Schlagwort-Archive: Platinmine

Stillstand bei BMW in Südafrika

Nach Ausschreitungen warnen Automobilbauer vor ernsten Folgen für Wirtschaftsstandort

(Autor: Ghassan Abid)

Nachdem der fünfmonatige Streik in den Platinminen Südafrikas beigelegt werden konnte, streiken nun die 220.000 Arbeiter der Metallindustrie. Sie fordern unter anderem eine 12-prozentige Lohnsteigerung und ein Verbot von Arbeitsvermittlern im Automobilsektor. Nach Informationen der Detroit News haben General Motors und BMW ihre Produktion am Kap stoppen müssen, da die Lieferkette unterbrochen ist. In der Branche macht sich Wut breit.

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© BMW kann seit dem 1. Juli keine Autos mehr in Südafrika produzieren. Infolge eines Streiks steht die Produktion im Rosslyn-Werk still. Auch General Motors musste bereits die Arbeiten in seinem Werk in Port Elizabeth stoppen, berichtet Detroit News. (Quelle: BMW South Africa)

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Eklat im Parlament, Einigung im Bergbau

EFF-Vorsitzender Julius Malema des Saales verwiesen, weil er den ANC als Mörder bezeichnete

(Autor: Ghassan Abid)

Nachdem Südafrikas Präsident Jacob Zuma seine Rede zur Lage der Nation hielt, die Probleme richtig erkannte, aber kaum Lösungsansätze aufzeigte, fand eine diesbezügliche Aussprache im Parlament statt. Zwei Politiker machten von sich aufmerksam. Der Oppositionspolitiker Julius Malema beschimpfte die Regierung und die Wohnungsbauministerin Lindiwe Sisulu dafür die Opposition.

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© Julius Malema sorgte mit seinem Statement, wonach der ANC für den Tod von 34 Menschen in Marikana verantwortlich sei, für einen Eklat im Parlament. Der EFF-Vorsitzende wurde des Saales verwiesen. (Quelle: GovernmentZA)

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Minenarbeiter-Proteste bei Johannesburg

Déjà-vu-Effekt: Polizei schießt mit Gummigeschossen auf streikende Kumpels. Mindestens 4 Verletzte.

(Autoren: Ghassan Abid, 2010sdafrika-Redaktion)

Erneut wird eine südafrikanische Mine von gewalttätigen Ausschreitungen erfasst. Diesmal trifft es die Modder East Mine, eine Goldmine, die in der Umgebung von Johannesburg angesiedelt ist. Diese wird vom australischen Bergwerkkonzern Gold One International betrieben. Nach Unternehmensangaben sollen in den Goldminen über 12.000 Kumpels beschäftigt sein.

    © Die Krise um die Minenarbeiter wird das Jahresthema 2012 in Südafrika sein. Medien, Gewerkschaften und die Politik entdecken diesen Wirtschaftszweig als Paradebeispiel dafür, dass das Land sich zu verändern hat. Wohin die (ökonomische) Veränderung gehen soll, darüber wird gestritten. Die nächsten Monate und der anstehende ANC-Bundesparteitag im Dezember 2012 werden von den Vorfällen in Marikana, Rustenburg und Johannesburg geprägt sein. (Quelle: flickr/ Zadi Diaz)

© Die Krise um die Minenarbeiter wird das Jahresthema 2012 in Südafrika sein. Medien, Gewerkschaften und die Politik entdecken diesen Wirtschaftszweig als Paradebeispiel dafür, dass das Land sich zu verändern hat. Wohin die (ökonomische) Veränderung gehen soll, darüber wird gestritten. Die nächsten Monate und der anstehende ANC-Bundesparteitag im Dezember 2012 werden von den Vorfällen in Marikana, Rustenburg und Johannesburg geprägt sein. (Quelle: flickr/ Zadi Diaz)

In der vergangenen Woche begann bereits der Wilde Streik einiger Bergarbeiter. Gestern eskalierte die Situation, nachdem mindestens 60 Personen den Eingang zur Mine gewaltsam zu versperren versuchten. Die Polizei musste anrücken und Tränengas sowie Gummigeschosse einsetzen.

Der Konzern kündigte im Juni 2012 hunderten Kumpels, die an „illegalen Aktionen“ beteiligt waren. Einige sind wieder eingestellt worden, doch die Mehrheit blieb arbeitslos. Es wird berichtet, dass ein erheblicher Anteil der Streikenden genau dieser Gruppe der Arbeitslosen angehört. Ebenso schlossen sich dem Protest nach Informationen von Gold One International Arbeiter fremder Minen an.

Die Kumpels protestieren unter Führung der bisweilen unbekannten Minengewerkschaft „Professional Transport and Allied Workers Union (PTAWU)“ für mehr Lohn. Gold One International erkennt PTAWU, welche  1980 gegründet wurde, nicht als Tarifpartner an. Im April 2012 ist zwischen dem Konzern und der Gewerkschaft NUM ein Tarifvertrag abgeschlossen worden, der bei der Mehrheit der Belegschaft auf unzureichende Zustimmung stieß.

Erst im vergangenen Monat kam es zu blutigen Protesten in den Lonmin-Platinminen bei Marikana und Rustenburg. Bei beiden Ausschreitungen starben insgesamt 44 Menschen, davon mehrheitlich Minenarbeiter. Der Rivalität zwischen den Minengewerkschaften NUM und „Association of Mineworkers and Construction Union (AMCU)” wird eine gewisse Mitschuld an den Ereignissen nachgesagt. Nun bahnt sich ein weiterer Gewerkschaftskonflikt erneut zwischen NUM und der unbekannten PTAWU an.  Bereits im Vorfeld kam es im Februar dieses Jahres zu Ausschreitungen mit 5.000 Kumpels der Impala-Platinmine bei Rustenburg.

Eines ist  zu erkennen. Die Gewerkschaft NUM verliert zunehmend an Vertrauen. Als Folge dessen treten immer mehr Minenarbeiter zu konkurrierenden Gewerkschaften über. Genaue Zahlen zum Mitgliederschwund liegen noch nicht vor. In die Debatte um gerechte Arbeitsbedingungen im Bergbausektor hat sich auch die Regierungspartei ANC eingeschaltet. Während der verbannte ANC-Jugendligaführer Julius Malema seine Chance zur  politischen Reinkarnation wittert, setzt Jacob Zuma auf Unterstützung von Wirtschaft und Bevölkerung.

Die Medien haben mit der Wut der Minenarbeiter ihr Jahresthema gefunden. Auf diesen Zug ist die Politik aufgesprungen. In rund drei Monaten entscheidet sich auf dem ANC-Bundesparteitag in Mangaung, wer künftig die Fäden am Kap ziehen wird. Dem Land stehen immense (ökonomische) Veränderungen bevor.

Exklusivbilder aus Marikana

Ein einzigartiger Einblick in die Lebensverhältnisse einer kleinen südafrikanischen Minengemeinde.

(Autoren: Ghassan Abid, 2010sdafrika-Redaktion)

Marikana und Rustenburg haben in den letzten sieben Tagen eine traurige internationale Berühmtheit erlangt, nachdem insgesamt nach aktuellem Stand 44 Menschen starben. Unter den Opfern befanden sich auch zwei Polizisten. Doch kaum jemand weiß etwas über Marikana, dem Ort, an welchem die aktuellsten Proteste der Minenarbeiter ihren Ursprung nahmen.

© Nonthlantha Nkabinde stammt aus Marikana. Sie setzt sich seit Jahren dafür ein, dass die mangelhaften Zustände in ihrem Dorf und die Konsequenzen der Ignoranz der Bergbaukonzerne gegenüber den Minenarbeitern publik werden. Erst das Massaker vom 16.08.2012 ermöglichte ihr die Verwirklichung dieser Vision. Eine Welt schaut auf ein Dorf mit seinen rund 4.000 Einwohnern.

© Nonthlantha Nkabinde stammt aus Marikana. Sie setzt sich seit Jahren dafür ein, dass die mangelhaften Zustände in ihrem Dorf und die Konsequenzen der Ignoranz der Bergbaukonzerne gegenüber den Minenarbeitern publik werden. Erst das Massaker vom 16.08.2012 ermöglichte ihr die Verwirklichung dieser Vision. Eine Welt schaut auf ein Dorf mit seinen rund 4.000 Einwohnern.

Marikana zählt rund 4.000 Einwohner. Das Dorf liegt in der Provinz North West und ist bekannt für seine Nähe zu zahlreichen Platinminen. Die Einwohner von Marikana leben größtenteils von ihren Tätigkeiten in den Minen. Die Arbeiter stammen mehrheitlich aus ärmlichen Verhältnissen. Sie verließen das Eastern Cape, um im Norden Südafrikas ihrer Armut zu entkommen.

© Ortsschild Marikana: Die Minenarbeiter verdienen rund 4.000 Rand. Doch die Armut bleibt trotz Arbeit bestehen.

© Ortsschild Marikana: Die Minenarbeiter verdienen rund 4.000 Rand. Doch die Armut bleibt trotz Arbeit bestehen.

Pro Monat verdient ein Minenarbeiter rund 4.000 Rand, was umgerechnet etwa 389 Euro entspricht. Laut Angaben eines NGO-Vertreters verdient hingegen Frans Baleni, der Generalsekretär der Minengewerkschaft NUM, im Monat weit über 105.000 Rand; also 10.215 Euro. Aus diesem Grund hat sich aus den Reihen der NUM im Jahr 2001 eine Splittergewerkschaft etabliert, die den Namen AMCU trägt. Sie ist deutlich kritischer gegenüber dem ANC eingestellt als NUM. Beide Gewerkschaften buhlen seit der Koexistenz um die Minenarbeiter, die in der Region schwerpunktmäßig bei den Bergbaukonzernen Lonmin und Implats beschäftigt sind.

David van Wyk von der gemeinnützigen Stiftung Bench Marks Foundation, die die Zusammenhänge zwischen Minenindustrie und Gemeinden untersucht, kommt zum Ergebnis, dass die Menschen in Marikana weiterhin in großer Armut leben. Er hält gegenüber „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ fest, dass die Zustände in Marikana unstrittig untragbar sind. Die Minenarbeiter sind während ihres Dienstes Unter Tage nach wie vor großen Risiken ausgesetzt, die die Bergwerkkonzerne letztendlich schlichtweg missachten.Vor allem die finanzielle Misere beschäftigt die Menschen sehr, da sie wissen, dass die Kumpels in Kanada 6 bis 9 Mal mehr verdienen als die Südafrikaner. Die Gemeinde fühlt sich von der Wirtschaft wie eine Weihnachtsgans ausgenommen.

Eine exklusive Bilderserie, die den Einblick in eine Welt ermöglicht, die geprägt ist von Armut, Ermüdung und Perspektivlosigkeit. Zugleich erkennt man auf den Bildern auch positive Emotionen der Lebensfreude, Hoffnung und des Lebenswillens. „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ dankt den Fotografen für diese einzigartige Möglichkeit.

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© Exklusive Bilder aus Marikana und Umgebung

Massakervorwurf: 34 getötete Minenarbeiter

Wut auf Polizei erreicht Rekordhoch. Politik verurteilt  „sinnlose Gewalt“. Julius Malema plant Comeback

(Autoren: Ghassan Abid, 2010sdafrika-Redaktion)

Es kriselt in Südafrika heftig. Jederzeit könnte ein Flächenbrand das ganze Land erfassen. Wie „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ aus einer internen ANC-Quelle erfahren konnte, wird der verbannte Ex-ANC-Jugendliga-Präsident Julius Malema am morgigen Tage in Rustenburg auftreten und die Masse zu instrumentalisieren versuchen. Die Polizeibehörde SAPS mit ihren 157.295 Mitarbeitern steht de facto auf dem Präsentierteller, nachdem mehrere Politiker den Einsatz der Beamten gegen die streikenden Kumpels scharf kritisiert haben. Es scheint, als wolle die Regierungspartei ANC die Polizei nun alleine im Regen stehen lassen.

© 3000 Minenarbeiter in Rustenburg demonstrieren, teilweise unter Gewaltanwendung, für mehr Geld. Zwei Gewerkschaften stritten sich um die Mitglieder. Das britische Bergbauunternehmen Lonmin droht nun mit Entlassungen und die Polizei wird zum Hassobjekt des demokratischen Südafrikas. Die Lage droht weiter zu eskalieren. Der verbannte Ex-ANC-Jugendliga-Präsident Julius Malema wird, so eine vertrauliche Quelle, morgen in Rustenburg die Minenarbeiter unterstützen. (flickr/ Pan-African News Wire)

© 3000 Minenarbeiter in Rustenburg demonstrieren, teilweise unter Gewaltanwendung, für mehr Geld. Zwei Gewerkschaften stritten sich um die Mitglieder. Das britische Bergbauunternehmen Lonmin droht nun mit Entlassungen und die Polizei wird zum Hassobjekt des demokratischen Südafrikas. Die Lage droht weiter zu eskalieren. Der verbannte Ex-ANC-Jugendliga-Präsident Julius Malema wird, so eine vertrauliche Quelle, morgen in Rustenburg die Minenarbeiter unterstützen. (flickr/ Pan-African News Wire)

Was ist passiert. Am gestrigen Tage sind nach offizieller Information der Regierung 34 Minenarbeiter unweit einer Lonmin-Platinmine in der Provinz North West getötet worden. Dies meldete heute das Polizeiministerium. Gestern war noch die Rede von 18 Toten. Ein aufgetauchtes Video des südafrikanischen Reuters-Kameramanns Siphiwe Sibeko erhitzt die Gemüter der Südafrikaner auf die Polizei. Von „Massaker“, „Hinrichtung“ oder „Apartheidstaat“ ist die Rede. Der gestrige Vorfall zählt zum brutalsten Polizeieinsatz im demokratischen Südafrika. Bereits am Montag starben 10 Personen bei der Platinmine Marikana. Erste Untersuchungen wurden nun in Gang gesetzt.

Die Polizei versucht bisweilen ihren Einsatz zu rechtfertigen. Die Beamten  befanden sich in einer Extremsituation, nachdem mehrere Streikende mit Macheten, Messern und anderen Waffen ausgestattet waren. Es heißt von der SAPS, dass die Behörde zuerst Wasserwerfer einsetzte, dann zu Tränengas überging und als ultima ratio letztendlich von Schusswaffen Gebrauch machen musste. Insgesamt waren 3.000 Minenarbeiter an den Protesten beteiligt.

© Nach aktuellster staatlicher Meldung sollen in Rustenburg rund 34 Minenarbeiter durch Polizisten erschossen worden sein. (flickr/ Pan-African News Wire)

© Nach aktuellster staatlicher Meldung sollen in Rustenburg rund 34 Minenarbeiter durch Polizisten erschossen worden sein. (flickr/ Pan-African News Wire)

Kritiker sehen Ähnlichkeiten zu den Polizeieinsätzen des Apartheidregimes der 1960/70er-Jahre. Andere Kommentatoren untermauern die Gefahrenlage der Beamten, nachdem bereits am Montag zwei Polizisten durch Minenarbeiter ermordet und entwaffnet worden sind.

Präsident Jacob Zuma, der eine Teilnahme am SADC-Gipfel in Mosambik früher als erwartet beendet hat, zeigte sich über die hohe Anzahl der Toten und die „sinnlose Gewalt“ entsetzt. Er geht sogar weiter und kritisiert die Polizei, indem er festhält, dass in der demokratischen Ordnung Südafrikas weitere Handlungsmöglichkeiten des Dialogs bestehen, um nicht bestehendes Recht zu brechen oder Gewalt anwenden zu müssen. Ebenso zeigten sich andere ANC-Politiker und Gewerkschaftsführer schockiert.

© Protestierende Minenarbeiter wollen mehr Geld und Werschätzung. Sie verharren weiterhin in Blockadehaltung. Die Polizei fürchtet eine weitere Eskalation. Im Kapland kriselt es gewaltig. (flickr/ Pan-African News Wire)

© Protestierende Minenarbeiter wollen mehr Geld und Werschätzung. Sie verharren weiterhin in Blockadehaltung. Die Polizei fürchtet eine weitere Eskalation. Im Kapland kriselt es gewaltig. (flickr/ Pan-African News Wire)

Die Streitigkeiten zwischen den Minengewerkschaften NUM und AMCU konnten weiterhin nicht beigelegt werden. Auch die Verhandlungen zwischen den Kumpels und dem britischen Minenkonzern Lonmin gelten als gescheitert. Die Minenarbeiter fordern unter anderem Lohnerhöhungen von rund 200 Prozent. Das in London ansässige Unternehmen hat die Platinproduktion im ganzen Land einstellen müssen. Südafrika beherbergt rund 80 Prozent des weltweiten Platinvorkommens.

No Comment: Bergwerk-Krise in Südafrika

„Hinrichtung“ von Minenarbeitern durch Polizisten? Video belastet Beamte schwer. Rund 18 Tote

(2010sdafrika-Redaktion)

Heute tauchte ein erschreckendes Video auf, welches wenige englischsprachige Medien bereits veröffentlicht haben. Der Zuschauer soll sich zur dramatischen Lage in den Bergwerken eine eigene Meinung bilden können, heißt es von euronews. Diesen Anspruch verfolgt auch „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“. Die Situation in den südafrikanischen Minen ist katastrophal. Bereits am letzten Montag wurden 9 bis 10 Menschen bei der Platinmine in Marikana getötet, darunter zwei Polizisten. Heute ist die Lage in Rustenburg eskaliert, nachdem Polizisten auf eine anstürmende Menge von Minenarbeitern das Feuer eröffnet hat. Weitere Einzelheiten sind nicht bekannt. Ein Flächenbrand kann nicht mehr ausgeschlossen werden. „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ steht mit einigen Minenarbeitern in Kontakt. Übersandtes Bildmaterial aus der Provinz North West kann aufgrund der brutalen Abbildungen nicht veröffentlicht werden. Die weitere Entwicklung bleibt abzuwarten.

Polizisten richten Minenarbeiter in Rustenburg hin. Es liegen Berichte vor, wonach heute rund 18 Menschen getötet worden sein sollen. [Hinweis: Das Anschauen des Videos liegt in der eigenen Verantwortung]. (QUELLE: Reuters)

Bergbau in Südafrika

Auseinandersetzungen zwischen Gewerkschaften fordern in der Platinmine Marikana 9 Tote

(Autor: Ghassan Abid)

Update: Die Zahl der Toten hat sich insgesamt auf 10 Opfer erhöht.

Die Arbeitsbedingungen in den südafrikanischen Minen sind desaströs. Immer wieder protestieren die Kumpels für mehr Geld, besseren Arbeitsschutz oder kürzere Arbeitszeiten. Am gestrigen Tage ist in der Platinmine in Marikana des britischen Bergbauunternehmens Lonmin PLC ein Streit zwischen mehreren konkurrierenden Gewerkschaftsmitgliedern eskaliert.

© Die Minengewerkschaften “National Union of Mineworkers (NUM)” und “Association of Mineworkers and Construction Union (AMCU)” führen einen erbitterten Streit um die Anwerbung von Kumpels als Mitglieder. Zudem gilt der Bergbau in Südafrika als investitionsbedürftig. (Quelle: Graeme Williams/ MediaClubSouthAfrica.com)

© Die Minengewerkschaften “National Union of Mineworkers (NUM)” und “Association of Mineworkers and Construction Union (AMCU)” führen einen erbitterten Streit um die Anwerbung von Kumpels als Mitglieder. Zudem gilt der Bergbau in Südafrika als investitionsbedürftig. (Quelle: Graeme Williams/ MediaClubSouthAfrica.com)

Zwei in der Mine vertretende Gewerkschaften stritten so sehr, dass die Polizei anrücken musste. Hierbei kam es vereinzelt zu Entwaffnungen der Beamten durch die Protestler. Ebenso waren mehrere Kumpels mit Messern und Eisenstangen ausgerüstet. Die konkurrienden Blöcke fingen an sich gegenseitig zu attackieren. Als Reaktion dessen soll dann auf diese geschossen worden sein. Zwei Polizisten fielen dem Schusswechsel ebenfalls zum Opfer.

Lesiba Seshoka, Pressesprecher der Minengewerkschaft “National Union of Mineworkers (NUM)”, äußerte sich gegenüber der Zeitung M&G dahingehend, dass die Polizei eine Mitschuld an der Eskalation trägt. NMU-Generalsekretär Frans Baleni fordert hingegen eine stärkere Beteiligung der Polizei oder gar den Einsatz des südafrikanischen Militärs, um den kriminellen Energien in den Minen Herr zu werden. In diesem Kontext ist die Rede von fremden und gewalttätigen Personen, die den Beschäftigten und dem Bergbaukonzern nicht bekannt sind.

Bereits im Februar dieses Jahres kam es zu Auseinandersetzungen in der Platinmine  des Unternehmens Impala in Rustenburg. Immer wieder tobt ein radikaler Wettbewerb um die Mitgliedschaft der Kumpels zwischen den Gewerkschaften NUM und der neu gegründeten “Association of Mineworkers and Construction Union (AMCU)”. Weiteres Problem sind ausbleibende Investitionen der Bergbauindustrie; begründet mit möglichen Verstaatlichungsambitionen führender ANC-Politiker. Laut Angaben von NMU starben zwischen 1984 und 2005 weit über 11.100 Minenarbeiter.

Lonmin ist der drittgrößte Platinproduzent der Welt. Die Mine in Marikana bleibt vorerst auf unbestimmte Zeit weitgehend geschlossen. Unterdessen ist der Preis für Platin angestiegen.

2010sdafrika-Interview mit Handelsblatt-Korrespondent Wolfgang Drechlser:

https://2010sdafrika.wordpress.com/2012/05/20/handelsblatt-korrespondent-im-interview/