Schlagwort-Archive: Universität Pretoria

Medizinische Innovation aus Südafrika

Mittelohr-Transplantation aus 3D-Drucker inspiriert Länder bei eigenen Behandlungsmöglichkeiten

(2010sdafrika-Redaktion)

Im Frühjahr 2019 ist es Medizinern gelungen, ein aus dem 3D-Drucker gefertigtes Mittelohr samt Gehörknöchelchen einem Patienten zu transplantieren. Dieser hatte sein Gehör nach einem Autounfall nämlich verloren. Mit der erfolgreich durchgeführten Operation im Steve Biko Academic Hospital sollte der Hörsinn des Mannes wiederhergestellt werden. Dieser medizinische Durchbruch dient seither als Vorbild für ähnliche 3D-Transplantationsvorhaben in anderen Ländern. Erneut haben Forscher aus Südafrika international überzeugen können.

© Dem Ärzteteam um Professor Mashudu Tshifularo ist es gelungen, ein aus dem 3D-Drucker erstelltes Mittelohr einem Patienten zu transplantieren. Diese innovative Behandlungsmöglichkeit aus Südafrika inspiriert zahlreiche Staaten. (Quelle: UP)

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Babies bei Geburt in Südafrika verwechselt

Zwei Mütter streiten vor Gericht: Die Eine möchte ihr Kind behalten, die Andere hingegen einen Tausch

(Autor: Ghassan Abid)

Für jedes Elternpaar ist es eine Schreckensmeldung, wenn es erfährt, dass das leibliche Kind nicht bei ihnen lebt, sondern bei fremden Personen. Im Tambo Memorial-Krankenhaus in Boksburg ist eine Verwechslung eingetreten, die genau diese Situation verursacht hat. Vier Jahre nach dem Irrtum streiten sich nun die Mütter vor Gericht. Die Eine möchte ihr leibliches Kind zurück, die Andere hingegen betrachtet das vertauschte Kind als ihres und wehrt sich.

US Army Africa

© In Südafrika streiten sich zurzeit zwei Mütter vor Gericht. Ihre Babies sind vor vier Jahren in einem Krankenhaus verwechselt worden. Die eine Mutter möchte ihr leibliches Kind zurück, die andere hingegen wehrt sich gegen einen Tausch. (Quelle: flickr/ US Army Africa)

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Nelson Mandela wird 95 Jahre alt

Madibas Geburtstag im Zeichen des Gemeinwohls. Eine Aktion, die vom ANC missbraucht wird

(Ein Kommentar von Chefredakteur Ghassan Abid)

Das Kalafong Hospital im Westen Pretorias ist Anfang der 70er Jahre eröffnet worden. Das im braunen Backstein erbaute Gebäude der Universität Pretoria liegt im Township Atteridgeville. An jenem Ort, das während der Apartheid im Jahr 1988 Ziel eines ANC-Bombenanschlages wurde. Genau 20 Jahre später wurden in Atteridgeville afrikanische Flüchtlinge gejagt. Sieben Ausländer starben. Und heute leben im Township arme Südafrikaner weißer Hautfarbe, die im Kalafong Hospital mit schwarzen Patienten – ebenfalls aus ärmlichen Verhältnissen – auf ihre Behandlung warten. Dennoch herrschen auch unter den Armen derselben Gemeinschaft große Berührungsängste. Das Geben und Nehmen im demokratischen Südafrika erweist sich aus Sicht vieler Bürger als utopische Vorstellung.

    © Nelson Mandela ist heute 95 Jahre alt geworden. Die Regierung hat die Bürger Südafrikas dazu aufgerufen, ehrenamtlich tätig zu werden und am Mandela Day gemeinwohlorientiert zu handeln. Man müsse die Ideale Mandelas umsetzen, heißt es. Doch die Mitglieder der Regierung, allen voran Präsident Jacob Zuma, leben alles andere als nach den Grundsätzen Mandelas. Die wahren Vorbilder sind andere Menschen. (Quelle: flickr/ edjane obama)

© Nelson Mandela ist heute 95 Jahre alt geworden. Die Regierung hat die Bürger Südafrikas dazu aufgerufen, ehrenamtlich tätig zu werden und am Mandela Day gemeinwohlorientiert zu handeln. Man müsse die Ideale Mandelas umsetzen, heißt es. Doch die Mitglieder der Regierung, allen voran Präsident Jacob Zuma, leben alles andere als nach den Grundsätzen Mandelas. Die wahren Vorbilder sind andere Menschen. (Quelle: flickr/ edjane obama)

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Mannschaftskapitän Bongani Khumalo

Der Hoffnungsträger aus Swasiland: Von vielen geschätzt und trotzdem noch nicht ganz angekommen

(2010sdafrika-Redaktion)

– Afrika-Cup 2013-Spezial –

Am 6. Januar 1987 erblickte Bongani Khumalo das Licht der Welt in Manzini, einer Wirtschaftsmetropole im Königreich Swasiland. Der Sohn einer südafrikanischen Mutter wuchs hauptsächlich in Pretoria auf, wo er seine Vorliebe für das Fußballspielen entdeckte.

    © Bongani Khumalo wird Bafana Bafana als Mannschaftskapitän beim Afrika Cup 2013 anführen. Der in Swaziland geborene 1,90 Meter große Fußballer erlebte seinen einzigen sportlichen Höhepunkt beim WM 2010-Vorrundenspiel gegen Frankreich. Gegenwärtig spielt Khumalo für den griechischen Erstligisten PAOK aus Thessaloniki. (Quelle: flickr/ The Beautiful Game Film)

© Bongani Khumalo wird Bafana Bafana als Mannschaftskapitän beim Afrika Cup 2013 anführen. Der in Swaziland geborene 1,90 Meter große Fußballer erlebte seinen einzigen sportlichen Höhepunkt beim WM 2010-Vorrundenspiel gegen Frankreich. Gegenwärtig spielt Khumalo für den griechischen Erstligisten PAOK aus Thessaloniki. (Quelle: flickr/ The Beautiful Game Film)

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Medizinmänner und Aberglaube in Südafrika

Sangomas dominieren dank der Passivität ihres Präsidenten das Gesundheitssystem

(Autor: Ghassan Abid)

Wenn man in Deutschland krank ist, dann sucht man normalerweise einen Arzt auf. Diese uns so selbstverständliche Sicht eines modernen Gesundheitssystems unterscheidet sich jedoch in doppelter Hinsicht von jenem in Südafrika.

Zum einen arbeiten neben westlichen Medizinern auch traditionelle Heiler auf dem Terrain der medizinischen Versorgung, die man terminologisch mit dem Wort „Sangoma“ erfasst. Man schätzt, dass etwa 200.000 Menschen diese traditionelle Heilpraxis  anbieten, die im Stamm der Nguni ihren Niederschlag finden. Die Ethnien Zulu, Xhosa, Ndebele und Swasi gehören diesem Stamm an und da der Präsident Jacob Zuma ein stolzer und bekennender Zulu ist, vertraut auch dieser den übermenschlichen Kräften der Sangomas – etwa bei einstigen Gerichtsprozessen gegen seine Person.

© Machtfaktor Medizinmann

Zum andern sind Sangomas per Gesetz den Kollegen der westlichen Medizin gleichgestellt und vom Department of Health, dem nationalen Gesundheits-ministerium, in statistische Erhebungen aufgeführt. Wer einen solchen „Heiler“ aufsucht, dem ist eine Kostenübernahme durch die Krankenkasse garantiert – und die Kräutermedizin gibt es auf Rezept gleich dazu.

Eine Umfrage des „Pietermaritzburg Institute of Natural Resources“ hatte ergeben, dass 84 Prozent der Südafrikaner – der o.g. Ethnien – regelmäßig einen Sangoma aufsuchen. Denn dieser Heiler ist nicht nur Arzt, sondern auch Heilpraktiker, Sozialarbeiter oder Hellseher. Demnach ist der sozio-ökonomische Rollenwert dieser Berufsgruppe nicht zu unterschätzen, zumal diese gemeindlichen „Vorbilder“ für erhebliche Probleme sorgen. Bis heute existieren Gerüchte, die unter anderem durch Sangomas verbreitet werden, wonach HIV-Infizierte ihre Immunschwächekrankheit durch Sex mit einer Jungfrau behandeln könnten. Die Konsequenz ist, dass bereits weibliche Babies und Kinder vergewaltigt werden. Experten rechnen mit einer Opferzahl im fünfstelligen Bereich. Vor allem in den Townships der betreffenden Ballungsräume müssen Eltern um die Unversehrtheit ihres Mädchens bei 5,7 Millionen infizierten Personen im Lande jeden Tag aufs Neue beten. Auch der Herausgeber dieses Portals, Ghassan Abid, hielt sich mehrfach in Townships auf und suchte den Kontakt vor allem zu Müttern, die ihm ihre Sorgen bezüglich eines Kindesmissbrauchs bestätigen konnten.

Diesen Aspekt greift seit dem Jahre 2003 der deutsche Verein HOPE Cape Town auf, welcher ein Fundament für eine längerfristige Zusammenarbeit auf lokaler Basis zwischen westlichen und klassischen Medizinern etablieren möchte. Die Aufklärungsarbeit auf dem Gebiet von HIV/AIDS wird mittlerweile durch die Universität Kapstadt und durch die deutsche AIDS-Stiftung unterstützt.

Der Sangoma-Freund Jacob Zuma lässt bisweilen weder an der Praxis der traditionellen Heiler einen kritischen Diskurs zu, noch thematisiert er mit Ernsthaftigkeit und festem Willen die erschreckende HIV/AIDS-Problematik im Lande. Zivilgesellschaftliche Akteure der HIV-Prävention, etwa das „Treatment Action Campaign“ schlagen dementsprechend Alarm und fordern ein Handeln des südafrikanischen Präsidenten, damit die Vergewaltigungswelle von Babies und Kindern und die ansteigende HIV-Prävalenz bald wirksam begegnet werden können.

Sangoma-Analyse der University of Pretoria:

http://www.up.ac.za/dspace/bitstream/2263/11550/1/Botha_Sangomal%282004%29.pdf

NGO „Treatment Action Campaign“ schlägt Alarm:

http://www.tac.org.za/community/node/2819

Deutscher Verein HOPE Cape Town verbindet Moderne und Aberglaube:

http://www.hopecapetown.com/09German/program_sangoma_g.html

Videobeitrag des ZDF zu einer traditionellen Zeremonie in Südafrika:

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/hauptnavigation/startseite/#/beitrag/video/482120/Aberglaube-im-modernen-S%C3%BCdafrika