Schlagwort-Archive: Südafrikanische Botschaft

Jacob Zuma im Reich der Mitte

China reagiert erstmalig auf Südafrikas Unbehagen. Berlin droht bei Passivität der Partnerverlust

(Autor: Ghassan Abid)

Die chinesische Presse ist voll mit Meldungen zum erneuten Besuch von Südafrikas Präsident Jacob Zuma. Im Rahmen der 5. Ministerkonferenz des China-Afrika-Kooperationsforums (FOCAC) vom 18.07.-20.07.2012 treffen die Regierungschefs von Südafrika, Äquatorialguinea, Benin, Dschibuti, Niger, Kap Verde, Kenia und der Elfenbeinküste auf den chinesischen Gastgeber in Peking. Neben Präsident Hu Jintao und dem Vizepräsidenten Xi Jinping, nimmt mit großer Verwunderung auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon teil.

© Präsident Jacob Zuma und Chinas Staatsoberhaupt Hu Jintao. Im Reich der Mitte hat man die kritischen Stimmen aus Pretoria hinsichtlich einer wirtschaftlichen Ausnutzung realisiert. Nun gilt es bestehendes Vertrauen zum wichtigsten Partner in Afrika auszubauen und dieses zu vertiefen. Die militärische Kooperation wird in den nächsten Jahren eine bedeutende Rolle einnehmen. Die Südafrikaner reagieren auf Rüstungsangelegenheiten mit China bisweilen verhalten, wohl aus Rücksicht zu den westlichen Partnern und zu Deutschland. Auch dem Handel stehen neue Dimensionen bevor. (Quelle: flickr/ The Presidency of the Republic of South Africa)

© Präsident Jacob Zuma und Chinas Staatsoberhaupt Hu Jintao. Im Reich der Mitte hat man die kritischen Stimmen aus Pretoria hinsichtlich einer wirtschaftlichen Ausnutzung realisiert. Nun gilt es bestehendes Vertrauen zum wichtigsten Partner in Afrika auszubauen und dieses zu vertiefen. Die militärische Kooperation wird in den nächsten Jahren eine bedeutende Rolle einnehmen. Die Südafrikaner reagieren auf Rüstungsangelegenheiten mit China bisweilen verhalten, wohl aus Rücksicht zu den westlichen Partnern und zu Deutschland. Auch dem Handel stehen neue Dimensionen bevor. (Quelle: flickr/ The Presidency of the Republic of South Africa)

Diese afrikanisch-chinesische Begegnung nimmt einen ganz besonderen Stellenwert ein. Die Etablierung einer neuen Qualität an bi- und multilateralen Beziehungen steht im Fokus dieses PR-wirksamen Treffens. Die bisherige Bilanz der chinesisch-afrikanischen Kooperation auf Basis des „Beijing Action Plan“ verlief, so die Meinungen in der chinesischen und auch südafrikanischen Presse, weitgehend ernüchternd ab. Die Politiker Chinas ziehen Bilanz und kritisieren sich indirekt selbst. Es ist ein einmaliger außenpolitischer Vorgang in der Süd-Süd-Kooperation.

Die Staatsunternehmen Chinas sind kräftig im Afrikageschäft engagiert, allerdings meist unter unfairen Bedingungen– fehlende Schaffung von einheimischen Arbeitsplätzen, unzureichende arbeitsschutzrechtliche Bestimmungen, einen auf Rohstoffimport fixierten Handel, Missachtung von Menschenrechten und ausbleibende Win-Win-Effekte für die afrikanischen Partner. Südafrikas Handelsminister Rob Davies hat diesen Zustand bereits mehrfach kritisiert und Verbesserungen durch die chinesischen Partner angemahnt. Nun reagiert Peking erstmalig auf diese aufgeheizte Stimmung. Die chinesische Botschaft in Pretoria scheint die innenpolitische Lage am Kap genau beobachtet zu haben. Sämtliche Schwierigkeiten im südafrikanisch-chinesischen Verhältnis wurden öffentlich erörtert. Klar ist, dass die Chinesen das Ruder erst gar nicht aus den Händen lassen und dem Westen auf diesem Wege – durchaus provokativ zu verstehen – die Stirn bieten wollen.

China zeigt sich in diesen Tagen äußerst selbstkritisch, verständnisvoll und afrikaphon. Am 12.07.2012 hat Vize-Außenminister Zhai Jun auf dem 7. Lanting Forum die Kritik des Westens aufgegriffen, wonach China den afrikanischen Kontinent lediglich um seine Ressourcen erleichtern wolle. Der ranghohe Regierungsvertreter verspricht nun eine Vertiefung der Beziehungen, die einen „Anstieg der [afrikanischen] Fähigkeiten zur eigenständigen Entwicklung“ zur Folge haben wird. Chinas Vizepräsident Xi Jinping wird deutlicher und kündigt eine Ausweitung der Treffen zwischen den Regierungen bzw. Parteien in Pretoria und Peking an. Vor allem die Kommunistische Partei Chinas ist bestrebt ihre guten Beziehungen zum Afrikanischen Nationalkongress zu intensivieren. Kurz gesagt – es soll mehr kommuniziert und untereinander ausgetauscht werden.

© China identifiziert seine Stärke mit der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit und den militärischen Fähigkeiten. Die kulturellen und wissenschaftlichen Kooperationen dienen in erster Linie dem Fortschritt in den Bereichen Handel und Rüstung/ Verteidigung. Südafrika erweist sich als Sprungbrett der Chinesen zum afrikanischen Kontinent. Staatsoberhaupt Hu Jintao setzt auf das Vertrauen der Südafrikaner. Die Anzeichen deuten darauf hin, dass die südafrikanische Regierung zunehmend eine Kooperationsumverlagerung zu Lasten Deutschlands in Erwägung zieht. (Quelle: flickr/ The Presidency of the Republic of South Africa)

© China identifiziert seine Stärke mit der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit und den militärischen Fähigkeiten. Die kulturellen und wissenschaftlichen Kooperationen dienen in erster Linie dem Fortschritt in den Bereichen Handel und Rüstung/ Verteidigung. Südafrika erweist sich als Sprungbrett der Chinesen zum afrikanischen Kontinent. Staatsoberhaupt Hu Jintao setzt auf das Vertrauen der Südafrikaner. Die Anzeichen deuten darauf hin, dass die südafrikanische Regierung zunehmend eine Kooperationsumverlagerung zu Lasten Deutschlands in Erwägung zieht. (Quelle: flickr/ The Presidency of the Republic of South Africa)

Ebenso fand am 18.07.2012 ein vertrauliches verteidigungspolitisches Treffen zwischen Südafrika und China statt, allerdings in Pretoria und nicht in Peking. Eine Militärdelegation unter der Leitung des stellvertretenden Generalstabschefs der chinesischen Armee, Ma Xiaotian, führte Gespräche mit der südafrikanischen Verteidigungsministerin Nosiviwe Mapisa-Nqakula und dem Chef der südafrikanischen Streitkräfte Solly Shoke. Es kann nun die Frage gestellt werden, warum diese Konsultationen nicht am Rande von FOCAC abgehalten wurden. Eine Antwort hierzu lässt sich nicht finden.

Ungeachtet dessen hat gestern Präsident Hu Jintao den afrikanischen Staaten für die nächsten drei Jahre ein Darlehen in Höhe von 20 Milliarden US-Dollar in Ausschicht gestellt. Die südafrikanische Regierung hat zu diesem Angebot bislang keine Stellung bezogen. Der chinesischen Industrie- und Handelsbank ICBC kommt in diesem Zusammenhang eine Schlüsselrolle zu. Sie soll bereits 7 Milliarden US-Dollar in mehrere Projekte in allen Teilen Afrikas hinein gepumpt haben. Hingegen erweist sich diese Summe bei der Höhe des afrikanisch-chinesischen Handelsvolumens von 166,3 Milliarden US-Dollar allein für 2011 als überschaubare Finanzspritze. Mit der Wahl der südafrikanischen Innenministerin Nkosazana Dlamini-Zuma zur Vorsitzenden der Kommission der Afrikanischen Union erhoffen sich die Chinesen nun weitere Impulse.

Chinas Drang nach Fortschritt in Wirtschaft, Wissenschaft, Handel, Rüstung und politischem Einfluss auf die internationalen & regionalen Machtverhältnisse ist gewaltig. Insbesondere die Armee des Landes erweist sich als ganzer Stolz der Volksrepublik. Südafrika dient als Sprungbrett.

Wie „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ aus einer internen Quelle aus der Botschaft Südafrikas in Berlin erfahren konnte, wird das südafrikanisch-chinesische Verhältnis mit großer Aufmerksamkeit beobachtet. Die in Berlin tätigen Diplomaten verfolgen die Aktivitäten Chinas mit großer Hoffnung, zumal in der diplomatischen Vertretung die Auffassung vertreten wird, dass China und Südafrika gemeinsame Werte verkörpern. Denn beide Staaten haben niemals eine andere Nation kolonialisiert, heißt es. Diesen historisch begründeten Vertrauensbonus kann die Bundesregierung und der Westen nicht erfüllen

Sollte die Deutsche Botschaft Pretoria und das Auswärtige Amt in Berlin nicht rechtzeitig gegenhalten, indem sie gewisse Zugeständnisse an Südafrika unterbreiten, so wird Deutschland mittelfristig seinen Partner am Kap verlieren. Eine Aufarbeitung der deutschen Partizipation am Verbrechen der Apartheid wäre ein symbolträchtiger und erwünschter Schritt in Pretoria, der den Roten Drachen in Zugzwang bringen würde. Der deutsche Aphoristiker Werner Mitsch definierte die Diplomatie als Krieg mit friedlichen Mitteln. China könnte diesen bereits begonnenen Krieg gegen Deutschland in wenigen Jahren gewinnen, sofern die deutsche Außenpolitik ihre Chance verschläft. Der Countdown läuft.

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Filmfestival in Potsdam

Ein Bericht zum „Johannesburg Spezial“ des Filmmuseums Potsdam

(Autor: Ghassan Abid)

Am 27. Mai 2010 startete das Filmmuseum Potsdam in Beisein der südafrikanischen Botschaft und des Dokumentarfilmers Darryl Els erstmalig anlässlich der anstehenden Fußball-WM die Filmreihe und Podiumsdiskussion „Johannesburg Spezial – Filme aus Südafrika“. Eine Woche lang hat das Museum zehn mit der „La Cinémathèque de Toulouse“ ausgewählte Filme aus dem Kapland der deutschen Öffentlichkeit präsentiert, die zueinander von Story, historischen Kontext und Fragestellungen nicht unterschiedlicher sein könnten. Die Auswahl konzentrierte sich, wie aus dem Titel der Filmreihe zu entnehmen, auf die größte Stadt des Landes Johannesburg, die von den Südafrikanern selbst auch als die „Stadt des Goldes“ bezeichnet wird. Hierbei wurden dem Publikum Filme von 1916 bis 2009 vorgeführt.

© Filmmuseum Potsdam (Quelle: 2010sdafrika.wordpress.com)

Dem „eindimensionalen Bild“ der von Negativschlagzeilen und Klischees dominierten Berichterstattung über den afrikanischen Kontinent soll mit dieser Filmreihe begegnet werden, so die Direktorin des Filmmuseum Potsdams, Dr. Bärbel Dalichow. Allerdings deutete sie an, dass die Kino-Abteilung ihres Hauses bis zu dieser Veranstaltung keine Erfahrung mit Filmen des südlichen Afrikas machen konnte.

© Vertreter der Botschaft Südafrikas (Quelle: Filmmuseum Potsdam)

Vertreter der südafrikanischen Botschaft lobten diesen Perspektivenwechsel des Filmmuseums. Venita Smit, 1st Secretary for Communication and Marketing der südafrikanischen Botschaft in Deutschland, überbrachte im Namen des Botschafters S.E. Sonwabo Eddie Funde und der Kulturministerin Lulu Xingwana die Freude Ihres Landes, dass „südafrikanische Filme aus der Vergangenheit hierbei eine europäische Plattform der Vorführung finden konnten“. Venita Smit ergänzte die Direktorin des Filmmuseums dahingehend, dass die ausgewählten Filme einen tiefen Einblick in den Wandel, in die Herausforderungen und die Entwicklungen Johannesburgs als Repräsentation für ganz Südafrika ermöglichen. Der Ruf nach Freiheit verbindet Deutschland und Südafrika, wie von Bundesaußenminister Guido Westerwelle im Rahmen der politischen Konsultationen zwischen beiden Staaten in Pretoria vom April 2010 festgehalten, stärker als angenommen. Während das Volk in Südafrika ihren Ruf nach Freiheit und die Abschaffung der Rassentrennungspolitik à la Apartheid aufrechterhielt, forderte das Volk in Deutschland ein Ende der Teilung in Ost und West.

Der südafrikanische Dokumentarfilmer und Kurator Darryl Els zeigte sich ebenfalls erfreut und hob hervor, dass das „Johannesburg Spezial“ eine „wichtige Möglichkeit für das südafrikanische Kino“ in Deutschland darstelle, vor allem bei der Thematisierung historischer Entwicklungen.

Deutschland und Südafrika haben den Ausbau ihrer kulturellen Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Kinematografie beschlossen. Insbesondere besteht auf südafrikanischer Seite großes Interesse, diese mit dem Filmstudio Babelsberg zu intensivieren. Doch bevor es hierzu kommen wird, eröffneten sich dem Zuschauer im Vorfeld mit den zehn im Filmmuseum Potsdam angebotenen Filmen ein vertieftes kulturelles Verständnis und die Erweiterung des eigenen Horizonten.

Das Südafrika-Portal hat mit freundlicher Unterstützung des Filmmuseums drei Filme rezensiert, eine Podiumsdiskussion begleitet und mit Gästen gesprochen.

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Film: Tsotsi

© Filmszene aus „Tsotsi“ (Quelle: Filmmuseum Potsdam)

Regie: Gavin Hood

Darsteller: Presley Chweneyagae, Mothusi Magano, Kenneth Nkosi

Erscheinungsjahr: 2005

Vorstellung im Filmmuseum Potsdam am 28. Mai 2010

Der Film „Tsotsi“, dessen Regie Gavin Hood übernahm, thematisiert die Schattenseiten Südafrikas, die durch Brutalität, pure Gewalt, Armut, Arbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit dominiert werden. Ein 19-jähriger Bandenführer namens Tsotsi (in Deutsch mit Gangster übersetzbar), gespielt durch Presley Chweneyagae, stammt aus einem Township in Johannesburg und sichert sein Überleben mit Raubüberfallen und kriminellen Dingen ab. Eines Tages jedoch entdeckt er auf der Rückbank eines bei einem bewaffneten Überfall erbeuteten Autos einen Säugling, für dessen Leib und Wohl er plötzlich verantwortlich geworden ist. Tsotsi reflektiert seine eigene traumatische Kindheit und beginnt sich somit selber neu zu entdecken. Brutale Verhaltensweisen ersetzt er allmählich durch moralische Werte und warme Gefühle. Er holt das auf, was er nie genießen konnte – das Gefühl einer Familie.

Der Film spiegelt die gesellschaftlichen und familiären Probleme Südafrikas wieder; untermauert mit ‚farblosen‘ Bildern aus den Slums der Metropole Johannesburgs. Ausgezeichnet mit einem Academy Award, konnte dieser als Vorzeigefilm Südafrikas weltweit einen Erfolg erzielen. Wer für die sozialen Probleme des Landes eine Sensibilität entwickeln möchte, dem empfiehlt sich „Tsotsi“!

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Film: Hillbrow Kids

Regie: Michael Hammon, Jacqueline Görgen

Darsteller: Straßenkinder

Erscheinungsjahr: 1997/98

Vorstellung im Filmmuseum Potsdam am 29. Mai 2010

Hillbrow Kids“, ein deutscher Dokumentarfilm von Michael Hammon und Jacqueline Görgen, liefert ein erschreckendes und zugleich trauriges Bild über die Realität von Straßenkindern in Johannesburg ab. Regisseur Hammon, welcher ebenfalls im Kinosaal anwesend war, erläuterte die dramatische Situation der Verlierer Südafrikas; oder wie er es ausgedrückt: „der ersten Generation nach der Apartheid“. Ohne Ausbildung und ausreichender Lebensmittelversorgung sowie Unterkunft, greifen viele Kinder nach Glue/Klebstoff, um Hunger und Ängste für einen Moment weg schnüffeln zu lassen. Aus desaströsen Familienverhältnissen flüchteten die Protagonisten des Films – Vusi, Jane, Silas, Bheki und Shadrack – nach Johannesburg und müssen allmählich begreifen, dass es ihnen in der Metropole genauso schlecht geht wie in den Townships. Vergewaltigungen, Infektionen, Gewalt und Hunger erscheinen als unsichtbare Begleiter der Kinder, welche manchmal mit vollem Schmerz in Erscheinung treten.

Hammon und Görgen drehten zuerst ohne Sicherheitsvorkehrungen in Johannesburg, mussten allerdings nach zwei negativen Vorfällen eine Security zur Absicherung der Dreharbeiten engagieren. „Hillbrow Kids“ ist nicht nur ein trauriger Spielfilm, sondern ein schockierendes Abbild der Wirklichkeit, der den Zuschauer zum Nachdenken über das Ich und die Welt anregt. Einige der in der Dokumentation vorgestellten Kinder leben heute nicht mehr. Ein Film, ungeeignet für Menschen mit schwachen Nerven.

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Film: Mapantsula

Regie: Oliver Schmitz

Darsteller: Thomas Mogotlane, Marcel van Heerden, Dolly Rathebe

Erscheinungsjahr: 1988

Vorstellung im Filmmuseum Potsdam am 30. Mai 2010

Südafrika in den 1980er Jahren: Die schwarze Mehrheitsgesellschaft will und kann die Apartheid nicht länger dulden. Ihren Protest sucht diese verstärkt auf den Straßen. Zufällig gerät ein Taschendieb aus Soweto, namens Panic (gespielt von Thomas Mogotlane), in eine Demonstration von Regierungsgegnern und wird daraufhin verhaftet. Ein weißer Polizist, als Repräsentation für die Apartheid (gespielt von Marcel van Heerden), versucht mit Zuckerbrot und Peitsche den Taschendieb für eine Infiltrierung von schwarzen Bürgerrechtlern und Gewerkschaftern zu gewinnen. Anfänglich gelingt dem Polizisten eine Kollaboration des Taschendiebs mit dem Repressionsregime, muss jedoch über die Zeit harte Verhörmethoden und Folter anwenden. Denn Panic sympathisiert allmählich mit der Idee, dass Südafrika eine Nation aller Südafrikaner wird und jeder, unabhängig von der Hautfarbe, frei leben kann.

Dieser Film aus der Klassikreihe des südafrikanischen Kinos, auch wenn dieser 1988 produziert wurde, ist zu Apartheidzeiten versteckt und mit hohem Risiko gedreht wurden. Die Kritik an dem Regime der weißen Minderheitsherrschaft wurde für den Regisseur wie erwartet schnell zum Verhängnis – der Film ist verboten worden. „Mapantsula“ ist ein politischer Film mit einer klaren Message: Nein zur Apartheid, ja zur Freiheit und Demokratie. Jedoch verliert sich der Zuschauer relativ schnell in lange Konversationen und „leblosen“ Bildern.

Podiumsdiskussion zur Apartheid und Filmindustrie Südafrikas:

Am 1. Juni 2010 veranstaltete das Filmmuseum Potsdam ebenfalls eine Podiumsdiskussion zum Thema: „Johannesburg – 20 Jahre nach der Apartheid, im Jahr der Fußball-WM”.

© Filmemacher Darryl Els (Quelle: 2010sdafrika.wordpress.com)

Darryl Els, Johannesburger Filmemacher und Kurator, hielt die „Stunde Null“ fest, wonach mit der ersten demokratischen Wahl in Südafrika im Jahre 1994 ein Wendepunkt eingetreten ist. Denn mit der Abschaffung der Apartheid ist Schwarzen eine Tätigkeit im Bereich der Filmproduktion eröffnet worden. Problematisch sei jedoch der Umstand, dass mit dem Umbruch viel vom Erbe südafrikanischen Kinos verloren gegangen ist. Es bestünde beim südafrikanischen Film keine Kontinuität. Enttäuscht zeigte er sich über die Versuche, nach 1994 die Vergangenheit Südafrikas kinematografisch aufzuarbeiten.

Einstimmigkeit mit den anderen Gästen herrschte auch beim Aspekt Filmqualität. Das heutige Südafrika produziert vor allem Filme des Genre Comedy, wie z.B. „Mr. Bones“ vom Regisseur Leon Schuster, welche in punkto Umsatz erfolgreich waren, bei Qualität und Niveau jedoch durchgefallen seien. Die Filmindustrie in Südafrika fällt unter dem Zuständigkeitsbereich vom Department of Arts and Culture (Kulturministerium) und Department of Trade and Industry (Industrieministerium), doch bestünde auch bei der Förderung dieses kostspieligen und beschäftigungsintensiven Industriezweiges weiterhin Handlungsbedarf. Darryl Els betonte als eigene Zielvorstellung „to create a film culture“, sodass diese Entstehung einer Filmkultur mit Berlin als Ausbildungsort begegnet werden könnte.

Renate Tenbusch, Referentin für Südafrika im Referat Afrika der Friedrich-Ebert-Stiftung, untermauerte die einstige Dominanz von weißen Südafrikanern beim staatlichen Rundfunk, der South African Broadcasting Corporation (SABC), welche mit der Demokratisierung des Landes aufgebrochen wurde. Insbesondere lobte sie das nationale Mediengesetz, welches ihrer Einschätzung nach zu den progressivsten weltweit hinzugewählt werden kann. Die Umsetzung sei jedoch eine andere Thematik. Ihren Aussagen nach befinden sich in Südafrika lediglich 100 Kinos, vor allem in den Großstädten, die durch Filmproduktionen aus Hollywood und Bollywood dominiert werden, jedoch zu selten durch südafrikanische Filme hervorstechen.

Dr. Ben Khumalo-Seegelken, Theologe und Anti-Apartheid Aktivist, fasste das südafrikanische Kino als ein Ort der Weißen auf – zu Apartheidzeiten und bis zum heutigen Tage. Der Theologe deutete an, dass die schwarze Mehrheitsgesellschaft mit sozialen Problemen zu kämpfen hat und soziopolitische Missstände im Lande bisweilen nicht ausreichend angegangen worden sind. Demnach kann hierbei interpretiert werden, dass das Kino für schwarze Bürgerinnen und Bürger damals aufgrund des Verbotes und heute bedingt durch die Armut eine untergeordnete Rolle einnimmt.

Teboho Edkins, ebenfalls Filmemacher, kritisierte die WM als kommerzielles Event dahingehend, da sich dem deutschen Publikum eine mediale Flut an Südafrika-Beiträgen auftut, jedoch diese nach dem Ende der Weltmeisterschaft schlagartig verschwinden wird. Auch stimmte er der Forderung von Darryl Els und Renate Tenbusch zu, wonach südafrikanische Filme mehr Qualitätsstandards und „Ästhetik“ verfolgen sollten.

© Podiumsdiskutanten (Quelle: Filmmuseum Potsdam)

Dorothee Wenner, Moderatorin des Podiums und Afrika-Delegierte der Berlinale, befürwortete hingegen deutsche Filmproduktionen in Südafrika, da hierbei die technische Ausbildung von Südafrikanern wahrgenommen wird, ganz dem entwicklungspolitischen Ziel von ´Skills Development´. Diese Aussage löste allerdings gegensätzliche Reaktionen aus. Klar wurde, dass ein Spannungsverhältnis zwischen der Ausbildung von Südafrikanern und dem Klischee behafteten Afrika-Bild von deutschen TV-Produktionen herrsche.

Letztendlich waren sich die Diskutanten darüber einig, dass der soziopolitische Wandel in Südafrika auch in der Filmindustrie zu  spüren ist. Ferner kommt hinzu, dass Afrika-Filme in der öffentlichen Wahrnehmung nach wie vor „Problem behaftet“ seien. Ein negativer Touch hafte an diesen Produktionen. Umso erschreckender ist die Tatsache, dass in ganz Afrika weniger Kinos vorzufinden sind, als in Berlin und Umland. Ferner seien in Washington 300 deutsche Korrespondenten tätig, jedoch lediglich 15 Journalisten in Subsahara-Afrika. Diese in Zahlen ausgedrückte  „Bilderlosigkeit von Afrika und afrikanischem Kino„, wie von der Afrika-Delegierten der Berlinale umschrieben, sitze weiterhin tief in der deutschen Öffentlichkeit.

Resumée des Südafrika-Filmfestivals: Eine Zuschauerin bewertet:

Sylvia Brandt, Berlinerin, ist durch den Rundfunk Berlin-Brandenburg auf die Veranstaltungsreihe „Johannesburg Spezial“ aufmerksam geworden und freut sich, Filme aus Südafrika sehen zu können, zumal einer ihrer Freunde nach Johannesburg ausgewandert ist. Sie hatte sich in der Vergangenheit bereits einige Filme angeschaut, bemängelte jedoch das ausbleibende Echo südafrikanischer Filme in Deutschland. „Dies finde ich sehr traurig“, untermauerte Sylvia Brandt die geringe Anzahl südafrikanischer Filme in den deutschen Kinos. Sie würde es umso schöner finden, wenn Filmproduktionen vom Kap der guten Hoffnung verstärkt dem deutschen Publikum – auch in den Landessprachen – präsentiert werden könnten. Demnach ist dieses Kino-Angebot des Filmmuseum Potsdam wertzuschätzen. Diesem Lob und Wunsch kann sich die Redaktion nur anschließen!

Zuma-Regierung unter massivem Beschuss

Botschafter Südafrikas erhält in ungewohnt scharfe Kritik seitens der Konrad-Adenauer-Stiftung

(Autoren: Ghassan Abid, Danilo Bretschneider)

Am 29. März 2010 versammelten sich zum Berliner „Medienseminar Südafrika 2010“ der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) und der Deutschen Afrika Stiftung mehrere Pressevertreter, Staatsbedienstete und WM-Interessierte zur Erörterung der Fußball-Weltmeisterschaft 2010.

Julia Weber, bis Ende Februar 2010 Mitarbeiterin im Auslandsbüro Südafrika der Konrad-Adenauer Stiftung  und gegenwärtige Koordinatorin des Medienprogramms, eröffnete die Veranstaltung und untermauerte die zahlreichen Fortschritte im Lande, betonte jedoch in unerwartet scharfer Form die bestehenden Defizite.

Demnach lebten im Jahre 2009 rund 70 Prozent aller Kinder nach einer Studie des „South African Institute of Race Relations“ in Armut. Nach Angaben des Bundesentwicklungsministeriums (BMZ) würden zudem 28 Prozent der Haushalte keinen Strom und rund 5 Prozent keinen Wasserzugang besitzen. Positiv zu bewerten ist, dass die Regierungspartei ANC bislang 2,6 Mio. Häuser zur Verfügung stellen konnte. Neben 5,7 Mio. Südafrikanern mit dem HI-Virus, sterben rund 350.000 Bürger jedes Jahr an den Folgen dieser unheilbaren Immunschwächekrankheit. Die Kriminalitätsstatistik von 18.148 Morden innerhalb eines Jahres wurde um die Erkenntnis ergänzt, dass inoffiziell rund 40 Prozent aller Südafrikaner arbeitslos sind und jeder Fünfte in Anbetracht der fehlenden Jobperspektive sogar seine Heimat verlassen würde.

© S.E. Botschafter Sonwabo Eddie Funde

Diese sehr kritische KAS-Einschätzung zu Südafrika ist auch deshalb umso beeindruckender, da die Medienprogramm-Koordinatorin die Regierung des Jacob Zuma´s unmittelbar als Adressaten angreift: „Was tut die Regierung bei all dem? Die traurige Antwort ist: Nicht viel … Jacob Zuma, nach dem spektakulären Sturz Thabo Mbekis in den Wahlkampf gezogen mit dem Versprechen, dass sich endlich etwas bewegen würde – und zwar zu Gunsten der armen Bevölkerung, hat seit seiner Amtseinführung fast ausschließlich privat für Schlagzeilen gesorgt“. Nachdem ebenfalls die ANC-Dominanz und das damit verbundene Einparteiensystem Südafrikas negativ bewertet wurden, sprach die Südafrika-Expertin der KAS von einem politischen „Stillstand“ innerhalb der Zuma-Administration. Auch das Bildungssystem würde nach der Bewertung der KAS nicht funktionieren sowie der ANC den Staat zunehmend für parteipolitische Zwecke instrumentalisieren.

Eines ist erkennbar – der südafrikanische Botschafter, S.E. Sonwabo Eddie Funde, welcher ebenfalls am Medienseminar teilgenommen hatte, erhielt als höchster Repräsentant Südafrikas in Deutschland die gelbe Karte. Südafrika müsse seine Anstrengungen fortsetzen und dürfe nicht Rückschritte machen, so die Message der KAS gegenüber dem Diplomaten. In der Vergangenheit hat S.E. Funde mehrfach Veranstaltungen der KAS in der Bundeshauptstadt aufgesucht, jedoch eine Kritik dieser Intensität bisweilen noch nicht zur Kenntnis nehmen müssen.

Ghassan Abid, Herausgeber des Südafrika-Portals, welcher regelmäßig KAS-Konferenzen in Berlin aufsucht, bezeichnet die Veranstaltung vom 29. März 2010 hinsichtlich der Tonlage als „außergewöhnliches Novum“. Als ausgebildeter Politikwissenschaftler befürwortet er den Druck der KAS hinsichtlich der Forderung sowie Förderung eines südafrikanischen Parteienwettbewerbs und einer pflichtbewussten Wahrnehmung von Amtsgeschäften durch die Regierung in Pretoria, um der bisweilen nur 16 Jahre andauernden und jungen Demokratrie im Lande in ihren grundlegenden Prinzipien, wie es im Jahre 1952 das Bundesverfassungsgericht (BVerfGE 2,1,12) mit der freiheitlich-demokratischen Grundordnung präzisiert hatte und von seiner Substanz her auch auf das politische System Südafrikas übertragbar ist, den notwendigen Rahmen zu verschaffen.

Manuskript der KAS zum Medienseminar Südafrika 2010:

http://www.kas.de/upload/dokumente/2010/03/wm_seminar.pdf