Schlagwort-Archive: South African Broadcasting Corporation

Ubuntu in Germany Column

Can South African artists rise up to the ‘local is lekker’ challenge?

(Editor: Alex Smit-Stachowski is a South African journalist and speaking in her column about the country of her birth. She had lived in Krefeld, in North Rhine-Westphalia/ Germany).

Depending on who you speak to – South African Broadcasting Corporation (SABC) COO Hlaudi Motsoeneng is either a saint or a sinner. He recently upped the local quota on all the SABC radio stations to 90% local and with 80% on the SABC TV channels. In Germany however, local programming is par for the course.

BlkJks

© South African band, BlkJks is widely respected and revered in Europe – but less so at home due to little radio play. With the new SABC quota, that could change.

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Scientology und Südafrikas Behörden

Exklusiv: Sicherheitsbehörden beobachten Machtverlust von Scientology in Deutschland

(2010sdafrika-Redaktion)

Nach der Veröffentlichung des Beitrags „Scientology in Südafrika“ am 24. März 2013 erreichte die Redaktion eine Flut an Mails und Nachrichten, die Scientology entweder als anerkannte Glaubensgemeinschaft beschrieben oder als kommerzielle Sekte einstuften. Mehrere deutsche, schweizerische und österreichische Scientologen verwiesen auf die vollwertige Anerkennung des südafrikanischen Ablegers. Einzelne Dokumente südafrikanischer Behörden zum Rechtsstatus von Scientology, die in Fachforen bereits abrufbar sind, wurden der Redaktion zugespielt.

© Während Scientology in Deutschland an Macht verliert, baut die Organisation in Südafrika ihren Einfluss aus. Aus deutschen Sicherheitskreisen heißt es gegenüber "SÜDAFRIKA - Land der Kontraste", dass vor allem die Zivilgesellschaft am Kap nun gefragt sei, auf das Gefahrenpotential dieser Sekte hinzuweisen. (Quelle: flickr/ dwinning)

© Während Scientology in Deutschland an Macht verliert, baut die Organisation in Südafrika ihren Einfluss aus. Aus deutschen Sicherheitskreisen heißt es gegenüber „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“, dass vor allem die Zivilgesellschaft am Kap nun gefragt sei, auf das Gefahrenpotential dieser Sekte hinzuweisen. (Quelle: flickr/ dwinning)

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Südafrikas Staatsrundfunk in der Krise

SABC zwischen Regierungsabhängigkeit und Machtkonflikten

 (Autor: Ghassan Abid)

Building a Common Future“ lautet die Vision der staatlichen Rundfunkgruppe Südafrikas. Der „South African Broadcasting Corporation (SABC)“ unterstehen gegenwärtig die drei Fernsehsender SABC 1, SABC 2 sowie SABC 3 und 18 Radiostationen. Zwei weitere TV-Stationen sind zurzeit in Planung – SABC 4 und SABC 5. Rund 55,7 Millionen Zuschauer und Zuhörer greifen jede Woche auf den öffentlichen Rundfunk zurück, heißt es auf der rundfunkeigenen Homepage. Allerdings befindet sich die SABC seit längerer Zeit in einer ernsten Krise.

© Im Johannesburger Vorort Auckland Park sitzt das Staatsfernsehen SABC. Der öffentliche Rundfunk ist bemüht, einen Ein-Milliarden Rand Kredit abzubezahlen. Doch gefährden Machtkämpfe im SABC-Management, die ANC-Einflussnahme in die Berichterstattung und fehlende Transparenz bezüglich der eigenen Rundfunkfinanzen diesen harten Sparkurs. (Quelle: flickr/ lemoncat1)

© Im Johannesburger Vorort Auckland Park sitzt das Staatsfernsehen SABC. Der öffentliche Rundfunk ist bemüht, einen Ein-Milliarden-Rand-Kredit (rund 83 Millionen Euro) abzubezahlen. Doch gefährden Machtkämpfe im SABC-Management, die ANC-Einflussnahme in die Berichterstattung und fehlende Transparenz bezüglich der eigenen Rundfunkfinanzen diesen harten Sparkurs. (Quelle: flickr/ lemoncat1)

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Südafrikaner fühlen sich von FIFA „verarscht“

Warum die WM in erster Linie keinen Gewinn für Südafrika darstellt

(Autor: Ghassan Abid)

Gewaltig war im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft die Freude in Südafrika. „We will befenit from this event“ (zu Deutsch: Wir werden von dieser Veranstaltung profitieren), so die einstige These in den südafrikanischen Medien. Ob in Kapstadt, Durban oder Johannesburg – überall erwartete man mit großer Spannung das bisher größte Spektakel auf dem afrikanischen Kontinent und einen fiskalischen Gewinn für die Nation und den einzelnen Bürger. Doch spätestens als bekannt wurde, dass die WM-Hymne auf dem afrikanischen Kontinent nicht an einen (süd)afrikanischen Sänger vergeben wurde, empfand man den Song „This time for Africa“ der Lateinamerikanerin Shakira als reinen Zynismus.

Mittlerweile hat sich eine Gruppe von südafrikanischen Künstlern etabliert, die „Creative Workers‘ Union of SA“ (CWUSA), welche öffentlich die FIFA anprangert und in der Vergangenheit sogar zu einem Boykott des WM-Eröffnungskonzertes aufgerufen hatte. Ihre Kritik erhielt inbesondere nach dem Ausscheiden von Bafana Bafana in der Vorrundenphase viel Resonanz. Auch die staatliche Rundfunkanstalt „South African Broadcasting Corporation (SABC)“ hat den Unmut seiner Zuschauer und Hörer zur Kenntnis nehmen müssen, sodass zumindest in den Radiosendern zunehmend nur afrikanische Musik zu hören ist.

Die „Fédération Internationale de Football Association“, kurz FIFA, hat klare Vorgaben zur Vergabe einer Weltmeisterschaft an das Gastland aufgestellt. Im „Reglement“ zur WM 2010 betont die FIFA, dass die Meisterschaft eine „Veranstaltung der FIFA“ ist. Der südafrikanische Fußballverband SAFA und das Lokale Organisationskomitee (LOC) erhalten hierbei nur die Funktion des „ausrichtenden Verbandes„. Zwischen FIFA und SAFA sind daher zahlreiche Übereinkünfte abgeschlossen worden, die den Gestaltungsspielraum der Südafrikaner stark einschränken. Im Reglement, dem Basispapier der FIFA mit dem Gastland, ist notiert: „Der ausrichtende Verband unterliegt der Überwachung und der Kontrolle der FIFA, die in allen Punkten bezüglich der Weltmeisterschaft letztinstanzlich entscheidet. Die Entscheidungen der FIFA sind endgültig„. Es ist hierbei ersichtlich, dass SAFA zum ausführenden Instrument des Züricher Weltfußballverbandes umfunktioniert wurde. Der Veranstaltungsvertrag, das Pflichtenheft, die FIFA-Richtlinien und -Zirkularen sowie FIFA-Statuten und -Reglementen ermöglichen der FIFA schließlich die totale Kontrolle über die südafrikanischen „Partner“.

Neben der Kontrolle über SAFA und LOC, erlaubt sich die FIFA ebenfalls einem Verzicht von jeglicher Verantwortung. So ist im Punkt 2.3. des Reglements notiert: „Der ausrichtende Verband entbindet die FIFA von jeglicher Verantwortung und verzichtet auf jegliche Ansprüche gegenüber der FIFA und ihren Delegationsmitgliedern für Schäden durch irgendeine Handlung oder Unterlassung in Zusammenhang mit der Organisation und dem Ablauf der Weltmeisterschaft„. Im Gegenzug dürfen die Südafrikaner in Zusammenarbeit mit der Regierung Südafrikas unter anderem für die Wahrung von Sicherheit und Ordnung im Innen- und Aussenbereich der Stadien die gesamte Last tragen.

© WM-Maskottchen Zakumi und Bälle wurden in China produziert (Quelle: Ndaba Dlamini/ MediaClubSouthAfrica.com)

Doch wie verhält es sich überhaupt bei den Gewinnen. Klar ist, dass die FIFA ihre wachende Hand über sämtliche Erträge aus Sponsorenverträgen sowie Übertragungsrechten hält und diese strikt nach Zürich abfließen. Experten erwarten allein für die WM 2010 einen Gewinn in Höhe von 2 bis 3 Milliarden Dollar, die die FIFA kassieren wird. Während Maskottchen Zakumi und Fußbälle in Asien und nicht auf dem afrikanischen Kontinent produziert wurden, obliegt nach Punkt 14.1. des Reglements die Hoheit über gewerbliche Erträge ebenfalls allein beim Weltfußballverband: „Alle gewerblichen Rechte in Bezug auf die Weltmeisterschaft liegen bei der FIFA und werden von ihr kontrolliert“.

Zwar werden Einnahmen aus der Verwertung der gewerblichen Rechte für Vorrundenspiele und aus dem Eintrittskartenverkauf dem ausrichtenden Verband, also den Südafrikanern, zugesprochen, aber erweisen sich diese Summen in Anbetracht der Gelder aus Sponsorenverträgen und TV-Übertragungsrechten als fiskalisch obsolet. Ferner kommt hinzu, dass diese Einnahmen an die Südafrikaner gewissen Ausgaben unterliegen, die unter anderem abermals an die FIFA abgeführt werden müssen. Andere Kosten, etwa Infrastrukturmaßnahmen oder der Stadionbau, werden ausschließlich von der südafrikansichen Regierung übernommen. Wenn man sich diese Situation vor Augen hält, dann ist es verständlich, dass vor allem der kleine Mann im Lande sauer auf die FIFA ist, welche nun gerne auch als „FIFA-Mafia“ bezeichnet wird. Straßenhändler, Künstler und Gewerbetreibende beklagen die Verbotspraxis der FIFA im Stadion und in Umgebung sowie in den Fanmeilen.

Da es sich um eine afrikanische WM handelt, wie von der FIFA mehrfach betont, wäre es angebracht den Armen und Bedürftigen vom 11. Juni bis zum 11. Juli 2010 einen Nutzen von ihrer WM zu ermöglichen. Schlussfolgernd kann die Zusammenarbeit zwischen der FIFA – welche übrigens den Status einer gemeinützigen Organisation in der Schweiz unterhält und somit von der Steuerpflicht befreit ist – und den südafrikanischen Ausrichtern als nicht gleichberechtigt bewertet werden:

– Ungleiches Verhältnis bei der Arbeitsbelastung

– Ungleiches Verhältnis bei der Gewinnbeteiligung

– Ungleiches Verhältnis bei Rechten und Pflichten.

Doch die wahren Verlierer dieser WM ist nicht die südafrikanische Nationalmannschaft Bafana Bafana, sondern der kleine Mann, der von „seiner WM“ keinen fiskalischen Gewinn erzielen durfte. Die FIFA müsse, weil sie einen gemeinnützigen Charakter vertritt und keine privatwirtschaftliche Organisation [zumindest offiziell] darstellt, den Ärmsten im Ausrichterland die Möglichkeit einer Gewinnbeteiligung ermöglichen. In punkto soziales Profil hat die Fédération Internationale de Football Association schlichtweg versagt.

Reglement der FIFA zur WM 2010:

http://de.fifa.com/mm/document/tournament/competition/56/42/69/fifawcsouthafrica2010inhalt_d.pdf

Creative Workers‘ Union of SA“ (CWUSA):

http://www.vansa.co.za/resources/profile-creative-workers-union-of-south-africa-cwusa.html/

Kritischer WM-Artikel der Bundeszentrale für politische Bildung:

http://www.bpb.de/themen/Q7O169,0,Eine_Fu%DFballWM_ist_das_letzte_was_S%FCdafrika_braucht.html

2010sdafrika-Hintergrundartikel zum Bilbao-Effekt:

https://2010sdafrika.wordpress.com/2010/05/11/„bilbao-effekt“-bestimmt-erfolg-sportlicher-mega-events/

Filmfestival in Potsdam

Ein Bericht zum „Johannesburg Spezial“ des Filmmuseums Potsdam

(Autor: Ghassan Abid)

Am 27. Mai 2010 startete das Filmmuseum Potsdam in Beisein der südafrikanischen Botschaft und des Dokumentarfilmers Darryl Els erstmalig anlässlich der anstehenden Fußball-WM die Filmreihe und Podiumsdiskussion „Johannesburg Spezial – Filme aus Südafrika“. Eine Woche lang hat das Museum zehn mit der „La Cinémathèque de Toulouse“ ausgewählte Filme aus dem Kapland der deutschen Öffentlichkeit präsentiert, die zueinander von Story, historischen Kontext und Fragestellungen nicht unterschiedlicher sein könnten. Die Auswahl konzentrierte sich, wie aus dem Titel der Filmreihe zu entnehmen, auf die größte Stadt des Landes Johannesburg, die von den Südafrikanern selbst auch als die „Stadt des Goldes“ bezeichnet wird. Hierbei wurden dem Publikum Filme von 1916 bis 2009 vorgeführt.

© Filmmuseum Potsdam (Quelle: 2010sdafrika.wordpress.com)

Dem „eindimensionalen Bild“ der von Negativschlagzeilen und Klischees dominierten Berichterstattung über den afrikanischen Kontinent soll mit dieser Filmreihe begegnet werden, so die Direktorin des Filmmuseum Potsdams, Dr. Bärbel Dalichow. Allerdings deutete sie an, dass die Kino-Abteilung ihres Hauses bis zu dieser Veranstaltung keine Erfahrung mit Filmen des südlichen Afrikas machen konnte.

© Vertreter der Botschaft Südafrikas (Quelle: Filmmuseum Potsdam)

Vertreter der südafrikanischen Botschaft lobten diesen Perspektivenwechsel des Filmmuseums. Venita Smit, 1st Secretary for Communication and Marketing der südafrikanischen Botschaft in Deutschland, überbrachte im Namen des Botschafters S.E. Sonwabo Eddie Funde und der Kulturministerin Lulu Xingwana die Freude Ihres Landes, dass „südafrikanische Filme aus der Vergangenheit hierbei eine europäische Plattform der Vorführung finden konnten“. Venita Smit ergänzte die Direktorin des Filmmuseums dahingehend, dass die ausgewählten Filme einen tiefen Einblick in den Wandel, in die Herausforderungen und die Entwicklungen Johannesburgs als Repräsentation für ganz Südafrika ermöglichen. Der Ruf nach Freiheit verbindet Deutschland und Südafrika, wie von Bundesaußenminister Guido Westerwelle im Rahmen der politischen Konsultationen zwischen beiden Staaten in Pretoria vom April 2010 festgehalten, stärker als angenommen. Während das Volk in Südafrika ihren Ruf nach Freiheit und die Abschaffung der Rassentrennungspolitik à la Apartheid aufrechterhielt, forderte das Volk in Deutschland ein Ende der Teilung in Ost und West.

Der südafrikanische Dokumentarfilmer und Kurator Darryl Els zeigte sich ebenfalls erfreut und hob hervor, dass das „Johannesburg Spezial“ eine „wichtige Möglichkeit für das südafrikanische Kino“ in Deutschland darstelle, vor allem bei der Thematisierung historischer Entwicklungen.

Deutschland und Südafrika haben den Ausbau ihrer kulturellen Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Kinematografie beschlossen. Insbesondere besteht auf südafrikanischer Seite großes Interesse, diese mit dem Filmstudio Babelsberg zu intensivieren. Doch bevor es hierzu kommen wird, eröffneten sich dem Zuschauer im Vorfeld mit den zehn im Filmmuseum Potsdam angebotenen Filmen ein vertieftes kulturelles Verständnis und die Erweiterung des eigenen Horizonten.

Das Südafrika-Portal hat mit freundlicher Unterstützung des Filmmuseums drei Filme rezensiert, eine Podiumsdiskussion begleitet und mit Gästen gesprochen.

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Film: Tsotsi

© Filmszene aus „Tsotsi“ (Quelle: Filmmuseum Potsdam)

Regie: Gavin Hood

Darsteller: Presley Chweneyagae, Mothusi Magano, Kenneth Nkosi

Erscheinungsjahr: 2005

Vorstellung im Filmmuseum Potsdam am 28. Mai 2010

Der Film „Tsotsi“, dessen Regie Gavin Hood übernahm, thematisiert die Schattenseiten Südafrikas, die durch Brutalität, pure Gewalt, Armut, Arbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit dominiert werden. Ein 19-jähriger Bandenführer namens Tsotsi (in Deutsch mit Gangster übersetzbar), gespielt durch Presley Chweneyagae, stammt aus einem Township in Johannesburg und sichert sein Überleben mit Raubüberfallen und kriminellen Dingen ab. Eines Tages jedoch entdeckt er auf der Rückbank eines bei einem bewaffneten Überfall erbeuteten Autos einen Säugling, für dessen Leib und Wohl er plötzlich verantwortlich geworden ist. Tsotsi reflektiert seine eigene traumatische Kindheit und beginnt sich somit selber neu zu entdecken. Brutale Verhaltensweisen ersetzt er allmählich durch moralische Werte und warme Gefühle. Er holt das auf, was er nie genießen konnte – das Gefühl einer Familie.

Der Film spiegelt die gesellschaftlichen und familiären Probleme Südafrikas wieder; untermauert mit ‚farblosen‘ Bildern aus den Slums der Metropole Johannesburgs. Ausgezeichnet mit einem Academy Award, konnte dieser als Vorzeigefilm Südafrikas weltweit einen Erfolg erzielen. Wer für die sozialen Probleme des Landes eine Sensibilität entwickeln möchte, dem empfiehlt sich „Tsotsi“!

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Film: Hillbrow Kids

Regie: Michael Hammon, Jacqueline Görgen

Darsteller: Straßenkinder

Erscheinungsjahr: 1997/98

Vorstellung im Filmmuseum Potsdam am 29. Mai 2010

Hillbrow Kids“, ein deutscher Dokumentarfilm von Michael Hammon und Jacqueline Görgen, liefert ein erschreckendes und zugleich trauriges Bild über die Realität von Straßenkindern in Johannesburg ab. Regisseur Hammon, welcher ebenfalls im Kinosaal anwesend war, erläuterte die dramatische Situation der Verlierer Südafrikas; oder wie er es ausgedrückt: „der ersten Generation nach der Apartheid“. Ohne Ausbildung und ausreichender Lebensmittelversorgung sowie Unterkunft, greifen viele Kinder nach Glue/Klebstoff, um Hunger und Ängste für einen Moment weg schnüffeln zu lassen. Aus desaströsen Familienverhältnissen flüchteten die Protagonisten des Films – Vusi, Jane, Silas, Bheki und Shadrack – nach Johannesburg und müssen allmählich begreifen, dass es ihnen in der Metropole genauso schlecht geht wie in den Townships. Vergewaltigungen, Infektionen, Gewalt und Hunger erscheinen als unsichtbare Begleiter der Kinder, welche manchmal mit vollem Schmerz in Erscheinung treten.

Hammon und Görgen drehten zuerst ohne Sicherheitsvorkehrungen in Johannesburg, mussten allerdings nach zwei negativen Vorfällen eine Security zur Absicherung der Dreharbeiten engagieren. „Hillbrow Kids“ ist nicht nur ein trauriger Spielfilm, sondern ein schockierendes Abbild der Wirklichkeit, der den Zuschauer zum Nachdenken über das Ich und die Welt anregt. Einige der in der Dokumentation vorgestellten Kinder leben heute nicht mehr. Ein Film, ungeeignet für Menschen mit schwachen Nerven.

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Film: Mapantsula

Regie: Oliver Schmitz

Darsteller: Thomas Mogotlane, Marcel van Heerden, Dolly Rathebe

Erscheinungsjahr: 1988

Vorstellung im Filmmuseum Potsdam am 30. Mai 2010

Südafrika in den 1980er Jahren: Die schwarze Mehrheitsgesellschaft will und kann die Apartheid nicht länger dulden. Ihren Protest sucht diese verstärkt auf den Straßen. Zufällig gerät ein Taschendieb aus Soweto, namens Panic (gespielt von Thomas Mogotlane), in eine Demonstration von Regierungsgegnern und wird daraufhin verhaftet. Ein weißer Polizist, als Repräsentation für die Apartheid (gespielt von Marcel van Heerden), versucht mit Zuckerbrot und Peitsche den Taschendieb für eine Infiltrierung von schwarzen Bürgerrechtlern und Gewerkschaftern zu gewinnen. Anfänglich gelingt dem Polizisten eine Kollaboration des Taschendiebs mit dem Repressionsregime, muss jedoch über die Zeit harte Verhörmethoden und Folter anwenden. Denn Panic sympathisiert allmählich mit der Idee, dass Südafrika eine Nation aller Südafrikaner wird und jeder, unabhängig von der Hautfarbe, frei leben kann.

Dieser Film aus der Klassikreihe des südafrikanischen Kinos, auch wenn dieser 1988 produziert wurde, ist zu Apartheidzeiten versteckt und mit hohem Risiko gedreht wurden. Die Kritik an dem Regime der weißen Minderheitsherrschaft wurde für den Regisseur wie erwartet schnell zum Verhängnis – der Film ist verboten worden. „Mapantsula“ ist ein politischer Film mit einer klaren Message: Nein zur Apartheid, ja zur Freiheit und Demokratie. Jedoch verliert sich der Zuschauer relativ schnell in lange Konversationen und „leblosen“ Bildern.

Podiumsdiskussion zur Apartheid und Filmindustrie Südafrikas:

Am 1. Juni 2010 veranstaltete das Filmmuseum Potsdam ebenfalls eine Podiumsdiskussion zum Thema: „Johannesburg – 20 Jahre nach der Apartheid, im Jahr der Fußball-WM”.

© Filmemacher Darryl Els (Quelle: 2010sdafrika.wordpress.com)

Darryl Els, Johannesburger Filmemacher und Kurator, hielt die „Stunde Null“ fest, wonach mit der ersten demokratischen Wahl in Südafrika im Jahre 1994 ein Wendepunkt eingetreten ist. Denn mit der Abschaffung der Apartheid ist Schwarzen eine Tätigkeit im Bereich der Filmproduktion eröffnet worden. Problematisch sei jedoch der Umstand, dass mit dem Umbruch viel vom Erbe südafrikanischen Kinos verloren gegangen ist. Es bestünde beim südafrikanischen Film keine Kontinuität. Enttäuscht zeigte er sich über die Versuche, nach 1994 die Vergangenheit Südafrikas kinematografisch aufzuarbeiten.

Einstimmigkeit mit den anderen Gästen herrschte auch beim Aspekt Filmqualität. Das heutige Südafrika produziert vor allem Filme des Genre Comedy, wie z.B. „Mr. Bones“ vom Regisseur Leon Schuster, welche in punkto Umsatz erfolgreich waren, bei Qualität und Niveau jedoch durchgefallen seien. Die Filmindustrie in Südafrika fällt unter dem Zuständigkeitsbereich vom Department of Arts and Culture (Kulturministerium) und Department of Trade and Industry (Industrieministerium), doch bestünde auch bei der Förderung dieses kostspieligen und beschäftigungsintensiven Industriezweiges weiterhin Handlungsbedarf. Darryl Els betonte als eigene Zielvorstellung „to create a film culture“, sodass diese Entstehung einer Filmkultur mit Berlin als Ausbildungsort begegnet werden könnte.

Renate Tenbusch, Referentin für Südafrika im Referat Afrika der Friedrich-Ebert-Stiftung, untermauerte die einstige Dominanz von weißen Südafrikanern beim staatlichen Rundfunk, der South African Broadcasting Corporation (SABC), welche mit der Demokratisierung des Landes aufgebrochen wurde. Insbesondere lobte sie das nationale Mediengesetz, welches ihrer Einschätzung nach zu den progressivsten weltweit hinzugewählt werden kann. Die Umsetzung sei jedoch eine andere Thematik. Ihren Aussagen nach befinden sich in Südafrika lediglich 100 Kinos, vor allem in den Großstädten, die durch Filmproduktionen aus Hollywood und Bollywood dominiert werden, jedoch zu selten durch südafrikanische Filme hervorstechen.

Dr. Ben Khumalo-Seegelken, Theologe und Anti-Apartheid Aktivist, fasste das südafrikanische Kino als ein Ort der Weißen auf – zu Apartheidzeiten und bis zum heutigen Tage. Der Theologe deutete an, dass die schwarze Mehrheitsgesellschaft mit sozialen Problemen zu kämpfen hat und soziopolitische Missstände im Lande bisweilen nicht ausreichend angegangen worden sind. Demnach kann hierbei interpretiert werden, dass das Kino für schwarze Bürgerinnen und Bürger damals aufgrund des Verbotes und heute bedingt durch die Armut eine untergeordnete Rolle einnimmt.

Teboho Edkins, ebenfalls Filmemacher, kritisierte die WM als kommerzielles Event dahingehend, da sich dem deutschen Publikum eine mediale Flut an Südafrika-Beiträgen auftut, jedoch diese nach dem Ende der Weltmeisterschaft schlagartig verschwinden wird. Auch stimmte er der Forderung von Darryl Els und Renate Tenbusch zu, wonach südafrikanische Filme mehr Qualitätsstandards und „Ästhetik“ verfolgen sollten.

© Podiumsdiskutanten (Quelle: Filmmuseum Potsdam)

Dorothee Wenner, Moderatorin des Podiums und Afrika-Delegierte der Berlinale, befürwortete hingegen deutsche Filmproduktionen in Südafrika, da hierbei die technische Ausbildung von Südafrikanern wahrgenommen wird, ganz dem entwicklungspolitischen Ziel von ´Skills Development´. Diese Aussage löste allerdings gegensätzliche Reaktionen aus. Klar wurde, dass ein Spannungsverhältnis zwischen der Ausbildung von Südafrikanern und dem Klischee behafteten Afrika-Bild von deutschen TV-Produktionen herrsche.

Letztendlich waren sich die Diskutanten darüber einig, dass der soziopolitische Wandel in Südafrika auch in der Filmindustrie zu  spüren ist. Ferner kommt hinzu, dass Afrika-Filme in der öffentlichen Wahrnehmung nach wie vor „Problem behaftet“ seien. Ein negativer Touch hafte an diesen Produktionen. Umso erschreckender ist die Tatsache, dass in ganz Afrika weniger Kinos vorzufinden sind, als in Berlin und Umland. Ferner seien in Washington 300 deutsche Korrespondenten tätig, jedoch lediglich 15 Journalisten in Subsahara-Afrika. Diese in Zahlen ausgedrückte  „Bilderlosigkeit von Afrika und afrikanischem Kino„, wie von der Afrika-Delegierten der Berlinale umschrieben, sitze weiterhin tief in der deutschen Öffentlichkeit.

Resumée des Südafrika-Filmfestivals: Eine Zuschauerin bewertet:

Sylvia Brandt, Berlinerin, ist durch den Rundfunk Berlin-Brandenburg auf die Veranstaltungsreihe „Johannesburg Spezial“ aufmerksam geworden und freut sich, Filme aus Südafrika sehen zu können, zumal einer ihrer Freunde nach Johannesburg ausgewandert ist. Sie hatte sich in der Vergangenheit bereits einige Filme angeschaut, bemängelte jedoch das ausbleibende Echo südafrikanischer Filme in Deutschland. „Dies finde ich sehr traurig“, untermauerte Sylvia Brandt die geringe Anzahl südafrikanischer Filme in den deutschen Kinos. Sie würde es umso schöner finden, wenn Filmproduktionen vom Kap der guten Hoffnung verstärkt dem deutschen Publikum – auch in den Landessprachen – präsentiert werden könnten. Demnach ist dieses Kino-Angebot des Filmmuseum Potsdam wertzuschätzen. Diesem Lob und Wunsch kann sich die Redaktion nur anschließen!