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Onkel Ali und die Nizamiye Moschee

Größtes islamisches Gotteshaus in der südlichen Hemisphäre für 24 Millionen Euro erbaut.

(Autor: Ghassan Abid)

Zwischen Pretoria und Johannesburg gelegen, in Midrand, erstrahlt seit Kurzem ein prachtvolles Gotteshaus. Die Nizamiye Moschee mit ihren 55 Meter hohen Minaretten zählt bereits jetzt schon zu den sehenswerten Gebäuden in der größten südafrikanischen Metropole. Für 250 Millionen Rand, also umgerechnet 24 Millionen Euro, ist mit der Moschee der Grundstein für die größte islamische Einrichtung in der südlichen Hemisphäre gelegt worden.

© Nizamiye Moschee in Johannesburg. Die Baukosten betrugen 24 Millionen Euro. (Quelle: flickr/ markStraw)

© Nizamiye Moschee in Johannesburg. Die Baukosten betrugen 24 Millionen Euro. (Quelle: flickr/ markStraw)

Tausende Touristen besuchen jede Woche die Nizamiye Moschee. Inspiriert von türkischem Design – vom Teppich bis hin zu den Fenstern – und handgemachten Wandfliesen mit Blumenmustern, erlebt Südafrika eine architektonische Neuheit. Allein der Türeingang besteht aus 23,9 Karat Gold und ist somit ein Blickfang. Der Style entspricht türkischen Motiven des 16. Jahrhunderts, welche durch Mimar Sinan geprägt sind.

© Die Minarette sind 55 Meter hoch. (Quelle: flickr/ markStraw)

© Die Minarette sind 55 Meter hoch. Insgesamt wurden 4 solcher Türme aufgestellt. (Quelle: flickr/ markStraw)

Im Oktober 2009 begannen die Arbeiten an der Moschee. Ali Katircioglu, ein 65-jähriger Geschäftsmann aus der Türkei, finanzierte zu einem erheblichen Teil den Bau. Für dieses Vorhaben flog der reiche Türke regelmäßig zwischen Südafrika und der Türkei. Sein Anliegen war es, dass auch am Kap ein islamisches Gotteshaus den Betenden und den Gästen zur Verfügung gestellt werden sollte. Ahmed Shabbir Bham, ein muslimischer Architekt aus Südafrika, verwirklichte den Traum von “Onkel Ali”, wie der Türke in Johannesburg auch gerne genannt wird.

Es wird geschätzt, dass in Südafrika rund 656.000 Muslime leben, was 1,4 Prozent an der Gesamtbevölkerung ausmacht. Vor allem die Anzahl junger Männer, die zum Islam konvertieren, steige stetig.

eNCA-TV-Beitrag zur Nizamiye Mosque

Um die Moschee herum finden sich bislang noch Baustellen. Geplant sind ein Shopping Center, eine Grundschule, eine Klinik und eine Muslimische Universität. Im September 2012 werden diese, abgesehen von der Hochschule, eingeweiht. Präsident Jacob Zuma soll der Eröffnung dieser muslimischen Einrichtungen beiwohnen, heißt es aus muslimischen Kreisen.

Die meisten Muslime leben in den Provinzen Gauteng, am Westkap und in KwaZulu-Natal. Seit 1658 ist der Islam mit der Einwanderung von Muslimen aus Malaysia am Kap präsent.  Sie sollten als Zwangsangestellte, besser bekannt als „Mardyckers“, den Besitz und Eigentum holländischer Kolonialisten schützen. Die Religionsausübung war diesen Sklaven jedoch verboten worden. Sogar die Todesstrafe soll nach historischen Überlieferungen angewandt worden sein. Mit Gelehrten wie Scheich Yusuf und Tuan Guru errang die südafrikanische Muslimgemeinde internationale Beachtung.

© Die Moschee besteht hauptsächlich aus Materialen aus der Türkei. "Onkel Ali" finanzierte das Vorhaben größtenteils. (Quelle: flickr/ markStraw)

© Die Moschee besteht hauptsächlich aus Materialen aus der Türkei. „Onkel Ali“ finanzierte das Vorhaben größtenteils. (Quelle: flickr/ markStraw)

Erst ab 1798 wurden die ersten Moscheen in Südafrika legalisiert, beginnend in Kapstadt. Im 19. Jahrhundert konnte durch die Tolerierung der britischen Herrschaft eine ganze muslimische Gemeinschaft am Kap aufgebaut werden. Während der Apartheid verließen die Muslime ihre Passivität und schlossen sich weitgehend dem politischen Widerstand an.

© Arabische Schriften und Blumenmuster zieren den Innenraum des Gotteshaues. (Quelle: flickr/ markStraw)

© Arabische Schriften und Blumenmuster zieren den Innenraum des Gotteshaues. (Quelle: flickr/ markStraw)

Obwohl die Muslime eine Minderheit in Südafrika stellen, ist ihr Einfluss umso beachtlicher. Mehrere Parlamentarier und Minister fühlen sich dem Islam zugehörig. Kerstin von Bremen von der Konrad-Adenauer Stiftung kommt unter anderem zum Ergebnis, dass in Kapstadt, Durban und Johannesburg die einflussreichsten muslimischen Südafrikaner leben. Sie pflegen bisweilen beste Kontakte zu Politik, Medien und Wirtschaft einerseits und zu anderen muslimischen Gemeinschaften im Ausland andererseits. Der populärste Muslim ist Ebrahim Rasool, ehemaliger ANC-Vorsitzender sowie Premierminister des Westkaps. Gegenwärtig ist er Botschafter von Südafrika in den USA. Islamophobie taucht nur in vereinzelten Fällen auf.

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Südafrika auf der ITB

Passivität wird nicht belohnt! Ein Tourismusmesse-Erlebnisbericht aus der Ich-Perspektive

(Autor: Ghassan Abid)

Es ist Samstag, der 10. März 2012, als ich das Messegelände in Berlin aufgesucht habe, um den diesjährigen Südafrika-Stand auf der internationalen Tourismusmesse ITB zu besuchen. Nachdem ich von den Ständen Türkei, Ghana, Indien, Algerien, Slowenien und Polen von viel Lebendigkeit angesteckt wurde, erreichte ich mit großer Erwartung die südafrikanische Repräsentation in der Halle 20.

Allerdings war es hier im Vergleich zu den anderen Hallen sehr still und leblos. Die Ausstellungsmitarbeiter schienen vordergründig mit sich selbst beschäftigt zu sein. Während die Empfangsdame von South African Airways ständig mit einem Herrn im Gespräch vertieft war, saßen die Vertreter der Provinzen in kleinen Ecken zusammen und grenzten somit spürbar das Publikum aus.

© Messe Berlin: Die ITB ist die führende Fachmesse der internationalen Tourismus-Wirtschaft.

© Messe Berlin: Die ITB ist die führende Fachmesse der internationalen Tourismus-Wirtschaft. Südafrika war in der Halle 20 untergebracht.

Diese Arroganz staatlicher Bediensteter, welche mehrfach von Deutschen am Kap bemängelt wird, fand sich auch auf der ITB ein. Letztendlich war Südafrika – um es sarkastisch zu formulieren – realitätsgerecht repräsentiert. Ich sprach die einzelnen Aussteller, die sich unter dem offiziellen Tourismus-Slogan „Alles ist möglich“ einfanden, auf diese Wahrnehmung meinerseits an. Doch die Reaktion, die ich erhielt, könnte als Abwertung meiner nervigen Fragen interpretiert werden.

Hingegen waren die Vertreter der Provinzregierung Free State über diese Kritik sichtlich beschämt. Man erzählte mir, dass die Tourismusbehörde des Free States – also der Steuerzahler -, den Flug und die Unterkunft für sein Messepersonal vollständig übernommen hat, damit diese Touristen nach Bloemfontein anlocken. „Wir sollen werben„, erwiderte eine sympathische Frau meine Frage, mit welchem Ziel sie nach Deutschland eingeflogen wurde.

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© Südafrika auf der ITB Berlin 2012: Alle neun Provinzen waren vor Ort.

Erst als ich die Staatsdiener aus dem Free State angesprochen habe, wurde ich für einen touristischen Aufenthalt umworben. Im Vertrieb wäre solch eine Passivität und Gleichgültigkeit der Beginn vom Ende eines jeden Unternehmens. Beim Verabschieden bedankten sich die Beschäftigten der Provinzregierung mit einem Foto und zwei hochwertigen Kugelschreibern aus dem Regierungsbestand.

Das nationale Fremdenverkehrsamt, die Zentrale von South African Tourism in Sandton, sollte weniger Geld in überregionale Werbemaßnahmen stecken und stattdessen eher das staatliche Personal für die effiziente Umwerbung von Touristen sensibilisieren. Persönliche Erlebnisse sind mehr gefragt als hochtrabende Werbeeinblendungen in TV, Radio und Internet.