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DA gewinnt Kontrolle über 133 ANC-Kommunen

Jacob Zuma bleibt der große Sieger, verliert jedoch Stammwählerschaft – eine Wahlanalyse

(Autor: Ghassan Abid)

Redaktionelle Richtigstellung: Die DA hat die Macht in der NMA-Nelson Mandela Bay Municipality entgegen unserer ersten Meldung vom ANC nicht übernehmen, sondern deutlich ausbauen können. Der Artikel ist bereits korrigiert worden. Einen Dank an den User Johannes für den Hinweis an die 2010sdafrika-Redaktion!

Nun ist es offiziell: Der African National Congress (ANC) bringt knapp 61 Prozent aller Stimmen auf sich, während die größte Oppositionspartei Democratic Alliance (DA) rund 23,80 Prozent an Wählerstimmen gewinnen kann. In absoluten Zahlen bedeutet dies, dass von den 13.353.987 Wählern rund 8,143 Mio. Südafrikaner dem ANC ihr Vertrauen aussprachen. Im Vergleich hierzu wählten 3,177 Mio. Bürger die DA von Helen Zille. Auf diesem Wege wird die DA die bisherige ANC-Repräsentation in 133 Kommunen absetzen, während die Regierungspartei die Macht über 5 DA-Gemeinden übernimmt.

Die Wahlbeteiligung bei den Kommunalwahlen 2011 von 57,6 Prozent fällt höher aus, als bei den Wahlperioden zuvor mit jeweils rund 48 Prozent. Für den Congress of the People (Cope) unter dem Parteichef Mosiuoa Lekota, eine Splitterpartei des ANC, war es die erste Kommunal- und Regionalwahl, welche ernüchternd ausfiel. Auch für die National Freedom Party (NFP), welche sich in diesem Jahr von der Inkatha Freedom Party (IFP) abgespalten hatte, ist es die erste große Prüfung gewesen.

Kommunalwahlen 2000 Kommunalwahlen 2006 Kommunalwahlen 2011
WahlergebnissePartei Ergebnis in absolute Wählerzahlen Ergebnis in Prozent Ergebnis in absolute Wählerzahlen Ergebnis in Prozent Ergebnis in absolute Wählerzahlen Ergebnis in Prozent
African National Congress (ANC) 8,868 Mio. 61,76% 6,315 Mio. 64,07% 8,143 Mio. 60,98%
Democratic Alliance (DA) 2,812 Mio. 19,59% 1,595 Mio. 16,19% 3,177 Mio. 23,80%
Inkatha Freedom Party (IFP) 1,458 Mio. 10,15% 740135 7,51% 478400 3,58%
Congress of the People (Cope)

274074 2,05%

Quelle: Eigene Grafik, basierend auf Zahlen der IEP

Nach Angaben der DA wird davon ausgegangen, dass der Anteil an schwarzen Wählern von einem Prozent auf rund 5 Prozent ausgebaut werden konnte. Dies sind ungefähr eine halbe Million Bürger.

Größter Erfolg für die DA dürfte der Machtausbau in der Nelson Mandela Bay Municipality (Zusammenschluss der Kommunen Port Elizabeth, Uitenhage und Despatch) in der Provinz Eastern Cape sein. Die Nelson Mandela Bay Municipality gilt als eine der wichtigsten Hochburgen des ANC und konnte durch diese knapp gehalten werden. Konstant bleibt die starke ANC-Sympathie insbesondere in den ländlichen Gebieten des Landes, welches die hohen Wählerstimmen begründet. Der Besuch von Präsident Jacob Zuma beim Nationalhelden Nelson Mandela am 17. Mai 2011, also einem Tag vor dem Wahltermin, konnte die Verbundenheit mit der schwarzen Mehrheitsgesellschaft weiterhin festigen. Nach Erkenntnissen von „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ verlor der ANC ebenfalls in den Townships an messbarer Sympathie. Die Korrespondenz bestätigt, dass die ausbleibende Lösungsbereitschaft der Regierung – etwa im Hinblick auf den Wasser- sowie Stromzugang und auf die fortwährende Perspektivlosigkeit – bei den Menschen weiterhin für viel Unmut sorgt.

© Wahlerfolge für den ANC werden zunehmend schwieriger

Die politischen Analysten Südafrikas kommen zu weiteren interessanten Erhebungen. Tinyiko Sam Maluleke von der renommierten University of South Africa (UNISA) erkennt bei der DA in gewisser Weise einen Paradigmenwechsel. Die DA hat sich unter anderem im Armenviertel von Mamelodi bei Pretoria sehr intensiv mit den Problemen der schwarzen Südafrikanern auseinandergesetzt. Diese „leidenschaftliche“ Wähleranwerbung ist durch rhetorische Tricks der DA-Führung optimal ergänzt worden, beispielsweise durch die bewusste Einbindung lokal-afrikanischer Wörter in Interviews mit Helen Zille. Der Journalist und Kolumnist Sandile Memela bewertet die derzeitige Wahl dahingehend, dass jeder der den ANC zu hassen beginnt, im Anschluss die DA wählt. Dieser Wählerschwund ist den Statistiken deutlich zu entnehmen (siehe oben dargestellte Tabelle). Demnach verlor der ANC bei den Kommunalwahlen 2011 im Vergleich zu 2006 rund 3 Prozentpunkte, während die DA ihren Stimmenanteil um rund 8 Prozentpunkte ausbauen konnte.

Die Independent Electoral Commission (IEP), die unabhängige Wahlkommission Südafrikas unter der Führung von Dr. Brigalia Bam, bescheinigt hingegen freie und faire Wahlen. Diese nach Section 190 der südafrikanischen Verfassung zuständigen Institution obliegt es, die Wahlen auf nationaler, provinzieller und lokaler Ebene zu organisieren. Südafrikas junge Demokratie entwickelt sich in eine positive Richtung, so die abschließende Stellungnahme der IEP.

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2 Nationalhymnen, 2 Geschichten, 1 Vision

Zusammengehörigkeitsgefühl verwurzelt im „Deutschlandlied“ und „Nkosi Sikelel‘ iAfrika“

(Autor: Ghassan Abid)

Hymnen, abgeleitet vom griechischen Wort hymnos und mit ´Tongefüge´ zu übersetzen, verfolgen in allen Ländern zwei Ziele. Zum Einen soll mit der Hymne die Einigkeit einer ganzen Nation symbolisiert und zum Andern die Identifikation des Volkes mit ihrer Heimat gestärkt werden. Insbesondere bei sportlichen Anlässen, wie der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland und der WM 2010 in Südafrika, wurden Nationalhymnen verstärkt mit viel Euphorie von allen Bevölkerungsgruppen gesungen.


© Joseph Haydn (Quelle: Wikimedia)

Die dritte Strophe des „Deutschlandliedes“ vom Wolfsburger Dichter August Heinrich Hoffmann von Fallersleben besteht seit 1991 als Hymne des vereinten Deutschlands. Die Melodie jedoch entspringt vom in Österreich geborenen Komponisten Joseph Haydn aus dem Jahr 1797, einem Vertreter der renommierten Stilrichtung Wiener Klassik, der auch Wolfgang Amadeus Mozart und Ludwig van Beethoven angehörten. Das Deutschlandlied hatte schon immer den Zweck verfolgt, den innerdeutschen Zusammenhalt zu stärken, verfiel im 20. Jahrhundert jedoch mit der Verschmelzung des Horst-Wessel-Liedes den Propagandazwecken des Nationalsozialismus. Dementsprechend sind nach dem Ende des zweiten Weltkrieges die erste und zweite Strophe des Deutschlandliedes seither verboten worden.

© Enoch Mankayi Sontonga (Quelle: Wikimedia)

Ebenfalls erlebte Südafrika hinsichtlich seiner Nationalhymne eine besondere Geschichte. Seit 1996 ist „Nkosi Sikelel‘ iAfrika“ die offizielle Nationalhymne Südafrikas, bestehend aus den 5 Sprachen Xhosa, Zulu, Sesotho, Afrikaans und Englisch. Die Hymne wurde aus Teilen des vor allem unter der schwarzen Bevölkerung verbreiteten und vom in Uitenhage geborenen sowie der Volksgruppe Xhosa zugehörigen Komponisten Enoch Mankayi Sontonga verfasst.

Nkosi Sikelel’ iAfrika (zu Deutsch: Gott segne Afrika) galt bereits vor Apartheidszeiten als Lied der Widerstandsbewegung und heutigen Regierungspartei „African National Congress (ANC)“ von Nelson Mandela, später auch als Kirchengesang der Zulus. Während die ersten beiden Strophen der Nationalhymne Südafrikas auf Nkosi Sikelel’ iAfrika zurückgehen, basieren die anderen letzten beiden Strophen dem Nationalgesang des Apartheid-Südafrikas „Die Stem van Suid-Afrika“, welches von Cornelis Jacobus Langenhoven gedichtet wurde. Dementsprechend fand hierbei eine Verschmelzung zwischen Schwarz und Weiß statt – zwischen Apartheid und ANC.

Was Deutschland jedoch von Südafrika unterscheidet ist der Umstand, dass man keine einzige Zeile der DDR-Hymne „Auferstanden aus Ruinen“ in das Deutschlandlied übernommen hat. Lothar de Maizière, Ministerpräsident der DDR, konnte diesen Vorschlag bei der Bundesregierung unter Kanzler Helmut Kohl nicht durchsetzen, welches wirklich in Anbetracht des innerdeutschen Zusammengehörigkeitsgefühls und der damit verbundenen Symbolik sehr zu bedauern ist. Südafrika hat es auf jeden Fall richtig gemacht!

Südafrikanische Regierung mit Informationen zur Nationalhymne:

http://www.info.gov.za/aboutgovt/symbols/anthem.htm

2010sdafrika-Artikel mit Rezension zum Nation Building-Film „Invictus“:

https://2010sdafrika.wordpress.com/2010/02/07/rezension-des-films-„invictus-unbezwungen“/

Sturm „Wirtschaftskrise“ zieht langsam weiter

Automobilbauer Volkswagen startet von Südafrika aus wieder durch

(Autor: Ghassan Abid)

Der Wolfsburger Automobilhersteller Volkswagen AG blickt für das Jahr 2010 wieder optimistisch in die Zukunft. Das im südafrikanischen Werk Uitenhage produzierte Modell VW Polo V, nahe Port Elizabeth in der Eastern Cape Provinz, wird laut Presseberichten auch bald nach Europa exportiert. Vorgesehen waren für den Export im Jahr 2010 über 55.000 Fahrzeuge dieses Modells, welches jedoch nun infolge einer gesteigerten Nachfrage auf 71.500 Einheiten erhöht wurde. Insgesamt werden rund 113.700 Autos in Südafrika gebaut, fast doppelt so viele wie im Vorjahr.

Das besondere am neuen VW Polo ist der Umstand, dass dieses Modell in Südafrika als Polo Vivo umfunktioniert wird, um die lokale Nachfrage zu befriedigen. Laut Unternehmensangaben soll der Polo „schneller, sauberer und sicherer“ sein. Umweltfreundliche Motoren und ein Elektronisches Stabilisierungsprogramm inklusive Airbags für Fahrer und Beifahrer sollen diesen Vorgaben gerecht werden. Mittlerweile ist der Polo V zum „Auto des Jahres 2010“ ausgezeichnet worden.

© Im Werk Uitenhage produzierter VW Polo

International ist der nach eigenen Aussagen größte Automobilbauer Europas mit seinen 9 Marken Volkswagen, Audi, SEAT, Škoda, VW Nutzfahrzeuge, Bentley, Bugatti, Lamborghini sowie Scania gut aufgesellt und weltweit operierend. Im Jahre 2009 konnten weltweit über 6,3 Millionen Fahrzeuge verkauft werden, etwa 79.000 Einheiten mehr als im Vorjahr. In 15 Staaten Europas, in 3 Amerikas, in 2 Asiens und dem einem Werk in Uitenhage in Afrika, unterhält die VW AG 60 Fertigungsstätten und rund 370.000 Beschäftigte. Allein in Südafrika sind etwa 5.600 Mitarbeiter unmittelbar beschäftigt, sodass VW als einer der größten Arbeitgeber und zum größten deutschen Investor im Lande gezählt werden kann. Der geplante Bau eines weiteren Montagewerkes soll weitere 400 Arbeitsplätze schaffen und die WM die erhofften Gewinne einbringen.

Schon seit 1949 betreibt Volkswagen erste unternehmerische Aktivitäten im Kapland – zu Apartheidzeiten wohlgemerkt, welche seit 1966 unter dem Namen „Volkswagen of South Africa“ abgewickelt werden.

Konzern Volkswagen AG im Profil:

http://www.volkswagenag.com/vwag/vwcorp/content/de/the_group.html

Volkswagen zum Werk Uitenhage:

http://www.volkswagen.de/vwcms/master_public/virtualmaster/de3/unternehmen/mobilitaet_und_nachhaltigkeit/regionen/Afrika/0.html

VW Polo V als „Auto des Jahres 2010″:

http://www.caroftheyear.org/winner/Volkswagen/Polo/2010_41/coty