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Freshlyground – Südafrikas Musikexport

Freshlyground im Interview über Bandgeschichte, Musik und Deutschland

(Autorin: Annalisa Wellhäuser)

Wer sich mit südafrikanischer Musik beschäftigt, der stößt relativ schnell auf „Freshlyground“, einer äußerst heterogen Band in vielerlei Hinsicht. Mit Afropop konnten diese Musiker (Zolani Mahola, Simon Attwell, Peter Cohen, Kyla Rose Smith, Julio „Gugs“ Sigauque, Josh Hawks und Seredeal „Shaggy“ Scheepers) den Geschmack vieler Musikfans aus Südafrika und dem Ausland treffen, sodass Freshlyground als Südafrikas Musikexport bezeichnet werden kann. Wir durften mit der Band sprechen.

© Freshlyground

2010sdafrika-Redaktion: Wir wollen bei „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ die populäre Band „Freshlyground“ begrüßen. Lasst uns zum Anfang zurückblicken: Freshlyground wurde 2002 gegründet und Ihr seid alle aus unterschiedlichen Generationen und habt verschiedene kulturelle Hintergründe. Erzählt mir etwas über diese multikulturelle Konstellation, wie habt Ihr Euch kennengelernt und warum wolltet Ihr die Band formieren?

Antwort: Wir haben uns alle um das Jahr 2002 in Kapstadt getroffen. Sieben Leute von uns sind in der Band. Wir haben verschiedene kulturelle Wurzeln und kommen aus verschiedenen Teilen des südlichen Afrikas sowie aus Mosambik und Simbabwe. Wir sind zudem unterschiedlichsten Alters, sodass dieser Mischmasch zur Vielfältigkeit unserer Gruppe beiträgt.

2010sdafrika-Redaktion: Hat Euer Name „Freshlyground“ eine besondere Bedeutung?

Antwort: Ich denke, dass wir in den 8 gemeinsamen Jahren mehr und mehr zu unserem Namen gekommen sind … bestrebt einen Sound zu schaffen, der einzigartig und sogar noch mit unserem Kontinent – Afrika – verbunden ist.

2010sdafrika-Redaktion: Wie würdet Ihr die Musik beschreiben, die Ihr macht?

Antwort: Afropop…ein Mix aus verschiedensten Elementen, jedoch unter einem starken afrikanischen Einfluss und einer Sensibilität für Pop.

2010sdafrika-Redaktion: Versucht Ihr mit eurer Musik eine bestimmte Botschaft zu vermitteln? Oder ist das Hauptziel die Leute unterhalten und Ihnen ´´eine schöne Zeit zu geben„?

Antwort: Wir versuchen nicht etwas spezielles zu machen, aber ich denke, dass wir sehr sozial und politisch bewusste Individuen sind. Beschäftigt mit Situationen um uns herum und wie diese uns betreffen. Und ich denke, dass diese Themen in unserer Musik widergespiegelt werden. Ebenso wie die Liebe zu sich selbst und zu anderen. Wir möchten unserem Publikum einfach eine gute Zeit bescheren … dass die Leute mitsingen … und tanzen.

2010sdafrika-Redaktion: Ihr seid derzeit einer der berühmtesten, wenn nicht sogar DER berühmteste und erfolgreichste Musikexport Südafrikas. Ihr habt bereits einige Preise gewonnen, reist durch die Welt und Ihr habt mit Shakira den Song zur diesjährigen Fußballweltmeisterschaft in Südafrika aufgeführt. Habt Ihr jemals solch einen Erfolg erwartet und was denkt Ihr ist der Grund dafür? Warum lieben die Menschen Eure Musik so sehr?

Antwort: Ich denke nicht, dass wir diesen Erfolg erwartet haben, jedoch haben wir sehr hart hierfür gearbeitet und Gott segnete uns auf diesem Weg mit Glück. Ich denke wir sind aufrichtig und das ist auch der Aspekt, weshalb wir so viele verschiedene Menschen erreichen.

Freshlyground in Concert, Song: Ma´Cheri

2010sdafrika-Redaktion: Freshlyground – Ihr seid eine multikulturelle Band, die in unterschiedlichen Sprachen singt….Eigentlich scheint Ihr Südafrika, die sogenannte Regenbogennation, zu repräsentieren. Seht Ihr Euch als ein Musterbeispiel für das südafrikanische Volk oder seid Ihr eines für sie?

Antwort: Ich bin nicht nicht der Meinung, dass jemand über alle Menschen stehen möchte. Und wir machen einfach das, was uns Spaß macht sowie ist es eine wunderbare Sache, wenn somit so viele andere Menschen glücklich gemacht werden.

2010sdafrika-Redaktion: Wo seht Ihr Freshlyground in ungefähr zehn Jahren und was sind Eure Ziele?

Antwort: Ich denke, wir würden gerne eine komplette Unabhängigkeit erlangen wollen.Vielleicht die Fähigkeit ein paar Monate im Jahr zusammenzukommen, um Musik zu konzipieren und einige Auftritte zu geben. Uns selber glücklich und zufrieden zu halten, ohne sich bis zur Erschöpfung verausgaben zu müssen. Es gibt noch so viel, dass man erreichen kann…Weltherrschaft!

2010sdafrika-Redaktion: Welche Rolle spielt Deutschland und die deutsche Öffentlichkeit bei euren Bandaktivitäten?

Antwort: Das deutsche Publikum hat uns in den vergangenen vier oder fünf Jahren super unterstützt. Und wir verweilen während unserer etwa 3-Monatstournee in Europa oft in Deutschland.

2010sdafrika-Redaktion: Freshlyground, Afropop-Band aus Südafrika, vielen Dank für das Interview – ngiyabonga, danki and ke a leboga!

2010sdafrika-Artikel zum Musikprojekt „SHOUT SA“, an welchem auch Freshlyground beteiligt ist:

https://2010sdafrika.wordpress.com/2010/10/20/musik-elite-sagt-kriminalitat-den-kampf-an/

Webseite von Freshlyground:

http://www.freshlyground.com/

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Interview with Freshlyground  about band story, music and Germany

(Editor: Annalisa Wellhäuser)

Who is dealing with South African music, will encounter rapidly „Freshlyground“, an acutely band in many senses. With Afro pop this band (Zolani Mahola, Simon Attwell, Peter Cohen, Kyla Rose Smith, Julio „Gugs“ Sigauque, Josh Hawks und Seredeal „Shaggy“ Scheepers) is meeting the taste of many music fans from South Africa and abroad. Freshlyground could be tagged as South Africas music export. We had the possibility to speak with this band.

© Freshlyground

2010sdafrika-editorial staff: We would like to welcome the popular band „Freshlyground“ on our German gateway to South Africa, „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“. Let us start at the beginning: Freshlyground came into existence in 2002 and all of you are from different generations and have diverse cultural backgrounds. Tell me about this multicultural constellation, how did u meet and what was the reason you wanted to form the band?

Answer: We all met in Cape Town around 2002. There are seven of us in the band. We are from diverse cultural backgrounds and different parts of Southern Africa as well as Mozambique and Zimbabwe. We are also of varying ages so all this mish mash contributes to the diversity of our group.

2010sdafrika-editorial staff: Does your name „Freshlyground„ have a special meaning?

Answer: I think that over the 8 years we have been together we have more and more become our name … wanting to create a sound that is unique and yet also routed in our continent, Africa.

2010sdafrika-editorial staff: How would you describe the kind of music you are playing?

Answer: Afro pop….a mix of many different things but with a strong African influence as well as pop sensibility.

2010sdafrika-editorial staff: Do you try to convey a certain message with your music? Or is your aim mainly to entertain the people and to ´´give them a good time„?

Answer: We don’t try to do anything specifically but I think we are very socially/politically aware individuals. Concerned with situations around us and how they affect us. And I think that these themes do crop up in our music. As well as a strong message of love of self and others. We also just like to give our audience a very good time … a good sing along … a great dance.

2010sdafrika-editorial staff: You are currently one of the most famous, if not THE most famous and successful music „export„ from South Africa. You have already won several awards, you are touring the world and it was you who made the song for this years world cup, which you performed together with Shakira. Have you ever expected to have such a success and what do you think is the reason for it? Why do people love your music so much?

Answer: I don’t think we expected the success but we have worked very hard for it as well as being blessed with good luck on the way. I think we are sincere and that is why we appeal to so many different kinds of people.

2010sdafrika-editorial staff: Freshlyground – You are multicultural and you sing in different languages … Actually you seem to represent South Africa, so-called rainbow-nation, do you see yourselves as a kind of example for the South African people, or would you like to be one for them?

Answer: I don’t think anyone wants to be everything for all people. And we are mearly doing what makes us happy and it is a wonderful thing that it makes so many other people happy as well.

2010sdafrika-editorial staff: Where do you see Freshlyground in about 10 years time and what are your aims that you still want to achieve?

Answer: I think we would like to achieve total independance. Perhaps the ability to come together just for a few months a year to write music and do a few shows a year. Keep ourselves happy and fulfilled while not burning out. There are so many things we can still achieve…..world domination!

2010sdafrika-editorial staff: Which role is Germany as well as the German public taking in your band activities?

Answer: The German audience has supported us fantastically for the last four or five years and we spend about 3 months a year touring in Europe and a lot of that time is in Germany.

2010sdafrika-editorial staff: Freshlyground, afropop band from South Africa, thank you very much for the interview – ngiyabonga, danki and ke a leboga!

Website of Freshlyground:

http://www.freshlyground.com/

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Südafrikaner fühlen sich von FIFA „verarscht“

Warum die WM in erster Linie keinen Gewinn für Südafrika darstellt

(Autor: Ghassan Abid)

Gewaltig war im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft die Freude in Südafrika. „We will befenit from this event“ (zu Deutsch: Wir werden von dieser Veranstaltung profitieren), so die einstige These in den südafrikanischen Medien. Ob in Kapstadt, Durban oder Johannesburg – überall erwartete man mit großer Spannung das bisher größte Spektakel auf dem afrikanischen Kontinent und einen fiskalischen Gewinn für die Nation und den einzelnen Bürger. Doch spätestens als bekannt wurde, dass die WM-Hymne auf dem afrikanischen Kontinent nicht an einen (süd)afrikanischen Sänger vergeben wurde, empfand man den Song „This time for Africa“ der Lateinamerikanerin Shakira als reinen Zynismus.

Mittlerweile hat sich eine Gruppe von südafrikanischen Künstlern etabliert, die „Creative Workers‘ Union of SA“ (CWUSA), welche öffentlich die FIFA anprangert und in der Vergangenheit sogar zu einem Boykott des WM-Eröffnungskonzertes aufgerufen hatte. Ihre Kritik erhielt inbesondere nach dem Ausscheiden von Bafana Bafana in der Vorrundenphase viel Resonanz. Auch die staatliche Rundfunkanstalt „South African Broadcasting Corporation (SABC)“ hat den Unmut seiner Zuschauer und Hörer zur Kenntnis nehmen müssen, sodass zumindest in den Radiosendern zunehmend nur afrikanische Musik zu hören ist.

Die „Fédération Internationale de Football Association“, kurz FIFA, hat klare Vorgaben zur Vergabe einer Weltmeisterschaft an das Gastland aufgestellt. Im „Reglement“ zur WM 2010 betont die FIFA, dass die Meisterschaft eine „Veranstaltung der FIFA“ ist. Der südafrikanische Fußballverband SAFA und das Lokale Organisationskomitee (LOC) erhalten hierbei nur die Funktion des „ausrichtenden Verbandes„. Zwischen FIFA und SAFA sind daher zahlreiche Übereinkünfte abgeschlossen worden, die den Gestaltungsspielraum der Südafrikaner stark einschränken. Im Reglement, dem Basispapier der FIFA mit dem Gastland, ist notiert: „Der ausrichtende Verband unterliegt der Überwachung und der Kontrolle der FIFA, die in allen Punkten bezüglich der Weltmeisterschaft letztinstanzlich entscheidet. Die Entscheidungen der FIFA sind endgültig„. Es ist hierbei ersichtlich, dass SAFA zum ausführenden Instrument des Züricher Weltfußballverbandes umfunktioniert wurde. Der Veranstaltungsvertrag, das Pflichtenheft, die FIFA-Richtlinien und -Zirkularen sowie FIFA-Statuten und -Reglementen ermöglichen der FIFA schließlich die totale Kontrolle über die südafrikanischen „Partner“.

Neben der Kontrolle über SAFA und LOC, erlaubt sich die FIFA ebenfalls einem Verzicht von jeglicher Verantwortung. So ist im Punkt 2.3. des Reglements notiert: „Der ausrichtende Verband entbindet die FIFA von jeglicher Verantwortung und verzichtet auf jegliche Ansprüche gegenüber der FIFA und ihren Delegationsmitgliedern für Schäden durch irgendeine Handlung oder Unterlassung in Zusammenhang mit der Organisation und dem Ablauf der Weltmeisterschaft„. Im Gegenzug dürfen die Südafrikaner in Zusammenarbeit mit der Regierung Südafrikas unter anderem für die Wahrung von Sicherheit und Ordnung im Innen- und Aussenbereich der Stadien die gesamte Last tragen.

© WM-Maskottchen Zakumi und Bälle wurden in China produziert (Quelle: Ndaba Dlamini/ MediaClubSouthAfrica.com)

Doch wie verhält es sich überhaupt bei den Gewinnen. Klar ist, dass die FIFA ihre wachende Hand über sämtliche Erträge aus Sponsorenverträgen sowie Übertragungsrechten hält und diese strikt nach Zürich abfließen. Experten erwarten allein für die WM 2010 einen Gewinn in Höhe von 2 bis 3 Milliarden Dollar, die die FIFA kassieren wird. Während Maskottchen Zakumi und Fußbälle in Asien und nicht auf dem afrikanischen Kontinent produziert wurden, obliegt nach Punkt 14.1. des Reglements die Hoheit über gewerbliche Erträge ebenfalls allein beim Weltfußballverband: „Alle gewerblichen Rechte in Bezug auf die Weltmeisterschaft liegen bei der FIFA und werden von ihr kontrolliert“.

Zwar werden Einnahmen aus der Verwertung der gewerblichen Rechte für Vorrundenspiele und aus dem Eintrittskartenverkauf dem ausrichtenden Verband, also den Südafrikanern, zugesprochen, aber erweisen sich diese Summen in Anbetracht der Gelder aus Sponsorenverträgen und TV-Übertragungsrechten als fiskalisch obsolet. Ferner kommt hinzu, dass diese Einnahmen an die Südafrikaner gewissen Ausgaben unterliegen, die unter anderem abermals an die FIFA abgeführt werden müssen. Andere Kosten, etwa Infrastrukturmaßnahmen oder der Stadionbau, werden ausschließlich von der südafrikansichen Regierung übernommen. Wenn man sich diese Situation vor Augen hält, dann ist es verständlich, dass vor allem der kleine Mann im Lande sauer auf die FIFA ist, welche nun gerne auch als „FIFA-Mafia“ bezeichnet wird. Straßenhändler, Künstler und Gewerbetreibende beklagen die Verbotspraxis der FIFA im Stadion und in Umgebung sowie in den Fanmeilen.

Da es sich um eine afrikanische WM handelt, wie von der FIFA mehrfach betont, wäre es angebracht den Armen und Bedürftigen vom 11. Juni bis zum 11. Juli 2010 einen Nutzen von ihrer WM zu ermöglichen. Schlussfolgernd kann die Zusammenarbeit zwischen der FIFA – welche übrigens den Status einer gemeinützigen Organisation in der Schweiz unterhält und somit von der Steuerpflicht befreit ist – und den südafrikanischen Ausrichtern als nicht gleichberechtigt bewertet werden:

– Ungleiches Verhältnis bei der Arbeitsbelastung

– Ungleiches Verhältnis bei der Gewinnbeteiligung

– Ungleiches Verhältnis bei Rechten und Pflichten.

Doch die wahren Verlierer dieser WM ist nicht die südafrikanische Nationalmannschaft Bafana Bafana, sondern der kleine Mann, der von „seiner WM“ keinen fiskalischen Gewinn erzielen durfte. Die FIFA müsse, weil sie einen gemeinnützigen Charakter vertritt und keine privatwirtschaftliche Organisation [zumindest offiziell] darstellt, den Ärmsten im Ausrichterland die Möglichkeit einer Gewinnbeteiligung ermöglichen. In punkto soziales Profil hat die Fédération Internationale de Football Association schlichtweg versagt.

Reglement der FIFA zur WM 2010:

http://de.fifa.com/mm/document/tournament/competition/56/42/69/fifawcsouthafrica2010inhalt_d.pdf

Creative Workers‘ Union of SA“ (CWUSA):

http://www.vansa.co.za/resources/profile-creative-workers-union-of-south-africa-cwusa.html/

Kritischer WM-Artikel der Bundeszentrale für politische Bildung:

http://www.bpb.de/themen/Q7O169,0,Eine_Fu%DFballWM_ist_das_letzte_was_S%FCdafrika_braucht.html

2010sdafrika-Hintergrundartikel zum Bilbao-Effekt:

https://2010sdafrika.wordpress.com/2010/05/11/„bilbao-effekt“-bestimmt-erfolg-sportlicher-mega-events/