Schlagwort-Archive: Mut

Südafrikas mutigste Politikerin wird diffamiert

Ombudsfrau Thuli Madonsela wird beschuldigt, als CIA-Agentin gezielt dem ANC schaden zu wollen

(2010sdafrika-Redaktion)

Wenn jemand im politischen System Südafrikas einen Preis für Courage und Mut verdient hätte, dann wäre es mit Sicherheit Thuli Madonsela. Als „Public Protector“ untersuchte sie kraft Verfassung die Nkandla-Affäre. Dabei legte sie sich mit dem mächtigsten Mann des Landes, mit Präsident Jacob Zuma, an. Bisweilen verfolgt sie die größte Staatsaffäre Südafrikas. Führende ANC-Politiker hassen die Ombudsfrau und werden ihr gegenüber im Ton zunehmend aggressiver. Der politische Druck auf sie steigt weiter.

Thuli Madonsela

© Ombudsfrau Thuli Madonsela hat kraft Verfassung den Auftrag, Korruptionsvorwürfen und Unregelmäßigkeiten im politisch-administrativen System nachzugehen. Mit der Aufnahme ihrer Ermittlungsarbeit in der Nkandla-Affäre hat sie sich viele Feinde gemacht. Diffamierungen und Hasstiraden gehören zum Alltag der Juristin. (Quelle: flickr/ GovernmentZA)

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Homo-Outing im südafrikanischen Fußball

Thomas Hitzlsperger folgte Eudy Simelane, die für ihren Mut mit dem Leben bezahlen musste

(Autor: Ghassan Abid)

Während die deutsche Medienwelt das homosexuelle Outing des ehemaligen Fußballers Thomas Hitzlsperger – das erste überhaupt in der deutschen Fußballgeschichte – würdigt, hat Südafrika diesen Schritt längst hinter sich. Die lesbische Fußballerin und Trainerin Eudy Simelane wagte während ihrer laufenden Sportkarriere ein öffentliches Bekenntnis zur gleichgeschlechtlichen Liebe. Allerdings musste Simelane für ihren Mut mit ihrem Leben bezahlen. Ihr Outing ist längst in Vergessenheit geraten.

© Der Deutsche Thomas Hitzlsperger und die Südafrikanerin Eudy Simelane sind beide als Fußballer bekannt geworden. Und beide Sportler outeten sich in ihren jeweiligen Ländern als erste Homosexuelle im Fußballsport. Doch Simelane unterscheidet sich von Hitzlsperger in zwei Punkten: Sie outete sich noch während ihrer aktiven Sportkarriere und sie wurde wegen ihres Bekenntnisses brutal ermordet.

© Der Deutsche Thomas Hitzlsperger und die Südafrikanerin Eudy Simelane sind beide als Fußballer bekannt geworden. Und beide Sportler outeten sich in ihren jeweiligen Ländern als erste Homosexuelle im Fußballsport. Doch Simelane unterscheidet sich von Hitzlsperger in zwei Punkten: Sie outete sich noch während ihrer aktiven Sportkarriere und sie wurde wegen ihres Bekenntnisses brutal ermordet.

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Masiphumelele – Wir werden es schaffen!

Ein Gastbeitrag von Johan Marais, aus „Südafrika verstehen“

Fährt man von Kapstadt aus nach Süden streift man eine Vorstadt, die sich Masiphumelele nennt. Eine Township wie unzählige andere im ganzen Land. Häuschen an Häuschen, Papphütten in den Hinterhöfen, nur wenige mit Strom- und Wasseranschluss. Viele Straßen ohne festen Belag.

Südafrika verstehen

Dort gibt es Verzweiflung, entsetzliche Armut, aber auch erste Blumen und Bäume vor den kleinen Häuschen. Es gibt Überfälle, Kriminalität, Drogen, aber auch schützende Nachbarschaften. Ein Heim bietet Aids-Waisen Unterkunft und Ausbildung. Eine öffentliche Bibliothek ist mit allen Farben geschmückt, in diesem ansonsten tristen Grau der Township. Noch fehlt es an vielem, was das Leben angenehm macht. Masiphumelele ist ein Südafrika im Kleinen. Masiphumelele kommt aus der Sprache der Xhosa. Es bedeutet: Wir werden es schaffen!

Liest man die täglichen Meldungen in den Zeitungen, die Nachrichten über Raub und Totschlag, über Korruption und Arbeitslosigkeit, wird man über soviel Zuversicht die Stirn runzeln: Kann Südafrika seinen Weg gehen, in Frieden und hin zu Wohlstand – wenigstens bescheidenem – für alle?

Ja, wir können es schaffen. Davon ist der Publizist Steven Friedman überzeugt. »Wir haben eine wunderbare Verfassung. Sie wird respektiert. Wir haben eine unabhängige Gerichtsbarkeit, die über ihre Einhaltung wacht und die sich nicht scheut, Politiker in ihre Schranken zu weisen.«

Adam Habib, Politikwissenschaftler und stellvertretender Direktor der Universität Johannesburg sieht vor allem in der Zivilgesellschaft ein Korrektiv zur übermächtigen Regierung, die im Parlament fast über eine Zweidrittel-Mehrheit verfügt. »Südafrika hat eine lebendige Zivilgesellschaft. Ihre Organisationen sind solide strukturiert und geführt. Sie verfügen über große Erfahrungen noch aus der Apartheidszeit, in der sie es unter schwierigen Bedingungen verstanden, sich dem Staat erfolgreich entgegenzustemmen, nicht einfach alles hinzunehmen. Sie kennen ihre Rechte und haben heute einen größeren Rechtsraum als früher.«

Die Parteienlandschaft wird in den nächsten Jahren vielfältiger werden, davon ist Habib überzeugt. Programme und Richtungen würden dann deutlicher. »Schon heute kann sich jeder Dritte der schwarzen Wählerschaft vorstellen, für eine andere Partei zu stimmen, wenn es sie denn gäbe.«

Wer übers Tagesgeschehen hinausblicke, werde feststellen, dass die Nation allen Konflikten zum Trotz zusammenwachse und sich als Einheit verstehe. »Our Nation – das war auf nahezu jedem Wahlplakat zu lesen, in allen Sprachen Südafrikas.«

Dass Südafrika seinen Weg gehen werde, davon ist auch Allister Sparks, ein Urgestein des südafrikanischen Journalismus, überzeugt. Er hat selbst in den 1980er Jahren nie die gängige Meinung geteilt, Südafrika werde in einem Rassenkrieg enden. Einen Zerfall des Staates in seine ethnischen Bestandteile hält er für ausgeschlossen.

»Eine ethnische Teilung ist keine praktikable Möglichkeit. Wir haben den entschlossensten Versuch, eine ethnische Teilung durchzuführen, hinter uns. Er schlug gründlich fehl. Die gegenseitige Abhängigkeit, die Apartheid unmöglich machte und eine friedliche Einigung geradezu erzwang, wird die Nation auch weiterhin zusammenhalten.« Außerdem sei keine Gruppe zahlenmäßig stark genug, um Südafrika politisch zu dominieren.

Bheki Ndlela vom Gewerkschaftsverband Cosatu teilt diese Ansichten weitgehend. Aber er warnt. »Die Weißen müssen sich endlich aus ihren Sesseln bequemen, sonst wird es für sie über kurz oder lang eng. Es geht dabei gar nicht um ihren Reichtum, um ihr Vermögen, nicht einmal um ihre Stellung; wir brauchen ihre Fähigkeiten. Aber sie müssen runterkommen von ihren selbstverständlich beanspruchten Privilegien. Aber auch schwarze Neureiche brauchen da Nachhilfeunterricht.«

Masiphumelele ist eine von Aberhunderten von Townships in Südafrika. Hier spürt man Aufschwung und Mut, Aufbruch trotz vieler Widrigkeiten. Der Name ist Programm: Masiphumelele – Wir werden es schaffen.

— Angaben zum SympathieMagazin „Südafrika verstehen“ —

 

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http://www.sympathiemagazin.de/ und http://www.südafrika-verstehen.de/