Schlagwort-Archive: Reisehinweise

Südafrika übt scharfe Kritik an Australien

Canberra debattiert über tausende Flüchtlingsvisa für weiße Farmer und verschärft Kap-Reisehinweise

(2010sdafrika-Redaktion)

Die diplomatischen Beziehungen zwischen Pretoria und Canberra unterliegen einer starken Belastung, nachdem Australien unmittelbar nach der geplanten Umverteilung von Landbesitz das Verhältnis zu Südafrika neu bewertet hat. Denn die ANC-Regierung erwägt die entschädigungsfreie Enteignung von Farmern, also die Umverteilung von Agrarflächen weißer Grundbesitzer zugunsten der schwarzen Bevölkerung. Australien hingegen bezieht Stellung für die Weißen und erzürnt somit die Verantwortlichen in Südafrika.

© Australiens Innenminister Peter Dutton zählt den zu größten Kritikern weltweit, wenn es um die geplante Landreform in Südafrika geht. Er plädiert dafür, dass die weißen Farmer Südafrikas aus humanitären Gründen den Schutz eines „zivilisierten Landes“ erhalten sollten. Ferner wurden die Reisehinweise verschärft. (Quelle: Facebook/ Peter Dutton)

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FIFA WM auf dem afrikanischen Kontinent

Ein Pokerspiel mit vielen verdeckten Karten

(Autor: Ghassan Abid)

Südafrika und der Weltfußballverband müssen sich unzähligen Herausforderungen stellen, als jemals bei einer Weltmeisterschaft zuvor. Vor allem stuft die Kriminalität im Lande die Organisatoren zum „Fish“ des Pokerns ein.

Heute in 107 Tagen findet die Fußball-Weltmeisterschaft zum ersten Mal auf dem schwarzen Kontinent statt. Zehn Stadien in neun Städten werden für vier Wochen im medialen Fokus der Welt sein. Südafrika hat sich für dieses Ereignis der Extraklasse seit 2004, dem Jahr des Zuschlags zum Austragungsland und Nachfolger Deutschlands, mit Delegationsreisen vor und während der WM 2006 vorbereitet. Nach dem Ende der WM in der Bundesrepublik, haben die Südafrikaner wiederum die deutsche Expertise aus Politik und Ökonomie verstärkt in Anspruch genommen, sei es beim Bau von Stadien, bei rechtlichen Aspekten hinsichtlich der FIFA-Vertragsrechte, bei der Planung und Umsetzung von Notfall- bzw. Katastrophenplänen, bei Modernisierungsmaßnahmen der Infrastruktur und bei Sicherheitsaspekten. Diese offizielle „Hilfe zur Selbsthilfe“, welche die Hansestadt Hamburg beispielsweise unter dem Slogan „Südafrika 2010 ‐ Deutschland 2006: Jetzt lasst uns Freunde bleiben!“ praktiziert, lassen nicht über die bestehenden teilweise gravierenden Unsicherheiten und Schwierigkeiten hinweg täuschen.

© Polizeiwagen der Republik Südafrika

Das renommierte „Institute for Security Studies (ISS)“, eine beratende und durch deutsche Steuergelder unterstützte Forschungseinrichtung mit Hauptsitz in Pretoria, hat in seinem jüngsten Kriminalitätsbericht vom Dezember 2009 eine äußerst erschreckende Tendenz ermitteln können. Demnach sei die Kriminalität in Südafrika im Zeitraum Mai 2008 bis Mai 2009 das erste mal seit fünf Jahren nicht mehr rückläufig, sondern am Expandieren. Die sogenannten „trio crimes“ – damit gemeinst sind Raubüberfälle in Haus und Gewerbe sowie Entführungen von Kraftfahrzeugen – lassen tiefe Besorgnis aufkommen. Zum ersten mal sind die beiden Überfälle in allen neun Bundesländern, den Provinzen, aufgetreten, wohingegen ein Anstieg an Auto-Hijacking in 7 Provinzen beobachtbar ist. Einziger Hoffnungsschimmer ist der Abwärtstrend an Morden. Das Polizeiministerium Südafrikas beziffert die aktuelle Kriminalstatistik wie folgt: Insgesamt sind im ganzen Lande über 2.098.229 Gewaltstraftaten registriert worden – im direkten Vergleich quantifiziert das Bundeskriminalamt in seiner „Polizeilichen Kriminalstatistik 2008“ die Gewaltkriminalität mit 210.885 Fällen.

Das Organisationskomitee der FIFA hat im September 2009 bei ihrer Stadieninspektion die Vorbereitungen in Südafrika als erfolgreich bewertet, jedoch die labile Sicherheitslage im Lande vollständig ausgeblendet. Der Mord an einer deutschen Auswanderin in einem Parkhaus in Kapstadt, der gelockerte Schusswaffengebrauch durch die südafrikanische Polizei (shoot‐to‐kill‐Grundsatz), die ausufernden Kämpfe zwischen bewaffneten Banden und Sicherheitskräften, die Rassismusfälle von schwarzen Polizisten gegenüber ihren weißen Kollegen, die andauernde Xenophobie gegenüber Arbeitsmigranten aus den Nachbarstaaten, die Raubüberfälle von ausländischen Touristen während des FIFA Confederations Cups und andere Vorfälle des Jahres 2009, werden nicht ausreichend genug thematisiert.

Es ist äußerst bedenklich, eine Weltmeisterschaft unter solch schwierigen Voraussetzungen durchzuführen, zumal die Sicherheit der Fans nicht mal substanziell garantiert werden kann. Während die südafrikanische Polizei in einer Presseerklärung zu verlauten ließ, dass die Nationalmannschaften während der WM durch Eskorten und Wachpatrouilien geschützt werden, müssen die Fans auf eigenes Risiko reisen. So ist es nicht verwunderlich, dass viele der 743.000 verfügbaren Tickets für die Öffentlichkeit noch nicht verkauft wurden – maßgeblich verursacht durch die labile Sicherheitslage im Gastland.

Jedoch betonte der deutsche Botschafter in Südafrika, S.E. Herr Haller, am 12.01.2010: „Wer sich gut vorbereitet, den Reise- und Sicherheitshinweisen des Auswärtigen Amts folgt und sich vor Ort vernünftig verhält, für den sind die besonderen Risiken Südafrikas überschaubar und für den ist Südafrika, auch und gerade während der WM, ein wundervolles, vielfältiges und spannendes Reiseland.” Auch die Einschätzung des DFB-Präsidenten Theo Zwanziger, in puncto Sicherheit uneingeschränkt zur WM anreisen zu können, kollidiert offensichtlich mit den sehr schleppenden Verkaufszahlen von insgesamt 21.000 deutschen WM-Vorrundentickets.

Keiner kann genau prognostizieren, wie die Weltmeisterschaft verlaufen wird. Gleichwohl wird sich hierbei genauso wie beim Pokern folgender Grundsatz bewahrheiten: „To hope the best and to plan the worst.“

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2010sdafrika-Artikel auf Business-On veröffentlicht:

http://www.business-on.de/karten-suedafrika-fifa-wm-2010-sicherheit-_id21717.html


Für weitere Infos siehe 2010sdafrika-Artikel zur Kriminalität in Südafrika vom 31.01.2010:

https://2010sdafrika.wordpress.com/2010/01/31/gewalt/