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Weiße Minderheit Südafrikas im Pessimismuswahn

Immer mehr Südafrikaner mit weißer Hautfarbe betreiben in punkto Heimat reine Schwarzmalerei

(Autor: Ghassan Abid)

Wenn man sich die Aussagen von Südafrikanern bezüglich ihres Verhältnisses mit der Heimat anhört, dann fällt eines auf – die Wahrnehmung Südafrikas unterscheidet sich in drastischer Weise von der Hautfarbe. Demnach begegnen europäischstämmige Bürger die gegenwärtigen Entwicklungen im Lande mit äußerst viel Skepsis und Unbehagen. Man fühlt sich ausgeschlossen, bedroht und ohnmächtig.

© Antoinette Pottow

Immer mehr Südafrikaner seien Opfer einer Straftat, sodass die Flucht ins Ausland als einzig mögliche Lösung in Betracht komme. Diese Emigration wird als „brain drain“ bezeichnet und bedeutet für die südafrikanische Volkswirtschaft den Verlust von notwendigem Fachpersonal und Heimatpatriotismus.

Kriminalität sei überall gegenwärtig und die Polizei des Landes mit der eskalierten Gewalt total überfordert. „In most cases, criminals have better weapons than the police do. I know of many instances of crime where the police arrived 4 hours after the emergency was reported, that is if they arrived at all“ (zu Deutsch: In den meisten Fällen besitzen Kriminelle bessere Schusswaffen als die Polizei. Ich kenne viele Vorfälle, wonach die Polizei erst nach 4 Stunden nach dem eingegangen Notruf eingetroffen ist, falls diese überhaupt eintrifft.), so Pottow weiter. Demnach ist Enttäuschung und Misstrauen gegenüber Staat und Polizei innerhalb der weißen Minderheit nicht außergewöhnlich, sondern pure Realität im Südafrika des 21. Jahrhunderts. Und wenn auch führende ANC-Mitglieder das Lied „Kill the boer“ (zu Deutsch: Tötet die Buren) öffentlich vortragen, dann sei diese Furcht berechtigt, untermauert sie ihre Ängste (für Hintergrundinfos siehe 2010sdafrika-Artikel vom 05. April 2010 mit dem Titel Südafrika ein ethnisches Pulverfass?“).

Sofern ein Dialog des Miteinanders nicht seine vollkommene Umsetzung findet, wird die Gruppe der Skeptiker zunehmend größer und lauter. Es ist eine gefährliche Entwicklung zu beobachten, die nicht im Interesse des demokratischen Südafrikas sein kann. Eine Inklusion der weißen Minderheit durch die politische Elite muss demnach mit einer Gesprächsbereitschaft dieser Bevölkerungsgruppe einhergehen, insbesondere dann, wenn der Präsident der ANC-Jugendpartei Julius Malema bei seinem Aufenthalt in Simbabwe die Landreform des Nachbarstaates als erfolgreich bewertet. Kritisch ist der Umstand, dass infolge dieser Reform der Partei ZANU-PF von Staatschef Robert Mugabe viele weiße Farmer ihre Besitzgüter verloren haben und wegen Gewaltanwendungen sogar flüchten mussten. Die weißen Südafrikaner fühlen sich bei solchen Äußerungen in ihrer Abwehrhaltung bestätigt und befürchten ähnliche Verhältnisse in Südafrika. Der Vertrauensdialog muss schnellstmöglich erfolgen, andernfalls werden sich die Konfliktlinien zwischen „whites and blacks“ weiter verfestigen.

Artikel der Times Live zum Malema-Besuch in Simbabwe:

http://www.timeslive.co.za/local/article379271.ece/Malema-to-learn-from-Zimbabwe

Artikel von SPIEGEL ONLINE zur Landreform in Simbabwe:

http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,210469,00.html