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Musikszene Südafrika

Hip Hop, Rock, Pop, Jazz oder Schlager. Musikgeschmack am Kap bleibt grundsätzlich Ethniensache.

(Autoren: Ghassan Abid, 2010sdafrika-Redaktion)

Das Kap hat seit dem Ende der Apartheid eine beachtliche Musikvielfalt aufbauen können, die sämtliche Genres des westlichen Musikbusiness abdeckt. Spätestens seit der Musizierung von Opernstücken durch schwarze Südafrikaner hat das Land eine breite Musikszene entwickeln können. Doch in Anbetracht des heterogenen Angebots sollte vielmehr von Musikszenen gesprochen werden.  

Allerdings ist der Musikgeschmack weiterhin von der Hautfarbe abhängig. Hip Hop wird vor allem von Schwarzen gehört und gesungen, während Schlager und Rock den Weißen vorbestimmt ist. Ähnliche ethnische Abhängigkeiten sind vom Sport bekannt – Fußball ist mehrheitlich bei Schwarzen; Rugby & Cricket bei  Weißen gefragt. Pop-Musik hingegen erfreut sich bei Schwarzen, Weißen, Indern und Asiaten – also allen Ethnien – einer sehr großen Beliebtheit. Dies soll nur eine grobe Untergliederung darstellen, da auch innerhalb der schwarzen Ethnien – beispielsweise zwischen Xhosa und Zulus – große traditionelle Unterschiede bestehen, welche sich durch die Eigenheiten der Lokalsprachen begründen. Es bleibt anzumerken, dass Südafrika elf offizielle Amtssprachen in seiner Verfassung aufgenommen hat. Einige Township-Dialekte könnten, dies hört man vor Ort öfters, gar als weitere Sprachen registriert werden – doch dies nur am Rande.

Ein besonderer Umstand in der südafrikanischen Musik ergibt sich mit Kwaito, einer in den 90er-Jahren enstandenen traditionellen Musikrichtung aus Soweto. Gangs sollen Kwaito für sich als künstlerische Plattform entdeckt haben. Diese ähnelt letztendlich sehr dem Hip Hop, ist jedoch vom Beat her deutlich verlangsamter. Ebenfalls soll auf Mbaqanga eingegangen werden, einer den Zulus nahestehendem Musikstil, welcher sich aus Elementen des Soul, Jazz oder Reggae zusammensetzt. Allerdings ist Mbaqanga, zumindest bei der jüngeren Generation, nicht mehr ganz im Trend.

Die Musik ist ständig im Wandel und vermischt sich stets mit anderen Genres aus dem In- und Ausland. Musikalische Kreationen werden auch weiterhin als Errungenschaft der Demokratisierung Südafrikas betrachtet, wobei erwähnt werden muss, dass bereits zu Apartheidszeiten einzelne schwarze Südafrikaner wie Miriam Makeba die Musikszene des Landes nachhaltig beeinflussten.

Heutzutage sind mehrere südafrikanische Bands wie The Parlotones, Die Antwoord oder Freshlyground auch in Deutschland beim breiten Publikum angekommen. Doch das Land bringt jeden Tag weitere eindrucksvolle Künstler hervor, die hierzulande unbekannt sind. Dementsprechend werden fünfzehn dieser Musiker auf „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ anhand eines offiziellen Musikclips kurz vorgestellt.

Songempfehlungen aus Südafrika – eine Auswahl

Artist: Cashtime Fam, Song: Stundee, Genre: Hip Hop

Artist: Ben Sharpa, Song: Hegemony, Genre: Hip Hop/ Rap

Artist: Locnville, Song: Stars Above You, Genre: Elektro-House

Artist: Kanyi, Song: Ingoma, Genre: Local-Rap (isiXhosa)

Artist: Khuli Chana & Notshi, Song: Tswa Daar, Genre: Local-Rap (Tswana)

Artist: Spoek Mathambo, Song: Control , Genre: House/ Hip Hop

Artist: Ruffest, Song: Bayavum, Genre: Kwaito

Artist: Queens of Dance, Song: Ngithanda Lonemali, Genre: Kwaito

Artist: Zahara, Song: Ndiza, Genre: Afro-Soul

Artist: Zakes Bantwini, Song: Wasting my time, Genre: Soul

Artist: Liquideep, Song: Still, Genre: House/ Soul

Artist: The Muffinz, Song: Ghetto, Genre: Jazz/ Soul

Artist: Byron Clarke, Song: The Rain, Genre: Volksmusik bzw. Folk/ Pop

Artist: Prime Circle, Song: Live This Life, Genre: Rock

Artist: Jesse Clegg, Song: Clarity, Genre: Rock

Musik-Elite sagt Kriminalität den Kampf an

Anti-Kriminalitätsprojekt „SHOUT South Africa“ mobilisiert Volk

(Autorin: Anne Schroeter)

© Logo SHOUT South Africa

Lucky Dube – südafrikanischer Reggae-Star, ermordet auf offener Straße. So, oder ähnlich muss die Schlagzeile in den südafrikanischen Zeitungen geheißen haben, nachdem im Oktober 2007 einer der berühmtesten Musiker des Landes der hohen Kriminalität zum Opfer gefallen war.

Weniger als 3 Jahre später, im März 2010, gründeten die Musiker Danny K (R&B-Sänger) und Kabelo (Kwaito-Musiker) die Initiative SHOUT FOR A SAFER SOUTH AFRICA, um die Kriminalität im Lande zu bekämpfen. Die Initiative sammelt Spendengelder, die von einem Treuhänderausschuss verwaltet und verteilt werden. Gelder gehen insbesondere an Organisationen, die Opfer von Kriminalität in Südafrika unterstützen, an Präventionsprojekte sowie an Projekte, die ehemalige Straftäter auf dem Weg in ein Leben ohne Kriminalität unterstützen.

Die beiden Gründer fanden Unterstützung für ihr Projekt bei vielen anderen südafrikanischen Musikern aller Genres (Freshlyground, The Parlotones, The Soweto Gospel Choir, Hugh Masekela u.a.) und coverten mit ihnen den Titel „Shout“ von Tears for Fears. Das Lied wird als Handy-Download angeboten und in Supermärkten als Single verkauft. Der erwerb kostet R20 (ca. 2€), die an SHOUT gespendet werden. Mit der Verteilung der Spendengelder soll die Alltags-Kriminalität in Südafrika bekämpft werden. Dazu arbeitet SHOUT eng mit Crime Line zusammen. Crime Line ist ein Portal, bei dem anonyme Tipps zur Aufklärung von Verbrechen abgegeben werden können.

Bis Juni 2010 wurden bereits 48.000 Downloads verzeichnet. SHOUT erfreut sich eines ständig wachsenden Unterstützerkreises auf Facebook und der Titel-Song war auf Platz 1 verschiedener Radio-Charts. Auch Präsident Jacob Zuma ließ den Initiatoren seinen Zuspruch übermitteln. Die südafrikanische Bevölkerung steht also hinter der Initiative, auch wenn konkrete Erfolge aufgrund des kurzen Zeitraums noch nicht verzeichnet werden konnten. Es bleibt abzuwarten, was SHOUT tatsächlich bewirken kann.

2010sdafrika-Artikel mit Kriminalitätsvergleich zu Deutschland-Südafrika:

https://2010sdafrika.wordpress.com/2010/01/31/gewalt/

SHOUT FOR A SAFER SOUTH AFRICA on Facebook:

http://www.facebook.com/shoutsa