Schlagwort-Archive: Trinkwasser

„Day Zero“ konnte abgewendet werden

Kapstadt droht Trockenheit erst 2019. Stadtverwaltung trifft Vorsorge. Verbrauch bleibt reguliert

(2010sdafrika-Redaktion)

Kaum ein Thema beschäftigt die Bevölkerung von Kapstadt so sehr wie die drohende Dürre. Denn nach Berechnungen der Stadt sollte am 29. April 2018 das Trinkwasser für 4 Millionen Menschen abgestellt werden. Dann wurde der sogenannte „Day Zero“ auf den 12. April korrigiert, bedingt durch die heißen Temperaturen und den fehlenden Niederschlag. Erst durch erhebliche Regulierungen beim urbanen Wasserverbrauch konnte die drohende Katastrophe auf das kommende Jahr abgewendet werden. Die ausgearbeiteten Notfallpläne, die einen Einsatz von Polizei und Militär in der „Mother City“   vorsehen, liegen wieder in den Aktenschränken.

© Kapstadt kann vorerst aufatmen. Der „Day Zero“ konnte abgewendet werden. Die Stadtverwaltung versucht mit Unterstützung der Nationalregierung in Pretoria mit entsprechenden Investitionen die urbane Trinkwasserversorgung für 4 Millionen Menschen sicherzustellen. (Quelle: flickr/ Martyn Smith)

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“Jeder wird genug Wasser haben”

Südafrikas Ministerin für Wasserangelegenheiten ermahnt Bürger zu mehr Verantwortung

(2010sdafrika-Redaktion)

Am Kap gehen Wasserexperten davon aus, dass bis zum Jahr 2030 das bereits jetzt begrenzte Angebot an Trinkwasser um weitere 15 Prozent abnehmen wird. Stärkere Trockenheit, Bevölkerungszuwachs und Ausschöpfung der Wasserquellen sind immer wieder als Ursache zu lesen. Am vergangenen Mittwoch stellte die südafrikanische Ministerin für Wasserangelegenheiten Edna Molewa den 2. Bericht zur Nationalen Wasserressourcen-Strategie (NWRS2) vor. Sie versichert, dass „jeder genug Wasser haben wird“, sofern bestimmte Veränderungen eintreten.

© Edna Molewa, Südafrikas Ministerin für Wasserangelegenheiten, ermahnt die Bürger des Landes zu mehr Verantwortungsbewusstsein bei der Wassernutzung. Ihr Ministerium zielt auf eine stärkere Wassereffizienz ab. (Quelle: flickr/ GovernmentZA)

© Edna Molewa, Südafrikas Ministerin für Wasserangelegenheiten, ermahnt die Bürger des Landes zu mehr Verantwortungsbewusstsein bei der Wassernutzung. Ihr Ministerium zielt auf eine stärkere Wassereffizienz ab. (Quelle: flickr/ GovernmentZA)

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Luxusware Wasser

Der fade Beigeschmack in südafrikanischen Nestlé-Wasserflaschen

(Autoren: Ghassan Abid, 2010sdafrika-Redaktion)

Wasser ist das kostbarste natürliche Gut des Menschen, der Grundbaustein des Lebens und gleichzeitig eine Luxusware. Die flüssige chemische Verbindung aus den Elementen Sauerstoff und Wasserstoff wird längst in Plastikflaschen abgefüllt und für die meisten Menschen in Südafrika für einen entsprechenden Preis zum Kauf angeboten. Viele können es sich nicht leisten. Etwa Bewohner der Townships. Und dies, obwohl Wasser längst von den Vereinten Nationen mit dem Sonderstatus „Menschenrecht“ versehen wurde. Einklagbar ist dieses Recht allerdings nicht. Ein Konzern steht besonders im öffentlichen Blickfeld.

© Der Schweizer Nahrungsmittelkonzern Nestlé unterhält in Südafrika 11 Standorte, darunter eine Wasserabfüllanlage in Doornkloof in der Provinz Gauteng. Die angebotenen Wasserflaschen können von der armen Bevölkerungsmehrheit nicht bezahlt werden, obwohl Wasser den Sonderstatus eines Menschenrechts zugesprochen bekommen hat. (Quelle: flickr/ Roving I)

© Der Schweizer Nahrungsmittelkonzern Nestlé unterhält in Südafrika 11 Standorte, darunter eine Wasserabfüllanlage in Doornkloof in der Provinz Gauteng. Die angebotenen Wasserflaschen können von der armen Bevölkerungsmehrheit nicht bezahlt werden, obwohl Wasser den Sonderstatus eines Menschenrechts zugesprochen bekommen hat. (Quelle: flickr/ Roving I)

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Als Pistorius-Prozessbeobachter hautnah dabei

Benjamin Dürr, Korrespondent für SPIEGEL ONLINE in Südafrika, im Interview

(Autor: Ghassan Abid)

© Benjamin Dürr ist der gegenwärtige Korrespondent für SPIEGEL ONLINE in Südafrika. Er beobachtet das Strafverfahren gegen den Sportler Oscar Pistorius vor Ort. (Quelle: Privatfoto)

© Benjamin Dürr ist der gegenwärtige Korrespondent für SPIEGEL ONLINE in Südafrika. Er beobachtet das Strafverfahren gegen den Sportler Oscar Pistorius vor Ort. (Quelle: Privatfoto)

2010sdafrika-Redaktion: Wir begrüßen auf „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ den Journalisten Benjamin Dürr. Erstmal vielen Dank für dieses kurzfristige Interview. Seit rund vier Wochen halten Sie sich in Südafrika auf. Welche ersten Eindrücke konnten Sie von Land und Leuten sammeln?

Antwort: Meine ersten Eindrücke sind sehr positiv. Ich hatte bisher vor allem mit sehr hilfsbereiten und aufgeschlossenen Menschen zu tun. Das macht es einfacher, sich einzuleben – und erleichtert einem die Arbeit, wenn Leute offen sind und gern erzählen.

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Deutsch-südafrikanische Forschungskooperation

Im Interview mit Thomas Rachel, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesforschungsministerium

(Autor: Ghassan Abid)

© Thomas Rachel, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)

2010sdafrika-Redaktion: Wir begrüßen auf „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ den Parlamentarischen Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), Herrn Thomas Rachel.

Herr Rachel, seit einigen Jahren widmet sich Ihr Haus dem Klimawandel. Welche konkreten Anstrengungen unternimmt das BMBF, um dieser globalen Herausforderung entgegenzutreten?

Antwort: Selbstverständlich sind Klima- und Nachhaltigkeitsforschung ein ganz wichtiger Schwerpunkt der deutschen Forschungspolitik. Und in diesem Jahr rücken wir das besonders ins Blickfeld. Das Wissenschaftsjahr „Zukunftsprojekt Erde“, das Bundesministerin Annette Schavan vor wenigen Tagen eröffnete, zeigt die Wirksamkeit wissenschaftlicher Arbeit für die Nachhaltigkeit mit zahlreichen öffentlichen Veranstaltungen und Initiativen in ganz Deutschland. Das betrifft sowohl geowissenschaftliche Grundlagenforschung als auch angewandte Forschung. Beides, also die Suche nach einem Verständnis des „Systems Erde“, als auch die Entwicklung von Lösungen zur Anpassung an unvermeidbare Folgen der Erwärmung, fördern wir mit zahlreichen Initiativen und Projekten. Deutschland ist, um nur ein Beispiel zu nennen, in der Meeres- und Polarforschung sehr aktiv, die zentrale Erkenntnisse über das Klimasystem liefert. 2015 wird das neue Forschungsschiff Sonne in Dienst gehen.

Klimaschutz ist eine grenzüberschreitende, globale Aufgabe. Wir wissen, dass andere Länder stärker von den Folgen des Klimawandels betroffen sein werden als Deutschland. Das betrifft vor allem Afrika. Daher startet das Bundesforschungsministerium jetzt die Initiative „WASCAL – West African Science Service Center on Climate Change and Adapted Land Use“ gemeinsam mit zehn westafrikanischen Staaten und SASCAL mit Südafrika und anderen Staaten des südlichen Afrika. Ziel ist bei beiden Initiativen die Erforschung der Folgen des Klimawandels für das Wassermanagement und die Landnutzung und die Entwicklung wirksamer Schutzmaßnahmen gegen klimabedingte Risiken.

2010sdafrika-Redaktion: Mit der Initiative „Green Talents“, einem internationalen Wettbewerb, würdigen Sie junge Wissenschaftler, die sich der nachhaltigen Bekämpfung des Klimawandels verdient machen. Diese Green Talents besuchen deutsche Universitäten, Forschungseinichtungen und Unternehmen. Inwieweit entfalten sich hierbei mittelfristige Synergieeffekte zwischen ausländischen Nachwuchswissenschaftlern einerseits und deutschen Forschungsinstitutionen andererseits?

Antwort: Ich freue mich sehr, dass wir durch das „Green Talents“-Programm bereits Synergieeffekte zwischen den Preisträgern und deutschen Einrichtungen erzielen konnten. Das liegt vor allem daran, dass die Initiative an sich nachhaltig angelegt ist. Der erste Teil des Preises, das „Green Talents“-Forum, ist eine Reise durch Deutschland, um die deutsche Forschungslandschaft kennenzulernen und erste Kontakte mit hiesigen Experten zu knüpfen. Im darauffolgenden Jahr werden die „Green Talents“ vom BMBF zu einem dreimonatigen Forschungsaufenthalt an einer deutschen Forschungseinrichtung ihrer Wahl eingeladen. Es kommt oft vor, dass die aufnehmenden Institutionen eine Verlängerung des Aufenthaltes finanzieren. Zwei Preisträgern aus dem Jahr 2010 wurden nach ihrem Aufenthalt Festanstellungen in deutschen Unternehmen angeboten. Zwei weitere absolvieren derzeit ihren Post-Doc an deutschen Universitäten. Von einigen anderen wissen wir, dass sie sich um hochdotierte deutsche Forschungsstipendien oder das Bundeskanzlerstipendium bewerben. Zudem werden die geknüpften Kontakte zu deutschen Experten für bilaterale Projekte mit den jeweiligen Heimatinstituten genutzt.

Der „Green Talents“ Wettbewerb trägt also dazu bei, junge Wissenschaftler früh für Deutschland zu interessieren und durch längerfristige Aufenthalte und Forschungskooperationen dauerhaft für Deutschland zu gewinnen.

2010sdafrika-Redaktion: Der „Green Talents“-Wettbewerb wurde 2011 nun zum dritten Mal ausgeschrieben. Drei Südafrikaner – Dr. Dyllon Garth Randall (University of Cape Town), Dr. Owen Horwood PhD (Sachverständiger für ökologische Nachhaltigkeit, Wasserpolitik und –Governance) und Alanna Rebelo (Stellenbosch University) – wurden ausgezeichnet. Können Sie uns darlegen, warum diese Personen für welchen Untersuchungsgegenstand prämiert wurden?

Antwort: Ich freue mich über die rege Beteiligung junger südafrikanischer Wissenschaftler. Südafrika gehört zu den Schwerpunktländern des Wettbewerbs.

Die Qualität südafrikanischer Forschungsarbeiten schlägt sich in der Zahl der bisherigen Preisträger nieder: Seit 2009 gab es sechs südafrikanische Preisträger, zwei weitere Gewinner haben zwar nicht die südafrikanische Staatsbürgerschaft, arbeiten jedoch seit vielen Jahren dort.

Die Auszeichnung als „Green Talent“ wird nicht für einzelne Forschungsprojekte, sondern an junge Wissenschaftler mit herausragendem Potential im Bereich der Nachhaltigkeitsforschung, vergeben. Es geht um junge Menschen, denen wir zutrauen, die Welt positiv zu verändern.

Dr. Dyllon Randall hat für sein junges Alter (27) bereits eine beachtliche Karriere hinter sich. Er ist promovierter Chemieingenieur und arbeitet hauptsächlich an der Wiederaufbereitung von Minenabwässern. Südafrika ist ein weltweit führendes Bergbauland und dieser Industriezweig dort besonders wichtig. Dabei spielen Umweltaspekte eine wichtige Rolle. Dr. Randall beschäftigt sich damit, die bei der Förderung von Kohlen und Metallen anfallenden Abwässer umweltschonend von Schadstoffen zu reinigen. Zu diesem Zweck hat er ein absolut neuartiges Verfahren entwickelt: Eutectic Freeze Crystallization. Mit Hilfe dieser Technologie ist es möglich, 96% des verunreinigten Wassers in brauchbare Salzprodukte und Trinkwasser umzuwandeln. Die Jury ehrte ihn für seine Innovation und seine weitergehende ganzheitliche Betrachtung der Bergbauwirtschaft auch vor dem Hintergrund, dass die Versorgung mit sauberem Wasser weltweit eine zunehmend wichtige Rolle spielt. Es ist für uns alle lebensnotwendig, die Verschwendung von Wasser zu minimieren und den Wasserkreislauf zu schließen. Dr. Randall trägt signifikant dazu bei und unterstreicht damit die erfreuliche Entwicklung der südafrikanischen Wasserwirtschaft. Dr. Randall hat den Aufenthalt in Deutschland genutzt, um sich über deutsche Spitzenforschung und –technologien im Bereich des Wassermanagements zu informieren und Forschungskooperationen in diesem Bereich anzubahnen.

Hier knüpft auch die Arbeit von Dr. Owen Horwood an. Nach drei Master-Abschlüssen und der Promotion an der Universität Oxford ist Dr. Horwood nun als Sachverständiger für ökologische Nachhaltigkeit in seinem Heimatland Südafrika tätig, das ihm besonders am Herzen liegt. Mit seinem besonders breit gefächerten fachlichen Hintergrund hat er sich auf das Thema Wasserwirtschaft spezialisiert. Er bezieht dabei politische, wirtschaftliche und soziale Aspekte ein. In einer Studie verglich er die Wasserwirtschaft im Rhein-Ruhr-Gebiet in Deutschland mit dem Olifants-Wassergebiet in Südafrika.

Alanna Rebelo von der Stellenbosch University wurde ebenfalls aufgrund ihrer hohen Interdisziplinarität und ihres sozialen Engagements ausgewählt. Sie befindet sich noch im Masterstudium, doch lassen ihre bisherigen Leistungen auf eine vielversprechende Forscherkarriere schließen. Frau Rebelo nutzt ihre Expertise in den Bereichen der Hydrologie, Ökologie, Wirtschaft und Soziologie, um die Auswirkungen von Änderungen in der Landnutzung zu untersuchen. Ihre Forschung trägt dazu bei, Wassersicherheit zu gewährleisten sowie nachhaltige Landwirtschaft durch angemessenes Landmanagement und die Beseitigung invasiver fremder Pflanzenarten zu fördern.

Der interdisziplinäre Ansatz, den alle drei „Green Talents“ zeigen, ist ein Schlüssel zu globaler Nachhaltigkeit. Wir müssen voneinander und miteinander lernen. Das „Green Talents“ Forum bringt Menschen verschiedenster Fachrichtungen aus aller Welt zusammen, um gemeinsam an den Problemstellungen zu arbeiten, die uns alle betreffen: Klimawandel, Wasserknappheit, Biodiversitätsverlust und Rohstoffmangel.

© Parlamentarischer Staatssekretär Thomas Rachel mit den südafrikanischen Preisträgern von 2011 (Quelle: Internationales Büro des BMBF)

2010sdafrika-Redaktion: Südafrika gilt ja als „Tor zu Afrika“ und gleichzeitig als wichtigster Wissenschaftspartner Deutschlands auf dem afrikanischen Kontinent. Auf der Grundlage einer gemeinsamen Erklärung des BMBF und seines südafrikanisches Counterparts Department of Science and Technology (DST) von 2008, konzentriert sich die bilaterale Kooperation auf die Nachhaltigkeitsforschung. Welche Ziele werden hierbei verfolgt und wo sehen Sie weiteren Handlungsbedarf?

Antwort: Bei der Nachhaltigkeitsforschung geht es darum, Fragen zu nachhaltiger Entwicklung wissenschaftlich aufzubereiten und Nachhaltigkeitsstrategien auf lokaler, regionaler, nationaler und globaler Ebene und in Praxisfeldern zu bearbeiten. Afrika ist vom Klimawandel in hohem Maße betroffen. Hier gilt es, zusammen mit Südafrika, besonders effektive Strategien und Maßnahmen zu entwickeln, um den durch den Klimawandel entstehenden Herausforderungen zu begegnen und zukunftsfähige Lösungen zu entwickeln. Nachhaltigkeitsforschung wird aber nicht die alleinige Ausrichtung der vielfältigen Kooperationen mit Südafrika sein. Allerdings werden alle Projekte und Maßnahmen aus den oben genannten Gründen dem Gesichtpunkt der Nachhaltigkeit in besonderer Weise Rechnung tragen.

2010sdafrika-Redaktion: Erwägt das BMBF einen Ausbau der Kooperationen mit Südafrika?

Antwort: Die Kooperation mit Südafrika soll weiter ausgebaut werden. Am 16. April 2012 eröffnet Bundesministerin Schavan gemeinsam mit ihrer südafrikanischen Amtskollegin Ministerin Naledi Pandor in Kapstadt das „Deutsch-Südafrikanische Jahr der Wissenschaft 2012/13“. Dieses Jahr wird ein Anreiz sein, um durch eine Vielzahl von Projekten, Vorhaben und Veranstaltungen die bereits jetzt sehr gute und fruchtbare Kooperation zwischen Deutschland und Südafrika weiter zu vertiefen.

2010sdafrika-Redaktion: Der Einfluss Chinas in Südafrika, unter anderem im Forschungsbereich, manifestiert sich zunehmend. Befürchten Sie eine akademische Kooperations-Umverlagerung zu Lasten Deutschlands?

Antwort: Die Bemühungen Chinas sind bekannt. Für Südafrika ist es wie für uns selbst von Interesse, weltweit in der Forschung zu kooperieren. Wenn Deutschland in der Internationalisierungsstrategie der Bundesregierung die Kooperation mit den weltweit Besten anstrebt, verstehen wir jeden sehr gut, der dies ebenfalls anstrebt. Die deutsche Forschung ist aber auch im internationalen Vergleich sehr gut aufgestellt und fürchtet die Konkurrenz nicht. Im Gegenteil. Ich betrachte dies als Anreiz und als Herausforderung, globale Probleme gemeinsam zu lösen.

Chinas Präsident Hu Jintao begrüßte am 14.04.2011 den Beitritt Südafrikas in den Klub der Schwellenländer, den BRICS-Staaten, und betont u.a. die Zukunft der Süd-Süd-Forschungskooperation zwischen Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika. 

2010sdafrika-Redaktion: Waren Sie persönlich schon in Südafrika und welche Aspekte verbinden Sie rein intuitiv mit diesem Land?

Antwort: Ja, ich war vor längerer Zeit einmal in Südafrika. Es ist für mich ein wunderschönes, ein spannendes Land mit atemberaubender Landschaft. Ich verbinde mit Südafrika insbesondere auch gesellschaftlichen Aufbruch, aber auch enorme Herausforderungen.

2010sdafrika-Redaktion: Thomas Rachel, Parlamentarischer Staatssekretär im BMBF, vielen Dank für dieses informative Interview!

Nadine Gordimer – Stimme aus Südafrika

Ein Gastbeitrag von Dr. Ben Khumalo-Seegelken, Dozent an der Universität Oldenburg

(Autor: Dr. Ben Khumalo-Seegelken)

Von den Sorgen des Alltags sei die Fußball-Weltmeisterschaft für die meisten Menschen in Südafrika eine willkommene Ablenkung gewesen, meint Nadine Gordimer, Menschenrechtlerin und bekannteste Schriftstellerin Südafrikas. „Nun müssen wir aber darauf achten“, mahnt sie jedoch, „dass die Freude über die gelungene Weltmeisterschaft nicht die Aufmerksamkeit von dem ablenkt, was wirklich wichtig ist: das Wohlergehen meiner Landsleute!“

Gordimer blickt mit Genugtuung zurück: Etwas aufmerksamer habe die Welt in diesen Wochen und Monaten hingeschaut und mitbekommen, wie es den Menschen im Gastgeberkontinent geht und mit welchen Fragen sich die meisten Schwarzen in der jungen Demokratie Südafrika täglich herumschlagen müssen.

Hunderttausende leben ohne Trinkwasser in Obdachlosensiedlungen am Rande der Metropolen, und Millionen sind ohne Einkommen. Seitdem die Apartheid vor fast 20 Jahren abgewählt wurde, hat sich in Südafrika neben der weißen Mittel- und Oberschicht auch eine kleine schwarze Mittel- und Oberschicht gebildet. Doch damit sind die Grundbedürfnisse der übergroßen Mehrheit nicht befriedigt; Arbeitsniederlegungen und Proteste gehören darum zum südafrikanischen Alltag.

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Info-Box:

Nadine Gordimer ist am 20. November 1923 in Springs in der südafrikanischen Provinz Gauteng geboren. Sie zählt zu den bekanntesten Schriftstellern Südafrikas und erhielt 1991 den Nobelpreis für Literatur. Ihre literarischen Werke beziehen sich auf die Apartheid und deren Folgen für die Gesellschaft Südafrikas. Schon zu Zeiten der Rassentrennungspolitik kritisierte sie öffentlich das weiße Minderheitsregime, sodass ihre Romane, Erzählungen und Essays mit Publikationsverboten belegt wurden. Ihr Engagement für die Rechte der schwarzen Mehrheitsgesellschaft brachte ihr viel Respekt aus den Reihen des damaligen Widerstandes und der heutigen Regierungspartei African National Congress (ANC) ein. Allerdings ist überliefert, dass sie aufgrund ihrer weißen Hautfarbe zu Apartheidszeiten auch beim ANC auf nicht viel Gegenliebe gestoßen ist. Nadine Gordimer ist eine beeindruckende Frau, die an zwei Fronten überzeugen musste und mit viel Mut, Ehrgeiz und Gerechtigkeitssinn ihren Kampf für ein gerechteres Südafrika bisweilen fortführt.

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© Nadine Gordimer (Quelle: Wikimedia)

Im Freudentaumel seien sich die Menschen, die seit dem Ende der Apartheid sonst immer noch getrennt leben und bisweilen gegeneinander um ihr Recht ringen müssen, näher gekommen und wurden als gemeinsame Ausrichter eines Großereignisses bewundert. Ob das Gefühl „wir gehören zusammen“ auch anhält, wenn Landsleute gleich nach dem Abpfiff wieder um denselben Job konkurrieren, wagt die 87jährige Johannesburgerin sehr zu bezweifeln. Gezeigt habe die WM jedoch, gibt Gordimer zu bedenken, „dass unsere Probleme und Spannungen unter den richtigen Umständen sehr wohl überwunden werden können.“ Die Stimmung in jenen Tagen könne als gutes Beispiel dafür dienen, „dass sich all die verschiedenen Volksgruppen in Südafrika für eine gemeinsame Sache begeistern können.“ Die Vision einer `Regenbogennation´ sei erlebbar gewesen.

Nadine Gordimer vergleicht den Tag, an dem Südafrika 1994 eine Demokratie wurde mit jener Nacht, „als die Mauer in Berlin fiel“. Sie mahnt aber, dass nicht vergessen werden darf, welchem Ausmaß von Erniedrigung und Ausbeutung die schwarze Bevölkerungsmehrheit bis dahin ausgesetzt war. Unvergesslich bleibt auch der Durchbruch, den der Freiheitskampf unter Nelson Mandela dem Land ermöglichte. Dass inzwischen aber nicht wenige die Macht missbrauchen, öffentliche Mittel veruntreuen und unverhohlen andere bedrohen, sieht die langjährige Weggefährtin Nelson Mandelas mit zunehmender Sorge.

Versäumnisse und Herausforderungen der letzten anderthalb Jahrzehnte beschäftigen sie. Ihr sei leider erst spät bewusst geworden, was angesichts der millionenfachen Ansteckung und Erkrankung an HIV und AIDS viel früher hätte unternommen werden sollen. Die Millionen Menschen aus den Nachbarländern, die auf der Suche nach Schutz und Zukunft ins Land Mandelas fliehen, bezeichnen eine weitere Herausforderung, dass Südafrika und seine Nachbarn zusammenarbeiten und den Ursachen der Flucht vorbeugen müssen. Die immer wiederkehrende fremdenfeindlichen Ausschreitungen, findet Gordimer beunruhigend; sie meint aber, dass sie „keine Ablehnung des Fremden“ seien, sondern Folge davon sind, dass dort „Menschen aus halb Afrika“ gegeneinander als „Rivalen um das eine Stück Brot“ auftreten.

Südafrika nach der Fußball-Weltmeisterschaft: Anlass zu Freude und Hoffnung, aber auch zu mancher Sorge.

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Dr. Ben Khumalo-Seegelken, Systematische Theologie
Institut für Evangelische Theologie und Religionspädagogik
Carl-von-Ossietzky Universität Oldenburg
Ammerländer Heerstraße 114-118
D- 26129 Oldenburg
http://www.zsn.uni-oldenburg.de/39687.html