Schlagwort-Archive: Südafrikanisches Kino

Kap-Kolumne: Krotoa – der Film

Ein Historienfilm über die erzwungene Assimilation einer Khoi-Frau durch Siedler in Südafrika

(Autor: Detlev Reichel, Kap-Kolumnist des Südafrika-Portals)

Krotoa ist eine südafrikanische Frau aus dem 17. Jahrhundert. Sie gehört zum Clan der Goringhaicona aus dem Volk der Khoi-Khoi. Die Khoi- und die San-Völker sind die Ureinwohner an der Südspitze Afrikas. Es waren sehr wahrscheinlich die Goringhaicona, die die ersten Siedler der niederländischen Handelsgesellschaft Vereenigde Oostindische Compagnie (VOC) im April 1652 bei ihrer Landung in der Tafelbucht, dem heutigen Kapstadt, empfangen haben.

© Der auf wahren Begebenheiten beruhende Film „Krotoa“ unter der Regie von Roberta Durrant blickt ins Südafrika des 17. Jahrhunderts zurück, als sich Siedler aus den Niederlanden am Kap der guten Hoffnung niederließen. Im Fokus steht das Khoi-Mädchen Krotoa [gespielt von Crystal-Donna Roberts], die gegen ihren Willen „zivilisiert“ wird. (Quelle: Filmsequenz KROTOA)

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Oscar-Nominierung für südafrikanischen Kurzfilm

In der Kategorie „Bester Kurzfilm“ ist die Westkap-Produktion „ASAD“ nominiert worden

(2010sdafrika-Redaktion)

Genau 17 Minuten und 20 Sekunden lang thematisiert der Kurzfilm „ASAD“ die Geschehnisse des verarmten und vom Bürgerkrieg gebeutelten Somalia. Im Mittelpunkt des Films steht ein somalischer Junge, der vor einer wichtigen Entscheidung steht: Entweder Fischer oder Pirat werden. Nun  hat die Oscar-Jury sich dafür entschieden, diesen in der Kategorie „Bester Kurzfilm“ zu nominieren.

© Der südafrikanische Kurzfilm "ASAD", der am Westkap gedreht wurde, ist für den Oscar 2013 in der Kategorie "Bester Kurzfilm" nominiert worden. Im Mittelpunkt des Films steht ein somalischer Junge, der vor einer wichtigen Entscheidung steht: Entweder Fischer oder Pirat werden. (Quelle: flickr/ naeemcallaway)

© Der südafrikanische Kurzfilm „ASAD“, der am Westkap gedreht wurde, ist für den Oscar 2013 in der Kategorie „Bester Kurzfilm“ nominiert worden. Im Mittelpunkt des Films steht ein somalischer Junge, der vor einer wichtigen Entscheidung steht: Entweder Fischer oder Pirat werden. (Quelle: flickr/ naeemcallaway)

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Regisseur Michael Hammon im Interview

„Die Arbeit an diesem Film hat mich mehr sensibel gemacht“

(Autor: Ghassan Abid)

2010sdafrika-Redaktion: Wir begrüßen auf „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ den Potsdamer Kameramann, Regisseur  und HFF-Filmdozenten Michael Hammon. Sie waren schon während der Apartheid in Südafrika für die BBC und für CBS tätig. In den 90er Jahren kehrten Sie zurück und übernahmen mit Jacqueline Görgen die Regie des Dokumentarfilms „Hillbrow Kids“. Inwieweit hat dieser beeindruckende Film Ihre Sicht der Dinge über die Welt und über sich selbst verändert?

© Michael Hammon - Kameramann,  Regisseur und Dozent an der Hochschule für Film und Fernsehen (HFF) sowie Preisträger des Bayerischen Filmpreises

© Michael Hammon – Kameramann, Regisseur und Dozent an der Hochschule für Film und Fernsehen (HFF) sowie Preisträger des Bayerischen Filmpreises

© Cover von „Hillbrow Kids“

Antwort: Die Arbeit an dem Film hat zunächst meinen Optimismus über die damalige neue Regierung geraubt. Die Zustände der Kinder, der Umgang mit den Strassenkindern seitens der Behörde, die fehlenden staatlichen Organisationen, die sich  damit auseinandersetzen, und wenn, in welcher Weise. Das hat mich alles sehr enttäuscht. Ich habe mich auch immer mehr gefragt, was ist meine Funktion in dieser Arbeit. Das wollten die Kinder auch wissen: Was wär für sie drin. Oder waren wir nur die medialen Ausbeuter des Schicksals der Kinder? Doch wir waren überzeugt, dass wir mit diesem Film in die Art wie wir es gemacht haben, einen Sprachrohr für diese verzweifelte Kinder sein können. Das hat mich wiederum gestärkt, in der Richtigkeit unseres Unternehmens. Die Arbeit an diesem Film hat mich mehr sensibel gemacht, über die Lage vernachlässigter und unterpriviligierter Kinder weltweit.

2010sdafrika-Redaktion: Mit welchen Schwierigkeiten mussten Sie sich beim Dreh auseinandersetzen und wie konnten Sie diese bewältigen?

Antwort: Zuerst war die Kommunikation ein Problem. Viele Kinder auf der Strasse sprechen wenig Englisch oder Afrikaans, und wenn sie die einheimischen Sprachen sprechen, ist dies meist eine Mischung von den vielen ethnischen Sprachen. Dafür mußten wir jemanden finden der nicht nur den Kinder sympathisch entgegentrat, sondern auch ihre Sprache übersetzen könnte und gleichzeitig die Gespräche auf eine Art führte, die für den Film wichtig waren. Nach ein paar Anläufen hatten wir die richtige Mischung gefunden. Die zweite Schwierigkeit bestand darin das Vertrauen der Kinder zu gewinnen. Viele sind sehr verwahrlost, sind sehr drogenabhängig, werden unberechenbar durch das Schnüffeln von Klebstoff und finden sowieso jeden Weissen suspekt. Wir haben Wochen vor Drehbeginn mit Sozialarbeitern aus der Gegend die Runden gemacht, mit auf protable Suppenküchen für die Obdachlosen gearbeitet, kranke Strassenkinder zum Krankenhaus gebracht oder einfach Medikamente mitgebracht. Wir haben durch verschiedene Shelters verschiedene Kinder kennengelernt und durch solche Aktionen ihr Vertrauen gewonnen. Das dritte Problem war die Kriminalität in der Stadt. Ich und Jacqueline mit unserem Equipment waren ein gefundenes Fressen für einige Desperadoes. Wir mußten am Ende doch einen Bodyguard anstellen da wir öfters in sehr verwegene Gegenden drehen mußten.

2010sdafrika-Redaktion: Wie kam er vor allem beim deutschen Publikum an?

Antwort: Der Film hat hier einige Reaktionen hervorgerufen. Durch das Internet und einige Vorführungen wollten viele Zuschauer etwas unternehmen. Es kamen Fragen wie man sich sinnvoll in Südafrika für die Kinder einsetzen könnte. Andere wollten nur spenden. Die Frage war wohin und für was?? Leider haben wir nie einen Verleih gefunden und unser Vertrieb hat sich nur um Verkäufe ins Ausland gekümmert. Nach der Ausstrahlung im ZDF haben wir eine Flut von E-Mails bekommen. Die Spendenanfragen haben wir an das Archiv für Strassenkinder weitergeleitet und das gesammelte Geld (immerhin DM 40.000,00) wurde an die Organisationen die wir kennen verteilt.

2010sdafrika-Redaktion: Welche Resonanz entfaltete „Hillbrow Kids“ in Südafrika?

Antwort: In Südafrika hat es eine Premiere gegeben, die wir organisiert haben, der sehr gut besucht war. Eine Presseaufmerksamkeit führte dazu, dass das Leid der Strassenkinder für ein paar Wochen sehr thematisiert wurde. Das südafrikanische Fernsehen, Mnet, hat die Rechte dann gekauft und inzwischen ein paar Mal ausgestrahlt. Wir hatten durch diese Ausstrahlungen auch sehr viel Resonanz und Angebote, den Kinder zu helfen. Allerdings öfters auf der Adoptionsschiene, was wir nicht unterstützen und auch nicht befürworten.

2010sdafrika-Redaktion: Planen Sie in Zukunft eine weitere Dokumenation über und in Südafrika, eventuell mit Jacqueline Görgen?

Antwort: Wir haben danach einen Film zusammengemacht, der über eine andere Gruppe handelte, die wir während der Arbeit kennengelernt haben. Der Film hiess „Schlangen im Feuer“ und lief auf 3Sat. Andere Projekte sind leider nicht zustande gekommen.

2010sdafrika-Redaktion: Verfolgen Sie weiterhin die soziogesellschaftliche Entwicklung in Johannesburg?

Antwort: Ja, natürlich.

2010sdafrika-Redaktion: Wie bewerten Sie die Ausrichtung der WM in einem gefährlichen Land wie Südafrika, zumal sich Experten hierüber uneinig sind?

Antwort: Naja, ich glaube dass die WM einem Land schon eine Menge ökonomischen Impetus geben kann. Nur wer profitiert davon?? Ich glaube nicht die Leute, die es brauchen. Es werden sicherlich ein paar Reiche reicher gemacht und der Rest wird sich wundern, was mit diesen wahnsinnigen Sportpalästen nach der WM passieren wird. Aber immerhin, besonders während der Vorbereitungsphase der WM, haben sicherlich sehr viel mehr Menschen Arbeit gehabt und konnten, wenn auch nur für eine kurze Zeit, ihren Lebensstandard  erhöhen.

Was die Gefährlichkeit anbetrifft, naja, es hat sich ja gezeigt: Viele Stadien waren leer. Karten mußten ganz billig an Einheimische weiterverkauft werden, damit die Stadien nicht so leer aussahen. Ich glaube der Ruf das Landes hat schon einigenpotentielle Zuschauer aus dem Ausland abgeturnt.

2010sdafrika-Redaktion: Wir bedanken uns bei Michael Hammon – Kameramann, Regisseur  und Filmdozent aus Potsdam – für dieses interessante Interview.

Rezension des Politthrillers „ENDGAME“

Wie die Apartheid bis zum letzten Moment gegen den ANC ankämpfte

(Autor: Ghassan Abid)

Die südafrikanische Filmindustrie ist mit keiner anderen des afrikanischen Kontinents vergleichbar. Einerseits prägten die Bestimmungen während der Apartheid die künstlerische Arbeit der Regisseure und Drehbuchautoren. Diejenigen die sich dem widersetzten, mussten mit einem Verbot ihrer Werke rechnen. Ferner war nur weißen Bürgern eine Tätigkeit auf dem Gebiet der Kinematografie gestattet. Andererseits markierte der politische Wendepunkt von 1994 und der damit verbundene Übergang zu einer Demokratie die „Stunde Null„, sodass sich bisweilen keine eigene und vor allem kontinuierliche Filmkultur in Südafrika entwickeln konnte.

© Der Politthriller „Endgame“ verdeutlicht den Machtkampf zwischen Weißen und Schwarzen um die Zukunft Südafrikas.

Der Politthriller „Endgame“, 2008 unter der Regie des Engländers Pete Travis produziert, unterstreicht genau diesen politischen Umbruch und kann als Versuch aufgefasst werden, modernes südafrikanisches Kino als Werkzeug der Vergangenheitsbewältigung heranzuziehen. Als 1985 der Widerstand der schwarzen Mehrheitsbevölkerung gegenüber dem Apartheid-Regime seinen Höhepunkt erreichte, versucht die Regierung den Freiheitsdrang der Unterdrückten in die „richtigen“ Bahnen zu lenken.

Unter der Federführung des südafrikanischen Geheimdienstchefs Dr. Neil Barnard verfolgte dieser unter den Präsidenten Peter Willem Botha und Frederik Willem de Klerk das ehrgeizige Ziel, mit allen Mitteln die verschiedenen Bewegungen innerhalb des „African National Congress (ANC)“ gegeneinander auszuspielen. Auch der in Haft sitzende Nelson Mandela wurde in diese Überlegungen einbezogen. Parallel hierzu fanden im Exil geheime Gespräche unter der Führung eines britischen Managers der Bergbaugesellschaft Consolidated Goldfield (gespielt von Jonny Lee Miller) mit Anhängern der ANC-Führung statt, namentlich mit Thabo Mbeki (gespielt von Chiwetel Ejiofor).

Während Präsident Botha als autoritärer Verfechter der Rassentrennungspolitik auftrat, machte der moderate de Klerk deutlich mehr Zugeständnisse gegenüber dem ANC. „Endgame“ geht genau auf diese politische Ebene ein und beleuchtet die Versuche des Apartheid-Regimes, den ANC bis zuletzt zu bekämpfen. Die Gefahr, einem Attentat des südafrikanischen Geheimdienstes zum Opfer zu fallen, in Kombination mit diplomatischen Verwirrspielen, ermöglichen dem Zuschauer eine gewisse Sensibilität für die damalige Lage aufzubauen.  Jedoch verliert sich diese Halbdoku allzu oft in lange Monologe, zum Nachteil der eigenen Aufmerksamkeit. Wer sich allerdings für die südafrikanische Geschichte interessiert, dem empfiehlt sich „Endgame“.

Rezension der Südafrika-Doku SUNNY LAND

Berlinale-Film „Sunny Land“ – eine Filmkritik

(Autor: Ghassan Abid)

Sun City ist Afrikas Abbild des US-amerikanischen Glücksspielparadieses Las Vegas, wo Großveranstaltungen wie der Miss World Contest, das Sun City Golfturnier und Konzerte mit Queen, Cher sowie Frank Sinatra stattfanden. Glückliche Menschen, atemberaubende Naturlandschaften, der Geruch von Reichtum und große Swimmingpools prägen im Dokumentarfilm „Sunny Land“ das Image dieser (umstrittenen) touristischen Anlage.

Begleitet werden diese Sonnenseiten mit Archivmaterial aus TV und Radio. Doch die negativen Gesichtspunkte wurden zu Apartheidzeiten nie thematisiert. Diese Problematik greifen die Regisseure Aljoscha Weskott und Marietta Kesting nun auf. Hierbei bedienen sie sich dem Instrumentarium des Interviews von Schwarzen und Weißen bzw. von Südafrikanern und Ausländern.

Südafrika – für Weiße schön, für Schwarze nicht

Im Mittelpunkt der Befragungen steht Tatho Matabene, ein junger südafrikanischer Mann mit schwarzer Hautfarbe, der seine Freude dahingehend erläutert, dass heute jeder in Südafrika frei und gleich ist. Es wird verdeutlicht, dass für die Weißen Südafrika sehr schön sei, jedoch für die Schwarzen viele Einschränkungen und Diskriminierungen im Alltag auftreten. Die Miss Germany 1992 äußert im Film das Bewusstsein für die Probleme der Unterdrückten, hegt aber zugleich ihre Befürchtungen gegenüber den ANC-Mitgliedern des Freiheitskämpfers Nelson Mandela und übernahm somit die Propaganda der Rassisten, wie viele einstige Besucher von Sun City.

Das Apartheidregime wollte die schwarze Mehrheitsbevölkerung im Rahmen des Konzeptes der „Großen Apartheid“ aus dem Lande verdrängen, indem sogenannte Homelands in die Unabhängigkeit entlassen und nur durch Südafrika als eigene Nationen anerkannt wurden. Konsequenz war die Ausbürgerung von Schwarzen mit einer Abschiebung in die Homelands, das quasi „Ausland“ war. Das Homeland Bophuthatswana mit Sun City auf seinem Territorium, diente schließlich auch dem simplen Grundsatz der Rassentrennung „blacks ruled by whites“.

Gute Idee – dennoch ein Reinfall

Der Versuch das System der Apartheid mit Sun City zu erklären ist durchaus als gute Idee aufzufassen, jedoch erweist sich die Umsetzung dessen als Reinfall. Der Kontrast zwischen Sonnenseite und Schattenseite konnte nicht an den Zuschauer transportiert werden. Ebenfalls verliert man sich im Film permanent in monotonen und sehr oberflächlichen Erzählungen, die das Interesse an der Doku zunehmend abflauen lassen. Es ist anzumerken, dass Aljoscha Weskott und Marietta Kesting mit Sunny Land erstmalig auf internationaler Bühne als Regisseure auftreten und sich dementsprechend noch in der Experimentierphase befinden. Die für Analysen der Erinnerungskulturen in Afrika erprobte Kesting und der bisher als Darsteller aufgetretene Weskott werden die Erwartungen der Zuschauer nicht befriedigen können.

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2010sdafrika-Artikel beim Gazelle Magazin veröffentlicht:

http://www.gazelle-magazin.de/cultura/film/newsdetails/article/14/1265857000.html

Filmdatenblatt von Sunny Land auf Berlinale-Website:

http://www.berlinale.de/external/de/filmarchiv/doku_pdf/20103493.pdf