Schlagwort-Archive: Verdacht

Bewegung im Mordfall Anni Dewani

Brite Dewani verliert Abweisung eines Auslieferungsersuchens der Justiz Südafrikas

(Autor: Ghassan Abid)

Rund drei Jahre nach dem Flitterwochen-Mord an Anni Dewani in Kapstadt kommt Bewegung in die Sache. Shrien Dewani, ein Brite indischer Abstammung, verlor am gestrigen Freitag vor dem High Court in London seine Abweisung eines Auslieferungsersuchens der südafrikanischen Justiz. Die Richter machten unmissverständlich klar, dass sofern sich der Gesundheitszustand des Angeklagten stabilisiert hat, er mit einer unverzüglichen Auslieferung zu rechnen hat.

    © Rund drei Jahre nach dem Flitterwochen-Mord an Anni Dewani in Kapstadt kommt Bewegung in die Sache. Ihr Witwer Shrien Dewani verlor am gestrigen Freitag seine Abweisung eines südafrikanischen Auslieferungsersuchens. Der High Court in London macht den Weg für einen Strafprozess am Kap frei. Doch der Angeklagte kann noch in die Revision gehen. (Quelle: Privat)

© Rund drei Jahre nach dem Flitterwochen-Mord an Anni Dewani in Kapstadt kommt Bewegung in die Sache. Ihr Witwer Shrien Dewani verlor am gestrigen Freitag seine Abweisung eines südafrikanischen Auslieferungsersuchens. Der High Court in London macht den Weg für einen Strafprozess am Kap frei. Doch der Angeklagte kann noch in die Revision gehen. (Quelle: Privat)

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Für die BILD-Zeitung aus Südafrika berichten

Im Interview mit Kai Feldhaus, BILD-Chefreporter: „Ich habe mich so sehr in das Land verliebt“

(Autor: Ghassan Abid)

© Kai Feldhaus ist Chefreporter im Nachrichten-Ressort der BILD-Zeitung. Für die auflagenstärkste deutsche Tageszeitung hielt sich der Reporter mehrfach in Afrika und in Südafrika auf.

© Kai Feldhaus ist Chefreporter im Nachrichten-Ressort der BILD-Zeitung. Für die auflagenstärkste deutsche Tageszeitung hielt sich der Reporter mehrfach in Afrika und in Südafrika auf.

2010sdafrika-Redaktion: Wir begrüßen auf „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ Herrn Kai Feldhaus, Chefreporter im Nachrichten-Ressort der BILD-Zeitung. Sie studierten Englisch und Sport in Essen und in Kapstadt. Wie kam es dazu, dass es Sie nach Südafrika verschlagen hatte?

Antwort: Ich habe den Jahreswechsel 1999/2000 in Südafrika verbracht und mich bei dieser Gelegenheit so sehr in das Land verliebt, dass ich 2000 zurück nach Kapstadt kam, um an der „University of the Western Cape (UWC)“ Englisch, Linguistik und Conflict Studies zu studieren. Es waren aufregende Zeiten,
UWC eine aufstrebende Uni, an der damals Studenten aus ganz Afrika, dafür kaum Weiße studierten. Die Zeit an der Uni hat mein Interesse an Afrika so sehr geprägt, dass ich seitdem – vor allem beruflich – den halben Kontinent bereist habe. Und immer wieder hat es mich nach Südafrika verschlagen, sowohl beruflich, als auch privat.

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Unerwünschte Südafrikaner in Deutschland

In 2012 durften 37 Südafrikaner nicht einreisen. 2 Weitere mussten das Bundesgebiet verlassen

(Autor: Ghassan Abid)

Grundsätzlich benötigen Ausländer aus Nicht-EU-Mitgliedsstaaten bei der Einreise in die Bundesrepublik Deutschland einen gültigen Aufenthaltsstatus, der sie für einen Aufenthalt hierzulande berechtigt. In der Regel wird dies mit einem Aufenthaltstitel wie Visum, Aufenthaltserlaubnis oder Niederlassungserlaubnis nachgewiesen. Doch nicht jeder Einreisende verfügt über einen solchen Rechtsstatus.

© 37 Südafrikaner durften im Jahr 2012 nicht in Deutschland einreisen. Sie wurden von Beamten der Bundespolizei an den Flughäfen zur Rückkehr in ihre Zielländer aufgefordert. 2 weitere Südafrikaner mussten nach dem unerlaubten Grenzübertritt das Bundesgebiet verlassen. (Quelle: Bundespolizei)

© 37 Südafrikaner durften im Jahr 2012 nicht in Deutschland einreisen. Sie wurden von Beamten der Bundespolizei an den Flughäfen zur Rückkehr in ihre Zielländer aufgefordert. 2 weitere Südafrikaner mussten nach dem unerlaubten Grenzübertritt das Bundesgebiet verlassen. (Quelle: Bundespolizei)

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Südafrika-Ermittlungen des Bundeskriminalamtes

Im Interview mit BKA-Vizepräsident Jürgen Maurer: NSU-Terror, Rockerkriminalität & Schmuggel

(Autor: Ghassan Abid)

© Jürgen Maurer, Vizepräsident beim Bundeskriminalamt (BKA). Von 2002 bis 2005 leitete er die Abteilung Polizeilicher Staatsschutz und von 2005 bis 2010die Abteilung Schwere und Organisierte Kriminalität. Am 01.02.2010 ist der studierte Diplom-Betriebswirt und Diplom-Soziologe zum Vizepräsidenten berufen worden. (Quelle: BKA)

© Jürgen Maurer, Vizepräsident beim Bundeskriminalamt (BKA). Von 2002 bis 2005 leitete er die „Abteilung Polizeilicher Staatsschutz“ und von 2005 bis 2010 die „Abteilung Schwere und Organisierte Kriminalität“. Am 01.02.2010 ist der studierte Diplom-Betriebswirt und Diplom-Soziologe zum Vizepräsidenten berufen worden. (Quelle: BKA)

2010sdafrika-Redaktion: Wir begrüßen auf „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ Herrn Jürgen Maurer, Vizepräsident beim Bundeskriminalamt (BKA). Zuallererst vielen Dank, dass Sie dem Interview die notwendige Zeit einräumen können.

Die Entwicklungen um den NSU verdeutlichen die kommunikativen Defizite zwischen den Sicherheitsbehörden. Inwiefern wird das BKA innerorganisatorische Veränderungen in Erwägung ziehen?

Antwort: Die Taten des „Nationalsozialistischen Untergrundes“, kurz NSU, sind zunächst deshalb so unfassbar, Weiterlesen

Blogger Akanyang Merementsi im Interview

Die südafrikanische Pressefreiheit findet keine Anwendung auf Blogger. Wer schützt die Netzaktivisten?

(Autor/ Editor: Ghassan Abid)

Deutsche Interview-Zusammenfassung:

Die Pressefreiheit muss in allen Staaten der Welt, auch in Demokratien, ständig verteidigt werden. In Südafrika steht die Presselandschaft besonders unter Druck. Mail & Guardian, das Flaggschiff des investigativen Journalismus, ist mehrfach durch den Staat und einer Reihe von Konzernen vor Gericht gezerrt worden – aktuell durch die Unternehmens- und Managementberatung Bososa. Die Aufdeckung der Quellen, der Whistleblower, ist in den meisten Fällen das Ziel von juristischen Auseinandersetzungen. Die Verfassung garantiere das Recht auf Quellenschutz, wenn ein hohes öffentliches Interesse bestehe, so der Blogger und selbsternannte „Media-Freak“ Akanyang Merementsi aus Rustenburg. Er bedauert jedoch, dass den Bloggern kein Rechtsstatus auf journalistische Privilegien zusteht – ähnlich in Deutschland. In den USA hingegen existieren bereits Organisationen wie Electronic Frontier Foundation (EFF), die den Bloggern umfassende Hilfe in Öffentlichkeitsarbeit und Rechtsberatung- bzw. vertretung anbieten. Bezüglich der geplanten und vom ANC geplanten Presseregulierung, wonach im Rahmen des sog. Protection of Information Bill Journalisten bei der Veröffentlichung von geheimen Informationen mit bis zu 25 Jahren Haft bestraft werden können, führt Akanyang die Zunahme von Falschmeldungen an. Die südafrikanische Presse hat in den letzten drei Jahren nach Angaben des stellvertretenden Presse-Ombudsmann  für einen Anstieg der Beschwerden von 70 Prozent gesorgt. Falsche Informationen und unethische Meldungen dienen dementsprechend als Grundlage zur Presseregulierung.  Ferner bemängelt Akanyang die fortwährende Schwarz-Weiß-Einteilung der südafrikanischen Gesellschaft und vor allem die von Weißen betriebene Assoziation von Problemen wie Armut, Kriminalität, mangelnde Bildung und Korruption  mit der schwarzen Hautfarbe. Er hasst es, dass Schwarze per se  in „Verdacht“ gestellt werden.

© Akanyang Merementsi, media freak & blogger and worker in mining industry

© Akanyang Merementsi, media freak & blogger and worker in mining industry.

2010sdafrika-editorial staff: We would like to welcome on SÜDAFRIKA – Land der Kontraste – the German Gateway to South Africa – a Rustenburg based blogger Akanyang Merementsi. Dear Akanyang, according to your Akanyang Africa blog you are a “media freak”. Which aims are you following with your online media?

Answer: My blog addresses a range of topics and these include politics and media developments in South Africa (African and abroad). I am passionate about media and politics and this must have something to do with the fact that I almost became a journalist in my last year (2007) at North West University’s Mafikeng campus in the North West province.

At the time I developed a keen interest in media and politics which played a role in my becoming a writer for the university student newspaper, The Album. The stint, however, only lasted for a couple of months until sometime August that year when the university, strangely, decided to close down the newspaper due to lack of funds. In my first issue I had only written one feature involving a student whose residence room had caught fire and burned most of her belongings. I also contributed in the news snips section of the newspaper.

But as for political interests, I hope my Aquarius star attributes of curiosity and inquisitiveness have nothing to do with it. But I suspect they do.

2010sdafrika-editorial staff: You are criticising several cases of organisation that are in confrontation with press institutions. For example in the juridical case between the enterprise BOSASA against Mail & Guardian newspaper. Is the South Africa state sufficiently protecting bloggers and journalists?

Answer: On the Mail & Guardian vs. Bosasa saga I was merely concerned that there was such great silence from other media houses in the country that previously claimed to support press-freedom but had failed to come to the defence of M&G when it was being forced through the Court to reveal sources that had leaked certain information to it. And as far as I understand newspapers like M&G are protected by the Constitution from not revealing their sources if their revelations are “in the public interest”, which the Bosasa stories were, according to my understanding. Therefore it was sad that only one organisation was behind M&G in court while others like Democratic Alliance, Cosatu, etc. were silent.

So journalists enjoy more protection than bloggers (like myself or any other for that matter). This is because, so we are told, we are not and cannot claim to be journalists who enjoy some great protection from the Constitution.

I do not think bloggers can claim to be journalists and therefore claiming their rights, but I truly believe that we bloggers do not enjoy any protection at all to date.

Not even international organisations I have interacted with can easily help me fight any legal battle for me a South African blogger. Or if they were, it would be difficult as they would first have to find their peer in my country who would be willing to represent me. In June last year I asked Rebecca Jeschke, a media relations director at Electronic Frontier Foundation (EFF) – a US-based organisation that fights for what it called the Bloggers’ Rights – about her organisation and what it does. With offices only in San Francisco, Jeschke said the organisation’s “legal guide” whose “law [is] referenced” in the US “likely doesn’t apply to South Africa”.

Asked how EFF defended bloggers in other parts of the world – South Africa as an example, she said they worked on “an activism level”. “We can and do call attention to important international cases, and work on international policy issues. But we don’t do on-the-ground legal work for cases outside of the US”. Although they would not be personally helping bloggers if they faced lawsuits, Jeschke said, however, that EFF can be contacted for assistance and they “will try to help find appropriate legal assistance”. “But we can’t provide that assistance ourselves for cases outside of the US”, she said.

If you will remember a blogger had written a story for which s/he was fined over a million Pounds/Euros/dollars. This, the Court found later, was because, unlike journalists, she was not protected from not disclosing sources. What bloggers can only exercise but with caution is our right to freedom of opinion and expression which are enshrined in the South African Constitution. So this is an indication that bloggers do not have much protection as journalists do.

2010sdafrika-editorial staff: What is your opinion with regard to the ANC’s planned Protection of Information Bill? Will the government be cutting press freedom?

Answer: I have not read the revised version of the proposed regulation, even the old one I had not finished reading. However, those that had read both versions and whose judgements I trust are of the opinion that the Protection of State Information Bill in its current form might be unconstitutional.

For example, at the time of doing writing veteran Human Rights lawyer George Bizos of the Legal Resources Centre reportedly had his submission to Parliament on the bill that: “as it stands, [it] runs contrary to and indeed threatens many of the fundamental values and principles enshrined in the Constitution”. This is the general view in the country and of course many of us are inclined to believe that for as long as the bill is not in line with the constitution as alleged – where the media and press rights and freedom and their constitutional obligations to report without fear and or favour are not recognised, where whistleblowers are protected and that any information can be leaked and or reported in the “public interest” – then we need to be worried and concerned as a nation because many secrets (often by political parties, corruptable businesspeople, government departments and private businesses) are very much likely to be covered up with the passing of these laws.

So by introducing a law such as this and the ruling party’s proposed Media Appeals Tribunal – our media would be very much limited to reporting alleged/suspected corruption where leaked evidence thereof do exist. Therefore, to a great extent, these laws would be “cutting press freedom”.

Having said this, however, the media (especially on MAT proposal) is as much to blame for many of its unethical and irresponsible reporting, some of which are way out of line with the South African Press Codes.

For example, I blogged on May 7 last year, asking: “Is Sunday Times living up to this Code of Conduct?” In another blog entry published at the same time, I asked: “Has Sunday Times breached the Press Codes on its ‘Dis-Grace’ story?” Below is just a few of my articles published on my blog in which I criticise the press/media:

  • M&G newspaper fighting solo Court battle to protects its sources
  • Is Rupert Murdoch doing a Bosasa on M&G?
  • Why our media should sleep on its ‘self-regulation’ bed now more than ever
  • Does the media report or assume news?
  • Is there ’copy and past’ in SA newsrooms?
  • What editors need to do to avoid a repeat of The Star and Daily Sun (newspapers) on Malema
  • Is Avusa Media consistent with columnists?
  • Did Avusa and Sunday Times “raise controversy without thought for the consequences” with Roberts’ column?
  • When should “sources” be used?
  • Interview with SA Press Council and Press Ombudsman
  • Did Sunday Times act “ethically” in publishing “Against The Rules Too” report?
  • Public Protector vindicates me on Sunday Times’ “unethical and unlawful” publication of Against The Rules Too
  • M&G playing political games with anonymous sources?
  • Was Mbeki wrong about Press Freedom in 1996?
  • Sunday World and Sunday Times “slave for formula”?
  • Has Mail & Guardian confused you on the Maharaj saga?
  • Was Sowetan’s Mathale “dare” Zuma claim misleading?

In February this year South African Press Council released figures in which it noted the increase of complaints against newspapers. Deputy Press ombudsman said at the time that there was a 70% increase over the last three years in the number of complaints about incorrect or unethical newspaper reports. He said the complainants grew from 150 in 2009 to 213 in 2010 and 255 in 2011.

While criticising the media on 13 March, Press Ombudsman Joe Thloloe said his office experienced “problems… with the way ([newspapers] ignored correspondences” from his office, naming The Times newspaper as one of the culprits. This, however, is not to say the press should be suppressed as it now is tempted to with these laws although the government has denied this.

© Screenshot to the blog "Akanyang Africa" by Akanyang Merementsi

© Screenshot to the blog „Akanyang Africa“ by Akanyang Merementsi

2010sdafrika-editorial staff: South Africa is still challenged with many socio-political problems like crime, corruption and poverty. Is the government by President Jacob Zuma doing enough for the South African people or which policies should be changed?

Answer: I would like to believe that the government is doing its best – though not enough – to fight poverty and corruption the country. On 11 March 2012, I was called an “idiot” by someone on Twitter when I put it to him that we – especially white people in the country – have a tendency of saying crime, education and corruption is a “Black problem” or the “ANC problem”. Which are not. So for as long we have people who still 18-years into our democracy see crime, education and crime as a “black person’s problem” then we have a long way to go in overcoming these challenges.

I would also like to believe that we have good policies in fighting these but sometimes lack of community involvement (for whatever reasons) is probably one of the reasons why there is little success in sorting out our education, crime and poverty and corruption challenges.

2010sdafrika-editorial staff: Some voices are denouncing the continuous fragmentation of the South African society in blacks and whites. Would you confirm this perception?

Answer: I have realised that we have accepted and see ourselves on racial terms: black and white people. To achieve the rainbow nation envisioned by former President Nelson Mandela will take probably longer than it took apartheid to rule South Africa. Seeing ourselves as just one human race will be hard-work and not an easy road, I must add.

One of the issues that often come up is that of white people failing to accept some of the awful things their forefathers had done to ours. And it is sad that some of these things still happen to this very day. To address this, I would suggested that we have some sort of a Race Debate because surely Desmond Tutu’s Truth and Reconciliation Commission did little job in helping both blacks and whites accept one another and our differences. But at the same time – as mentioned in my blog post published on 25 March 2012 and titled “My ‘Black Man Code’ or is it a ‘Trayvon Martin’ moment? – I think white people “… tend to treat us blacks with suspicion” and I hate it.

Associate Press Writer Jesse Washington coined The Black Man Code and he told his son to “Understand that even though you are not a criminal, some people [white in particular] might assume you are, especially if you are wearing certain clothes”. So to a “black male… [to] go above and beyond to show strangers what type of person you really are” – as Washington told his son to do – it will be difficult because this always gives us blacks The Black Man Code. Worse, it sometimes makes us experience that “Trayvon-Martin moment”.

2010sdafrika-editorial staff: Which impressions do you have from Germany and Germans?

Answer: Unfortunately I cannot form any opinion of Germany and or its people because I have not had any interaction with them.

2010sdafrika-editorial staff: Akanyang Merementsi – media freak & blogger – thank you very much for this interesting interview!

Tragisches Bollywood-Drama in Kapstadt

Südafrikas Justiz und Medien fordern Auslieferung des Briten Shrien Dewani

(Autor: Ghassan Abid)

Shrien Dewani beschäftigt seit Ende 2010 sämtliche Medien in Südafrika, Großbritannien und Indien. Mehrere Regierungspolitiker äußerten sich bereits zum Fall. Die Justiz Südafrikas fordert bisweilen die Auslieferung von Dewani, welcher sich aktuell in einer psychiatrischen Anstalt in England befindet. Allerdings verweigerte die britische Justiz am gestrigen Tag die vorläufige Auslieferung des reichen Businessman an Südafrika. Zur Begründung wurde der schlechte Gesundheitszustand des Tatverdächtigen angeführt.

Liebesgeschichte wie aus einem Bollywood-Film

Shrien Dewani stammt aus einem reichen bürgerlichen Elternhaus. Nach seinem Studium zum Wirtschaftsprüfer an der University of Manchester, arbeitete er für das Unternehmen Deloitte und die Stadtverwaltung von London. 2009 lernte er die Schwedin indischen Ursprungs, Anni Hindocha, kennen. Sie modelte in England. Im Oktober 2010 heirateten schließlich beide im indischen Mumbai und Anni Hindocha übernahm den Namen ihres Mannes. Bis zu diesem Zeitpunkt schilderten sämtliche Familienangehörige und Freunde, dass das Ehepaar sehr glücklich war und Shrien seiner großen Liebe jeden Wunsch erfüllte.

Hochzeitsvideo aus glücklichen Tagen

Horror in den Flitterwochen

Doch als die frisch Getrauten ihre Flitterwochen in Südafrika verbrachten, kehrte eine unerwartete Kehrtwende ein. Am 7. November 2010 landeten Shrien und Anni Dewani am Cape Town International Airport. Vier Nächte hielten sich im Krüger-Nationalpark auf. Am 13. November 2010 dinierten beide in einem Strandrestaurant und setzten ihren „slum tourism“ in Gugulethu fort, einem Township bei Kapstadt. Zola Tongo war mehrfach ihr Fahrer und auch am 13. November 2010 dabei, als das Taxi von zwei bewaffneten Männern überfallen wurde. Zu fünft fuhren sie ohne Ziel in Gugulethu herum, bis Shrien Dewani und Zola Tongo aus dem Fahrzeug geworfen wurden. Die Fahrt setzten die Kidnapper mit Anni alleine fort. Ein Tag später wurde die Schwedin im Township Khayelitsha von Polizeibeamten im selben Taxi tot aufgefunden. Ihr Körper wies mehrere Spuren von äußerer Gewalteinwirkung auf, unter anderem die einer Schusskugel im Nackenbereich. Mehrere Wertgegenstände Anni´s verschwanden.

© Anni Dewani, Geburtsname Hindocha, wurde im Vorort von Kapstadt entführt und ermordet. Ihr eigener Ehemann wird nach Auffassung der südafrikanischen Ermittlungsbehörden als Auftraggeber des Mordes bezichtigt. (Quelle: justice4anni.com)

© Anni Dewani, Geburtsname Hindocha, wurde im Vorort von Kapstadt entführt und ermordet. Ihr eigener Ehemann wird nach Auffassung der südafrikanischen Ermittlungsbehörden als Auftraggeber des Mordes bezichtigt. (Quelle: justice4anni.com)

Verdacht des Auftragsmordes

Seit dem Vorfall vom 13. November 2010 steht Shrien Dewani in Verdacht, den Mord an seiner Ehefrau in Auftrag gegeben zu haben. Nach einem Verhör des Taxifahrers Zola Tongo kam heraus, dass Shrien ihm rund 15.000 Rand angeboten haben soll, um seine Frau umbringen zu lassen. Aus den Indizien wurden zunehmend Beweise, nachdem Überwachungsbilder des Hotels ausgewertet wurden. Zu sehen ist, dass Shrien dem Fahrer Bargeld in einer weißen Tüte übergeben hatte. Auch soll sich Shrien in einigen Aussagen widersprochen haben. Dennoch beteuert Shrien Dewani bis zum heutigen Tage seine Unschuld. Die Geldübergabe im Hotel soll lediglich im Zusammenhang mit dem Tour-Guiding stattgefunden haben.

CCTV-Aufnahme: Geldübergabe zwischen Shrien Dewani und Zola Tongo

Großbritannien unterstützt Ermittlungsbehörden Südafrikas

Der High Court of Justice, das Oberste Gericht von England und Wales, hat seine Kooperationsbereitschaft mit den südafrikanischen Behörden signalisiert. Auch die Innenministerin Großbritanniens, Theresa May, untermauerte im September 2011 die Notwendigkeit einer Auslieferung des Beschuldigten. Shrien Dewani ist allerdings gegen die geplante Auslieferung in Berufung gegangen und versucht weiterhin einen Prozess in Südafrika zu verhindern. Die Haftbedingungen in südafrikanischen Gefängnissen würden für ihn ein Risiko darstellen, vor allem im Hinblick auf sexuelle Übergriffe durch Mitgefangene.

Strafverfolgungsbehörde in Südafrika geht von Schuld aus

Der Pressesprecher Mthunzi Mhaga von der National Prosecuting Authority (NPA), welche die Funktion der obersten Strafverfolgungsbehörde Südafrikas einnimmt, hat mehrfach festgehalten, dass die südafrikanische Justiz von einer Verwicklung Shrien Dewani´s in den Mord überzeugt ist. Die NPA geht davon aus, dass bei einer Verbesserung des Gesundheitszustandes des Angeklagten einer Auslieferung durch die britischen Kollegen nichts entgegenstehen wird.

Kritik an der Ermittlungsarbeit der Behörden

Die Polizei SAPS, die NPA und die Medien sind unter anderem durch die britische Presse kritisiert worden; die Behörden für die mangelnde saubere Ermittlungsarbeit und die Medien für die Vorfeld-Verurteilung von Dewani.  Der Grundsatz der Unschuldsvermutung sei mit Füßen getreten worden, heißt es von Prozessbeobachtern. Auch wird der südafrikanischen Öffentlichkeit vorgeworfen, dass die Medienkampagne der Familie von Anni eine Beeinflussung der mit dem Fall betrauten Personen erzielt hat. Mehrere Organisationen und formlose Vereinigungen sind ins Leben gerufen worden, wie etwa Justice for Anni, die eine harte Verurteilung des Businessman fordern. Ebenso konnte noch kein  überzeugendes Motiv ermittelt werden, warum Shrien seine Frau umbringen lassen sollte.  Der Taxifahrer Tongo ist bereits zu einer Haftstrafe von 18 Jahren verurteilt worden. Den beiden Kidnappern erwartet am 13. April das Urteil. Ihr Verteidiger wirft der Polizei vor, dass seine Mandaten Xolile Mngeni und Mzwamadoda Qwabe zu einem Geständnis unter Folterandrohung gezwungen wurden.

Unterdessen versicherte Südafrikas Justizminister Jeff Radebe  dem britischen Bürger einen fairen Prozess am Kap zu. Längst ist dieses Rechtsverfahren zu einem Politikum avanciert, welches die Leistungsfähigkeit der südafrikanischen Justiz ins Zentrum des öffentlichen Diskurses gerückt hat. Die weitere Entwicklung  bleibt abzuwarten.