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Geheimsache Nuklearenergie in Südafrika

Bauauftrag neuer Atomkraftwerke im Wert von 71,5 Milliarden Euro geht höchstwahrscheinlich an Russland

(Autor: Ghassan Abid)

Südafrikas Behörden sind dafür bekannt, Anfragen der Presse schlichtweg zu ignorieren. Journalisten müssen immer wieder geduldig nachfragen, meist über Telefon oder auf einer Pressekonferenz, warum etwas wie beschlossen worden ist. In der Atompolitik jedoch schweigen die zuständigen Stellen gänzlich. Wichtige Fragen bleiben unbeantwortet. Die Redaktion von „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ versucht seit über einem Jahr Informationen zum geplanten Ausbau der Nuklearenergie zu bekommen – bisher vergeblich.

Koeberg 05 - Photo by Bjorn Rudner (2)

© Bisher unterhält Südafrika das Atomkraftwerk Koeberg bei Kapstadt, das einzige AKW in Afrika überhaupt. Doch in den nächsten Jahren könnten weitere Kraftwerke folgen. Alles deutet darauf hin, dass Russland mehrere Atomkraftwerke am Kap bauen wird. Die Regierung in Pretoria schweigt zum Milliardendeal beharrlich. (Quelle: Eskom)

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„Kultur-in-Potsdam.de“ berichtet übers Südafrika-Portal

„SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ –  ein Projekt der politischen Bildungs- und Kulturarbeit

Das gemeinnützige Portal „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ – kurz: Südafrika-Portal – beobachtet, berichtet und analysiert Sachverhalte der Republik Südafrika, unter Einbeziehung deutschen Engagements in der jungen afrikanischen Demokratie am Kap der guten Hoffnung.

Hintergründe, Fakten und Meinungen werden für die deutschsprachige Leserschaft und Presseinstitutionen aufbereitet und zur Verfügung gestellt. Hierbei deckt das Südafrika-Portal fünf Ressorts ab:
1.) Business,
2.) Kultur und Gesellschaft,
3.) Literatur und Wissenschaft,
4.) Politik und
5.) Sport.

© Screenshot: Südafrika-Portal auf "KulturinPotsdam.de"

Hierbei werden zwei Ziele verfolgt: Einerseits soll mit dem Südafrika-Portal die Bereitstellung von Informationen zu Südafrika erfolgen, unter Einbeziehung deutschen Engagements – eine Aufklärungsarbeit für deutschsprachige Bürger. Die Öffentlichkeit in Deutschland, Österreich und der Schweiz weiß nach wie vor trotz der Weltmeisterschaft 2010 zu wenig über Land, Leute, Hintergründe und aktuelle Geschehnisse im südlichen Afrika, sodass sich dieses auf PHP-basierende Blog als ein Projekt der Bildungsarbeit etablieren konnte und einer großen Beliebtheit erfreut.

Neben der Komponente der Bildungsarbeit, hat sich als zweite Zielvorstellung der interkulturelle Austausch zwischen der deutschen und südafrikanischen Gesellschaft herauskristallisiert. Führende südafrikanische und deutsche Promis sind im Portal bereits in Erscheinung getreten und thematisierten unter anderem ihre Perzeption von Deutschland bzw. von Südafrika. Die Kommunikation mit Persönlichkeiten der deutsch-südafrikanischen Beziehungen ermöglichte der 2010sdafrika-Redaktion, dem ehrenamtlichen Betreiber-Team, einen weiteren Zuwachs in Popularität. Hier eine Auswahl der Promis, die sie interviewen durften:

© Ghassan Abid mit Kindern der Provinz Limpopo

– Schriftsteller: Roger Smith
– Band: Freshlyground
– Fotokünstlerin: Zanele Muholi
– Graffiti-Künstler: Falko Starr
– Topmodel: Sam Pegg
– Band: The Parlotones
– Maler: Mbongeni Buthelezi
– Politiker: Oliver Krischer
– Filmregisseur: Teboho Edkins
– Journalistin: Ute Schaeffer und andere.

Das wichtigste Resultat ihrer Arbeit besteht demnach darin, in erster Linie die deutsche Öffentlichkeit über sämtliche Ereignisse auf der staatlichen und nicht-staatlichen Ebene in der Regenbogennation zu informieren sowie zur Diskussion anzuregen. Auch die interkulturelle Kulturvermittlung liegt in ihrem Fokus, sodass sie auf Südafrika bezogene Veranstaltungen verstärkt in Potsdam und Berlin aufsuchen.

Für das kommende Jahr 2011 möchten sie ihr Engagement ausbauen und professionalisieren. Das heißt, dass sie eine eigene hochwertige Webseite entwickeln möchten und sich zusätzlich als gemeinnützigen Verein beim Amtsgericht eintragen lassen wollen. Auch sind sie bestrebt eine finanzielle Grundlage zur dauerhaften Absicherung ihrer Arbeit zu etablieren. Für diesen ressourcenintensiven Prozess in punkto Geld und Zeit braucht das Team von Ghassan Abid, Südafrika-Forscher und Initiator dieses Mediums, noch weitere Partner und Mitwirkende, sodass jeder diesbezügliche Kooperationsvorschlag höchst willkommen ist!

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Artikel bei Kultur-in-Potsdam.de veröffentlicht:

http://www.kultur-in-potsdam.de/kultur-international/648-suedafrika-land-der-kontraste.html

Südafrika-Portal bei „Weltneugier“

Das Südafrika-Portal ist zum Chamäleon mutiert

© Südafrika-Portal mutiert zum Chamäleon (Quelle: Wikimedia)

Das Südafrika-Portal  ist weiterhin am Wachsen, muss sich jedoch zahlreichen neuen und schwierigen Herausforderungen stellen. Während mit dem Ende der Fußball-WM 2010 einige unserer Partner den Betrieb ihrer Webseite eingestellt haben, verzeichnen wir weiterhin ein Interesse an unserem Webangebot. Mit Kreativität, angesagten Ideen und spannenden Themen halten wir die Neugier auf  „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ aufrecht. Das Südafrika-Portal muss hierbei wie ein Chamäleon auftreten. Zum Ersten benötigen wir einen regelmäßigen Farbwechsel, also eine ständige Design-Aktualisierung und technisch-konzeptionelle Transformation. Zum Zweiten müssen wir wie das Chamäleon unsere Schleuderzunge nach der Beute schneller ausfahren, schneller und aktueller über Ereignisse in Südafrika berichten. Zum Dritten sind wir wie der Wurmzüngler, wie das Chamäleon auch gerne bezeichnet werden, mit einem guten Sehvermögen ausgestattet, um stets interessante Themen aufgreifen zu können. Und zum Vierten verharren wir oft in einer verteidigungsähnlichen Stellung.

Konkret kann dieses Chamäleon-Verhalten wie folgt dem Portal entnommen werden:

Zum Beispiel errichteten wir im September 2010 eine neue Rubrik unter dem Titel „Interviews„. Hier sind alle Promis der deutsch-südafrikanischen Beziehungen aufgelistet, welche dem Südafrika-Portal als Interviewpartner zur Verfügung standen. Falko Starr (Graffiti-Künstler), Oliver Krischer (Bundestagsabgeordneter), Teboho Edkins (Filmregisseur), Zanele Muholi (Fotokünstlerin), Roger Smith (Krimiautor) und andere befragten wir zu ihrer Arbeit und zum deutsch-südafrikanischen Verhältnis – mit teils interessanten Antworten. Ferner haben wir nun eine Archivierung unserer monatlichen Umfragen etabliert, ganz dem ersten Charakter des Chamäleons – dem Farbwechsel.

Inhaltlich nehmen wir nach wie vor kein Blatt vor den Mund und sagen, was wir zu bestimmten Ereignissen in Südafrika denken. Die Fußball-WM ist nun einige Monate her, sodass wir uns in der Redaktion die Frage gestellt haben, ob die überaus positive Bewertung der WM seitens der deutschen Presse wirklich so positiv eingetreten ist?

© Screenshot: Südafrika-Portal bei Weltneugier/ Stepin GmbH

Wir sind dem nachgegangen und haben hierzu zwei Artikel verfasst, einen zu den Statements der südafrikanischen Regierung und einen aus der Sicht von NGOs sowie eigenen Recherchen. Während der Finanzminister Südafrikas, Pravin Gordhan, keinen Zweifel bei den mittelfristigen positiven Effekten der WM für Südafrikas Entwicklung aufkommen ließ, sind unsere Recherchen auf ganz andere Ergebnisse gestoßen. Der Hamburger Wirtschaftswissenschaftler Prof. Wolfgang Männing glaubt einerseits weniger an einem volkswirtschaftlichen Nutzen der WM für Südafrika, da Mega-Events wie die Weltmeisterschaft keinen Netto-Gewinn für den Ausrichter darstellen; wie von vielen Menschen fälschlicherweise angenommen. Andererseits haben wir das FIFA-Vertragsrecht mal genauer mit verschärftem Sehvermögen unter die Lupe genommen und mussten mit großer Verwunderung zur Kenntnis nehmen, dass das Ausrichterland Südafrika eher Ausgaben als Einnahmen zu verzeichnen hat. Der wahre fiskalische Profiteur der WM ist der Schweizer Weltfußballverband FIFA, welcher mit der WM zwischen zwei bis drei Milliarden Dollar einkassieren konnte. Sämtliche Erträge aus Sponsorenverträgen fallen hierbei zum Beispiel ausschließlich in den Topf dieses „gemeinnützigen“ Verbandes, während die südafrikanische Regierung allein für die nationale Ebene drei Milliarden Euro an Kosten für Infrastruktur- und Sicherheitsmaßnahmen erbringen musste und dementsprechend beim Ausrichter ein negatives Bilanzdefizit aufgetreten ist. Ferner ist zu bemängeln, dass nicht nur der offizielle WM-Song im Vorfeld dieses Wettbewerbs an keinen (süd)afrikanischen Künstler vergeben wurde – was übrigens für sehr viel Unmut beim südafrikanischen Volk sorgte – sondern auch sämtliche WM-Produkte wie Maskottchen, Trikots oder Fußbälle in Asien produziert wurden. Zusätzlich sind viele Jobs, die mit dem Bau der Stadien in Zusammenhang standen, nun weggefallen.

Kurz – die WM erweist sich als ein großartiges und interkulturelles Gemeinschaftsprojekt, jedoch weniger als eine Veranstaltung mit Nachhaltigkeitsfaktor für Volk und Volkswirtschaft. Der wahre Gewinner der WM ist demnach nicht das Ausrichterland Südafrika, sondern allein die FIFA, wie es auch bei der WM 2006 in Deutschland der Fall gewesen ist. Unsere schnelle Schleuderzunge und das ausgeprägte Sehvermögen hatten schließlich zur Konsequenz, dass wir zustimmende und ablehnende Rückmeldung von Deutschen und Südafrikanern erhalten haben. Ein gemischtes Echo ist per se ein gutes Zeichen, denn da weiß man, dass man alles richtig gemacht hat. (:

Mit diesen vier Eigenschaften des Chamäleons werden wir weiterhin das Südafrika-Portal lebendig halten. Jedoch bleibt nach wie vor unsere größte Herausforderung, Sponsoren oder Spender zu finden, die dieses interkulturelle und lebendige Projekt unterstützen möchten. Ansonsten müssen wir weiterhin in der Verteidigungsstellung ausharren und unsere Aktivitäten limitieren – halt wie ein Chamäleon!

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Artikel bei Weltneugier/ Stepin GmbH veröffentlicht:

http://www.stepin.de/weltneugier/gastartikel-das-suedafrika-portal-ist-zum-chamaeleon-mutiert/

2010sdafrika-Artikel – Finanzminister Gordhan bekräftigt WM als Gewinn für Südafrika:

https://2010sdafrika.wordpress.com/2010/07/09/finanzminister-gordhan-bekraftigt-wm-als-gewinn-fur-sudafrika/

2010sdafrika-Artikel – Südafrikaner fühlen sich von FIFA „verarscht“:

https://2010sdafrika.wordpress.com/2010/06/30/sudafrikaner-fuhlen-sich-von-fifa-verarscht/

2010sdafrika-Artikel – „Bilbao-Effekt“ bestimmt Erfolg sportlicher Mega-Events:

https://2010sdafrika.wordpress.com/2010/05/11/%E2%80%9Ebilbao-effekt%E2%80%9C-bestimmt-erfolg-sportlicher-mega-events/

MdB bewertet Atomenergie Südafrikas

„Die Atomkraft wird die Energieprobleme nicht lösen“, sagt der Abgeordnete Oliver Krischer

(Autor: Ghassan Abid)

2010sdafrika-Redaktion: Wir begrüßen auf „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ den Bundestagsabgeordneten Oliver Krischer. Sie hatten sich vor kurzer Zeit mit dem Kugelhaufenreaktorprojekt PBMR beschäftigt. Können Sie uns kurz sagen, wer diesen Reaktor überhaupt entwickelt hatte, was PBMR bedeutet und wer zurzeit dieses Projekt weiterverfolgt?

© Bundestagsabgeordneter Oliver Krischer, Sprecher für Energie- und Ressourceneffizienz der Partei Bündnis 90/Die Grünen im Deutschen Bundestag.

Antwort: PBMR bedeutet „Pebble Bed Modular Reactor“ und ist die Bezeichnung für einen speziellen Atomreaktortyp. Er heißt auch „Kugelhaufenreaktor“, weil die Brennelemente kugelförmig sind und in einem „Haufen“ im Reaktorkern liegen; dieser wird aber auch „Hochtemperaturreaktor“ genannt. Dieser Reaktortyp wurde in der 1950er und 1960er Jahren im Kernforschungszentrum in Jülich bei Aachen in Deutschland entwickelt, wo auch bis 1988 ein kleiner Versuchsreaktor mit 15 MW elektrischer Leistung in Betrieb war. In Deutschland gab es einen weiteren Reaktor dieses Typs von 1984 bis 1988 mit etwa 300 MW Leistung, der jedoch wegen zahlreicher Pannen nach nur 1,5 Jahren Netto-Betriebszeit stillgelegt werden musste. In Deutschland wird seitdem offiziell nicht mehr am Kugelhaufenreaktor gearbeitet. Darüber hinaus gab es noch zwei Reaktoren ähnlichen Typs in den USA, die aber auch beide stillgelegt wurden. Das kürzlich eingestellte Projekte von ESKOM in Südafrika war das letzte relevante Kugelhaufenreaktorprojekt. China soll angeblich noch daran arbeiten, aber da gibt es nicht viel mehr als Gerüchte. Es gibt immer noch einzelne Wissenschaftler, die den Kugelhaufenreaktor propagieren, aber nach dem Aus in Südafrika ist diese Technologie wohl endgültig weltweit gescheitert.

2010sdafrika-Redaktion: Was ist am PBMR überhaupt so gefährlich?

Antwort: Die Befürworter dieses Reaktortyps behaupten, er sei „inhärent sicher“. Soll heißen, eine Kernschmelze so wie bei der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl geschehen, sei konstruktionsbedingt ausgeschlossen. Das ist aber Unsinn, wie Studien und praktische Erfahrungen mit dem Reaktor belegen. Im Gegenteil: Neben den Gefahren, Risiken und Probleme aller Atomkraftwerke birgt der Kugelhaufenreaktor erhebliche konstruktionsbedingte Risiken. Diese hätten 1978 in Jülich beinahe zu einer schweren Katastrophe geführt, als unkontrolliert Wasser in den Reaktorkern eingedrungen ist. Wahrscheinlich hatte der Reaktor viel höhere Temperaturen entwickelt als ursprünglich vorausberechnet. Der Störfall, bei dem die Gegend um den Reaktor nur knapp einen atomaren Katastrophe entgangen war, wurde damals vertuscht, um das Projekt nicht zu gefährden. Jahre später fand man heraus, dass das Erdreich stark verstrahlt war. Auch über 20 Jahre nach seiner Stilllegung und Kosten von mehreren hundert Millionen Euro ist es nicht gelungen, die verstrahlte Reaktorruine in Jülich zurückzubauen.

2010sdafrika-Redaktion: Der südafrikanische Energieversorger ESKOM betont auf seiner Internetpräsenz die Notwendigkeit von Kernenergie als kostengünstigere Alternative zur Kohlekraft. Allein die Transmissionskosten wären bei AKWs, speziell beim Reaktor Koeberg, erheblich geringer als anderswo und würden aus fiskalischer Sicht somit positiv ins Gewicht gefallen. Was halten Sie von dieser Stellungnahme?

Antwort: Das ist Unsinn! Wenn man alle Folgekosten einrechnet, ist die Atomkraft die mit Abstand teuerste Form der Stromerzeugung. Nirgendwo auf der Welt werden Atomkraftwerke unter marktwirtschaftlichen Bedingungen gebaut. Atomkraft rechnet sich immer nur dann, wenn der Staat die sehr hohen Entwicklungs- und Investitionskosten und die Risiken des Betriebes der Anlagen absichert. Und den strahlenden Müll hinterlassen wir kommenden Generationen, denn nirgendwo auf der Welt gibt es bisher ein sicheres Endlager.

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Info-Box:

© Atomkraftwerk Koeberg/ Südafrika (Quelle: Pipodesign Philipp P Egli/Wikimedia)

© Atomkraftwerk Koeberg/ Südafrika (Quelle: Pipodesign Philipp P Egli/Wikimedia)

Das Atomkraftwerk Koeberg, welches von ESKOM unterhalten wird, liegt rund 30 Kilometer nördlich von Kapstadt im Western Cape. Über 1.200 Menschen sind unmittelbar in dieser Anlage beschäftigt. Das AKW besteht aus zwei mit Uran betriebenen Druckwasserreaktoren mit einer Gesamt-Nettoleistung von 1.800 MW. Ferner besteht am selben Standort ein Forschungsreaktor des Typs PBMR. Während die beiden Atomreaktoren vom französischen Unternehmen Framatome entwickelt wurden, stammt der Forschungsreaktor aus dem nordrhein-westfälischen Jülich. Koeberg deckt ca. 6 Prozent des südafrikanischen Strombedarfes ab und beliefert auch das Nachbarland Namibia mit Strom. Es ist das bislang einzige AKW in Südafrika und auf dem gesamten afrikanischen Kontinent.

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2010sdafrika-Redaktion: Tatsächlich verfolgt das „ESKOM’s Nuclear Programme“ die „mögliche“ Errichtung von Atomkraftwerken an 4 Küstenorten, nämlich in Brazil, Schulpfontein, Bantamsklip and Thyspunt. Beim Letzteren, unweit von der Großstadt Port Elizabeth gelegen, formiert sich seit einigen Wochen erheblicher Widerstand. Die Bewohner befürchten mit dem Bau eines Atommeilers eine Beeinträchtigung des Tourismussektors. Die NGO „Earthlife Africa“ tritt hierbei besonders in Erscheinung. Inwieweit kooperieren und unterstützen die Grünen die Anti-Atomgegner in Südafrika?

Antwort: Es gibt verschiedenste Kontakte von Atomkraftgegnern in Deutschland und Südafrika. Man tauscht Informationen und Erfahrungen aus. Das ist hilfreich für die konkrete Arbeit vor Ort. In der Vergangenheit waren Atomkraftgegner auf Einladung der Heinrich-Böll-Stiftung auch schon in Deutschland.

2010sdafrika-Redaktion: Wie soll Südafrika die anhaltenden Energieversorgungsengpässe lösen, wenn nicht durch den Bau von AKWs? Auch sind kürzlich neue Stromtariferhöhungen beschlossen worden, welche bei der Mehrheit der armen Bevölkerung Südafrikas schwer ins Gewicht fallen. Es kursieren gegenwärtig Meldungen, wonach ESKOM sein Nuclear Programme nun verstärkt umsetzen möchte. Ist nicht der Umstand wichtiger, dass die Armen erstmal mit erschwinglichem Strom versorgt werden müssten?

Antwort: Nochmal: Atomstrom ist nicht billig. Das geht nur wenn der Staat die Atomkraft direkt oder indirekt subventioniert. Atomkraft wird die Energieprobleme Südafrikas nicht lösen. Das zeigt doch auch die gescheitete Entwicklung des PBMR, die Unsummen verschlugen und nichts für das Land gebracht hat. Die Milliarden Euro, die Atomkraftwerke kosten, sollten besser in Erneuerbare Energien – vor allem in Wind und Sonne – und auch in Energieeffizienz investiert werden. Hier hat Südafrika riesige Potenziale, die bisher kaum genutzt werden.

2010sdafrika-Redaktion: Können Sie uns die Vorteile von Erneuerbaren Energien im Gegensatz zur Atomenergie erläutern?

Antwort: Atomkraft birgt das Risiko schwerer Unfälle, die ganze Regionen unbewohnbar machen können, wie die Katastrophe von Tschernobyl zeigt. Sie hinterlässt strahlenden, hochgefährlichen Müll, der kommende Generationen für Jahrtausende belasten wird. Die Vorräte an Uran, den Brennstoff für Atomkraftwerke, sind sehr begrenzt und reichen kaum länger als die von Öl und Gas. Die Atomkraftwerke sind sehr große, aufwendige und teure technische Anlagen mit der Folge, dass die Abwärme – oft mehr als 50 % der eingesetzten Energie – nicht genutzt werden kann – eine riesige Energieverschwendung. All dieses Probleme gibt es mit Erneuerbarer Energie nicht. Sonne und Wind sind parktisch überall verfügbar. An vielen Stellen ist die Nutzung von Biomasse und Wasserkraft möglich. Die Ressourcen sind parktisch nicht begrenzt und im Falle von Sonne und Wind immer kostenlos und die Anlagen zur Energiegewinnung aus Erneuerbaren heute schon ausgreift und sehr effizient. Sie sind überwiegend dezentral. Das heißt, die Energie kann eher dort erzeugt werden, wo sie auch verbraucht wird, was Netzkosten einspart. Und vor allem: Sie hinterlassen keinen strahlenden Müll und das Risiko von Unfällen ist Null.

2010sdafrika-Redaktion: Zu guter Letzt eine Frage zu Deutschland. Wie bewerten Sie die aktuelle Atomenergiepolitik der Bundeskanzlerin Angela Merkel?

Antwort: Deutschland ist in den letzten zehn Jahren zum Weltmeister beim Ausbau der Erneuerbaren Energie geworden und hat beschlossen, aus der Atomkraft auszusteigen. Inzwischen gehen alle Parteien davon aus, dass Deutschland sich Mitte des Jahrhunderts zu 100 % durch Erneuerbare Energie wird versorgen können. Mit ihrem Ziel, die Laufzeit der 17 in Deutschland noch verbliebenen Atomkraftwerke jetzt doch noch einmal zu verlängern, gefährdet die Bundeskanzlerin den Ausbau der Erneuerbaren und macht ein Schritt zurück in die energiepolitische Vergangenheit. Das nutzt in Deutschland nur den vier großen Energiekonzernen, die die Atomkraftwerke betreiben. Auf der Strecke bleiben die Bürgerinnen und Bürger, die teuer die Zeche dieser Politik zahlen müssen sowie kommunale Stadtwerke und viele tausend kleine Unternehmen, die den Ausbau der Erneuerbaren bisher vorangetrieben haben.

2010sdafrika-Redaktion: Oliver Krischer, Sprecher für Energie- und Ressourceneffizienz der Partei Bündnis 90/Die Grünen im Deutschen Bundestag, vielen Dank für das Interview.