Schlagwort-Archive: Regenbogennation

Vergebung statt Vergeltung

Wahrheitskommission legte heute vor 20 Jahren Abschlussbericht zur Vergangenheitsbewältigung vor

(2010sdafrika-Redaktion)

Vor genau 20 Jahren, am 29. Oktober 1998, wurde der damalige anglikanische Erzbischof Desmond Tutu von Südafrikas Staatspräsidenten Nelson Mandela persönlich empfangen. Tutu, der den Vorsitz der Wahrheits- und Versöhnungskommission (TRC) innehatte, legte fünf dicke Bände mit über 4.500 Seiten vor. Jede einzelne Seite befasst sich mit den Verbrechen des Apartheidregimes ab dem 1. März 1960 – eingeschlossen das Massaker von Sharpeville vom selben Monat. Drei Jahre Vergangenheitsbewältigung mündeten in knapp 1.000 Seiten mit den Namen der Opfer.

© Desmond Tutu leitete den Vorsitz der Wahrheits- und Versöhnungskommission (TRC), die die Verbrechen des Apartheidregimes aufarbeitete. Am 29. Oktober 1998, heute vor 20 Jahren, präsentierte der südafrikanische Friedensnobelpreisträger den Abschlussbericht mit seinen rund 4.500 Seiten. (Quelle: flickr/ Skoll Foundation)

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Politische Forderung ohne Umsetzungswillen

Südafrikas Regierung verurteilt den Fremdenhass in Durban, ohne diesen wirklich bekämpfen zu wollen

(Autor: Ghassan Abid)

Am 16. April untermauerte Präsident Jacob Zuma gegenüber dem Parlament in Kapstadt den Standpunkt, dass „Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Homophobie und Sexismus“ keinen Platz in Südafrika hätten. Die Ausschreitungen in Durban verurteilte das Staatsoberhaupt. Flüchtlinge, Asylbewerber und Personen mit legalem Aufenthaltsstatus genießen einen Schutz. Allerdings nimmt Zuma die illegalen Einwanderer nicht im selben Maße in den Schutz.“Nicht alle Ausländer, die sich in unserem Land aufhalten, sind hier auch illegal„, sagte der ANC-Politiker. Genau an diesem Punkt zeigt sich der fehlende Wille, die universellen Menschenrechte auf alle Individuen in der Regenbogennation gleichermaßen anzuwenden.

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© Südafrikas Präsident Jacob Zuma verurteilte bei seiner letzten Parlamentsrede die fremdenfeindlichen Ausschreitungen in Durban. Allerdings fehlt es am notwendigen Willen, diesen Missstand tatsächlich zu beseitigen. Denn Illegale werden nach wie vor wie Menschen ohne Rechte wahrgenommen. Auf dem Bild ist Zuma mit dem Zulu-König Goodwill Zwelithini zu sehen. (Quelle: flickr/ Rikesh Maharaj)

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20 Jahre Demokratie in Südafrika

Freude und Ernüchterung am Freedom Day 2014: Eine Regenbogennation auf Abwegen?

(2010sdafrika-Redaktion)

Am heutigen Freedom Day feiert eine Nation das Ende der Apartheid und somit den Beginn von Freiheit und Demokratie in Südafrika. Vor genau zwanzig Jahren fanden die ersten freien Parlamentswahlen am Kap statt. Doch mittlerweile machen sich Freude und Ernüchterung breit. Die Republik im südlichen Afrika muss nun ohne ihre Ikone Nelson Mandela auskommen.

Ted Eytan

© Am heutigen Freedom Day zelebriert Südafrika zum zwanzigsten Mal die Demokratie und Freiheit am Kap. Allerdings waren noch nie so viele kritische Stimmen zu hören wie es gegenwärtig der Fall ist. Das Erbe Nelson Mandelas droht ins Leere zu laufen. (Quelle: flickr/ Ted Eytan)

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Medienkommentar: RTL entdeckt Südafrika

„IK1 – Touristen in Gefahr“, „Der Bachelor“ und „Bauer sucht Frau“. Erfolgreiche TV-Formate am Kap

(Autor: Ghassan Abid)

Die wohl erfolgreichste deutsche Privatsender-Reihe, die „Mediengruppe RTL Deutschland“, hat erneut Südafrika als Produktionsstandort ausgewählt. Die Verkupplungsshow „Bauer sucht Frau“ mit Moderatorin Inka Bause plant zum Jahresende die Ausstrahlung einer Episode am Kap. Bauer Jürgen und Partnerin Tanja wurden von RTL zum Traumurlaub nach Südafrika geschickt. Allerdings hat der Kölner Sender schon seit längerer Zeit das südliche Afrika als beliebten Standort für seine TV-Formate entdeckt. Die Wirtschaftlichkeit und Scheinidylle spielten in diesem Zusammenhang eine maßgebliche Rolle.

© RTL hat sich längst für Südafrika als bevorzugten Produktionsstandort diverser Serien und Reality Shows entschieden. „ IK1 - Touristen in Gefahr“, „Der Bachelor“ und „Bauer sucht Frau“ sind drei erfolgreiche TV-Formate des Kölner Senders, die teilweise am Kap gedreht wurden. (Quelle: Stefan Flöper/ Wikimedia)

© RTL hat sich längst für Südafrika als bevorzugten Produktionsstandort diverser Serien und Reality Shows entschieden. „IK1 – Touristen in Gefahr“, „Der Bachelor“ und „Bauer sucht Frau“ sind drei erfolgreiche TV-Formate des Kölner Senders, die teilweise am Kap gedreht wurden. (Quelle: Stefan Flöper/ Wikimedia)

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Desillusionierung ehemaliger ANC-Guerillas

Im Interview mit Ludger Schadomsky, Redaktionsleiter der Deutschen Welle

(Autor: Ghassan Abid)

    © Ludger Schadomsky ist Buchautor und Redaktionsleiter beim deutschen Auslandsrundfunk Deutsche Welle. Vor Kurzem hielt sich der Journalist zwecks Recherche für einen Artikel in Qunu auf, der Heimat von Nelson Mandela. (Quelle: DW)

© Ludger Schadomsky ist Buchautor und Redaktionsleiter beim deutschen Auslandsrundfunk Deutsche Welle. Vor Kurzem hielt sich der Journalist zwecks Recherche für einen Artikel in Qunu auf, der Heimat von Nelson Mandela. (Quelle: DW)

2010sdafrika-Redaktion: Wir begrüßen auf „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ den für die Deutsche Welle tätigen Journalisten und Afrika-Buchautoren Ludger Schadomsky. Sie studierten in Köln und schließlich in Kapstadt. Wie kam es dazu, dass sie den Weg nach Südafrika fanden?

Antwort: Während der Umwälzungen am Kap zu Beginn der 90er-Jahre studierte ich in Köln Afrikanistik und Politikwissenschaften. Klar war, dass ich mich intensiver und vor allem vor Ort mit dem „neuen Südafrika“ auseinandersetzen wollte. Also habe ich mich um ein DAAD-Stipendium zum Studium der Sprache Xhosa an der Universität Kapstadt (UCT) bemüht. So kam ich 1996 nach Südafrika und blieb bis 1998, schloss mein Studium an der UCT ab und begann parallel als Korrespondent für die Zeitungen „Afrika Post“ und „afrika süd“ zu berichten – eine faszinierende Zeit, zumal der Berichtsraum nicht nur Südafrika, sondern auch die Nachbarländer umfasste. Die Berichterstattung über die Aufarbeitung der Apartheidverbrechen in der sog. „Wahrheits- und Versöhnungskommission“(TRC) gehört bis heute, trotz vieler anschließender Reisen in afrikanische Krisengebiete, zum Aufwühlendsten überhaupt. Demgegenüber stand die Verabschiedung der modernsten Verfassung der Welt – ein Meilenstein für die junge Regenbogennation! 1998 bin ich schweren Herzens für ein Volontariat zur Deutschen Welle nach Deutschland zurückgegangen, wo ich heute als Redaktionsleiter tätig bin.

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Südafrika in außenpolitischer Verantwortung

Im Interview mit Klaus A. Hess, Verleger und Chefredakteur des Magazins afrikapost

(Autor: Ghassan Abid)

© Klaus A. Hess, Verleger und Chefredakteur des Magazins afrikapost.

© Klaus A. Hess, Verleger und Chefredakteur des Magazins afrikapost. (Quelle: Klaus A. Hess)

2010sdafrika-Redaktion: Wir begrüßen auf „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ Herrn Klaus A. Hess, Verleger und Chefredakteur des Magazins afrikapost. Seit 1972 befassen Sie sich mit dem afrikanischen Kontinent. Wie erleben Sie Afrika, wenn Sie in die 70er-Jahre zurückblicken und gleichzeitig auf die heutige Entwicklung schauen?

Antwort: Vor 40 Jahren war die Apartheid in Südafrika noch ein großes Thema, in Afrika fanden Stellvertreter-Kriege statt zwischen den Weltmächten Sowjetunion und USA im Rahmen des weltweiten „Kalten Krieges“ der beiden westlich-demokratischen und östlich-kommunistischen Blöcke. In den jungen Staaten wurden verschiedene politische und soziale Modelle probiert, die leider oft nicht zur Entwicklung zugunsten der Bevölkerung führten, sondern zu Umstürzen und Bürgerkriegen. In der Weltpolitik und Weltwirtschaft spielte Afrika praktisch keine eigene Rolle.

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„Die Arbeit des BMZ in Südafrika zeigt Wirkung“

Im Interview mit Hans-Jürgen Beerfeltz, Staatssekretär beim Bundesentwicklungsminister

(Autor: Ghassan Abid)

© Hans-Jürgen Beerfeltz, Staatssekretär beim Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). (Quelle: Lukas Kolodziej)

© Hans-Jürgen Beerfeltz, Staatssekretär beim Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). (Quelle: Lukas Kolodziej)

2010sdafrika-Redaktion: Wir begrüßen auf „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ den Staatssekretär beim Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), Herrn Hans-Jürgen Beerfeltz.

Frauen in Südafrika sind besonders stark von sexueller Gewalt betroffen. Laut aktuellsten Angaben des „SA Institute of Race Relations (SAIRR)“ werden pro Jahr 2.500 Frauen getötet und über 200.000 Frauen attackiert. Hervorzuheben ist hierbei die Vergewaltigung der 17-jährigen Anene Booysens in Bredasdorp. Wie erklären Sie sich diese gesellschaftliche Stellung des weiblichen Geschlechts am Kap?

Antwort: Die erschreckende Gewalt gegen Frauen und Mädchen in Südafrika hat viele Ursachen: Traditionelle Geschlechterrollen gehören dazu, aber auch die Zerrissenheit der Gesellschaft durch die Apartheid wirkt heute noch nach. Viele Familien wurden durch das System der Wanderarbeit auseinander gerissen. Wo in den Arbeiterwohnheimen der Bergbaustädte nur Männer unter sich waren – und zum Teil heute immer noch sind – hat Gewalt immer weiter um sich gegriffen. Arbeitslosigkeit und Alkohol unter jungen Männern verstärken die Brutalisierung.

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