Schlagwort-Archive: Privatwirtschaft

100 Südafrika-Events in Frankreich

Ein Hauch Südafrika nach Frankreich bringen. Institut Français als Vorbild für das Goethe-Institut?

(2010sdafrika-Redaktion)

Am 28. Mai 2013 ist in Frankreich die Festival-Veranstaltungsreihe „France-South Africa Seasons 2012 & 2013“ feierlich eröffnet worden. 800 Südafrikaner aus den Bereichen Kultur, Wissenschaft und Sport werden an den verschiedensten Orten in Frankreich auftreten, um ein Hauch Südafrika nach Frankreich zu bringen. Südafrikas Kulturminister Paul Mashatile reiste hierfür nach Paris an. Zwei Völker sollen miteinander in den Dialog treten.

    © Im Rahmen des Festivals "France-South Africa Seasons 2012 & 2013" werden von Mai bis Dezember 2013 rund 800 Südafrikaner in Frankreich auftreten, um ein Hauch Südafrika ins europäische Land zu bringen. In 100 französischen Städten sind Veranstaltungen geplant. Das Institut Français betreut dieses Mega-Projekt. (Quelle: flickr/ Thomas Kallhoff)

© Im Rahmen des Festivals „France-South Africa Seasons 2012 & 2013“ werden von Mai bis Dezember 2013 rund 800 Südafrikaner in Frankreich auftreten, um ein Hauch Südafrika ins europäische Land zu bringen. In 100 französischen Städten sind Veranstaltungen geplant. Das Institut Français betreut dieses Mega-Projekt. (Quelle: flickr/ Thomas Kallhoff)

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Bundeswirtschaftsminister Rösler in Südafrika

Mehr Kooperation und weniger Korruption & weniger Bürokratie und mehr Mittelstand

(Autor: Ghassan Abid)

In südafrikanischen Wirtschaftskreisen wird Deutschland gerne als „Gigant am Kap“ bezeichnet. Diese Metapher beschreibt den Geltungsrang deutscher Unternehmen für die südafrikanische Volkswirtschaft. Dr. Philipp Rösler, Bundeswirtschaftsminister und FDP-Parteivorsitzender, verfasste einen am 5. Oktober 2012 veröffentlichten Gastbeitrag für die Pretoria News und griff diesen Status quo auf. Er untermauert den Wunsch eines Ausbaus der deutsch-südafrikanischen Wirtschaftsbeziehungen. Am 4. Oktober 2012 hielt sich Rösler anlässlich des 60. Geburtstags der AHK Südliches Afrika, welche nach eigenen Angaben über 500 Mitglieder zählt, am Kap auf.

© Dr. Philipp Rösler (hier Archivbild), Bundeswirtschaftsminister und FDP-Parteivorsitzender, hielt sich am 4. Oktober 2012 in Südafrika auf. Er fordert mehr Wirtschaftskooperation zwischen Deutschland & Südafrika und weniger Bürokratie und Korruption. Vor allem die Probleme des deutschen Mittelstands hat er angesprochen. (Quelle: flickr/ INSM)

© Dr. Philipp Rösler (hier Archivbild), Bundeswirtschaftsminister und FDP-Parteivorsitzender, hielt sich am 4. Oktober 2012 in Südafrika auf. Er fordert mehr Wirtschaftskooperation zwischen Deutschland & Südafrika und weniger Bürokratie und Korruption. Vor allem die Probleme des deutschen Mittelstands hat er angesprochen. (Quelle: flickr/ INSM)

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Frauenquote in Südafrikas Chef-Etagen kommt

4,4 Prozent aller Chefs sind Frauen. Frauenministerin Xingwana hat die Schnauze voll. Frauenlobby siegt

(Autor: Ghassan Abid)

Während Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) sich mittlerweile entgegen ihrer Amtskollegin, der Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU), für eine gesetzlich verordnete Frauenquote für die Wirtschaft ausgesprochen hat, ist die Entscheidung dessen am Kap nun heute gefallen. Südafrikas Frauenministerin Lulu Xingwana verkündete die verbindliche Einführung einer solchen Quote, um die „Ausgrenzung und Unterrepräsentation“ der Frauen in den Führungsetagen der Unternehmen künftig zu unterbinden.

    © 4,4 Prozent aller unternehmerischen Top-Führungskräfte (CEO/ MD) in Südafrika sind Frauen. Das Frauenministerium hat nun genug und kündigt im Haushaltsjahr 2012/13 die Einführung einer verbindlichen Frauenquote per Gesetz an, die für die Privatwirtschaft und den Öffentlichen Dienst gleichermaßen gelten wird. (Quelle: Graeme Williams/ MediaClubSouthAfrica.com)

© 4,4 Prozent aller unternehmerischen Top-Führungskräfte (CEO/ MD) in Südafrika sind Frauen. Das Frauenministerium hat nun genug und kündigt im Haushaltsjahr 2012/13 die Einführung einer verbindlichen Frauenquote per Gesetz an, die für die Privatwirtschaft und den Öffentlichen Dienst gleichermaßen gelten wird. (Quelle: Graeme Williams/ MediaClubSouthAfrica.com)

Als Anlass dient der „Businesswomen Association (BWA) South African Women in Leadership Census 2011“, eine Erhebung der Frauenlobby in Kooperation mit dem einflussreichen Handelsministerium DTI und der Nedbank, wonach Frauen in Führungspositionen nach wie vor eine Minderheit darstellen.

Die Studie kommt für das Jahr 2011 zum Ergebnis, dass lediglich 4,4 Prozent aller Führungskräfte (gemeint sind hierbei die Positionen Chief Executive Officer (CEO) und Managing Director (MD)) von Frauen besetzt sind. Ebenfalls werden 5,3 Prozent aller Vorsitzenden- und 15,8 Prozent der Direktorenfunktionen von einer weiblichen Minderheit wahrgenommen. Im Öffentlichen Dienst beträgt der Anteil von Frauen in Führungspositionen rund 35 Prozent. Somit ist der Anteil dessen höher als in der Privatwirtschaft.

Der "Businesswomen Association (BWA) South African Women in Leadership Census 2011" ist eine Erhebung der Frauenlobby, welche durch das Handelsministerium DTI und die Nedbank unterstützt wurde. Die Ergebnisse für das Jahr 2011 haben die Frauenministerin nun zum Handeln ermutigt. Die von Männern dominierende Wirtschaft am Kap hält sich mit Reaktionen bisweilen zurück. Der Schock scheint tief zu sitzen.

Der „Businesswomen Association (BWA) South African Women in Leadership Census 2011“ ist eine Erhebung der Frauenlobby, welche durch das Handelsministerium DTI und die Nedbank unterstützt wurde. Die Ergebnisse für das Jahr 2011 haben die Frauenministerin nun zum Handeln ermutigt. Die von Männern dominierende Wirtschaft am Kap hält sich mit Reaktionen bisweilen zurück. Der Schock scheint tief zu sitzen.

Frauenministerin Xingwana gab auf Grundlage dieser Werte bekannt, dass sie die weitere Entwicklung nicht den privaten Marktkräften überlassen wird. Das vernachlässigte „Woman Empowerment“ in Südafrikas Unternehmen begründet nun eine Bekämpfung der Frauendiskriminierung, sagte sie. Dementsprechend ist ein Gesetzentwurf im Haushaltsjahr 2012/13 vorgesehen, welcher den Öffentlichen Dienst und die Privatwirtschaft gleichermaßen in die Verpflichtung nehmen soll.

Zudem wird am 25. August 2012 das Gremium „National Council Against Gender-Based Violence“ zur Stärkung der Frauenrechte eröffnet. In diesem Zusammenhang soll der weibliche Opferschutz stärker als bisher gestärkt werden. Maßnahmen zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und Kinder stehen durch die Koordinierungsarbeit dieses Gremiums nun ganze 365 Tage im Jahr auf der Agenda. Die Leitung dessen übernimmt Vizepräsident Kgalema Motlanthe, dem eine entsprechende Geschäftsstelle im Frauenministerium unterstehen wird.

Die deutsche Bundesarbeitsministerin und die südafrikanische Frauenministerin haben beide bei der Einführung einer verbindlichen Frauenquote mit Wohlstandszuwächsen argumentiert. Eine Reaktion der südafrikanischen Wirtschaft auf diesen entschlossenen Kurs von Südafrikas Frauen ist bisweilen nicht zu erkennen.  Der Schock scheint tief zu sitzen.

Kap-Kolumne: Bildung als Ware

Marodes Bildungssystem Südafrika: Wenn Schulbücher auf dem Müllberg landen. Ein Skandal!

(Autor: Detlev Reichel ist der Kap-Kolumnist des Südafrika-Portals. Als Missionskind, Sozialist und einstiger West-Berliner Anti-Apartheids-Aktivist berichtet er aus und zu Südafrika.)

Der Schulbuch-Skandal in Limpopo nimmt kein Ende. Jetzt hat der Präsident eine gründliche Untersuchung der „Textbook Saga“ angeordnet. Inzwischen sind vier (4!) Taskteams in der Provinz unterwegs, um der Sache auf den Grund zu gehen. Vor allem die ländlichen Schulen, dort, wo die Ärmsten in der nördlichen Provinz Südafrikas leben, haben in diesem Schuljahr noch keine Schulbücher gesehen – und das nach mehreren Abmahnungen und Gerichtsbeschlüssen.

© Korruption und Vetternwirtschaft sind mittlerweile fester Bestandteil des öffentlichen Bildungssystems in Südafrika, an welchem sich Politiker und Firmenrepräsentanten im Rahmen von öffentlichen Ausschreibungsverfahren bereichern. Das Nachsehen hat die Gesellschaft. Im konkreten Fall werden schulpflichtige Kinder ohne Schulmaterial auskommen müssen. Die Schulaufsichtsbehörden auf Landes- und Bundesebene haben komplett versagt. Das südafrikanische Bildungssystem ist marode. Der Staat kommt zum erneuten Male seiner Verantwortung nicht nach und große Reformen bleiben aus. (Quelle: flickr/ The Presidency of the Republic of South Africa)

© Korruption und Vetternwirtschaft sind mittlerweile fester Bestandteil des öffentlichen Bildungssystems in Südafrika, an welchem sich Politiker und Firmenrepräsentanten im Rahmen von öffentlichen Ausschreibungsverfahren bereichern. Das Nachsehen hat die Gesellschaft. Im konkreten Fall werden schulpflichtige Kinder ohne Schulmaterial auskommen müssen. Die Schulaufsichtsbehörden auf Landes- und Bundesebene haben komplett versagt. Das südafrikanische Bildungssystem ist marode. Der Staat kommt zum erneuten Male seiner Verantwortung nicht nach und große Reformen bleiben aus. (Quelle: flickr/ The Presidency of the Republic of South Africa)

Stattdessen hat man Tausende Bücher – Lehr- und Lernmaterial – gefunden, auf Müllkippen, im offenen Feld, in Flüssen und teils vebrannt. Die Provinzregierung schweigt weitgehend, weil sie ja derzeit unter Zentralverwaltung steht und damit alle Verantwortung abschieben kann. Die Ministerin für Basic Education hat den ganzen Misthaufen nun auf ihrem Tisch und eiert auch gewaltig herum.

Wie so häufig in derartigen Fällen liegt auch hier ein Ursachen-Mix vor: Zuvorderst das System staatlicher Ausschreibungen (Tender System) mit seinem inherenten Potential an Korruption und Vetternwirtschaft sowie die Überforderung der Bürokratie, in diesem Fall der Schulbehörden.

Ich denke, dies ist nur die Spitze des Eisbergs namens Bildungswesen, das in einer tiefen Krise steckt. An fehlenden staatlichen Mitteln liegt das nicht. Verglichen mit anderen Staaten des südlichen Afrika steckt Südafrika mehr Geld ins Bildungswesen. Doch diese Mittel versickern offenbar woanders und nähren die saftigen Wiesen privater Firmen.

Inzwischen haben Journalisten herausgefunden, dass die private Firma EduSolutions („Bildungslösungen“), die für die Schulbuchlieferungen zuständig ist, enge Verbindungen mit Politikern hat, darunter auch mit der Bildungsstiftung des Präsidenten Jacob Zuma. EduSolutions verdient Milliarden Rand mit staatlichen Aufträgen in mehreren Provinzen. Auf insgesamt 1,2 Milliarden Rand wird allein der Limpopo-Auftrag beziffert.

Und die Schulbehörde in Limpopo? Die hat das Schuljahr über ganz offensichtlich geschlafen und ihre Aufsichtspflicht sträflich vernachlässigt bzw. ist ihr gar nicht erst nachgekommen. Der Non-Profit-Organisation Section27 ist es zu verdanken, dass die Schulbehörden und das Ministerium aus ihrem Schlaf der (Selbst)Gerechten geweckt wurden. Die Bürgerrechtsorganisation (“SECTION27 is a public interest law centre that seeks to influence, develop and use the law to protect, promote and advance human rights.”) brachte den Schulbuchskandal vor Gericht und damit die Sache an die Öffentlichkeit und ins Rollen.

Nun beginnt die Suche nach den Schuldigen, ich denke eher: nach den Sündenböcken. „Name-and-Shame“ ist eine Art Volkssport hierzulande. Das Problem dabei: Es ändert sich nichts, solange der Fehler im System steckt. Wer Geld hat, kann sich eine gute Bildung leisten, d.h. seine Kinder auf private Schulen oder Universitäten schicken. Wer sich‘s nicht leisten kann, muss mit dem öffentlichen Schulwesen vorlieb nehmen. Dabei sind Schule und Bildung die vornehmste Verfassungsaufgabe des Staates. Diese Verantwortung sollte er nicht auslagern in die Privatwirtschaft. Bildung ist eine der wichtigsten Investitionen in die Zukunft. Sie darf nicht zur Ware verkommen, mit der man auf dem Markt Profit erzielt.

Deutsch-Südafrikanische Wirtschaftsbeziehungen

Andreas Wenzel, Generalsekretär der Wirtschaftsinitiative SAFRI, im Interview

(Autor: Ghassan Abid)

©  Andreas Wenzel, Generalsekretär der "Südliches Afrika Initiative der Deutschen Wirtschaft (SAFRI)"

© Andreas Wenzel, Generalsekretär der „Südliches Afrika Initiative der Deutschen Wirtschaft (SAFRI)“

2010sdafrika-Redaktion: Wir begrüßen auf „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ Herrn Andreas Wenzel, Generalsekretär der „Südliches Afrika Initiative der Deutschen Wirtschaft (SAFRI)„. Herr Wenzel, Südafrika ist mit einem BIP von 294 Milliarden Euro (2011) die größte Volkswirtschaft in ganz Afrika. Mehr als 600 deutsche Unternehmen am Kap haben über 90.000 Arbeitsplätze geschaffen. Können wir in diesem Kontext von einem absoluten Paradebeispiel einer Nord-Süd-Kooperation sprechen?

 Antwort: Südafrika und Deutschland verbindet eine langjährige, bedeutende Wirtschaftspartnerschaft. Für Deutschland ist Südafrika der zehntwichtigste Exportmarkt außerhalb der Europäischen Union. Das Land ist mit deutlichem Abstand der wichtigste Partner auf dem afrikanischen Kontinent und Brücke für die deutsche Wirtschaft nach Subsahara-Afrika. Für Südafrika ist Deutschland ein zentraler Exportmarkt, Investitionsstandort und politischer Partner. Die deutschen Unternehmen stehen für verantwortungsvolles Unternehmertum und eine nachhaltige Partnerschaft. Dabei verfolgen sie selbstverständlich auch das Ziel, in Südafrika Gewinne zu erwirtschaften. Darüber hinaus leistet die deutsche Wirtschaft signifikante Beiträge in der Bildung und Ausbildung, beim Technologietransfer sowie in der Unterstützung der lokalen Gemeinschaften vor Ort. Hier ist die deutsche Wirtschaft ein in Südafrika hoch angesehener Partner. Interessanterweise ist die Zusammenarbeit mit Südafrika keine Einbahnstrasse: Südafrikanische Unternehmen investieren auch in Deutschland und vertrauen auf diesen Standort als Ausgangspunkt für ihre Aktivitäten in Europa.

© Deutsche Firmen stellen für die Wirtschaft Südafrikas eine wichtige Stütze dar. Über 600 deutsche Unternehmen haben rund 90.000 unmittelbare Arbeitsplätze schaffen können. Darüberhinaus engagieren sich mehrere Unternehmen im Rahmen des Corporate Social Responsibility CSR in den verschiedensten sozialen Bereichen. (Quelle: Chris Kirchhoff/ MediaClubSouthAfrica.com)

© Deutsche Firmen stellen für die Wirtschaft Südafrikas eine wichtige Stütze dar. Über 600 deutsche Unternehmen haben rund 90.000 unmittelbare Arbeitsplätze schaffen können. Darüberhinaus engagieren sich mehrere Unternehmen im Rahmen des Corporate Social Responsibility (CSR) in den verschiedensten sozialen Bereichen. (Quelle: Chris Kirchhoff/ MediaClubSouthAfrica.com)

Die Partnerschaft zwischen Südafrika und Deutschland ist also sehr wohl ein Paradebeispiel einer Nord-Süd-Kooperation. Wir sind aber überzeugt, dass es weitere Möglichkeiten bilateraler Engagements gibt, die noch nicht ausgeschöpft sind: in den Bereichen Umwelttechnik (besonders im Bergbau), Gesundheitsversorgung, technische Infrastruktur (besonders im urbanen Bereich) und in den verarbeitenden Industrien (besonders im Hochtechnologiebereich). Hierbei ist es besonders wichtig, dass sich die Regierungen beider Länder stärker strategisch austauschen und abstimmen. Südafrika schaut derzeit intensiv nach Ostasien und Südamerika. Die Bundesregierung ist verständlicherweise stark mit europäischen und transatlantischen Fragestellungen beschäftigt. Wir als Südliches Afrika Initiative der deutschen Wirtschaft sehen aber auch und besonders in der Partnerschaft Deutschlands mit Südafrika ein großes strategisches Potenzial und erwarten von der Politik mehr Aufmerksamkeit für die Wirtschaftsbeziehungen beider Länder. Gleichzeitig ermutigen wir die Wirtschaft zu einem stärkeren Engagement.

2010sdafrika-Redaktion: Am 9. Mai 2012 fand ein deutsch-südafrikanischer Wirtschaftstag in München statt, an welchem unter anderem der Vizepräsident Südafrikas, Kgalema Motlanthe, und Vertreter von 30 südafrikanischen Unternehmen teilnahmen. Wie verliefen Ihrer Meinung nach die B-2-B-Gespräche und in welchen Branchen erfolgten Vertragsabschlüsse?

Antwort: Wir waren mit den Ergebnissen des Besuchs generell zufrieden, obwohl wegen der kurzen Vorbereitungszeit und der späten Bestätigung der südafrikanischen Seite vieles improvisiert werden musste. Die Gespräche verliefen insbesondere zu den Themen Erneuerbare Energien, Infrastruktur und verarbeitenden Industrien sehr engagiert und intensiv, Das lässt uns auf kurzfristig neue Impulse hoffen. Im Gegensatz zu anderen Partnerländern Südafrikas ist die deutsche Privatwirtschaft aber nicht so stark auf publikumswirksame Abschlüsse ausgerichtet. Sie wird auch nicht zentral auf einen solchen Besuch hin koordiniert. Somit standen Vertragsabschlüsse am 9. Mai nicht im Fokus. Ich bin mir aber sicher, dass in nächster Zeit deutsche Wirtschaftsengagements in Südafrika verstärkt zu vermelden sein werden.

2010sdafrika-Redaktion: Es ist bekannt, dass die deutsche Automobilindustrie am Kap breit aufgestellt ist. Für 2012 erwarten Experten einen Absatz von rund 617.500 Fahrzeugen. Dennoch werden Kfz-Zubehörteile weiterhin größtenteils nach Südafrika importiert. Wie erklären Sie sich, dass viele Zulieferbetriebe – also der Mittelstand – vor Ort nicht präsent sind?

Antwort: Dieses Thema wurde in der Tat auch auf dem Wirtschaftstag in München kontrovers diskutiert. Wir haben dabei großes Verständnis für die Sichtweise der südafrikanischen Regierung, welche die Automobilindustrie als Ankerindustrie zur weiteren Industrialisierung der Volkswirtschaft sieht. Sie drängt daher darauf, im Rahmen von local content Programmen die Automobilhersteller noch stärker als bisher zu verpflichten, lokale Zulieferer für die Produktion zu identifizieren und lokal einzukaufen, also den lokalen Anteil an den in Südafrika produzierten Fahrzeugen zu erhöhen. Im Ergebnis hieße das, dass deutsche Zulieferer noch stärker als bisher in lokale Produktionsstätten in Südafrika investieren müssten, um gemeinsam mit den Herstellern diesen Verpflichtungen nachzukommen. Das große Problem besteht jedoch darin, dass die Produktionsstätten der Automobilhersteller in Südafrika im globalen Vergleich eher klein. Infolgedessen sind die Auftragsgrößen so klein, dass sich für die Zulieferer kaum economies of scale realisieren lassen. Die Investitionen würden sich betriebswirtschaftlich kaum rechnen und nachteilig auf die Wettbewerbsfähigkeit der südafrikanischen Automobilindustrie auswirken.

In diesem Zusammenhang stellt sich auch eine grundsätzliche wirtschaftspolitische Frage: Wäre die Regierung Südafrikas nicht besser beraten, Hochtechnologieexporte von Südafrika in die globalen Märkte zu fördern, statt durch die Hintertür auf Importsubstitution zu setzen? Am Ende ist immer diejenige Volkswirtschaft im globalen Wettbewerb erfolgreich, die nicht Fragen nach Umverteilung von Wohlstand in allen Facetten diskutiert, sondern Rahmenbedingungen zur Schaffung von Wohlstand ermöglicht.

2010sdafrika-Redaktion: Im Konzept „Partnerschaft mit Zukunft“, welches durch die Trägerorganisation von SAFRI erstellt wurde, halten Sie fest: „Die engen und breit gefächerten Beziehungen zwischen Deutschland und Südafrika haben Tradition“. Zurzeit stehen einige deutsche Konzerne aufgrund ihres Engagements mit dem Apartheidsregime in den USA vor Gericht. Ist es nicht in der Zeit, dass die deutsche Wirtschaft ihr Verhältnis mit den einstigen Machthabern komplett untersucht – ganz im Sinne von verantwortlichem Unternehmertum?



Antwort: Mit dem Wort Tradition in den deutsch-südafrikanischen Wirtschaftsbeziehungen beziehen wir uns natürlich auf eine Zeit weit vor der durch nichts zu rechtfertigenden Apartheidspolitik in Südafrika. So sind deutsche Unternehmen schon seit dem 19. Jahrhundert vor Ort aktiv. Die Präsenz deutscher Unternehmen auch zu Zeiten der Apartheid in Südafrika muss man vor diesem Hintergrund bewerten. In der Überzeugung, dass insbesondere im produzierenden Gewerbe Sanktionsmaßnahmen sich hauptsächlich negativ auf die lokale, schwarzafrikanische Mitarbeiterschaft und deren Familien und Gemeinschaften ausgewirkt hätte, blieben deutsche Unternehmen im Land. Sie investierten und engagierten sich über das damals übliche Maß hinaus für Ihre Belegschaften und deren Angehörigen im sozialen Bereich. Dies wird deutschen Unternehmen heute immer noch im Rückblick von den lokalen Gemeinschaften hoch angerechnet. Die Deutsche Wirtschaft war auch nach 1994 unter den neuen Voraussetzungen eines freien Südafrika sehr schnell bereit, die Investitionen wie auch die Maßnahmen der Corporate Social Responsibility (CSR) zu intensivieren, um den Transformationsprozess in Südafrika zu stabilisieren. Deutsche Unternehmen setzen auch heute noch Standards bezüglich Arbeitsbedingungen, Engagement für die lokalen Gemeinschaften und Umweltschutz. Dies gilt auch für Projektmaßnahmen der Auslandshandelskammer Südliches Afrika in Johannesburg, die über eigene Tochtergesellschaften im Ausbildungsbereich aktiv ist und zusammen mit der GIZ ein CSR-Kompetenzzentrum unterhält. So halten auch wir es mit unserem Südafrika-Konzept: Wir schauen gemeinsam nach vorne! Zum Sonderfall der sog. Apartheid-Sammelklage, die im Übrigen nur zwei deutsche Unternehmen betrifft, und wahrlich kein signifikantes Phänomen ist, möchte ich mich an dieser Stelle nicht im Detail äußern. Ich bin mir aber sicher, dass wir erleben werden, wie Unternehmen ihr Engagement während der Apartheid aufarbeiten werden.

© "Die Deutsche Wirtschaft war auch nach 1994 unter den neuen Voraussetzungen eines freien Südafrika sehr schnell bereit, die Investitionen wie auch die Maßnahmen der corporate social responsibility (CSR) zu intensivieren, um den Transformationsprozess in Südafrika zu stabilisieren.", so SAFRI-Generalsekretär Wenzel. Volkswagen Südafrika - hier im Bild das Werk Uitenhage in der Provinz Eastern Cape - zählt zu einem der wichtigsten Arbeitgeber des Landes. (Quelle: VW South Africa/ MediaClubSouthAfrica.com)

© „Die Deutsche Wirtschaft war auch nach 1994 unter den neuen Voraussetzungen eines freien Südafrika sehr schnell bereit, die Investitionen wie auch die Maßnahmen der corporate social responsibility (CSR) zu intensivieren, um den Transformationsprozess in Südafrika zu stabilisieren.„, so SAFRI-Generalsekretär Wenzel. Volkswagen Südafrika – hier im Bild das Werk Uitenhage in der Provinz Eastern Cape – zählt zu einem der wichtigsten Arbeitgeber des Landes. (Quelle: VW South Africa/ MediaClubSouthAfrica.com)

2010sdafrika-Redaktion: Im selben Konzept sprechen Sie sich für eine „vereinfachte Visavergabe“ aus. Könnten Sie die bestehenden Schwierigkeiten erläutern?



Antwort: Die Anforderungen für südafrikanische Geschäftsreisende zum Erhalt eines Schengen-Visum zur Einreise in die Bundesrepublik Deutschland sind immer noch sehr hoch und aus unserer Sicht nicht zwingend nachvollziehbar. Denn Visa sind generell ein Investitions- und Handelshindernis, da sie Kosten verursachen und durch übermäßige Bürokratie Wettbewerbsnachteile verursachen. Hinzu kommt, zumindest was reine Geschäftsreisen angeht, ein gewisses Ungleichgewicht im Verhältnis Deutschlands zu Südafrika. Während deutsche Unternehmensvertreter für Geschäftsreisen nach Südafrika ein kostenfreies dreimonatiges Visum bei Einreise erhalten, müssen südafrikanische Unternehmensvertreter für Geschäftsreisen nach Deutschland alle administrativen Vorgaben eines Schengen-Visum erfüllen. Zur Intensivierung der Wirtschaftsbeziehungen sollten wir eine gewisse Liberalität in Visafragen erreichen oder zumindest einen gewissen Spielraum bei der Vergabe schaffen, den konsularische Vertretungen anderer EU-Länder bereits nutzen. Dies führt teilweise zu der paradoxen Situation, dass deutsche Unternehmen afrikanische Geschäftspartner bei einer anstehenden Einladung nach Deutschland an Vertretungen anderer Länder des Schengen-Raumes zwecks Erteilung des entsprechenden Visum verweisen.

2010sdafrika-Redaktion: Außerdem machen Sie einen interessanten Vorschlag. Sie schlagen vor, Vertreter der Privatwirtschaft in den Arbeitsgruppen der Deutsch-Südafrikanischen Binationalen Kommission zu beteiligen. Besteht hierbei nicht die Gefahr eines Interessenskonfliktes zwischen privatwirtschaftlichen Eigennutz und gemeinwohlorientiertem Nutzen? Und wer würde dann entscheiden, welches Unternehmen partizipieren darf?

Antwort: Die Arbeitsgruppen der Deutsch-Südafrikanischen Binationalen Kommission können nur dann in die Zukunft weisende und nachhaltige Ergebnisse im Interesse der beiden Volkswirtschaften erzielen, wenn Vertreter der Privatwirtschaft ihren hierzu so wichtigen Input einbringen können. Am Ende finden Investitionen sowohl in Südafrika als auch in Deutschland nicht auf staatlicher Ebene, sondern durch privatwirtschaftliches Bestreben statt.

© Die deutsche Wirtschaft macht den Vorschlag, dass Vertreter der Privatwirtschaft in den Arbeitsgruppen der Deutsch-Südafrikanischen Binationalen Kommission partizipieren sollten. SAFRI und seine Trägerorganisationen würden die Wirtschaft vertreten. Die Bundesregierung hat diesen Vorschlag, so SAFRI-Generalsekretär Wenzel, positiv zur Kenntnis genommen. (Quelle: flickr/The Presidency of the Republic of South Africa)

© Die deutsche Wirtschaft macht den Vorschlag, dass Vertreter der Privatwirtschaft in den Arbeitsgruppen der Deutsch-Südafrikanischen Binationalen Kommission partizipieren sollten. SAFRI und seine Trägerorganisationen würden die Wirtschaft vertreten. Die Bundesregierung hat diesen Vorschlag, so SAFRI-Generalsekretär Wenzel, positiv zur Kenntnis genommen. (Quelle: flickr/The Presidency of the Republic of South Africa)

Es geht dabei nicht darum, Partikularinteressen einzelner Unternehmen zu bedienen, sondern durch die Vertreter der verfassten Wirtschaft das übergeordnete Interesse und das Engagement der Privatwirtschaft stärker in den institutionalisierten Dialog auf politischer Ebene einzubringen. Die deutsche Wirtschaft würden dabei von SAFRI und unseren Trägerorganisationen vertreten werden. Darüber hinaus möchten wir hier künftig stärker als bisher die verfasste Privatwirtschaft auf südafrikanischer Seite in den konstruktiven Dialog einbeziehen. Im Idealfall sind wir gemeinsam in der Lage, Positionen abzustimmen und einzubringen. Ein Problem auf südafrikanischer Seite ist die Identifikation der richtigen Partner für den Dialog, da die institutionelle Positionierung der einzelnen Privatwirtschaftsorganisationen dort stark umkämpft ist. Die Bundesregierung steht unserem Vorschlag sehr aufgeschlossen gegenüber und arbeitet bereits jetzt im Vorfeld der Deutsch-Südafrikanischen Binationalen Kommissionen vertrauensvoll mit uns zusammen. Dies wünschen wir uns auch von südafrikanischer Regierungsseite und den Partnern in der Privatwirtschaft. Gemeinsam können wir die bestehenden Herausforderungen besser meistern und neue Potenziale schöpfen. Hier wäre dann auch zu diskutieren, wie wir gemeinsam den Weg bereiten können, damit in Südafrika Wohlstand geschaffen werden kann statt lediglich Umverteilungsdebatten zu führen.

2010sdafrika-Redaktion: Andreas Wenzel, Generalsekretär der Wirtschaftsinitiative SAFRI, vielen Dank für das informative Interview!

2010sdafrika-Interview mit Handelsblatt-Korrespondent Wolfgang Drechsler:

https://2010sdafrika.wordpress.com/2012/05/20/handelsblatt-korrespondent-im-interview/

2010sdafrika-Interview mit Ralf Brauksiepe, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesarbeitsministerium:

https://2010sdafrika.wordpress.com/2012/05/01/offentliche-arbeitsvermittlung-in-sudafrika/

2010sdafrika-Interview mit Andreas Storm, Staatssekretär im Bundesarbeitsministerium:

https://2010sdafrika.wordpress.com/2011/05/23/bundesagentur-fur-arbeit-arbeitsvermittlungsmodell-fur-sudafrika/

Südafrika-Wirtschaftsbericht der gtai

Zahlen für 2012: Strompreise steigen um 25 %; Waren & Dienstleistungen verteuern sich erneut um 6 %

(Autor: Ghassan Abid)

© Wirtschaftsbericht der gtai: Südafrika 2011/12

Germany Trade & Invest (gtai) erweist sich für seine analytischen Wirtschaftspublikationen als wichtige „Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland für Außenwirtschaft und Standortmarketing“. Nicht nur die Vermarktung Deutschlands im Ausland steht im Vordergrund, sondern auch die Information deutscher Unternehmen über Auslandsmärkte. In der zweiten Februarhälfte 2012 veröffentlichte gtai den Bericht „Wirtschaftstrends Südafrika: Jahreswechsel 2011/12“. Die volkswirtschaftlichen Ergebnisse sind teilweise ernüchternd.

Automobilbranche auf der Überholspur

Der südafrikanischen Wirtschaft wird grundsätzlich ein konstanter Wachstumskurs prophezeit. So wird für das Jahr 2012 ein Plus des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von etwa 2,8% erwartet, welches 2013 sogar leicht zunehmen und mit einem Wachstum von 3,3 bis 3,7% abschließen könnte. Vor allem die Automobilbranche kann für 2012 mit einem Branchen-Plus von 7 Prozent und einer Produktion von 610.000 Fahrzeugeinheiten rechnen.

Staat investiert mit 78,4 Mrd. Euro kräftig in Infrastruktur

Die geplanten Investitionen des Staates in die Infrastruktur und die Konsumentenausgaben bewertet gtai als die entscheidendesten Impulse für das Wirtschaftswachstum. In den nächsten drei Jahren sind rund 802 Mrd. Rand (ca. 78,4 Mrd. Euro) in Infrastrukturmaßnahmen vorgesehen. Zu erwähnen sind hierbei der Ausbau der Häfen Richards Bay & Durban, die Erneuerung der Schienenfahrzeuge und der Aufbau eines Hochgeschwindigkeitszugverkehrs zwischen Gauteng und Durban.

Mangelware Strom

Allerdings wird die hohe Arbeitslosigkeit weiterhin bestehen bleiben. Ebenso wirkten sich auch die Streikwellen im Bergau und verarbeitenden Gewerbe von 2011 auf das kommende Wirtschaftswachstum nachteilig aus. Problematischer sind die Strompreise, welche allein für das Jahr 2012 um weitere 25 Prozent anziehen werden. Schon in den Vorjahren kam es bedingt durch die Energieknappheit immer wieder zu Teuerungsraten in zweistelliger Prozenthöhe. Zwar ist die Regierung mit dem Bau der „Kohlekraftwerke Medupi, Kusile und des Pumpspeicherkraftwerks Ingula“ auf dem richtigen Weg, doch ist eine Fertigstellung der Projekte vor 2017 nicht zu erwarten.

Privatwirtschaft zögert mit Großprojekten

In Anbetracht der unzureichenden Energieversorgung zögert die Privatwirtschaft mit der Initiierung von Großprojekten. Außerdem werden Konsumenten die Verteuerung von Waren und Dienstleistungen erneut zu spüren bekommen, da zu erwarten ist, dass die Inflation in diesem Jahr mit 6 Prozent niederschlägt. Schon 2011 stiegen Lebensmittel und andere Güter um 5 Prozent an.

© Positivtrend: Die Automobilbranche kann für 2012 mit einem Wachstum von 7 Prozent und einer Produktion von 610.000 Fahrzeugeinheiten rechnen. (Quelle: Volkswagen South Africa/ MediaClubSouthAfrica.com)

Der Bergbausektor befindet sich bedingt durch die nationale Debatte um die Verstaatlichung der südafrikanischen Minen einerseits und den hohen Kosten wie Strom andererseits weiterhin unter Druck. Demzufolge sehen Minenkonzerne von großen Investionen in ihre Anlagen ab.

Deutsch-südafrikanische Handelsbeziehungen wachsen

Der bilaterale Handel zwischen Südafrika und Deutschland könnte für das Jahr 2011 ein Volumen von rund 15 Mrd. Euro erreichen. Dies entspricht im Vorjahresvergleich einem Anstieg von 16 Prozent. Die Südafrikaner sind grundsätzlich an Güter mit dem Siegel „Made in Germany“ sehr interessiert, sodass die deutsche Exportwirtschaft auf Südafrika als neuntwichtigstem Überseemarkt zugreifen kann.