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Kap-Kolumne: Das Urteil – Fahrlässige Tötung

Verurteilter Oscar Pistorius ist bis zur Verkündung des Strafmaßes auf Kaution frei

(Autor: Detlev Reichel ist der Kap-Kolumnist des Südafrika-Portals. Als Missionskind, Sozialist und einstiger Westberliner Anti-Apartheids-Aktivist berichtet er aus und zu Südafrika.)

Nun ist es raus. Oscar Pistorius ist der fahrlässigen Tötung seiner Freundin Reeva Steenkamp schuldig gesprochen worden. Die Vorsitzende Richterin Thokozile Masipa am Hohen Gericht in Pretoria gab diesen einstimmigen Beschluss des Gerichts am Freitag bekannt. Damit hat das Verteidigerteam mit allen seinen teuren Experten einen Erfolg errungen. Die Staatsanwaltschaft hatte auf vorsätzlichen Mord plädiert.

George Selimashvili

© Kap-Kolumnist Detlev Reichel hat das Strafverfahren gegen Oscar Pistorius verfolgt. Seiner Meinung nach sollte nicht über das Strafmaß debattiert werden, sondern vielmehr über die Waffengesetze Südafrikas. Hätte Pistorius keine Schusswaffe gehabt, wäre sein Opfer Reeva Steenkamp heute noch am Leben. (Quelle: flickr/ George Selimashvili)

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“Sie starb in meinen Armen”

Verteidiger von Oscar Pistorius trägt eidesstattliche Erklärung vor: Morddrohungen gegen den Star?

(Autor: Ghassan Abid)

Am heutigen Dienstag wurde am Pretoria Magistrates Court der Mordfall Reeva Steenkamp verhandelt, während zeitgleich die Beerdigung des Opfers in Port Elizabeth abgehalten wurde. Oscar Pistorius zitterte, weinte und rechtfertigte seinen Entschluss, in den frühen Morgenstunden des Valentinstags sich und Reeva beschützen zu müssen. Doch die weiteren Informationen bringen nicht unbedingt mehr Klarheit, sondern verstärken eher die Skepsis.

© EXKLUSIV-Bild: Im Gerichtssaal trat am heutigen Dienstag ein weinender, zitternder und gebrochener Oscar Pistorius auf. Seine Verteidigung erläuterte in einer eidesstaatlichen Erklärung die Geschehnisse zum angeblichen Unfall mit Todesfolge von Reeva Steenkamp. Die Staatsanwaltschaft hält allerdings an der Mordanklage fest. (Quelle: Privatfoto)

© EXKLUSIV-Bild: Im Gerichtssaal trat am heutigen Dienstag ein weinender, zitternder und gebrochener Oscar Pistorius auf. Seine Verteidigung erläuterte in einer eidesstaatlichen Erklärung die Geschehnisse zum angeblichen Unfall mit Todesfolge von Reeva Steenkamp. Die Staatsanwaltschaft hält allerdings an der Mordanklage fest. (Quelle: Privatfoto)

Emotional am Boden

Die südafrikanische Presseagentur SAPA war mit einem Journalisten im Gerichtssaal vertreten und beobachtete das Verfahren gegen Oscar Pistorius sehr aufmerksam. Richter Desmond Nair musste die Sitzung kurz unterbrechen, nachdem der emotionale Angeklagte unüberhörbar weinte.

Der Leichtathlet verneinte über seinen Strafverteidiger Barry Roux erneut eine angebliche Mordabsicht an seiner Freundin Reeva Steenkamp „in tiefster Form“. Der Bruder des Angeklagten, Carl Pistorius, war ebenfalls im Saal anwesend und versuchte Trost zu spenden.

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Plötzlich hatte ich eine Schusswaffe an der Stirn…

Informant von „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ einem Tötungsdelikt knapp entkommen

(Autor: Ghassan Abid)

Es war ein schöner Tag. Der Abend war mild, der Film im Kino unterhaltsam und nun ging es zur Tiefgarage des in Pretoria liegenden Einkaufszentrums Menlyn Park. Die Freundin ging schon mal vor, während ich ein weniger später nachkam, um ein Ticket zu lösen. Auf einmal hörte ich meine Freundin laut schreien und als ich bei ihr war, sah ich zwei maskierte Männer, die sie an die Wand drückten und begrabschten …“. Dieses Zitat stammt von unserem Informanten für südafrikanische Innenpolitik, den wir Mbulaeni nennen wollen.

© Illegale Schusswaffen-Problematik in Südafrika (Quelle: Michael Donnermeyer/ Wikimedia)

© Einkaufszentrum Menlyn Park - ein Ort wird zum traumatischen Erlebnis

Mbulaeni musste schockierend feststellen, dass er völlig unerwartet inmitten eines Gewaltverbrechens war. Als er hinzu kam, wurde seine Freundin losgelassen und beide Männer im Alter von jeweils ca. 30 Jahren widmeten sich nun ausschließlich ihm. Mbulaeni gab ihnen, nachdem ihm eine Schusswaffe an die Stirn gehalten wurde, Geldbörse und andere Wertsachen. Da sich dieser Raub im Parkhaus eines Einkaufszentrums abspielte, zwangen die beiden Männer Mbulaeni und seine Freundin in das eigene Auto – das der Opfer – unverzüglich einzusteigen. Die Täter gingen äußerst aggressiv vor. Sie wurden entführt.

Zu viert fuhren sie rund drei Stunden aus der Hauptstadt Pretoria raus. Die Räuber drohten immer wieder mit der Tötung der Opfer, wenn diese auf „dumme Gedanken“ kommen würden. Als das Auto spät in der Nacht einen menschenleeren Ort erreichte, hielten sie an. Eine lähmende Stille machte sich im Fahrzeug breit. Mbulaeni kämpfte mit der eigenen Angst und befürchtete, dass der Raub in ein Sexual- und/ oder Tötungsdelikt übergehen könnte. „Wo sind wir und was machen wir hier?„, fragte er sich immer wieder und wieder. Doch es blieb Gott sei Dank beim Verlust von Handy, Portemonnaie und Auto. Beide durften aussteigen. Die Kriminellen rasten davon und zwei verängstigte Opfer fielen weinend in die Arme des Gegenübers. Sie hatten Glück im Unglück gehabt.

Es war der schlimmste Tag meines Lebens; heute habe ich Südafrikas hässliches Gesicht erstmalig am eigenen Leib erleben dürfen„, so der junge Mann aus der Mittelschicht Südafrikas. Mbulaeni hat nach diesem traumatischen Erlebnis die für ihn angemessenen Sicherheitsmaßnahmen eingeleitet – neue Unterkunft in einer abgesicherten Anlage, erhöhte Wachsamkeit im öffentlichen Raum und keine allzu späten Freizeitaktivitäten mehr. Strafanzeige gegen Unbekannt wurde gestellt, doch wird das Verfahren wie in vielen Gewaltverbrechensfällen im Lande eingestellt werden. Das Kraftfahrzeug wird laut Auskunft der Polizei SAPS in seine Einzelteile zerlegt und auf dem Schwarzmarkt weiter verkauft. Doch die Versicherung des Opfers wird ein neues Auto bereitstellen.

„SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ drückt Mbulaeni sein ganzes Mitgefühl aus und dankt für sein Vertrauen, dass seine Geschichte der Öffentlichkeit unterbreitet werden kann. Südafrikas Kriminalität ist ein maßgeblicher Faktor für den Wegzug von vor allem weißen Südafrikanern guter Qualifikation. Die Regierung hat noch viel zutun …