Schlagwort-Archive: Tagesspiegel

Fünfte Parlamentswahlen in Südafrika

Politische Katerstimmung am Kap. Die Unzufriedenheit über Parteien ist groß. Der ANC hat viele enttäuscht

(Autor: Johannes Woywodt)

Es sind die Bilder der hundertmeter- wenn nicht sogar kilometerweiten Schlangen an wartenden Menschen, die vor 20 Jahren von Südafrika aus um die Welt gingen. Schwarze Südafrikaner, die den mitunter weiten Weg zu den Wahlkabinen auf sich nahmen, um erstmalig am 27. April 1994 frei wählen zu dürfen. Trotz der drückenden Hitze und der brennenden Sonne harrten die Menschen im Freien aus und ließen auch die langen Wartezeiten geduldig über sich ergehen.

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© Die 68-jährige Rosie Vena gehört zur Mehrheit der Südafrikaner, die unter ärmlichen Bedingungen in einem Township leben müssen. Die aus der Umgebung von Port Elizabeth stammende Frau wählte auch bei den Wahlen 2009 den ANC, doch verbessert hat sich für sie kaum etwas. Rosie ist enttäuscht. Die politische Katerstimmung hat 2014 deutlich zugenommen. Millionen Bürger werden nicht wählen gehen – aus Protest. (Quelle: flickr/ BBC World Service)

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„Tebartz-van Elst ist auf den SPIEGEL reingefallen“

Im Interview mit Paul Badde, Journalist und Mitherausgeber der Zeitschrift „VATICAN magazin“

(Autor: Ghassan Abid)

© Paul Badde ist Sachbuchautor, Journalist und Mitherausgeber der Zeitschrift „VATICAN magazin“. Er interviewte kürzlich den Limburger Bischof Tebartz-van Elst exklusiv in Rom. Der renommierte Redakteur mit Fokus auf die katholische Kirche übt scharfe Kritik an die deutsche Presse für die Berichterstattung über das Bistum Limburg und speziell an den SPIEGEL-Redakteur Peter Wensierski. Zudem hält Badde fest, dass Tebartz-van Elst zum Selbstmord aufgefordert worden ist.

© Paul Badde ist Sachbuchautor, Journalist und Mitherausgeber der Zeitschrift „VATICAN magazin“. Er interviewte kürzlich den Limburger Bischof Tebartz-van Elst exklusiv in Rom. Der renommierte Redakteur mit Fokus auf die katholische Kirche übt scharfe Kritik an die deutsche Presse für die Berichterstattung über das Bistum Limburg und speziell an den SPIEGEL-Redakteur Peter Wensierski. Zudem hält Badde fest, dass Tebartz-van Elst zum Selbstmord aufgefordert worden ist.

2010sdafrika-Redaktion: Wir begrüßen auf „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ Herrn Paul Badde – Sachbuchautor, Journalist und Mitherausgeber der Zeitschrift „VATICAN magazin“. Sie zählen unumstritten zu den bekanntesten deutschen Redakteuren mit Fokus auf die katholische Kirche. Wofür steht die heutige Kirche in Deutschland?

Antwort: Auch in Deutschland ist die katholische Kirche eine „römisch-katholische Kirche“. Das heißt, sie ist angebunden an die zwölf Apostel, von denen mindestens fünf ihr Grab in Rom gefunden haben – außer den „Apostelfürsten“ Petrus und Paulus – auch noch Bartholomäus, Judas Thaddäus und Simon.

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Fluch der Vuvuzela

Eine Pro-Kontra-Debatte zur Diskussion um die „Terror-Tröten“

Schon hat die Fußball-WM 2010 begonnen, da taucht für so manchen Fußball-Fan eine negative Begleiterscheinung auf – die Lärmkulisse der Vuvuzela. Der „Krachmacher“, so die wörtliche Übersetzung aus der Sprache isiZulu, eröffnet dem Zuschauer ein Erlebnis der afrikanischen Art und untermauert die Freude der südafrikanischen Fans am Fußball. Andererseits kann die Geräuschkulisse der Vuvuzela für so manche Erkrankungen verantwortlich sein. Die Online-Berichterstattung in Deutschland und Südafrika ist sich bezüglich der Einschätzung dieser Tröte noch uneins. Doch vorher jeweils ein Kommentar – Pro und Kontra Vuvuzela.

© Vuvuzela (Quelle: Chris Kirchhoff/ MediaClubSouthAfrica.com)

Pro Vuvuzela
(Ein Kommentar von Ghassan Abid):

Wer eine afrikanische WM aufsucht, der muss auch afrikanische Bräuche, Sitten und Eigenheiten tolerieren, wenn nicht sogar akzeptieren. Die Vuvuzela war schon lange vor der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 ein beliebter Stimmungsmacher der Einheimischen. Ein Instrument, mit welchem man sich austoben und seine Freude am Sport des Fußballs zum Ausdruck bringen konnte. Diese Tröte ist halt eine Art kulturelle Identität, die nicht zur Disposition gestellt werden dürfte. Denn wer eine Vuvuzela verbannen möchte, der positioniert sich somit gegen diese südafrikanische Sportkultur.

Kontra Vuvuzela
(Ein Kommentar von Robert I.):

Das biblische Jericho wurde -so die Geschichte- durch das Geräusch von sieben Trompeten zerstört. Man könnte meinen, dass diese Geschichte zumindest übertrieben ist. Seit dem Aufkommen der Vuvuzelas, Plasiktröten, die bis zu 130 dB (vergleichbar mit einem Presslufthammer oder einer Flugzeugturbine) verursachen können, scheint die Geschichte ein ganzes Stück realistischer. Zwar können 40.000 Plastiktröten in einem Fußballstadion keine Mauern zerstören, dafür aber einiges andere. Zum einen die Stimmung in den Stadien, die sonst üblichen Gesänge werden durch ein einziges, durchgehendes Dauertröten ersetzt. Zum anderen wird es den Spielern auf dem Feld unmöglich, miteinander zu kommunizieren. Dies ist sicherlich auch ein Grund für die sportlich eher schwachen Darbietungen der Mannschaften in den bisherigen Spielen. Außerdem bewegt sich die Dauerbeschallung für die Zuschauer in einem Bereich, in dem das Gehör dauerhaft geschädigt werden kann. Dass das permanente Tröten von Millionen von Zuschauern in aller Welt als extrem störend empfunden wird, fällt neben den Folgen für die unmittelbar Anwesenden nur noch wenig ins Gewicht.

Pressestimmen zur Vuvuzela:

Die südafrikanische Zeitung Sowetan beruft sich auf Studien, wonach die Vuvuzela etwa 127 Dezibel (dB) an Lärm ausstößt und somit lauter ist, als jener von Rasenmähern mit 90 dB oder Kettensägen mit 100 dB. Jedoch hat die FIFA und ihr Präsident, Sepp Blatter, sich ausdrücklich auf die Seite der Vuvuzela-Liebhaber positioniert.

DiePresse.com berichtet aktuell über die Pläne des Schweizer Fernsehens zur Einsetzung von Vuvuzela-Filtern. Das SF analysiere zum gegenwärtigen Zeitpunkt die Frequenz des „Vuvuzela-Krachs“ und prüfe den Einsatz von Filtern zur Geräuscheregulierung.

Der Tagesspiegel macht seinen Unmut deutlicher und spricht von „Lärmbelästigung“, mit welcher sich die britische BBC beschäftigt. Zur Diskussion steht die Etablierung von zwei alternativen Kanälen, die der Zuschauer zur Verfügung gestellt bekommen soll– entweder Fußball-Übertragung im Originalton oder man entscheidet sich für den Kanal mit reduzierter Geräuschkulisse.

Focus bekräftigt hingegen die Gefahr der Vuvuzela als „Virenschleuder“, da bei der Benutzung massenweise kleine Tröpfchen in die Umwelt abgegeben werden, die stundenlang in der Luft bleiben könnten. Auch auf die Hörschäden geht man ein und untermauert die Dringlichkeit einer solchen Regulierung. Hingegen greift Die Zeit kulturelle und ethnologische Aspekte auf und betont sichtlich positiv die Vuvuzela als „ein Fest für die Neue Musik“. Dem kann sich Stern.de nicht anschließen – ganz im Gegenteil. Vielmehr wird die Vuvuzela als „Terror-Tröte der Fußball-WM“ diffamiert.

Die südafrikanische Zeitung Mail & Guardian erkennt im Vuvuzela einen Popularitätsfaktor jenseits der Grenzen des Landes, während die Pretoria News ihre Tröte als kulturelles Phänomen Südafrikas und südafrikanischen Fußballs nicht vermissen möchten.

UMFRAGE:

Es gibt diejenigen, die die Vuvuzela zur WM à la Afrika brauchen und sich damit identifizieren, und jene, die sich Hörschäden und Ansteckungen hilflos ausgeliefert sehen. Bei Facebook fanden sich in knapp 2,5 Wochen bereits 250.000 Vuvuzela-Gegner zusammen, deren Ziel es ist mittels FIFA-Petition eine Verbannung zu erwirken. Jedoch lehnte am 14. Juni 2010 der Weltfußballverband diese Forderung grundsätzlich ab.

Die User des Südafrika-Portals haben bei unserer Vuvuzela-Umfrage wie folgt entschieden:

https://2010sdafrika.wordpress.com/2010/07/01/ergebnis-zur-monatsumfrage-juni-2010-no-2/