Schlagwort-Archive: Tsotsi

Geheimer Queer-Filmtipp aus Südafrika

Xhosa-Kinodrama „The Wound“ geht auf dem Sundance Film Festival und auf der Berlinale in den Wettbewerb

(Autor: Ghassan Abid)

Es ist schon lange her, dass ein südafrikanischer Film die internationale Kinogemeinschaft begeistern konnte. Zuletzt gewann 2005 das Musikdrama „U-Carmen in eKhayelitsha“ den Goldenen Bären der 55. Berlinale. Ein Jahr später glänzte zudem „Tsotsi“ bei der Oscarverleihung in der Kategorie „Bester fremdsprachiger Film“. Nach einem Jahrzehnt der Ruhe wird „The Wound“ (Originaltitel: Inxeba) als neuer Geheimtipp gehandelt. Auf dem aktuell stattfindenden Sundance Film Festival in den USA und auf der in Kürze beginnenden Berlinale geht die jüngste Kap-Produktion in den Wettbewerb.

The Wound

© Der 88-minütige Spielfilm „The Wound“ unter der Regie des aus Johannesburg stammenden John Trengove geht in den internationalen Wettbewerb auf dem Sundance Film Festival in den USA und auf der Berlinale. Die Produktion aus Südafrika wird als Geheimtipp gehandelt. (Quelle: Screenshot/ The Wound)

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Kanada-Filmfestival TIFF

Südafrikanischer Action-Thriller „iNUMBER NUMBER“ in Toronto als Favorit gehandelt

(2010sdafrika-Redaktion)

Am 5. September 2013 beginnt das renommierte „Toronto International Film Festival (TIFF)„, welches in der internationalen Filmbranche zu den wichtigsten Branchenveranstaltungen gezählt wird. Regisseure, Produzenten und Schauspieler aus aller Welt schauen mit großem Interesse nach Toronto, um die weltweite künstlerische Arbeit zu begutachten. TIFF-Auszeichnungen werden von nordamerikanischen Journalisten gerne mit denen des Festivals von Cannes gleichgestellt. Die südafrikanische Produktion „iNUMBER NUMBER“ wird bereits als Favorit gehandelt.

© Auf dem Toronto International Film Festival (TIFF) wird der südafrikanische Action-Thriller „iNUMBER NUMBER“ unter der Regie des Johannesburgers Donovan Marsh erstmals dem Publikum vorgeführt. Dieser Spielfilm zählt zu den Favoriten auf dem wichtigsten Filmfestival Kanadas.

© Auf dem Toronto International Film Festival (TIFF) wird der südafrikanische Action-Thriller „iNUMBER NUMBER“ unter der Regie des Johannesburgers Donovan Marsh erstmals dem Publikum vorgeführt. Dieser Spielfilm zählt zu den Favoriten auf dem wichtigsten Filmfestival Kanadas.

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Oscar-Nominierung für südafrikanischen Kurzfilm

In der Kategorie „Bester Kurzfilm“ ist die Westkap-Produktion „ASAD“ nominiert worden

(2010sdafrika-Redaktion)

Genau 17 Minuten und 20 Sekunden lang thematisiert der Kurzfilm „ASAD“ die Geschehnisse des verarmten und vom Bürgerkrieg gebeutelten Somalia. Im Mittelpunkt des Films steht ein somalischer Junge, der vor einer wichtigen Entscheidung steht: Entweder Fischer oder Pirat werden. Nun  hat die Oscar-Jury sich dafür entschieden, diesen in der Kategorie „Bester Kurzfilm“ zu nominieren.

© Der südafrikanische Kurzfilm "ASAD", der am Westkap gedreht wurde, ist für den Oscar 2013 in der Kategorie "Bester Kurzfilm" nominiert worden. Im Mittelpunkt des Films steht ein somalischer Junge, der vor einer wichtigen Entscheidung steht: Entweder Fischer oder Pirat werden. (Quelle: flickr/ naeemcallaway)

© Der südafrikanische Kurzfilm „ASAD“, der am Westkap gedreht wurde, ist für den Oscar 2013 in der Kategorie „Bester Kurzfilm“ nominiert worden. Im Mittelpunkt des Films steht ein somalischer Junge, der vor einer wichtigen Entscheidung steht: Entweder Fischer oder Pirat werden. (Quelle: flickr/ naeemcallaway)

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Filmkritik „Zambezia“

Animationsfilm aus Südafrika erhält Einzug in deutschen Kinos: Das Vogelparadies ist in Gefahr!

(Autoren: Doreen S., Ghassan Abid, 2010sdafrika-Redaktion)

Südafrikas Filmindustrie konnte mit Produktionen wie „Tsotsi“, „Themba“ oder „Schande“ schon längst eine internationale Reputation erarbeiten. Allerdings standen bisweilen Filme des Genres Sozialdrama im Vordergrund. Nun betritt das Land mit der in Kapstadt ansässigen Filmproduktionsgesellschaft Triggerfish und mit staatlicher Kap-Filmförderung künstlerisches Neuland. Unter der Regie des bisher als Action-Schauspieler bekannten Wayne Thornley entstand in diesem Jahr der Animationsfilm „Zambezia“.

    © "Zambezia: In Jedem steckt ein kleiner Held": Der südafrikanische Animationsfilm wurde unter der Regie des Jungregisseurs Wayne Thornley und der Kapstädter Filmproduktionsgesellschaft Triggerfish produziert. Das Handelsministerium DTI, die "National Film and Video Foundation of South Africa" und "Industrial Development Corporation of South Africa" finanzierten einen Großteil der Filmproduktionskosten.

© „Zambezia: In Jedem steckt ein kleiner Held“: Der südafrikanische Animationsfilm wurde unter der Regie des Jungregisseurs Wayne Thornley und der Kapstädter Filmproduktionsgesellschaft Triggerfish produziert. Das Handelsministerium DTI, die „National Film and Video Foundation of South Africa“ und „Industrial Development Corporation of South Africa“ finanzierten einen Großteil der Filmproduktionskosten.

Der Film Zambezia handelt vom kleinen Falken Kai. ein impulsiver, übermütiger und auf Abenteuer fixierter Vogel, der gegen den Willen seines Vaters Tendai ins Vogelparadies Zambezia aufbricht – einer Vogelstadt am Wasserfall Zambezi River Valley. Allerdings bringt Kai mit seiner spontanen Aktion den eigenen Vater in große Gefahr. Gefangen vom bösen Leguan Budzo und seinen Komplizen, beginnt der Kampf um die Freiheit eines einzelnen und die aller Vögel.

© Hauptprotagonist Falk bricht zur Vogelstadt Zambezia auf und gefährdet auf diesem Weg seinen Vater Tendai sowie die gesamte Vogelgemeinschaft.

© Hauptprotagonist Falk bricht zur Vogelstadt Zambezia auf und gefährdet auf diesem Weg seinen Vater Tendai sowie die gesamte Vogelgemeinschaft.

Außerordentlich schöne Grafiken, verbunden mit lebendigen Charakteren, machen Zambezia zu einer interessanten Animation. Insbesondere unter der Heranziehung von Stimmungen des Zusammengehörigkeitsgefühls, in der südafrikanischen Lebensphilosophie besser bekannt als Ubuntu, vermittelt Zambezia eine wichtige Botschaft an das Publikum. Allerdings mangelt es dem Film am Aufbau einer spannenden Story. Gleich zu Beginn des Films fallen dem Betrachter die zu langen Dialoge auf. Da dieser Familienfilm vor allem an Kinder gerichtet ist, dürfte dieser Umstand ein Manko darstellen. Ebenso wird dem Zuschauer, sofern er es nicht weiß, überhaupt nicht bewusst, dass Zambezia aus südafrikanischen Filmstudios entstammt. Vereinzelt sind landestypische Melodien und Musikstücke zu hören, doch tritt das Südafrika-Feeling nicht hervor.

© Stärken des Filmes sind die Bilder und Animation, die Schwächen hingegen liegen bei Story und Musik. Seit dem 30. August 2012 läuft dieser südafrikanische Animationsfilm (FSK 0) in allen größeren Kinos in Deutschland.

© Stärken des Filmes sind die Bilder und Animation, die Schwächen hingegen liegen bei Story und Musik. Seit dem 30. August 2012 läuft dieser südafrikanische Animationsfilm (FSK 0) in allen größeren Kinos in Deutschland.

In der englischen Originalfassung übernehmen Top-Schauspieler aus Hollywood, wie Samuel L. Jackson (Pulp Fiction) und Jeff Goldblum (Jurassic Park), die Vertonung. In der deutschen Synchronisation vergeben die Comedians Kaya Yanar und Paul Panzer dem Animationsfilm einen besonderen Touch, der vor allem die Kinder sehr ansprechen dürfte.

Deutscher Trailer „Zambezia“

Regisseur Wayne Thornley erhielt vor Kurzem beim International Film Festival von Durban den Preis für den besten südafrikanischen Film. Es muss allerdings zugestanden werden, dass Zambezia in Story und Musik nicht allzu sehr überzeugt, doch bei Bildern und Animationen umso bemerkenswerter ist. Zambezia ist im Großen und Ganzen ein Genuss für die ganze Familie, den man sich auf jeden Fall einmal anschauen sollte. Seit dem 30. August 2012 läuft dieser südafrikanische Animationsfilm (FSK 0) in allen größeren Kinos in Deutschland.

Berlinale 2011: Der Südafrika-Veranstaltungsbericht

„SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ bewertet Filmfestival

(Autoren: Annalisa Wellhäuser, Doreen S., Ghassan Abid)

© Logo Berlinale (Quelle: Wikimedia)

Die Berlinale 2011 war auch in diesem Jahr eine interessante deutsche „Have To See-Veranstaltung“  in punkto Kultur aus Südafrika. Mit freundlicher Unterstützung der Berlinale-Sektion Generation, durfte die 2010sdafrika-Redaktion ausgewählte Veranstaltungen besuchen und hierüber einen Bericht ablegen. Mit „History Uncut: Manenberg“ und „History Uncut: Crossroads“ wurde Südafrika während der Apartheid dokumentarisch unter die Lupe genommen, während im Spielfilm „State of Violence“ das Augenmerk auf das Südafrika von heute gerichtet wurde, auf die Probleme und Herausforderungen dieser jungen Demokratie.

Afravision (Brian Tilley, Laurence Dworkin)

History Uncut(von Annalisa Wellhäuser)

Kokuratiert von Darryl Els und Claus Löser

Sonntag, 13.02.2010, Kino Arsenal am Potsdamer Platz in Berlin

Episode 1: Crossroads

Licht aus, Film ab und Augen auf: Wie durch eine Zeitmaschine in die Vergangenheit katapultiert bin ich auf einmal im Mai/ Juni 1986 im ehemaligen Apartheid-Staat Südafrika. Ort des Geschehens: „Crossroads“, eine informelle Siedlung Kapstadts für schwarze Südafrikaner, Hochburg von Widerstandsbewegungen; eigentlich „Notfall camp„ und somit immun gegen die Massenräumung von Townships- ganz zum Missfallen der Regierung…..

Hier bin ich also….mittendrin in einer brutalen Schlacht zwischen- ja man weiß gar nicht wer zu wem gehört, es ist ein Durcheinander…Menschen ,vor allem Jungs im jugendlichen Alter rennen in Massen hin und her… sie jagen sich gegenseitig….Schüsse fallen…Geschrei… wohin ich auch blicke, ich sehe zerstörte, brennende Wellblechhäuser….Es ist die Gruppe mit den weißen Stoffbändern, die greifen uns an… das sind die ,,Witdoeks„, unsere Bürgerwehr……Warum tun sie das? Sie gehören doch zu uns !Woher haben sie die Waffen? Wir müssen uns wehren…selbstgebastelte Waffen aus Holz, Steinen; Schießpulver in Plastikflaschen, die geworfen werden…..auf der Straße: zwei Männer auf dem Boden…voller Blut…sie sind tot…ich sehe Frauen mit Babies, die mit dem Hab und Gut, was sie noch retten konnten, am Straßenrand sitzen, auf Hilfe warten, …..

Cut- Szenenwechsel

Frauen stehen mit ihren Kindern am Parlamentseingang in Kapstadt. Sie sind verzweifelt und suchen Hilfe. ,,Wir wissen von nichts, wir können nichts machen„, wird ihnen auf Afrikaans von einem Politiker entgegnet. Aus Protest simulieren die Frauen ein Weinen und legen ihre schreienden Babies vor dem Parlament nieder.

Laut TRC, der Truth Reconciliation Commission Südafrikas, wurden während der Apartheid Gruppen von ,,schwarzen„ Bürgern wie die ,,Witdoeks„, einer bereits bestehende Bürgerwehr in Crossroads, von der südafrikanischen Polizei mit Waffen unterstützt und somit ,,benutzt„ , um Widerstandsbewegungen in Townships zu bekämpfen. So erreichte die Regierung ihr Ziel , ohne dabei selbst ins schlechte Licht zu rücken. Es wurden 60.000 Menschen obdachlos und 60 Menschen kamen zu Tode.

Episode 2: Manenberg

Es ist September 1989, der Tag der Wahlen des Dreikammer Parlaments in Südafrika. Wahlberechtigte sind ,, weiße „ und begrenzt auch ,,farbige„ (,,coloured„)und ,,indische„ Südafrikaner. Die,, schwarze„ Bevölkerung ist ausgeschlossen. In ,,Manenberg„, einem Township für ,,farbige„ ( „coloured„ ) Südafrikaner, kommt es zum Protest .Und ich sehe, nein ich erlebe hautnah mit, was sich an diesem Tag auf Manenberg`s Straßen abspielt: Ich bin in einem Haus und blicke aus einem Fensterspalt auf die Straße. Was ich dort sehe ist ein Schauspiel zwischen Polizei und den Bewohnern der Siedlung. Die Polizei ,welche aus heiterem Himmel aufgetaucht ist, schießt wahllos mit Gummipatronen in die Menschenmassen. Ja, es scheint gar als täten sie dies, weil es ihnen Spaß macht, andere Leute leiden zu sehen. Die Polizisten bewerfen die Township-Bewohner mit Steinen, verwenden Tränengas und jagen diese mit Peitschen in ihre Häuser. Die Leute, vor allem Jugendliche, reagieren darauf, indem sie mit Steinen zurück werfen und Straßenbarrikaden aus Autoreifen, Müll, Möbelstücken und Steinen errichten und diese dann anzünden. Es ist ein Hin und Her. Immer wieder kommt die Polizei und es kommt zur Auseinandersetzung: Schießerei, Geschrei,…. Ich befürchte die gesamte Zeit über, dass sie mich entdecken, doch ich habe Glück. Sie sehen mich nicht.

© Szene aus „History Uncut: Manenberg“ (Quelle: Berlinale)

Cut- Szenenwechsel

Ein Junge liegt leicht bekleidet in einem Bett, sein Körper ist übersät mit Einschüssen, verursacht durch die Gummipatronen der Polizei. Ein anderer Junge hat den Kopf verbunden und die Nase ist mit Pflastern überdeckt….Eine Frau richtet klar und deutlich einen Appell an die südafrikanische Regierung, sie fordert ein demokratisches, NICHT-rassendiskriminierendes Wahlsystem. Diese Szenen wurden nie im südafrikanischen Fernsehen ausgestrahlt; sie gehören zu dem Archivmaterial der Videokollektive Afravision, welches die größte Videodokumentation der Widerstandsgeschichte darstellt. Gegründet wurde Afravision von Brian Tilley, Laurence Dworkin und Mokoenyana Moletse ,um die zahlreichen Kämpfe der 1980er Jahre in Südafrika zu dokumentieren.

Ein außergewöhnlicher und faszinierender Beitrag zur Berlinale 2010. Ungeschnitten und unverfälscht zeigt dieser Film schlicht und einfach die Realität und Wahrheit, wie sie sich tragischerweise im damaligen Südafrika zugetragen hat. Man erlebt Geschichte hautnah; man fühlt sich, als wenn man selbst dabei gewesen wäre. Es ist unglaublich, denn plötzlich ist es ist keine ,,Geschichte„ mehr, von der man mal im ,,Geschichtsbuch„ gelesen hat und die einem irreal und weit weg vorkommt. Es ist auf einmal auch meine eigene Realität. Ich bin dabei. Nach dem Film geht mir dann nur noch ein Gedanke durch den Kopf: Während ich in meine sichere Wirklichkeit des heutigen Deutschlands zurückkehren kann, ist dieser ,,Film„ für die Menschen in Südafrika damals weitergelaufen. Diese Menschen, denen man gerade begegnet ist, konnten im Gegensatz zu mir, die den Film ausschaltet, nicht fliehen. Für sie war es ein Albtraum, von dem sie nicht wussten, ob er jemals enden würde. Das ist einfach schrecklich.

Datenblatt zur Doku „History Uncut: Manenberg“:

http://www.berlinale.de/external/de/filmarchiv/doku_pdf/20110388.pdf

AfricanHistory.com zu Crossroads-Geschehnissen:

http://africanhistory.about.com/od/apartheid/p/crossroads.htm

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Pyramide International (Khalo Matabane)

State of Violence(von Doreen S. und Ghassan Abid)

Sonntag, 20.02.2010, Kino CineStar am Potsdamer Platz in Berlin

„State of Violence“ ist ein beeindruckender Film aus französisch-südafrikanischer Produktion von 2010. Er thematisiert die gegenwärtige wohl größte Herausforderung Südafrikas nach der Apartheid, nämlich die brutale Gewalt und immense Perspektivlosigkeit im Lande. Bobedi, gespielt von Fana Mokoena, ist ein erfolgreicher CEO eines Bergbauunternehmens, der den Wohlstand mit seiner liebevollen Frau Joy (Darstellerin: Lindi Matshikiza) sichtlich genießt. Beide sind im neuen Südafrika angekommen; im Gegensatz zur überwiegend armen Bevölkerungsmehrheit. Vor allem Bobedi stammte ursprünglich aus einem Armenviertel, dem Johannesburger Stadtteil Alexandra. Tolle Kleider für die Frau, eine große Villa und ein Mercedes Benz machten den Alltag dieses erfolgreichen sowie berühmten „Black Diamond“ aus.

© Szene mit Boy-Boy aus „State of Violence“ (Quelle: Berlinale)

Eines Tages jedoch erlebt Bobedi die knallharten Schattenseiten Südafrikas. Im eigenen Haus attackiert ein maskierter Einbrecher Joy und bringt sie, vor den Augen ihres Ehemannes, nach unzähligen Schlägen anschließend mit einer Schusswaffe um. Der Fremde wollte aber kein Geld, sondern Bobedi großen Leid und tiefsten Schmerz zufügen. Innerhalb von wenigen Minuten ist dessen schönes Leben in ein Scherbenhaufen zerschlagen worden.

Erschüttert durch dieses schreckliche Erlebnis und mit voller Wut sowie Trauer im Herzen, begibt sich Bobedi auf die Suche nach dem Mörder in sein Heimatort Alexandra. Die Erinnerung an die große Blutlache im Badezimmer und die weinenden Schreie seiner Frau verfolgen ihn als posttraumatisches Erlebnis. Er begibt sich auf eine Reise in das eigene Ich; eine Reise in die eigene dunkle Vergangenheit.

Bobedi stammt selber aus dem Township und musste, wohl als Mutprobe im Rahmen einer Gang, einen Mann am lebendigen Leibe verbrennen. Es handelte sich hierbei um den Vater seines eigenen Cousins OJ (Darsteller: Neo Ntlatleng), der sich als Mörder von Joy herausstellte und mit der Tat seinen Vater auf diesem Wege rächen wollte. Nur der Bruder von Bobedi, Boy-Boy (gespielt von Presley Chweneyagae), steht ihm bei der Verfolgung des Täters anfänglich bei, doch nach und nach versucht er ihm ins Gewissen zu reden und dessen Verlangen nach Rache abzuwenden. Bei dem Versuch, dass weder Bruder noch Cousin ebenfalls sterben müssen, erliegt Boy-Boy durch einen versehentlich ausgelösten Schuss an seinen Verletzungen. Erneut stirbt ein Familienangehöriger, bedingt durch den Durst auf Rache, und Bobedi hat erneut ein Menschenleben auf den Gewissen.

In „State of Violence“ packt eine Vendetta der besonderen Art den Zuschauer. Es stellen sich im Verlauf des Films die Fragen, ob es eine Rache auf die Rache geben kann, wo Moral anfängt bzw. diese endet und ob die Selbstjustiz überhaupt einen adäquaten Ersatz zur staatlichen Strafverfolgung darstellen kann. Dieser Film, welcher vom Regisseur Khalo Matabane betreut wurde, ähnelt von der Aufmachung und Story her dem erfolgreichen Film „Tsotsi“ von Gavin Hood. Matabane gilt als Experte für die Regieführung südafrikanischer Dokumentationen (Young Lions (2000), Love in the Time of Sickness (2002), Story of a Beautiful Country (2004) u.a.). Mit „State of Violence“ ist ihm der erste Spielfilm überhaupt in punkto Story, Szenenaufbau, soziokritischem Bewusstsein und technischer Umsetzung durchaus geglückt und absolut sehenswert. Neben dem Film „Tsotsi“ verfügt Südafrika über ein weiteres Highlight auf dem kinematografischen Bereich.

Datenblatt zum Film „State of Violence“:

http://www.berlinale.de/external/de/filmarchiv/doku_pdf/20110011.pdf

2010sdafrika-Artikel zum Südafrika-Filmangebot der Berlinale 2011:

https://2010sdafrika.wordpress.com/2011/02/10/berlinale-2011-kinematografie-sudafrikas-wieder-dabei/

Afravision (Brian Tilley, Laurence Dworkin)

History Uncut

Kokuratiert von Darryl Els und Claus Löser

Sonntag, 13.02.2010, Kino Arsenal am Potsdamerplatz

Episode 1: Crossroads

Licht aus, Film ab und Augen auf: Wie durch eine Zeitmaschine in die Vergangenheit katapultiert bin ich auf einmal im Mai/ Juni 1986 im ehemaligen Apartheid-Staat Südafrika. Ort des Geschehens: ,,Crossroads„ , eine informelle Siedlung Kapstadts für ,,schwarze„ Südafrikaner, Hochburg von Widerstandsbewegungen; eigentlich „Notfall camp„ und somit immun gegen die Massenräumung von Townships- ganz zum Missfallen der Regierung…..

Hier bin ich also….mittendrin in einer brutalen Schlacht zwischen- ja man weiß gar nicht wer zu wem gehört, es ist ein Durcheinander…Menschen ,vor allem Jungs im jugendlichen Alter rennen in Massen hin und her… sie jagen sich gegenseitig….Schüsse fallen…Geschrei… wohin ich auch blicke, ich sehe zerstörte, brennende Wellblechhäuser….Es ist die Gruppe mit den weißen Stoffbändern, die greifen uns an… das sind die ,,Witdoeks„, unsere Bürgerwehr……Warum tun sie das? Sie gehören doch zu uns !Woher haben sie die Waffen? Wir müssen uns wehren…selbstgebastelte Waffen aus Holz, Steinen; Schießpulver in Plastikflaschen, die geworfen werden…..auf der Straße: zwei Männer auf dem Boden…voller Blut…sie sind tot…ich sehe Frauen mit Babies, die mit dem Hab und Gut, was sie noch retten konnten, am Straßenrand sitzen, auf Hilfe warten, …..

Cut- Szenenwechsel:

Frauen stehen mit ihren Kindern am Parlamentseingang in Kapstadt. Sie sind verzweifelt und suchen Hilfe. ,,Wir wissen von nichts, wir können nichts machen„, wird ihnen auf Afrikaans von einem Politiker entgegnet. Aus Protest simulieren die Frauen ein Weinen und legen ihre schreienden Babies vor dem Parlament nieder.

Laut TRC, der Truth Reconciliation Commission Südafrikas, wurden während der Apartheid Gruppen von ,,schwarzen„ Bürgern wie die ,,Witdoeks„, einer bereits bestehende Bürgerwehr in Crossroads, von der südafrikanischen Polizei mit Waffen unterstützt und somit ,,benutzt„ , um Widerstandsbewegungen in Townships zu bekämpfen. So erreichte die Regierung ihr Ziel , ohne dabei selbst ins schlechte Licht zu rücken. Es wurden 60.000 Menschen obdachlos und 60 Menschen kamen zu Tode.

Episode 2:Manenberg

Es ist September 1989, der Tag der Wahlen des Dreikammer Parlaments in Südafrika. Wahlberechtigte sind ,, weiße „ und begrenzt auch ,,farbige„ (,,coloured„)und ,,indische„ Südafrikaner. Die,, schwarze„ Bevölkerung ist ausgeschlossen. In ,,Manenberg„, einem Township für ,,farbige„ ( „coloured„ ) Südafrikaner, kommt es zum Protest .Und ich sehe, nein ich erlebe hautnah mit, was sich an diesem Tag auf Manenberg`s Straßen abspielt: Ich bin in einem Haus und blicke aus einem Fensterspalt auf die Straße. Was ich dort sehe ist ein Schauspiel zwischen Polizei und den Bewohnern der Siedlung. Die Polizei ,welche aus heiterem Himmel aufgetaucht ist, schießt wahllos mit Gummipatronen in die Menschenmassen. Ja, es scheint gar als täten sie dies, weil es ihnen Spaß macht, andere Leute leiden zu sehen. Die Polizisten bewerfen die Township-Bewohner mit Steinen, verwenden Tränengas und jagen diese mit Peitschen in ihre Häuser. Die Leute, vor allem Jugendliche, reagieren darauf, indem sie mit Steinen zurück werfen und Straßenbarrikaden aus Autoreifen, Müll, Möbelstücken und Steinen errichten und diese dann anzünden. Es ist ein Hin und Her. Immer wieder kommt die Polizei und es kommt zur Auseinandersetzung: Schießerei, Geschrei,…. Ich befürchte die gesamte Zeit über, dass sie mich entdecken, doch ich habe Glück. Sie sehen mich nicht.

Cut- Szenenwechsel:

Ein Junge liegt leicht bekleidet in einem Bett, sein Körper ist übersät mit Einschüssen, verursacht durch die Gummipatronen der Polizei. Ein anderer Junge hat den Kopf verbunden und die Nase ist mit Pflastern überbedeckt….Eine Frau richtet klar und deutlich einen Appell an die südafrikanische Regierung, sie fordert ein demokratisches, NICHT-rassendiskriminierendes Wahlsystem .

Diese Szenen wurden nie im südafrikanischen Fernsehen ausgestrahlt; sie gehören zu dem Archivmaterial der Videokollektive Afravision, welches die größte Videodokumentation der Widerstandsgeschichte darstellt. Gegründet wurde Afravision von Brian Tilley, Laurence Dworkin und Mokoenyana Moletse ,um die zahlreichen Kämpfe der 1980er Jahre in Südafrika zu dokumentieren.

Ein außergewöhnlicher und faszinierender Beitrag zur Berlinale 2010. Un-geschnitten und unverfälscht zeigt dieser Film schlicht und einfach die Realität und Wahrheit, wie sie sich tragischer weise im damaligen Südafrika zugetragen hat. Man erlebt Geschichte hautnah; man fühlt sich, als wenn man selbst dabei gewesen wäre. Es ist unglaublich, denn plötzlich ist es ist keine ,,Geschichte„ mehr, von der man mal im ,,Geschichtsbuch„ gelesen hat und die einem irreal und weit weg vorkommt. Es ist auf einmal auch meine eigene Realität. Ich bin dabei. Nach dem Film geht mir dann nur noch ein Gedanke durch den Kopf: Während ich in meine sichere Wirklichkeit des heutigen Deutschlands zurückkehren kann, ist dieser ,,Film„ für die Menschen in Südafrika damals weitergelaufen. Diese Menschen, denen man gerade begegnet ist, konnten im Gegensatz zu mir, die den Film ausschaltet, nicht fliehen. Für sie war es ein Albtraum, von dem sie nicht wussten, ob er jemals enden würde. Das ist einfach schrecklich.

Quellen:http://www.berlinale.de/de/programm/berlinale_programm/datenblatt.php?film_id=20110388

http://africanhistory.about.com/od/apartheid/p/crossroads.htm

Berlinale 2011 – Kinematografie Südafrikas wieder dabei

Internationale Filmwelt blickt erneut auf Berlin

(Autoren: Doreen S., Ghassan Abid)

© Logo der Berlinale (Quelle: Wikimedia)

19.000 Fachbesucher aus 128 Ländern, darunter 4.000 Pressevertreter, werden die Internationalen Filmfestspiele Berlin (Berlinale) 2011 von heute an erwartungsgemäß erneut aufsuchen; wie 2010 bereits geschehen. Das 60. Filmfestival wird vom 10. Februar bis 20. Februar 2011 kinematografische Werke aus aller Welt zeigen, unter anderem aus Südafrika. Während im letzten Jahr im Grunde genommen nur ein Spielfilm („The Tunnel“ von  Jenna Bass/ 20 min/ 2009) und  Dokumentarfilm („Sunny Land“ von Aljoscha Weskott u. Marietta Kesting/ 87 min./ 2010) dem Publikum präsentiert wurden, wird die diesjährige Südafrika-Auswahl etwas größer ausfallen.

„History Uncut: Manenberg“ und „History Uncut: Crossroads“ sind zwei historische Kurzfilme unter der Regie von Brian Tilley und Laurence Dworkin, die die Kämpfe der 1980er Jahre zwischen der schwarzen Mehrheitsgesellschaft und dem Apartheidsregime ausführlich dokumentieren. Während Manenberg eine Widerstandskampagne in Kapstadt aus dem Jahr 1989 begleitet, richtet Crossroads seinen Fokus auf die Bürgerwehren der sog. „witdoeke“; von der Polizei unterstützte und mit Waffen versorgte Township-Einwohner zwecks Entfachung eines innerschwarzen Konflikts mit Anhängern des ANC unter Nelson Mandela. Die Verwendung von Archivmaterial des „Afrikavision“, welches teilweise noch nicht im TV veröffentlicht wurde, erweist sich als interessante Idee, deren Umsetzung erst beim Anschauen bewertet werden kann.

Weniger hochpolitisch geht es in der 91 min. langen deutsch-finnisch-südafrikanischen Doku-Produktion „Mama Africa“ von Mika Kaurismäki zu, die das Leben der bekanntesten Sängerin des Landes, Miriam Makeba, würdigt. Makeba, erst 2008 verstorben, setzte sich in ihrem Leben stets für Freiheit, gegen Rassismus und Armut ein. Der Kampf gegen die Apartheid, verfolgte die Musikerin von „Pata Pata“ vom Exil aus sehr ehrgeizig und mit voller Kraft.

„State of Violence“, ein 79 min. Spielfilm aus Frankreich und Südafrika, welcher vom Regisseur Khalo Matabane betreut wurde, ähnelt von der Aufmachung und Story her dem erfolgreichen Film „Tsotsi“ von Gavin Hood. Bobedi, ein wohlhabender 35-jähriger Chef eines Bergbauunternehmens, erlebt die pure Gewalt eines Einbrechers gegenüber seiner Ehefrau Joy, die im gemeinsamen Haus an den Folgen dieses Angriffs verstirbt. Bedacht auf Rache, begibt sich Bobedi auf der Jagd nach dem Mörder seiner Frau in das Township Alexandra; seiner Herkunft. Das Drama entwickelt sich im Verlaufe des Filmes zum knallharten Thriller. In „State of Violence“ spielen Top-Schauspieler wie Presley Chweneyagae, Fana Mokoena, Neo Ntlatleng, Lindi Matshikiza, Vusi Kunene, Harriet Manamela und Mary Twala mit. Das 31. Durban International Film Festival ist mit „State of Violence“ eröffnet worden und erweist sich in seiner kinematografischen Umsetung als  eindeutiger Favorit für die diesjährige Südafrika-Filmauswahl auf der Berlinale 2011.

© Filmposter von "State of Violence" - der Favorit

Bei „Street Kids United“, eine britisch-südafrikanische Produktion aus dem Jahr 2010, bewertet der Regisseur Tim Pritchard in 75 min. den Stellenwert von Fußball für Südafrikas Jugend. Auf jeden Fall wird die Berlinale 2011 mehr zu Südafrika anbieten können, als es 2010 noch der Fall war. Südafrikanische Dokumentationen bleiben der Schwerpunkt, doch mit „State of Violence“ kann Südafrika mit den ausländischen Konkurrenten durchaus mithalten.

Die 2010sdafrika-Redaktion wird das Südafrika-Angebot der Berlinale begleiten und freut sich auf diese Zusammenarbeit; Berichte folgen!


Berlinale 2011-Programm zu Südafrika:

http://www.berlinale.de/de/programm/berlinale_programm/programmsuche.php?screenings=efm_festival&page=1&order_by=1&section_id=0&cinema_id=0&country_id=144&date_id=0&time_id=0&filterSubmit=OK

2010sdafrika-Artikel zu Berlinale 2010:

https://2010sdafrika.wordpress.com/2010/02/08/berlinale-2010-mit-drei-sudafrika-produktionen/

2010sdafrika-Artikel zum Filmfestival „Johannesburg Spezial“:

https://2010sdafrika.wordpress.com/2010/06/07/filmfestival-in-potsdam/

Filmfestival in Potsdam

Ein Bericht zum „Johannesburg Spezial“ des Filmmuseums Potsdam

(Autor: Ghassan Abid)

Am 27. Mai 2010 startete das Filmmuseum Potsdam in Beisein der südafrikanischen Botschaft und des Dokumentarfilmers Darryl Els erstmalig anlässlich der anstehenden Fußball-WM die Filmreihe und Podiumsdiskussion „Johannesburg Spezial – Filme aus Südafrika“. Eine Woche lang hat das Museum zehn mit der „La Cinémathèque de Toulouse“ ausgewählte Filme aus dem Kapland der deutschen Öffentlichkeit präsentiert, die zueinander von Story, historischen Kontext und Fragestellungen nicht unterschiedlicher sein könnten. Die Auswahl konzentrierte sich, wie aus dem Titel der Filmreihe zu entnehmen, auf die größte Stadt des Landes Johannesburg, die von den Südafrikanern selbst auch als die „Stadt des Goldes“ bezeichnet wird. Hierbei wurden dem Publikum Filme von 1916 bis 2009 vorgeführt.

© Filmmuseum Potsdam (Quelle: 2010sdafrika.wordpress.com)

Dem „eindimensionalen Bild“ der von Negativschlagzeilen und Klischees dominierten Berichterstattung über den afrikanischen Kontinent soll mit dieser Filmreihe begegnet werden, so die Direktorin des Filmmuseum Potsdams, Dr. Bärbel Dalichow. Allerdings deutete sie an, dass die Kino-Abteilung ihres Hauses bis zu dieser Veranstaltung keine Erfahrung mit Filmen des südlichen Afrikas machen konnte.

© Vertreter der Botschaft Südafrikas (Quelle: Filmmuseum Potsdam)

Vertreter der südafrikanischen Botschaft lobten diesen Perspektivenwechsel des Filmmuseums. Venita Smit, 1st Secretary for Communication and Marketing der südafrikanischen Botschaft in Deutschland, überbrachte im Namen des Botschafters S.E. Sonwabo Eddie Funde und der Kulturministerin Lulu Xingwana die Freude Ihres Landes, dass „südafrikanische Filme aus der Vergangenheit hierbei eine europäische Plattform der Vorführung finden konnten“. Venita Smit ergänzte die Direktorin des Filmmuseums dahingehend, dass die ausgewählten Filme einen tiefen Einblick in den Wandel, in die Herausforderungen und die Entwicklungen Johannesburgs als Repräsentation für ganz Südafrika ermöglichen. Der Ruf nach Freiheit verbindet Deutschland und Südafrika, wie von Bundesaußenminister Guido Westerwelle im Rahmen der politischen Konsultationen zwischen beiden Staaten in Pretoria vom April 2010 festgehalten, stärker als angenommen. Während das Volk in Südafrika ihren Ruf nach Freiheit und die Abschaffung der Rassentrennungspolitik à la Apartheid aufrechterhielt, forderte das Volk in Deutschland ein Ende der Teilung in Ost und West.

Der südafrikanische Dokumentarfilmer und Kurator Darryl Els zeigte sich ebenfalls erfreut und hob hervor, dass das „Johannesburg Spezial“ eine „wichtige Möglichkeit für das südafrikanische Kino“ in Deutschland darstelle, vor allem bei der Thematisierung historischer Entwicklungen.

Deutschland und Südafrika haben den Ausbau ihrer kulturellen Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Kinematografie beschlossen. Insbesondere besteht auf südafrikanischer Seite großes Interesse, diese mit dem Filmstudio Babelsberg zu intensivieren. Doch bevor es hierzu kommen wird, eröffneten sich dem Zuschauer im Vorfeld mit den zehn im Filmmuseum Potsdam angebotenen Filmen ein vertieftes kulturelles Verständnis und die Erweiterung des eigenen Horizonten.

Das Südafrika-Portal hat mit freundlicher Unterstützung des Filmmuseums drei Filme rezensiert, eine Podiumsdiskussion begleitet und mit Gästen gesprochen.

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Film: Tsotsi

© Filmszene aus „Tsotsi“ (Quelle: Filmmuseum Potsdam)

Regie: Gavin Hood

Darsteller: Presley Chweneyagae, Mothusi Magano, Kenneth Nkosi

Erscheinungsjahr: 2005

Vorstellung im Filmmuseum Potsdam am 28. Mai 2010

Der Film „Tsotsi“, dessen Regie Gavin Hood übernahm, thematisiert die Schattenseiten Südafrikas, die durch Brutalität, pure Gewalt, Armut, Arbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit dominiert werden. Ein 19-jähriger Bandenführer namens Tsotsi (in Deutsch mit Gangster übersetzbar), gespielt durch Presley Chweneyagae, stammt aus einem Township in Johannesburg und sichert sein Überleben mit Raubüberfallen und kriminellen Dingen ab. Eines Tages jedoch entdeckt er auf der Rückbank eines bei einem bewaffneten Überfall erbeuteten Autos einen Säugling, für dessen Leib und Wohl er plötzlich verantwortlich geworden ist. Tsotsi reflektiert seine eigene traumatische Kindheit und beginnt sich somit selber neu zu entdecken. Brutale Verhaltensweisen ersetzt er allmählich durch moralische Werte und warme Gefühle. Er holt das auf, was er nie genießen konnte – das Gefühl einer Familie.

Der Film spiegelt die gesellschaftlichen und familiären Probleme Südafrikas wieder; untermauert mit ‚farblosen‘ Bildern aus den Slums der Metropole Johannesburgs. Ausgezeichnet mit einem Academy Award, konnte dieser als Vorzeigefilm Südafrikas weltweit einen Erfolg erzielen. Wer für die sozialen Probleme des Landes eine Sensibilität entwickeln möchte, dem empfiehlt sich „Tsotsi“!

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Film: Hillbrow Kids

Regie: Michael Hammon, Jacqueline Görgen

Darsteller: Straßenkinder

Erscheinungsjahr: 1997/98

Vorstellung im Filmmuseum Potsdam am 29. Mai 2010

Hillbrow Kids“, ein deutscher Dokumentarfilm von Michael Hammon und Jacqueline Görgen, liefert ein erschreckendes und zugleich trauriges Bild über die Realität von Straßenkindern in Johannesburg ab. Regisseur Hammon, welcher ebenfalls im Kinosaal anwesend war, erläuterte die dramatische Situation der Verlierer Südafrikas; oder wie er es ausgedrückt: „der ersten Generation nach der Apartheid“. Ohne Ausbildung und ausreichender Lebensmittelversorgung sowie Unterkunft, greifen viele Kinder nach Glue/Klebstoff, um Hunger und Ängste für einen Moment weg schnüffeln zu lassen. Aus desaströsen Familienverhältnissen flüchteten die Protagonisten des Films – Vusi, Jane, Silas, Bheki und Shadrack – nach Johannesburg und müssen allmählich begreifen, dass es ihnen in der Metropole genauso schlecht geht wie in den Townships. Vergewaltigungen, Infektionen, Gewalt und Hunger erscheinen als unsichtbare Begleiter der Kinder, welche manchmal mit vollem Schmerz in Erscheinung treten.

Hammon und Görgen drehten zuerst ohne Sicherheitsvorkehrungen in Johannesburg, mussten allerdings nach zwei negativen Vorfällen eine Security zur Absicherung der Dreharbeiten engagieren. „Hillbrow Kids“ ist nicht nur ein trauriger Spielfilm, sondern ein schockierendes Abbild der Wirklichkeit, der den Zuschauer zum Nachdenken über das Ich und die Welt anregt. Einige der in der Dokumentation vorgestellten Kinder leben heute nicht mehr. Ein Film, ungeeignet für Menschen mit schwachen Nerven.

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Film: Mapantsula

Regie: Oliver Schmitz

Darsteller: Thomas Mogotlane, Marcel van Heerden, Dolly Rathebe

Erscheinungsjahr: 1988

Vorstellung im Filmmuseum Potsdam am 30. Mai 2010

Südafrika in den 1980er Jahren: Die schwarze Mehrheitsgesellschaft will und kann die Apartheid nicht länger dulden. Ihren Protest sucht diese verstärkt auf den Straßen. Zufällig gerät ein Taschendieb aus Soweto, namens Panic (gespielt von Thomas Mogotlane), in eine Demonstration von Regierungsgegnern und wird daraufhin verhaftet. Ein weißer Polizist, als Repräsentation für die Apartheid (gespielt von Marcel van Heerden), versucht mit Zuckerbrot und Peitsche den Taschendieb für eine Infiltrierung von schwarzen Bürgerrechtlern und Gewerkschaftern zu gewinnen. Anfänglich gelingt dem Polizisten eine Kollaboration des Taschendiebs mit dem Repressionsregime, muss jedoch über die Zeit harte Verhörmethoden und Folter anwenden. Denn Panic sympathisiert allmählich mit der Idee, dass Südafrika eine Nation aller Südafrikaner wird und jeder, unabhängig von der Hautfarbe, frei leben kann.

Dieser Film aus der Klassikreihe des südafrikanischen Kinos, auch wenn dieser 1988 produziert wurde, ist zu Apartheidzeiten versteckt und mit hohem Risiko gedreht wurden. Die Kritik an dem Regime der weißen Minderheitsherrschaft wurde für den Regisseur wie erwartet schnell zum Verhängnis – der Film ist verboten worden. „Mapantsula“ ist ein politischer Film mit einer klaren Message: Nein zur Apartheid, ja zur Freiheit und Demokratie. Jedoch verliert sich der Zuschauer relativ schnell in lange Konversationen und „leblosen“ Bildern.

Podiumsdiskussion zur Apartheid und Filmindustrie Südafrikas:

Am 1. Juni 2010 veranstaltete das Filmmuseum Potsdam ebenfalls eine Podiumsdiskussion zum Thema: „Johannesburg – 20 Jahre nach der Apartheid, im Jahr der Fußball-WM”.

© Filmemacher Darryl Els (Quelle: 2010sdafrika.wordpress.com)

Darryl Els, Johannesburger Filmemacher und Kurator, hielt die „Stunde Null“ fest, wonach mit der ersten demokratischen Wahl in Südafrika im Jahre 1994 ein Wendepunkt eingetreten ist. Denn mit der Abschaffung der Apartheid ist Schwarzen eine Tätigkeit im Bereich der Filmproduktion eröffnet worden. Problematisch sei jedoch der Umstand, dass mit dem Umbruch viel vom Erbe südafrikanischen Kinos verloren gegangen ist. Es bestünde beim südafrikanischen Film keine Kontinuität. Enttäuscht zeigte er sich über die Versuche, nach 1994 die Vergangenheit Südafrikas kinematografisch aufzuarbeiten.

Einstimmigkeit mit den anderen Gästen herrschte auch beim Aspekt Filmqualität. Das heutige Südafrika produziert vor allem Filme des Genre Comedy, wie z.B. „Mr. Bones“ vom Regisseur Leon Schuster, welche in punkto Umsatz erfolgreich waren, bei Qualität und Niveau jedoch durchgefallen seien. Die Filmindustrie in Südafrika fällt unter dem Zuständigkeitsbereich vom Department of Arts and Culture (Kulturministerium) und Department of Trade and Industry (Industrieministerium), doch bestünde auch bei der Förderung dieses kostspieligen und beschäftigungsintensiven Industriezweiges weiterhin Handlungsbedarf. Darryl Els betonte als eigene Zielvorstellung „to create a film culture“, sodass diese Entstehung einer Filmkultur mit Berlin als Ausbildungsort begegnet werden könnte.

Renate Tenbusch, Referentin für Südafrika im Referat Afrika der Friedrich-Ebert-Stiftung, untermauerte die einstige Dominanz von weißen Südafrikanern beim staatlichen Rundfunk, der South African Broadcasting Corporation (SABC), welche mit der Demokratisierung des Landes aufgebrochen wurde. Insbesondere lobte sie das nationale Mediengesetz, welches ihrer Einschätzung nach zu den progressivsten weltweit hinzugewählt werden kann. Die Umsetzung sei jedoch eine andere Thematik. Ihren Aussagen nach befinden sich in Südafrika lediglich 100 Kinos, vor allem in den Großstädten, die durch Filmproduktionen aus Hollywood und Bollywood dominiert werden, jedoch zu selten durch südafrikanische Filme hervorstechen.

Dr. Ben Khumalo-Seegelken, Theologe und Anti-Apartheid Aktivist, fasste das südafrikanische Kino als ein Ort der Weißen auf – zu Apartheidzeiten und bis zum heutigen Tage. Der Theologe deutete an, dass die schwarze Mehrheitsgesellschaft mit sozialen Problemen zu kämpfen hat und soziopolitische Missstände im Lande bisweilen nicht ausreichend angegangen worden sind. Demnach kann hierbei interpretiert werden, dass das Kino für schwarze Bürgerinnen und Bürger damals aufgrund des Verbotes und heute bedingt durch die Armut eine untergeordnete Rolle einnimmt.

Teboho Edkins, ebenfalls Filmemacher, kritisierte die WM als kommerzielles Event dahingehend, da sich dem deutschen Publikum eine mediale Flut an Südafrika-Beiträgen auftut, jedoch diese nach dem Ende der Weltmeisterschaft schlagartig verschwinden wird. Auch stimmte er der Forderung von Darryl Els und Renate Tenbusch zu, wonach südafrikanische Filme mehr Qualitätsstandards und „Ästhetik“ verfolgen sollten.

© Podiumsdiskutanten (Quelle: Filmmuseum Potsdam)

Dorothee Wenner, Moderatorin des Podiums und Afrika-Delegierte der Berlinale, befürwortete hingegen deutsche Filmproduktionen in Südafrika, da hierbei die technische Ausbildung von Südafrikanern wahrgenommen wird, ganz dem entwicklungspolitischen Ziel von ´Skills Development´. Diese Aussage löste allerdings gegensätzliche Reaktionen aus. Klar wurde, dass ein Spannungsverhältnis zwischen der Ausbildung von Südafrikanern und dem Klischee behafteten Afrika-Bild von deutschen TV-Produktionen herrsche.

Letztendlich waren sich die Diskutanten darüber einig, dass der soziopolitische Wandel in Südafrika auch in der Filmindustrie zu  spüren ist. Ferner kommt hinzu, dass Afrika-Filme in der öffentlichen Wahrnehmung nach wie vor „Problem behaftet“ seien. Ein negativer Touch hafte an diesen Produktionen. Umso erschreckender ist die Tatsache, dass in ganz Afrika weniger Kinos vorzufinden sind, als in Berlin und Umland. Ferner seien in Washington 300 deutsche Korrespondenten tätig, jedoch lediglich 15 Journalisten in Subsahara-Afrika. Diese in Zahlen ausgedrückte  „Bilderlosigkeit von Afrika und afrikanischem Kino„, wie von der Afrika-Delegierten der Berlinale umschrieben, sitze weiterhin tief in der deutschen Öffentlichkeit.

Resumée des Südafrika-Filmfestivals: Eine Zuschauerin bewertet:

Sylvia Brandt, Berlinerin, ist durch den Rundfunk Berlin-Brandenburg auf die Veranstaltungsreihe „Johannesburg Spezial“ aufmerksam geworden und freut sich, Filme aus Südafrika sehen zu können, zumal einer ihrer Freunde nach Johannesburg ausgewandert ist. Sie hatte sich in der Vergangenheit bereits einige Filme angeschaut, bemängelte jedoch das ausbleibende Echo südafrikanischer Filme in Deutschland. „Dies finde ich sehr traurig“, untermauerte Sylvia Brandt die geringe Anzahl südafrikanischer Filme in den deutschen Kinos. Sie würde es umso schöner finden, wenn Filmproduktionen vom Kap der guten Hoffnung verstärkt dem deutschen Publikum – auch in den Landessprachen – präsentiert werden könnten. Demnach ist dieses Kino-Angebot des Filmmuseum Potsdam wertzuschätzen. Diesem Lob und Wunsch kann sich die Redaktion nur anschließen!