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Wirtschaft fürchtet ANC-Parteitag in Mangaung

Verstaatlichung und höhere Lohnforderungen beunruhigen Südafrikas Wirtschaftsbosse

(Autor: Ghassan Abid)

– ANC-Parteitag-Spezial –

Es ist ungewöhnlich, wenn führende Vorsitzende südafrikanischer Unternehmen sich dazu veranlasst sehen, einen offenen Brief an die Regierung und damit verbunden an den ANC zu richten. Bereits in der Vergangenheit kritisierten die Chefredakteure der größten Zeitungen Südafrikas ganz offen die Secrecy Bill. Man fürchtete die Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit. Nun schließt sich die Wirtschaft der Sorge um die Zukunft des Landes an. Sie warnt die Regierung davor, in Mangaung einen Fehler zu begehen.

    © Südafrikas Wirtschaft fürchtet einschneidende Entscheidungen auf dem 53. Bundesparteitag des Afrikanischen Nationalkongresses in Mangaung. Der sog. "zweite Übergang" könnte Modelle der Liberalisierung bis hin zum Staatsinterventionismus aufgreifen. Die Debatte steht erst an. (Chris Kirchhoff/ MediaClubSouthAfrica.com )

© Südafrikas Wirtschaft fürchtet einschneidende Entscheidungen auf dem 53. Bundesparteitag des Afrikanischen Nationalkongresses in Mangaung. Der sog. „zweite Übergang“ könnte Modelle der Liberalisierung bis hin zum Staatsinterventionismus aufgreifen. Die Debatte steht erst an. (Chris Kirchhoff/ MediaClubSouthAfrica.com )

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Fluch der Vuvuzela

Eine Pro-Kontra-Debatte zur Diskussion um die „Terror-Tröten“

Schon hat die Fußball-WM 2010 begonnen, da taucht für so manchen Fußball-Fan eine negative Begleiterscheinung auf – die Lärmkulisse der Vuvuzela. Der „Krachmacher“, so die wörtliche Übersetzung aus der Sprache isiZulu, eröffnet dem Zuschauer ein Erlebnis der afrikanischen Art und untermauert die Freude der südafrikanischen Fans am Fußball. Andererseits kann die Geräuschkulisse der Vuvuzela für so manche Erkrankungen verantwortlich sein. Die Online-Berichterstattung in Deutschland und Südafrika ist sich bezüglich der Einschätzung dieser Tröte noch uneins. Doch vorher jeweils ein Kommentar – Pro und Kontra Vuvuzela.

© Vuvuzela (Quelle: Chris Kirchhoff/ MediaClubSouthAfrica.com)

Pro Vuvuzela
(Ein Kommentar von Ghassan Abid):

Wer eine afrikanische WM aufsucht, der muss auch afrikanische Bräuche, Sitten und Eigenheiten tolerieren, wenn nicht sogar akzeptieren. Die Vuvuzela war schon lange vor der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 ein beliebter Stimmungsmacher der Einheimischen. Ein Instrument, mit welchem man sich austoben und seine Freude am Sport des Fußballs zum Ausdruck bringen konnte. Diese Tröte ist halt eine Art kulturelle Identität, die nicht zur Disposition gestellt werden dürfte. Denn wer eine Vuvuzela verbannen möchte, der positioniert sich somit gegen diese südafrikanische Sportkultur.

Kontra Vuvuzela
(Ein Kommentar von Robert I.):

Das biblische Jericho wurde -so die Geschichte- durch das Geräusch von sieben Trompeten zerstört. Man könnte meinen, dass diese Geschichte zumindest übertrieben ist. Seit dem Aufkommen der Vuvuzelas, Plasiktröten, die bis zu 130 dB (vergleichbar mit einem Presslufthammer oder einer Flugzeugturbine) verursachen können, scheint die Geschichte ein ganzes Stück realistischer. Zwar können 40.000 Plastiktröten in einem Fußballstadion keine Mauern zerstören, dafür aber einiges andere. Zum einen die Stimmung in den Stadien, die sonst üblichen Gesänge werden durch ein einziges, durchgehendes Dauertröten ersetzt. Zum anderen wird es den Spielern auf dem Feld unmöglich, miteinander zu kommunizieren. Dies ist sicherlich auch ein Grund für die sportlich eher schwachen Darbietungen der Mannschaften in den bisherigen Spielen. Außerdem bewegt sich die Dauerbeschallung für die Zuschauer in einem Bereich, in dem das Gehör dauerhaft geschädigt werden kann. Dass das permanente Tröten von Millionen von Zuschauern in aller Welt als extrem störend empfunden wird, fällt neben den Folgen für die unmittelbar Anwesenden nur noch wenig ins Gewicht.

Pressestimmen zur Vuvuzela:

Die südafrikanische Zeitung Sowetan beruft sich auf Studien, wonach die Vuvuzela etwa 127 Dezibel (dB) an Lärm ausstößt und somit lauter ist, als jener von Rasenmähern mit 90 dB oder Kettensägen mit 100 dB. Jedoch hat die FIFA und ihr Präsident, Sepp Blatter, sich ausdrücklich auf die Seite der Vuvuzela-Liebhaber positioniert.

DiePresse.com berichtet aktuell über die Pläne des Schweizer Fernsehens zur Einsetzung von Vuvuzela-Filtern. Das SF analysiere zum gegenwärtigen Zeitpunkt die Frequenz des „Vuvuzela-Krachs“ und prüfe den Einsatz von Filtern zur Geräuscheregulierung.

Der Tagesspiegel macht seinen Unmut deutlicher und spricht von „Lärmbelästigung“, mit welcher sich die britische BBC beschäftigt. Zur Diskussion steht die Etablierung von zwei alternativen Kanälen, die der Zuschauer zur Verfügung gestellt bekommen soll– entweder Fußball-Übertragung im Originalton oder man entscheidet sich für den Kanal mit reduzierter Geräuschkulisse.

Focus bekräftigt hingegen die Gefahr der Vuvuzela als „Virenschleuder“, da bei der Benutzung massenweise kleine Tröpfchen in die Umwelt abgegeben werden, die stundenlang in der Luft bleiben könnten. Auch auf die Hörschäden geht man ein und untermauert die Dringlichkeit einer solchen Regulierung. Hingegen greift Die Zeit kulturelle und ethnologische Aspekte auf und betont sichtlich positiv die Vuvuzela als „ein Fest für die Neue Musik“. Dem kann sich Stern.de nicht anschließen – ganz im Gegenteil. Vielmehr wird die Vuvuzela als „Terror-Tröte der Fußball-WM“ diffamiert.

Die südafrikanische Zeitung Mail & Guardian erkennt im Vuvuzela einen Popularitätsfaktor jenseits der Grenzen des Landes, während die Pretoria News ihre Tröte als kulturelles Phänomen Südafrikas und südafrikanischen Fußballs nicht vermissen möchten.

UMFRAGE:

Es gibt diejenigen, die die Vuvuzela zur WM à la Afrika brauchen und sich damit identifizieren, und jene, die sich Hörschäden und Ansteckungen hilflos ausgeliefert sehen. Bei Facebook fanden sich in knapp 2,5 Wochen bereits 250.000 Vuvuzela-Gegner zusammen, deren Ziel es ist mittels FIFA-Petition eine Verbannung zu erwirken. Jedoch lehnte am 14. Juni 2010 der Weltfußballverband diese Forderung grundsätzlich ab.

Die User des Südafrika-Portals haben bei unserer Vuvuzela-Umfrage wie folgt entschieden:

https://2010sdafrika.wordpress.com/2010/07/01/ergebnis-zur-monatsumfrage-juni-2010-no-2/


Zuma-Regierung stolziert mit exzellenten Umfrageergebnissen

Laut Marktforschungsinstitut: Zuma trotzt Negativschlagzeilen

(Autor: Ghassan Abid)

Eine im November 2009 durchgeführte Ipsos Markinor-Umfrage kam am 10. Februar 2010 zum Befund, dass die meisten Südafriker mit dem Job ihres Präsidenten zufrieden sind. Demnach befanden 77 Prozent der 3.374 interviewten Personen die Arbeit Jacob Zumas als gut und rund 70 Prozent die der Regierung. Im April 2009 erhielt der damalige Präsident Kgalema Motlanthe eine Unterstützung von lediglich 50 Prozent und die Regierung von nur 56 Prozent. Trotz der Skandale in der Vergangenheit, als Zuma sich noch mit der Justiz auseinandersetzen musste, steht die Mehrheit des Volkes hinter ihrem Präsidenten.

Jedoch ist die aktuelle Diskussion um die Vielweiberei des Regierungschefs Zuma nicht bei der Befragung miteingeflossen (siehe 2010sdafrika-Artikel vom 3. Februar 2010: “Polygamie als normalste Sache der Welt?”). Nach unbestätigten südafrikanischen Presseberichten ist die öffentliche Debatte um private Sachverhalte  für Zuma so unangenehm geworden, dass eine zweite Amtszeit wohl nicht mehr in Betracht kommen würde.

Nichtsdestotrotz erweist sich der ANC weiterhin als legitime Repräsentanz des Volkes und Präsident Zuma kann sich auf Basis dieser eindeutigen Zustimmung ungehindert den Amtsgeschäften des Landes widmen – der Bekämpfung von Kriminalität, der Korruptioneindämmung und der Errichtung von Arbeitsplätzen.

 

Website des Marktforschungsunternehmen Ipsos Markinor (PTY) Ltd.:

http://ipsos-markinor.co.za/news/how-is-government-performing-ahead-of-the-state-of-the-nation-2010