Schlagwort-Archive: Städte

Ungleiche Wohlstandsverteilung in Südafrika

Im Interview mit Anna Mayumi Kerber, freie Afrika-Journalistin

(Autor: Ghassan Abid)

© Anna Mayumi Kerber, freie Afrika-Journalistin mit aktuellem Wohnsitz in Nairobi. Sie berichtet für mehrere deutsche Medien über die Entwicklungen in Ostafrika und im südlichen Afrika. Zurzeit hält sich die Journalistin im Hinblick auf die Wahlen in Harare, der Hauptstadt von Simbabwe, auf.

© Anna Mayumi Kerber, freie Afrika-Journalistin mit aktuellem Wohnsitz in Nairobi. Sie berichtet für mehrere deutsche Medien über die Entwicklungen in Ostafrika und im südlichen Afrika. Zurzeit hält sich die Journalistin im Hinblick auf die Wahlen in Harare, der Hauptstadt von Simbabwe, auf.

2010sdafrika-Redaktion: Wir begrüßen auf „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ Frau Anna Mayumi Kerber, freie Afrika-Journalistin. Sie leben seit Kurzem in Nairobi, der Hauptstadt Kenias. Was hat Sie nach Afrika verschlagen?

Antwort: Ich bin erst seit einem Jahr in Nairobi. Allerdings bin ich – mit Unterbrechungen – nun etwa vier Jahre in sub-Saharischen Ländern unterwegs. Angefangen hat es mit Südafrika. Seit ich in Gymnasiumszeiten Alan Patons „My beloved country“ gelesen habe, und mich dann mit dem Land und seiner Geschichte zu auseinandersetzen begann, wollte ich ans Kap. Ich war fasziniert von der komplexen Vergangenheit und ebenso komplexen gegenwärtigen Dynamik Südafrikas. Nach dem Studium kam dann der richtige Moment für mich. Ich zog Anfang 2008 nach Südafrika und seither hat mich der Kontinent nicht mehr – oder nur mehr temporär – losgelassen.

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Berlin-Johannesburg-Kooperation

Im Interview mit Michael Müller, Senator für Stadtentwicklung und Umwelt des Landes Berlin

(Autor: Ghassan Abid)

© Michael Müller, Senator für Stadtentwicklung und Umwelt des Landes Berlin, hielt sich vor Kurzem in Johannesburg auf. Er nahm an der Metropolen-Konferenz teil und traf unter anderem auf den Johannesburger Bürgermeister Mpho Parks Tau. Im Interview mit "SÜDAFRIKA - Land der Kontraste" erläutert der SPD-Politiker den Ausgang seiner Arbeitsreise. (Quelle: SenStadtUm.Berlin)

© Michael Müller, Senator für Stadtentwicklung und Umwelt des Landes Berlin, hielt sich vor Kurzem in Johannesburg auf. Er nahm an der Metropolen-Konferenz teil und traf unter anderem auf den Johannesburger Bürgermeister Mpho Parks Tau. Im Interview mit „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ erläutert der SPD-Politiker den Ausgang seiner Arbeitsreise. (Quelle: SenStadtUm.Berlin)

2010sdafrika-Redaktion: Wir begrüßen auf „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ den Senator für Stadtentwicklung und Umwelt, Herrn Michael Müller. Vor Kurzem hielten Sie sich anlässlich der Metropolen-Konferenz unter dem Motto „Caring City“ zum ersten Mal in Südafrika auf. Wie erlebten Sie den Johannesburger Ballungsraum?

Antwort: Johannesburg ist eine lebendige Metropole. Die Stadt und der riesige Ballungsraum können mit einer starken wirtschaftlichen Entwicklung aufwarten und mit einer gut entwickelten Infrastruktur. Aber natürlich sieht man auch die sozialen Probleme, die eine Großstadt wie diese hat. Es waren spannende Tage hier, die aus stadtentwicklungspolitischer Sicht, aber auch für mich ganz persönlich sehr interessant waren.

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Filmkritik „Orania – Der Film“

Eine Afrikaaner-Gemeinschaft, zwischen Selbstbestimmung und Ausgrenzung

(Autor: D. Tamino Böhm)

In Orania, einem 1.000 Einwohnerdorf in Südafrika, leben ausschließlich Buren, die sich selbst verwalten und versorgen. Sie streben einen Volksstaat nach dem Vorbild einiger Versuche aus den 1990er Jahren an. Im Juni dieses Jahres läuft die gleichnamige Dokumentation „Orania“ in den deutschen Kinos an, in der Regisseur Tobias Lindner versucht, die Stimmung im Dorf festzuhalten. „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ war bei der Deutschlandpremiere am 23. April im Filmtheater Friedrichshain dabei.

© Filmsequenz aus “Orania – Der Film”.

© Filmsequenz aus “Orania – Der Film”.

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500.000 Vergewaltigungen pro Jahr in Südafrika

Gudrun Kopp, Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesentwicklungsminister

(Autor: Ghassan Abid)

    © Gudrun Kopp (FDP), Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. (Quelle: Ingrid Lestrade)

© Gudrun Kopp (FDP), Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. (Quelle: Ingrid Lestrade)

2010sdafrika-Redaktion: Wir begrüßen auf „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ Frau Gudrun Kopp, Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Fünf Tage hielten Sie sich in Südafrika auf. Mit welchen Partnern wurden welche Sachverhalte thematisiert?

Antwort: Schwerpunktthemen meiner Reise waren Energie und Klimaschutz, die in Südafrika weit verbreitete Gewalt gegen Frauen und Mädchen sowie die aktuelle Situation im Bergbausektor. Ich habe unter anderem Gespräche mit meinen Amtskolleginnen und -kollegen aus dem Finanzministerium und Energieministerium und mit der Premierministerin der Provinz Western Cape, Helen Zille, geführt. Bei diesen Gesprächen habe ich neben unserer laufenden Kooperation die südafrikanische Regierung dazu ermuntert, der Rohstoff-Transparenzinitiative EITI [Anmerkung der Redaktion: Extractive Industries Transparency Initiative] beizutreten. Als größte Wirtschaftsmacht in Afrika und fünftstärkstes Bergbauland weltweit sollte Südafrika mit einem Beitritt zu EITI ein Zeichen für Transparenz und gute Regierungsführung setzen.

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Historisches Ja-Wort im Zulu-Land

Erste traditionelle „Homo-Ehe“ in Südafrika geschlossen

(Autor: D. Tamino Böhm)

Südafrika ist eines der zwölf Staaten weltweit und der einzige afrikanische Staat, der gleichgeschlechtliche Ehen ausdrücklich erlaubt. Seit 2006 gibt es den Civil Union Act, der nach mehreren Schritten in den Jahren zuvor die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare garantiert. Seitdem nutzen viele Homosexuelle die Möglichkeit den Bund der Ehe einzugehen. Das ist, wie der internationale Vergleich zeigt, keine Selbstverständlichkeit. Noch weniger, wenn man sich die Geschichte des jungen Staates Südafrika genauer ansieht.

    © Letztes Wochenende kam es zu einem historischen Ereignis in KwaDukuza in der Region KwaZulu-Natal, als sich Tshepo Cameron Modisane und Thoba Calvin Sithol das Ja-Wort gaben. Nie zuvor hat es eine traditionelle gleichgeschlechtliche Hochzeit in Südafrika gegeben. (Quelle: YouTube/ eNCA)

© Letztes Wochenende kam es zu einem historischen Ereignis in KwaDukuza in der Region KwaZulu-Natal, als sich Tshepo Cameron Modisane und Thoba Calvin Sithol das Ja-Wort gaben. Nie zuvor hat es eine traditionelle gleichgeschlechtliche Hochzeit in Südafrika gegeben. (Quelle: YouTube/ eNCA)

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Partizipatives Budget am Kap

Ideen gesucht: Südafrikas Finanzminister Pravin Gordhan setzt sich für Bürgerhaushalt ein

(Autoren: Ghassan Abid, 2010sdafrika-Redaktion)

Die National Treasury, das Finanzministerium Südafrikas, geht neue Wege zur Aktivierung der Bürger für die eigene Arbeit. Im Rahmen eines partizipativen Budgets, umgangssprachlich auch als Bürgerhaushalt bekannt, werden die Südafrikaner dazu aufgerufen, innovative Ausgabe-Vorschläge im Zuständigkeitsbereich des Ministeriums zu machen.

© Südafrikas Finanzminister  Pravin Gordhan ruft die Bürger dazu auf, Ideen für den nächsten Haushaltsplan zur Stärkung des Wirtschaftswachstums via Homepage, Telefon oder Facebook einzureichen. Bürgerhaushalt auf Bundesebene - auch für deutsche Verhältnisse wäre es eine Sensation. (Quelle: flickr GovernmentZA)

© Südafrikas Finanzminister Pravin Gordhan ruft die Bürger dazu auf, Ideen für den nächsten Haushaltsplan zur Stärkung des Wirtschaftswachstums via Homepage, Telefon oder Facebook einzureichen. Bürgerhaushalt auf Bundesebene – auch für deutsche Verhältnisse wäre es eine Sensation. (Quelle: flickr/ GovernmentZA)

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Südafrika mobilisiert für Israel-Boykott

Künstler, Wissenschaftler und Politiker fordern ein Ende der „Apartheid“ bzw. Freiheit Palästinas

(2010sdafrika-Redaktion)

Die südafrikanische Mehrheitsgesellschaft hat infolge der Unterdrückung durch das Apartheidregime lange gelitten. Umso sensibler ist man am Kap, wenn andere Völker ebenfalls um ihre politischen und sozialen Freiheiten entbehrt werden. Dementsprechend war und ist die Politik Israels gegenüber den Palästinensern ein großes Thema in Südafrika. Während in Deutschland ein kritischer Umgang mit dem Staat im Nahen Osten ein äußerst sensibles Thema darstellt, fühlen sich die Menschen am Kap umso mehr in der Verantwortung, sich für mehr Gerechtigkeit im Ausland einzusetzen.

© In Südafrika ist eine Kampagne zum Boykott israelischer Produkte entfacht, welche bei Künstlern, Wissenschaftlern und Politikern großen Zuspruch erfährt. Jüdische Einrichtungen im Lande und die israelische Botschaft in Pretoria sind besorgt. (Carlos Latuff/ Wikimedia)

© In Südafrika ist eine Kampagne zum Boykott israelischer Produkte entfacht, welche bei Künstlern, Wissenschaftlern und Politikern großen Zuspruch erfährt. Jüdische Einrichtungen im Lande und die israelische Botschaft in Pretoria sind besorgt. (Carlos Latuff/ Wikimedia)

Der ehemalige anglikanische Erzbischof und Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu hat mehrfach den Staat Israel mit der Apartheid verglichen und im Anschluss an einen Israel-Besuch es als unerträglich bezeichnet, welches Leid die Palästinenser durch die Besatzung erleiden müssen. Nun schließen sich dieser Debatte immer mehr namhafte Dichter, Musiker, Entertainer, Comedians, Fotokünstler, Filmregisseure, DJs und Produzenten aus Südafrika an. Tutu forderte bereits 2005 von der angesehenen Cape Town Opera nicht in Israel aufzutreten. Stattdessen wurde ihre Tour zum Politikum, welche von Aktivisten zum öffentlichen Protest genutzt wurde (siehe u.a. Video).

Anlässlich der durchgeführten Israel-Tour der Cape Town Opera von 2005 protestierten Aktivisten für ein Ende der israelischen Apartheid. Seither hat sich eine starke Israel-kritische Bewegung am Kap entwickelt.

In der am 1. November 2010 gegründeten Künstlerinitiative „South African Artists Against Apartheid“ wird festgehalten, dass jede Zusammenarbeit mit Institutionen des jüdischen Staates eine Beteiligung am Unrecht gegenüber den Palästinensern gleichkomme. Nicht nur der renommierte Wissenschaftsrat „Human Sciences Research Council (HSRC)“ verurteilte in einer Studie die Politik Israels als „Anwendung von Kolonialismus und Apartheid in den besetzten Palästinenser-Gebieten, sondern auch populäre Künstler vor allem aus Großbritannien – wie der Schriftsteller John Berger, Filmemacher Ken Loach oder Drehbuchautor Paul Laverty – greifen die Politik des jüdischen Staates an. Auch US-amerikanische Intellektuelle, wie die Autorin Alice Walker oder Dichterin Adrienne Rich, setzen sich auch aktuell für ein freies Palästina ein.

„South African Artists Against Apartheid“ fordert Freiheit für Palästina

Sowohl der South African Jewish Board of Deputies (SAJBD), also der Zentralrat der Juden in Südafrika, als auch die für den Zionismus stehende SA Zionist Federation (SAZF), fühlen sich durch die Politik Südafrikas im Stich gelassen. Präsident Jacob Zuma hat mehrfach in der Presse betont, dass sich die Regierung jederzeit für die Unabhängigkeit Palästinas einsetzen wird. Dementsprechend steht die Regierungspartei ANC grundsätzlich hinter dem Engagement der „South African Artists Against Apartheid“. Problematisch an den südafrikanisch-israelischen Beziehungen ist die Tatsache, dass Tel Aviv sehr eng mit dem Apartheidregime kooperierte und somit maßgeblich an der Unterdrückung der schwarzen Mehrheitsgesellschaft partizipierte. Dieser Makel ist nicht vergessen. Umso weniger überraschend ist die Beobachtung in mehreren Städten Südafrikas, wo Bürger T-Shirts mit Boykott-Aufrufen gegen Israel tragen. Dov Segev-Steinberg, aktueller Botschafter Israels in Pretoria, zeigte sich über die aktuelle Entwicklung besorgt.

Im Vorfeld hatte sich Handelsminister Rob Davies dafür eingesetzt, dass Produkte aus den besetzten Gebieten mit einem diesbezüglichen Label versehen und nicht wie bisher mit „Made in Israel“ importiert werden sollen. Auf diesem Wege könne dann der südafrikanische Verbraucher entscheiden, ob diese  Zitrusfrüchte, Olivenöl oder Kosmetik aus dem Heiligen Land überhaupt in den Einkaufswagen legen wollen. Israel ist empört und droht gar mit Konsequenzen. EU-Staaten wie Dänemark und Irland erwägen ebenfalls solche Schritte, während in Großbritannien schon im Jahr 2009 eine ähnliche Produktkennzeichnung in Kraft getreten ist. In der Schweiz fand die Debatte in Südafrika ebenfalls große Beachtung, sodass der Künstlerinitiative eines gelungen ist – internationale Aufmerksamkeit.