Schlagwort-Archive: Partnerschaft

„Die Arbeit des BMZ in Südafrika zeigt Wirkung“

Im Interview mit Hans-Jürgen Beerfeltz, Staatssekretär beim Bundesentwicklungsminister

(Autor: Ghassan Abid)

© Hans-Jürgen Beerfeltz, Staatssekretär beim Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). (Quelle: Lukas Kolodziej)

© Hans-Jürgen Beerfeltz, Staatssekretär beim Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). (Quelle: Lukas Kolodziej)

2010sdafrika-Redaktion: Wir begrüßen auf „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ den Staatssekretär beim Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), Herrn Hans-Jürgen Beerfeltz.

Frauen in Südafrika sind besonders stark von sexueller Gewalt betroffen. Laut aktuellsten Angaben des „SA Institute of Race Relations (SAIRR)“ werden pro Jahr 2.500 Frauen getötet und über 200.000 Frauen attackiert. Hervorzuheben ist hierbei die Vergewaltigung der 17-jährigen Anene Booysens in Bredasdorp. Wie erklären Sie sich diese gesellschaftliche Stellung des weiblichen Geschlechts am Kap?

Antwort: Die erschreckende Gewalt gegen Frauen und Mädchen in Südafrika hat viele Ursachen: Traditionelle Geschlechterrollen gehören dazu, aber auch die Zerrissenheit der Gesellschaft durch die Apartheid wirkt heute noch nach. Viele Familien wurden durch das System der Wanderarbeit auseinander gerissen. Wo in den Arbeiterwohnheimen der Bergbaustädte nur Männer unter sich waren – und zum Teil heute immer noch sind – hat Gewalt immer weiter um sich gegriffen. Arbeitslosigkeit und Alkohol unter jungen Männern verstärken die Brutalisierung.

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Mehr Kap-Obst für Deutschland

Bundeslandwirtschaftsministerium
unterstützt Berufsausbildung im südafrikanischen Agrarsektor

(2010sdafrika-Redaktion)

Am 5. Mai 2013 traf Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner in Südafrika ein, um politische Gespräche unter anderem mit ihrer südafrikanischen Amtskollegin Tina Joemat-Pettersson zu führen. Begleitet wurde die Politikerin von mehreren Bundestagsabgeordneten, Wirtschaftsrepräsentanten und Stiftungsvertretern. Die Deutsche Botschaft in Pretoria koordinierte die Arbeitsreise der CSU-Politikerin.

    © Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner unterzeichnete mit ihrer südafrikanischen Amtskollegin Tina Joemat-Pettersson eine Absichtserklärung zur Unterstützung der südafrikanischen Berufsausbildung im Agrarsektor. Außerdem plädierten beide Ministerinnen für eine Vertiefung der bilateralen Handelsbeziehungen. Deutschland ist eines der wichtigsten Importländer für südafrikanisches Obst. (Quelle: Auswärtiges Amt)

© Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner unterzeichnete mit ihrer südafrikanischen Amtskollegin Tina Joemat-Pettersson eine Absichtserklärung zur Unterstützung der südafrikanischen Berufsausbildung im Agrarsektor. Außerdem plädierten beide Ministerinnen für eine Vertiefung der bilateralen Handelsbeziehungen. Deutschland ist eines der wichtigsten Importländer für südafrikanisches Obst. (Quelle: Auswärtiges Amt)

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Kulturelle Identität in Südafrika

Regisseur Tobias Lindner über Afrikaanerkultur, Orania und seinen Dokumentarfilm

(Autor: Ghassan Abid)

© Tobias Lindner, Dokumentarfilmregisseur aus Berlin. Mehrfach hielt sich Lindner zwecks Recherche und Dreh in der südafrikanischen Burengemeinschaft Orania auf. Der Film entstand zunächst als Abschlussfilm an der Beuth Hochschule für Technik. Mit Unterstützung der Verleihfirma kinostar ist "Orania - Der Film" auch in den deutschen Kinos zu sehen. Dies ist keine Selbstverständlichkeit, da nur wenige Dokus dem Kinopublikum zugänglich gemacht werden.

© Tobias Lindner, Dokumentarfilmregisseur aus Berlin. Mehrfach hielt sich Lindner zwecks Recherche und Dreh in der südafrikanischen Burengemeinschaft Orania auf. Der Film entstand zunächst als Abschlussfilm an der Beuth Hochschule für Technik. Mit Unterstützung der Verleihfirma kinostar ist „Orania – Der Film“ auch in den deutschen Kinos zu sehen. Dies ist keine Selbstverständlichkeit, da nur wenige Dokus dem Kinopublikum zugänglich gemacht werden.

2010sdafrika-Redaktion: Wir begrüßen auf „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ den Dokumentarfilmregisseur Tobias Lindner. Am 13.06.2013 startet Ihr Dokufilm „ORANIA“ in den deutschen Kinos. Wie kam es zu diesem Vorhaben?Antwort: Ich habe einige Zeit in Südafrika gelebt und da hört man irgendwann zwangsläufig von Orania. Der Ort ist zwar auf Grund seiner geringen Größe auf den ersten Blick nicht sonderlich relevant, zieht aber trotzdem eine ungeheure Aufmerksamkeit auf sich. Das liegt sicherlich an seiner politischen Brisanz. Viele finden es mindestens kurios, dass es im Post-Apartheid Südafrika einen Ort gibt, in dem nur Weiße leben.

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„Millionen von Menschen leiden Not“

Im Interview mit Barbara Stamm, Präsidentin des Bayerischen Landtags

(Autor: Ghassan Abid)

© Barbara Stamm, Präsidentin des Bayerischen Landtags (Quelle:  Bildarchiv Bayerischer Landtag)

© Barbara Stamm, Präsidentin des Bayerischen Landtags (Quelle: Bildarchiv Bayerischer Landtag)

2010sdafrika-Redaktion: Wir begrüßen auf „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ Frau Barbara Stamm, Präsidentin des Bayerischen Landtags. Vor wenigen Wochen kamen Sie mit dem Präsidium des Landtags von einem Arbeitsbesuch aus Südafrika zurück. Welchen Eindruck konnten Sie von Land und Leute sammeln?

Antwort: Ich bin mit gemischten Gefühlen nach Bayern zurückgeflogen. Auf der einen Seite hat unsere Delegation ein Land erlebt, das vom Klima verwöhnt und reich ist an Bodenschätzen. Da diese nur ausgebeutet, aber nicht im Land veredelt werden, profitieren die Menschen davon nicht. Die Kluft zwischen Arm und Reich ist riesig. Millionen von Menschen leiden Not. Mich treibt die Frage um, wie die Verantwortlichen in Südafrika die vielen Aufgaben bewältigen wollen, an der Spitze die Arbeitslosigkeit, vor allem die Jugendarbeitslosigkeit. Wir haben auf unserer Reise viel von der gefährlichen Mischung aus Perspektivlosigkeit, Drogen und Kriminalität erfahren.

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Exklusiv-Interview mit Bundestagsvize Thierse

Wenn Beweise zum deutschen Rechtsextremismus in Südafrika vorliegen, muss gehandelt werden

(Autoren: Ghassan Abid, Ranem, 2010sdafrika-Redaktion)

    © Wolfgang Thierse. Der SPD-Politiker war von 1998 bis 2005 Präsident des Deutschen Bundestages. Seit 2005 ist er Vizepräsident des höchsten legislativen Verfassungsorgans. Er gilt als einer der aktivisten Politiker, die sich in aller Schärfe gegen Rechtsextremismus positionieren und gleichzeitig regelmäßig an Protestveranstaltungen - unter anderem an Blockadeaktionen - teilnehmen. Gegenüber "SÜDAFRIKA - Land der Kontraste" hält Thierse fest: "... Wenn es Beweise gibt, dass deutsche Rechtsradikale auch in Südafrika aktiv sind, sollten der deutsche und südafrikanische Innenminister zusammenkommen und Maßnahmen besprechen, wie dieser internationale Rechtsextremismus auch von beiden Ländern gemeinsam bekämpft werden kann."

© Wolfgang Thierse. Der SPD-Politiker war von 1998 bis 2005 Präsident des Deutschen Bundestages. Seit 2005 ist er Vizepräsident des höchsten legislativen Verfassungsorgans. Er gilt als einer der aktivisten Politiker, die sich in aller Schärfe gegen Rechtsextremismus positionieren und gleichzeitig regelmäßig an Protestveranstaltungen – unter anderem an Blockadeaktionen – teilnehmen. Gegenüber „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ hält Thierse fest: „Wenn es Beweise gibt, dass deutsche Rechtsradikale auch in Südafrika aktiv sind, sollten der deutsche und südafrikanische Innenminister zusammenkommen und Maßnahmen besprechen, wie dieser internationale Rechtsextremismus auch von beiden Ländern gemeinsam bekämpft werden kann.“

2010sdafrika-Redaktion: Wir begrüßen auf ‚“SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ Herrn Wolfgang Thierse, Bundestagsvizepräsident.

Sie engagieren sich gegen den Rechtsextremismus, welcher ein riesen Problem darstellt, insbesondere im Hinblick auf deutsch-südafrikanische Aktivitäten. Es gab jetzt Recherchen einer niederländischen Reporterin, dass auch NPD-Publizisten und -Funktionäre vom Kap aus aktiv sind. Wie sollte das Bundesinnenministerium auf diese Gefahr von Rechts reagieren?

Antwort: Also das auch die Rechtsextremisten international vernetzt sind, ist nicht neu. Es ist auch nicht ganz neu, dass es nicht nur für europäische Länder gilt. Aber da müssen, wenn es Beweise gibt, dass deutsche Rechtsradikale auch in Südafrika aktiv sind, sollten der deutsche und südafrikanische Innenminister zusammenkommen und Maßnahmen besprechen, wie dieser internationale Rechtsextremismus auch von beiden Ländern gemeinsam bekämpft werden kann. Weiterlesen

Diplomatischer Wettbewerb um Südafrika

US-Außenministerin Hillary Clinton stellt Chinas Vorherrschaft in Frage. Ein Arbeitsbesuch mit vollem Erfolg

(Autor: Ghassan Abid)

In dieser Woche hält sich US-Außenministerin Hillary Clinton während ihrer Afrikareise unter anderem für ganze vier Tage in Südafrika auf. Viel wurde gesprochen und zahlreiche Entscheidungen sind getroffen worden. Begleitet wurde sie von einer hochrangigen amerikanischen Wirtschaftsdelegation aus den Bereichen Luftfahrt, Energie und Schifffahrt.

© US-Außenministerin Hillary Clinton bei einer Zusammenkunft mit Südafrikas Außenministerin Maite Nkoana-Mashabane in Pretoria. Die USA kämpfen um die Gunst Südafrikas und stellen somit die Vorherrschaft Chinas am Kap durchaus provokativ in Frage. (Quelle: flickr/ State Department I Public Domain)

© US-Außenministerin Hillary Clinton bei einer Zusammenkunft mit Südafrikas Außenministerin Maite Nkoana-Mashabane in Pretoria. Die USA kämpfen um die Gunst Südafrikas und stellen somit die Vorherrschaft Chinas am Kap durchaus provokativ in Frage. (Quelle: flickr/ State Department I Public Domain)

Am vergangenen Montag nahmen am Wirtschaftstreffen „U.S.-South Africa Business Partnership Summit“ in Johannesburg rund 200 führende Geschäftsleute aus beiden Staaten teil. Clinton äußerte die US-Ambitionen, verstärkt in die südafrikanische Infrastruktur investieren zu wollen. Das gegenwärtige Handelsvolumen zwischen den USA und Südafrika beträgt 22 Milliarden US-Dollar, während das südafrikanisch-chinesische Volumen mit 25,6 Milliarden US-Dollar beziffert wird und somit höher liegt.

US-Außenministerin Hillary Clinton auf dem „U.S.-South Africa Business Partnership Summit“ in Johannesburg

Südafrika ist der wichtigste Abnehmermarkt für US-amerikanische Güter auf dem afrikanischen Kontinent. Im vergangenen Jahr sind US-Güter im Wert von 6 Millionen US-Dollar nach Südafrika importiert worden. Hillary Clinton betonte aber ihr persönliches Anliegen, noch mehr afrikanischen Gütern einen Zugang zur amerikanischen Volkswirtschaft zu ermöglichen. Der „African Growth and Opportunities Act (AGOA)“, einem US-Gesetz zur Förderung von afrikanischen Gütern mittels Gebühren- und Kontingentfreiheit, dient genau diesem Zweck. Eine Fortsetzung dieses Handelsgesetzes müsse zunehmend im Interesse der Südafrikaner abgewickelt werden, heißt es aus diplomatischen Kreisen.

Genauso haben die „Export-Import Bank of the United States (Ex-Im Bank)“ und die „Industrial Development Corporation of South Africa (IDC)“ die Erklärung „Declaration of Intent (DoI)“ unterzeichnet, welche mit einem Finanzvolumen von bis zu 2 Milliarden US-Dollar ausgestattet ist. Die Ex-Im Bank ist ein staatliches Kreditinstitut, die die US-politischen Ziele im Ausland verwirklichen und US-Unternehmen bei Exportgeschäften mit Geldgarantien unterstützen soll. In der amerikanisch-südafrikanischen Vereinbarung geht es konkret um die Gewährung von Darlehen für US-Investitionen im südafrikanischen Energiesektor. In diesem Zusammenhang sollen, so südafrikanische Pressemeldungen, die Stromkapazitäten des staatlichen Energieversorgers ESKOM um mehr als 50.000 Megawatt ausgebaut werden; größtenteils aus Erneuerbaren Energien.

Außerdem wird die staatliche US-Behörde für Entwicklungszusammenarbeit USAID rund 150 Millionen US-Dollar für Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) zur Verfügung stellen, um auf diesem Weg mehr als 20.000 Arbeitsplätze schaffen zu können. Ferner hat Hillary Clinton mit der südafrikanischen Außenministerin Maite Nkoana-Mashabane einerseits einen „Strategischen Dialog“ zu außenpolitischen Themen geführt, andererseits mit dem Gesundheitsminister Aaron Motsoaledi die Partnerschaft „Partnership Framework Implementation Plan (PFIP)“ abgeschlossen. Letzteres sieht einen Fahrplan für ein AIDS-freies Südafrika bis 2017 vor. Mittelfristig wollen sich die Amerikaner jedoch aus ihren AIDS-Förderungen in Südafrika komplett zurückziehen, nachdem die Regierung in Pretoria die US-Hilfe mittlerweile für nicht mehr notwendig hält.

US-Außenministerin Hillary Clinton über die Ergebnisse ihrer Unterredungen mit der südafrikanischen Außenministerin Maite Nkoana-Mashabane.

Der Besuch der US-amerikanischen Außenministerin und wichtiger Wirtschaftsrepräsentanten ist unstrittig in erster Linie gegen China gerichtet. Die USA verfolgen die zunehmende Distanzierung Südafrikas im Hinblick auf die Ausweitung der Süd-Süd-Kooperationen mit großem Unbehagen. Mehrere ANC-Politiker haben sich in diesem Jahr sehr kritisch gegenüber dem Westen geäußert. Dementsprechend sind die USA nun in der Pflicht, noch mehr auf die Bedürfnisse der Südafrikaner einzugehen. China wird in naher Zukunft erneut nachziehen – dies ist jetzt schon sicher. Der Wettbewerb der Amerikaner und Chinesen um den Partner Südafrika läuft auf Hochtouren.

Deutsch-südafrikanische Militärpartnerschaft

Im Interview mit dem Inspekteur der Marine, Vizeadmiral Axel Schimpf

(Autor: Ghassan Abid)

© Vizeadmiral Axel Schimpf, Inspekteur der Marine (Quelle: Marine)

© Vizeadmiral Axel Schimpf, Inspekteur der Marine (Quelle: Marine)

2010sdafrika-Redaktion: Wir begrüßen auf „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ den Inspekteur der Marine, Herrn Vizeadmiral Axel Schimpf. Das Bundesministerium der Verteidigung besteht aus dem Leitungsbereich, den zivilen Abteilungen und den militärischen Führungsstäben. Sie stehen der Marine vor und sind für deren Einsatzbereitschaft zuständig. Können Sie kurz erläutern, welche Auswirkungen die von Verteidigungsminister Thomas de Maizière angestoßene „Neuausrichtung“ für die Deutsche Marine haben wird?

Antwort: Eine „Umgestaltung“ ist für die Deutsche Marine nichts Neues. Die Deutsche Marine hat bereits im vergangenen Jahrzehnt begonnen, ihre Strukturen effizienter auf die heutigen Einsätze auszurichten. Ein gutes Beispiel dafür ist die Aufstellung der Einsatzflottille 1 in Kiel mit der Zusammenfassung aller Bootsflottillen.

Gleichwohl bedurfte es einer erneuten Bestandsaufnahme der Situation der Marine im vergangenen Jahr, die eine weitere Neuausrichtung notwendig machte. Als Stichworte sind hier zu nennen: Die heutige Einsatzwirklichkeit deutscher Streitkräfte, finanzielle Rahmenbedingungen und die demografische Entwicklung Deutschlands. Es war danach für jeden klar erkennbar, dass Veränderungen auch für die kleinste Teilstreitkraft notwendig sind. Die Fähigkeiten der Marine müssen heute sicherheitspolitisch abgeleitet, die Strukturen demographiefest und die Marine muss insgesamt nachhaltig finanzierbar sein. Hiermit gehen neue Maßstäbe einher. Die Marine soll modularer, skalierbarer, flexibler und noch stärker auf den weltweiten, multinationalen Einsatz ausgerichtet werden.

Der deutsche Schriftsteller Ludwig Börne sagte einmal: „In einem wankenden Schiff fällt um, wer stillsteht, nicht wer sich bewegt.“ Unsere Deutsche Marine bewegt sich. Wir gehen völlig neue Wege, um unsere Einsatzfähigkeit auch künftig sicherzustellen. Auf Grundlage der Verteidigungspolitischen Richtlinien (VPR) wird die Marine das breite Fähigkeitsprofil zu Wasser, zu Land und in der Luft erhalten und zukunftsfähig gestalten. Bei einer sich vom Personal her verkleinernden Marine müssen wir dazu innovative Wege eingeschlagen, um dieses Ziel mit etwa 55 Schiffen/Booten, 40 Luftfahrzeugen sowie den Spezial- und landgebundenen Kräften der Marine zu erreichen.

Die künftige Struktur der Marine fasst daher maritime Expertise in einer sehr flachen Führungsstruktur konzentriert zusammen – unter Verzicht auf die Divisions- beziehungsweise die Amtsebene. Dabei werden Aufgaben, Kompetenz und Verantwortung gebündelt. Entsprechend wird künftig nur ein integrales Marinekommando in Rostock bestehen. Hierzu gehört auch das Maritime Operations Center (MOC) mit dem sogenannten Fleet Entry Point, von wo aus die fahrende und fliegende Flotte geführt wird. Das MOC verbleibt im Übergang bis zur Schaffung der notwendigen infrastrukturellen Voraussetzungen in Glücksburg, wird im Ziel aber ebenfalls in Rostock stationiert. Gleichzeitig werden die Einsatzflottillen noch weiter in Richtung Einsatzorientierung gestärkt. Die Marinefliegerführung wird aus dem heutigen Flottenkommando herausgelöst und im Marinefliegerkommando truppennah im Standort Nordholz aufgestellt. In der vergleichsweise schlanken „Basis“ werden die Einsatzunterstützung der Marine und die Marinefachausbildung gebündelt.

Einer der neuen und innovativen Ansätze, die die Deutsche Marine zudem verfolgt, verbindet sich mit dem Stichwort „Modularität“. Dies bedeutet die Trennung von Plattformen und den auf ihnen abzubildenden Fähigkeiten, um vielfältige und wesentlich flexiblere Einsatzmöglichkeiten zu schaffen. Ein Schiff oder ein Boot verfügt künftig über bestimmte Grundfähigkeiten und wird vor einem Einsatz den speziellen Aufgaben- und Bedrohungsszenarien angepasst.

Durch das Ausbringen modularer Subsysteme für das künftige Projekt Mehrzweckkampfschiff (MKS) 180 wird diesem Ansatz Rechnung getragen. So wird die notwendige Flexibilität für künftige Einsatzszenarien gesichert. Daneben sollte bei der Projektierung neuer Waffensysteme ein hoher Grad an Automatisierung berücksichtigt werden, um zukünftig den Personalbedarf zu reduzieren.

Einen besonderen Schwerpunkt legt die Marine auf die Reduzierung der Belastungen von Mensch und Material. Wir werden zukünftig die Abwesenheitsbelastung vom Heimathafen auf ein erträgliches Maß begrenzen, indem die Schiffe und Boote insgesamt mehr Besatzungen erhalten. Damit stellen wir die personelle Durchhaltefähigkeit sicher und erreichen gleichzeitig ein erhöhtes Maß an Planbarkeit für unsere Besatzungen und ihre Familien.

© Die Fregatte Lübeck läuft anlässlich des deutsch-südafrikanischen Manövers Good Hope V im März 2012 in den Hafen von Durban ein. Insgesamt verfügt die Marine zum gegenwärtigen Zeitpunkt über 15 Fregatten, 2 Korvetten, 10 Schnellboote, 4 U-Boote, 20 Minenabwehreinheiten, 8 Seefernaufklärer, 43 Hubschrauber, 10 Unterstützungseinheiten und 3 Flottendienstboote. Ziel der "Neuausrichtung" des Bundesverteidigungsministeriums ist es, u.a. die Anzahl der Fregatten zu minmieren und die der U-Boote sowie Korvetten zu steigern. Zudem unterhält die Marine in 11 norddeutschen Kommunen - Flensburg, Eckernförde, Kiel, Plön, Neustadt, Warnemünde, Rostock, Parow, Nordholz, Bremerhaven und Wilhelmshaven - verschiedene Standorte. (Quelle: Marine)

© Die Fregatte Lübeck läuft anlässlich des deutsch-südafrikanischen Manövers Good Hope V im März 2012 in den Hafen von Durban ein. Insgesamt verfügt die Marine zum gegenwärtigen Zeitpunkt über 15 Fregatten, 2 Korvetten, 10 Schnellboote, 4 U-Boote, 20 Minenabwehreinheiten, 8 Seefernaufklärer, 43 Hubschrauber, 10 Unterstützungseinheiten und 3 Flottendienstboote. Ziel der „Neuausrichtung“ des Bundesverteidigungsministeriums ist es, u.a. die Anzahl der Fregatten zu minmieren und die der U-Boote sowie Korvetten zu steigern. Zudem unterhält die Marine in 11 norddeutschen Kommunen – Flensburg, Eckernförde, Kiel, Plön, Neustadt, Warnemünde, Rostock, Parow, Nordholz, Bremerhaven und Wilhelmshaven – verschiedene Standorte. (Quelle: Marine)

Durch die konsequente Einführung von Mehrbesatzungsmodellen und die Möglichkeit zur Intensivnutzung von Plattformen werden wir mit weniger Einheiten unsere Aufträge weiterhin erfüllen können.

Die Deutsche Marine ist insgesamt gut aufgestellt, auf klarem Kurs mit klarem Ziel, zukunftsfähig und leistungsstark. Die künftige Flotte mag zwar kleiner, dafür moderner und nach wie vor vergleichbar schlagkräftig wie heute sein.

2010sdafrika-Redaktion: Die Marine besteht aus zwei Einsatzflottillen, welche in Kiel und Wilhelmshaven stationiert sind. Die Einsatzflottille 1 in Kiel umfasst alle Boote, U-Boote, deren Versorgungsfahrzeuge und die spezialisierten Einsatzkräfte Marine. In Wilhelmshaven hingegen vereint die Einsatzflottille 2 sämtliche Fregatten und deren Versorgungsschiffe, welche bei den deutsch-südafrikanischen Manövern „Good Hope“ schwerpunktmäßig eingesetzt werden. Wer initiierte diese bilaterale Militärübung?

Antwort: Der Austausch mit anderen Nationen ist ein wichtiger Bestandteil bei der Weiterentwicklung der eigenen Streitkräfte. Vor diesem Hintergrund basiert die Übungsserie „Good Hope“ letztlich auf einer gemeinsamen Initiative beider Staaten, nicht nur die ökonomischen oder kulturellen Beziehungen zu intensivieren, sondern auch militärpolitisch enger zusammenzuarbeiten. Spezielles Ziel dieser Übungsreihe ist daher, die bisherige vertrauensvolle Partnerschaft zwischen beiden Streitkräften zu vertiefen, operationelle Verfahren und Methoden zu trainieren und sich gemeinsam auf mögliche Einsätze in einem internationalen Umfeld vorzubereiten. Im letztgenannten Kontext unterstützen wir die südafrikanische Marine gerne bei der Ausbildung ihrer Seestreitkräfte im Rahmen der langfristigen Bekämpfung der Piraterie in der Region.

2010sdafrika-Redaktion: Vor Kurzem fand die fünfte Auflage von Good Hope statt. Vom 5. bis 23. März 2012 suchte die Fregatte LÜBECK mit zwei Sea Lynx Hubschraubern die Küste Südafrikas auf. Der sogenannte „Austausch von Verfahren und Erfahrungen bei Anti-Piraterie Operationen“ stand im diesjährigen Mittelpunkt. Welche drei Manöver wurden mit welchem Ergebnis konkret durchgeführt?

Antwort: Zu Beginn der diesjährigen Übung fand eine mehrtägige Abstimmungs- und Vorbereitungsphase in Pretoria mit den Planungsverantwortlichen beider Marinen unter südafrikanischer Leitung statt. Das eigentliche Übungsvorhaben begann in Durban mit zweitägiger Verspätung, da das Einlaufen der Fregatte LÜBECK durch den Hurricane „Irina“ verzögert wurde. Nach einer kurzen Hafenphase folgte der erste Übungsabschnitt in See. Auf dem Transit nach Simon’s Town bildeten Übungen im Rahmen der Bekämpfung der Piraterie den inhaltlichen Schwerpunkt. In diesem Zusammenhang übten beide Marinen gemeinsam das sogenannte „Boarding“, das Aufbringen und Untersuchen von verdächtigen Schiffen mit entsprechenden Kräften. Dabei wurde unter anderem das Absetzen der Boarding-Kräfte mit dem Hubschraubern aber auch das Übersetzen mit dem Speedboot geübt. Nach Einlaufen in Simons’s Town folgten weitere Übungen im Hafen ebenfalls mit dem Schwerpunkt der Bekämpfung der Piraterie. Die letzte Übungswoche, die wiederum in See stattfand, diente der Durchführung einer zweitägigen U-Boot-Jagdübung sowie der Ausbildung der Besatzungen in der Handhabung ihrer Schiffe. Zum Abschluss der Übung „Good Hope V“ kann ich insgesamt nur feststellen, dass die Zusammenarbeit zwischen beiden Marinen hervorragend war und die Übungen erfolgreich verliefen. Wir haben das gemeinsam gesteckte Ziel, des Austausches und der Weitergabe aber auch der Weiterentwicklung von taktischen und operationellen Kenntnissen erreicht. Als sehr wichtige Erkenntnis können wir aber auch mitnehmen, dass die deutsch-südafrikanische Übung „Good Hope“ bereits zum fünften Mal durchgeführt, wurde und die südafrikanische Marine dabei erstmals die Lead-Funktion wahrgenommen hat. Mit der erfolgreichen Durchführung der Übung hat die südafrikanische Marine ihre Leistungsfähigkeit einmal mehr unter Beweis gestellt.

© Multinationale Übung "Good Hope V" vor der Küste Südafrikas. Die Fregatte Lübeck und südafrikanische Fregatte Isandl Wana befinden sich im Manöver. (Quelle: Marine)

© Multinationale Übung „Good Hope V“ vor der Küste Südafrikas. Die Fregatte Lübeck und südafrikanische Fregatte Isandl Wana befinden sich im Manöver. (Quelle: Marine)

2010sdafrika-Redaktion: Ihr Vorgänger, Vizeadmiral Wolfgang E. Nolting, koordinierte Good Hope IV. Diese umfasste eine See- und Luftstreitkräfteübung, an welcher auch mehrere Kampfflugzeuge der deutschen Luftwaffe des Typs Tornado partizipierten. Lässt sich aktuell eine Umverlagerung der deutsch-südafrikanischen Militärpartnerschaft auf reine Seestreitkräfte erkennen?

Antwort: Nein, eine Reduzierung der „Good Hope“-Übungsserie ausschließlich auf Seestreitkräfte sehe ich derzeit nicht. Trotzdem die deutsche Luftwaffe nicht an der diesjährigen Übung teilnehmen konnte, ist es nach wie vor Absicht, nicht nur die Zusammenarbeit zwischen den Marinen zu intensivieren, sondern auch weiterhin das Zusammenwirken mit der Luftwaffe zu üben. Die Luftwaffe beabsichtigt derzeit in 2014 erneut an „Good Hope“ teilzunehmen. Gerade das Schießen von scharfen Lenkflugkörpern ist weiterhin von Bedeutung für die Marine aber auch die Luftwaffe. Nur wenige Gebiete auf der Welt verfügen über solche hervorragende Rahmenbedingungen, wie wir sie in dem südafrikanischen Schießgebiet vorfinden. Gleichwohl finden bei „Good Hope“ aber auch aktuelle operationelle Erfordernisse Berücksichtigung. Vor dem Hintergrund der Ausweitung von Piraterie in den Gewässer des südlichen Afrika kommt dem Thema „Maritime Sicherheit und Kooperation“ auch in dieser Region eine wachsende Bedeutung zu. Dem hat Südafrika mit der Implementierung einer neuen „Maritime Security Strategy“ Rechnung getragen und hat damit in der Regionalorganisation im südlichen Afrika SADC (Southern African Development Community) eine Vorreiterrolle übernommen. In den vergangenen Jahren ist die Bekämpfung der Piraterie stark in den Vordergrund getreten, so dass der Schwerpunkt der diesjährigen Übung „Good Hope V“ auf den Bereich der Piraterieabwehr gelegt wurde. Hier konnten wir gute Ergebnisse erzielen und Wissen und Erfahrung weitergeben. Aber auch dem Üben grundsätzlicher Fähigkeiten, wie z.B. der U-Boot-Jagd, seemännische Manöver und das Schießen mit den Schiffsartilleriegeschützen dient diese Übungsserie.

Beim Manöver Good Hope IV von 2010 nahmen neben den Fregatten Brandenburg und Niedersachsen, auch mehrere Tornado-Kampfflugzeuge der Deutschen Luftwaffe teil. 2014 wird die Luftwaffe erneut bei der deutsch-südafrikanischen Militärübungsreihe mitwirken.

© Deutsche und südafrikanische Marineinheiten trainieren das Boarding, welches im Hinblick auf die Piraterie-Bekämpfung im südlichen Afrika eine wichtige Rolle einnimmt. (Quelle: Marine)

© Deutsche und südafrikanische Marineinheiten trainieren das Boarding, welches im Hinblick auf die Piraterie-Bekämpfung im südlichen Afrika eine wichtige Rolle einnimmt. (Quelle: Marine)

2010sdafrika-Redaktion: Wie erklären Sie sich die Tatsache, dass die Bundesmarine ausschließlich mit Südafrika enge Beziehungen bei der Durchführung von Übungen unterhält, obwohl Deutschland auch mit anderen afrikanischen Staaten wie Nigeria gute Beziehungen pflegt?

Antwort: Die Staaten Afrikas haben mit der Afrikanischen Friedens- und Sicherheitsarchitektur („African Peace and Security Architecture“ – APSA) Verantwortung für das Konfliktmanagement und die Friedenssicherung auf ihrem Kontinent übernommen. Im Zentrum dieser Anstrengungen steht der von der AU gesteuerte Aufbau der APSA. Deutschland unterstützt sie dabei sowohl multilateral, wie auch national im Rahmen des Afrikakonzeptes der Bundesregierung. Hierzu pflegt die Bundeswehr im Rahmen der bilateralen militärpolitischen und militärischen Kooperation auch eine Zusammenarbeit im Rahmen von Ausbildung und Übung mit diversen Staaten Afrikas, mit dem Ziel, deren Fähigkeiten dort gezielt zu stärken. Je nach regionaler Ausprägung und dort verfügbaren militärischen Fähigkeiten findet diese Zusammenarbeit auch in unterschiedlichen, militärischen Bereichen statt.

Zu Südafrika unterhält Deutschland militärpolitische und militärische Beziehungen auf im afrikanischen Vergleich hohem Niveau. Der besondere Stellenwert der Kooperation mit der südafrikanischen Marine ergibt sich aus dem Einfluss und der Position Südafrikas in der Region Subsahara-Afrika, einer leistungsfähigen und kooperationswilligen Marine sowie dem durch Südafrika erkannten und unter anderem in dieser Übung berücksichtigten Bedeutungszuwachs maritimer Sicherheit für die regionale Stabilität.

© Admiral Mollenhauer im Gespräch auf der südafrikanischen Fregatte AMATOLA (Quelle: Marine)

© Admiral Mollenhauer im Gespräch auf der südafrikanischen Fregatte AMATOLA (Quelle: Marine)

© Die Commander beider Marinen, Captain Micky Girsa und Kapitän zur See Elke Wetters, im Media-Briefing. Das Manöver "Good Hope V" wurde unter der Einbeziehung der Medien durchgeführt.

© Die Commander beider Marinen, Captain Micky Girsa und Kapitän zur See Elke Wetters, im Media-Briefing. Das Manöver „Good Hope V“ wurde unter der Einbeziehung der Medien durchgeführt. (Quelle: Marine)

2010sdafrika-Redaktion: Waren Sie persönlich schon in Südafrika bzw. was würden Sie sich gerne anschauen wollen?

Antwort: Als Delegationsleiter der Marinestabsgespräche im Jahr 2003 hatte ich bereits Gelegenheit, einige Tage in der Kap-Region, in Johannesburg und weiter im Norden (Pilanesberg) verbringen zu können. Ich habe großartige Eindrücke mit nach Hause genommen, vor allem auch „Appetit auf mehr“ – die kulturelle Vielfalt ist beeindruckend, die Weite und die Schönheit des Landes berühren einen. Ich wünsche dem Land und seinen Menschen eine gute Zukunft – und ich komme gerne wieder.

2010sdafrika-Redaktion: Wir bedanken uns ganz herzlich beim Inspekteur der Marine, Axel Schimpf, für dieses Interview!