Schlagwort-Archive: Offizier

Der privatisierte Krieg

Südafrikas Söldnertruppen zwischen afrikanischen Bürgerkriegen und internationalen Krisenherden

(Autor: Ghassan Abid)

Vor einigen Jahren traf ich in Johannesburg eine Frau, die mit einem etwa 40-jährigen Marokkaner verheiratet war. Im Gespräch stellte sich heraus, dass sie hin und wieder auf ihren Mann verzichten müsse. Er befinde sich regelmäßig im Ausland, sagte sie. Dafür verdiene er aber gutes Geld. Beim Nachhaken verriet sie, dass ihr Ehemann ein Söldner war und sich zum damaligen Zeitpunkt im Einsatz im Irak befand. Er war Mitarbeiter einer südafrikanischen Sicherheitsfirma. Ein aktueller Fall aus Nigeria bringt nun die Kriegsteilnahme von südafrikanischen Sicherheitsfirmen zurück ins öffentliche Bewusstsein. Tausende Bürger werden im Ausland vermutet.

Lotz

© Leon Lotz war ein Elite-Polizist des Apartheidsregimes, der in den 80er Jahren die Befreiungsbewegung SWAPO in Südwestafrika – dem heutigen Namibia – bekämpfte. Kürzlich starb der als Söldner engagierte Südafrikaner im Kampf gegen Boko Haram in Nigeria. Lotz ist einer von tausenden Ex-Sicherheitskräften Südafrikas, die im Ausland im Sicherheitssektor ihr Geld verdienen. (Quelle: Privat)

Weiterlesen

Werbeanzeigen

AFRICOM und sein Südafrika-Beziehungsnetz

Wie das US-Regionalkommando in Stuttgart schwerpunktmäßig auf Pretoria ausgerichtet ist

(Autor: Ghassan Abid)

Die Amerikaner sind als führende Machtnation stets bemüht, ihre nationalen Interessen weltweit durchzusetzen. Dass der afrikanische Kontinent in den nächsten Jahren weiter an Bedeutung für die US-Regierung zunehmend wird, würde kein Analyst mehr bestreiten: Erdölversorgung, Terrorismusbekämpfung und Handelsbeziehungen. Das Engagement der USA in Afrika werde ausgeweitet, so mehrere Kommentatoren. Die Konkurrenz zu China um die Gunst des aufstrebenden Kontinents verschärfe den Druck auf Washington.

© Die USA pflegen seit 2009 enge militärische Beziehungen mit Südafrika. Das Regionalkommando für Afrika, AFRICOM mit Hauptsitz in Stuttgart, nimmt in diesem Kontext eine Schlüsselrolle ein. Es koordiniert seit Jahren eine fortwährende Vertiefung der bilateralen Beziehungen zwischen Washington und Pretoria. Im März 2010 reiste der damalige Befehlshaber der US-Streitkräfte für Afrika, William B. Garrett III, nach Südafrika [im Bild zu sehen]. (Quelle: flickr/ US Army Africa)

© Die USA pflegen seit 2009 enge militärische Beziehungen mit Südafrika. Das Regionalkommando für Afrika, AFRICOM mit Hauptsitz in Stuttgart, nimmt in diesem Kontext eine Schlüsselrolle ein. Es koordiniert seit Jahren eine fortwährende Vertiefung der bilateralen Beziehungen zwischen Washington und Pretoria. Im März 2010 reiste der damalige Befehlshaber der US-Streitkräfte für Afrika, William B. Garrett III, nach Südafrika [im Bild zu sehen]. (Quelle: flickr/ US Army Africa)

Weiterlesen

Heute vertrieben und gehasst; damals gebraucht und beliebt

Wie der Putschist Ben Ali selber geputscht wurde

(Autor: Ghassan Abid)

### Sonderberichterstattung ###

´Tunesien-Woche für Demokratie´

Im Januar 2011 haben die Proteste des tunesischen Volkes auf das ganze Land übergriffen. Ob in Tunis, Bizerte, Gabès, Kasserine oder auf Djerba – die Bürger forderten den sofortigen Rücktritt von Präsident Zine el-Abidine Ben Ali samt Frau Leila Trabelsi und Clan aus allen wichtigen Ämtern in Politik und Wirtschaft.

Ben Ali hat sich selber im Rahmen eines Putsches an die Macht gebracht und den ersten Präsidenten der Republik, Habib Bourguiba, auf diesem Wege abgesetzt. Nach rund 24 Jahren musste Ben Ali am eigenen Leib eine erzwungene Machtablösung akzeptieren. In den 80er-Jahren galt Ben Ali als beliebter Politiker, dem eine Machtausübung im Interesse aller Tunesier nachgesagt wurde. Doch relativ schnell erkannte die Gesellschaft, dass nicht Freiheit des Einzelnen im Vordergrund des von Ben Ali dominierten Tunesiens stand, sondern in erster Linie der alleinige Gehorsam eines jeden einzelnen Bürgers gegenüber dem aus Sousse stammenden Herrschers.

© Ben Ali - der auferzwungene Personenkult fällt (Quelle: Erik Pitti/ originally posted to Flickr as IMG_1655/ Wikimedia)

Dem in Frankreich und den USA ausgebildeten Offizier war es gelungen, dass seit der Amtsübernahme des Postens des Staatspräsidenten ein Personenkult aufgebaut wurde, der auf Ben Ali fixiert war. Ob auf Straßen, in öffentlichen Räumen, Behörden, Cafés oder Unternehmen – Ben Ali war vielerorts allgegenwärtig. Man hatte den Eindruck, als beobachte er sämtliche Ecken im Lande gleichzeitig. Sein Tag der Amtseinführung , der 07. November, wurde darüberhinaus zum Nationalfeiertag einer auf ihre Werte betrogenen Republik.

Die Angst innerhalb der Gesellschaft wurde stärker und stärker. Man überlegte gut, wem gegenüber man Kritik am Regime äußerte. Seit 1987 regierte Ben Ali das Land mit einem autoritärem Führungsstil, wo antagonistische Meinungen nicht geduldet waren. Ähnlich wie in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) war es in Tunesien unmöglich bzw. nicht ratsam, im öffentlichen sowie im privaten Raum Kritik gegenüber der Führung des Landes zu äußern. Wer dies jedoch tat – in vielen Fällen waren es Islamisten, Bürgerrechtler, Journalisten und gemäßigte Oppositionelle – dem drohten Haft, Folter und Repressalien jeglicher Art. Zusätzlich war bekannt, dass der Präsident mit kriminellen Banden, dem Trabelsi-Clan seiner Frau Leila, personell und geschäftlich verstrickt war.

Am 14. Januar 2011 und ungeachtet der Versuche Ben Alis, demokratische Reformen nun zulassen zu wollen, musste der Präsident  mit Ehefrau letztendlich ins Exil nach Saudi-Arabien fliehen. Dort erlitt der meist gehasste Mann Tunesiens einen schlimmen Schlaganfall, worunter er bisweilen zu leiden hat. Mittlerweile ist der ehemalige Präsident und seine Frau zu mehreren Haftstrafen in Abwesenheit verurteilt worden. Was geblieben ist bleibt die Ungewissheit, wie es in Tunesien mit dem Politischen System à la Ben Ali weitergehen soll. Ganz dem Motto: Das Beste hoffen, jedoch mit dem Schlimmsten rechnen.

Ben Ali und Ehefrau Leila samt Töchter ganz privat in den USA

Beiträge der 2010sdafrika-Redaktion zur ´Tunesien-Woche der Demokratie´:

https://2010sdafrika.wordpress.com/?s=Tunesien-Woche+für+Demokratie&x=19&y=16