Schlagwort-Archive: Parlamentarischer Staatssekretär

Wissenschaftliche Zusammenarbeit mit Südafrika

Im Interview mit Bundesforschungsministerin Johanna Wanka

(Autor: Ghassan Abid)

© Prof. Johanna Wanka, Bundesministerin für Bildung und Forschung. (Quelle: Bundesregierung/Steffen Kugler)

© Prof. Johanna Wanka, Bundesministerin für Bildung und Forschung. (Quelle: Bundesregierung/Steffen Kugler)

2010sdafrika-Redaktion: Wir begrüßen auf „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ Frau Prof. Johanna Wanka, Bundesministerin für Bildung und Forschung (BMBF). Das „Deutsch-Südafrikanische Wissenschaftsjahr“ nahm im April 2013 sein offizielles Ende. Welches Fazit ziehen Sie?

Antwort: Das Wissenschaftsjahr hat uns die Gelegenheit gegeben, die fast 20-jährige Zusammenarbeit zu reflektieren, zu würdigen und in die Zukunft zu blicken. Die intensive gemeinsame Vorbereitung des Wissenschaftsjahres führte zu neuen wichtigen Projekten wie beispielsweise der Vereinbarung zur Einrichtung eines deutsch-südafrikanischen Forschungslehrstuhls. Gleichzeitig haben wir einem breiten Publikum die Vielfalt und Ergebnisse der jahrelangen Zusammenarbeit gezeigt. Wissenschaftsjahre dienen auch dem Aus- und Aufbau von Kontakten für Wissenschaftler und Forscher, Lehrende und Lernende.

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Schavan in Südafrika

Promotionsaffäre überschattet Arbeitsbesuch der Bundesforschungsministerin

(Autor: Ghassan Abid)

Der Zeitpunkt hätte nicht ungünstiger liegen können. Vor Kurzem trifft die Bundesforschungsministerin Annette Schavan in Südafrika ein und schon wird in sämtlichen Medien – ob Spiegel, Zeit, taz, n-tv oder ZDF – hierzulande über ihren Rücktritt spekuliert. Die Oppositionsparteien im Deutschen Bundestag verstärken den Druck. Das Nachsehen haben die Beteiligten der deutsch-südafrikanischen Forschungskooperation.

© Die Aberkennung des Doktorgrades von Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) droht den fünftägigen Arbeitsbesuch in Südafrika zum Fiasko zu katapultieren. Die südafrikanische Presse nimmt die Ministerin am Kap ohnehin so gut wie nicht wahr. (Quelle: flickr/ Rob Vegas)

© Die Aberkennung des Doktorgrades von Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) droht den fünftägigen Arbeitsbesuch in Südafrika zum Fiasko zu katapultieren. Die südafrikanische Presse nimmt die Ministerin am Kap ohnehin so gut wie nicht wahr. (Quelle: flickr/ Rob Vegas)

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Öffentliche Arbeitsvermittlung in Südafrika

Im Interview mit Dr. Ralf Brauksiepe, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesarbeitsministerium

(Autor: Ghassan Abid)

© Dr. Ralf Brauksiepe, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesarbeitsministerium (Quelle: BMAS)

© Dr. Ralf Brauksiepe, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesarbeitsministerium (Quelle: BMAS)

2010sdafrika-Redaktion: Wir begrüßen auf „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ den Parlamentarischen Staatssekretär im Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), Herrn Dr. Ralf Brauksiepe. Sie standen bereits mehrfach mit südafrikanischen Partnern in Kontakt, zuletzt am 21. März 2012. Eine Delegation unter der Leitung von Herrn Mamagase Elleck Nchabeleng, Vorsitzender des Arbeitsausschusses im südafrikanischen Unterhaus, informierte sich über die deutsche Arbeitsmarktpolitik. Welche Themen standen konkret auf der Agenda?

Antwort: Seitens Südafrikas gibt es ein großes Interesse an dem Aufbau einer Arbeitsverwaltung, die in Deutschland im wesentlichen der Bundesagentur für Arbeit obliegt. Die Bundesagentur für Arbeit informiert, berät und vermittelt Arbeitskräfte, bietet Berufsberatung und Berufsorientierung an, zahlt viele Entgeltersatzleistungen (z.B. Arbeitslosengeld, Insolvenzgeld) aus und erbringt noch einige andere wichtige Dienstleistungen. In Südafrika hingegen übernimmt das Ministerium für Arbeit diese Aufgaben selbst. Unsere Gesprächspartner haben uns von Plänen berichtet, die öffentliche Arbeitsvermittlung auszubauen.

© Mamagase Elleck Nchabeleng, Vorsitzender des Arbeitsausschusses im südafrikanischen Unterhaus, mit Dr. Ralf Brauksiepe, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesarbeitsministerium. (Quelle: BMAS)

© Mamagase Elleck Nchabeleng, Vorsitzender des Arbeitsausschusses im südafrikanischen Unterhaus, mit Dr. Ralf Brauksiepe, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesarbeitsministerium. (Quelle: BMAS)

2010sdafrika-Redaktion: Am 7. März 2012 mobilisierte der Gewerkschaftsdachverband COSATU rund 100.000 Menschen zu einer Demonstration im Hinblick auf die schlechten Arbeitsbedingungen im Rahmen der Zeitarbeit. Wurde diese Angelegenheit ebenfalls angesprochen und falls nicht, inwieweit stand dieser Aspekt bereits im Mittelpunkt der deutsch-südafrikanischen Arbeitskonsultationen?

Antwort: Der Aspekt der Zeitarbeit steht im Zusammenhang mit dem Ausbau der öffentlichen Arbeitsvermittlung in Südafrika. Für den Einsatz solcher Dienstleistungsanbieter sind eindeutige gesetzliche Regelungen häufig von Vorteil. Sie bieten den Agenturen, den aufnehmenden Firmen und insbesondere den Arbeitskräften eine rechtliche Sicherheit. Sie schützen die Arbeitskräfte vor schlechten Arbeitsbedingungen. In Deutschland ist die Arbeit der Zeitarbeitsfirmen in einem eigenen Gesetz, dem Arbeitnehmerüberlassungsgesetz, geregelt. Ein Austausch zu diesem Thema einschließlich des Aufbaus der öffentlichen Arbeitsvermittlung steht seit längerem im Fokus unserer Beziehungen mit Südafrika.

2010sdafrika-Redaktion: Die Parlamentsdelegation besuchte ebenfalls die Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg. Das deutsche Arbeitsvermittlungsmodell stand – wie bereits bei einem Arbeitsbesuch des damaligen Staatssekretärs im BMAS, Herrn Andreas Storm, vom 21. April 2011 in Johannesburg – im Gesprächsfokus. Welche neuen Impulse konnten gegeben werden?

Antwort: Gemeinsam mit der Bundesagentur für Arbeit wurden Möglichkeiten für Verbesserungen diskutiert. Wichtig für eine funktionsfähige Arbeitsvermittlung ist die Verfügbarkeit von Ressourcen. Dies betrifft z. B. die IT-Ausstattung und die Qualifizierung des Personals.

© Deutsch-südafrikanisches Arbeitstreffen zum Aufbau einer öffentlichen Arbeitsvermittlung in Südafrika (Quelle: BMAS)

© Deutsch-südafrikanisches Arbeitstreffen zum Aufbau einer öffentlichen Arbeitsvermittlung in Südafrika (Quelle: BMAS)

2010sdafrika-Redaktion: Bereits im August 2010 beschäftigten Sie sich vor Ort mit der nach Südafrika ausgerichteten Arbeitsmigration aus Simbabwe. Wie bewerten Sie den überaus hohen Anteil an nicht-qualifizierten Arbeitnehmern für den südafrikanischen Arbeitsmarkt?

Antwort: Für eine erfolgreiche und moderne Volkswirtschaft ist es heutzutage wichtig, über gut ausgebildete Fachkräfte zu verfügen. Dies betrifft in erster Linie, auch in Deutschland, das Potenzial an Menschen, die bereits im eigenen Land leben. In Deutschland haben wir das Problem einer alternden Gesellschaft. Langfristig wird es weniger Menschen im sog. erwerbsfähigen Alter geben. Daher hat die Bundesregierung bereits im letzten Jahr ein Konzept zur Fachkräftesicherung beschlossen. Danach fokussieren wir uns besonders auf Frauen und die Bildung und Ausbildung von Kindern und Jugendlichen, auf ältere Arbeitnehmer und deren Beschäftigungsfähigkeit sowie die Weiterbildung von Erwachsenen. Ich denke mir, dass einige unserer Erfahrungen und unserer Konzepte auch für Südafrika von Interesse sind, gerade im Bereich der Aus- und Weiterbildung. So gibt es in Südafrika ein großes Interesse an der dualen Berufsausbildung, um der Nachfrage der südafrikanischen Wirtschaft nach betriebsnah ausgebildeten Arbeitnehmern zu entsprechen.

2010sdafrika-Redaktion: Am 28. Oktober 2011 und kürzlich im März dieses Jahres warben Sie persönlich für die Förderung der Sozialen Marktwirtschaft am Kap. Dennoch setzt die Regierungspartei ANC zunehmend auf ein staatsinterventionistisches Wirtschaftsmodell. Der Privatsektor verliert in diesem Kontext, so die Einschätzung von Analysten, verstärkt die Anreize zu investieren. Inwieweit macht ein solcher bilateraler Dialog noch Sinn, wenn die Umsetzung dessen weniger beachtet bzw. missachtet wird?

Antwort: Der bilaterale Dialog ist ein Austausch auf gleicher Augenhöhe. Wir sehen uns gemeinsam erfolgreiche Lösungen für beschäftigungs- und sozialpolitische Fragestellungen an. Auf Grundlage dieses Austausches muss allerdings jedes Land seinen eigenen Weg finden.

© Die südafrikanische Parlamentsdelegation des Arbeitsausschusses im Bundesarbeitsministerium. (Quelle: BMAS)

© Die südafrikanische Parlamentsdelegation des Arbeitsausschusses im Bundesarbeitsministerium. (Quelle: BMAS)

2010sdafrika-Redaktion: Dr. Ralf Brauksiepe, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesarbeitsministerium, vielen Dank für die Möglichkeit dieses kurzfristigen Inteviews!

Deutsch-Südafrikanisches Jahr der Wissenschaft 2012/2013

Bekämpfung des Klimawandels als bilaterales Forschungsschwerpunkt

(Autor: Ghassan Abid)

Am heutigen Tage beginnt das Deutsch-Südafrikanische Jahr der Wissenschaft 2012/2013, welches „die Zusammenarbeit beider Länder stärken und neue Netzwerke ins Leben rufen“ soll, heißt es in den offiziellen Pressemeldungen. Während das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) auf ihrer Homepage das Jahr bereits öffentlichkeitswirksam zelebriert, lässt der Online-Auftritt des südafrikanischen Gegenparts, des Departments of Science and Technology (DST), bislang keine diesbezügliche Ankündigung erkennen.

© Screenshot zur Webseite Deutsch-Südafrikanisches Jahr der Wissenschaft 2012-2013

© Screenshot zur Webseite Deutsch-Südafrikanisches Jahr der Wissenschaft 2012-2013

Die Bundesforschungsministerin Annette Schavan wird mit der südafrikanischen Wissenschaftsministerin Naledi Pandor das auf insgesamt acht Themenfelder fokussierte Aktionsprogramm eröffnen. Neben dem Klimawandel als akademisches Betätigungsfeld, stehen darüberhinaus das Human Capital Development, die Bioökonomie, Urbanisierung/ Megastädte, Astronomie, Innovation in der Gesundheitswirtschaft und Geistes- bzw. Sozialwissenschaften auf der Agenda. Allerdings bleibt die Bekämpfung des Klimawandels infolge der zurückliegenden Kooperationen als wichtigstes Forschungsfeld bestehen.

Bereits am 5. März 2012 machte der Parlamentarische Staatssekretär im BMBF, Thomas Rachel, gegenüber „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ auf die Klima- und Nachhaltigkeitsforschung als wichtigen Schwerpunkt der deutschen Forschungspolitik aufmerksam. Grundlagenforschung als auch angewandte Forschung stehen im Mittelpunkt der staatlichen Förderung. In diesem Kontext wurden beim Wettbewerb „Green Talents 2011“ gleich drei junge südafrikanische Wissenschaftler für ihre Arbeiten prämiert: Dr. Dyllon Garth Randall (University of Cape Town) für seine Verdienste auf dem Gebiet der Wiederaufbereitung von Minenabwässern, Dr. Owen Horwood PhD (Sachverständiger für ökologische Nachhaltigkeit, Wasserpolitik und –Governance) im Hinblick auf eine effiziente Wasserwirtschaft und Alanna Rebelo (Stellenbosch University) für die Gewährleistung der Wassersicherheit sowie nachhaltigen Landwirtschaft.

Das Kapland erweist sich für Deutschland angesichts seiner Universitäten und Forschungseinrichtungen als bedeutendester afrikanischer Staat in der wissenschaftlich-technologischen Zusammenarbeit (WTZ). Dennoch verliert die südafrikanische Hochschullandschaft bedingt durch die ausufernde Kriminalitätsproblematik bis zum heutigen Tage hochqualifizierte Wissenschaftler in Richtung Großbritannien, Australien oder die Vereinigten Staaten. Interessant ist zudem die zu beobachtende Intensivierung der Süd-Süd-Forschungskooperationen, welche schwerpunktmäßig auf China ausgelegt sind. Mögliche Konsequenzen für die deutsch-südafrikanische Partnerschaft sind noch nicht absehbar.

© Offizielles Logo

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Mit Südafrika setzt das BMBF die nun sechste Auflage des Jahres der Wissenschaft um (Deutsch-Ägyptisches Jahr 2007, Deutsch-Israelisches Jahr 2008, Deutsch-Chinesisches Jahr 2009/2010, Deutsch-Brasilianisches 2010/2011 und Deutsch-Russisches Jahr 2011/2012).  „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ wird im Laufe seiner Berichterstattung zu mehreren deutsch-südafrikanischen Forschungsprojekten berichten.

Deutsch-südafrikanische Forschungskooperation

Im Interview mit Thomas Rachel, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesforschungsministerium

(Autor: Ghassan Abid)

© Thomas Rachel, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)

2010sdafrika-Redaktion: Wir begrüßen auf „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ den Parlamentarischen Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), Herrn Thomas Rachel.

Herr Rachel, seit einigen Jahren widmet sich Ihr Haus dem Klimawandel. Welche konkreten Anstrengungen unternimmt das BMBF, um dieser globalen Herausforderung entgegenzutreten?

Antwort: Selbstverständlich sind Klima- und Nachhaltigkeitsforschung ein ganz wichtiger Schwerpunkt der deutschen Forschungspolitik. Und in diesem Jahr rücken wir das besonders ins Blickfeld. Das Wissenschaftsjahr „Zukunftsprojekt Erde“, das Bundesministerin Annette Schavan vor wenigen Tagen eröffnete, zeigt die Wirksamkeit wissenschaftlicher Arbeit für die Nachhaltigkeit mit zahlreichen öffentlichen Veranstaltungen und Initiativen in ganz Deutschland. Das betrifft sowohl geowissenschaftliche Grundlagenforschung als auch angewandte Forschung. Beides, also die Suche nach einem Verständnis des „Systems Erde“, als auch die Entwicklung von Lösungen zur Anpassung an unvermeidbare Folgen der Erwärmung, fördern wir mit zahlreichen Initiativen und Projekten. Deutschland ist, um nur ein Beispiel zu nennen, in der Meeres- und Polarforschung sehr aktiv, die zentrale Erkenntnisse über das Klimasystem liefert. 2015 wird das neue Forschungsschiff Sonne in Dienst gehen.

Klimaschutz ist eine grenzüberschreitende, globale Aufgabe. Wir wissen, dass andere Länder stärker von den Folgen des Klimawandels betroffen sein werden als Deutschland. Das betrifft vor allem Afrika. Daher startet das Bundesforschungsministerium jetzt die Initiative „WASCAL – West African Science Service Center on Climate Change and Adapted Land Use“ gemeinsam mit zehn westafrikanischen Staaten und SASCAL mit Südafrika und anderen Staaten des südlichen Afrika. Ziel ist bei beiden Initiativen die Erforschung der Folgen des Klimawandels für das Wassermanagement und die Landnutzung und die Entwicklung wirksamer Schutzmaßnahmen gegen klimabedingte Risiken.

2010sdafrika-Redaktion: Mit der Initiative „Green Talents“, einem internationalen Wettbewerb, würdigen Sie junge Wissenschaftler, die sich der nachhaltigen Bekämpfung des Klimawandels verdient machen. Diese Green Talents besuchen deutsche Universitäten, Forschungseinichtungen und Unternehmen. Inwieweit entfalten sich hierbei mittelfristige Synergieeffekte zwischen ausländischen Nachwuchswissenschaftlern einerseits und deutschen Forschungsinstitutionen andererseits?

Antwort: Ich freue mich sehr, dass wir durch das „Green Talents“-Programm bereits Synergieeffekte zwischen den Preisträgern und deutschen Einrichtungen erzielen konnten. Das liegt vor allem daran, dass die Initiative an sich nachhaltig angelegt ist. Der erste Teil des Preises, das „Green Talents“-Forum, ist eine Reise durch Deutschland, um die deutsche Forschungslandschaft kennenzulernen und erste Kontakte mit hiesigen Experten zu knüpfen. Im darauffolgenden Jahr werden die „Green Talents“ vom BMBF zu einem dreimonatigen Forschungsaufenthalt an einer deutschen Forschungseinrichtung ihrer Wahl eingeladen. Es kommt oft vor, dass die aufnehmenden Institutionen eine Verlängerung des Aufenthaltes finanzieren. Zwei Preisträgern aus dem Jahr 2010 wurden nach ihrem Aufenthalt Festanstellungen in deutschen Unternehmen angeboten. Zwei weitere absolvieren derzeit ihren Post-Doc an deutschen Universitäten. Von einigen anderen wissen wir, dass sie sich um hochdotierte deutsche Forschungsstipendien oder das Bundeskanzlerstipendium bewerben. Zudem werden die geknüpften Kontakte zu deutschen Experten für bilaterale Projekte mit den jeweiligen Heimatinstituten genutzt.

Der „Green Talents“ Wettbewerb trägt also dazu bei, junge Wissenschaftler früh für Deutschland zu interessieren und durch längerfristige Aufenthalte und Forschungskooperationen dauerhaft für Deutschland zu gewinnen.

2010sdafrika-Redaktion: Der „Green Talents“-Wettbewerb wurde 2011 nun zum dritten Mal ausgeschrieben. Drei Südafrikaner – Dr. Dyllon Garth Randall (University of Cape Town), Dr. Owen Horwood PhD (Sachverständiger für ökologische Nachhaltigkeit, Wasserpolitik und –Governance) und Alanna Rebelo (Stellenbosch University) – wurden ausgezeichnet. Können Sie uns darlegen, warum diese Personen für welchen Untersuchungsgegenstand prämiert wurden?

Antwort: Ich freue mich über die rege Beteiligung junger südafrikanischer Wissenschaftler. Südafrika gehört zu den Schwerpunktländern des Wettbewerbs.

Die Qualität südafrikanischer Forschungsarbeiten schlägt sich in der Zahl der bisherigen Preisträger nieder: Seit 2009 gab es sechs südafrikanische Preisträger, zwei weitere Gewinner haben zwar nicht die südafrikanische Staatsbürgerschaft, arbeiten jedoch seit vielen Jahren dort.

Die Auszeichnung als „Green Talent“ wird nicht für einzelne Forschungsprojekte, sondern an junge Wissenschaftler mit herausragendem Potential im Bereich der Nachhaltigkeitsforschung, vergeben. Es geht um junge Menschen, denen wir zutrauen, die Welt positiv zu verändern.

Dr. Dyllon Randall hat für sein junges Alter (27) bereits eine beachtliche Karriere hinter sich. Er ist promovierter Chemieingenieur und arbeitet hauptsächlich an der Wiederaufbereitung von Minenabwässern. Südafrika ist ein weltweit führendes Bergbauland und dieser Industriezweig dort besonders wichtig. Dabei spielen Umweltaspekte eine wichtige Rolle. Dr. Randall beschäftigt sich damit, die bei der Förderung von Kohlen und Metallen anfallenden Abwässer umweltschonend von Schadstoffen zu reinigen. Zu diesem Zweck hat er ein absolut neuartiges Verfahren entwickelt: Eutectic Freeze Crystallization. Mit Hilfe dieser Technologie ist es möglich, 96% des verunreinigten Wassers in brauchbare Salzprodukte und Trinkwasser umzuwandeln. Die Jury ehrte ihn für seine Innovation und seine weitergehende ganzheitliche Betrachtung der Bergbauwirtschaft auch vor dem Hintergrund, dass die Versorgung mit sauberem Wasser weltweit eine zunehmend wichtige Rolle spielt. Es ist für uns alle lebensnotwendig, die Verschwendung von Wasser zu minimieren und den Wasserkreislauf zu schließen. Dr. Randall trägt signifikant dazu bei und unterstreicht damit die erfreuliche Entwicklung der südafrikanischen Wasserwirtschaft. Dr. Randall hat den Aufenthalt in Deutschland genutzt, um sich über deutsche Spitzenforschung und –technologien im Bereich des Wassermanagements zu informieren und Forschungskooperationen in diesem Bereich anzubahnen.

Hier knüpft auch die Arbeit von Dr. Owen Horwood an. Nach drei Master-Abschlüssen und der Promotion an der Universität Oxford ist Dr. Horwood nun als Sachverständiger für ökologische Nachhaltigkeit in seinem Heimatland Südafrika tätig, das ihm besonders am Herzen liegt. Mit seinem besonders breit gefächerten fachlichen Hintergrund hat er sich auf das Thema Wasserwirtschaft spezialisiert. Er bezieht dabei politische, wirtschaftliche und soziale Aspekte ein. In einer Studie verglich er die Wasserwirtschaft im Rhein-Ruhr-Gebiet in Deutschland mit dem Olifants-Wassergebiet in Südafrika.

Alanna Rebelo von der Stellenbosch University wurde ebenfalls aufgrund ihrer hohen Interdisziplinarität und ihres sozialen Engagements ausgewählt. Sie befindet sich noch im Masterstudium, doch lassen ihre bisherigen Leistungen auf eine vielversprechende Forscherkarriere schließen. Frau Rebelo nutzt ihre Expertise in den Bereichen der Hydrologie, Ökologie, Wirtschaft und Soziologie, um die Auswirkungen von Änderungen in der Landnutzung zu untersuchen. Ihre Forschung trägt dazu bei, Wassersicherheit zu gewährleisten sowie nachhaltige Landwirtschaft durch angemessenes Landmanagement und die Beseitigung invasiver fremder Pflanzenarten zu fördern.

Der interdisziplinäre Ansatz, den alle drei „Green Talents“ zeigen, ist ein Schlüssel zu globaler Nachhaltigkeit. Wir müssen voneinander und miteinander lernen. Das „Green Talents“ Forum bringt Menschen verschiedenster Fachrichtungen aus aller Welt zusammen, um gemeinsam an den Problemstellungen zu arbeiten, die uns alle betreffen: Klimawandel, Wasserknappheit, Biodiversitätsverlust und Rohstoffmangel.

© Parlamentarischer Staatssekretär Thomas Rachel mit den südafrikanischen Preisträgern von 2011 (Quelle: Internationales Büro des BMBF)

2010sdafrika-Redaktion: Südafrika gilt ja als „Tor zu Afrika“ und gleichzeitig als wichtigster Wissenschaftspartner Deutschlands auf dem afrikanischen Kontinent. Auf der Grundlage einer gemeinsamen Erklärung des BMBF und seines südafrikanisches Counterparts Department of Science and Technology (DST) von 2008, konzentriert sich die bilaterale Kooperation auf die Nachhaltigkeitsforschung. Welche Ziele werden hierbei verfolgt und wo sehen Sie weiteren Handlungsbedarf?

Antwort: Bei der Nachhaltigkeitsforschung geht es darum, Fragen zu nachhaltiger Entwicklung wissenschaftlich aufzubereiten und Nachhaltigkeitsstrategien auf lokaler, regionaler, nationaler und globaler Ebene und in Praxisfeldern zu bearbeiten. Afrika ist vom Klimawandel in hohem Maße betroffen. Hier gilt es, zusammen mit Südafrika, besonders effektive Strategien und Maßnahmen zu entwickeln, um den durch den Klimawandel entstehenden Herausforderungen zu begegnen und zukunftsfähige Lösungen zu entwickeln. Nachhaltigkeitsforschung wird aber nicht die alleinige Ausrichtung der vielfältigen Kooperationen mit Südafrika sein. Allerdings werden alle Projekte und Maßnahmen aus den oben genannten Gründen dem Gesichtpunkt der Nachhaltigkeit in besonderer Weise Rechnung tragen.

2010sdafrika-Redaktion: Erwägt das BMBF einen Ausbau der Kooperationen mit Südafrika?

Antwort: Die Kooperation mit Südafrika soll weiter ausgebaut werden. Am 16. April 2012 eröffnet Bundesministerin Schavan gemeinsam mit ihrer südafrikanischen Amtskollegin Ministerin Naledi Pandor in Kapstadt das „Deutsch-Südafrikanische Jahr der Wissenschaft 2012/13“. Dieses Jahr wird ein Anreiz sein, um durch eine Vielzahl von Projekten, Vorhaben und Veranstaltungen die bereits jetzt sehr gute und fruchtbare Kooperation zwischen Deutschland und Südafrika weiter zu vertiefen.

2010sdafrika-Redaktion: Der Einfluss Chinas in Südafrika, unter anderem im Forschungsbereich, manifestiert sich zunehmend. Befürchten Sie eine akademische Kooperations-Umverlagerung zu Lasten Deutschlands?

Antwort: Die Bemühungen Chinas sind bekannt. Für Südafrika ist es wie für uns selbst von Interesse, weltweit in der Forschung zu kooperieren. Wenn Deutschland in der Internationalisierungsstrategie der Bundesregierung die Kooperation mit den weltweit Besten anstrebt, verstehen wir jeden sehr gut, der dies ebenfalls anstrebt. Die deutsche Forschung ist aber auch im internationalen Vergleich sehr gut aufgestellt und fürchtet die Konkurrenz nicht. Im Gegenteil. Ich betrachte dies als Anreiz und als Herausforderung, globale Probleme gemeinsam zu lösen.

Chinas Präsident Hu Jintao begrüßte am 14.04.2011 den Beitritt Südafrikas in den Klub der Schwellenländer, den BRICS-Staaten, und betont u.a. die Zukunft der Süd-Süd-Forschungskooperation zwischen Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika. 

2010sdafrika-Redaktion: Waren Sie persönlich schon in Südafrika und welche Aspekte verbinden Sie rein intuitiv mit diesem Land?

Antwort: Ja, ich war vor längerer Zeit einmal in Südafrika. Es ist für mich ein wunderschönes, ein spannendes Land mit atemberaubender Landschaft. Ich verbinde mit Südafrika insbesondere auch gesellschaftlichen Aufbruch, aber auch enorme Herausforderungen.

2010sdafrika-Redaktion: Thomas Rachel, Parlamentarischer Staatssekretär im BMBF, vielen Dank für dieses informative Interview!