down“ Kritik an der Polit-Elite und Wirtschaft Südafrikas geäußert wurde, ging es im Spielfilm „Skoonheid (Beauty)“ um gesellschaftliche Probleme. (Quelle: flickr/ CJ Glynn)

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„Südafrikas Entwicklungen besorgniserregend“

Im Interview mit Claudia Bröll, Wirtschaftsjournalistin der Frankfurter Allgemeinen Zeitung

(Autor: Ghassan Abid)

    © Claudia Bröll, Wirtschaftsjournalistin der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (F.A.Z.) in Südafrika.

© Claudia Bröll, Wirtschaftsjournalistin der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (F.A.Z.) in Südafrika.

2010sdafrika-Redaktion: Wir begrüßen auf „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ Frau Claudia Bröll, Wirtschaftsjournalistin der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (F.A.Z.) in Südafrika. Seit 2008 berichten Sie aus Johannesburg und seit 2012 aus Kapstadt. Wie kamen Sie überhaupt ins südliche Afrika?

Antwort: Ich habe Südafrika zum ersten Mal 1996 während eines einjährigen Studienaufenthalts an der University of Cape Town kennengelernt und bin dem Land sowohl beruflich als auch privat treu geblieben. Heute bin ich mit einem Südafrikaner verheiratet, meine zweite Tochter kam in Johannesburg zur Welt und mittlerweile fiebere ich sogar mit, wenn die südafrikanische Rugby-Mannschaft irgendwo aufs Feld läuft.

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Kap-Kolumne: Kultur der Polizeibrutalität

232 Todesfälle in Polizeigewahrsam. Konsequenzen werden gefordert. Die Politik steht in der Verantwortung

(Autor: Detlev Reichel ist der Kap-Kolumnist des Südafrika-Portals. Als Missionskind, Sozialist und einstiger Westberliner Anti-Apartheids-Aktivist berichtet er aus und zu Südafrika.)

Niemals hätte ich geglaubt, wieder solche Bilder aus Südafrika zu sehen. Ein Mensch wird an einem Polizeiwagen gekettet und hinter dem Fahrzeug geschleift. In der Tat, der grausame Tod des mosambikanischen Taxifahrers Mido Macia in Daveyton hat Polizeiwillkür und Polizeibrutalität in Südafrika erneut zum Thema werden lassen. Der von Regierungszwängen befreite ehemalige Minister für Geheimdienste, der Kommunist Ronnie Kasrils, forderte in einem Zeitungskommentar, Präsident Zuma müsse den Polizeiminister und die Polizeipräsidentin (Police Commissioner) entlassen. Es sei Aufgabe der Regierung, der regierenden Partei, der Opposition und der Zivilgesellschaft, sicherzustellen, dass diese bedrohliche Kultur der Polizeibrutalität in eine moralische Grundhaltung transformiert werde, die mit den solidarischen Werten übereinstimme, für die die Befreiungsbewegung gekämpft habe. Offenbar sieht der Ex-Minister das derzeitige Spitzenpersonal der Polizeikräfte nicht dazu in der Lage, diese Aufgabe zu bewältigen.

© Nach dem Tod des mosambikanischen Taxifahrers Mido Macia in Daveyton durch Polizeibeamte, ist in Südafrika eine öffentliche Debatte über Polizeiwillkür und Polizeibrutalität entbrannt. Die Politik steht nun in der Verantwortung, die strukturellen Probleme innerhalb der Polizeibehörde SAPS zu lösen. (Quelle: flickr/ CityPress)

© Nach dem Tod des mosambikanischen Taxifahrers Mido Macia in Daveyton durch Polizeibeamte, ist in Südafrika eine öffentliche Debatte über Polizeiwillkür und Polizeibrutalität entbrannt. Die Politik steht nun in der Verantwortung, die strukturellen Probleme innerhalb der Polizeibehörde SAPS zu lösen. (Quelle: flickr/ CityPress)

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Südafrikas Justiz im Fadenkreuz

Justizministerium versucht Einfluss auf Staatsanwaltschaft NPA auszuüben. Konflikt der Gewalten.

(Autor: Ghassan Abid)

Update vom 02.09.2012: Die NPA hat die Anklage gegen die 270 Bergarbeiter auf Druck der Politik und Medien nun fallen gelassen.

Demokratien zeichnen sich unter anderem dadurch aus, dass die drei Gewalten Exekutive, Legislative und Judikative voneinander getrennt sind und sich gegenseitig kontrollieren. Dieses politikwissenschaftliche Modell der Verteilung der Staatsgewalt auf verschiedene Behörden – welches von Aufklärern wie John Locke, Jean-Jacques Rousseau und Montesquieu gefordert wurde – ist notwendig, um die Freiheit eines jeden einzelnen Bürgers zu wahren. Problematisch wird es dann, wenn eine der Gewalten versucht die Kompetenzen anderer Gewalten zu untergraben, abzunehmen oder aufzuweichen.

© Die Regierungspartei ANC hatte im Jahr 2008 die Ermittlungsverfahren der obersten Strafverfolgungsbehörde des Landes, der National Prosecuting Authority of South Africa (NPA), gegen Präsident Jacob Zuma mit der Entlassung des Behördenchefs Vusumzi "Vusi" Pikoli verhindert. Aktuell attackiert Justizminister Jeff Radebe die NPA für die Einleitung von Anklageverfahren wegen Mordes gegen 270 Bergarbeiter. Erneut droht die Justiz am Kap politisiert zu werden. (Quelle: flickr/ The Presidency of the Republic of South Africa)

© Die Regierungspartei ANC hatte im Jahr 2008 die Ermittlungsverfahren der obersten Strafverfolgungsbehörde des Landes, der National Prosecuting Authority of South Africa (NPA), gegen Präsident Jacob Zuma mit der Entlassung des Behördenchefs Vusumzi „Vusi“ Pikoli verhindert. Aktuell attackiert Justizminister Jeff Radebe (im Bild ganz links) die NPA für die Einleitung von Anklageverfahren wegen Mordes gegen 270 Bergarbeiter. Erneut droht die Justiz am Kap politisiert zu werden. (Quelle: flickr/ The Presidency of the Republic of South Africa)

Im Zusammenhang mit dem Marikana-Massaker vom 16.08.2012 passiert nun das, was für das junge demokratische Staatsgefüge in Südafrika absolutes Gift ist. Nachdem die oberste Strafverfolgungsbehörde, die „National Prosecuting Authority of South Africa (NPA)„, Anklage wegen Mordes gegen  270 Bergarbeiter erhob, hat sich heute unverzüglich die Politik eingeschaltet. Nicht nur Justizminister Jeff Radebe forderte von der NPA eine Rechenschaft zu den Beweggründen der Sammelanklage, sondern auch führende ANC-Mitglieder, die dem Gewerkschaftsdachverband COSATU angehören. Ob ein Gesetz aus der Apartheidsära hierzu überhaupt eine Anwendung finden durfte, sei dahingestellt.   

Die Geschehnisse in Rustenburg & Marikana bedürfen umfangreicher Ermittlungen auf Grundlage des Strafrechts. Diesen Prozess hat die NPA nun eingeleitet. Ihr oberster Auftrag ist es, Tatverdächtige anzuklagen und diese dann gegebenenfalls strafrechtlich zu bestrafen. Die Staatsanwaltschaft hat festzustellen, ob eine Notwehr vorlag, von wem die Angriffe zuerst erfolgten, wer involviert war und ob der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit durch die Polizisten eingehalten wurde. Das Involvieren des Justizministeriums in dieser Angelegenheit bleibt mit einem Beigeschmack bestehen.

© Logo der Strafverfolgungsbehörde NPA: Ihre Unabhängigkeit und damit verbunden die Einleitung von Strafverfahren gegen Politiker und Staatsbedienstete ist der Regierungspartei ANC ein Dorn im Auge.

© Logo der Strafverfolgungsbehörde NPA: Ihre Unabhängigkeit und damit verbunden die Einleitung von Strafverfahren gegen Politiker und Staatsbedienstete ist der Regierungspartei ANC ein Dorn im Auge.

Es ist falsch und nicht angebracht, die Arbeit der NPA öffentlich zu degradieren. Bereits in der Vergangenheit ist diese Strafverfolgungsbehörde mehrfach von der Politik gerügt worden. Bisheriger Höhepunkt war die Suspendierung des damaligen NPA-Chefs Vusumzi „Vusi“ Pikoli durch Präsident Thabo Mbeki. Hintergrund war die Einleitung von Ermittlungsverfahren gegen den mittlerweile verurteilen Polizeichef Jackie Selebi und den gegenwärtigen Präsidenten Jacob Zuma. Im Dezember 2008 feuerte Interimspräsident Kgalema Motlanthe den gefährlichen Widersacher endgültig.

Dieser Vorfall verdeutlicht die Erfordernis der uneingeschränkten Souveränität der NPA, um die Verfassung der Republik Südafrika nicht auszuhöhlen. Leider haben sich aktuell auch alle großen in- und ausländischen Medienhäuser der politischen Regierungsrhetorik angenommen. Manfred Rommel (CDU), ehemaliger Oberbürgermeister von Stuttgart, charakterisierte die Demokratie als „eine Institution, die den Zweifel, das Mißtrauen und die Kritik organisiert. Das macht sie eigentlich auch so erfolgreich.“ Stattdessen wird der Ankläger nun selber (politisch) angeklagt.

Exklusiv-Story: Ein Minenarbeiter packt aus

„Es muss so schnell wie möglich eine Lösung gefunden werden“

(Autor/ Editor: Ghassan Abid)

Deutsche Interview-Zusammenfassung:

Akanyang Merementsi ist Minenarbeiter und Blogger aus der südafrikanischen Provinz North West. Er lebt in Rustenburg. Dem Ort, an welchem das “Massaker” gegen 34 Minenarbeiter begangen wurde. Er war bei den tragischen Ereignissen nicht dabei, kennt aber viele der Leute persönlich. Akanyang untermauert, dass die Arbeiter mehr Geld wollen. Hingegen fühlen sich viele Minenarbeiter nicht mehr durch die Minengewerkschaft NUM angemessen repräsentiert. Es wird vor Ort befürchtet, dass andere Minenarbeiter sich den Protesten in Marikana & Rustenburg anschließen könnten. Diese Solidaritätsbewegung befürwortete Julius Malema, der einstige ANC-Jugendliga-Präsident. Die unangenehme Situation der gegenwärtigen südafrikanischen Bergwerkindustrie erinnere an die 70/80er-Jahre. Einige Minenarbeiter sehen gar einen direkten Vergleich zwischem dem Marikana-Massaker 2012 und dem Sharpeville-Massaker von 1960. Akanyang beklagt, dass niemand die Verantwortung für die Geschehnisse tragen möchte. NUM und AMCU schieben sich gegenseitg die Schuld zu. Auch die Rolle der Polizei könne nicht abschließend bewertet werden. Offiziell hat die Polizeibehörde SAPS das Verhalten der Beamten als Selbstverteidigung deklariert. Die gegenwärtigen Untersuchungen – ausgehend von einer durch Präsident Zuma eingesetzten Kommission und die der polizeilichen Innenrevision „Independent Police Investigative Directorate (IPID)“ – werden den tragischen Vorfällen auf den Grund gehen. Mittlerweile streiken nicht nur die Minenarbeiter, sondern auch deren Ehefrauen und die Lokalgemeinschaften. Auf die Frage hin, ob er Vergeltungsangriffe der Minenarbeiter auf die Polizei befürchte, konnte Akanyang keine Einschätzung dessen abgeben. Der Interviewte betont, dass eine Lösung so schnell wie möglich her muss. Grundsätzliche Entlassungen des Bergbaukonzerns Lonmin würden die bestehende Situation nur verschlimmern. Der gegenwärtige Ruf des Managements lässt sich auf die reine Profitgier reduzieren; die hart arbeitenden Minenarbeiter finden umso weniger Beachtung. Minenarbeiter verdienen mit 4.000 Rand zu wenig, damit es zum Leben ausreicht. Dieser Verdienst soll jedoch nach dem Willen der Belegschaft auf 5.000 bis 12.000 Rand angehoben werden – also eine Verdreifachung. Dabei handelt sich um die Minenarbeiter in vielen Fällen um sogenannte „Rock Drill Operators“, also unter Tage hart ackernde Bohrer. Die Arbeit der in Rivalität zueinander stehenden Minengewerkschaften NUM und AMCU bezeichnet der Minenarbeiter als „chaotisch“. Mittlerweile verliert NUM zunehmend mehr Mitglieder an AMCU.

© Akanyang Merementsi ist ein Minenarbeiter aus Rustenburg, North West. Er erlebt die Entwicklungen im Bergbausektor Südafrikas jeden Tag aufs Neue. Er fordert eine schnellstmögliche Lösung des Problems. Vor allem die Entlohnung seiner Kollegen decke den Lebensunterhalt definitiv nicht.

© Akanyang Merementsi ist ein Minenarbeiter aus Rustenburg, North West. Er erlebt die Entwicklungen im Bergbausektor Südafrikas jeden Tag aufs Neue. Er fordert eine schnellstmögliche Lösung des Problems. Vor allem die Entlohnung seiner Kollegen decke den Lebensunterhalt definitiv nicht.

2010sdafrika-editorial staff: We would like to welcome on SÜDAFRIKA – Land der Kontraste – the German Gateway to South Africa – the Rustenburg miner Akanyang Merementsi. Dear Akanyang, as a miner you are following the current developments in your home province North West very closely. How could this escalation happen?

Answer: Workers want money and they might go to whatever extent at their exposal to go and get it. At least there were not any destruction to (public) properties by strikers.

The fact that they felt leaderless – after apparently abandoning NUM because it no longer cared about their needs – may have contributed to what we have since the strike started on Aug 10.

From media reports coming live that area as I am far from it – it is likely that this will take longer. There are fears that other mine workers around the area will join in in „solidarity“ as they were advised by expelled African National Congress Youth League President Julius Malema on 18 Aug.

But it is doubtful if they would given the many dead bodies they had witnessed themselves as a result. Some are also suggesting that what happened at Lonmin’s Marikana operations is like to be witnessed at other mining operations not only around the Rustenburg but country wide. But that remains to be seen.

© Einige Minenarbeiter waren mit Messern und anderen Waffen ausgestattet. Die Polizei beharrt bisweilen auf ihr Selbstverteidigungsrecht. (Quelle: Akanyang Merementsi)

© Einige Minenarbeiter waren mit Messern und anderen Waffen ausgestattet. Die Polizei beharrt bisweilen auf ihr Selbstverteidigungsrecht. (Quelle: Akanyang Merementsi)

2010sdafrika-editorial staff: Some media are talking about a state of “civil war”. Are you sharing this view?

Answer: Some have called it a „massacre“ while others have, as you suggest, seen it as a „civil war“ not only between mine workers and their employers.

It is an unpleasant situation that was apparently last seen in the 70s and 80s – one situation many have since likened to the Sharpeville Massacre in 1960.

2010sdafrika-editorial staff: Who bears the blame for the situation?

Answer: There are finger pointing at the moment and no one seems to take responsibility for what happened especially among the unions as to what led to the strike in the first place.

Majority union at Lonmin, NUM, blames its rival, AMCU and the later denies its involvement in having made the strikers even angrier.

As for the shooting on Thursday, the police are yet to admit their actions were wrong. This as National Police Commission has repeatedly defended the police services‘ shooting at the strikers, saying their (police) lives were in danger and therefore they had acted in self-defence.

On Friday President Jacob Zuma announced a commission of inquiry which will try and get to bottom of what actually had transpired during the shooting. The Independent Police Investigative Directorate (IPID) is also said to have announced its own investigation that „will seek to establish if the police action was proportional to the threat posed by the miners“.

2010sdafrika-editorial staff: What is the mood among the miners?

Answer: Media reports quote many miners saying they will continue to strike until their demands are met. Even their wives and local community women had joined in in solidarity, accusing the mine of not treating strikers like human beings. According to a Mail & Guardian Online report, the miners said they will regroup and have a meeting again on Aug 20.

© Die Frauen der Minenarbeiter haben sich den Protesten angeschlossen. Unterdessen sicherte die Regierung den Witwen und Halbwaisen umfassende Unterstützung zu. (Quelle: flickr/ Pan-African News Wire)

© Die Frauen der Minenarbeiter haben sich den Protesten angeschlossen. Unterdessen sicherte die Regierung den Witwen und Halbwaisen umfassende Unterstützung zu. (Quelle: flickr/ Pan-African News Wire)

2010sdafrika-editorial staff: Are you expecting revenge on the cops?

Answer: That is difficult to say. They may want to revenge because, say, their colleagues were killed for nothing except that they only wanted their wage demands met. So I can’t say with certainty as couldn’t the police whether the remaining miner workers would revenge their colleagues deaths or not.

2010sdafrika-editorial staff: Do the miners of Lonmin fearing now a wave of mass layoffs?

Answer: There haven’t been any reports that there will be lay-off yet. I think what is important now is that a solution must be found as soon as possible, and if there are lay-off plans, those will be discussed at a later stage but now when over 50 people have just been shot at, with over 75 being wounded.

Any suggestions of lay-off now will not only be miscalculated but that it might escalate the situation to more than what had been seen in the mining industry. That would also reinforce the perception that the Lonmin management does not want to give salary increases because they are only looking at their profits and own pockets and not the hard working miners‘.

2010sdafrika-editorial staff: What is a mine worker earning on average per month in South Africa?

Answer: It will be difficult to give an average of generally what mine workers earn. Remember just early this year the same category of workers had embarked on a strike at Impala demanding a take home of about R9000.00 because they claimed their take home of about R4000.00 was not enough. Now Lonmin’s Rock Drill Operators also reportedly want their take home to be increased from R4000 or R5000 to R12000.

Besides, you cannot get an average of how much miners earn because their categories of work are not the same.

2010sdafrika-editorial staff: Are wage demands by 200 percent really justified?

Answer: Only they (Lonmin strikers) can say whether that is justified or not.

Importantly, no Lonmin/Impala or any other platinum mining company would operate without Rock Drill Operators – especially when we talk of production.

2010sdafrika-editorial staff: How do you evaluate the work of trade unions NUM and AMCU?

Answer: Their status are in shambles.

NUM is gradually losing membership to AMCU and the latter seems to be dominating – but without the bargaining power at Lonmin – and gradually taking over the mining industry.

2010sdafrika-editorial staff: Thank you very much for this interview. Hope the mining sector in South Africa will get ASAP a sufficient solution on this crisis.

Massakervorwurf: 34 getötete Minenarbeiter

Wut auf Polizei erreicht Rekordhoch. Politik verurteilt  „sinnlose Gewalt“. Julius Malema plant Comeback

(Autoren: Ghassan Abid, 2010sdafrika-Redaktion)

Es kriselt in Südafrika heftig. Jederzeit könnte ein Flächenbrand das ganze Land erfassen. Wie „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ aus einer internen ANC-Quelle erfahren konnte, wird der verbannte Ex-ANC-Jugendliga-Präsident Julius Malema am morgigen Tage in Rustenburg auftreten und die Masse zu instrumentalisieren versuchen. Die Polizeibehörde SAPS mit ihren 157.295 Mitarbeitern steht de facto auf dem Präsentierteller, nachdem mehrere Politiker den Einsatz der Beamten gegen die streikenden Kumpels scharf kritisiert haben. Es scheint, als wolle die Regierungspartei ANC die Polizei nun alleine im Regen stehen lassen.

© 3000 Minenarbeiter in Rustenburg demonstrieren, teilweise unter Gewaltanwendung, für mehr Geld. Zwei Gewerkschaften stritten sich um die Mitglieder. Das britische Bergbauunternehmen Lonmin droht nun mit Entlassungen und die Polizei wird zum Hassobjekt des demokratischen Südafrikas. Die Lage droht weiter zu eskalieren. Der verbannte Ex-ANC-Jugendliga-Präsident Julius Malema wird, so eine vertrauliche Quelle, morgen in Rustenburg die Minenarbeiter unterstützen. (flickr/ Pan-African News Wire)

© 3000 Minenarbeiter in Rustenburg demonstrieren, teilweise unter Gewaltanwendung, für mehr Geld. Zwei Gewerkschaften stritten sich um die Mitglieder. Das britische Bergbauunternehmen Lonmin droht nun mit Entlassungen und die Polizei wird zum Hassobjekt des demokratischen Südafrikas. Die Lage droht weiter zu eskalieren. Der verbannte Ex-ANC-Jugendliga-Präsident Julius Malema wird, so eine vertrauliche Quelle, morgen in Rustenburg die Minenarbeiter unterstützen. (flickr/ Pan-African News Wire)

Was ist passiert. Am gestrigen Tage sind nach offizieller Information der Regierung 34 Minenarbeiter unweit einer Lonmin-Platinmine in der Provinz North West getötet worden. Dies meldete heute das Polizeiministerium. Gestern war noch die Rede von 18 Toten. Ein aufgetauchtes Video des südafrikanischen Reuters-Kameramanns Siphiwe Sibeko erhitzt die Gemüter der Südafrikaner auf die Polizei. Von „Massaker“, „Hinrichtung“ oder „Apartheidstaat“ ist die Rede. Der gestrige Vorfall zählt zum brutalsten Polizeieinsatz im demokratischen Südafrika. Bereits am Montag starben 10 Personen bei der Platinmine Marikana. Erste Untersuchungen wurden nun in Gang gesetzt.

Die Polizei versucht bisweilen ihren Einsatz zu rechtfertigen. Die Beamten  befanden sich in einer Extremsituation, nachdem mehrere Streikende mit Macheten, Messern und anderen Waffen ausgestattet waren. Es heißt von der SAPS, dass die Behörde zuerst Wasserwerfer einsetzte, dann zu Tränengas überging und als ultima ratio letztendlich von Schusswaffen Gebrauch machen musste. Insgesamt waren 3.000 Minenarbeiter an den Protesten beteiligt.

© Nach aktuellster staatlicher Meldung sollen in Rustenburg rund 34 Minenarbeiter durch Polizisten erschossen worden sein. (flickr/ Pan-African News Wire)

© Nach aktuellster staatlicher Meldung sollen in Rustenburg rund 34 Minenarbeiter durch Polizisten erschossen worden sein. (flickr/ Pan-African News Wire)

Kritiker sehen Ähnlichkeiten zu den Polizeieinsätzen des Apartheidregimes der 1960/70er-Jahre. Andere Kommentatoren untermauern die Gefahrenlage der Beamten, nachdem bereits am Montag zwei Polizisten durch Minenarbeiter ermordet und entwaffnet worden sind.

Präsident Jacob Zuma, der eine Teilnahme am SADC-Gipfel in Mosambik früher als erwartet beendet hat, zeigte sich über die hohe Anzahl der Toten und die „sinnlose Gewalt“ entsetzt. Er geht sogar weiter und kritisiert die Polizei, indem er festhält, dass in der demokratischen Ordnung Südafrikas weitere Handlungsmöglichkeiten des Dialogs bestehen, um nicht bestehendes Recht zu brechen oder Gewalt anwenden zu müssen. Ebenso zeigten sich andere ANC-Politiker und Gewerkschaftsführer schockiert.

© Protestierende Minenarbeiter wollen mehr Geld und Werschätzung. Sie verharren weiterhin in Blockadehaltung. Die Polizei fürchtet eine weitere Eskalation. Im Kapland kriselt es gewaltig. (flickr/ Pan-African News Wire)

© Protestierende Minenarbeiter wollen mehr Geld und Werschätzung. Sie verharren weiterhin in Blockadehaltung. Die Polizei fürchtet eine weitere Eskalation. Im Kapland kriselt es gewaltig. (flickr/ Pan-African News Wire)

Die Streitigkeiten zwischen den Minengewerkschaften NUM und AMCU konnten weiterhin nicht beigelegt werden. Auch die Verhandlungen zwischen den Kumpels und dem britischen Minenkonzern Lonmin gelten als gescheitert. Die Minenarbeiter fordern unter anderem Lohnerhöhungen von rund 200 Prozent. Das in London ansässige Unternehmen hat die Platinproduktion im ganzen Land einstellen müssen. Südafrika beherbergt rund 80 Prozent des weltweiten Platinvorkommens.