Schlagwort-Archive: Meinungsfreiheit

André Brink stirbt im Alter von 79 Jahren

Schriftsteller mahnte kurz vor Tod die Meinungsfreiheit an. Belgische Universität verlieh Ehrendoktortitel

(2010sdafrika-Redaktion)

Am 2. Februar ist Südafrikas Schriftsteller André Brink gemeinsam mit Eve Ensler aus den USA und Jean-Claude Guillebaud aus Frankreich von der belgischen Universität UCL mit einem Ehrendoktortitel gewürdigt worden. Brink habe mit seiner Afrikaans-Literatur einen Beitrag dazu geleistet, gegen die Ungerechtigkeiten in Gestalt der Apartheid einzutreten. Vier Tage später starb der Schriftsteller auf dem Rückflug nach Kapstadt, der vor seinem Tod an einen Rollstuhl gebunden war. Die genauen Todesumstände sind bislang unklar.

Books Live

© Südafrika verliert einen bedeutenden Schriftsteller. Im Alter von 79 Jahren starb André Brink am 6. Februar auf dem Rückflug nach Südafrika im Flugzeug. Er nutze, ähnlich wie Nadine Gordimer, seine Autorentätigkeit dafür, um die Ungerechtigkeiten in Gestalt der Apartheid anzuprangern. Im Neuen Südafrika sah Brink die Ideale Mandelas in Gefahr. (Quelle: flickr/ Books Live)

Weiterlesen

„Satiriker und Medien müssen zusammenhalten“

Südafrikas führender Karikaturist Jonathan „Zapiro“ Shapiro verurteilt Charlie Hebdo-Attentat in Frankreich

(Autor: Ghassan Abid)

Nachdem am gestrigen Mittwoch gezielt die Redaktion von Charlie Hebdo in der französischen Hauptstadt attackiert wurde, befindet sich die weltweite Öffentlichkeit im Schock. Zwölf Personen wurden getötet, darunter Charlie Hebdo-Chefredakteur Stéphane Charbonnier alias „Charb“. Nun meldet sich Südafrikas führender Karikaturist „Zapiro“ zu Wort. Er fordert in einem Interview den Zusammenhalt von Satirikern und Medien. Es müsse um die Pressefreiheit gekämpft werden.

UCT Alumni Events

© Südafrikas führender Karikaturist Jonathan „Zapiro“ Shapiro verurteilt das Charlie Hebdo-Attentat in der französischen Hauptstadt, bei dem zwölf Menschen ums Leben kamen. Er betont, dass es nun darauf ankomme, dass Satiriker und Medien zusammenhalten. Es müsse um die Pressefreiheit gekämpft werden. (Quelle: flickr/ UCT Alumni Events)

Weiterlesen

Mandela im Kampf gegen die Apartheid

Mit Gewalt die Gewalt bekämpfen. Der Widerstand und seine Folgen

(Autorin: Nadja Krupke)

– MANDELA-Spezial –

Nelson Mandelas jahrelanger Kampf gegen das autoritär-rassistische Regime der Apartheid war sein Leben. Sein Glaube an eine andere, an eine bessere Zukunft für Südafrika, resultierte in einer 27-jährigen Inhaftierung auf der Gefängnisinsel Robben Island vor der Küste Kapstadts. Trotzdem verlor Nelson Rolihlahla Mandela nie den Mut und die Hoffnung, dass Südafrika eines Tages ein Land der Gerechtigkeit, Chancengleichheit, Medien- und Pressefreiheit, Meinungsfreiheit und des Zusammenlebens unterschiedlicher Ethnien werden würde. Nicht nur er fand durch seine Vision Halt, sondern durch sie verlieh er seinen Anhängern und Befürwortern die nötige Kraft, unter den menschenunwürdigen Bedingungen der Apartheid zu leben.

© Nelson Mandela widmete sein Leben dem Kampf gegen das autoritär-rassistische Regime der Apartheid. Der Freiheitskämpfer verbüßte für seinen Widerstand ganze 27 Jahre im Gefängnis. (Quelle: flickr/ decafinata)

© Nelson Mandela widmete sein Leben dem Kampf gegen das autoritär-rassistische Regime der Apartheid. Der Freiheitskämpfer verbüßte für seinen Widerstand ganze 27 Jahre im Gefängnis. (Quelle: flickr/ decafinata)

Weiterlesen

Tag der internationalen Pressefreiheit

Südafrikas Demokratie bröckelt: Ein Gesetz bedroht den investigativen Journalismus

(Autor: Ghassan Abid)

UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte zum heutigen Tag der internationalen Pressefreiheit mehr Schutz von Journalisten bei der Ausübung ihrer Berichterstattung. Einschüchterungen, juristische Maßnahmen und sogar Ermordungen sind nach wie vor in vielen Regionen der Welt allgegenwärtig. Südafrikas Regierung steht in den jüngsten Jahren unter der scharfen Kritik nationaler und internationaler Journalisten, die Pressefreiheit aushöhlen zu wollen. Die Zuma-Regierung sucht die Konfrontation mit der kritischen Presse.

© Die Pressefreiheit in Südafrika ist gefährdet. "Reporter ohne Grenzen" stufte Südafrika bereits um 10 Plätze auf den 52. Rang ab. Das Gesetz "Protection of Information Bill" steht kurz vor seiner Inkraftsetzung. Die Regierung versucht, so die Kritiker aus Medien, Opposition und Zivilgesellschaft, die Aufdeckung weiterer Korruptionsskandale zu erschweren. (Quelle: flickr/ Zanthia)

© Die Pressefreiheit in Südafrika ist gefährdet. „Reporter ohne Grenzen“ stufte Südafrika bereits um 10 Plätze auf den 52. Rang ab. Das Gesetz „Protection of Information Bill“ steht kurz vor seiner Inkraftsetzung. Die Regierung versucht, so die Kritiker aus Medien, Opposition und Zivilgesellschaft, die Aufdeckung weiterer Korruptionsskandale zu erschweren. (Quelle: flickr/ Zanthia)

Weiterlesen

„Black Thursday“ in Südafrika

Secrecy Bill wird nun zum Gesetz – zu Lasten der Demokratie. Das Auswärtige Amt ist in der Pflicht

(Ein Kommentar von Chefredakteur Ghassan Abid)

Am heutigen Tag ist genau das passiert, was die meisten Demokraten in Südafrika befürchtet hatten. Mit den Stimmen der Regierungspartei ANC ist die „Protection of State Information Bill“, auch als Secrecy Bill bezeichnet, in der zweiten Parlamentskammer beschlossen worden. 34 Mitglieder des National Council of Provinces (NCOP) stimmten dafür, 16 dagegen. Aus einem Gesetzentwurf wird nun ein Gesetz, dass einerseits die grundsätzliche Klassifizierung von Informationen als Geheimsache erleichert und andererseits eine harte Bestrafung für „Gesetzesbrecher“ vorsieht. Besonders enttäuschend ist, dass die Länderkammer Südafrikas in den letzten Jahren mehrfach vom Bundesrat im Sinne eines leistungsfähigen Parlamentarismus unterstützt wurde.

    © Im November 2011 beschloss die erste Parlamentskammer, die National Assembly, mit den Stimmen der Regierungspartei ANC das umstrittene Gesetz “Protection of State Information Bill”. Heute schloss sich die zweite Parlamentskammer, der National Council of Provinces (NCOP), dem Regierungsvorhaben an. Nun wird aus einem Gesetzentwurf ein Gesetz, dass Journalisten und Informanten ins Visier nimmt. (Quelle: flickr/ Animation Concept)

© Im November 2011 beschloss die erste Parlamentskammer, die National Assembly, mit den Stimmen der Regierungspartei ANC das umstrittene Gesetz “Protection of State Information Bill”. Heute schloss sich die zweite Parlamentskammer, der National Council of Provinces (NCOP), dem Regierungsvorhaben an. Nun wird aus einem Gesetzentwurf ein Gesetz, dass Journalisten und Informanten ins Visier nimmt. (Quelle: flickr/ Animation Concept)

Weiterlesen

Afrikabeauftragter der Bundeskanzlerin

„Südafrika ist traditionell ein wichtiger und guter Partner für Deutschland“

(Autor: Ghassan Abid)

© Günter Nooke ist der „Persönliche Afrikabeauftragte der Bundeskanzlerin im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Der CDU-Politiker gilt als Verfechter eines gleichberechtigten Dialogs zwischen Europa und Afrika. (Quelle: Tröger)

© Günter Nooke ist der „Persönliche Afrikabeauftragte der Bundeskanzlerin im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Der CDU-Politiker gilt als Verfechter eines gleichberechtigten Dialogs zwischen Europa und Afrika. (Quelle: Tröger)

2010sdafrika-Redaktion: Wir begrüßen auf „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ Herrn Günter Nooke, den „Persönlichen Afrikabeauftragten der Bundeskanzlerin im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)“. Sie üben ein Amt mit komplexem Namen und Aufgabenfeld aus. Die Beobachtung der politischen Lage in Afrika und der Aktivitäten Deutschlands dort zeichnen Ihre Arbeit aus. Wie hat sich die Lage der Menschenrechte in Afrika insgesamt entwickelt und in welchen Regionen lassen sich Fort- bzw. Rückschritte erkennen?

Weiterlesen

Kap-Kolumne: „Der Speer“ wurde begraben

Südafrika zwischen Himmel und Erde. Der irdische Streit entweicht den Sternen; zumindest vorerst.

(Autor: Detlev Reichel ist der Kap-Kolumnist des Südafrika-Portals. Als Missionskind, Sozialist und einstiger West-Berliner Anti-Apartheids-Aktivist berichtet er aus und zu Südafrika.)

Der Speer wurde begraben. Die Saga um das Gemälde „The Spear“ – Der Speer – des Künstlers Brett Murray hat vorerst ein versöhnliches Ende gefunden. Der ANC zieht seine Klage vor Gericht zurück, die Galerie hängt das Gemälde ab und die Zeitung City Press löscht das Bild von ihrer Website. Die Fragen jedoch, die dieser Streit aufgeworfen hat, stehen weiter im Raum.
Die Chefredakteurin der Zeitung City Press, Ferial Haffajee, schreibt in einer sehr persönlichen Kolumne: „Der Speer ist abgelegt, aus Fürsorge und Furcht.“ (The spear is down, out of care and fear.) Sie wolle zur Heilung in der Gesellschaft beitragen, meint Haffajee, die Hitze aus einer zunehmend überhitzten gesellschaftlichen Atmosphäre herausnehmen und ihre Redakteure sowie die Zeitungsverkäufer auf der Straße schützen wollte. Freilich schwirren zig Fotodateien davon im Internet herum. Aber darum geht es nicht.

Tausende Südafrikaner folgten dem ANC und demonstrierten gegen die Zeitung City Press. Diese Presseeinrichtung gab nach und der ANC zeigte, dass er weiterhin viel Macht am Kap genießt. Der Speer-Fall hat sich längst zu einem Paradebeispiel dafür etabliert, dass die Medien im Umgang mit dem ANC die Konsequenzen bedenken sollten.

Was zunächst als eine scharfe Debatte um Kunstfreiheit versus persönliche Rechte daherkam, wandelte sich innerhalb einer Woche zu einer teils bitteren Auseinandersetzung um die Gefühle einer ganzen Nation. Mehrere tausend Menschen demonstrierten am Dienstag – dem Aufruf des ANC und seiner Verbündeten folgend – in unmittelbarer Nähe zur Goodman Gallery in Johannesburg. „Hier geht es nicht um Zuma“, sagt ein Teilnehmer der Zeitung Mail&Guardian, „hier geht es um kulturelle Unterschiede. Brett Murray hat das Recht zu sagen, was er will. Aber er sollte sich im Klaren darüber sein, wen er beleidigt. Es ist vollkommen falsch einen Ältesten mit heraushängenden Genitalien zu porträtieren. Wie würden Sie empfinden, wenn man Ihren Vater so malt?“ Der Streit hat gezeigt, wie wund die Gesellschaft noch ist, nur achtzehn Jahre nach dem Ende einer 350-jährigen Geschichte kolonialer Herrschaft mit den letzten vierzig Jahren eines gnadenlos rassistischen Gewaltregimes namens Apartheid. Dies ist eine Seite der Medaille.

Mit dem Aufruf zum Boykott der Zeitung City Press sowie mit der Demonstration zur Galerie haben die ANC-Führung und ihre Verbündeten gewiss einen Nerv getroffen und ihre Muskeln spielen lassen. Sie müssen sich aber nun die Frage gefallen lassen, ob sie hier nicht auch die Gunst der Stunde nutzen, um politisch zu punkten – und dabei ziemlich heftig überziehen. Es ist daher gar nicht ausgemacht, ob der „Speerkampf“ am Ende dem ANC-Präsidenten Jacob Zuma zu seiner Wiederwahl im Dezember in Mangaung beim nationalen Parteitag des ANC verhelfen wird, wie dies so mancher Kommentator spekuliert. Mangaung ist noch ein paar Monate hin, in dieser Zeit fließt viel Wasser den Orange River hinunter.

Griff nach den Sternen

Während die Menschen also ihre Wunden lecken, kam die aufregende Nachricht vom größten internationalen wissenschaftlichen Projekt der nächsten Jahrzehnte gerade recht. Südafrika, und damit der Kontinent, erhielt den Löwenanteil (70 Prozent) des Baus der gigantischen Teleskopanlage SKA (Square Kilometre Array). Südafrika teilt sich dieses Projekt mit Australien und Neuseeland. Das SKA wird in der Halbwüste Karroo gebaut und soll, wenn fertiggestellt, weiter ins Weltall hineinsehen könne könne, als jedes bisherige Großteleskop. Die Wissenschaft erwartet damit neue Erkenntnisse über die Entstehung des Universums.

© Südafrika erhält mit einem Anteil von 70 Prozent den Zuschlag für das SKA-Forschungsprojekt. In der Halbwüste Karroo ist der Bau dieser gigantischen Anlage vorgesehen. Australien und Neuseeland beteiligen sich ebenfalls am Projekt. Die Teleskopanlage soll noch tiefer ins Weltall blicken können. Die Forscher erhoffen sich neue Erkenntnisse über die Entstehung des Universums. (Quelle: Dr Nadeem Oozeer/ SKA South Africa)

© Südafrika erhält mit einem Anteil von 70 Prozent den Zuschlag für das SKA-Forschungsprojekt. In der Halbwüste Karroo ist der Bau dieser gigantischen Anlage vorgesehen. Australien und Neuseeland beteiligen sich ebenfalls am Projekt. Die Teleskopanlage soll noch tiefer ins Weltall blicken können. Die Forscher erhoffen sich neue Erkenntnisse über die Entstehung des Universums. (Quelle: Dr Nadeem Oozeer/ SKA South Africa)

In den Weiten des Weltalls mag der „Streit um den Speer“ zu Winzigkeit schrumpfen. Die in diesem Streit aufgeworfenen und die Gesellschaft spaltendnen Probleme werden die Menschen hinieden in Südafrika noch sehr lange beschäftigen.