Schlagwort-Archive: Politthriller

CSU und ihre Apartheid-Nächstenliebe

Die Geschichte des Dr. Ludwig Holger Pfahls und der umstrittene Rüstungsdeal mit den Rassisten

(2010sdafrika-Redaktion)

© Dr. Ludwig Holger Pfahls war Rüstungsstaatssekretär im Bundesministerium der Verteidigung und Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz. Wegen mehrerer Straftaten tauchte der CSU-Politiker ab. Die ihm nachgesagte Südafrika-Flucht, der geheime U-Bootdeal mit dem Apartheidsregime und sein Südafrika-Mittelsmann Dieter Holzer verdeutlichen, wie eng die CSU mit den Rassentrennungsbefürwortern kooperierte. (Quelle: BKA)

© Dr. Ludwig Holger Pfahls war Rüstungsstaatssekretär im Bundesministerium der Verteidigung und Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz. Wegen mehrerer Straftaten tauchte der CSU-Politiker ab. Die ihm nachgesagte Südafrika-Flucht, der geheime U-Bootdeal mit dem Apartheidsregime und sein Südafrika-Mittelsmann Dieter Holzer verdeutlichen, wie eng die CSU mit den Rassentrennungsbefürwortern kooperierte. (Quelle: BKA)

Es ist merkwürdig, dass bislang noch kein deutscher Produzent die Geschichte des Dr. Ludwig Holger Pfahls als filmreife Story für sich entdeckt hat. Dabei erweisen sich die Entwicklungen um den einflussreichen CSU-Politiker als absoluter Politthriller, der letztlich auf wahre Begebenheiten basiert. Kontakte zu einstigen Apartheidsvertretern und dubiose Geschäfte in Südafrika verschafften Pfahls einen zweifelhaften Ruf als Politiker. Gleichzeitig verdeutlicht die Pfahls-Sache, dass die außenwirtschaftspolitische Agenda der Bonner Republik nach wie vor kritisch reflektiert werden müsste.

Der mittlerweile wegen Bestechlichkeit, Vorteilsannahme, Steuerhinterziehung, Bankrotts und Betruges zu einer viereinhalb jährigen Haftstrafe verurteilte Pfahls war von 1985 bis 1987 Präsident des deutschen Inlandsnachrichtendienstes, dem Bundesamt für Verfassungsschutz. Dann wechselte er bis ins Jahr 1992 als Beamteter Staatssekretär ins Bundesministerium der Verteidigung. Im Ministerium übte er die Entscheidungshoheit und Kontrolle über Rüstungsangelegenheiten aus.

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Südafrika auf der Berlinale 2013

Zwischen Zwangsehe und Paranoia: Johannesburger Regisseure greifen soziale Missstände auf

(2010sdafrika-Redaktion)

Es ist wieder soweit, wenn Filme aus aller Welt bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin gezeigt werden. Auf der 63. Berlinale ist das Land Südafrika mit drei Produktionen vertreten: Elelwani (Sektion Forum), Fynbos (Sektion Forum) und Layla Fourie (Sektion Wettbewerb). Im letzten Jahr lief mit Man on Ground lediglich ein einziger Film vom Kap.

© Auf der Berlinale 2013 ist das Land Südafrika mit drei Produktionen vertreten: Elelwani vom Regisseur Ntshavheni Wa Luruli (Sektion Forum), Fynbos von Harry Patramanis (Sektion Forum) und Layla Fourie von Pia Marais (Sektion Wettbewerb).

© Auf der Berlinale 2013 ist das Land Südafrika mit drei Produktionen vertreten: „Elelwani“ vom Regisseur Ntshavheni Wa Luruli (Sektion Forum), „Fynbos“ von Harry Patramanis (Sektion Forum) und „Layla Fourie“ von Pia Marais (Sektion Wettbewerb).

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DVD-Kritik „Safe House“

Wenn die CIA in Kapstadt infolge von Intrigen die Kontrolle über sich selbst verloren hat

(Autoren: Ghassan Abid, 2010sdafrika-Redaktion)

Vorwort: Die 2010sdafrika-Redaktion ist mehrfach von Usern gebeten worden, eine Kritik zum Film „Safe House“ zu verfassen. Dieser Bitte kommen wir nun nach. Unser Dank gilt Universal Pictures Germany für die Möglichkeit der Rezension.

Matt Weston (gespielt von Ryan Reynolds), ist ein junger Geheimdienstagent, der die Aufgabe hat, in Kapstadt ein sogenanntes „Safe House“ der CIA zu betreuen. Jenem Ort, welcher von der US-Regierung als geheimer Verhör-Stützpunkt genutzt wird. Weston ist allerdings mit seinem langweiligen Job in Südafrika nicht zufrieden und bittet Langley stets um einen neuen und vor allem aufregenden Einsatz. Doch die CIA-Zentrale winkt ab und begründet ihre Entscheidung mit mangelnder Berufserfahrung des jungen Agenten.

© Matt Weston (gespielt von Ryan Reynolds), ist ein junger CIA-Agent, der das Safe House des US-Auslandsgeheimdienstes in Kapstadt bewacht. Er ahnt noch nicht, in welche Schwierigkeiten ihn der Ex-CIA-Agent Tobin Frost (gespielt von Denzel Washington) bringen wird. (Quelle: Universal Pictures)

© Matt Weston (gespielt von Ryan Reynolds), ist ein junger CIA-Agent, der das Safe House des US-Auslandsgeheimdienstes in Kapstadt bewacht. Er ahnt noch nicht, in welche Schwierigkeiten ihn der Ex-CIA-Agent Tobin Frost (gespielt von Denzel Washington) bringen wird. (Quelle: Universal Pictures)

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Rezension des Politthrillers „ENDGAME“

Wie die Apartheid bis zum letzten Moment gegen den ANC ankämpfte

(Autor: Ghassan Abid)

Die südafrikanische Filmindustrie ist mit keiner anderen des afrikanischen Kontinents vergleichbar. Einerseits prägten die Bestimmungen während der Apartheid die künstlerische Arbeit der Regisseure und Drehbuchautoren. Diejenigen die sich dem widersetzten, mussten mit einem Verbot ihrer Werke rechnen. Ferner war nur weißen Bürgern eine Tätigkeit auf dem Gebiet der Kinematografie gestattet. Andererseits markierte der politische Wendepunkt von 1994 und der damit verbundene Übergang zu einer Demokratie die „Stunde Null„, sodass sich bisweilen keine eigene und vor allem kontinuierliche Filmkultur in Südafrika entwickeln konnte.

© Der Politthriller „Endgame“ verdeutlicht den Machtkampf zwischen Weißen und Schwarzen um die Zukunft Südafrikas.

Der Politthriller „Endgame“, 2008 unter der Regie des Engländers Pete Travis produziert, unterstreicht genau diesen politischen Umbruch und kann als Versuch aufgefasst werden, modernes südafrikanisches Kino als Werkzeug der Vergangenheitsbewältigung heranzuziehen. Als 1985 der Widerstand der schwarzen Mehrheitsbevölkerung gegenüber dem Apartheid-Regime seinen Höhepunkt erreichte, versucht die Regierung den Freiheitsdrang der Unterdrückten in die „richtigen“ Bahnen zu lenken.

Unter der Federführung des südafrikanischen Geheimdienstchefs Dr. Neil Barnard verfolgte dieser unter den Präsidenten Peter Willem Botha und Frederik Willem de Klerk das ehrgeizige Ziel, mit allen Mitteln die verschiedenen Bewegungen innerhalb des „African National Congress (ANC)“ gegeneinander auszuspielen. Auch der in Haft sitzende Nelson Mandela wurde in diese Überlegungen einbezogen. Parallel hierzu fanden im Exil geheime Gespräche unter der Führung eines britischen Managers der Bergbaugesellschaft Consolidated Goldfield (gespielt von Jonny Lee Miller) mit Anhängern der ANC-Führung statt, namentlich mit Thabo Mbeki (gespielt von Chiwetel Ejiofor).

Während Präsident Botha als autoritärer Verfechter der Rassentrennungspolitik auftrat, machte der moderate de Klerk deutlich mehr Zugeständnisse gegenüber dem ANC. „Endgame“ geht genau auf diese politische Ebene ein und beleuchtet die Versuche des Apartheid-Regimes, den ANC bis zuletzt zu bekämpfen. Die Gefahr, einem Attentat des südafrikanischen Geheimdienstes zum Opfer zu fallen, in Kombination mit diplomatischen Verwirrspielen, ermöglichen dem Zuschauer eine gewisse Sensibilität für die damalige Lage aufzubauen.  Jedoch verliert sich diese Halbdoku allzu oft in lange Monologe, zum Nachteil der eigenen Aufmerksamkeit. Wer sich allerdings für die südafrikanische Geschichte interessiert, dem empfiehlt sich „Endgame“.