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Südafrika im Schock

10.000-Seelengemeinde Walkerville erlebt totalen Albtraum: Familie wird brutal ermordet.

(Autor: Ghassan Abid)

Die Geschichte ist so brutal, dass diese aus einem Horrorfilm stammen muss. Doch die Gemeinde Walkerville in der Provinz Gauteng begreift allmählich, dass die Auslöschung einer gesamten Familie die traurige Realität eines gemeinschaftlichen Kriminaldeliktes darstellt. „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ ist die erste deutschsprachige Presse, die sich diesem unfassbaren Fall widmet.

© Das Familienglück Viana ist innerhalb weniger Stunden komplett zerstört worden. Der 12-jährige Junge Amaro wurde in der Badewanne ertränkt, die Mutter Geraldine vergewaltigt und der Vater Tony gefoltert. Im Anschluss sind beide Eltern erschossen worden. Das Kind hat die Ermordung miterleben müssen. Die Halbschwester Gabriela C. befand sich während der Tat nicht im Haus in Walkerville, da sie nach eigenen Recherchen in Miami (USA) wohnt. Beschuldigt werden drei Hausangestellte der Familie Viana, die ihre Taten mit Rache begründet haben. (Quelle: Facebook)

© Das Familienglück Viana ist innerhalb weniger Stunden komplett zerstört worden. Der 12-jährige Junge Amaro wurde in der Badewanne ertränkt, die Mutter Geraldine vergewaltigt und der Vater Tony gefoltert. Im Anschluss sind beide Eltern erschossen worden. Das Kind hat die Ermordung miterleben müssen. Die Halbschwester Gabriela C. befand sich während der Tat nicht im Haus in Walkerville, da sie nach eigenen Recherchen in Miami (USA) wohnt. Beschuldigt werden drei Hausangestellte der Familie Viana, die ihre Taten mit Rache begründet haben. (Quelle: Facebook)

Tony Viana, ein 42-jähriger Ingenieur portugiesischer Abstammung, lebte mit Frau und Kind seit längerer Zeit am Kap. Er fand im Land seine neue Heimat und verliebte sich in die schönen Naturlandschaften, genoss den Kontakt zu den vielen freundlichen Leuten vor Ort und spürte das Gefühl von Freiheit. Vor allem die britische Presse erläuterte in den letzten Tagen das Leben dieses klassischen Südafrika-Auswanderers ausgiebig. Tony konnte sich im südlichen Afrika verwirklichen. Die Familie besaß ein Haus, das mit schwarzen Angestellten gepflegt wurde. Die Welt schien idyllisch. Sie waren glücklich. Mehrere Bilder auf Facebook deuten auf diese Lebensfreude hin.

Eines Tages jedoch, im Oktober 2011, ereignete sich eine Tat, die innerhalb der südafrikanischen Nation trotz der umfangreichen Kriminalitätserfahrung eine massive Bestürzung auslöst. Nun sind weitere Einzelheiten bekannt worden, die den Tathergang beschreiben.

Drei Männer brachen in das Haus der Familie ein. Daheim waren das 12-jährige Kind Amaro und seine Mutter. Beide wurden in verschiedenen Zimmern gefangen gehalten. Die Einbrecher warteten auf Tony. Der minderjährige Junge hat miterleben müssen, dass sein Vater beim Eintreten in das Haus zuerst geknebelt und dann mit einem Panga-Jagdmesser und Golfschläger gefoltert wurde (Hinweis: Panga ist die südafrikanische Bezeichnung für einen bestimmten Fisch). Die 43-jährige Mutter Geraldine wurde zuvor vergewaltigt. Beide Eltern sind im weiteren Verlauf erschossen worden. Den Hund der Familie fanden Ermittler am Bauch aufgeschnitten.

Die Täter sind keine Fremden, sondern Bedienstete der Familie. Mittlerweile stehen der Gärtner Patrick Radebe (24) und die Hausangestellten Sipho Mbele (21) sowie Sphiwe Motaung (20) als Angeklagte vor Gericht. Sie sind vor Kurzem vom zuständigen Vorsitzenden Strafrichter am Vereeniging Regional Court für schuldig des Mordes und in einem Fall der Vergewaltigung befunden worden. Ebenfalls werden die drei Männer für den Raub von Wertsachen verantwortlich gemacht.

Über den Anwalt der drei Angeklagten ist verlautet worden, dass die drei Männer Rache an Geraldine Viana für begangene Misshandlungen an ihnen vornehmen wollten. Es scheint, als wollten die Hausangestellten anfänglich lediglich Hausbesitz in Beschlag nehmen. Die Situation eskalierte allerdings dann in der Begehung von Gewalt- und Sexualdelikten.

Das Kind hat die gesamte Tragödie im eigenen Haus miterleben müssen. Die Täter entschieden sich dann dafür, so lauten die aktuellen Meldungen, den schreienden Amaro in der Badewanne – mit heißem Wasser – zu ertränken. Sie befürchteten, dass dieser als Zeuge gegen sie aussagen könnte.

Am 6. September dieses Jahres wird das Urteil erwartet. Einwohner aus Walkerville erläuterten gegenüber „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“, dass das Gericht einen Freispruch in Erwägung ziehen wird. Diese Information konnte nicht bestätigt werden.

In Südafrika werden statistisch betrachtet 50 Menschen täglich ermordet, während in Deutschland die Zahl dessen mit 1-2 Personen beziffert wird. Die portugiesische, britische und Afrikaans-basierende Presse hat den Fall zur Schlagzeile gemacht. In einigen Internetforen wird die schwarze Hautfarbe der Angeklagten als Ausgang des Verbrechens genommen. Die „Rassendebatte“ droht erneut zu entfachen, zumal der Boeremag-Fall am North Gauteng High Court  in Pretoria diese Stimmung bereits lanciert hat [zum Boeremag-Fall erfolgt in Kürze ein Hintergrundbericht auf diesem Online-Medium]. Bereits der Mord an den AWB-Führer Eugène Terre’Blanche durch schwarze Farmarbeiter sorgte für eine kontroverse Diskussion zum Zusammenleben von Weißen und Schwarzen.

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DEUTSCHE WELLE und ihr Verhältnis zu Südafrika

Ute Schaeffer, Leiterin Programme Afrika/Nahost der DEUTSCHEN WELLE

(Autor: Ghassan Abid)

2010sdafrika-Redaktion: Guten Tag Frau Schaeffer! Welche Rolle spielt das Land Südafrika als Schwellenland für die DEUTSCHE WELLE?

Antwort: Als Schwellenland ist Südafrika für die Entwicklung auf dem Kontinent ein Schlüsselland. Was dort gelingt, kann Beispiel sein für andere Staaten in Afrika.

© Ute Schaeffer, DEUTSCHE WELLE

Umgekehrt gilt: die Schwierigkeiten beim Aufbau marktwirtschaftlicher Strukturen und politischer Partizipation können auch andere afrikanische Staaten treffen. Natürlich sind unsere Hörerinnen und Hörer, unsere Nutzer sehr interessiert an den Fortschritten und den Rückschlägen in Südafrika – das Land wird überdies als Anwalt der afrikanischen Sache in multilateralen Zusammenhängen  wahrgenommen.

Grund genug für uns, über Korrespondenten regelmäßig über die Ereignisse in Südafrika zu berichten. Dazu gehören natürlich in diesem Jahr vor allem auch Hintergrundstücke zur Fussball WM. Mit unseren Angeboten in den afrikanischen Sprachen Amharisch, Haussa, Kisuaheli sowie in Portugiesisch, Französisch und Englisch erreichen wir rund 40 Millionen Menschen auf dem afrikanischen Kontinent – diese Zahl dokumentiert das Interesse afrikanischer Nutzer an Europa und der DW.

2010sdafrika-Redaktion: Bestehen zwischen der DEUTSCHEN WELLE und südafrikanischen Medieneinrichtungen Kooperation und wenn ja, seit wann, wie sehen diese aus bzw. welche Ziele werden hierbei verfolgt?

Antwort: Die DW unterhält mit privaten Radio und TV-Stationen Partnerschaften. Unter anderem strahlen fünf Radiosender die Programme der DW in Südafrika wieder aus – in englischer Sprache.  Und Cape Town TV übernimmt wochentäglich das Journal und Magazine in englischer Sprache von DW-TV. Auch die DW-Akademie engagiert sich im Jahr 2010 während der WM in besonderer Weise – dort wird es einen Workshop für junge Videojournalisten geben, welche die Ereignisse rund um den Sport in Bilder packen. Das Projekt wird gemeinsam mit der Konrad-Adenauer-Stiftung durchgeführt. Südafrika ist für uns auch mit Blick auf die Zukunft wichtig: Wir sind auf jeden Fall am Ausbau unseres Partnersendernetzes interessiert und wir sind im Gespräch mit interessierten Sendern.

2010sdafrika-Redaktion: Als einen Ihrer Zuständigkeitsbereiche fällt auch die Medienfreiheit. Wie bewerten Sie diese in Afrika und speziell auf das Land Südafrika?

© DEUTSCHE WELLE strebt Ausbau des Partnersendenetzes in Südafrika an

Antwort: Im Vergleich mit anderen afrikanischen Länder ist Südafrika in Sachen Pressefreiheit natürlich ganz weit vorn. Dennoch gilt: vielfach ist in Afrika ja nicht staatliche Zensur das Problem. Oft ist es Ressourcenschwäche, die zu einem Mangel an Pressefreiheit, einem Mangel an Meinungsvielfalt führt. Wenn es keinen oder nur einen kleinen Werbemarkt gibt, werden Medien nicht unabhängig arbeiten können. Wenn es an Ressourcen für die Personalentwicklung mangelt, dann ist auch Professionalität schwerer zu erzeugen. An diesen Stellen geht es auch kleineren südafrikanischen Medienanbietern sicher wirtschaftlich nicht immer so gut, dass sie ein hoch wettbewerbsfähiges Programm machen können. Doch gerade die vielen Community Radio, die es gibt, sind für mich ein Zeichen dafür, dass Südafrika viel erreicht hat in Sachen Medienfreiheit. Das sind – ähnlich wie Blogs auch – Medien gibt, die engagiert über soziale und politische Schlüsselthemen sprechen.

2010sdafrika-Redaktion: Welchen Geltungsrang nimmt (Süd)Afrikas Kultur bei der DEUTSCHEN WELLE ein?

Antwort: Wir bieten kein regionales Programmangebot für Südafrika an, doch ist Südafrika mit seinem kulturellen Reichtum natürlich ein Thema für die Kultursendungen bei DW RADIO und DW-TV.

2010sdafrika-Redaktion: Welche Spielbegegnung würden Sie sich persönlich im Finale der WM 2010 am 11. Juli im Soccer City Stadion in Johannesburg wünschen?

Antwort: Natürlich Deutschland-Südafrika …was sonst!!

2010sdafrika-Redaktion: Ute Schaeffer, Leiterin Programme Afrika/Nahost der DEUTSCHEN WELLE, vielen Dank für Ihre Sicht der Dinge!

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INFOBOX zur Südafrika-Kooperation
zwischen der Konrad-Adenauer-Stiftung und der DW-Akademie

Über den Fußball bekommt Südafrika die Chance, sich in die Herzen der Menschen zu spielen. Das runde Leder, so hoffen viele Afrikaner, kann dabei gewissermaßen als Vehikel dienen, um der Welt ein anderes, ein neues Afrika-Bild zu vermitteln. Ein Bild, das nicht nur geprägt ist von Bürgerkriegen, Naturkatastrophen, Hunger und Epidemien. Das sportliche Großereignis steht im Mittelpunkt und vereint Menschen aus aller Welt zu einer großen Fangemeinde. Unter dem Titel „Reporting the World Cup 2010“ lädt die DW-AKADEMIE Journalisten und Kameraleute aus Afrika, Lateinamerika, Asien und dem arabischen Raum zu einem besonderen Training vor Ort ein. Bereits im Oktober 2009 hat ein erstes, vorbereitendes Trainings-Modul für Videojournalisten (VJs) in Johannesburg stattgefunden. Zum zweiten Modul, während der Fußballweltmeisterschaft im Juni/Juli 2010, sind alle Teilnehmer wieder in Südafrika, um über Ereignisse rund um die WM zu berichten. Neben der Produktion von Filmbeiträgen wird im dritten Modul zusätzlich ein Internet-Portal eingerichtet, auf dem alle gedrehten Videos sowie Texte, Fotos oder Audios eingestellt werden. Zeitgemäß bloggen die Teilnehmer natürlich über ihre Erfahrungen während der WM. Den Heimatsendern der Teilnehmer werden alle in Südafrika produzierten Reportagen während der WM zur eigenen Ausstrahlung zur Verfügung gestellt. Auch auf DW-TV ist das Projekt präsent: So berichtet GLOBAL 3000, das Globalisierungsmagazin von DW-TV, über die einzigartige, interkulturelle Zusammenarbeit der Teilnehmer während der Fußballweltmeisterschaft 2010.