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Cape Town is not South Africa

Südafrikas Tourismussektor als Hoffnung einer vielfältigen Nation

(Autorin: Susanne Zeckler)

Südafrika ist ein Land der Kontraste, wie es dem Titel dieses Webportals bereits zu entnehmen ist. Nicht nur in sozialen Dingen unterscheidet sich die südafrikanische Bevölkerung drastisch voneinander, sondern auch von ihrer jeweiligen Kultur, vom regionalen Erlebnisangebot und vom Klima ihres Wohnsitzes. Während im Südosten eher eine tropische Umwelt vorzufinden ist, erhält man in der Zentralregion einen Einblick in ein trockenes Wüstenklima. Das Western Cape mit Kapstadt entfaltet hingegen ein mediterranes Feeling und modernes Stadtbild, sodass diese City vor allem bei deutschen Anreisenden sehr beliebt ist. „Cape Town is not South Africa„, äußerte sich mal eine südafrikanische Beamtin uns gegenüber auf die Frage, was an Kapstadt so besonders sei. Die Stadt hat eine Menge anzubieten, jedoch muss diese lebendige Destination in einem gesonderten Artikel untergebracht werden. Mit über 20 Nationalparks und vielfältigen Lodges im ganzen Lande, erweist sich Südafrika auch als Reisetipp für Safari-Fans.

© Victoria & Alfred Waterfront-Stadtgebiet von Kapstadt

Den Tourismussektor gab es schon vor dem ersten Weltkrieg und auch während der Apartheid. Doch als 1994 die Demokratisierung des Landes offiziell ihren Gang nahm, sprang der Tourismus sprunghaft an. Waren es 1994 nur 3,9 Millionen Personen an ausländischen Gästen, kletterte diese Zahl im letzten Jahr auf über 9,9 Millionen an. Vor allem US-Amerikaner und Europäer suchen das südlichste Land Afrikas auf, aber zunehmend auch Gäste aus Lateinamerika und Asien. Mit etwa einer Viertelmillion an deutschen Touristen, gehört diese Nationalität zu einer der größten Besuchergruppen. Die sehr gastfreundlichen Einreisebestimmungen für EU-Bürger, indem man bei der Ankunft am Airport eine dreimonatige Besuchsgenehmigung (visitor´s permit) erhält, stimulieren diesen Trend.

Der Tourismus ist nach wie vor eine der am schnellsten wachsenden Branchen des Landes, in welchem rund 7 Prozent der Erwerbstätigen des Landes (etwa 1,3 Millionen Bürger) unmittelbar und mittelbar beschäftigt sind. Der Tourismus steuert am BIP des Landes einen Anteil von rund 8 Prozent bei. Speziell zur Fußball-WM 2010 ist festzuhalten, dass rund eine halbe Million Besucher aus Übersee erwartet wurden, jedoch allerhöchtens nur 250.000 Gäste nach Südafrika kamen. Begründet wird das Verfehlen dieser Erwartungshaltung unter anderem mit den überteuerten Preisen für Flug sowie Unterkunft.

Insgesamt unterhält das Kapland, wie es gerne von deutschen Touristen bezeichnet wird, acht Welterbestätten, die alle nach dem Ende der Apartheid in die Liste der UNESCO aufgenommen wurden. 1999 wurde das Feuchtgebiet iSimangaliso-Wetland-Park, mit den größten Krokodil- und Flusspferdbeständen Südafrikas, zum Weltnaturerbe erklärt. Hingegen wurde die Gefängnisinsel Robben Island vor Kapstadt zum Weltkulturerbe, in welchem Nelson Mandela den Großteil seiner 27-jährigen Haftzeit abgesessen hatte. Ebenfalls 1999 erhielten die Fundstätten fossiler Hominiden (also Menschenaffen)  den Status des Weltkulturerbes, welche 2005 um weitere Fundorte ausgedehnt wurde. 2000 sind die Drakensberge bei Lesotho bisweilen einmalig in Südafrika zum Weltnatur- und zugleich Weltkulturerbe deklariert worden. 2003 folgte der  Mapungubwe-Hügel mit seinen archäologischen Fundstätten, 2004 das Naturschutzgebiet Cape Floral, 2005 der Meteoritenkrater Vredefort als größte Einschlagsstelle weltweit sowie 2007 die von Ureinwohnern der Nama bewohnte Landschaft Richtersveld bei Namibia.

© UNESCO-Weltkulturerbe Robben Island

Es wird einem schnell ersichtlich, dass Südafrika sehr vielfältig ist und genau aus diesem Grund zu einem der beliebtesten Reiseziele der Welt hinzugezählt werden kann. Paradoxerweise gehört diese Nation auch zu den kriminellsten Ländern auf dem Globus, wo Mord- und Vergewaltigungsrate die Lebensqualität der Südafrikaner erheblich einschränken. Immer mehr vor allem weiße Bürger kehren ihrer Heimat den Rücken zu und emigrieren nach Australien, Neuseeland oder in das Vereinigte Königreich. Dieses Phänomen, in Fachkreisen als „brain drain“ bezeichnet, wird mit traurigen Rekorden bei HIV/AIDS und ungleichen sozialen Lebenslagen ergänzt. Demnach kann Südafrika als das Land aufgefasst werden, in welchem das Paradies in gleicher Augenhöhe zum absoluten Elend auftritt.

Offizielle Tourismusseite „SouthAfrica.info“ zur Branche:

http://www.southafrica.info/overview/deutsch/tourismus.htm

UNESCO-Welterbestätten in Südafrika:

http://www.unesco.org/new/en/unesco/worldwide/unesco-regions/africa/south-africa/

WELT ONLINE-Artikel zum Tourismussektor Südafrikas:

http://www.welt.de/reise/article8387933/Jetzt-peilt-Suedafrika-Tourismus-Rekorde-an.html

Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes zu Südafrika:

http://www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/Laenderinformationen/Suedafrika/Sicherheitshinweise.html#t4

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Gewalt in Südafrika vor, während und nach der WM

Neue fremdenfeindliche Gewaltwelle kann jederzeit ausbrechen

(Autor: Ghassan Abid)

Vor dem Beginn der Weltmeisterschaft 2010 musste sich das Land Südafrika auf erhebliche Kritik aus dem In- sowie Ausland einstellen. Die Gewalt und Kriminalität im Lande erlaube keinen einwandfreien Vollzug eines Großspektakels wie die Fußball-WM 2010, so die einstige Hauptaussage aus den Reihen der Kritikern zum Ausrichterland. Bereits einige Tage vor dem Eröffnungsspiel am 11. Juni 2010 mussten mehrere Journalisten vor Ort die Schattenseiten Südafrikas am eigenen Leib erleben müssen.

© Polizei zeigte zur WM deutliche Präsenz (Quelle: Bongani Nkosi, MediaClubSouthAfrica.com)

Drei chinesische Journalisten wurden mit einer Pistole bedroht und um sämtliche Wertgegenstände beraubt. Auch portugiesische und spanische Pressevertreter gerieten in einen Überfall sowie der Südafrika-Korrespondent von „Zeit Online“ und ein anderer Deutscher. Dem Schweizer Reporter Matthias Hüppi sind gar sämtliche Klamotten entwendet worden, abgesehen von Vorfällen mit Journalisten von Tele Züri, der Basler Zeitung und des Tages-Anzeigers, so eine Erklärung des Pressevereins der Schweiz. Die Austragung der WM in Südafrika ist im Vorfeld als „etwas überfrüht und nicht vollkommen bedenkenlos“ eingestuft worden. Doch die Regierung unter Jacob Zuma konnte den Kritikern einen Riegel vorschieben und beweisen, dass das Land für dieses Spektakel gewappnet war und größtenteils ohne Schwierigkeiten umsetzen konnte.

Insgesamt haben 3,2 Millionen Zuschauer, vor allem aus Südafrika, die Spielbegegnungen in den neun WM-Ausrichterstädten miterlebt. Allerdings reisten deutlich weniger Fußball-Fans aus Übersee an, unter anderem infolge der labilen Sicherheitslage im Lande. Dennoch kann festgehalten werden, dass keine größeren Zwischenfälle zu angereisten Fußball-Fans bekannt wurden; abgesehen vom Tod zweier Deutscher im Rahmen eines Verkehrsunfalls, wie es dem Südafrika-Portal zugetragen worden ist.

Südafrika konnte seinen Gästen auf jeden Fall eine relativ sichere WM anbieten. 41.000 zusätzliche Polizisten bestellte die Regierung für die Sicherheit ab. 88 Millionen US-Dollar an Kosten veranschlagte die Regierung für diese Maßnahme. Die Zusammenarbeit der nationalen Polizei SAPS mit 25  Interpol-Mitgliedsländern und die Einrichtung von „Special Courts“ (Gerichts-Schnellverfahren) rundeten diese präventive Sicherheitstaktik der Behörden ab. In den Ausrichterstädten zeigten südafrikanische Sicherheitsbeamte stets Präsenz und unternahmen zahlreiche Hausdurchsuchungen, Razzien und Patrouillen. Unterdessen lobte und honorierte die FIFA Südafrika für dessen organisatorischen Ausrichter-Fähigkeiten  mit 9 von 10 möglichen Punkten, im Vergleich zu 7,5 Punkten zum Confederations Cup 2009.

Abgesehen von diesen Verdiensten sickerte zur zweiten Hälfte der Weltmeisterschaft die drohende Gefahr von fremdenfeindlichen Übergriffen gegenüber afrikanischen Einwanderern durch. Präsident Jacob Zuma bekräftigte am 15. Juli 2010 den Willen der Regierung, jegliche Xenophobie mit vollster Kraft zu bekämpfen. Dennoch sind die Befürchtungen der Immigranten aus den Nachbarstaaten Südafrikas nachvollziehbar, wenn man sich die gewaltsamen Ausschreitungen mit 62 Toten von 2008 vor Augen hält. Deutsche Entwicklungshelfer in den Townships der Provinzen Gauteng und Western Cape haben dem Südafrika-Portal auf Nachfrage grundsätzlich bestätigen können, dass eine Vielzahl der Einwanderer vielerorts mit dem Tode bedroht wurde. Eine Konsequenz haben einige für sich bereits treffen müssen; nämlich die Ausreise aus Südafrika.

Es bleibt nach wie vor in Südafrika gefährlich und die Lage kann jederzeit wie ein Flächenbrand eskalieren. Solange Armut, Arbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit den Alltag vieler Südafrikaner in den Townships dominieren, wird die Xenophobie nicht nachhaltig gelöst werden können. Die positive Sicherheitsbilanz zur WM 2010 lässt jedoch Hoffnung aufkommen.

Presseverein der Schweiz zu Raubüberfallen an Journalisten:

http://www.presseverein.ch/2010/06/ausgeraubte-journalisten-in-sudafrika/

Chronologie zur Fremdenfeindlichkeit in Südafrika der Heinrich-Böll-Stiftung:

http://www.migration-boell.de/downloads/migration/Vincent_Williams_Xenophobie_RSA_deutsch.pdf

Südafrika-Portal begrüßt 20.000 Besucher!

Qualität, Unabhängigkeit und User-Einbindung unser Schlüssel zum Erfolg

(2010sdafrika-Redaktion)

Das Portal „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ besteht seit dem 29. Januar 2010, konnte jedoch mit dem heutigen Tage schon weit über 20.000 Besucher vor allem aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, den USA und Südafrika von sich überzeugen! Waren es im Februar noch 2.334 Besucher, stieg diese im März auf 2.592, im April auf 2.744 und im Mai auf 3.338 an. Im WM-Monat Juni erreichten wir unseren bisherigen Rekord von 5.114 Besuchern. Zur Juli-Hälfte konnten wir bereits 3.769 User im Portal willkommen heißen; Tendenz steigend. Die gewaltige Resonanz aus dem Umfeld der Presse soll hierbei mal außen vor gelassen werden. Viele Leser haben der 2010sdafrika-Redaktion mittlerweile ihren Lob ausgesprochen und uns gebeten, dieses Medium weiterhin am Leben zu halten.

Ghassan Abid, Initiator und Herausgeber des Südafrika-Portals, bekräftigt die Notwendigkeit eines Portals, in welcher die verschiedenen Ethnien, Kulturen, Nationalitäten und Meinungen aufeinander treffen und miteinander diskutieren können. „Das gemeinnützige Südafrika-Portal verfolgt einen klaren gesellschaftlichen Auftrag – die Herstellung einer soziokulturellen Brücke zwischen Berlin und Pretoria. In gewisser Weise also einen interkulturellen Austausch. Wir werden niemals, wie es zu oft leider der Fall ist, unkritisch die Meldungen der Presseagenturen übernehmen, sondern selbst recherchieren, selbst schreiben und selbst die Themenfindung betreiben. Persönlichkeiten in den deutsch-südafrikanischen Beziehungen (eingeschlossen Österreich und die Schweiz) kriegen im Südafrika-Portal weiterhin Gehör und eine Plattform der Artikulation. Das Interesse vieler Promis aus dem TV-, Sport-, Politik- und Kunstbereich am Südafrika-Portal freut mich persönlich sehr. Die Besucherzahlen sind demnach als größtes Feedback einer gelungenen Pressearbeit zu bewerten, wofür ich mich sehr herzlich bedanken möchte„, so Abid.

© Besucherzahlen im Südafrika-Portal nach Wochen – Tendenz steigend!

Der 2010sdafrika-Redaktion verfolgt für die nächste Zeit mehrere Zielvorstellungen. Einerseits gilt es, einen Sponsor von diesem wichtigen Projekt überzeugen zu können. Andererseits wird diese zeitaufwendige Arbeit ihren Niederschlag bei Auszeichnungen finden. Ebenfalls sind wir bestrebt, unsere derzeitige Redaktion von derzeit neun Personen auf zwanzig Redakteure zu erhöhen. Mit dem Ende der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 sind wir außerdem dazu angehalten, unser WM 2010-Ressort ab- und die Ressorts „Literatur und Wissenschaft“ sowie „Kultur und Gesellschaft“ auszubauen. Konkrete Projektvorbereitungen laufen zurzeit auf Hochtouren, aber nähere Angaben wollen und können wir hierzu noch nicht machen. Lasst euch einfach überraschen! (;

Sieg für Schwarz-Rot-Gold

Deutsche Nationalmannschaft verabschiedet sich aus und von Südafrika

(2010sdafrika-Redaktion)

© Spiel um Platz 3 im Nelson Mandela Bay Stadion in Port Elizabeth (Quelle: Rodger Bosch, MediaClubSouthAfrica.com)

Was war das für ein Spiel! Vor ca. 36.000 Zuschauern kämpften Deutschland und Uruguay im Nelson Mandela Bay Stadion in Port Elizabeth um den Platz 3 zur FIFA-Weltmeisterschaft 2010. Beide Mannschaften haben sich definitiv nichts schenken wollen. Kaptitän Bastian Schweinsteiger wusste, dass sein gegnerischer Konterpart aus Südamerika, geführt von Diego Lugano, alles geben wird, um eine Niederlage seiner Mannschaft abzuwenden. Zu groß waren die Erwartungen der Deutschen und Uruguayer an ihre Auswahl.

Mit einem 3:2 triumphierten schließlich die Jungs von Bundestrainer Jogi Löw. In der 18. Minute schoss Thomas Müller für Deutschland das erste Tor. Jedoch konnten die Uruguayer schon nach 10 Minuten den Ausgleich erzielen – im Rahmen eines Konters durch den beim US Città di Palermo unter Vetrag stehenden Edinson Cavani. Mit einem 1:1 trennten sich beide Mannschaften in der ersten Halbzeit.

Nach der Pause ging der Kampf weiter. In der 51. Minute bescherte der Top-Stürmer Diego Forlán vom spanischen Erstligisten Atletico Madrid die Führung für Uruguay, die jedoch nicht allzu lange wehrte.  In der 56. Minute erzielte Marcell Jansen vom Hamburger SV das Ausgleichstor, welches erst in der 82. Minute durch den Deutsch-Tunesier Sami Khedira vom VfB Stuttgart mit einem 3:2 letztendlich ausgebaut werden konnte.

© Deutschland-Fans sind stolz auf ihre Mannschaft (Quelle: http://www.dbretschneider.de)

Mit dem gestrigen Spiel hat Deutschland nun zum vierten Mal die WM-Bronzemedaille erspielen können – 1934, 1970,  2006 und nun 2010. Auf der gerade beendeten Pressekonferenz des DFB zog Jogi Löw in Beisein des neuen Bundespräsidenten Christian Wulff eine positive Bilanz, welcher nun sogar den Bundesverdienstkreuz verliehen bekommen soll.

Eins ist sicher – Deutschlands Image hat sich im Ausland trotz der Spanien-Niederlage stark verbessern können. Ferner sind die Erwartungen der deutschen Fans nach einer spannenden und erfolgreichen WM erfüllt worden. Fraglich bleibt jedoch, ob der Machtkonflikt zwischen DFB-Chef Theo Zwanziger und dem Bundestrainer Jogi Löw sowie Kollegen in Kürze beigelegt werden kann. Denn noch ist nicht ganz sicher, ob Löw die DFB-Auswahl auch bei der EM 2012  in Polen und der Ukraine anführen wird?



FIFA-Zusammenfassung zum Spiel Deutschland vs. Uruguay:

http://de.fifa.com/worldcup/matches/round=249720/match=300061510/index.html?cid=google_onebox

DFB-Abschlusskonferenz – Jogi Löw im Interview:

http://www.dfb.de/index.php?id=500014&tx_dfbnews_pi1[showUid]=24017&tx_dfbnews_pi4[cat]=56

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Finanzminister Gordhan bekräftigt WM-Gewinn

Vision oder Illusion? Über 3 Milliarden Euro an WM-Kosten

(Autor: Ghassan Abid)

Während die südafrikanischen Medien und insbesondere Wissenschaftler die Weltmeisterschaft 2010 weniger nachhaltig für die Entwicklung Südafrikas bewerten, wie z.B. Prof. Wolfgang Männing der Universität Hamburg, untermauert die südafrikanische Regierung den immensen Nutzen dieses Großspektakels für die nationale Volkswirtschaft.

© Finanzminister Pravin Gordhan bekräftigt WM-Nutzen für Südafrika (Quelle: Sebastian Derungs/ World Economic Forum, MediaClubSouthAfrica.com)

Am 2. Juli 2010 bekräftigte der Finanzminister Südafrikas, Pravin Gordhan, auf einer FIFA-Konferenz in Johannesburg die Chancen des international größten Fußball-Wettbewerbes für das Ausrichterland. Neben den nicht messbaren Imagegewinnen, welche dem Tourismus zu Gute kommen werden, hält der einflussreiche Minister des ANC fest, dass im Lande ein Zusammengehörigkeitsgefühl zwischen den verschiedenen Ethnien zu erkennen sei. Ferner beträgt der Anteil der WM am diesjährigen Bruttoinlandsprodukt knapp 0,4 Prozent. In absoluten Zahlen wird der Wert der hergestellten Güter mit 38 Milliarden Rands, umgerechnet etwa 3,9 Milliarden Euro, quantifiziert. Positiv sei auch die Erkenntnis, dass im Rahmen der WM fast 130.000 Arbeitsplätze geschaffen worden sind.

Jedoch veranschlagt Gordhan die derzeitigen Kosten für die vierjährige WM-Vorbereitung allein für die nationale Ebene auf 33 Milliarden Rands; umgerechnet etwa 3 Milliarden Euro. Die WM-Ausgaben der Provinzen [= Bundesländer] und Kommunen beziffert der oberste Leiter der Treasury mit 3 bis 5 Milliarden Rands (310 bis 515 Millionen Euro).

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© Green Point Stadion (Quelle: Rodger Bosch/ MediaClubSouthAfrica.com)

Kosten für Stadien:

12 Milliarden Rands (etwa 1,2 Milliarden Euro)

© Schnellzug Gautrain, welcher erst 2011 Pretoria und Johannesburg verbinden soll (Quelle: MediaClubSouthAfrica.com)

Kosten im Transportwesen:

11 Milliarden Rands (etwa 1,1 Milliarden Euro)

© Telekommunikationsanlage des Konzerns Vodacom (Quelle: Graeme Williams/ MediaClubSouthAfrica.com)

Kosten für Telekommunikation und Veranstaltungsübertragung:

1,5 Milliarden Rands (etwa 154 Millionen Euro)

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Die Tatsache, dass von den erwarteten 450.000 WM-Touristen aus Übersee höchstens nur die Hälfte nach Südafrika angereist ist, nahm der Minister mit Gelassenheit zur Kenntnis. Wichtiger sei die Tatsache, dass das investierte Geld der südafrikanischen Regierung ihren Zweck erfüllen wird, wonach dieses Großspektakel in Anbetracht der jungen Demokratisierung des Landes mit ganzem Stolz begegnet werden konnte: „I think as South Africans, we need to remember that we are a teenager in the world of nations and for us this has been a proud moment since 1994 and from the economic point of view all the investment was money well spent“.

Allerdings bleibt unklar, welchen nachhaltigen Effekt die Weltmeisterschaft auf Südafrikas Volkswirtschaft und Gesellschaft entfalten wird. Der Finanzminister Gordhan äußerte sich hierbei nur kurz: I know there are questions that are being asked but I’m sure you will all realise long after the World Cup, the social and economic benefits that this tournament has been able to provide for our country“ (zu Deutsch: Ich weiß, dass hier Fragen erbeten wurden, aber ich bin sicher, dass Sie alle weit nach der Weltmeisterschaft die sozialen und ökonomischen Vorteile, die dieses Turnier dem Land zur Verfügung gestellt hat, realisieren werden).

Dieses Herausreden des Finanzministers erweist sich als Flucht aus einer zunehmend kritischen Debatte um den Sinn und Zweck einer Weltmeisterschaft für das betreffende Ausrichterland, wenn die Kosten stets die Einnahmen übersteigen konnten und die FIFA als der wahre Gewinner aus der WM hervorging. Allein die Information, dass im Rahmen der WM 130.000 Jobs vor allem beim Stadionbau geschaffen wurden, lässt nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, dass die Arbeiter nach Ablauf des Sportevents erneut von der Arbeitslosigkeit eingeholt werden.

Südafrika im totalen WM-Fieber

Fußball-Fans dominieren das öffentliche Leben

Heute ist es endlich soweit, wenn das Eröffnungsspiel zwischen Bafana Bafana und Mexiko vor ungefähr 95.000 Zuschauern im Johannesburger Soccer City Stadion  angepfiffen und das Land für vier Wochen vom WM-Rausch angesteckt wird. In neun Städten werden in zehn Stadien die Begegnungen der Fußball-WM 2010 ausgetragen. Die Südafrika-Repräsentanz der 2010sdafrika-Redaktion verfolgt den Verlauf dieses Großspektakels. Anbei einige Impressionen aus Südafrikas Städten, die die WM-Stimmung des Volkes zum Ausdruck bringen.

Überall hört man die Geräusche der Vuvuzelas. Überall sieht man verschiedene Flaggen und Trikots. Überall steigt die Spannung und Freude!

© WM-Stimmung in Kapstadt

© WM-Stimmung in Sandton/ Johannesburg

© WM-Stimmung im Central Business District/ Johannesburg

DEUTSCHE WELLE und ihr Verhältnis zu Südafrika

Ute Schaeffer, Leiterin Programme Afrika/Nahost der DEUTSCHEN WELLE

(Autor: Ghassan Abid)

2010sdafrika-Redaktion: Guten Tag Frau Schaeffer! Welche Rolle spielt das Land Südafrika als Schwellenland für die DEUTSCHE WELLE?

Antwort: Als Schwellenland ist Südafrika für die Entwicklung auf dem Kontinent ein Schlüsselland. Was dort gelingt, kann Beispiel sein für andere Staaten in Afrika.

© Ute Schaeffer, DEUTSCHE WELLE

Umgekehrt gilt: die Schwierigkeiten beim Aufbau marktwirtschaftlicher Strukturen und politischer Partizipation können auch andere afrikanische Staaten treffen. Natürlich sind unsere Hörerinnen und Hörer, unsere Nutzer sehr interessiert an den Fortschritten und den Rückschlägen in Südafrika – das Land wird überdies als Anwalt der afrikanischen Sache in multilateralen Zusammenhängen  wahrgenommen.

Grund genug für uns, über Korrespondenten regelmäßig über die Ereignisse in Südafrika zu berichten. Dazu gehören natürlich in diesem Jahr vor allem auch Hintergrundstücke zur Fussball WM. Mit unseren Angeboten in den afrikanischen Sprachen Amharisch, Haussa, Kisuaheli sowie in Portugiesisch, Französisch und Englisch erreichen wir rund 40 Millionen Menschen auf dem afrikanischen Kontinent – diese Zahl dokumentiert das Interesse afrikanischer Nutzer an Europa und der DW.

2010sdafrika-Redaktion: Bestehen zwischen der DEUTSCHEN WELLE und südafrikanischen Medieneinrichtungen Kooperation und wenn ja, seit wann, wie sehen diese aus bzw. welche Ziele werden hierbei verfolgt?

Antwort: Die DW unterhält mit privaten Radio und TV-Stationen Partnerschaften. Unter anderem strahlen fünf Radiosender die Programme der DW in Südafrika wieder aus – in englischer Sprache.  Und Cape Town TV übernimmt wochentäglich das Journal und Magazine in englischer Sprache von DW-TV. Auch die DW-Akademie engagiert sich im Jahr 2010 während der WM in besonderer Weise – dort wird es einen Workshop für junge Videojournalisten geben, welche die Ereignisse rund um den Sport in Bilder packen. Das Projekt wird gemeinsam mit der Konrad-Adenauer-Stiftung durchgeführt. Südafrika ist für uns auch mit Blick auf die Zukunft wichtig: Wir sind auf jeden Fall am Ausbau unseres Partnersendernetzes interessiert und wir sind im Gespräch mit interessierten Sendern.

2010sdafrika-Redaktion: Als einen Ihrer Zuständigkeitsbereiche fällt auch die Medienfreiheit. Wie bewerten Sie diese in Afrika und speziell auf das Land Südafrika?

© DEUTSCHE WELLE strebt Ausbau des Partnersendenetzes in Südafrika an

Antwort: Im Vergleich mit anderen afrikanischen Länder ist Südafrika in Sachen Pressefreiheit natürlich ganz weit vorn. Dennoch gilt: vielfach ist in Afrika ja nicht staatliche Zensur das Problem. Oft ist es Ressourcenschwäche, die zu einem Mangel an Pressefreiheit, einem Mangel an Meinungsvielfalt führt. Wenn es keinen oder nur einen kleinen Werbemarkt gibt, werden Medien nicht unabhängig arbeiten können. Wenn es an Ressourcen für die Personalentwicklung mangelt, dann ist auch Professionalität schwerer zu erzeugen. An diesen Stellen geht es auch kleineren südafrikanischen Medienanbietern sicher wirtschaftlich nicht immer so gut, dass sie ein hoch wettbewerbsfähiges Programm machen können. Doch gerade die vielen Community Radio, die es gibt, sind für mich ein Zeichen dafür, dass Südafrika viel erreicht hat in Sachen Medienfreiheit. Das sind – ähnlich wie Blogs auch – Medien gibt, die engagiert über soziale und politische Schlüsselthemen sprechen.

2010sdafrika-Redaktion: Welchen Geltungsrang nimmt (Süd)Afrikas Kultur bei der DEUTSCHEN WELLE ein?

Antwort: Wir bieten kein regionales Programmangebot für Südafrika an, doch ist Südafrika mit seinem kulturellen Reichtum natürlich ein Thema für die Kultursendungen bei DW RADIO und DW-TV.

2010sdafrika-Redaktion: Welche Spielbegegnung würden Sie sich persönlich im Finale der WM 2010 am 11. Juli im Soccer City Stadion in Johannesburg wünschen?

Antwort: Natürlich Deutschland-Südafrika …was sonst!!

2010sdafrika-Redaktion: Ute Schaeffer, Leiterin Programme Afrika/Nahost der DEUTSCHEN WELLE, vielen Dank für Ihre Sicht der Dinge!

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INFOBOX zur Südafrika-Kooperation
zwischen der Konrad-Adenauer-Stiftung und der DW-Akademie

Über den Fußball bekommt Südafrika die Chance, sich in die Herzen der Menschen zu spielen. Das runde Leder, so hoffen viele Afrikaner, kann dabei gewissermaßen als Vehikel dienen, um der Welt ein anderes, ein neues Afrika-Bild zu vermitteln. Ein Bild, das nicht nur geprägt ist von Bürgerkriegen, Naturkatastrophen, Hunger und Epidemien. Das sportliche Großereignis steht im Mittelpunkt und vereint Menschen aus aller Welt zu einer großen Fangemeinde. Unter dem Titel „Reporting the World Cup 2010“ lädt die DW-AKADEMIE Journalisten und Kameraleute aus Afrika, Lateinamerika, Asien und dem arabischen Raum zu einem besonderen Training vor Ort ein. Bereits im Oktober 2009 hat ein erstes, vorbereitendes Trainings-Modul für Videojournalisten (VJs) in Johannesburg stattgefunden. Zum zweiten Modul, während der Fußballweltmeisterschaft im Juni/Juli 2010, sind alle Teilnehmer wieder in Südafrika, um über Ereignisse rund um die WM zu berichten. Neben der Produktion von Filmbeiträgen wird im dritten Modul zusätzlich ein Internet-Portal eingerichtet, auf dem alle gedrehten Videos sowie Texte, Fotos oder Audios eingestellt werden. Zeitgemäß bloggen die Teilnehmer natürlich über ihre Erfahrungen während der WM. Den Heimatsendern der Teilnehmer werden alle in Südafrika produzierten Reportagen während der WM zur eigenen Ausstrahlung zur Verfügung gestellt. Auch auf DW-TV ist das Projekt präsent: So berichtet GLOBAL 3000, das Globalisierungsmagazin von DW-TV, über die einzigartige, interkulturelle Zusammenarbeit der Teilnehmer während der Fußballweltmeisterschaft 2010.