Schlagwort-Archive: Vandalismus

Stillstand bei BMW in Südafrika

Nach Ausschreitungen warnen Automobilbauer vor ernsten Folgen für Wirtschaftsstandort

(Autor: Ghassan Abid)

Nachdem der fünfmonatige Streik in den Platinminen Südafrikas beigelegt werden konnte, streiken nun die 220.000 Arbeiter der Metallindustrie. Sie fordern unter anderem eine 12-prozentige Lohnsteigerung und ein Verbot von Arbeitsvermittlern im Automobilsektor. Nach Informationen der Detroit News haben General Motors und BMW ihre Produktion am Kap stoppen müssen, da die Lieferkette unterbrochen ist. In der Branche macht sich Wut breit.

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© BMW kann seit dem 1. Juli keine Autos mehr in Südafrika produzieren. Infolge eines Streiks steht die Produktion im Rosslyn-Werk still. Auch General Motors musste bereits die Arbeiten in seinem Werk in Port Elizabeth stoppen, berichtet Detroit News. (Quelle: BMW South Africa)

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Kap-Kolumne: Kunst in Aktion oder Vandalismus?

Follow-Up: Gericht vertagt „Der Speer-Fall“ und somit die Bewertung der Kunstfreiheit in Südafrika.

(Autor: Detlev Reichel ist der Kap-Kolumnist des Südafrika-Portals. Als Missionskind, Sozialist und einstiger West-Berliner Anti-Apartheids-Aktivist berichtet er aus und zu Südafrika.)

War das Vandalismus oder Aktionskunst? Zwei Galerie-Besucher – angeblich ein Universitätsprofessor und ein Teenager – überschmierten das umstrittene Gemälde des Brett Murray in der Goodman Gallery in Johannesburg mit roter und schwarzer Farbe. Die dem derzeitigen Präsidenten Südafrikas ähnlichen Gesichtszüge und das gemalte Geschlechtsteil sind somit vorerst abgedeckt.

Eklat! Zwei Galerie-Besucher zerstören in der Goodman Gallery in Johannesburg das Gemälde „The Spear“.  Während der ANC das Werk des Künstlers Brett Murray als „rassistisch“ einstufte, vertagte das Gericht am heutigen Tage die weitere juristische Auseinandersetzung zur Bewertung der Kunst- und Meinungsfreiheit am Kap.

Die Klage gegen die Galerie und den Künstler bleibt bestehen, sagte ein ANC-Sprecher nach dem Vorfall. Das Hohe Gericht von Süd-Gauteng vertagte indessen die Anhörung zur Sache auf Donnerstag. Wegen der „nationalen Bedeutung“ der Auseinandersetzung verlangte der Vorsitzende Richter ein volles Gericht mit drei Richtern.

Die Aktion in der Galerie ist vorläufiger Höhepunkt einer rasanten Entwicklung um die Ausstellung „Hail to the Thief II“ des Künstlers Murray seit Freitag vergangener Woche. Als unwürdigen Zirkus bezeichnete der Journalist und Kunstkritiker Matthew Partridge in der Zeitung Mail & Guardian den Umgang der Medien mit dem Gemälde. Partridge spielte damit auch auf die Posen von Kollegen an, die mit ihren Händen am inkriminierten Teil des Bildes herummachten und sich dabei abbilden ließen. Das Bild selber wertere der Kunstkritiker als pubertäre Satire von der Güte eines Schuljungen, der den Rektor ärgern will.

ANC-Generalsekretär Gwede Mantashe bezeichnete das Bild als „rassistisch“. In afrikanischen Sprachen ist der verbale Ausdruck für Geschlechtsteile die schlimmste Beschimpfung und Beleidigung, die man einer Person zufügen kann. Werde jemand mit einem solchen Wort beschimpft, „bedeutet das Krieg“, brachte es Blade Nzimande auf den Punkt. Nzimande, Chef der mit dem ANC verbündeten Kommunistenpartei SACP, meinte manche Leute wüßten offenbar nicht, „in welcher Welt wir leben“.

In der Tat, in diesem Land treffen „erste“ und „dritte“ Welt unter einem Dach aufeinander. Diese Auseinandersetzung im gesellschaftlichen Überbau spiegelt deutlich die Widersprüche der südafrikanischen Gesellschaft wider. Was Kolonialismus und Apartheid mit Hilfe von Rassenideologie und brutalster Gewalt über 300 Jahre lang zu trennen und unterdrücken versuchte, muss nun zusammenfinden. Südafrika wird sich noch sehr viel Zeit geben müssen.

Vor diesem Hintergrund darf man gespannt sein, wie die Richter in dieser Sache entscheiden werden. Sie haben die salomonische Aufgabe, die verfassungsrechtlich garantierte Freiheit der Meinung und der Kunst mit dem Schutz der Menschenrechte und der kulturellen Identität eines jeden Bürgers in Einklang zu bringen.

Grundschule abgefackelt

Schwarze und Coloureds gehen in Grabouw aufeinander los

(Autor: Ghassan Abid)

Ausgerechnet kurz vor der Zelebrierung des Human Rights Day´s am 21. März 2012, an welchem in erster Linie für die im Apartheids-Südafrika getöteten Demonstranten von Sharpeville gedacht wird, machten Schwarze und Coloureds aufeinander Jagd.

© Rund 1.800 Kinder können nach der Zerstörung ihrer Umyezo wama Apile School vorübergehend nicht mehr zur Schule gehen. (Quelle: Rodger Bosch/ MediaClubSouthAfrica.com)

© Rund 1.800 Kinder können nach der Zerstörung ihrer Umyezo wama Apile School vorübergehend nicht mehr zur Schule gehen. (Quelle: Rodger Bosch/ MediaClubSouthAfrica.com)

Am letzten Wochenende begannen die ersten ernsten Übergriffe zwischen den beiden Ethnien in Grabouw, einer Kleinstadt mit rund 38.000 Menschen am Westkap. Es wird berichtet, dass ein aus rund 15 Personen bestehender Mob die Jagd auf wohl farbige Bewohner aufgenommen hatte. In diesem Zusammenhang ist dann ein Passant mit Steinen beworfen und mit Stöckern schwer verletzt worden. Weitere 14 Menschen mussten zur weiteren Behandlung ins Krankenhaus.

Im Anschluss kam es im Stadtbereich zu mehreren Übergriffen zwischen Schwarzen und Coloureds. Die Umyezo wama Apile School, eine Grundschule mit rund 1.800 Schülern, ist vollständig abgefackelt worden. Daraufhin schützten beide Ethnien die von ihnen genutzten Schulen und verhinderten zudem ein territoriales Überqueren durch die andere Ethnie. Außerdem sind zwei Dienstsitze von Stadträten und ein Gebäude der Stadtverwaltung im Verlauf der weiteren Eskalation abgebrannt worden.

Rund zwei Dutzend Personen sollen sich nun vor dem Amtsgericht in Grabouw verantworten, heißt es aus südafrikanischen Pressekreisen. Die südafrikanische Ministerin für Schulbildung, Angie Motshekga, verurteilte die Gewalt an der Schule in Grabouw und bedauert den Vandalismus von Einwohnern an Schuleigentum. Der Landesminister für Bildung am Westkap, Donald Grant, bekräftigt den Aufbau eines neuen Schulgebäudes. Er macht die Elgin Grabouw Civic Organisation (EGCO) als Drahtzieher für die Proteste verantwortlich. EGCO setzt sich als zivilgesellschaftlicher Akteur für den Ausbau von Lehrqualität und Schulkapazität ein.

Gegenwärtig ist wieder Ruhe in Grabouw eingekehrt. Grabouw zählt zu einem der größten Standorte für die Produktion von Früchten im südlichen Afrika. Insbesondere Saisonarbeitskräfte auf den Obstfeldern hoffen auf ein dauerhaftes Gewaltende und damit verbunden auf die Möglichkeit einer reibungsfreien Arbeitsaufnahme.

Graffiti in South Africa

Von Behörden in Deutschland und Südafrika abgelehnt, aber bei Jugendlichen beliebt

(Autor/ Editor: Ghassan Abid)

Nichts ist in der Kunstszene so ähnlich stark umstritten, wie Graffiti. Die einen bewerten Graffiti als verunstaltende Schriftzüge im öffentlichen Raum, die anderen erkennen hierbei eine kreative Gestaltungsform. Ob es sich bei Graffiti um Vandalismus oder Kunst handelt, obliegt weiterhin dem jeweiligen Betrachter und kann nicht abschließend bewertet werden. Fest steht nur, dass Graffiti weltweit präsent ist, auch in Südafrika.

© SPLITPIECE I

„Falko Starr“ ist ein bekennender Graffiti-Künstler aus Kapstadt, mit freundschaftlichen Kontakten nach Deutschland. Schon 1988, also während der Rassentrennungspolitik im Südafrika der Apartheid, entdeckte er seine Vorliebe für Graffiti. Man begann in den 80er Jahren Graffiti-Motive aufs Papier zu übertragen. „Es existierte keine Graffiti-Szene“, betont Falko die Anfänge dieser Bewegung. Man wusste während der Apartheid nur sehr wenig über Hip Hop bzw. Graffiti, weil Südafrika von der Außenwelt abgeschnitten war und kulturelle Einflüsse aus dem Ausland nicht ins Landesinnere vordrangen.

Graffiti im heutigen Südafrika erfreut sich jedoch vor allem bei Jugendlichen einer großen Beliebtheit, welche mit großem Interesse diesbezügliche Trends in Europa mitverfolgen und teilweise übernehmen. Immer mehr Graffiti-Künstler versuchen sogar afrikanische Elemente in ihren Gestaltungen einzubauen, um dem „South African graffiti“ eines Tages eine eigene Identität verschaffen zu können. Ähnlich wie in Deutschland, so Falko, beginnt man als Graffiti-Liebhaber mit einem „Bombing“, dem schnellen und großangelegten illegalen Besprühen auf Zügen, Wänden oder anderen öffentlichen Objekten.

© SPLITPIECE II

Interessant ist der Umstand, dass Graffiti in Kapstadt und Johannesburg zunehmend für kommerzielle Zwecke genutzt wird. Ferner erfährt die Szene in Kapstadt ihre schnellste Entwicklung, während in Durban, einer Küstenstadt im Osten des Landes, diese noch relativ klein und am Wachsen ist. Im Rahmen der Vorbereitungen zur WM 2010 sind allerdings alle besprühten Flächen in Durban nun übermalt worden, sodass diese Bewegung im östlichen Südafrika wohl länger unbedeutend bleiben wird.

Der Graffiti-Künstler beklagt sich aber über das Anti-Graffiti-Gesetz in Kapstadt, wonach ein Sprühen im öffentlichen Raum nur mit einer Genehmigung durch die Stadtverwaltung zulässig ist. Sollte man diese Regelung nicht beachten, kann dieses harte Konsequenzen mit sich ziehen. Er selber habe von einer 45 jährigen Frau erfahren, welche zum „Saubermachen“ von Wänden und einer Strafe von über 7.000 US-Dollar verdonnert wurde. Will heißen – die Behörden haben massive Probleme mit unerlaubten Graffiti, ähnlich wie in Deutschland.

Gegenwärtig tritt Falko mit einem eigenen Graffiti-Konzept auf, namens SPLITPIECE, welches dem Portal „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ exklusiv hier vorgestellt wird.

Verschiedene Graffiti werden wie Puzzleteile zusammengesetzt. Have fun, be cool! (;


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Exclusive Interview with graffiti artist Falko Starr

2010sdafrika-editorial staff: We would like to welcome Falko Starr, graffiti artist from Cape Town, thank you very much! Which reasons has allowed you to participate in graffiti scene?

Answer: I started in, 1988, an era when its was still apartheid. The scene was non-existant. There were a few guys who did graffiti but it was making pieces only on paper. Pieces on walls where done very few and far between.

I got into the scene, 1989, by meeting KING JAMO ( zulu nation king of south africa) who said that they needed graffiti artists to help with this `new` movement called the Universal Zulu Nation (a organization started in New York). I was very new to HipHop back then and found it was perfect for me to get into graffiti and the whole culture.

We did not really know about the `real writing culture` because of our political system. Information from the outside world was very little and we had almost no outside influences that came to our country to show/teach/eduate us about hip hop from the rest of the world.

2010sdafrika-editorial staff: What is making South African graffiti so special?

Answer: At the moment graffiti here is pretty much the same as around the world. The kids here basically follow whatever trends are happening in Europe. There are some, very few, artists who are trying to use african elements in their art but styles/pieces are more common.

© Graffiti Künstler/ artist Falko Starr

2010sdafrika-editorial staff: Many graffiti artists in Germany are spraying their pictures and logos on not allowed areas and objects, like trains or house walls. How it is in South Africa?

Answer: Graffiti scenes are the same anywhere in the world. There are different mentalities and a huge variety of philosophies about what is good, bad, right, wrong, commercial, sell out and hardcore.

Here, in certain cities there is more bombing than legal work but in Cape Town it is balanced. Bombing is an important part of the culture and I think most, not all, writers do it in the beginning of their graff lives.

2010sdafrika-editorial staff: Which status is the graffiti scene taking in South Africa and in which cities are which trends available?

Answer: Here in South Africa, it is generally welcomed by most people.

Cape Town And Johannesburg are the two cities where its used a lot for commercial needs.

Cape Town`s bombing scene is never the same from year to year. There are times when there are hundreds painting to times when there are only a hand full.

Durban is considered the smallest of scenes and cities in S.Africa. Bombing used to be really big in this city but with the soccer world cup they have cleaned everything.

2010sdafrika-editorial staff: Is the government supporting the graffiti scene, for example by offering spraying spaces?

Answer: In Cape town, and here only, a graffiti by-law was introduced. The law basically makes all graffiti illegal unless you get council permission first. Recently, the only wall of fame was raided and closed. The graffiti scene was told that they can only paint the area once they have requested for permission. This was a legal area for almost ten years.

At the raid, a local resident was arrested for protesting the raid. She is a 45 year old woman. They want to make an `example` out of her and want to prosecute her for cleaning the whole wall of fame. Estimated cost is about $7000(US).

So to answer you question: NO!

2010sdafrika-editorial staff: Where and on what do you have already sprayed?

Answer: Over the years, graffiti has created the opportunity for Falko to tour Sweden, Germany, France, Switzerland, Kenya and Greece. Highlights include; participating in the 50th Anniversary of the United Nations, creating murals for the build-up to the Olympics 2004 in Greece, and establishing a line of communication between artists in Kenya, England and South Africa through his “Lines of Attitude” project.

2010sdafrika-editorial staff: Which of your graffiti is for which reason the best one?

Answer: At the moment I`m busy with a graffiti concept called SPLITPIECE. This is the best work I`ve done by far. Not only for work but for the concept. I am the only one doing it in the world.

2010sdafrika-editorial staff: Are you in contact to German graffiti artists and what are you knowing about the graffiti scene in Germany?

Answer: My first magazine I ever gio, and still have, was a TUFF STUFF in 1992, in this magazine I saw a few writers that a bit ( lol) but it was one one first inspirations. Spraycan art also made me like lotsa writers from around the world but the fisrt writer I ever met was a German called Seemso in 1991. We have become good friends since then and he was the first writer to do a whole car here in South Africa. He also helped with development of the bombing scene. In 1998 Loomit, Esher and Can2 came down to SA. Within two weeks they destroyed and decorated equally. With saying this we became aquaitances.

Other writers/painters I`ve either stayed with or painted with is Seak, Daim, Kent and quite a few others that have come here to paint.

2010sdafrika-editorial staff: Which dreams would you like to realized?

Answer: Would like to do my splitpieces worlwide!!!

2010sdafrika-editorial staff: Falko Starr, graffiti artist from Cape Town, thank you very much!

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2010sdafrika-Artikel auf Schueler.CC (Newspoint.CC) veröffentlicht:

http://www.newspoint.cc/artikel/Lifestyle/Graffiti_in_Suedafrika_66072.html