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Die Revolution ist ausgebrochen – mit Hilfe des Internets

Web 2.0 – Stärkste Waffe des Volkes

(Autor: Ghassan Abid)

### Sonderberichterstattung ###

´Tunesien-Woche für Demokratie´

Mit Hilfe der sozialen Netzwerke wie Facebook, Twitter & Co., der digitalen Vernetzung tunesischer Blogger in erster Linie mit der arabischen Welt sowie Frankreich und dank der Dauerberichterstattung durch den katarischen TV-Sender Al Jazeera, wurde aus dem persönlichen Schicksal  von Mohamed Bouazizi zuerst eine nationale, dann internationale Angelegenheit.

© Das Militär postiert sich auf die Seite des Volkes

Die tunesische Regierung versuchte alles, um die Kommunikation zur Mobilisation eines öffentlichen Aufstandes zu unterbinden. Die für das Internet zuständige Behörde Agence tunisienne d’Internet (ATI) spähte in großem Stil die Zugangsdaten der Protestierenden aus, zensierte hunderte YouTube-Videos bzw. Websites und sammelte in mehreren Fällen genug Informationen, um ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren gegen die „Unruhestifter“ vorbereiten zu können. Personen, die bei Twitter mit dem Hashtag #sidibouzid in Erscheinung traten, machten sich per se ebenfalls verdächtig.

Insbesondere Blogger und Journalisten fühlten sich durch die Regierung stark unter Druck gesetzt, denn waren es jene, die die Jasminrevolution maßgeblich beeinflussten. Lina Ben Mhenni – die wohl bekannteste Bloggerin Tunesiens, Dozentin an der Universität von Tunis und Deutsche Welle-Best of Blogs Awards-Preisträgerin 2011 – beklagte immer wieder, dass ihr E-Mail-Konto und Facebook-Account mehrfach gehackt wurden. Auch berichtet die Betreiberin von „A Tunisian Girl“, dass mehrere ihrer Artikel  fremdbestimmt gelöscht worden sind.

Die Hackergemeinschaft um Anonymous rief am 05. Januar 2011, auf dem Höhepunkt der Jasminrevolution, zum digitalen Krieg gegen die tunesische Regierung auf und legte im Anschluss mehrere Websites von tunesischen Behörden lahm.

Anonymous kritisierte die Regierung von Ben Ali vor allem für den Umstand, dass diese der tunesischen Gesellschaft zu diesem Zeitpunkt keinen freien Zugang zu Informationen gewährt hatte. Die Netzaktivisten sahen sich dementsprechend mit dem Schicksal des tunesischen Volkes verbunden und betrachteten die Machthaber in Tunis als eigene Feinde.

Letztendlich identifizierten sich viele Tunesier mit dem Leid des Hochschulabsolventen Bouazizi. Anwälte, Oppositionelle, Blogger und vor allem junge Menschen schlossen sich der Bewegung an. Je länger die Proteste andauerten, desto länger verließen die Tunesier ihre Wohnungen, um auf den Straßen für ein neues Tunesien mit gesellschaftlicher Partizipation für jedermann zu demonstrieren. Der private Frust eines jeden Einzelnen wurde zum öffentlichen Protest eines gesamten Volkes.

Proteste greifen wie ein Lauffeuer auf das ganze Land über

Beiträge der 2010sdafrika-Redaktion zur ´Tunesien-Woche der Demokratie´:

https://2010sdafrika.wordpress.com/?s=Tunesien-Woche+für+Demokratie&x=19&y=16

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