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Bewegung im Mordfall Anni Dewani

Brite Dewani verliert Abweisung eines Auslieferungsersuchens der Justiz Südafrikas

(Autor: Ghassan Abid)

Rund drei Jahre nach dem Flitterwochen-Mord an Anni Dewani in Kapstadt kommt Bewegung in die Sache. Shrien Dewani, ein Brite indischer Abstammung, verlor am gestrigen Freitag vor dem High Court in London seine Abweisung eines Auslieferungsersuchens der südafrikanischen Justiz. Die Richter machten unmissverständlich klar, dass sofern sich der Gesundheitszustand des Angeklagten stabilisiert hat, er mit einer unverzüglichen Auslieferung zu rechnen hat.

    © Rund drei Jahre nach dem Flitterwochen-Mord an Anni Dewani in Kapstadt kommt Bewegung in die Sache. Ihr Witwer Shrien Dewani verlor am gestrigen Freitag seine Abweisung eines südafrikanischen Auslieferungsersuchens. Der High Court in London macht den Weg für einen Strafprozess am Kap frei. Doch der Angeklagte kann noch in die Revision gehen. (Quelle: Privat)

© Rund drei Jahre nach dem Flitterwochen-Mord an Anni Dewani in Kapstadt kommt Bewegung in die Sache. Ihr Witwer Shrien Dewani verlor am gestrigen Freitag seine Abweisung eines südafrikanischen Auslieferungsersuchens. Der High Court in London macht den Weg für einen Strafprozess am Kap frei. Doch der Angeklagte kann noch in die Revision gehen. (Quelle: Privat)

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500.000 Vergewaltigungen pro Jahr in Südafrika

Gudrun Kopp, Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesentwicklungsminister

(Autor: Ghassan Abid)

    © Gudrun Kopp (FDP), Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. (Quelle: Ingrid Lestrade)

© Gudrun Kopp (FDP), Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. (Quelle: Ingrid Lestrade)

2010sdafrika-Redaktion: Wir begrüßen auf „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ Frau Gudrun Kopp, Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Fünf Tage hielten Sie sich in Südafrika auf. Mit welchen Partnern wurden welche Sachverhalte thematisiert?

Antwort: Schwerpunktthemen meiner Reise waren Energie und Klimaschutz, die in Südafrika weit verbreitete Gewalt gegen Frauen und Mädchen sowie die aktuelle Situation im Bergbausektor. Ich habe unter anderem Gespräche mit meinen Amtskolleginnen und -kollegen aus dem Finanzministerium und Energieministerium und mit der Premierministerin der Provinz Western Cape, Helen Zille, geführt. Bei diesen Gesprächen habe ich neben unserer laufenden Kooperation die südafrikanische Regierung dazu ermuntert, der Rohstoff-Transparenzinitiative EITI [Anmerkung der Redaktion: Extractive Industries Transparency Initiative] beizutreten. Als größte Wirtschaftsmacht in Afrika und fünftstärkstes Bergbauland weltweit sollte Südafrika mit einem Beitritt zu EITI ein Zeichen für Transparenz und gute Regierungsführung setzen.

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Der Kampf mit Plakaten

Ausstellung zu Anti-Apartheid-Kampagnen in BRD/ DDR: Der Feind meines Feindes ist mein Freund

(Autor: Ghassan Abid)

Am 24. Mai 2012 begrüßten Heike Hartmann, Kulturwissenschaftlerin, und Susann Lewerenz, Historikerin, die Besucher der Ausstellung Solidaritäten über Grenzen. Anti-Apartheid-Kampagnen in der BRD und DDR im August-Bebel-Institut in Berlin. Diese findet im Rahmen einer Veranstaltungsreihe anlässlich des 100-jährigen Bestehens des Afrikanischen Nationalkongress in Kooperation mit der Friedrich-Ebert-Stiftung statt.

© Die Ausstellung „Solidaritäten über Grenzen. Anti-Apartheid-Kampagnen in der BRD und DDR“ ist in neun Bereiche untergliedert, die verschiedene Schwerpunkte der Kampagnen beider deutscher Staaten anhand von Plakaten charakterisieren.

© Die Ausstellung „Solidaritäten über Grenzen. Anti-Apartheid-Kampagnen in der BRD und DDR“ ist in neun Bereiche untergliedert, die verschiedene Schwerpunkte der Kampagnen beider deutscher Staaten anhand von Plakaten charakterisieren.

Die Ausstellung ist in neun Bereiche untergliedert, die verschiedene Schwerpunkte der Kampagnen beider deutscher Staaten anhand von Plakaten charakterisieren:
Nieder mit! Bilder gegen Apartheid
Schluss mit! Ereignisse und Erinnerung
Freiheit für! Ikone Nelson Mandela
Solidarität mit! Akteure und Ziele
Spende für! Überleben, Bildung, Kampf
Unsere Solidarität! Staatsakt und Alltag
Stoppt die! Nukleare Zusammenarbeit
Sanktionen! Gegen Wirtschaft und Banken
Boykottiert! Gold und Früchte

Im Hinblick auf das Bildmaterial griffen beide Wissenschaftlerinnen auf die Bestände des Archivs für Alternatives Schrifttum (afas) in Duisburg und die des Solidaritätsdienst-international (SODI) in Berlin zu. Die Kulturwissenschaftlerin Hartmann erläuterte, dass der Begriff „Solidarität“ verschiedene Definitionen anbiete, wobei es in der Ausstellung um die Solidarität über Grenzen hinweg gehe. Schon vor der Machtergreifung durch die Apartheidspartei National Party (NP) regte sich Widerstand am Kap bezüglich der Ungleichbehandlung der verschiedenen Ethnien. Insbesondere Schwarze erfuhren infolge des Wahlsiegs eine unmittelbare „Trennung der Lebensbereiche“ und die Minderheit der Weißen eine gleichzeitige „Privilegierung“, so Hartmann.

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© Die Ausstellung „Solidaritäten über Grenzen. Anti-Apartheid-Kampagnen in der BRD und DDR“ verwendet Bildmaterial aus den Beständen des Archivs für Alternatives Schrifttum (afas) in Duisburg und die des Solidaritätsdienst-international (SODI) in Berlin. Ursprünglich stammen die Fotos aus Südafrika.

Apartheid als Nationalsozialismus und Kolonialismus
Das Massaker von Sharpeville von 1960, welches mit 69 toten Demonstranten blutig niedergeschlagen wurde, führte zum Verbot von ANC und Pan-African-Congress (PAC). Der Widerstand gegen die Apartheid setzte sich dann im Untergrund sowie im Exil fort. „Eine Solidarität gab es in beiden deutschen Staaten“, führte die Kulturwissenschaftlerin an. „Es gab aber Unterschiede in der Politik“, so sie weiter. Das Interessante an dieser ganzen Thematik ist, dass einerseits die Solidarität im Kampf gegen die Apartheid hierzulande erst in den 70er-Jahren zeitversetzt anlief und sich darüber hinaus schließlich bedeutende Anti-Apartheid-Bewegungen formierten. Zum Andern kritisierten sowohl ostdeutsche als auch westdeutsche Solidaritätsbewegungen die Bonner Republik für ihre politischen bzw. wirtschaftlichen Beziehungen zu den Rassentrennungsbefürwortern am Kap. Genauso bezogen beide Fotomaterial aus Südafrika, das mit der NS-Zeit oder dem deutschen Kolonialismus illustrativ in Verbindung gebracht wurde. Die Historikerin Lewerenz erklärte diese Tatsache mit dem subjektiven Empfinden vieler Aktivisten, dass die „Nazis in Südafrika“ ihre Politik des Dritten Reichs nun im südlichen Afrika fortsetzten. Es gilt als bewiesen, dass deutsche Nationalsozialisten und südafrikanische Rassisten miteinander in Kontakt standen. „Es ist unglaublich, in wie vielen Ländern sich eine Anti-Apartheid-Bewegung formierte“, erläuterte Hartmann die Reaktion dessen. Allerdings wurde die Apartheid in der Bundesrepublik bis in die 70er Jahre als „nicht schlecht“ empfunden.

Bild- und Textverbot zu Nelson Mandela
Lewerenz verwies ebenfalls auf das Bild- und Textverbot zu Nelson Mandela, der im Rahmen des Rivonia-Prozesses eine starke mediale Aufmerksamkeit erhielt. Die NP sah sich aus diesem Grund gezwungen, auf die Todesstrafe zu verzichten und Mandela fernab von der Öffentlichkeit auf Robben Islands einzusperren. Erst 10 Jahre nach der Verhaftung entdeckten die Solidaritätsbewegungen den Wert Mandelas für die Wiederbelebung der Kampagnen. Die ANC-Vertretung in London und das UN-Spezialkomitee  gegen die Apartheid starteten daraufhin eine internationale Kampagne zur Freilassung der Ikone, an welcher sich die Anti-Apartheid-Bewegungen in der BRD und DDR anschlossen.

© Im Jahr 1972 nahm die Regierungspartei der DDR, die SED, die ersten offiziellen Beziehungen zum ANC auf. Beide Parteien einte der Kampf gegen den westlichen bzw. westdeutschen Imperialismus.

© Im Jahr 1972 nahm die Regierungspartei der DDR, die SED, die ersten offiziellen Beziehungen zum ANC auf. Beide Parteien einte der Kampf gegen den westlichen bzw. westdeutschen Imperialismus.

Beziehungen zwischen SED und ANC
Allen voran das Solidaritätskomitee der DDR war anfänglich intensiv mit dem ANC vernetzt, welcher in Ost-Berlin einen Verbindungsmann entsandte und eine Quasi-Botschaft mit diplomatischen Privilegien errichtete. Ab 1972 unterhielt die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) dann offizielle Beziehungen zum ANC. Später bestanden dann Kontakte zwischen dem ANC und dem Staat der DDR. Die DDR spielte für die Mandela-Bewegung in Anbetracht der finanziellen Zuwendungen, militärischen Unterstützung und dem Angebot an Bildungsmaßnahmen eine äußerst wichtige Rolle. In Berlin-Buch sind auch Verletzte aus Südafrika medizinisch behandelt worden, während andernorts die in der DDR gedruckte Zeitschrift „Sechaba“ international zugestellt wurde. Genauso schlossen sich den Bewegungen mehrere Personen des Öffentlichen Lebens an, etwa die Schriftstellerin Christa Wolf.

Westdeutscher Widerstand gegen die Apartheid
Es muss betont werden, dass auch westdeutsche Bewegungen – etwa die Anti-Apartheid-Bewegung (AAB), Kirchen oder Gewerkschaften – um finanzielle Unterstützung bei der Bevölkerung warben. Die Summe dessen fiel im Westen allerdings deutlich geringer aus, als es im Arbeiter- und Bauernstaat der Fall war. Andere Organisationen, zum Beispiel der Kongreß gegen atomare Zusammenarbeit Bundesrepublik – Südafrika, versuchte mittels der Durchführung von Konferenzen wie am 11./12.11.1978 auf bestehende bilaterale Beziehungen zu Lasten der schwarzen Bevölkerung aufmerksam zu machen. Die Bundesregierung reagierte in diesem Fall kurz einige Tage vorher mit der Veröffentlichung der mehrsprachigen Broschüre „Zur Sache“, um den Bewegungen den notwendigen Aufwind zu nehmen.

© Zeitschrift "Sechaba" - In London redaktionell betrieben, in der DDR gedruckt und international zugestellt. Die nationalen Anti-Apartheid-Bewegungen waren miteinander in vielen Fällen vernetzt.

© Zeitschrift „Sechaba“ – In London redaktionell betrieben, in der DDR gedruckt und international zugestellt. Die nationalen Anti-Apartheid-Bewegungen waren miteinander in vielen Fällen vernetzt.

Sanktionen das richtige Mittel?
In den 80er Jahren diskutierte die Anti-Apartheid-Bewegung, ob die Forderung von Sanktionen gegen das Regime in Pretoria das richtige Mittel sei. Die finanzielle Abhängigkeit schwarzer Arbeiter, vor allem von deutschen Konzernen wie Mercedes, ließ eine kontroverse Debatte aufkommen. Dennoch ist am Kurs festgehalten worden, dass zunehmend Verbraucher aus dem Westen dafür sensibilisiert werden sollten, keine südafrikanischen Produkte wie Früchte mehr zu kaufen. Die Evangelische Frauenarbeit in Deutschland widmete sich dieser Herausforderung.

Höhepunkt der Anti-Apartheid-Bewegung in 80er Jahren
Mit der Ausrufung des Ausnahmezustandes in Südafrika, in der zweiten Hälfte der 80er Jahren, erlebte die Anti-Apartheid-Bewegung einen Höhepunkt und nach den Worten der Historikerin Lewerenz eine „Verschiebung der öffentlichen Wahrnehmung“. Das Ausmaß der Kampagnen in Westdeutschland ist daraufhin erheblich angestiegen. Die DDR hingegen hat ihre materielle Unterstützung gegenüber dem ANC stets aufrechterhalten, welche sogar kurz vor der Auflösung des Volksstaates am 3. Oktober 1990 noch einmal ausgeweitet wurde.

2010sdafrika-Veranstaltungsbericht zu „Thierse trifft … EXTRA“:

https://2010sdafrika.wordpress.com/2012/05/27/veranstaltungsbericht-zu-thierse-trifft-extra/

Tragisches Bollywood-Drama in Kapstadt

Südafrikas Justiz und Medien fordern Auslieferung des Briten Shrien Dewani

(Autor: Ghassan Abid)

Shrien Dewani beschäftigt seit Ende 2010 sämtliche Medien in Südafrika, Großbritannien und Indien. Mehrere Regierungspolitiker äußerten sich bereits zum Fall. Die Justiz Südafrikas fordert bisweilen die Auslieferung von Dewani, welcher sich aktuell in einer psychiatrischen Anstalt in England befindet. Allerdings verweigerte die britische Justiz am gestrigen Tag die vorläufige Auslieferung des reichen Businessman an Südafrika. Zur Begründung wurde der schlechte Gesundheitszustand des Tatverdächtigen angeführt.

Liebesgeschichte wie aus einem Bollywood-Film

Shrien Dewani stammt aus einem reichen bürgerlichen Elternhaus. Nach seinem Studium zum Wirtschaftsprüfer an der University of Manchester, arbeitete er für das Unternehmen Deloitte und die Stadtverwaltung von London. 2009 lernte er die Schwedin indischen Ursprungs, Anni Hindocha, kennen. Sie modelte in England. Im Oktober 2010 heirateten schließlich beide im indischen Mumbai und Anni Hindocha übernahm den Namen ihres Mannes. Bis zu diesem Zeitpunkt schilderten sämtliche Familienangehörige und Freunde, dass das Ehepaar sehr glücklich war und Shrien seiner großen Liebe jeden Wunsch erfüllte.

Hochzeitsvideo aus glücklichen Tagen

Horror in den Flitterwochen

Doch als die frisch Getrauten ihre Flitterwochen in Südafrika verbrachten, kehrte eine unerwartete Kehrtwende ein. Am 7. November 2010 landeten Shrien und Anni Dewani am Cape Town International Airport. Vier Nächte hielten sich im Krüger-Nationalpark auf. Am 13. November 2010 dinierten beide in einem Strandrestaurant und setzten ihren „slum tourism“ in Gugulethu fort, einem Township bei Kapstadt. Zola Tongo war mehrfach ihr Fahrer und auch am 13. November 2010 dabei, als das Taxi von zwei bewaffneten Männern überfallen wurde. Zu fünft fuhren sie ohne Ziel in Gugulethu herum, bis Shrien Dewani und Zola Tongo aus dem Fahrzeug geworfen wurden. Die Fahrt setzten die Kidnapper mit Anni alleine fort. Ein Tag später wurde die Schwedin im Township Khayelitsha von Polizeibeamten im selben Taxi tot aufgefunden. Ihr Körper wies mehrere Spuren von äußerer Gewalteinwirkung auf, unter anderem die einer Schusskugel im Nackenbereich. Mehrere Wertgegenstände Anni´s verschwanden.

© Anni Dewani, Geburtsname Hindocha, wurde im Vorort von Kapstadt entführt und ermordet. Ihr eigener Ehemann wird nach Auffassung der südafrikanischen Ermittlungsbehörden als Auftraggeber des Mordes bezichtigt. (Quelle: justice4anni.com)

© Anni Dewani, Geburtsname Hindocha, wurde im Vorort von Kapstadt entführt und ermordet. Ihr eigener Ehemann wird nach Auffassung der südafrikanischen Ermittlungsbehörden als Auftraggeber des Mordes bezichtigt. (Quelle: justice4anni.com)

Verdacht des Auftragsmordes

Seit dem Vorfall vom 13. November 2010 steht Shrien Dewani in Verdacht, den Mord an seiner Ehefrau in Auftrag gegeben zu haben. Nach einem Verhör des Taxifahrers Zola Tongo kam heraus, dass Shrien ihm rund 15.000 Rand angeboten haben soll, um seine Frau umbringen zu lassen. Aus den Indizien wurden zunehmend Beweise, nachdem Überwachungsbilder des Hotels ausgewertet wurden. Zu sehen ist, dass Shrien dem Fahrer Bargeld in einer weißen Tüte übergeben hatte. Auch soll sich Shrien in einigen Aussagen widersprochen haben. Dennoch beteuert Shrien Dewani bis zum heutigen Tage seine Unschuld. Die Geldübergabe im Hotel soll lediglich im Zusammenhang mit dem Tour-Guiding stattgefunden haben.

CCTV-Aufnahme: Geldübergabe zwischen Shrien Dewani und Zola Tongo

Großbritannien unterstützt Ermittlungsbehörden Südafrikas

Der High Court of Justice, das Oberste Gericht von England und Wales, hat seine Kooperationsbereitschaft mit den südafrikanischen Behörden signalisiert. Auch die Innenministerin Großbritanniens, Theresa May, untermauerte im September 2011 die Notwendigkeit einer Auslieferung des Beschuldigten. Shrien Dewani ist allerdings gegen die geplante Auslieferung in Berufung gegangen und versucht weiterhin einen Prozess in Südafrika zu verhindern. Die Haftbedingungen in südafrikanischen Gefängnissen würden für ihn ein Risiko darstellen, vor allem im Hinblick auf sexuelle Übergriffe durch Mitgefangene.

Strafverfolgungsbehörde in Südafrika geht von Schuld aus

Der Pressesprecher Mthunzi Mhaga von der National Prosecuting Authority (NPA), welche die Funktion der obersten Strafverfolgungsbehörde Südafrikas einnimmt, hat mehrfach festgehalten, dass die südafrikanische Justiz von einer Verwicklung Shrien Dewani´s in den Mord überzeugt ist. Die NPA geht davon aus, dass bei einer Verbesserung des Gesundheitszustandes des Angeklagten einer Auslieferung durch die britischen Kollegen nichts entgegenstehen wird.

Kritik an der Ermittlungsarbeit der Behörden

Die Polizei SAPS, die NPA und die Medien sind unter anderem durch die britische Presse kritisiert worden; die Behörden für die mangelnde saubere Ermittlungsarbeit und die Medien für die Vorfeld-Verurteilung von Dewani.  Der Grundsatz der Unschuldsvermutung sei mit Füßen getreten worden, heißt es von Prozessbeobachtern. Auch wird der südafrikanischen Öffentlichkeit vorgeworfen, dass die Medienkampagne der Familie von Anni eine Beeinflussung der mit dem Fall betrauten Personen erzielt hat. Mehrere Organisationen und formlose Vereinigungen sind ins Leben gerufen worden, wie etwa Justice for Anni, die eine harte Verurteilung des Businessman fordern. Ebenso konnte noch kein  überzeugendes Motiv ermittelt werden, warum Shrien seine Frau umbringen lassen sollte.  Der Taxifahrer Tongo ist bereits zu einer Haftstrafe von 18 Jahren verurteilt worden. Den beiden Kidnappern erwartet am 13. April das Urteil. Ihr Verteidiger wirft der Polizei vor, dass seine Mandaten Xolile Mngeni und Mzwamadoda Qwabe zu einem Geständnis unter Folterandrohung gezwungen wurden.

Unterdessen versicherte Südafrikas Justizminister Jeff Radebe  dem britischen Bürger einen fairen Prozess am Kap zu. Längst ist dieses Rechtsverfahren zu einem Politikum avanciert, welches die Leistungsfähigkeit der südafrikanischen Justiz ins Zentrum des öffentlichen Diskurses gerückt hat. Die weitere Entwicklung  bleibt abzuwarten.

Human Rights Day – Südafrikanische Feiertage

In Gedenken an die getöteten Demonstranten von Sharpeville, Vanderbiljpark und kwaLanga

(Autorin: Anne Schroeter)

© In Gedenken an die Opfer der Apartheid. Präsident Jacob Zuma wird am heutigen Tage eine Rede in Soweto halten. Die Presidency hält fest, dass das Feuer auf Demonstranten am 21. März 1960 auch inVanderbiljpark und kwaLanga in Kapstadt eröffnet wurde. (Quelle: Graeme Williams/ MediaClubSouthAfrica.com)

© In Gedenken an die Opfer der Apartheid. Präsident Jacob Zuma wird am heutigen Tage eine Rede in Soweto halten. Die Presidency hält fest, dass das Feuer auf Demonstranten am 21. März 1960 auch im Vanderbiljpark und in kwaLanga in Kapstadt eröffnet wurde. (Quelle: Graeme Williams/ MediaClubSouthAfrica.com)

An diesem Tag wird dem Sharpeville-Massacre gedacht. Dort fanden 1960 Demonstrationen gegen das Apartheid-Regime, insbesondere deren Pass- und Ausweisregelungen statt.

Mehrere Tausend Demonstranten versammelten sich vor der Polizeistation in Sharpeville, und forderten ihre Verhaftung, weil sie nicht die korrekten Papiere bei sich trugen. Während des Tages erhöhte sich die Anzahl der Demonstranten auf fast 20.000. Versuche die Menge aufzulösen schlugen fehl und die Anfangs friedliche Stimmung schlug in Wut um. Es kam zu Schüssen, als Demonstranten versuchten die Polizeistation zu betreten.

Offiziellen Angaben zufolge wurden 69 Personen getötet, viele in den Rücken geschossen, als sie versuchten zu fliehen. Über die Hintergründe zur Eröffnung des Feuers gibt es verschiedene Angaben, Polizeiberichte von damals und Aussagen bei der Wahrheits- und Versöhnungskommission widersprechen sich.

Das Massaker hatte die zunehmende Isolierung Südafrikas zur Folge, sowie das Verbot von ANC und PAC (Pan-Africanist Congress). Das Verbot zwang die Organisationen zur Arbeit im Untergrund und führte zu einer Änderung ihrer Strategien, von passivem zum bewaffneten Widerstand gegen das Apartheid-Regime.

Al Jazeera Channel-Videobeitrag zum Sharpeville-Massaker (in Englisch)

Seit Ende der Apartheid wird der 21. März in Südafrika als Human Rights Day gefeiert, anders als im Rest der Welt, wo dieser Tag am 10. Dezember begangen wird.