Schlagwort-Archive: Qualifizierung

„Deutsche Unternehmen halten an Südafrika fest“

Im Interview mit Matthias Boddenberg, Geschäftsführer der Dt. IHK für das südliche Afrika

(Autor: Ghassan Abid)

© Matthias Boddenberg leitet seit 2001 als Geschäftsführer die Deutsche Industrie- und Handelskammer für das südliche Afrika (AHK). Sein Wort hat Gewicht, wenn es um deutsches Unternehmertum am Kap geht. Die Redaktion von "SÜDAFRIKA - Land der Kontraste" interviewte den Wirtschaftsrepräsentanten zum aktuellen Marktklima in Südafrika.

© Matthias Boddenberg leitet seit 2001 als Geschäftsführer die Deutsche Industrie- und Handelskammer für das südliche Afrika (AHK). Sein Wort hat Gewicht, wenn es um deutsches Unternehmertum am Kap geht. Die Redaktion von „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ interviewte den Wirtschaftsrepräsentanten zum aktuellen Marktklima in Südafrika.

2010sdafrika-Redaktion: Wir begrüßen auf „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ Herrn Matthias Boddenberg, Geschäftsführer der Deutschen Industrie- und Handelskammer für das südliche Afrika (AHK). Die südafrikanische Wirtschaftslage ist gegenwärtig mehr als angespannt. Wie bewerten Sie das aktuelle Marktklima?

Antwort: Das allgemeine Marktklima wird zurzeit durch drei Faktoren geprägt:
1. Die jüngste Abwertung der südafrikanischen Währung hat deutsche und europäische Importe nach Südafrika teurer gemacht. Dies ist eine Entwicklung, die neben den unmittelbaren Folgen vor allem mittelfristige Konsequenzen haben wird. Deutsche Waren, Maschinen wie auch Fahrzeuge, werden teurer. Firmen, die ihre Währungsgeschäfte nicht abgesichert haben, werden Schwierigkeiten haben, die höheren Preise am Markt durchzusetzen.
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Polizei-Desaster in Südafrika

Fremdenhass, Korruption und Killerkommandos – eine Behörde im absoluten Totalversagen

(Autor: Ghassan Abid)

Wer in Not ist oder die Unterstützung von Polizeibeamten braucht, der ruft in Deutschland die 110 an. In Südafrika wählt man hingegen die übliche Rufnummer 10111. Doch wer von dieser Hilfe Gebrauch macht, den erwarten nicht selten große Enttäuschungen. Die Geschehnisse um die getöteten 34 Minenarbeiter in Rustenburg durch Polizeibeamte bekräftigen eine Reform dieser Sicherheitsbehörde.

© Kollaps der südafrikanischen Polizei: Zwei Polizeichefs mussten infolge von Korruptionsvorfällen bereits gehen. Neben dem Fremdenhass, stellt auch die ausbleibende Verhältnismäßigkeit der Polizisten bei der Anwendung von physischer Gewalt ein gewaltiges Problem dar. Das Vertrauen der südafrikanischen Bevölkerung in diese Bundesbehörde nimmt zunehmend ab. Doch das zuständige Polizeiministerium verzichtet auf eine Reform. Die Bürger haben das Nachsehen. (Quelle: Bongani Nkosi/ MediaClubSouthAfrica.com)

© Kollaps der südafrikanischen Polizei: Zwei Polizeichefs mussten infolge von Korruptionsvorfällen bereits gehen. Neben dem Fremdenhass, stellt auch die ausbleibende Verhältnismäßigkeit der Polizisten bei der Anwendung von physischer Gewalt ein gewaltiges Problem dar. Das Vertrauen der südafrikanischen Bevölkerung in diese Bundesbehörde nimmt zunehmend ab. Doch das zuständige Polizeiministerium verzichtet auf eine Reform. Die Bürger haben das Nachsehen. (Quelle: Bongani Nkosi/ MediaClubSouthAfrica.com)

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Rebellion im Fischereiministerium Südafrikas

Unbesetzte Posten, eine überforderte Ministerin und ausufernde Korruption – ein Führungsdesaster.

(Autor: Ghassan Abid)

Das „Department of Agriculture, Forestry and Fisheries“ zählt zu jenen Ministerien am Kap, von denen man so gut wie nie etwas hört. Die Kompetenzen dieser Behörde beschränken sich auf die Fachgebiete Landwirtschaft, Forsten und Fischerei. Seit dem 11. Mai 2009 wird das Fischereiministerium von der studierten Pädagogin Tina Joemat-Pettersson geleitet, die dank der klassischen ANC-Parteipatronage in ihr gegenwärtiges Amt platziert wurde.

    © Fischereiministerin Tina Joemat-Pettersson hat ihr Ministerium nicht mehr im Griff. Ständig soll sie Personal ausgetauscht, gefeuert sowie beurlaubt haben und dies stets ohne sachlichen Grund. Andere Mitarbeiter kündigten auf eigenen Wunsch. Das Ausmaß der Korruptionsfälle im Ministerium konnte die 48-jährige Pädagogin nicht aufdecken. Diese Untersuchungen werden nun an die Polizeibehörde SAPS abgegeben. Die ANC-Politikerin gilt im von ihr seit Mai 2009 geführten Ressort als inkompetent, unseriös und wenig fachkundig. (Quelle: flickr/ FAO)

© Fischereiministerin Tina Joemat-Pettersson hat ihr Ministerium nicht mehr im Griff. Ständig soll sie Personal ausgetauscht, gefeuert sowie beurlaubt haben und dies stets ohne sachlichen Grund. Andere Mitarbeiter kündigten auf eigenen Wunsch. Das Ausmaß der Korruptionsfälle im Ministerium konnte die 48-jährige Pädagogin nicht aufdecken. Diese Untersuchungen werden nun an die Polizeibehörde SAPS abgegeben. Die ANC-Politikerin gilt im von ihr seit Mai 2009 geführten Ressort als inkompetent, unseriös und wenig fachkundig. (Quelle: flickr/ FAO)

Mit der Fischerei, Landwirtschaft oder dem Forsten hat sich die Politikerin bis zu ihrem Amtsantritt noch nie auseinandergesetzt. Umso weniger überraschend ist das Resultat dessen, in welchem Zustand sich das Ministerium nach der dreijährigen Joemat-Pettersson-Ära befindet. Auf Anfrage teilt ein Beamter aus dem Hause mit, dass die Behörde einem „absoluten Desaster“ ausgeliefert ist.

Die Ministerin soll ständig das Personal aller Abteilungen ausgetauscht, gefeuert sowie beurlaubt haben und dies stets ohne sachlichen Grund. Von den neun Abteilungen des Ministeriums sollen ganze sieben dieser sogenannten Branches jeweils ohne regulärem Abteilungsleiter besetzt sein. Betroffen sind die Zentralabteilung „Corporate Services“, die für Recht & Kommunikation zuständige Abteilung „Stakeholder Relations, Communication & Legal Services“, als auch die Handels-, Lebensmittelsicherheit-, Agrarproduktions-, Forst- und Fischereiabteilung.

Genauso ist die wichtige Position des „Director General (DG)“, vergleichbar mit einem beamteten Staatssekretär in deutschen Ministerien, nicht dauerhaft besetzt. Dieser ist der ständige Vertreter der Ministerin und übt gegenüber den Mitarbeitern und den Abteilungen des Hauses ein Weisungsrecht aus. Nachdem DG Langa Zita durch die oberste Behördenchefin im Sommer 2010 suspendiert wurde, hat sich die Situation im Ressort deutlich verschlechtert, heißt es.

Für das Ministerium arbeiten auch diverse externe Fachkräfte, die als freiberufliche Experten die Ministerin in speziellen Sachfragen beraten. Einige dieser Berater, beispielsweise Rams Mabote, sollen auf eigenen Wunsch ihre Tätigkeit für Tina Joemat-Pettersson beendet haben. Fehlende Korrespondenzen, Verachtungen und bewusstes Verbreiten von Fehlinformationen werden der 48-Jährigen angelastet.

Aktuell hat das Ministerium interne Untersuchungen zu finanziellen Unregelmäßigkeiten im Zusammenhang mit Vergabeverfahren im Fischereiwesen an die Polizeibehörde SAPS abgegeben. Monatelang war das Fischereiministerium mit der Aufdeckung von Korruptionsfällen beschäftigt gewesen. Doch die schlecht ausgestattete Innenrevision, mangelnde Qualifizierung von Controlling-Angestellten und unbesetzte Fischerei-Referatsleiterposten machten eine effiziente Untersuchung unmöglich.

In den Vormonaten sind mehreren südafrikanischen Zeitungen anonyme Schreiben vom Ministeriumspersonal zugegangen, die eine ablehnende Haltung zur Fortführung von Tina Joemat-Pettersson als Fischereiministerin zu erkennen geben. Präsident Jacob Zuma hat sich hierzu bisweilen nicht geäußert bzw. äußern wollen.

Öffentliche Arbeitsvermittlung in Südafrika

Im Interview mit Dr. Ralf Brauksiepe, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesarbeitsministerium

(Autor: Ghassan Abid)

© Dr. Ralf Brauksiepe, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesarbeitsministerium (Quelle: BMAS)

© Dr. Ralf Brauksiepe, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesarbeitsministerium (Quelle: BMAS)

2010sdafrika-Redaktion: Wir begrüßen auf „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ den Parlamentarischen Staatssekretär im Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), Herrn Dr. Ralf Brauksiepe. Sie standen bereits mehrfach mit südafrikanischen Partnern in Kontakt, zuletzt am 21. März 2012. Eine Delegation unter der Leitung von Herrn Mamagase Elleck Nchabeleng, Vorsitzender des Arbeitsausschusses im südafrikanischen Unterhaus, informierte sich über die deutsche Arbeitsmarktpolitik. Welche Themen standen konkret auf der Agenda?

Antwort: Seitens Südafrikas gibt es ein großes Interesse an dem Aufbau einer Arbeitsverwaltung, die in Deutschland im wesentlichen der Bundesagentur für Arbeit obliegt. Die Bundesagentur für Arbeit informiert, berät und vermittelt Arbeitskräfte, bietet Berufsberatung und Berufsorientierung an, zahlt viele Entgeltersatzleistungen (z.B. Arbeitslosengeld, Insolvenzgeld) aus und erbringt noch einige andere wichtige Dienstleistungen. In Südafrika hingegen übernimmt das Ministerium für Arbeit diese Aufgaben selbst. Unsere Gesprächspartner haben uns von Plänen berichtet, die öffentliche Arbeitsvermittlung auszubauen.

© Mamagase Elleck Nchabeleng, Vorsitzender des Arbeitsausschusses im südafrikanischen Unterhaus, mit Dr. Ralf Brauksiepe, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesarbeitsministerium. (Quelle: BMAS)

© Mamagase Elleck Nchabeleng, Vorsitzender des Arbeitsausschusses im südafrikanischen Unterhaus, mit Dr. Ralf Brauksiepe, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesarbeitsministerium. (Quelle: BMAS)

2010sdafrika-Redaktion: Am 7. März 2012 mobilisierte der Gewerkschaftsdachverband COSATU rund 100.000 Menschen zu einer Demonstration im Hinblick auf die schlechten Arbeitsbedingungen im Rahmen der Zeitarbeit. Wurde diese Angelegenheit ebenfalls angesprochen und falls nicht, inwieweit stand dieser Aspekt bereits im Mittelpunkt der deutsch-südafrikanischen Arbeitskonsultationen?

Antwort: Der Aspekt der Zeitarbeit steht im Zusammenhang mit dem Ausbau der öffentlichen Arbeitsvermittlung in Südafrika. Für den Einsatz solcher Dienstleistungsanbieter sind eindeutige gesetzliche Regelungen häufig von Vorteil. Sie bieten den Agenturen, den aufnehmenden Firmen und insbesondere den Arbeitskräften eine rechtliche Sicherheit. Sie schützen die Arbeitskräfte vor schlechten Arbeitsbedingungen. In Deutschland ist die Arbeit der Zeitarbeitsfirmen in einem eigenen Gesetz, dem Arbeitnehmerüberlassungsgesetz, geregelt. Ein Austausch zu diesem Thema einschließlich des Aufbaus der öffentlichen Arbeitsvermittlung steht seit längerem im Fokus unserer Beziehungen mit Südafrika.

2010sdafrika-Redaktion: Die Parlamentsdelegation besuchte ebenfalls die Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg. Das deutsche Arbeitsvermittlungsmodell stand – wie bereits bei einem Arbeitsbesuch des damaligen Staatssekretärs im BMAS, Herrn Andreas Storm, vom 21. April 2011 in Johannesburg – im Gesprächsfokus. Welche neuen Impulse konnten gegeben werden?

Antwort: Gemeinsam mit der Bundesagentur für Arbeit wurden Möglichkeiten für Verbesserungen diskutiert. Wichtig für eine funktionsfähige Arbeitsvermittlung ist die Verfügbarkeit von Ressourcen. Dies betrifft z. B. die IT-Ausstattung und die Qualifizierung des Personals.

© Deutsch-südafrikanisches Arbeitstreffen zum Aufbau einer öffentlichen Arbeitsvermittlung in Südafrika (Quelle: BMAS)

© Deutsch-südafrikanisches Arbeitstreffen zum Aufbau einer öffentlichen Arbeitsvermittlung in Südafrika (Quelle: BMAS)

2010sdafrika-Redaktion: Bereits im August 2010 beschäftigten Sie sich vor Ort mit der nach Südafrika ausgerichteten Arbeitsmigration aus Simbabwe. Wie bewerten Sie den überaus hohen Anteil an nicht-qualifizierten Arbeitnehmern für den südafrikanischen Arbeitsmarkt?

Antwort: Für eine erfolgreiche und moderne Volkswirtschaft ist es heutzutage wichtig, über gut ausgebildete Fachkräfte zu verfügen. Dies betrifft in erster Linie, auch in Deutschland, das Potenzial an Menschen, die bereits im eigenen Land leben. In Deutschland haben wir das Problem einer alternden Gesellschaft. Langfristig wird es weniger Menschen im sog. erwerbsfähigen Alter geben. Daher hat die Bundesregierung bereits im letzten Jahr ein Konzept zur Fachkräftesicherung beschlossen. Danach fokussieren wir uns besonders auf Frauen und die Bildung und Ausbildung von Kindern und Jugendlichen, auf ältere Arbeitnehmer und deren Beschäftigungsfähigkeit sowie die Weiterbildung von Erwachsenen. Ich denke mir, dass einige unserer Erfahrungen und unserer Konzepte auch für Südafrika von Interesse sind, gerade im Bereich der Aus- und Weiterbildung. So gibt es in Südafrika ein großes Interesse an der dualen Berufsausbildung, um der Nachfrage der südafrikanischen Wirtschaft nach betriebsnah ausgebildeten Arbeitnehmern zu entsprechen.

2010sdafrika-Redaktion: Am 28. Oktober 2011 und kürzlich im März dieses Jahres warben Sie persönlich für die Förderung der Sozialen Marktwirtschaft am Kap. Dennoch setzt die Regierungspartei ANC zunehmend auf ein staatsinterventionistisches Wirtschaftsmodell. Der Privatsektor verliert in diesem Kontext, so die Einschätzung von Analysten, verstärkt die Anreize zu investieren. Inwieweit macht ein solcher bilateraler Dialog noch Sinn, wenn die Umsetzung dessen weniger beachtet bzw. missachtet wird?

Antwort: Der bilaterale Dialog ist ein Austausch auf gleicher Augenhöhe. Wir sehen uns gemeinsam erfolgreiche Lösungen für beschäftigungs- und sozialpolitische Fragestellungen an. Auf Grundlage dieses Austausches muss allerdings jedes Land seinen eigenen Weg finden.

© Die südafrikanische Parlamentsdelegation des Arbeitsausschusses im Bundesarbeitsministerium. (Quelle: BMAS)

© Die südafrikanische Parlamentsdelegation des Arbeitsausschusses im Bundesarbeitsministerium. (Quelle: BMAS)

2010sdafrika-Redaktion: Dr. Ralf Brauksiepe, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesarbeitsministerium, vielen Dank für die Möglichkeit dieses kurzfristigen Inteviews!

Oberbürgermeister Gerd Schwandner im Interview

Kommunale Partnerschaft zwischen Oldenburg und dem Eastern Cape

(Autor: Ghassan Abid)

© Oberbürgermeister Gerd Schwandner (Quelle: Stadt Oldenburg)

2010sdafrika-Redaktion: Wir begrüßen auf „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ den Oberbürgermeister der niedersächsischen Stadt Oldenburg, Herrn Gerd Schwandner.

Herr Schwandner, Oldenburg unterhält mit der südafrikanischen Provinz Eastern Cape (EC) enge Beziehungen. Auf wessen Initiative hin und in welchem Jahr entstand diese Kommunalpartnerschaft.

Antwort: Die Beziehungen sind Ergebnis einer jahrelangen guten Verbindung der Stadt zur Botschaft Südafrikas. Der ehemalige Botschafter Funde hat sich sehr für eine Kommunalpartnerschaft stark gemacht. Außerdem gibt es langjährige gute Verbindungen der Oldenburger Wirtschaft.

2010sdafrika-Redaktion: In welchen Sachgebieten liegen die Schwerpunkte?

Antwort: Energie, GIS, kommunaler Verwaltungsaustausch, Kultur, Jugendaustausch.

2010sdafrika-Redaktion: Der Wirtschaftsminister des Eastern Cape´s, Mcebisi Jonas, hat mit Oldenburg einen sogenannten 5-Punkte-Plan auf dem Gebiet des Energiekonzeptes abgeschlossen. Was beinhaltet dieser?

Antwort:
-Energiekonzept: Unterstützung für EC für die strategische Planung
-Erneuerbare Energieprojekte für deutsche Unternehmen in EC
-Ausbildung, Qualifizierung im Bereich Erneuerbare Energien
-Forschungskooperation im Bereich Erneuerbare Energien
-Energieeffizienz in Kommunen

2010sdafrika-Redaktion: Welche Rolle nehmen Oldenburger Energieunternehmen im Rahmen des 5-Punkte-Planes ein und inwieweit kooperiert die Stadt hierbei mit entwicklungspolitischen Akteuren des Bundes, wie der KfW-Entwicklungsbank bzw. GIZ?

Antwort: Oldenburger Unternehmen werden von konkreten Projekten im Bereich der Erneuerbaren Energien in Südafrika profitieren, außerdem sehe ich gute Chancen der Kooperation in der Ausbildung, Qualifizierung.

2010sdafrika-Redaktion: Kürzlich erhielten Sie Besuch einer Delegation der Metropolregion Buffalo City unter der Leitung von Bürgermeisterin Zukiswa Ncitha. Themen wie Finanzplanung/Controlling, Umweltmanagement, Verkehrsleitzentrale sowie Wirtschaftsförderung standen auf der Agenda. Wo sehen Sie persönlich die größten Kooperationspotentiale?

Antwort: Die besten Chancen der Kooperation mit East London sehe ich in
der Wirtschaftsförderung, z.B. in der Kooperation mit der East London Industrial Development Zone.

© Zukuswa Ncitha, Bürgermeisterin der südafrikanischen Metropolregion Buffalo-City und Oberbürgermeister Gerd Schwandner. (Quelle: Stadt Oldenburg)

2010sdafrika-Redaktion: Die Oberbürgermeisterin der Stadt East London, Zukiswa Ncitha, untermauerte bei ihrem Deutschlandbesuch ebenfalls den Wunsch einer strategischen Partnerschaft mit Oldenburg. Was ist aus diesen Absichten geworden?

Antwort: Wir sind auf einem guten Weg.

2010sdafrika-Redaktion: Aus welchen Haushaltsmitteln wird die Städtepartnerschaft Oldenburg´s mit den südafrikanischen Akteuren finanziert und welches Finanzvolumen steht Ihnen hierfür zur
Verfügung?

Antwort: Das ist Gegenstand der ganz aktuellen politischen Beratungen
zum Haushalt 2012.

2010sdafrika-Redaktion: Niedersachsen unterhält mit dem Eastern Cape bereits seit 1995 eine Partnerschaft. Finden Austauschprozesse hinsichtlich der deutsch-südafrikanischen Zusammenarbeit zwischen dem Land und den Kommunen einerseits und zwischen den Kommunen andererseits statt und falls ja, wie sind diese ausgestaltet?

Antwort: Wir sind auch hier in engen Kontakten mit dem Wirtschaftsministerium des Landes Niedersachsen und profitieren von den Kenntnissen des Landes über die Region Eastern Cape. Das Land Niedersachsen ist uns bei der Kontaktaufnahme eine große Hilfe gewesen.
So hat uns der Repräsentant Niedersachsens, Yorck Wurms, vor Ort sehr unterstützt!

© Zukuswa Ncitha, Bürgermeisterin der südafrikanischen Metropolregion Buffalo-City, besichtigt die Räume des Vereins Jugendkulturarbeit Oldenburg e.V. In der Küche des Internationalen Jugend Projektehauses von links: Ondela Mahlangu (Dezernentin für Strategisches Management), Bürgermeisterin Zukuswa Ncitha, Oberbürgermeister Gerd Schwandner und Koch Michael Stelling. (Quelle: Stadt Oldenburg)

2010sdafrika-Redaktion: Sie hielten sich selber bereits im Eastern Cape auf. Welche Eindrücke konnten Sie von Land und Leute sammeln?

Antwort: Die Menschen waren überall sehr freundlich und herzlich zu uns. Man spürt sofort, dass wir gut zusammen arbeiten können als gleichberechtigte Partner. Und ich war schwer beeindruckt von den Aufbruchstimmung im Land.

2010sdafrika-Redaktion: Gerd Schwandner, Oberbürgermeister der Stadt Oldenburg, vielen Dank für das interessante Interview!

2010sdafrika-Interview mit Dirk Brouër, Direktor des Bundesrates:

https://2010sdafrika.wordpress.com/2010/09/30/direktor-des-bundesrates-im-interview/

Südafrika nach der Fußballweltmeisterschaft – Quo vadis?

Experten ziehen in der Brandenburgischen Landeszentrale ein Fazit zur ´Regenbogennation´

(Autorin: Annalisa Wellhäuser)

Im August 2010 fand in der Brandenburgischen Landeszentrale für politische Bildung in Potsdam eine Veranstaltung zum Thema „Südafrika nach der Fußballweltmeisterschaft“ statt. Die politische und soziale Situation des letzten WM-Gastlandes stand im Mittelpunkt der Diskussion.

Neben Bärbel Möller als Moderatorin, standen als Referenten Gerd Rüdiger Stephan, ehemaliger Leiter der Rosa-Luxemburg-Stiftung (RLS) im südlichen Afrika, sowie Dr. Klaus Freiherr von der Ropp von SA Consulting Potsdam, dem Publikum für Fragen zur Verfügung.

© v.l.: Gerd Rüdiger Stephan, Dr. Bärbel Möller und Dr. Klaus Freiherr von der Ropp

Gerd Rüdiger Stephan betonte zunächst die positiven Entwicklungen Südafrikas seit Apartheidsende, welche trotz der großen Probleme nicht vergessen werden dürften. Im Gegensatz zu anderen afrikanischen Staaten seien dank der progressiven Verfassung des Landes die bisherigen Wahlen stets demokratisch und fair abgelaufen. Zudem habe Südafrika bis 2005 ein Wirtschaftswachstum von 5 Prozent zu verzeichnen und besitze eine relativ stabile Währung. Grund dafür seien unter anderem der Rohstoff-Reichtum und der produktive Tourismussektor.

Als Erfolg bezeichnete er ausserdem die diesjährige Fußballweltmeisterschaft. Entgegen aller Befürchtungen sei es weder während der WM, noch nach Abflauf dieses Großspektakels zu Unruhen gekommen. Auch die Investitionen in den Ausbau der Infrastruktur würden nach dem Ende der WM dem Lande nachhaltig zugute kommen. Interessant erweist sich dessen Feststellung, dass die aktuellen Probleme in Südafrika gewisse

Parallelen zur ehemaligen DDR aufweisen. Arbeitslosigkeit, die riesige Diskrepanz zwischen Arm und Reich, die zunehmende Inflation und somit drastischer Preisanstieg der Grundnahrungsmittel – all dies bedinge den „sozialen Zündstoff“. In Südafrika löste diese explosive Stimmung umfrangreiche Streiks und sogar tödliche Ausschreitungen aus, welche sich 2008 gegen afrikanische Einwanderer in den Townships richteten. Gewaltverbrechen wie Mord, Totschlag, Raub und Vergewaltigung gehören zudem zum südafrikanischen Alltag.

Die Aufklärungsrate bezifferte Stephan allerdings mit nur 13 Prozent; eine erschreckende Statistik. Bestehende Energieprobleme, verursacht durch unregelmässige oder ausgebliebene Wartungen in Kraftwerken, sei ein weiteres Faktum zu den aktuellen Herausforderungen dieser jungen Demokratie. Der Strom werde manchmal für Stunden abgeschaltet, sodass Notstromaggregate genutzt werden müssen, mit der Konsquenz eines extremen Energiepreisanstieges.

Als weiteres Problem nannte er die abnehmende Qualität des Schul-und Gesundheitssystems. Zwar genießen die Patienten einen hohen Versorgungsstandard, dennoch sind die meisten Bürger hierbei ausgeschlossen. Hinzu kommt die Aidsrate, die dritthöchste weltweit. Zu bemängeln sei auch das gegenwärtige politische System Südafrikas, mit dem damaligen unter Korruptionsverdacht stehenden Präsidenten Jacob Zuma sowie die schwache Rolle der Opposition gegenüber der Regierungspartei ANC. Summa summarum sind in Südafrika positive und negative Entwicklungen zu beobachten, beendete der ehemalige RLS-Leiter im südlichen Afrika auf diesem Wege dessen soziopolitische Analyse.

Dr. Klaus Freiherr von der Ropp schloss sich der Position Stephans bezüglich der ,,scheinbaren Parallelität zwischen Südafrika und dem Deutschland von 1989“ an. Allerdings sei eine demokratische Struktur, wie es sie in Deutschland gibt, in Südafrika „überhaupt nicht“ vorhanden.

Zur Weltmeisterschaft sagte er, diese sei eine ,,hervorragende Leistung“, da es zu keinen Aufständen gekommen ist. Dies sei nämlich vor allem der internationalen Unterstützung zu verdanken, besonders die der Amerikaner und Briten. Er warf allerdings die interessante Frage auf, ob die während der WM herrschende Stabilität und Sicherheit auch von Dauer sein kann. Denn in jeglichen Verwaltungsbereichen mangele es nach wie vor an qualifizierten und erfahrenen Fachkräften. So gelinge es der Polizei weiterhin nicht, die hohe Kriminalität zu bekämpfen und Verbrechen aufzuklären. Auch der Zoll in Südafrika erfordere enorme Anstrengungen. Durch den ,,löchrigen“ Zoll drückten illegale Importe aus China die lokale Produktion, verstärkt durch mangelnde Kontrolle an den Außengrenzen. Beides führe zu mehr Arbeitslosen sowie zur Abwanderung von Fachkräften ins Ausland. Korruption spiele hierbei auch eine große Rolle, so Dr. von der Ropp.

Weiterhin würden Trink-und Abwassersysteme sowie Kraftwerke nicht mehr ordnungsgemäß gewartet. Die Folge seien kontaminiertes Wasser, Stromausfälle und Strompreiserhöhungen, wie es Gerd Rüdiger Stephan bereits angemerkt hat. Der Grund für die nicht funktionierenden Verwaltungsbereiche sei die nach Apartheidsende eingeführte Affirmative Action Policy, welche die Einbindung der bisher benachteiligten Mehrheit vorsieht. Diese sei aber in der Realität nicht umzusetzen. Denn die Mehrheit der schwarzen Südafrikaner erfuhr während der Apartheid nicht die nötige Ausbildung und Berufserfahrung. Hingegen wurden fachkundige Afrikaaner, also holländischstämmige (weiße) Südafrikaner, im Gegenzug entlassen. Der einzige Bereich, in welchem die Affirmative Action noch keinen Einzug erhalten hat, sei die Finanzverwaltung und Zentralbank. Dr. von der Ropp betonte, dass diese Tatsachen in Südafrika einfach totgeschwiegen würden.

Zum Schluss seines Vortrages plädierte der Vertreter von SA Consulting Potsdam die Einsetzung eines funktionierenden Beamtenapparates. Er habe die Hoffnung, dass Präsident Zuma dies erkennt und berufserfahrene, fachkundige Afrikaaner einstellen würde. Zudem sollten die Afrikaanssprachigen sowie die indischstämmigen Südafrikaner ein Minderheitenschutz genießen.

Überwacht könnte dieses System durch die Briten, bedingt durch den hohen Anteil britischstämmiger Südafrikaner. Deutschland hingegen werde hierbei keine bedeutende Rolle einnehmen können, denn schließlich, so Dr. von der Ropps weiter, habe sich die Bundesregierung auch in der Vergangenheit stets zurückgehalten.

Das Publikum fand ein großes Interesse an der Veranstaltung der Brandenburgischen Landeszentrale. Während der Diskussion eröffneten sich den Teilnehmern stets Fragen nach den Lösungsmöglichkeiten der Regierung unter Präsident Jacob Zuma. Wie solle der Präsident die bestehenden Probleme im Lande lösen, besprach das Publikum im direkten Gespräch mit den Referenten diese komplexe Fragestellung. Fest stand, dass Zuma als Person sowie dessen Handlungen bei den Veranstaltungsteilnehmern umstritten war.

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2010sdafrika-Artikel bei der Brandenburgischen Landeszentrale für politische Bildung  veröffentlicht:

http://www.politische-bildung-brandenburg.de/programm/veranstaltungen/2010/aug18_bericht.html